Immer wieder: Zwangsräumung!

Begonnen von Kuddel, 11:00:13 Mi. 11.Dezember 2013

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Kuddel

ZitatGentrifizierung im Westend
Zwangsräumung vollzogen



Das Ende nach 32 Jahren: Erika Herlemann-Meyer muss dem Gerichtsvollzieher am Dienstag die Wohnungsschlüssel übergeben.

Die Gerichtsvollzieher sind gekommen. In der Wöhlerstraße 22 wurde das Mobiliar nach einer Klage des Hausverwalters eingelagert und die Mieter sind nun ohne Bleibe.

So eine Zwangsräumung im Westend läuft heutzutage still und ganz ohne Krawall ab.

Als um Viertel nach acht am Dienstagmorgen der Gerichtsvollzieher im zweiten Stock der Wöhlerstraße 22 klingelt, befindet sich die Mieterin Erika Herlemann-Meyer in der bullig warmen, winzigen Küche. Sie sitzt am Tisch hinter der Tür, gebeugt über einen übervollen Müsli-Teller. Mit dem Löffel zieht sie Spuren durch den Brei, eine Portion nach der anderen schiebt sie sich in den Mund. Sie will sich Kraft anlöffeln. Die letzte Mahlzeit.

Sie habe ,,seit gestern nichts gegessen", sagt sie der Sozialarbeiterin Margrit Heym, die ihr gegenübersitzt. In der Küchentür, die vor lauter Möbeln, Töpfen und Kram gerade mal einen Spalt aufgeht, steht der Gerichtsvollzieher. Er spricht die aus der Wohnung zu räumende Mieterin an: ,,Sie wissen, was heute ansteht ..." Alle im Raum starren auf den Müsliteller und beobachten, wie er langsam leerer wird.

Da die Mieterin am 30. Dezember in eine neue Wohnung umziehen kann, meinte sie, dass ihr die Räumung erspart bliebe. Die Wohnung ist also voll. 32 Jahre Geschichte, Andenken ohne Ende und wenig eingepackt.

Dafür sind die Packer der Firma Kümmel da, der weiße Transporter parkt um die Ecke. In Windeseile wird ein Karton nach dem anderen zugeklebt. Alles kommt ins Lager. Die Mieterin ruft bei der ABG an, ob sie den Hausrat vielleicht in die neue Wohnung stellen könne? Minutenlang redet am Telefon jemand auf sie ein, warum das unmöglich sei.

Ein Stockwerk drunter hat das Ehepaar Sternal letzte Habseligkeiten in der Mitte des Wohnzimmers zusammengerückt. ,,Die Gerichte haben kein Augenmaß", sagt Michael Sternal. Seine Ehefrau sucht aufgeregt nach ,,den Sachen von der Steuer". Der Gerichtsvollzieher steht in der Tür.

Sternals haben, großes Entgegenkommen, in der Jugendherberge übernachtet, einmal geht das noch. Wo Frau Herlemann-Meyer ist? Ihr Wählscheiben-Telefon antwortet nicht mehr. Sozialarbeiterin Heym hörte, die alte Dame sei bis Silvester untergekommen. Mal hier, mal da.
http://www.fr-online.de/frankfurt/gentrifizierung-im-westend-zwangsraeumung-vollzogen,1472798,25588214.html

Kuddel

ZitatTrotz Pandemie wurden 2020 mindestens 29.744 Zwangsräumungen in Deutschland durchgeführt – das entspricht im Schnitt 81 pro Tag. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage von Caren Lay, der wohnungspolitischen Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, hervor.
https://taz.de/Zahlen-zu-Zwangsraeumungen-2020/!5800943/

Kuddel

Am 11.4.2013 verstarb die schwerkranke 67-jährige Rosemarie Fliess, zwei Tage nachdem sie aus ihrer Wohnung zwangsgeräumt worden war. Ärztliche Atteste hatten zuvor bestätigt, dass sie einen Rausschmiss aus der Wohnung nicht überleben würde.




Kuddel

ZitatZwangsräumungen – das lukrative Geschäft mit der Armut

(...)Denn es handelt sich hierbei um keinen Einzelfall, sondern um ein Problem der Massenverarmung, mit welchem wir zunehmend konfrontiert sein werden.


Zwangsräumungen sorgen für steigende Mieten

Das Jobcenter ist Teil des Problems

Kein individuelles Problem, sondern lukratives Geschäft

https://perspektive-online.net/2022/06/zwangsraeumungen-das-lukrative-geschaeft-mit-der-armut/

Lesenswert!

Kuddel

Zitat25. Juli 1872 - Mieterkrawalle nach Zwangsräumung in Berlin

Eine boomende Stadt, steigende Mieten: Das war schon im 19. Jahrhundert so, besonders in Berlin. Am 25. Juli 1872 begehren Mieter in der Blumenstraße mit Krawallen auf - gegen Wohnungsnot und Rechtlosigkeit.


Tischler Ferdinand Hartstock muss seine Wohnung in der Blumenstraße 51c in Berlin-Friedrichshain verlassen - und zwar sofort.(...)

Immer mehr Menschen kommen zusammen und solidarisieren sich mit Hartstock, die Stimmung kocht. Dann fliegen die ersten Steine auf die Polizisten und die Wohnung des Vermieters, der im selben Haus wohnt. Erst weit nach Mitternacht können die Beamten die tobende Menge zerstreuen.

Am nächsten Tag ist es die Weltpolitik, die die Stimmung weiter anheizt. Der Kaiser von Österreich und der Zar von Russland haben sich zu einem Staatsbesuch angekündigt. Auf ihrem Weg durch Berlin müssten sie Barackensiedlungen am Frankfurter Tor passieren. Die ärmlichen Holzhütten werden von Polizei und Feuerwehr kurzerhand niedergerissen.

Die an die Luft gesetzten Bewohner ziehen Richtung Obdachlosenasyl - direkt vorbei an der Blumenstraße. Die Krawalle flammen wieder auf. Sie sind noch heftiger als zuvor und gehen erneut bis in die Nacht.

Der Deutsche Kaiser Wilhelm I. hört vom Aufruhr und weist den Berliner Polizeipräsidenten an, mit aller Härte vorzugehen. Dieser lässt Plakate aufhängen und droht den Protestierenden, schwer bewaffnet einzuschreiten und dabei nicht zwischen Neugierigen und Übeltätern zu unterscheiden. Sogar das Militär steht jetzt mit scharfer Munition bereit. (...)
https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-mieterunruhen-berlin-100.html

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