Früher - Heute (Teil 2)

Begonnen von fegefeuer, 17:34:34 Sa. 01.März 2025

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fegefeuer

Durch die 50jährige Tätigkeit meines Vaters bei einer Firma mit 6 Namen, habe ich noch gewissen
Einblick in die frühere Arbeitswelt.
Ruhrstahl - Gussstahl - Edelstahl - Thyssen - Thyssen/Krupp - Edelstadt Witten Krefeld
(6 Namen - 1 Firma).

Auch durch meinen Patenonkel, dem letzen Überlebenden der Märchen-Paradieswelt
der mittleren 70er Jahre, habe ich gewisse Dinge aus damaligen Jahren direkt oder aus
eigener Erinnerung, noch vor Augen.

Wenn man sich diese a posteriori (aus der Sicht von heute) einmal vor Augen führt,
weiß man nicht, was man sagen soll, kann nur den Kopf schütteln oder vor Lachen
unter den Tisch fallen.

* "...haben Sie eine Arbeit für mich (?) Klar, hier haben Sie einen
  Arbeitsvertrag, da können Sie gegen ein festes garantiertes Gehalt
 hier arbeiten, bis Sie in Rente gehen!"
* Jubiläen, Geburtstagsfeiern, rauschhafte Bälle zu Weihnachten
*eine Blaskapelle mit Weihnachtsliedern am Heligabend (!
)

*festes garantiertes Gehalt, von dem man seine laufenden Kosten
 decken konnte und noch etwas zum Sparen an die Seite legen konnte (!)

*unbefristete Arbeitsverträge
*13. Monatsgehalt


*Kegeln gehen mit Kollegen
*gemeinsam Lotto spielen

*nach dem Ausscheiden (z.B bei Edelstahlwerk) ein sogenannter
 "Edelstahltreff" in Form eines Klassentreffens in frühen Jahren in der Schule

  oder vergleichbar mit einem Nachmittag im Kindergarten

Tja, so läßt es sich leben, da wußten viele (damals) gar nicht, wie gut es Ihnen ging,
weil man ja nichts anderes gewohnt war und kannte.
Und viele Männer (Frauen waren ja in der Berufswelt kaum zu finden) denken heute immer
noch in den Strukturen von damals und verstehen nicht, dass es das gar nicht mehr gibt
(wenn sie noch leben).

Da müßte man sich aber stark umstellen und da wäre es vorbei mit vielem, was
damals selbstverständlich war.
Das würde vielen, nicht nur meinem Vater, sicher nicht einfach fallen.

Ist ja als solches gut, dass die frühere Generation das gar nicht mehr erlebt.



Tiefrot

Ohja, das kenne ich noch aus den Anfang 90'ern.
In meinem Fall ging das bis 1993, als die Bude
kaputt ging. Danach war nur noch Prekärscheiß angesagt. :Q
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

Kuddel

Call Center sind oft ein Testfeld und Vorreiter in der Veränderung der Arbeitswelt.

Gewerkschaften rühmen sich damit, wie stark die Löhne seit anno sowieso gestiegen sind. Sie vergessen zu sagen, was in der Zeit alles den Bach runtergegangen ist.

Die Kollegialität, der Zusammenhalt. Die Sicherheit (die Angst den Job zu verlieren war gering).

Gleichzeitig ist der Arbeitsdruck gestiegen.

@Fegefeuer, danke dafür, an die so anderen Zeiten in der Arbeitswelt zu erinnern.

BGS

Im Norden kenne ich einen ehemaligen Stauer und Zuckerfabrikarbeiter der sein Leben lang hart gearbeitet hat und nun 92 ist.

Vielleicht weil er ganzjährig 15 km mit dem Rad zur Arbeit gefahren ist.

Seine Mittel reichten zumindest aus, um sich Baumaterial für ein einfaches Haus aus Stein zu leisten und dieses gemeinsam mit seinem Sohn zu bauen.

Laut seinen Erzählungen gab es genug Arbeit für alle. Doch wurde z. B. im Hafen derart massiv gesoffen (inkl. Streit, Messerstechereien, Schlägereien etc.), dass er nach kurzer Zeit seinen Vorarbeiterjob schmiss und lieber täglich 10 Stunden bei + 45 Grad in der Zuckerfabrik arbeitete.

Heute nimmt die Arbeitsverdichtung seit ewig Jahr für Jahr zu. Entsprechend mies ist die Qualität vieler Dienstleistengen geworden und es interessiert keine Sau.

In den 80-ern reichte es in D. bei mir noch, nur ca. vier Tage zu arbeiten - im Monat. Für ein gutes Leben.

MfG

BGS


"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

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(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

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