Re: Bauernproteste in Deutschland

Begonnen von Fritz Linow, 20:23:30 Mi. 18.September 2019

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Hartzhetzer

Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

BGS

Zitat... . 29.01.2024, 19:46 ...
Hamburg. Landwirte sorgen für Verkehrschaos in Hamburg. Polizei löst unangemeldete Demos im Hafen auf. Aber mehr als 100 Bauern bleiben hartnäckig.

... .


Quelle: https://www.abendblatt.de/hamburg/article241510600/Bahnstreik-und-Treckerdemo-Was-rollt-da-auf-die-Stadt-zu.html

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

Bauern dazu zu kriegen, sich gegen rechts abzugrenzen, ist nicht leicht. Diese schwierige Diskussion ist aber wichtig.

https://x.com/rbb24/status/1752741769458929882

Kuddel

Ein Beitrag aus Frankreich zur Agrargewerkschaft FNSEA. Die Kritik ist nahezu 1:1 übertragbar auf den Bauernverband in Deutschland:

FNSEA: Von Vichy nach Brüssel, Geschichte einer Gewerkschaft im Dienste der Macht.  Seit ihrer Gründung im Jahr 1946 hat die Gewerkschaft dazu beigetragen, dieses Agrarmodell zu schaffen, das der Agrarindustrie zugutekommt, die im Zentrum der aktuellen Unzufriedenheit steht.

Kuddel

Carola Rackete hat ihre Solidarität mit den Bauernprotesten gut begründet.

ZitatManche haben sich gewundert, warum ich die teils von rechts unterwanderten Bauernproteste unterstütze. Die Antwort: Landwirtschaft ist unverzichtbar, und die verfehlte Politik der vergangenen 30 Jahre hat viele Bauern ruiniert.
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1179653.bauernproteste-linke-konzepte-fuer-die-agrarwende.html

Ihre Gedanken sind durchaus kritisch und voller Überlegungen über Alternativen zur herrschenden Situation.

ZitatDoch was ist in der Agrarpolitik eine linke Position? Die Antwort: würdige Arbeitsbedingungen, faire Preise und ökologische Produktion. Und dafür müssen wir über Eigentum sprechen.

ZitatAktuell drücken wenige Lebensmittelkonzerne die Preise für die Bauern ins Bodenlose. Wir müssen diese Konzerne entmachten und andere Abnehmerstrukturen aufbauen. Es braucht stattdessen lokale Strukturen für Verarbeitung und Vertrieb.

ManOfConstantSorrow

Interessant, wie sich Bauern selbst mit der rechten Unterwanderung auseinandersetzen:

Bauernproteste: Junglandwirte gegen rechtsextreme Hetze
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Bauernproteste-Junglandwirte-gegen-rechtsextreme-Hetze,bauernproteste514.html

Video millionenfach aufgerufen:Junge Bauern wehren sich gegen rechts
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/junge-bauern-landwirte-protestvideo-gegen-rechts-100.html

Darum gehen Bauern aus dem Kreis Plön zur DGB-Demo in Kiel
https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/demo-gegen-rechts-bauern-aus-dem-kreis-ploen-gehen-zur-dgb-demo-in-kiel-GMOTHERI6NEAVEWIWIFK6R3GCU.html

Kundgebung in Kyritz: Bauern mischen sich unter Demos gegen Rechtsextremismus
https://www.tagesschau.de/inland/regional/brandenburg/rbb-kundgebung-in-kyritz-bauern-mischen-sich-unter-demos-gegen-rechtsextremismus-100.html

Bauern mit Traktoren schließen sich Demo gegen Rechtsextremismus in Freiburg an
https://www.welt.de/politik/deutschland/article249896926/Proteste-in-Deutschland-Bauern-mit-Traktoren-schliessen-sich-Demo-gegen-Rechtsextremismus-in-Freiburg-an.html

,,Herzensangelegenheit": Warum dieser Bauer zur Demo gegen Rechtsextremismus gefahren ist
https://www.merkur.de/lokales/freising/neufahrn-ort29126/herzensangelegenheit-warum-dieser-bauer-zur-demo-gegen-rechtsextremismus-gefahren-ist-92794212.html

Linke Bauernproteste: »Wir zeigen klare Kante gegen rechts«
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1179211.landwirte-linke-bauernproteste-wir-zeigen-klare-kante-gegen-rechts.html

Bauern im Osnabrücker Nordkreis grenzen sich ab gegen rechts
https://www.noz.de/lokales/bersenbrueck/artikel/-46345767
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

krapotke

Zur Frage der rechten Unterwanderung der Bauernproteste organisiert der taz-Salon eine Veranstaltung am 20.02.2024 um 19.00 Uhr in der Hansa48 in Kiel.

https://hansa48.de/

Berichten werden die Journalist*innen Andrea Röpke und Andreas Speit, beide anerkannte Expert*innen für die rechte Szene.

Zur Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Die Veranstaltung wird auf Youtube per Livestream übertragen.


https://www.youtube.com/watch?v=sZuSswy2XfY

,,Das habe ich getan" sagt mein Gedächtnis. "Das kann ich nicht getan haben" sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Gedächtnis nach.        Friedrich Nietzsche

counselor

Interview zum Thema, wie es mit den Bauernprotesten weiter geht

https://youtu.be/YM6F5LxEjbk
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

dagobert

... Politik für die Wirtschaft ...
... zu hohe Löhne ...

Für mich klingt das nicht anschlußfähig.
Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

Kuddel

"Der Moderne Landwirt" ist eh nicht der Kracher, wird zwar oft angeklickt, steht aber den Großagrariern und der Agrarindustrie nahe. Die suchen ja auch die Nähe zu Handwerks- und Industrieverbänden, und es geht halt stets in die Richtung, weniger Kontrolle, weniger Umweltschutz, weniger Steuern, möglichst viele Subventionen.

Viele der unkritisch mitdemonstrierenden Landwirte werden die nächsten Opfer des Höfesterbens sein. Sie kapieren nicht, auf wen sie sich da eingelassen haben. Die kritische Diskussion unter Landwirten ist in Deutschland recht dürftig.

counselor

Günther Felßner ist der Präsident des Bayerischen Bauernverbands. Politisch ist er für die CSU unterwegs. Da kommt sicher wenig fortschrittliches rüber.
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Kuddel

Der Verdi Sekretär und Linksparteipolitiker Mizgin Ciftci twitterte:

Im Edeka-Zentrallager solidarisieren sich heute Nacht Bauern mit den streikenden Arbeitern. Die Bauen wollen kein Preisdiktat für ihre Produkte, die Arbeitnehmer kein Lohndiktat für ihre Arbeit.

bauer1.JPG

Kuddel

Ich war bei der oben genannten Veranstaltung des taz-Salon und fand sie ziemlich durchwachsen. Die zum grünen Parteiblatt verkommene taz halt.

Es ist eine Onlineveranstaltung angekündigt, von der ich mir mehr verspreche:

ZitatOnline-Vortrag
Donnerstag, 7.  März, 20 Uhr ZOOM

,,IRGENDWAS MIT BAUERNPROTESTEN - Wieso, weshalb, warum?"
Versuch einer Einordnung

Online-Vortrag mit Diskussion
Veranstalterin: Aktion 3.Welt Saar e.V.


Online-Vortrag mit Ottmar Ilchmann - Milchbauer in Ostfriesland, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen und Mitglied der Aktion 3.Welt Saar, Roland Röder - Geschäftsführer der Aktion 3.Welt Saar
https://a3wsaar.de/neuigkeiten/irgendwas-mit-bauernprotesten-wieso-weshalb-warum-versuch-einer-einordnung

Kuddel

Hat jemand an der Veranstaltung teilgenommen, hat mitgehört?
Und kann eventuell zusammenfassen, was da gesagt wurde??

ManOfConstantSorrow

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

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counselor

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ManOfConstantSorrow

Ich halte es für wichtig, sich mit der Geschichte der Kämpfe und Aufstände der Bauern zu befassen. Die anfangs beeindruckende schleswig-holsteinische Landvolkbewegung hat sich komplett von den Nazis um den Finger wickeln lassen.

Es gibt aber historisch ganz andere Kämpfe, an die man erinnern sollte. Es gibt auch heute Proteste, die nicht auf die Fahnen der Landvolkbewegung zurückgreifen, sondern auf die des Bundschuh.

Die Zeitschrift "Bätter" hat sich um geschichtliches gekümmert:

ZitatZwölf Artikel für die »Freyheyt«: 500 Jahre Großer Bauernkrieg

Vor 500 Jahren, im Juni 1524, erhoben sich im Süden des Schwarzwalds, in der Landgrafschaft Stühlingen, die ersten Bauern. Damit begann das, was als Großer Bauernkrieg in die Geschichte Europas eingehen sollte. (...)
In den folgenden Monaten schwillt diese Erhebung zum größten Aufstand in der frühneuzeitlichen Geschichte Mitteleuropas an. Es beginnt mit lokalen Aufständen der Bauern in Süddeutschland und der Schweiz; 1525 kommt es dann in weiten Teilen des Heiligen Römischen Reiches zur Revolution gegen die feudalen Obrigkeiten – vom Harz bis Tirol, vom Elsass bis Thüringen. Es waren riesige Aufstände zehntausender Bauern, aber auch vieler Städter, gegen gesellschaftliche Missstände, die sich am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit häuften. (...)

Der Blütezeit des Bauerntums im 12. und 13. Jahrhundert folgt der jähe Absturz, als Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest in Europa wütet. In ihrer Folge kommt es zum demographischen Kollaps. Überall fehlen Arbeitskräfte, in den Dörfern ebenso wie in den Städten. Dass die Grundherren sich in bloße Geldempfänger verwandelt hatten, wird jetzt zum Bumerang, denn die Renteneinnahmen sinken massiv. In der Folge verarmt ein Großteil des kleinen Adels und das Raubrittertum gedeiht.

Die Grundherren suchen händeringend nach neuen Einnahmequellen. Es bleibt letztendlich nur ein Ausweg, nämlich die Intensivierung der Ausbeutung. Die Feudalherren wollen deshalb erstens die Abgaben erhöhen, zweitens die Frondienste wiederbeleben und drittens die Autonomie der Dorfgemeinschaften beschränken – und diese drei Punkte werden dann zum Auslöser des Aufstands der Bauern Anfang des 16. Jahrhunderts. (...)

Der Widerstand der Bauern gegen ihre immer brutalere Ausbeutung wächst nun überall an. Nachdem es bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Frankreich und England zu großen Bauernaufständen gekommen war, werden im 15. Jahrhundert auch weite Teile Mitteleuropas erfasst. 1476 gewinnt der soziale Gleichheit und Askese predigende Hans Böheim von Niklashausen in kürzester Zeit Zehntausende Anhänger, bevor er als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. In den 1490er Jahren kommt es dann in Oberschwaben, im Allgäu, in Holland und in Friesland zu Bauernrevolten. Am Oberrhein verschwören sich Tausende Bauern zur sogenannten Bundschuh-Bewegung. Die Aufstandsversuche des Bundschuh werden verraten, aber ihre Anführer, allen voran Joß Fritz, entkommen in die Schweiz und organisieren die Bewegung immer wieder neu.

Die Aufstände reißen jetzt nicht mehr ab. (...)

Hinzu kommt noch ein ganz entscheidender Punkt: die Macht und Bedeutung der Religion. Denn in der Feudalgesellschaft legitimiert sich Herrschaft über die christliche Religion, die Ordnung gilt als gottgegeben. Und durch die Mitwirkung des Klerus an der Ausbeutung hat die Kirche selbst ein materielles Interesse am feudalen Herrschaftssystem. Mehr noch: Sie ist geradezu mit ihm verschmolzen.(...)

Luther, der Schützling des sächsischen Kurfürsten, lehnt das ab; für ihn ist die ,,Freyheyt eynes Christenmenschen" rein religiös, nicht weltlich. Ihm entgegen steht der egalitäre Revolutionär Thomas Müntzer, der im thüringischen Mühlhausen das plebejische Element stärkt und die Bauern bewaffnet. (...)

Am Vorabend des Bauernkriegs stehen sich so drei Lager gegenüber: erstens das katholisch-reaktionäre Lager, das die traditionellen Verhältnisse beibehalten bzw. wiederherstellen will. Zu ihm gehören der König, die hohe Geistlichkeit, ein Teil der weltlichen Fürsten, der reichere Adel und das städtische Patriziat. Zweitens das lutherische, bürgerlich-reformierende Lager aus niederem Adel, der Bürgerschaft und einem Teil der weltlichen Fürsten; und drittens das revolutionäre Lager der Bauern und Plebejer. (...)

Anfang April 1525 befinden sich mehrere Zehntausend Bauern unter Waffen. Auch Städte schließen sich den Aufständischen an – manche aus freien Stücken, andere unter Androhung von Gewalt. Es bilden sich weitere Haufen, so in Neckartal und Odenwald unter Jäcklein Rohrbach und Margarete Renner, die ,,Schwarze Hofmännin" genannt wird – eine der wenigen namentlich bekannten Frauen, die sich aktiv am Aufstand beteiligten. (...)

Müntzer zieht dann nach Süddeutschland und in die Schweiz, wo er miterlebt, wie die Bauern sich gegen die Obrigkeit erheben. Im Frühjahr 1525 kehrt er nach Mühlhausen zurück, um eine Pfarrei zu übernehmen. Aber Müntzer will, im Gegensatz zu Luther, nicht nur die Kirche, sondern auch die Gesellschaft verändern. Gestützt auf den ,,Ewigen Bund Gottes" kommt es am 17. März 1525 in Mühlhausen zur Stadtrevolte. Der neue Stadtrat proklamiert die Abschaffung aller Obrigkeit sowie die Auflösung der Klöster und die Einziehung des geistlichen Besitzes.[9]

Mit der erfolgreichen Revolution in einer der größten Städte der Region im Rücken schürt Müntzer unter den Bauern den Hass auf die tyrannische Obrigkeit. Parallel zu den Kämpfen in Süddeutschland kommt es am 15. Mai 1525 im thüringischen Frankenhausen zur Schlacht, in der die von Müntzer geführten, schlecht bewaffneten Bauern fast vollständig aufgerieben werden. Von rund 6000 Bauern sollen lediglich 1000 überlebt haben. (...)

Doch während der Bauernkrieg und speziell Thomas Müntzer in der DDR-Geschichtsschreibung prominent behandelt (und teilweise auch ideologisch instrumentalisiert) wurden, ließ die Bonner Republik, die ihr Augenmerk vor allem auf Martin Luther und die Reformation richtete, dieses wichtige Ereignis der deutschen Geschichte gewissermaßen links liegen. Heute dagegen wäre es umso mehr an der Zeit, einen neuen Blick auf diese so wichtige Epoche zu werfen – als Aufstand gegen die feudalen Obrigkeiten und erste deutsche Revolution für die ,,Freyheyt".
https://www.blaetter.de/ausgabe/2024/september/zwoelf-artikel-fuer-die-freyheyt-500-jahre-grosser-bauernkrieg
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

In anderen Ländern gibt es teilweise eine Zusammenarbeit zwischen Linken und Bauern bei Protesten.

Das hat man bisher in Deutschland nur in Ausnahmen hinbekommen. Es gibt Berührungsängste.

In Griechenland rummst es gerade.
ZitatBauernproteste dauern an: Wütende Landwirte stürmen Flughafen

In Griechenland dauern die heftigen Bauerndemonstrationen an. Auf der Insel Kreta gerieten jetzt Gruppen von Landwirten und die Polizei aneinander. Dabei flogen Steine und Straßen wurden blockiert. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Am Flughafen Heraklion musste der Flugverkehr vorübergehend eingestellt werden, als mehrere Hundert Demonstranten eine Polizeiabsperrung durchbrachen und bis auf das Rollfeld vordrangen.
https://www.agrarheute.com/politik/bauernproteste-dauern-wuetende-landwirte-stuermen-flughafen-638047

In Deutschland werden die Bauern auch wieder unruhig.

ZitatButterpreis und Import-Fleisch: Deswegen kündigen Landwirte Proteste an

LSV Deutschland kündigt wegen Preisdumping und Mercosurabkommen Protestwelle an. Das Bundeskabinett hat dem Freihandelsabkommen zugestimmt.
https://www.agrarheute.com/politik/butterpreis-import-fleisch-deswegen-kuendigen-landwirte-proteste-638119

ZitatErneuter Bauernprotest: Landwirte demonstrieren vor Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen

Der Discounter Lidl hat zuletzt einige Preise gesenkt. Dagegen wollen sich Landwirte wehren und organisieren einen Bauernprotest vor der Lidl-Zentrale in Bad Wimpfen.
https://www.stimme.de/heilbronn/landkreis-heilbronn/bauern-protest-landwirt-lidl-bad-wimpfen-art-5121708

Man sollte sich darum kümmern, damit nicht wieder die Rechten die Einzigen sind, die sich einmischen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

Ernährungsfragen sind wichtige Fragen. Ich bin gegen die Massentierhaltung und die kapitalistische Verwertung von Tieren und Menschen. Hier muss auch die Landwirtschaft vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Die Preissenkungen der letzten Wochen bei Milch und Milchprodukten möchte ich aber nicht zurückgenommen wissen. Bauern sind aber in der Regel wohlhabend und besitzen Produktionsmittel (wie Tiere, die von den Bauern ausgebeutet werden).

Wenn die Bauern gegen Lebensmittel- und Einzelhandelskonzerne kämpfen, verdient das unsere Unterstützung. Die Erzeugerpreise sollten schon so sein, dass die Produktionskosten hereinkommen. Die Verbraucherpreise sollten auf Kosten der Handelsspannen sinken (zur Erinnerung: Die Preise für Grundnahrungsmittel sind seit 2020 um ca. 30 bis 34 % gestiegen).
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Ich möchte hier widersprechen.

"Bauern sind aber in der Regel wohlhabend". Das stimmt so nicht. Das Höfesterben geht weiter, weil viele Bauern von ihren Erträgen nicht mehr leben können. Unter Bauern ist die Selbstmordrate immernoch höher als in anderen Berufen.

Gleichzeitig gibt es die Tendenz zu Großbauern, die die Kleinen schlucken. Agrarkonzerne, Spekulanten, die noch nicht einmal das Land kennen, das sie besitzen. Sie wissen nicht, wie ein Regenwurm aussieht. Es ist ihnen egal, sie interessieren sich nur für den Profit.

Diese Agrarkonzerne sind unsere Feinde und die Feinde der kleinen Bauern.

Wenn wir in dieser Welt überleben wollen, muß die Landwirtschaft revolutioniert werden. Das geht nur gemeinsam mit den Bauern. Natürlich ist das schwierig. Sie besitzen Produktionsmittel. Für gewöhnlich sind sie recht konservativ.

Im Moment scheinen die Proteste 2 Themen zu haben. Mercosur, das Freihandlsabkommen und gegen Lebensmittelkonzerne wie Lidl.

Ich halte beide für berechtigt.

Es haben sich Bauern von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL mit einem Erwerbslosenverband zusammengesetzt und das Problem diskutiert. Sie haben gemerkt, daß es nicht genügt, nur höhere Erzeugerpreise zu fordern, es muß auch der Ärmere Teil der Gesellschaft sich diese Lebensmittel auch leisten können. Sie haben gelernt, daß die gemeinsame Interessen haben und gemeinsame Forderungen aufstellen müssen. Nicht nur höhere Erzeugerpreise, sondern auch höhere Sozialleistungen, höhere Renten und höhere Löhne. Das gemeinsam zu fordern macht Sinn.

Direkt vor LIDL zu protestieren, macht ebenfalls Sinn. Lidl macht derart astronomische Profite, daß sein Besitzer Dieter Schwarz zum reichsten Mann Deutschlands geworden ist mit einem geschätzten Vermögen von über 40 Milliarden Euro. Diese Konzerne sind so mächtig geworden, daß sie Druck auf andere Branchen machen können. Zum Beispiel auf den Transport. Trucker fahren zu Sklavenbedingugen, weil LIDL und Co. so billige Transportpreise einfordern. In Süditalien ist der Druck auf die Landwirtschaft so groß, daß normale Bauern mit menschlichen Arbeitsbedingungen nicht mehr mithalten können. Es bleiben von der Mafia kontrollierte landwirtschaftliche Betriebe übrig, die die migrantischen Erntearbeiter mit offener Gewalt ausbeuten. In dieser Region fällt der Name LIDL regelmäßig, wenn es um den brutalen Preisdruck geht.

Es ist möglich sich den Bauern zu nähern und sich mit ihnen auszutauschen. Es ist eine langwierige, aber notwendige Arbeit.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Nikita

@ManOfConstantSorrow Das ist ein großartiger Beitrag von dir, der die Lage auf den Punkt bringt. Bauernverbände sollte man noch erwähnen, die die Belange der Großbetriebe durchsetzen, statt die Situation aller Bauern insbesondere kleinere Betriebe zu verbessern.

counselor

Zitat"Bauern sind aber in der Regel wohlhabend". Das stimmt so nicht. Das Höfesterben geht weiter, weil viele Bauern von ihren Erträgen nicht mehr leben können. Unter Bauern ist die Selbstmordrate immernoch höher als in anderen Berufen.

Im Prinzip hast Du recht. Ich habe einmal recherchiert. Ja, Deutschland erlebt ein Höfesterben im klassischen Sinne:

  • Die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe sinkt über die Jahre
  • Die Landwirtschaft konzentriert sich auf weniger, größere Höfe.
  • Wirtschaftliche Zwänge, Nachfolgeprobleme und Regulierungsdruck sind wichtige Treiber dieses Trends

Bauern verdienen ehr durchschnittlich.

Im Vergleich zum deutschen Durchschnittseinkommen (ca. 40 - 45 Tsd. € netto pro Erwachsenem) ist das mittlere Einkommen vieler Betriebe nicht außergewöhnlich hoch - oft eher durchschnittlich oder nur leicht darüber.

Landwirte können relativ hohe Vermögenswerte haben, aber gleichzeitig geringe liquide Einkommen und hohe Betriebskosten.

Daraus folgt: Viele kleinere und mittlere Betriebe verdienen durchschnittlich oder sogar weniger und stehen unter wirtschaftlichem Druck.

ZitatWenn wir in dieser Welt überleben wollen, muß die Landwirtschaft revolutioniert werden.

Wir müssen weg kommen von der Massentierhaltung (und den damit verbundenen Qualzuchten) und davon, dass wir 60% der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Erzeugung von Tierfutter verwenden. Diese Flächen können wir effizienter für pflanzliche Nahrungsmittel nutzen. Das bedingt eine Veränderung unserer Ernährung weg von Fleisch und Tierprodukten hin zu pflanzlicher Ernährung.

Ja, dieser Strukturwandel geht nur mit den Bauern.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Die Liste, was man sich von der Landwirtschaft der Zukunft wünscht, ist weitaus länger, als die Abschaffung der Massentierhaltung.  .

Das Problem der Produktionsmittel und des Landbesitzes ist nicht in Stein gemeißelt. Dafür gibt es genossenschaftliche Lösungen, die auch praktiziert werden.

Die ersten Biohöfe wurden damals von den anderen Bauern verlacht. Die Stimmung ändert sich, immer mehr Landwirte spielen mit der Idee, die Produktion umzustellen. Es ist das Ergebnis beharrlicher Auseinandersetzungen.

Die Debatten brauchen einen langen Atem. Wir sollten uns nicht nur dann für Bauern interessieren, wenn sie gerade demonstrieren. Es kommt darauf an wer mit ihnen diskutiert.

Die Grünen sind zwar mit Biobauern vernetzt, doch die Partei kümmert sich hauptsächlich fum die biologische Produktion und wenig um die Eigentumsverhältnisse oder die Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Ungewöhnlich für linke Organisationen: Die MLPD bemüht sich seit Ewigkeiten um eine Zusammenarbeit mit Bauern.

Die FAU hat sich als Gewerkschaft mit ihren Grünen Gewerken der Landwirtschaft zugewandt. Eine interessante Initiative.

Die Linkspartei zeigte bisher eher in zaghaften Versuchen mit dem Zeigen von Sympathie mit Bauernprotesten, Interesse an den Landwirten.

Rechte bemühen sich auch, in dem Millieu einen Fuß in die Tür zu kriegen. Anthony Lee ist ein rechtsradikaler Bauerninfluencer mit großer Reichweite (von Youtube gepusht).
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

Ein Kumpel von mir wohnt auf dem Land und hat guten Kontakt zu Landwirten. Er berichtet, dass die Stimmung unter den Landwirten wegen Mercosur sehr schlecht ist. Er sagt aber auch, dass die meisten Landwirte Geschäftsleute sind, die Mitarbeiter haben. So hat z.B. der Hühnerzüchter, von dem ich meine Eier, Nudeln und Tortellini beziehe (alles Bioqualität), 5000 Hühner in seinem Stall und er hat noch etwas Ackerbau nebenbei. Sprich: Viele Betriebe hier im Umland sind größer und haben Mitarbeiter.

Da stellt sich halt die Frage, wie man solchen (erfolgreichen) Unternehmern solidarisches bzw. sozialistisches Wirtschaften schmackhaft macht.
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counselor

ZitatStreik gegen Mercosur-Abkommen: EU-Landwirte blockieren Autobahnen

Zwei Jahre nach den großen Bauernprotesten in Deutschland blockierten Bäuer:innen am vergangenen Donnerstag in EU-weit Autobahnen. Auslöser ist das Mercosur-Handelsabkommen zwischen fünf südamerikanischen Ländern und der EU.

Quelle: https://perspektive-online.net/2026/01/streik-gegen-mercosur-abkommen-eu-landwirte-blockieren-autobahnen
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Kuddel

ZitatTausende demonstrieren in Berlin für ökologischere Landwirtschaft
Rund 8.000 Menschen protestieren in Berlin für eine Agrarwende. Sie fordern faire Einkommen für Landwirte und kritisieren das EU-Mercosur-Abkommen. (...)

Globale Auswirkungen der deutschen Agrarpolitik


Vertreterinnen zivilgesellschaftlicher Organisationen wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) oder Brot für die Welt betonten die Notwendigkeit, Umweltschutz und existenzsichernde Einkommen für Landwirte miteinander zu verbinden. Zudem verwiesen Rednerinnen auf globale Auswirkungen der deutschen Agrarpolitik, insbesondere für Länder des Globalen Südens, in denen ökologische und soziale Kosten der Lebensmittelproduktion anfielen.

Thematisiert wurden außerdem soziale Fragen wie Armut und Ernährungssicherheit. So kritisierten die Protestierenden, dass Menschen mit geringem Einkommen sich eine gesunde Ernährung kaum leisten könnten. Auf Transparenten forderten Demonstrierende unter anderem eine Abkehr von industrieller Landwirtschaft und mehr Unterstützung für bäuerliche Betriebe.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-01/protest-landwirtschaft-agrarwende-berlin-gruene-woche-gxe

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