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Krank => Mobbing => Thema gestartet von: Anais am 15:29:09 Mo. 21.Februar 2011

Titel: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Anais am 15:29:09 Mo. 21.Februar 2011
Nachdem ich mich viele Monate lang über das schikanöse und ungerechte Verhalten meiner Chefin und meine erfolglose Gegenwehr schwarz geärgert habe, bekam ich vor einer Woche einen nervlichen Kollaps und kündige den Job im Affekt, wobei ich zusätzlich noch ALG II beziehe.

Ich will nicht alle Streitpunkte aufzählen, also was das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war die Unterschlagung meiner Überstunden. Immer wenn ich meine Chefin darauf anspreche, dass Stunden fehlen, gibt sie das nie zu, sondern dreht es so, als hätte ich zuwenige notiert. Als ich sie darauf hinwies, dass mir die vollständige Erfassung meiner Überstunden wichtig ist und sie in Zukunft mehr Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit darauf verwenden soll, erwiderte sie, dass sie meine Haltung nicht gut findet. Da ist mir wirklich der Kragen geplatzt über ihre ausbeuterische Unanständigkeit. Ich bin total empört und voller Zorn und Groll, dass sie erwartet, das ich es mit den Überstunden nicht so genau nehme und dankbar sein soll, überhaupt einen Arbeitsplatz zu haben. Das ist ihre Antwort, wenn es mal einer wagt, sich über etwas zu beschweren. Ich biete meine Arbeitskraft gegen Entgelt an, ich bin kein Sklave. Meine Arbeitskraft gibt’s nicht zum Nulltarif. 

Wenn jemand gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestiert oder mit einer Regelung oder Dienstanweisung nicht einverstanden ist, wird derjenige von der Chefin giftig und rabiat zurechtgewiesen, sie lässt nicht mit sich diskutieren, nach erneutem Widerspruch wird dem Mitarbeiter der Mund verboten und sie schreit „Schluss jetzt!“ Bei solchen Gelegenheiten platze ich innerlich vor Wut, auch wenn es mich selbst nicht betrifft. 

Es ist klar, dass mich die Arge sanktionieren wird. Aber schlimmer ist noch, dass ich kaum hoffen kann, dass mir beim nächsten Job als Arbeitnehmer mit mehr Gerechtigkeit, Anstand und Respekt widerfahren wird. Für mich ist die Arroganz, Überheblichkeit, Entrechtung, Schikane, Willkür und Unterdrückung durch die Arbeitgeber eine unerträgliche Zumutung. Ich will das nicht mitmachen.

In meinem sozialen Umfeld finde ich kaum Verständnis für meine Gefühle und Einstellung. Alle rackern sich ab und lassen sich treten, halten die Klappe aus Angst vor dem sozialen Abstieg in Hartz. Sie passen sich an, verleugnen sich selbst, betäuben ihren Frust abends mit nem Bierchen vorm Fernseher.
Ich kann so nicht leben. Gibt es hier Gleichgesinnte?
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Vincent_Vega am 19:37:08 Mo. 21.Februar 2011
jau. ich konnte auch nie die schnauze halten. deswegen war ich auch nirgends länger als 3 jahre. gruss :)
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Pfiffi am 19:57:46 Mo. 21.Februar 2011
Ist zwar traurig, das es das noch gibt, aber mit mehr innerer Gelassenheit und Ruhe, wäre das auch zu machen gewesen.
Stichwort, Dienst nach Vorschrift.

Wenn Deine ehemalige Chefin sich selbst nicht leiden konnte, Du musstest sie nicht leiden nur ertragen.

Sicher werden mehrere diese Erfahrungen gemacht haben.

Jetzt ist erstmal Konzentration angesagt, wie es weitergeht.
Übrigends Alkohol ist keine Lösung, die Probleme sind dann genauso noch da.
 ;)
Kopf hoch, der bleibt dran.  :D
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: DJ1980 am 20:49:26 Mo. 21.Februar 2011
Zitat
Übrigends Alkohol ist keine Lösung, die Probleme sind dann genauso noch da.

Ja, und kein Alkohol ist auch keine Lösung! Also was tun?  ?( ?( ?(

Aber zurück zum Thema: Ja, hier gibt es wohl mehr als genug Leidensgenossen. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, das du ne Sanktion oder Sperre bekommst, zumindest nicht, wenn du es richtig angestellt hast!
Das ist auch einer der Gründe, warum man seine Stundenzettel (Bei Leihfickern z.B.) immer aufheben sollte. Hat man keine zu führen, muß man halt immer nebenher Buch führen. Ist zwar nicht zwangsläufig Gerichtsfest, bringt einem aber schon eine gewisse Sicherheit!
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: schmetti am 19:51:02 Di. 22.Februar 2011
...wie überlebt man das Arbeitsleben ?

Puh, da gibt es ein paar gute Möglichkeiten.

- Man wird selbst zum Rambo, furzt die Kollegen wegen jedem kleinsten Fehler an und beschwert sich ständig darüber, dass es im Arbeitsbereich so stinkt.
- Man wird zum Maulwurf des Chefs. Jede kleine Kleinigkeit wird dokumentiert. Am Ende der Schicht wird alles dem Chef vorgelegt.
- Man besäuft sich vor der Schicht vorher so extrem, dass man ein Gefühl der Leichtigkeit verspürt und man selbst über das Gemobbe vom Chef lachen kann.

... aber in Ernst, wie überlebt man es, ohne irgendwelche Schäden davonzutragen?

Das Patentrezept kann dir glaube ich keiner geben. Gerade wenn man auf Missstände allergisch reagiert, kommt es oft vor, dass man sich was Neues suchen darf. Meiner Erfahrung nach ist Kritik, gerade vom "einfachen Sklaven", nicht sonderlich gern gesehen. Auch wenn sie noch so offensichtlich angebracht ist. Es kommt aber natürlich auch drauf an, was für einen Charakter der Chef hat. Hat man wirklich Pech, dann ist man schneller wieder draußen, als man Kritik anbringen konnte. Meist bleiben nur die stillen, zahmen Lämmer, die, die Missstände selbst dann ignorieren, wenn sie ihnen bis zur Kinnlade stehen. Angst um das Danach spielt auch eine große Rolle.  Sorgen darüber, wie man seine Familie ernähren soll z.B..

Genau damit spielen doch leider viele Chefs. Mit der puren Angst. Die wehren sich schon nicht. Und selbst wenn mal jemand auf die Idee kommt, einfach auswechseln, weiter gehts. In der Marktwirtschaft ist anscheinend alles erlaubt.

Ich persönlich finde deine Reaktionen absolut nachvollziehbar und ich bin immer glücklich darüber, Menschen zu erleben, die nicht alles mit sich machen lassen. Bitte lass dich niemals unterdrücken und bewahre deine Würde.
Und sei nicht so böse auf dein Umfeld. Ich kenn es auch, dass einen niemand großartig den Rücken stärkt, nein, es kommt sehr oft vor, dass man auf Unverständnis trifft. Aber diese Leute können sich nicht einfühlen in dich, sie wissen nicht, welche Beweggründe du hattest. Gesteigerter Arbeitsidealismus... oder so.
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: sleeping-gateman am 00:49:37 Fr. 08.Februar 2013
Es gibt noch eine Möglichkeit : Chef zersägen. Sie finden sie hier : https://vimeo.com/55224501 (https://vimeo.com/55224501) oder vimeo.com/kawomms zum leichteren Aufschreiben. Ich habe übrigens trotz der Hilfe den button für neues Thema nicht gefunden. >:( Falls mir da jemand helfen kann. :)
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Andrico am 11:40:56 Fr. 08.Februar 2013
Hallo Sleeping Gateman,

Zitat
Ich habe übrigens trotz der Hilfe den button für neues Thema nicht gefunden. Angry Falls mir da jemand helfen kann. Smiley

Einfach in der Hauptkategorie wie zum Beispiel "Mobbing" oben neben "Alle Gelesen" und "Benachrichtigen" auf den Button "Neues Thema" klicken.

Andrico
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: DuChef am 20:36:05 Di. 12.Februar 2013
Gute Frage.. mit guten Kollegen und einem netten Chef..

Dazu Arbeit, die Spaß macht.

Aber wo findet man so etwas? Ist ja wie Lotto spielen und die Millionen gewinnen!
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Aduu87 am 15:37:17 Mi. 13.Februar 2013
Ist zwar bisschen zynisch, aber für die welche mal sich ausfrusten wollen

http://www.spielen.es/whack-your-boss (http://www.spielen.es/whack-your-boss)

Was den Anfangspost angeht. Bin 25 Jahre jung, und konnte beim letzten Arbeitgeber auch nicht die Schnauze halten. Chef hat mir zwar groß hingestellt "das ist dann dein Lager und ich will hier nur Leute arbeiten sehen die das als IHR Lager sehen bla bla blubb managergefasel".

Als ich mich aber dann aufgrund eklatante Verletzungen geltender Sicherheitsbestimmungen sachlich und höflich "aufgemuckt habe", sowie (nachdem einer seiner Verkaufslaster einen Unfall hatte, musste ich alleine mit nem 3,5 Sprinter nach Straubing tun... und räum mal einen 7,5er alleine aus mit Restware und lauter Schubladen, Fächern ect. mit deines Vaters Werkzeuges das er einem mitgegeben hat, obwohls Chef Sache ist sowas bereit zustellen und am Ende nicht mal ein Danke kam.... egal lange geschichte  ;) ) mich aufgemuckt habe, was das soll mich für arbeiten loszuschicken die locker eigentlich für 2-3 Personen gedacht ist....

naja, ich persönlich denk mir, liebers Maul aufgemacht bei sowas, als ständig nur zu buckeln... braucht man sich ja nicht wundern das sich hier in Schland nichts ändert.

Wünsche dem Anais persönlich alles gute für seine Lebensituation ^-^ hoffe das dich das JC nicht nervt und du (so wie wir Muslime sagen) inshallah (so Gott will) wieder eine Arbeitsstelle bekommst, welche dir definitiv Spaß macht und wo menschliches, kollegiales Verhalten an Tag gelegt wird.
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: inline am 18:56:38 Sa. 23.März 2013
Ich würde einfach keine Überstunden machen, wenn unsicher ist, dass die erfasst werden.
Bzw. ich würde die erst mal selbst notieren. Wenn die Chefin die nicht anerkennt , dann würde ich sagen, dass man zu Überstunden ja nicht verpflichtet ist.

Wie passt es überhaupt zusammen?  Überstunden und trotzdem noch zusätzlich ALG II ? Bzw. wie hoch war eigentlich der Stundenlohn ?
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Nick N. am 13:19:04 Di. 26.März 2013
Daß einem eingeredet wird, man sei der Einzige, dem es so geht, das gehört zum System. Wüßten die Leute, denen es so geht wie Dir, wie viele sie sind, würde das nicht lange so gehen.
Die online- quer Nr.5 (Zeitung der Oldenburger Erwerbsloseninitiative ALSO) empfiehlt ein Buch mit Interviews mit Beschäftigten, wo es genau darum geht.
Wenn ich die Buchbesprechung richtig verstanden habe, dann kann es auch dazu beitragen, aufzuzeigen, wie viele Beschäftigte eigentlich in ähnlichen Situationen sind.
Hier kann man die Zeitschrift downloaden, die Buchkritik ist auf S. 26
http://www.also-zentrum.de/seiten/zeitung-quer/downloadbereich.php (http://www.also-zentrum.de/seiten/zeitung-quer/downloadbereich.php)
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Vahles am 09:37:44 Di. 10.Mai 2016
Für mich war der einzige Weg, dieser undankbaren, fremdbestimmten Maschinerie zu entfliehen, die Selbstständigkeit. Es gibt aber natürlich auch Jobs und Arbeitgeber, wo alles etwas gesitteter und fairer abläuft, und Arbeitnehmerrechte berücksichtigt und gelebt werden. Unbezahlte Überstunden ist ja eins der Klassiker, das geht gar nicht.
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Bowie am 20:42:25 Di. 10.Mai 2016
Ich kenne viele Leute, die genauso gedacht haben, aber in der entgegengesetzten Welt gelandet sind. "Selbstständigkeit" wurde zu einem Faß ohne Boden, Abhängigkeit von Auftraggebern, Angst vor dem Scheitern. Nie wirklich Feierabend. Planungen, Zweifel und Ängste verfolgen einen rund um die Uhr.
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: dagmar am 15:25:40 Mo. 06.Februar 2017
Wie man/frau das Arbeitsleben überleben soll, wie es derzeit rund um uns ist weiß ich nicht. Aber aus dem Umfeld wird mir gesagt,dass die Unzufriedenheit in allen Schichten zu finden ist, die Burnouts überall Waldfeuer in Brand stecken und die Politik jeden erzürnt, der ein bischen nachdenken kann.

Ja, ich hatte schon scheiß Jobs - da gab es dann gute Kollegen, die ganz viel aufgefangen haben ; einfach weil wir viele waren, die unzufrieden waren.

Heute ist es aber oftmals so, dass ganze Abteilung missmutig am Telefon sitzen und einier gegen den anderen pöbelt weil sich niemand gegen die Geschäftsleitung traut und sich somit die Kollegen das Leben selber schwer machen.

Wie kommen wir durch???

Ich bin gespannt, vielleicht lernen wir es durch solche Threads!

Gruß von Dagmar
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: counselor am 15:37:48 Mo. 06.Februar 2017
Ich war mal in einem Callcenter beschäftigt. Da haben wir uns unter Kollegen gegen unseren Projektleiter zusammengeschlossen und sind mittels einer betriebsverfassungsrechtlichen Beschwerde vorgegangen. Dabei konnten wir ein paar dicke Bretter bohren.
Titel: Re:Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: dagmar am 09:26:04 Di. 07.Februar 2017
Schön, dass es solche Menschen noch gibt. Selten, aber es gibt sie. Auch in meinem Freundeskreis habe ich einen unangenehmen Vorgesetzten, der aber auch schon gespannt ist, ob er die Rente in dem Unternehmen so erreichen wird. Aber der ist auch noch jemand vom alten Schlag, der Ungerechtigkeiten nicht verkraften kann.

Vermutlich ist ein Punkt auch wirklich die rechtliche Unaufgeklärtheit was viele Dinge betrifft. Das sehe ich ja an mir und dem Thema Zeitarbeit. Unsere Medien tragen eben mit vorgefilterten Informationen auch noch eine Portion bei.

Mensch, und wie ändert man/frau das ??? Den - für mich - falschen Weg von Pegida und AFD für die Unzufriedenheit birgt noch viel größere Probleme, als wir sie jetzt schon haben.....

lieben Gruß von Dagmar
Titel: Re: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Kuddel am 14:25:29 Fr. 20.Dezember 2019
Mobbing ist manchmal nur die unbedachte Fortsetzung des Drucks von oben, manchmal ist es auch ein bewußtes und gezieltes Vorgehen zum Steigern des Konkurrenz- und Arbeitsdrucks und zur Entledigung unliebsamer und aufmüpfiger Mitarbeiter.

Ein Beispiel aus Frankreich:
Zitat
Frankreich
Haftstrafen für Ex-Telekom-Manager in Frankreich nach Suizidwelle

In Frankreich ist der frühere Chef der France Télécom, Lombard, wegen Mobbings verurteilt worden.


Der ehemalige Vorstandsvorsitzende muss für vier Monate ins Gefängnis. Außerdem muss er eine Gelstrafe von 15.000 Euro zahlen. Zwei weitere frühere Manager des Konzerns erhielten die gleiche Strafe, bei den anderen Beschuldigten fiel die Strafe geringer aus.

Dem Urteil zufolge hatten die Manager in den Jahren 2008 und 2009 beim Umbau des Unternehmens nach der Privatisierung durch „organisiertes Mobbing“ so viel Druck ausgeübt, dass sich eine Reihe von Mitarbeitern das Leben nahm. In dem Prozess ging es um fast 40 Mitarbeiter, von denen 19 Suizid begingen und zwölf weitere einen Suizid-Versuch. Andere litten an Depressionen und waren teilweise arbeitsunfähig. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.
https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-haftstrafen-fuer-ex-telekom-manager-in.1939.de.html?drn:news_id=1082539
Titel: Re: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: counselor am 14:33:00 Fr. 20.Dezember 2019
Naja, ich empfinde die 'Strafen' als lächerlich gering.
Titel: Re: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: BGS am 22:56:15 Fr. 20.Dezember 2019
Naja, ich empfinde die 'Strafen' als lächerlich gering.

Geht mir ähnlich.

MfG

BGS
Titel: Re: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Kuddel am 09:41:53 Sa. 21.Dezember 2019
Angesichts von 19 Toten ist das ein absoluter Witz!

Das einzige, was daran positiv ist, die die juristische Anerkennung, daß Mobbing eben nicht nur eine Sache zwischen zwei Menschen ist, sondern ein bewußt vom Unternehmen eingesetztes System der Druckausübung sein kann. In diesem Fall wurden Manager als Verantwortliche benannt.

Das ist ein kleiner Schritt voran.

Zitat
Der Prozess könnte Rechtsgeschichte schreiben. Zum ersten Mal standen in Frankreich ein Großunternehmen und dessen Führungspersonal wegen Mobbing vor Gericht.
https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-telekom-urteil-103.html

Zitat
Das Urteil (...) schreibt in Frankreich Rechtsgeschichte. Es mache Mobbing von Angestellten zu einem klar fassbaren Tatbestand der Wirtschaftskriminalität. Und zwar selbst dann, wenn es keine direkte Beziehung zwischen Täter und Opfer gibt. Sondern ein Konzernchef einfach nur für ein Unternehmensklima sorgt, an dem manche Mitarbeiter so verzweifeln, dass sie sich das Leben nehmen.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/france-telecom-didier-lombard-1.4731925

Nochmal zum Hintergrund:
Zitat
Raphael Louvradoux musste sich nach der Urteilsverkündung die Tränen aus den Augen wischen. Sein Vater, ein Angestellter von France Télécom, hatte sich vor knapp zehn Jahren selbst angezündet, aus Verzweiflung über das Mobbing, dem er vonseiten seiner Vorgesetzten ausgesetzt war. "Jetzt wissen wir schwarz auf weiß, dass solche Praktiken verboten sind", so Lavradoux. "Und andere Didiers Lombards in anderen Unternehmen, die die Beschäftigten in den Selbstmord treiben, müssen damit rechnen, dass sie angeklagt und verurteilt werden."

Didier Lombard ist der ehemalige Konzernchef von France Télécom, der ab 2007 in dem ehemaligen Staatsunternehmen einen rigorosen Restrukturierungsplan durchsetzte. Dabei wurde rund ein Sechstel der Stellen abgebaut. Mit unerlaubten Mitteln, so urteilte nun das Pariser Strafgericht.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/france-telecom-didier-lombard-1.4731925

Zitat
Bei dem Unternehmen habe ein "Management durch Terror" geherrscht, schrieb ein Mitarbeiter in seinem Abschiedsbrief. Ein Angestellter warf sich vor den Zug, eine Frau stürzte sich aus ihrem Bürofenster, ein Techniker rammte sich ein Messer in den Bauch
https://www.dw.com/de/mobbing-ex-manager-muss-ins-gef%C3%A4ngnis/a-51754206

Zitat
Das Problem für die Manager waren die starken französischen Arbeitnehmerrechte. Zudem waren viele Mitarbeiter Beamte. Deshalb kam nur ein freiwilliges Ausscheiden aus dem Unternehmen in Frage.

Lombard und seine Managerkollegen sollen einen Plan ausgetüftelt haben, um die Mitarbeiter loszuwerden. Es wurde Druck aufgebaut, es gab Zwangsversetzungen und Einschüchterungsversuche - ein Klima der Angst sollte geschaffen werden. Tausende von Führungskräften wurden in den neuen Methoden geschult.
https://www.dw.com/de/mobbing-ex-manager-muss-ins-gef%C3%A4ngnis/a-51754206


Zitat
Lombards Programme hießen "Next" und "Act". Manche derer, die sich das Leben nahmen, bezogen sich in Abschiedsbriefen explizit auf das Mobbing, das mit den Sparprogrammen Einzug gehalten habe.

So wollte er die frühere Fernmeldebehörde mit den neuen, privaten Anbietern konkurrenzfähig halten. "Ich werde die Rauswürfe durchziehen", wird Lombard in einem internen Protokoll von 2006 zitiert. "Auf die eine oder andere Art, sei es durchs Fenster oder durch die Tür." Später, als die Selbstmordserie schon in Gang war, sprach Lombard von einer "Suizid-Mode".
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/france-telecom-didier-lombard-1.4731925
Titel: Re: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: Onkel Tom am 13:22:53 Sa. 21.Dezember 2019
Das Strafmaß klingt ja so, als hätten sie einen Kaugummiautomat geknackt  >:(

Gerade diese Denkfabriken, die sich so ein Wegmobbingscheiß ausdenken,
sollten als Allgemeinheitsschädlich verboten werden und deren Macher_innen
richtig den Knast durchlaufen..

Anders kommen sie ja nicht darauf, was sie für Schäden anrichten.. Bei Revolten
würde man solche Firmen wohl mit als erstes entglasen etc..
Titel: Re: Wie überlebt man das Arbeitsleben?
Beitrag von: counselor am 13:51:14 Sa. 21.Dezember 2019
Übrigens gibt es in Deutschland keinen eigenen Straftatbestand für Mobbing. Mobbing ist deswegen bei uns juristisch schwer zu ahnden. Infrage kommen Körperverletzung, Beleidigung, Verleumdung und Nötigung als Straftatbestände.