Verkehrspolitik

Begonnen von Kuddel, 12:01:42 Sa. 24.Oktober 2015

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ManOfConstantSorrow

ZitatWeniger Geld für die Schiene
 Das Bundesfinanzministerium hat einen Haushaltsentwurf für das kommende Jahr an die Ressorts verschickt. Im Verkehrsetat deutet sich an, dass die Mittel für die Straße steigen, bei der Schiene wird der Rotstift angesetzt.
https://background.tagesspiegel.de/verkehr-und-smart-mobility/briefing/weniger-geld-fuer-die-schiene?utm_source=bgmt+vorschau&utm_medium=email
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

ZitatNeun von zehn Radschnellverbindungen werden weggespart

Von einem Budget von 400 Millionen Euro bleiben für den Bau der Berliner Radschnellverbindungen bloß noch 50 Millionen übrig. Nur die Verbindung Wannsee-Charlottenburg (RSV 3) soll noch weitergeführt werden.
https://changing-cities.org/neun-von-zehn-radschnellverbindungen-werden-weggespart/

counselor

ZitatAttraktive Innenstädte - Pro-Auto-Plan der FDP reizt die Grünen

Das Auto kostenlos in der City parken, immer grüne Ampeln: So könnten nach FDP-Ansicht die Innenstädte attraktiver werden. Hannovers grüner Oberbürgermeister Onay widerspricht. Und die FDP? Will keine "ideologische Mobilitätspolitik".

Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/fdp-autos-innenstaedte-kritik-100.html
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Die deutschen Medien. In der SZ gibt's Lobbyismus statt Journalismus.

Auf der Startseite:
ZitatNur noch kurz das deutsche Auto retten
Auf VW-Chef Oliver Blume lasten Erwartungen von 684.000 Mitarbeitern - und einer ganzen Nation. Er setzt eher auf Puzzelsteine statt Visionen. Mal sehen, ob das die richtige Strategie für die gigantische Aufgabe ist.

Beim Artikel selbst ist die Einleitung leicht variiert.

ZitatRette uns, wer kann
Auf VW-Chef Oliver Blume lasten die Erwartungen von 684 000 Mitarbeitern – und einer ganzen Nation. Er setzt eher auf Puzzleteile statt Visionen. Aber ob das fürs deutsche Auto reicht?
https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wirtschaft/oliver-blume-vw-porsche-autoindustrie-rettung-e659138/?reduced=true

Nicht kleckern, klotzen!
Es geht um die Erwartungen einer Nation.
Man kann "uns" nur retten, wenn man das toitsche Auto rettet.
Es braucht Visonen.

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Kuddel

Verkehrswendestadt Wolfsburg - den automobilen Konsens aufbrechen

deutsch |  56 min | 2024 |

Dieser Film dokumentiert, wie außergewöhnliche Aktivist*innen und Autoarbeiter*innen mit außergewöhnlichen Mitteln in den letzten zwei Jahren Krawall für eine ökologische Verkehrswende gemacht haben. Und das ausgerechnet in Wolfsburg, der VW Stadt.

Mit lustigen, medienwirksamen Aktionen machten Vollzeit-Aktivist*innen und einige VW Kollegen Stimmung gegen den automobilen Wahnsinn. Sie fordern die Konversion der nicht mehr zeitgemäßen Automobilbranche.

Zum Video: https://de.labournet.tv/verkehrswendestadt-wolfsburg-0

Nikita

"Die Berliner CDU liegt ihren Plan zur Bevölkerungsreduktion vor: 30-Zonen vor Kitas und Altenheimen abschaffen.
Ich hab das beim Postillon gesehen und wusste sofort: Das ist keine Satire. So einen krassen Scheiß können sich Satiriker gar nicht ausdenken. Dafür braucht es geschulte, erfahrene Unmenschen und Widerlinge wie die CDU."

https://blog.fefe.de/?ts=980f8efb

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dagobert

Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

Kuddel

Warum kostet Schwarzfahren 60 € und Falschparken 15 €? Und warum werden Blitzer im Radio gemeldet, Fahrscheinkontrollen aber nicht?

Schluss mit der Bevorzugung des Autoverkehrs!

Kuddel

Das Auto ist hierzulande mehr als ein Transportmittel. Es ist ein kulturelles Ding ("Des Deutschen liebstes Kind."), ein Statussymbol.

Wir haben eine zunehmend individualisierte Gesellschaft und ein großer Teil sieht sich von Abstieg bedroht.

Der Mensch scheint in neoliberalen Verhältnissen keinen Wert mehr zu haben. Die Armen sind quasi zum Abschuß freigegeben. Sind es Ausländer, können sie deportiert werden. Den deutschen Kartoffeln ergeht es nur wenig besser, die Sozialleistungen ermöglichen gerade ein Überleben und es wird mit weiteren Kürzungen gedroht. Im gesellschaftlichen Gefüge sind sie Aussätzige, unnütze Esser. Sie sind einem massiven sozialen Mobbing ausgesetzt.

Deshalb versucht jeder irgendwie zur gesellschaftlichen "Mitte" zu gehören, bzw. es soll zumindest so aussehen. Die Bedeutung des Autos als Statussymbol kann gar nicht überschätzt werden. Man kauft sich auf Pump irgendeine Dreckskarre, die man gar nicht braucht. Es ist ein verzweifelter Versuch seinen sozialen Status zu halten und nicht zum gesellschaftlichen Bodensatz zu gehören.

Kuddel

Frankfurt. Am 19.5.1935 wurde die Reichsautobahn feierlich eingeweiht.
Die Pläne zum A5-Ausbau in Frankfurt setzen den visionären Ausbau des Schnellstrassennetzes fort.

Tatsächlich ist diese Straßenbaupolitik ohne Sinn und Verstand. Es geht um die Visonen der Nazis und die Macht der Autoindustrie.

Das Projekt Fehmarn-Tunnel folgt keinen realen Bedürfnissen zur Mobilität, es ist ein am Bedarf vorbei geplantes Megaprojekt, das allein der Bau- und Autoindustrie dient.

Die heutige Verkehrspolitik hat tiefbraune Wurzeln und wird unverändert nach den alten Vorstellungen vorangetrieben. Eine wichtige Rolle spielte dabei Hermann Josef Abs.

Das muß man sich eigentlich mal auf der Zunge zergehen lassen: Dieser Typ war Manager und Berater im NS-Staat, ab 1938 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank AG sowie ab 1940 Mitglied des Aufsichtsrats der I.G. Farben. In der BRD gings weiter: Er wude Vorstandssprecher der Deutschen Bank, dann ihr Aufsichtsratsvorsitzender. Die Anhäufung vieler weiterer Aufsichtsratsmandate führte zur Lex Abs. Konrad Adenauer diente er als Berater und ,,Finanzdiplomat".

Dieser Abs war 1983 mit seinem "Bahn-Memorandum" Geburtshelfer der Deutschen Bahn AG und trieb die Zerschlagung der Eisenbahn voran. Eigentlich sollte man sich da mal intensiver mit befassen.

1989 konstituierte sich die ,,Regierungskommission Bahn", dessen Vorsitzender Günther Saßmannshausen ein Mann der Privatwirtschaft war und in Aufsichtsräten der Automobilindustrie (Volkswagen), der Mineralölwirtschaft (Deutsche Shell) sowie in anderen Großkonzernen und Verbandsgremien (BDI) saß. Auch in den Beiräten der Dresdner Bank, des Versicherungsriesen Allianz und der Westdeutschen Landesbank Girozentrale stand ein Stuhl für ihn. In der Regierungskommission arbeitete er unter anderem mit Vertretern der Deutschen Bank zusammen.

So ging es mit der Verkehrspolitik weiter, als osteuropäische Staaten -ähm- eingemeindet wurden. Unter sozialistischen Vorzeichen hatte man dort ein ausgeklügeltes Bahnsystem entwickelt, bei dem die Wirtschaft nur wenig auf der Straße zu transportieren brauchte, auf der Schiene war es billiger und besser.

Osteuropas Bahnsystem wurde von den neuen Herren aus dem Westen zerschlagen, die ein System von Speditionen aufbauten, die zu Billiglöhnen fahren ließen.

Die vollen Autobahnen, der Verkehrslärm durch LKW, ein kaputtes Bahnsystem, bei dem kaum ein Zug pünklich sein Ziel erreicht, sind nicht irgendwie passiert, sondern das Ergebnis einer Verkehrspolitik, die nicht den Interessen der Menschen, sondern bestimmten Teilen der Wirtschaft dient.

dagobert

Die Bahn macht sich mit ihrem Tarifdschungel immer beliebter.
Gleicher Preis für die gleiche Strecke? Das war einmal.
Je nachdem wo man das Ticket kauft, kann es unterschiedlich teuer sein; von hier nach Essen z.B. bei Online-Buchung 24,70€, bei Ticketkauf am Automaten 25,60€.
Soweit ich das jetzt online herausbekommen habe, liegt das wohl daran, dass die Bahn verschiedene Buchungssysteme parallel benutzt - aber nicht jeder Tarif ist in jedem Buchungssystem verfügbar.
Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

Kuddel

Die Verkehrspolitik ist ein riesiges Problem in diesem Land.

Es ist eine zentrale Branche, denn ohne funktionierende Verkehrswege würde die Wirtschaft nicht laufen.

Doch die Autoindustrie ist die mächtigste Kapitalfraktion in Deutschland und setzt sich in der Politik durch. Es wird eine Verkehrspolitik gemacht, die weder sinnvoll, noch ökologisch ist. Sie folgt allein den Profitinteressen der Automobilindustrie. Es war eine bewußte Entscheidung, den Verkehr und insbesondere den Gütertransport von der Schiene auf die Straße zu verlegen. Mit dem Versuch der Bahnprivatisierung wurde die Deutsche Bahn in Grund und Boden saniert. Der momentane Zustand der Bahnbetriebe spottet jeder Beschreibung und daran ändert ein neuer Bahnchef auch nichts.

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn hat eine klare Mehrheit in der Bevölkerung. Als einziger Staat in Europa kann in Deutschland auf 70 Prozent der Autobahnen ohne jede Tempobeschränkung gerast werden und so wird es auch bleiben, auch die mögliche Reduzierung von Verkehrstoten interessiert dabei nicht. Ein Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen würde 4,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent einsparen, so jüngste Berechnungen des Umweltbundesamts. Über ein Tempolimit steht weiterhin nichts im Klimagesetz.

Wie verfilzt und korrupt die Verkehrspolitik ist, kann man sich am Beispiel des Mautsystems  Toll Collect ansehen, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom (45%), Daimler (45%) und einem französichen Unternehmen. Die Öffentlichkeit hat nur einen Bruchteil davon mitbekommen. Kein Wunder. Ich kenne einen Fachjournalisten, dem ein Maulkorb verpaßt und mit Berufsverbot bedroht wurde. Ihm wurde signalisiert, wenn er es wagen würde, sich auch nur in einem privaten Blog negativ über Toll Collect zu äußern, würde er in keinen Medium der Branche noch einen Artikel unterbringen können.

Die Ausschreibung velief krass. Das Bundesverkehrsministerium berechnete 15,6 Millionen Euro für externe Berater vor der Einführung sowie 7,8 Millionen Euro für die ,,Beratergruppe Lkw-Maut (BLM)". Keiner der Starttermine konnte gehalten werden. Der Kostenaufwand für die On-Board-Units (OBU) und Maut-Terminals lag einige hundert Millionen Euro über dem Angebot. Der Vertrag zwischen Bundesverkehrsministerium und Toll Collect wurde in der Schwieiz unterzeichnet, ohne dass dies publik gemacht wurde. Die Vertragsdetails werden geheim gehalten und sind selbst für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht zugänglich. Eine um die Geschäftsgeheimnisse von Toll Collect bereinigte Version zu erstellen, lehnte das Verkehrsministerium ,,mangels Sachverstands" ab. Zusagen wurden nicht eingehalten und es funzte hinten und vorne nicht.

Es macht Sinn, sich mal das Panoptikum bundesdeutscher Verkehrsminister anzusehen. Teilweise frei von jeglicher Sachkenntnis glänzen sie damit in großen Buchstaben das Wort "korrupt" auf der Stirn stehen zu haben.

Wikipedia hat die Hampelmänner der Autoindustrie aufgelistet. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_deutschen_Verkehrsminister

Wenn man deren Namen mal einzeln anklickt, kann einem schon anders werden. Zum Beispiel die hier:

ZitatLauritz Lauritzen (SPD), 1966 bis 1974 Bundesminister, zuletzt für Verkehr. 1934 bis 1938 Mitglied der Reiter-SA, Justiziar und anschließend Abteilungsleiter bei der Reichsstelle für Chemie, Aufgabengebiet Warenverkehr.
ZitatFriedrich Zimmermann (CSU), 1989 bis 1991 Bundesminister für Verkehr. Seit 1943 in der NSDAP, langjähriger Weggefährte von Franz Josef Strauß. 1960 aufgrund eines Meineids in der bayerischen Spielbankenaffäre verurteilt, 1961 in zweiter Instanz nach einem medizinischen Gutachten freigesprochen, das ihm für den Zeitpunkt des Eides eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit aufgrund einer Unterzuckerung bescheinigte, was ihm den Spitznamen ,,Old Schwurhand" einbrachte.
Ansonsten (als Innenminister) klassisch rechte Positionen: "Beabsichtigt sei die Verdrängung von Ausländern und nicht mehr ihre Integration." Seine Formulierung ,,Gewaltloser Widerstand ist Gewalt" sorgte für Aufsehen. Verschärfung des Demonstrationsstrafrechts (Vermummungsverbot, Wiedereinführung des Tatbestands des Landfriedensbruchs), Einschränkung des Datenschutzes.
ZitatGünther Krause (CDU), 1991 bis 1993 Bundesminister für Verkehr.
Mehrere in der Öffentlichkeit als Affären behandelte Vorgänge:
,,Raststättenaffäre" (1991): Verkauf der ostdeutschen Autobahnraststätten 1990 an die niederländische Hotelkette Van der Valk.
,,Autobahnaffäre" (1991): Krause soll die Bevorzugung des Unternehmens Kracon für den Bau der neuen A 20 bewirkt haben.
,,Umzugsaffäre" (1991): Sein Umzug vom DDR-Dienstsitz Berlin an den vormaligen Familienwohnsitz Börgerende, den er sich vom Staat mit rund 6000 DM finanzieren ließ.
,,Putzfrauenaffäre" (1992/3): Krause, bzw. seine Frau, sollen beim Arbeitsamt für die langzeitarbeitslose Putzfrau Zuschüsse beantragt haben und vom Amt eine zu hohe Förderung der Lohnkosten erhalten haben.
Krause musste im Jahr 2001 einen Offenbarungseid leisten. In einem Strafverfahren vor dem Landgericht Rostock zur Aufarbeitung der millionenschweren Insolvenz seines Unternehmens Aufbau Invest wurde er zunächst am 23. Dezember 2002 in erster Instanz zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.Insolvenzverschleppung, Untreue, Betrug und Steuerhinterziehung. Dieses Urteil wurde vom Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben, er wurde in 25 von 27 Tatvorwürfen nicht verurteilt, weil die meisten Tatvorwürfe verjährt waren.

Krause und seine Frau bewohnten über ein Jahr lang eine Luxus-Villa an der mecklenburgischen Seenplatte, ohne den Kaufpreis von 459.000 Euro dafür zu bezahlen. Der Verkäufer erwirkte gerichtlich den Auszug.

Krause geriet auch wegen weiterer Betrugsfälle in die Schlagzeilen, etwa wegen Geld, das er sich für den Erwerb einer Küche geliehen hatte und nicht zurückzahlte.

In einem weiteren Bankrott- und Betrugsprozess wurde Krause vorgeworfen, er habe Vermögen in einem Insolvenzverfahren verheimlicht und Darlehensgeber über seine Zahlungsfähigkeit und Zahlungsbereitschaft getäuscht. Im September 2023 gestand Krause die Tatvorwürfe.

Da paßt die aktuelle Meldung auch gut hinein:

ZitatGescheiterte Pkw-Maut
Staatsanwaltschaft klagt Andreas Scheuer wegen Falschaussage an

Wegen einer falschen uneidlichen Aussage zur gescheiterten Pkw-Maut ist Anklage gegen Andreas Scheuer erhoben worden. Auch sein ehemaliger Staatssekretär wurde angeklagt.
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-08/gescheiterte-pkw-maut-anklage-staatsanwaltschaft-berlin-andreas-scheuer

Kuddel

Bei den Protesten gegen Verkehrsprojekte wird oft nur gegen den Bau von Teilstücken von Autobahnen oder andere verkehrspolitische Fehlplanungen (Stuttgart 21) gekämpft. Es wird meist der größere Zusammenhang vergessen.

Die Verkehrspolitik ist langlebíg und ist nicht das Produkt eines einzelnen Verkehrsministers. Die Weichenstellung in Richtung Abbau des Schienenverkehrs und Verlegung des Verkehrs auf die Straße wurde vor knapp einem halben Jahrhundert beschlossen unter direkter Mitwirkung der Fossilen Industrie und der Automobilhersteller.

Die Autoindustrie ist die stärkste Kapitalfraktion im Land und ihr Einfluß auf die Politik ist enorm.

Abgesehen von der Macht der Autolobby darf man nicht vergessen, daß in der Branche viele Menschen arbeiten.

ZitatDie Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie in Deutschland ist im Jahr 2024 leicht gesunken. Insgesamt waren im Jahresdurchschnitt 772.900 Personen in der Automobilindustrie beschäftigt, 1 Prozent weniger als im Vorjahr.
https://www.vda.de/de/themen/automobilindustrie/marktentwicklungen/beschaeftigungszahlen-und-beschaeftigungsentwicklung

Ich kenne die Zahl der Arbeitsplätze nicht, die indirekt von der Autoindustrie abhängen. Es dürften nicht wenige sein. Die Bezahlung der Arbeit in der Stammbelegschaft ist im Vergleich zu den Löhnen in anderen Branchen noch ungewöhlich hoch. (Geld ist nicht alles, diese Arbeit zerschleißt die Gesundheit.)

Ich möchte aber auf einen wichtigen Punkt hinweisen: An dieser unsinnigen und mörderischen Automobilproduktion hängt das Einkommen und die Zukunft vieler Menschen. Sie sind verunsichert. Sie haben Angst.

Wenn wir eine echte Verkehrswende, also eine Mobilität entwickeln wollen, die nicht auf Individualverkehr beruht, müssen wir es in Zusammenarbeit mit den in der Branche Beschäftigten entwickeln. Sie wollen nicht unbedingt Autos produzieren, sie stehen am Fließband, um ihr Leben zu finanzieren. Wenn sie etwas anderes produzieren könnten, das gesellschaftich sinnvoller wäre als Autos, wäre es ihnen Recht. Ihnen würde die Angst genommen werden, wenn sie eine Alternative hätten.

Jobverlust ist verbunden mit der Angst ins Bürgergeld zu rutschen. Viele haben sich auch in Abhängigkeitsverhältnisse begeben, z.B. indem sie ein Eigenheim abbezahlen müssen. Allen geht der Arsch auf Grundeis wg. einer möglichen Entlassung.

Auch hier im Forum wird öfter argumentiert, die Bundesregierung hätte den Wechsel zu E-Mobilität verpennt. Ich sehe es anders. Ich halte das E-Auto nicht für DIE Alternative. Es ist richtig, daß sowohl die Autoindustrie, alsauch die Bundesregierung, an einen Wandel der Produktion nie gedacht haben: es gab keinen Plan-B.

Die Autoindustrie war die zentrale Wirtschaftsmacht im Lande und hatte weltweit eine führende Position in der Branche. Man glaubte, es würde ewig so weitergehen. Wir als Umweltschützer sollten nicht glauben, daß das Elektroauto eine brauchbare Alternative wäre. Wenn man die Produktion des Fahrzeugs und der Batterien einrechnet, ist die Ökobilanz nur wenig besser, als die eines Verbrenners. Und mit den E-Autos werden weiterhihin Menschen totgefahren, steht man weiter im Stau, verstopft die Innenstädte, Feinstaub von Reifen, Bremsen und Asphalt greift unsere Gesundheit hat und für die Straßen und Parkplätze wird eine weitere Bodenversiegelung stattfinden.

Weder die Bundesregierung, noch die Autoindustrie selbst, haben über Alternativen und neue Produkte nachgedacht. Die Umweltbewegung hat sich wohl auch zu wenig Gedanken gemacht.

Der Bau von Straßenbahnen allein reicht nicht aus als Produktionsalternative für alle Beschäftigten in der Branche.

Wenn wir das Verkehrskonzept der Bundesregierung, der Automafia und der Fossilen Industrie zu Fall bringen wollen, müssen wir langfristig denken und handeln. Und der Kampf kann nicht allein von Umweltaktivisten und (von Lärm und Luftverschmutzung) genervten Anwohnern getragen werden, sondern es müssen auch die Beschäftigten der betroffenen Branchen mit einbezogen werden.

Im Moment sind es die Faschos, die auf die Beschäftigten zugehen, indem sie sagen, "die Ökos wollen mit dem Verbrennerverbot eure Arbeitsplätze kaputtmachen".

Ich denke, die Umweltbewegung muß noch eine Menge lernen und neue Strategien entwickeln.

Kuddel

Flugtickets werden billiger, das Deutschlandticket wird teurer.
Besser kann man die Verkehrspolitik der Bundesregierung nicht beschreiben.

Kuddel

Umweltorganisation ließ sich kaufen!

ZitatJahrelang stand der Weiterbau der A20 bei Bad Segeberg still: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat beim Bundesverwaltungsgericht Klage gegen die Baugenehmigung für den zehn Kilometer langen Abschnitt zwischen Weede und Wittenborn eingereicht. Grund hierfür war die unzureichende Berücksichtigung von Umweltbelangen.

Doch jetzt nimmt der Autobahn-Ausbau wieder Fahrt auf. Seit Mai haben das Land und der BUND über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Das Ergebnis: Die Organisation zieht ihre Klage zurück und das Land errichtet unter anderem die Stiftung "Fledermausschutz Schleswig-Holstein" mit einem Stiftungskapital von 14 Millionen Euro.
https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/I/_startseite/Artikel2025/IV/251112_mp_a20

Den Fledermausschutz und die Stiftung dafür finde ich gut. Normalerweise ist für so etwas kein Geld da. Wenn es aber echten Druck gibt, tauchen plötzlich 14 Millionen auf.

Doch der Kampf gegen die Asphaltierung der Republik und gegen zusätzlichen Straßenbau wurde damit geschwächt.

Nikita

Kaufen würde ich das nicht nennen. Sie haben sich in den weg gestellt und wohl gemerkt, dass es nicht durchsetzbar ist. Dann haben sie einen Kompromiss geschlossen. So vermute(!) ich lief es ab. Der Widerstand gegen solche Projekte ist wichtig. Wenn er nicht durchkommt, hat er dennoch Widerstand erzeugt und es bleibt das Gefühl, so etwas nicht einfach durchsetzen zu können in Deutschland. Das ist gut. Wir reden von jahrenlangem Stillstand des Projektes. Eher eine Stärkung als eine Schwächung. Ich bin dem BUND dankbar.

Nikita

In anderen Ländern ist man weiter in der Verkehrspolitik als in Deutschland. Auch New York hat eine Maut in de Innenstadt. Der Effekt für Gesundheit und Umwelt ist grandios.

Weniger Staus, weniger Unfälle, viel Geld für den ÖPNV und deutlich bessere Luft:

Die erste Citymaut in den USA hat laut einer neuen Studie einiges für New York bewegt. Und wird zum Vorbild für weitere Metropolen.

https://www.spiegel.de/auto/new-york-citymaut-hat-die-luftqualitaet-laut-studie-massiv-verbessert-a-a4988a30-7bb7-442a-9934-2709ff022adf

counselor

ZitatWir reden von jahrelangem Stillstand des Projektes. Eher eine Stärkung als eine Schwächung. Ich bin dem BUND dankbar.

Der BUND ist schon gut. Hier in Nürnberg blockiert er seit Jahren den kreuzungsfreien Ausbau der A73 (Frankenschnellweg) juristisch. Es macht schon Sinn, bei solchen Großprojekten die Gerichte anzurufen.

Wenn dann nach jahrelanger Verzögerung gebaut wird, dann kann man immer noch Widerstand auf der Straße organisieren.

Eine Maut für das Befahren der Innenstadt ist sicher sinnvoll, um der Blechlawine in den Innenstädten Herr zu werden. Und wir brauchen auch eine strikte Ahndung vom rücksichtslosen Falschparken.

Insgesamt muss sich die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland möglichst schnell halbieren, um die Klimaziele einzuhalten. Autofahren muss also unangenehm und teuer werden.

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Zitat von: counselor am 22:59:23 Di. 09.Dezember 2025Eine Maut für das Befahren der Innenstadt ist sicher sinnvoll, um der Blechlawine in den Innenstädten Herr zu werden. Und wir brauchen auch eine strikte Ahndung vom rücksichtslosen Falschparken.

Insgesamt muss sich die Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland möglichst schnell halbieren, um die Klimaziele einzuhalten. Autofahren muss also unangenehm und teuer werden.

Es genügt nicht, den PKW Verkehr mit Zwang zu reduzieren. Es müssen Alternativen her. Die Menschen, die bisher PKW produziert haben, brauchen Arbeitsplätze, an denen sie zu guten Arbeitsbedingungen alternative Produkte produzieren.

Es müssen Alternativen zur Mobilität mit dem PKW her. Die Deutsche Bahn muß nicht nur ausgebaut, sondern komplett umgebaut werden. Der ÖPNV braucht mehr Geld, mehr Fahrzeuge, mehr Personal. Wir brauchen mehr Radwege und eine radfahrerfreundliche Stadtplanung.

counselor

Vollkommen richtig, da sind wir einer Meinung!

Ich frage mich allerdings, warum in einer Großstadt wie Nürnberg mit gut ausgebautem ÖPNV so viele Menschen mit dem Auto fahren.

Und für die Landbevölkerung gibt es an den S-Bahnhöfen P+R Parkplätze. Man könnte also bequem mit dem Auto zum Bahnhof fahren und dort in den Zug einsteigen.

Warum wird es nicht gemacht? Meiner Meinung nach reine Bequemlichkeit

Ich habe vor kurzem eine Arte-Doku zur Klimakatastrophe gesehen. Wenn wir so weiter machen, wie bisher, dann wird es wahrscheinlich schon in 10 Jahren so weit sein, dass es in Afrika zu heiß ist, um bestimmte Metalle abzubauen, die die Automobilindustrie braucht. Es wird also auf jeden Fall zu einschneidenden Änderungen für die Art und Weise kommen, wie wir leben und konsumieren. Die Natur wird es erzwingen. Die Menschheit wird meiner Meinung nach in einer Nische auf dem Planeten in einer Art Urkommunismus überleben, wenn wir so weiter machen wie bisher.

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

counselor

Mobilitätswende - Janna Schulte | Fridays for Future

In der letzten Vorlesung vor den Weihnachtsferien erwartet uns ein Thema, das uns alle tagtäglich betrifft: die Mobilitätswende. 🚲🚌🌍

Gerade in Großstädten wie Hamburg spüren wir die Auswirkungen unseres Mobilitätsverhaltens sehr stark. Stau, Lärm und Luftverschmutzung gehört für die meisten von uns zum Alltag. Doch wie entsteht Verkehr eigentlich? Welche Folgen hat unser Mobilitätsverhalten für unsere Städte und das Klima? Und vor allem: Wie sehr können wir selbst das Verkehrssystem beeinflussen?

Über all diese Fragen spricht Janna Schulte, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Verkehrsplanung an der TUHH. Sie zeigt, wie komplex Mobilität ist und welches Potenzial in einer gerechten und klimafreundlichen Verkehrswende steckt. 🚦✨

Die Ringvorlesung zur Klimakrise ist ein Projekt des AStA der Universität Hamburg und Students for Future Hamburg

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

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