Kämpfen oder kämpfen lassen

Begonnen von Kuddel, 15:35:14 So. 10.Dezember 2017

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Kuddel

Überall, wo es kaum Organisierung der Beschäftigten gibt, gibt es Versuche, den Staat um Hilfe zu rufen.
Ein Beispiel ist die Logistikbrache. Dort gibt es Forderungen nach mehr Kontrollen, denn dann hätten die Fahrer zumindest eine Chance unter gesetzlichen Mindeststandards zu arbeiten, was alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.

Im Gästgewerbe sieht es ähnlich aus:
ZitatNGG verlangt mehr Mindestlohn-Kontrollen

Die aktuellen Razzien reichen nicht aus, findet die NGG. Mehr als 900 Planstellen seien beim Zoll unbesetzt, kritisiert der stellvertretende Vorsitzende Guido Zeitler.
https://www.ahgz.de/news/razzia-ngg-verlangt-mehr-mindestlohn-kontrollen,200012243753.html

Das mag ja verständlich sein, aber das Ziel sollte lauten, daß die Beschäftigten kämpferischer und organisierter werden.

Kuddel

Ich empfinde diese Zeiten als ziemlich trist, nicht weil autokratische Politik auf dem Vormarsch ist, sondern weil die Menschen verlernt haben, sich zu wehren. Es fehlt nicht nur an praktischem Protest und Widerstand, man stellt sich nicht einmal mehr Kämpfe der einfachen Menschen vor. Die Phantasie ist eingetrocknet.

Das Einzige, was man sich noch wünscht, sind Gerichte, die diese fiese Politik stoppen mögen oder eine Partei, die für eine bessere Welt sorgt.

Leute, da könnt ihr lange warten!

Zufallsfunde aus den Social Media zu den linken Wahlerfolgen in den USA:

ZitatWovor mich ja jetzt schon gruselt: All die hoffnungsvollen Beiträge morgen, weil einer, der als demokratischer Sozialist gehandelt wird, die Bürgermeisterwahl in einer US-Großstadt gewonnen hat.

Von der Journalistin Nelli Tügel
ZitatMeint ihr, die DSA (Demokratische Sozialisten Amerikas) & die Mamdani-Kampagne haben einen Plan, eine Strategie, wie die Versprechen, die zurecht so viel Hoffnung machen & Erwartungen wecken, auch gegen Widerstand & ein feindliches Umfeld (allein das NYPD ist so groß wie die Armeen anderer Nationalstaaten) durchgesetzt werden können?

Nikita

Ich frage mich immer wieder, woher diese Passivität im Erkämpfen von Rechten kommt. Der Begriff der Selbstwirksamkeit scheint völlig verdrängt worden zu sein. Es ist müßig zu raten, woher das kommt: Passivität durch Medienkonsum: Handy, Fernsehen? Das Argument, man könne nichts ändern, ist toxisch in die Gesellschaft getragen worden. Sind wir zu bequem geworden, zu verwöhnt? Das reicht mir nicht. Da muss noch mehr sein.
Ist aber auch egal, weil die wesentliche Frage ist, wie man Menschen wieder zu mehr als Petitionen und Demos mobilisiert bekommt. Dahin mal etwas zu riskieren und gängige Strukturen einzureißen.

Kuddel

Ich bin auf einen lesenswerten Kommentar gestoßen über die Lichtgestalt Mamdani, dem New Yorker Bürgermeister.

ZitatJung, smart und immer gut drauf: Zohran Mamdani hat die Herzen der New Yorker:innen im Sturm erobert und darf nun als Sozialist den Bürgermeister geben. Die antikommunistische Angstkampagne der Rechten war ein Flop. Ein Grund zur Freude für die Linke? Gespräch mit einem Genossen vor Ort.
...
Linke generell, vor allem Sozialrevolutionäre, sollten tunlichst vom Konzept Hoffnung Abstand nehmen, wenn es an die Wahlurnen geht. Der letzte amerikanische Politiker, der explizit mit dem Slogan hope antrat, war Barack Obama. Er hat eine gesamte Generation desillusioniert zurückgelassen.
https://communaut.org/de/ein-neuer-stern-am-demokratenhimmel

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