Das Internet und das Verschwinden der Geschichtsschreibung

Begonnen von Kuddel, 18:22:30 Mi. 28.Mai 2025

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Kuddel

Als das Internet pupulär wurde, gab es auch einen linken Hype zur subversiven Kraft dieses Mediums.

Als besonders dumm und falsch entpuppte sich der Spruch "das Internet vergißt nicht".

Bei großen Online-Medien wie spiegel-online verändern sich Artikel manchmal innerhalb weniger Stunden. Es werden nicht nur Fehler ausgebügelt oder Formulierungen verbessert, es werden auch Inhalte verändert, ohne das für den Leser nachvollziehbar zu dokumentieren.

Schlimm ist die Unbedarftheit der Linken, die das Netz für "ihr" Medium halten, dort veröffentlichen, ohne nach der Zukunft der Veröffentlichung zu fragen. Wenn linke Zusammenhänge zerfallen, die Aktivisten sich zerstreiten, oder der Zuständige für den Webauftritt verstirbt, ist oft die Seite futsch.

Inzwischen kriegen wir auch die Macht der Oligarchen, der Tech-Bosse und Multimilliardäre zu spüren. Die Social Media Auftritte zahlreicher Projekte im Kurden- oder Plästina-Zusammehang wurden unangekündigt gelöscht, wobei die Betreiber oft keinerlei Backup hatten, selbst bei wissenschaftlichen Projekten.

Die Herrschenden haben interesse an der Kontrolle über die Geschichtsschreibung.

ZitatKontrolle der Vergangenheit
Ein elementares Konzept der Partei zur Kontrolle der Gedanken ist die Kontrolle der Vergangenheit. Deshalb wird im Ministerium für Wahrheit ein gigantischer Aufwand betrieben, alle existierenden Dokumente der gegenwärtigen Parteilinie anzupassen. Von der Partei oder dem Großen Bruder geäußerte Voraussagen z. B. zur Güterproduktion oder dem Kriegsverlauf werden an die tatsächlich eingetretenen Fakten angepasst, damit ,,die Partei immer recht hat". Niemand soll in der Lage sein, mittels historischer Dokumente Aussagen der Partei zu widerlegen.
https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)

Fritz Linow

Das Mao Projekt gibt es übrigens auch nicht mehr. Es ist zwar noch auf archive.org hinterlegt und die Bestände werden einem Archiv übergeben, es ist aber trotzdem schade, weil das eine großartige Quelle für alles mögliche an linken Bewegungen aus den letzten Jahrzehnten war. Nebenbei konnte man auch was lernen.

https://www.mao-projekt.de

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