"Armut beschämt unsere Gesellschaft" - Interview mit Psychiater

Begonnen von Eivisskat, 09:32:50 Mi. 08.April 2009

⏪ vorheriges - nächstes ⏩

Eivisskat

ZitatDer Bad Homburger Psychiater Michael Demmler fordert mehr Humanität in unserem Wirtschaftssystem. Mit FR-Redakteut Anton J. Seib spricht er über Armut, die krank macht.

Bei der Podiumsdiskussion zum 1. Tag der Armut in Bad Homburg haben Sie gesagt: Armut macht krank. Wie äußert sich das?

Wir erleben in den vergangenen zehn Jahren zunehmend, dass Patienten mit sozialen Problemen zu uns kommen. Für Arme ist das Risiko 100 Prozent höher, psychisch krank zu werden. Es gibt Zahlen der Rentenversicherer, danach werden Bezieher höherer Renten älter als Bezieher geringerer Renten.

Können Sie das konkretisieren?

Das Selbstwertgefühl leidet, wenn jemand seinen Job verliert, seinen sozialen Status einbüßt. Wenn kein Einkommen und Auskommen mehr da ist. Ich hatte diese Woche einen Patienten, er hat den Job verloren vor eineinhalb Jahren und absolut keinen Erfolg bei der Suche nach einer neuen Stelle. Er steht vor dem sozialen Aus, denn er bekommt kein Hartz IV, weil die Ehefrau arbeitet. Dann kommen gesundheitliche, die seelischen Probleme: Schlafstörungen, Ängste, zunächst ganz konkret Zukunftsängste. Im weiteren Verlauf verselbstständigen sich die Ängste, es können posttraumatische Belastungsstörungen auftreten. Das Trauma einer unverschuldeten Kündigung ist groß.

Wie äußert sich das?

Jeder hat seine dünne Stelle. Oft sind die Patienten auf einer Odyssee, zunächst zum Hausarzt, zum Internisten, zum Gastroenterologen..


weiter: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/hessen/?em_cnt=1711711&em_cnt_page=2

  • Chefduzen Spendenbutton