Antisemitismus

Begonnen von Kuddel, 15:18:57 Mi. 25.April 2018

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Kuddel

Ich bin absolut gegen Antisemitismus und fragte mich, warum mir so unwohl ist, bei der momentanen Antisemitismuskampagne.

Der erste Grund ist natürlich, daß für mich ein Schulterschluß mit Typen wie Thomas de Maizière, Horst Seehofer oder den Antideutschen nicht in Frage kommt.

Und sowieso: mich kotzen alle Religionen an, besonders ihre orthodoxen und fundamentalistische Auslegungen.

Zum Anderen sollten weder Menschen, Religionen noch Staaten unterschiedlich bewertet werden. Ausbeutung, Unterdrückung, Entrechtung sind fürn Arsch, egal von wem sie angewandt werden. Ich sehe keinen Grund für besondere Behandlung oder Bewertung bestimmter Menschen oder Staaten. Einerseits halte ich Nationen und Grenzen für Konzepte, die überwunden werden müssen. Andererseits sollte man erst einmal Staaten und Grenzen anerkennen, weil man sonst Tür und Tor für kriegerische Auseinandersetzungen öffnet. Das gilt für den Staat Israel, wie für jeden anderen. Israel hat damit keine Sonderrechte und es ist mir unverständlich, wieso das israelische Militär ohne weitere Kritik westlicher Staaten damit durchkommt, völkerechtswidrige Luftschläge gegen Syrien, den Iran oder im Gazstreifen durchzführen. Es gibt keine Ausnahmen im internationalen-, im Völker- oder Menschenrecht. Es gilt oder es gilt nicht. Das ist ein ernstes Problem, wenn die Einhaltung nicht mehr durgesetzt oder nicht einmal mehr angemahnt wird.

Wenn in punkto Imperialismus, Militarismus oder kolonialistischem Gebaren, die USA, Israel oder Saudi Arabien sich besonders schweinisch aufführen, dann muß man das auch öffenlich kritisieren. Genauso sind innenpolitische Entwicklungen gruselig in China, Polen, Israel, Rußland, USA oder Ungarn. All das darf man nicht einfach hinnehmen.

Ja, es gibt eine Zunahme an antisemitischen Sprüchen und auch offenem Haß von arabischstämmigen Jugendlichen in Deutschland. Das darf man weder schönreden, noch ignorieren. Man sollte aber versuchen zu verstehen, woher das kommt, und wie man gegen diese Entwicklung wirkungsvoll gegenanarbeiten kann. Ein Problem ist, daß im arabischen Raum die sozialen und politischen Bedingungen absolut katastrophal sind. Der Staat Israel führt sich in diesem Rahmen unangenehm auf und scheint dieses Unrecht zu zementieren. Das Problem liegt aber nicht allein in der Israelischen Politik, sondern genauso darin, daß als wichtigste Gegenkräfte die PLO und Hamas gesehen werden. Deren Position gegen Israel, den Zionismus oder "die Juden" zu kämpfen, ist genauso für'n Arsch. Es gibt scheinbar noch keine starke organisierte Kraft, die sich gegen Verarmung, Unterdrückung und Gewalt wendet. Gäbe es eine solche Organisation oder Bewegung, dann würden nicht so viele arabische Jugendliche reflexhaft Sprüche gegen "die Juden" bringen. Der Antisemitismus kann nicht bekämpft werden, ohne gleichzeitig zu versuchen, die sozialen und politischen Probleme im arabischen Raum zu lösen.

Wenn ich mir ansehe, was für Arschlöcher diese Antisemitismuskampagne mittragen, dann erinnert es mich schwer an die Zeiten, in denen man Argumente gegen "die Moslems" in Deutschland suchte und sie darin fand zu sagen, die Moslems würden die Rechte der Frauen nicht akzeptieren und Schwule verachten. Das laberten dann begeistert diejenigen nach, die gegen Frauenrechte sind und auch auf Demos gegen Schwule gehen. Genauso scheint es sich wieder zu entwickeln. Man hat wieder einen hervorragenden Vorwandt, um auf Muslimische Migranten mit dem Finger zu zeigen, sie anzugreifen und aus dem Land zu schmeißen.

Massenhaft Menschen sind aus dem arabischen Raum geflüchtet wegen der sozialen Probleme, der politischen Unterdrückung, wegen Gewalt und Krieg. In Deutschland werden sie erneut ausgegrenzt, erniedrigt und angegriffen. Wenn die deutschen Autoritäten ihnen gegenüber als Feind und Unterdrücker auftreten, dann ist es kein Wunder, wenn migrantische Jugendliche mit einer Antihaltung zu provozieren wollen. Im Moment funktionert das wohl am besten über antisemitische Scheiße. In den 60ern/70ern hat man eine Antihaltung in linken Gegenkulturen ausdrücken können, dann in der Metall- und Punkszene. Wenn man heute so richtig "Anti" sein will, dann muß man schon als Fascho, Judenhasser oder Islamist auftreten. Ein IS Beitritt ist eine Alternative zur Junkiekarriere. Es sind einige auch aus der Faschoszene direkt zum IS übergelaufen. Das gibt sich nicht viel.

Wollte man ernsthaft etwas gegen antisemitische Tendenzen unter jungen Migranten machen, dann müßte man sich gegen deren soziale Schlechterstellung und Ausgrenzung wenden. Die Momentane Antisemitismuskampagne halte ich nicht nur für durch und durch verlogen, sie ist kontraproduktiv und gleichzeitig eine Rechtfertigung für die Verschäfung der Ausgrenzung muslimischer Migranten.

Tiefrot

Lass es mich einfacher fassen: Wie kann man Menschen hassen, die man nicht mal kennt ?
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Fritz Linow


Rappelkistenrebell

Man bekämpft Antisemitismus auch nicht mit Islambashing





so wie man zwischen Islam und Jihadismus,Christentum und KuKluxklan unterscheidet,so sollte man auch zwischen Judentum und Zionismus unterscheiden.Zionismus selbst ist eine nationalistische und rassistische und antikommunistische und faschistoide politische Ideologie.Das Judentum
ist eine Religion.

Antisemitismus wie auch andere Formen des Rassismus sind selbstverständlich abzulehnen und wenn zB Muslime oder Juden sich rassistisch äußern ist das genauso abzulehnen wie wenn es Christen machen.

Sowas ist immer lobenswert


OFFIZIELLE STELLUNGNAHME

Mormonen treten Antisemitismus entgegen

Die Ereignisse der letzten Wochen haben eine breite Diskussion über den Antisemitismus entfacht.

Mitmenschen jüdischen Glaubens fühlen sich verunsichert und bedroht. Vorurteile, Ausgrenzung und Übergriffe im Alltag geben Anlass dazu. Mitten in Deutschland. Diese Umstände sind unerträglich. Wir nehmen sie nicht hin.

Wer in der Schule, am Arbeitsplatz oder auf der Straße aufgrund seines Glaubens verächtlich gemacht wird, dem stehen wir bei.

Wer Angst hat, in der Öffentlichkeit die Kippa zu tragen, dem sprechen wir Mut zu.

Wer nur unter Polizeischutz oder hinter hohen Zäunen eine Synagoge besuchen oder sich am jüdischen Gemeindeleben beteiligen kann, dem sichern wir auch unseren Schutz und unsere tiefe Verbundenheit zu.

Wer sich hingegen feindselig gegenüber dem jüdischen Glauben äußert, der muss mit unserem entschiedenen Widerspruch rechnen.

Wer aus religiösen Gründen oder welchen Gründen auch immer Menschen einschüchtert oder angreift, dem stellen wir uns entgegen.

Daran muss sich jedes Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage messen lassen, deren Stifter Joseph Smith sagte: Freundschaft ist einer der großen und grundlegenden Leitgedanken des Mormonismus.

Elder Wolfgang Pilz, Gebietssiebziger

Quelle

https://www.presse-mormonen.de/artikel/mormonen-treten-antisemitismus-entgegen
Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

Kuddel

Antisemitismus ist ein Problem. Ein reales Problem.
Aber Antisemitismus ist auch ein Kampfbegriff, mit dem rassistische und antiislamische Vorurteile gegen Migranten geschürt werden.
Antisemitismus ist ein politisch so aufgeladener Begriff, der keinen Widerspruch duldet. Oft reicht der Vorwurf und man prüft weder Zweifel noch Gegenrede.
Der Antisemitismusvorwurf gegen die Documenta mündete in einen Generalangriff auf die Kunstfreiheit und man verlangte Absetzungen von Veranstaltern und die Einführung staatlicher Kontrollgremien für die Kunst.
In Israel ist gerade die Hölle los, es gibt massive Gewalt israelischer Sicherheitsbehörden gegen palästinensische/arabische Menschen, wie seit langem nicht mehr. Die Situation ist derart aufgeladen, sie könnte explodieren und in eine neue Intifada, einen Bürgerkrieg führen. Es traut sich hierzulande kaum jemand, darüber zu berichten. Noch weniger traut man sich zu sagen, was Sache ist. Die israelische Armee verhält sich brutal und menschenverachtend wie Kolonialherren. Eine solche Kritik würde den Stempel "Antisemitismus" aufgedrückt kriegen. Es ist aber notwendig, gegen Gewalt und Unterdrückung die Stimme zu erheben, egal wo sie in der Welt geschieht.

Und noch ein Wort zum BDS (Boycott, Divestment and Sanctions). Diese NGO wird hierzulande mit dem Begriff "antisemitsch" gleichgesetzt. Das ist schlichtweg nicht wahr, eine ekelhafte Propagandalüge. Das scheint in der Öffentlichkeit und in allen bedeutenden Deutschen Medien aber als Tatsache gesehen zu werden.

Ich finde die Politik des BDS nicht gut, ich unterstütze sie nicht, aber sie ist NICHT antisemitisch.

Übrigens, Pink Floyd Günder Roger Waters ist BDS Unterstützer, Annie Ernaux, die frisch gekürte Literaturnobellpreisträgerin, auch. Haha!



Kuddel

Die Süddeutsche über Roger Waters:
ZitatEin Putin-Versteher und Antisemitismus-Ranschmeichler in einer städtischen Veranstaltungshalle?
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-roger-waters-olympiahalle-1.5672299?reduced=true

Kritiker der Politik Israels und der Nato sollten nicht kommunalen Gebäuden in Deutschland auftreten dürfen, oder wie soll man das verstehen?

ManOfConstantSorrow

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

Eine vergiftete oder nicht vorhandene Debatte.

ZitatDie anwesenden Abwesenden der deutschen Israel-Debatte
BDS. Kerem Schamberger und Ramsis Kilani schrieben einen Text über den Ausschluss palästinensischer Perspektiven aus dem Diskurs. Er sollte im Sammelband ,,Frenemies" erscheinen. Protest gegen die Autoren verhinderte dies.
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bds-die-anwesenden-abwesenden-der-deutschen-israel-debatte
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

ZitatAntisemitismusbeauftragter des Berliner Senats fordert Zensur von Roger-Waters-Konzert

Die Hetz- und Verleumdungskampagne gegen den britischen Rockmusiker Roger Waters hat auch Berlin erreicht. Vergangene Woche forderte Samuel Salzborn, der Antisemitismusbeauftragte des rot-rot-grünen Senats, ein geplantes Konzert des Mitbegründers der Band Pink Floyd in der Hauptstadt abzusagen.

Quelle: https://www.wsws.org/de/articles/2022/11/06/wate-n06.html
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

Der Umgang mit der BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) Bewegung belegt die Uninformiertheit und politische Dummheit deutscher Mainstreamjournalisten.

ZitatInspiriert vom Kampf der Südafrikaner*innen gegen Apartheid ruft die palästinensische Zivilgesellschaft zu Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel auf, bis dieses internationalem Recht und den universellen Prinzipien der Menschenrechte nachkommt.
http://bds-kampagne.de/

Die BDS Kampagne kann man kritisieren. Ich halte ihre Politik nicht für unbedingt unterstützenswert, ich ziehe Widerstand gegen die Politik der Israelischen Regierung vor, die sich nicht an nationaler Zugehörigkeit formiert, sondern unterdrückte vereint, egal ob israelisch, palestinensisch oder migrantisch.

Über die BDS Politik kann man streiten und muß es wohl auch. Eines ist sie jedoch nicht: Antisemitisch.

Aber genau das versucht nahezu die gesamte Journallie durch ständige Wiederholung zur Wahrheit zu machen.

Mit der dummen wie falschen Gleichung BDS = antisemitisch wird zur Zeit sehr viel Unheil angerichtet und kritische Stimmen werden denunziert und mundtot gemacht.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

Es ist unglaublich, wie der Antisemitismusvorwurf zur Allzweckwaffe gegen politische Gegner geworden ist. Die Definition des Begriffs ist abhanden gekommen.

Die Antideutschen haben im Schulterschluß mit der CDU ganze Arbeit geleistet. Antisemitismus und Kritik an der Regierungspolitik Israels werden in einen Topf geworfen.

ZitatIn Israels Verteidigungsministerium entsteht eine neue Verwaltung für die besetzten Gebiete. Knesset-Mitglied Bezalel Smotrich ist ihr vorgesehener Direktor. Smotrich, ein nationalreligiöser Extremist, bekannt für rassistische, homophobe Rhetorik, verfolgt den Plan, das gesamte palästinensische Gebiet israelischer Souveränität zu unterstellen, ohne den dort lebenden Palästinensern die Staatsbürgerschaft zu geben.
(...)
Falls Europa Israel einen Schutzschirm gegenüber internationalen Rechtsinstitutionen verleiht, sich ihnen widersetzt oder sie sogar daran hindert, sich mit Israels Aktionen und Politik zu befassen, wird es nicht nur seine eigene Glaubwürdigkeit beschädigen.
https://www.fr.de/meinung/gastbeitraege/europas-stunde-der-wahrheit-91986919.html

Deutschland hat gerade einen drastischen Schritt zur Kriminalisierung von Palästina-Aktivismus unternommen
https://www.972mag.com/germany-interior-ministers-report-palestinians/


ManOfConstantSorrow

Mit den Antisemitismusvorwurf gegen Jerry Corbyn hat man in UK einen (Labour)Parteilinken mundtot gekriegt.
ZitatKen Loach: "The BBC's role in the destruction of Jeremy Corbyn's leadership has been absolutely shameless"

In Deutschland hat nun eine solche Kampagne gegen Fridays for Future begonnen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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