"Scheiß-Streik" contra Dumpinglöhne i. d. ambulanten Pflege/Assistenz

Begonnen von jenseitsdeshelfersyndroms, 19:58:16 Mo. 06.April 2009

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jenseitsdeshelfersyndroms

Mit gefüllten Kotröhrchen gegen Dumpinglöhne im ambulanten Assistenz und Pflegebereich


Nach Warn-, Sitz- oder Bummelstreik ist es soweit: wir rufen auf zum ersten bundesweiten

Scheiß-Streik         

Vom 27. April bis zum 27. Mai 2009 werden wir, Beschäftigte aus dem ambulanten Pflege- und Assistenzbereich, ein deutliches Zeichen gegen die anhaltende Abwertung unserer Arbeit setzen. Einen Monat lang versenden wir befüllte Kotröhrchen an private und gemeinnützige Pflegedienstanbieter. Wir beschicken die Wohlfahrtsverbände, politische Entscheidungsträger, Zeitarbeitsfirmen, Vermittler von ausländischen Billigpflegekräften und alle anderen, die den gesamten Pflegebereich in den Niedriglohnsektor drücken. Scheißt und schickt mit!

Für unsere Aktion wählen wir das Medium Scheiße nicht nur aus Publicity-Gründen. Während viele Jobs am Menschen unproblematisch erscheinen, ist der Pflegebereich, der Umgang mit kranken und alten Körpern, der Umgang mit Wunden und Ausscheidungen tabuisiert. Pflegeberufe – historisch eine weibliche Domäne - stehen auf der untersten Stufe sozialer Anerkennung. Unsere Ausscheidungen vertrauen wir den Ausgeschiedenen an: den gesellschaftlich und ökonomisch Ausgeschiedenen, Marginalisierten.

Doch wir werden den täglich anfallenden Scheiß nicht mehr still schweigend entsorgen! Alle können an dieser Aktion teilnehmen.
Besorgt Euch in einer Apotheke für wenige Cent Kotröhrchen, befüllt diese und ab damit zur Post! Dokumentiert Eure Beteiligung am Scheiß-Streik anonym auf unserer Webseite: http://www.jenseits-des-helfersyndroms.de
Hier finden sich auch weitere Hintergrundinformationen, vorgefertigte Begleitschreiben für den Kotversand, sowie eine Hilfe, um die Adressen der verantwortlichen Akteure herauszufinden.

Unterstützt von:
UAPA - Unabhängige ArbeitnehmerInnenvertretungen in der Persönlichen Assistenz

Für das Geld machen wir den Scheiß nicht mehr ...weg!

PROTESTKUNDGEBUNG UND KOLLEKTIVE VERSANDAKTION ZUR ERÖFFNUNG DES ERSTEN BUNDESWEITEN SCHEISS-STEIKS IN BERLIN:

27. April, 11 Uhr
Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales
Oranienstr. 106, 10969 Berlin

   Ein Toilettenhäuschen für den ad hoc Versand wird selbstverständlich gestellt.  ;)


Eivisskat

ZitatStuhlproben im Briefkasten

Die Arbeitsbedingungen im ambulanten Pflegebereich stinken zum Himmel. Nun wollen Beschäftigte in den »Scheiß-Streik« treten

Für das Geld machen wir den Scheiß nicht mehr ... weg!« Unter diesem Motto haben Beschäftigte aus dem Bereich der ambulanten Pflegedienste und persönlichen Assistenz Protest angekündigt. Sie wollen mit einer recht unkonventionellen Aktion gegen Lohndumping und die Prekarisierung ihrer Arbeitsverhältnisse demonstrieren.

Die Organisatoren des bundesweit ersten »Scheiß-Streiks« fordern alle Pflegekräfte auf, zwischen dem 27. April und 27. Mai in Apotheken für »wenige Cent« sogenannte Kot- und Stuhlröhrchen zu erwerben und zu »befüllen«. Per Post sollen die Stuhlproben dann an Personen und Institutionen gehen, die für die skandalösen Zustände im Pflegebereich der persönlichen Assistenz verantwortlich sind. Adressaten sollen unter anderem »politische Entscheidungsträger«, Krankenkassen, Zeitarbeitsfirmen oder kirchliche Träger sein. Unterstützt wird die Aktion von einer Reihe linker und fortschrittlicher Gruppen und Organisationen.


»Wir werden den täglich anfallenden Scheiß nicht mehr einfach stillschweigend entsorgen«, erklärte die »Unabhängige ArbeitnehmerInnenvertretungen in der Persönlichen Assistenz« (UAPA) in einem Protestaufruf. Man wolle zeigen, wer für »die zunehmend beschissenen Arbeitsbedingungen in diesem Sektor verantwortlich« ist. Zur Teilnahme am Streik sind alle im Pflegebereich tätigen Menschen aufgerufen, ob sie nun bei »privaten oder gemeinnützigen Institutionen«, oder bei den zu pflegenden Personen selbst angestellt sind. Es sei klar, »daß die hohe Ausdifferenzierung unserer Arbeits- und Lebensverhältnisse in diesem Sektor Methode hat«, so die UAPA. Erfolgreich wehren könne man sich aber nur gemeinsam.


Die UAPA wurde Ende vergangenen Jahres im Kreuzberger Mehringhof gegründet. Dort hatten Delegierte aus sechs betrieblichen Interessenvertretungen großer Assistenzeinrichtungen das bundesdeutsche Netzwerk ins Leben gerufen. Das Berufsbild des Assistenzpflegers werde öffentlich oft auf das »Arsch abwischen« reduziert. Die Tätigkeit bringe jedoch eine Vielzahl von weiteren Belastungen mit sich, so die UAPA: »Wir schmeißen den Haushalt, kochen, animieren zu unterschiedlichsten Freizeitbeschäftigungen, ... und besorgen die Grundpflege.« Man wolle für diese Arbeit »finanziell zumindest halbwegs angemessen honoriert« werden.


Die Pflegebranche gilt als Vorreiter bei der Durchsetzung von prekären und schlecht entlohnten Arbeitsverhältnissen. Der DGB spricht von »Hungerlöhnen« und einem beständig wachsenden Wettbewerbsdruck. Viele Pflegeassistenten müssen sich gleich mit mehreren Jobs über Wasser halten oder ihren Lohn durch den Bezug von ALG II »aufbessern«. Zwar wurden die Pflegedienste im Februar in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen, doch da in der Branche keine bundesweiten Tarifverträge gültig sind, soll eine achtköpfige Kommission noch über verbindliche Lohnuntergrenzen verhandeln. Auf Grundlage der Vorschläge dieses Gremiums soll das Bundesministerium für Arbeit und Soziales dann einen Mindestlohn erlassen. Etliche Wohlfahrtsverbände fürchten, daß diese Untergrenze zum branchenüblichen Standard werden könnte, falls die Kranken- und Pflegekassen diesen zur informellen Orientierungsmarke bei der Kostenübernahme machen sollten.


Weitere Infos: www.jenseits-des-helfersyndroms.de[/size]

Quelle: http://www.jungewelt.de/2009/04-15/026.php

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