Hirnwäsche, Propaganda & Zensur - Das Abrutschen des jounalistischen Mainstreams

Begonnen von Kuddel, 13:31:07 Mi. 22.Dezember 2010

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Onkel Tom

Zitat von: Kuddel am 14:01:36 Di. 22.Juli 2025Die Aktion vom Zentrum für Politische Schönheit zum TV Interview von Alice Weidel dürfte jeder mitbekommen haben.
Ja, das war doch ein Genuss. Deren Lautsprecher-Bus ist ja cool  :)

Zu den Reaktionen der Medien frage ich mich, ob da der Virus "Göbbelschnauzenverhalten" ausgebrochen ist ?
"Herr Jornalist ! Ihr Auftrag ist, jeglichen Protest zum Ereignis in ihren Zeilen zu diffamieren!"

Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

Entpolitisierung und Vereinzelung passieren nicht einfach so, sondern sind ein politisches Programm.

Margret Thatcher hat es klar formuliert:
"So etwas wie die Gesellschaft gibt es nicht. Es gibt nur einzelne Männer und Frauen und es gibt Familen."

Es werden Klassenverhältnisse verschwiegen. Es wird nur noch der Einzelne gesehen und das Oben und Unten ignoriert. Es wird nicht nur ignoriert, sondern es werden alle kollektiven Strukturen, die der sozialen Notwehr oder einem Kampf dienen können, zerschlagen.

Die heutigen Medien, egal zu welchem Medienhaus/Medienmogul sie gehören mögen, haben ihre Beiträge auf eine totale Individualistische Sichtweise gepolt. Man horcht in sich hinein, sieht noch bestenfalls familiäre und partnerschaftliche Strukturen, es geht um individuelles Glück und um Seelenpein, Ernährung, Krankheit, Freizeitbeschäftigung. Karriere und Ängste. Was bleibt, sind die Verlorenheit des Einzelnen und die Angst in der Welt, in der Gesellschaft. Da werden Therapeuten nur wenig ausrichten können.

Daß wirklich alle großen Medien so stark auf die Individualisierung geschwenkt haben, ist überdeutlich und meiner Meinung nach zu wenig diskutiert.

Nur mal kurz und zufällig zusammengestellt:

Kontaktabbruch zu den Eltern: Was Sie jetzt tun können - Stern
,,Mentale Gesundheit entscheidet sich im Kindes- und Jugendalter" - Süddeutsche
"Wir haben kaum Einfluss darauf, wie viele Kalorien wir verbrennen" - Zeit
»Klettern ist wie Yoga am Berg« - Stern
7 magische Dinge, die mit uns passieren, wenn wir uns öffnen - Brigitte
Sauer auf die Kollegen? Gut so! - Manager Magazin
Wie man einen Ort zu seinem Zuhause macht - Süddeutsche
Sind Mütter mit Jungen nachsichtiger? - Süddeutsche
Warum wir so gerne lästern – und es uns sogar guttut - Brigitte
Erholungsurlaub: Na, erholt? - Zeit
Belastende Gefühle zulassen: Alles fühlen, was da ist - Psycholgie Heute
Zwischen Daten und Bauchgefühl: Wie Führungskräfte ihre Intuition stärken - Manager Magazin
4 Fragen, die bei einer Sinnkrise helfen können - Brigitte
Mama, bin ich ein Klotz an deinem Bein? - Zeit

Und so weiter.

Komme mir vor wie bei Dr.Sommer von der Bravo.

Ich halte das eben nicht nur für Füllstoff schlechtgemachter Medienprodukte, sondern man begleitet gesellschaftliche Trends und treibt sie bewußt voran.

Kuddel

Der Sport der Rechten ist ja, die politischen Grenzen zu verschieben und die politische Orientierung auf den Kopf zu stellen.

Rechte bis rechtsradikale Medien nennen sie "konservativ" und den politisch verblödeten bis nach rechts tendierenden Mainstreammedien attestieren sie eine "linke" bis "linksradikale" Haltung.

Eine andere Einordnung:

https://x.com/NurderK/status/1980938156271939631

Nikita

Es ist einfach die Medienlandschaft insgesamt zu verteufeln. Sie hat auch gute Redaktionen, die reflektiert sind und sich fortlaufend Gedanken darüber machen, wie sie berichten. Diese redaktionen haben Unterstützung verdient.
Ein Beispiel sei hier gezeigt. Ich würde es nicht als Interview des Jahres bezeichen. Aber es ist ein gutes Interview.

https://www.ardmediathek.de/tv-programm/69021e204be0aa071380586b

Wolfram Weimer bei ttt
Das Interview des Jahres 2025

In der ersten Sendung des neuen ARD-Formats ,,ttt-talk" stellte die Moderatorin Siham El-Maimouni dem Medienminister Weimer Fragen. Und zwar die richtigen!

https://taz.de/Wolfram-Weimer-bei-ttt/!6134500/


Kuddel

Ich denke, wir sind uns da einig.
Ich schätze guten Journalismus, doch ich finde ihn kaum.
Hin und wieder findet man ihn auch bei den Öffentlich Rechtlichen.
Daß Wolfram Weimer bei ttt war so ein Fall. Das war solider Journalismus. Siham El-Maimouni hat völlig entspannt die richtigen Fragen gestellt und ließ sich nicht aufs Glatteis führen. Da nützte es nichts, daß der Bundeskulturminister ein Medienprofi und gut vorbereitet war. Er wollte sich einfach damit herausreden, er könne ja gar nicht rechts sein, da er von der AfD angefeindet wurde. Sie legte nach und sprach ihn darauf an, daß er mit den klassich anti-woken Ressentiments an die Öffentlichkeit gegangen ist. Sie hat auch nachgehakt, bei seinem Geschäftsmodell, mit Ludwig-Erhard-Gipfel gegen Geld Kontakte mit hochrangigen Politikern zu vermitteln ein fragwürdiges Geschäftsmodell zu betreiben. Er sah das Problem damit erledigt, das Unternehmen abgegeben zu haben, er habe da jetzt keinerlei Einfluß mehr drauf. Die Moderatorin wies darauf hin, daß es jetzt von seiner Frau geleitet werde. Seine Antwort, "Wollen sie ihr jetzt ein Berufsverbot erteilen?" ließ ihn nicht gut dastehen. Es hat Spaß gemacht, einer gut vorbereiteten Journalistin bei der Arbeit zuzusehen.

So sollte Fernsehen immer sein. Da sagtest selbst, du würdest es nicht als Interview des Jahres bezeichen, aber es war schon eine Ausnahme.

Ich halte es für problematisch, daß viele Sendungen einfach so lieblos und schlecht vorbereitet produziert werden und in den Zeiten des politischen Rechtsrucks halte ich den rechtsoffenen Journalismus, der nicht selten anzutreffen ist, für eine absolute Katastrophe.

https://bsky.app/profile/ardenthistorian.bsky.social/post/3ma3zldfz5k2e

Kuddel

Eine Anmerkung zum Posting der Journalistin Annika Brockschmidt.

Nicht jedem wird der Name Constantin Schreiber ein Begriff sein. Er ist ein weiteres Beispiel dafür, nach welchen politischen Kriterien Moderatorenposten beim Öffentlich Rechtlichen Fernsehen besetzt werden. Paßt zu folgenden Neueinstellungen:

Titel Tesen Temperamente ttt war mal ein halbwegs vernünftiges Kulturmagazin. Man wollte es mit einem neuen Moderatorer verjüngen mit einem optisch irgendwie hippen Social Media Typen, Thilo Mischke, da sind die weniger glanzvollen Stufen auf seiner Karriereleiter mit Bild am Sonntag, Stern und Focus auch egal. Sein Markenzeichen ist eher seine knackige zeitgeistige Männlichkeit, die ihm bereits Jobs bei GQ, Playboy, NEON, Penthouse einbrachte und eine monatliche Sexkolumne für den Deutschlandteil des Magazins Prinz. Ein besonderer Knaller: sein Buch In 80 Frauen um die Welt – nachdem er angeblich mit Freunden eine Wette abgeschlossen hatte, auf einer Weltreise mit 80 Frauen zu schlafen. 2012 wurde auf ProSieben die Dokumentation Unter fremden Decken – Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt mit ihm ausgestrahlt. Im November 2013 folgte die Fortsetzung Unter fremden Decken 2 – Auf der Suche nach dem besten Sex der Welt.
Es kommt noch schlimmer: Er behauptete, der Urmensch sei ausgestorben, weil er ,,zu zärtlich" zu Frauen gewesen sei, und der heutige Homo sapiens habe im Gegensatz zum Urmenschen überlebt, weil er Frauen vergewaltigt habe.

Es folgte ein derartiger Sturm der Entrüstung, daß der Sender sich gezwungen sah, diese Besetzung rückgängig zu machen. Man blieb ansonsten auf Kurs, auf Rechtskurs.

Mit Julia Ruhs "Klar" hat man es gleich mit einem komplett rechten Format versucht und hat es da auch übertrieben. Die Sendung "Migration: Was falsch läuft" war Klartext, die Panoramajournalistin erklärte, die Sendung Klar sei ,,ein bisschen rechtsextrem", die NGO Neue deutsche Medienmacher*innen erhob den Vorwurf, dass Klar keine faktenbasierte, differenzierte und lösungsorientierte Berichterstattung biete und Böhmermann nannte es schlicht "rechtspopulistischen Quatsch".
Etwa 250 NDR-Mitarbeiter distanzierten sich in einem internen Brief vom Inhalt der Sendung, die ,,zu einem Generalverdacht gegenüber migrantisch gelesenen Menschen beitrage". Weiter hieß es: ,,[ I]n unseren Augen [verletzte die Sendung] eine Reihe von Grundsätzen unserer journalistischen Arbeit und kommt unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag gemäß NDR-Staatsvertrag nicht nach."

NDR verzichtet künftig auf Julia Ruhs als Moderatorin von "Klar", doch beim BR kann sie weitermachen wie bisher. Dieser kleine Sieg kann nicht wirklich genossen werden, denn der NDR nominierte Ex-"Bild"-Chefin Tanit Koch als Nachfolgerin.

Und dann noch dieser Constantin Schreiber, der aussieht wie aus einem Castingkatalog von Fox-News. Sowas soll er wohl auch darstellen, Moderator, äh, Anchorman der großen, seriösen Nachrichten. Er war überall dabei, die Tagesschau, Tagesthemen, Zapp, er mimt auch den Kenner der Arabischen Welt und war Medienberater zum Thema Naher Osten im Auswärtigen Amt.

Ich denke, man kann ihn anhand seiner Bücher ,,Inside Islam", ,,Moscheereport",,,Kinder des Koran" und ,,Die Kandidatin" guten Gewissens als islamhassenden, rechten Hetzer bezeichnen. Hier noch ein paar kurze Infos zu besagten Schriften: ,,Inside Islam": Der Journalist Daniel wirft Bax Schreiber vor, sich seinem Gegenstand wie ein ,,Ethnologe aus der Kolonialzeit [zu nähern], der einem vermeintlich wilden und gefährlichen Indianerstamm nachspürt", und nannte seine Beschreibung der Moscheen und des Islam ,,exotisierend". Schreiber zeige zudem fehlende Sorgfalt und Sachkenntnis. Ein früherer Mitarbeiter des Hamburger Verfassungsschutzes kritisierte öffentlich, dass in Inside Islam die Gefahr übertrieben werde, die von Moscheen ausginge. "Moscheereport": Johanna Pink, Professorin an der Universität Freiburg, kritisiert in einem Brief an die zuständigen Chefredakteure die Sendung Moscheereport. Diese sei verzerrend, einseitig, fehlerhaft und enthalte Übersetzungsfehler. "Kinder des Islam": Das Online-Nachrichtenmagazin dis:orient  warf dem Autor unter anderem methodische Schwächen bei der Auswahl und Übersetzung der Schulbücher, unzutreffende Verallgemeinerungen der unterschiedlichen muslimischen Gesellschaften in den Herkunftsländern und in Europa sowie Argumentationshilfe für rechtsextreme Diskurse vor. "Die Kandidatin": Stefan Weidner, Übersetzer und Islamwissenschaftler, ist der Meinung, der Roman Die Kandidatin könne nur als ein ,,reaktionäres Manifest" verstanden werden. ,,[H]inter der Fiktion verbirgt sich wenig mehr als ein rechtspopulistisches Pamphlet mit altbekannten Feindbildern: dem Islam und den Muslimen, den ,Linken' sowie allen, die mit ethnischer, religiöser oder sexueller Vielfalt kein Problem haben und diese verteidigen möchten."

Dieser Typ hat mit seiner rechtsradikalen Haltung Karriere gemacht und hat damit seinen Job beim öffentlich rechtlichen Fernsehen bekommen. Er ist nicht wegen eines öffentlichen Proteststurms gefeuert worden, sondern er wurde vom Springer Konzern abgeworben. Da verdient er jetzt noch besser.

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