Arbeit und linke Politik

Begonnen von admin, 12:33:57 Di. 09.Oktober 2018

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Kuddel

@Wanderratte, den Kapitalismus schafft man nicht einfach mal so ab. Die Kämpfe der einfachen Menschen, die gegen ihren Sozialen Absturz, explodierende Mieten oder Lebensmittelpreise, gegen Entlassungen und Lohnnullrunden kämpfen, sind bereits Kämpfe gegen das System. Aber man kommt erst weiter, wenn man diese Kämpfe und die kämpfenden Menschen zusammenbringt, um gemeinsam das Leben anders zu organisieren.

Ach, mich nervt das ganze Kleinkarrierte. Man sollte weiter denken und sich nicht davon abhalten lassen, daß man etwas nicht darf. Da waren französische Arbeiter kreativ und inspirierend. Bei ihrem Arbeitskampf vor rund 50 Jahren waren sie nicht zimperlich:

ZitatDie Aktionen der Gewerkschaften überschritten die Grenzen der Legalität weitaus; sie wurden mit dem Anspruch auf Selbsthilfe der Arbeitnehmerschaft, der «Autogestion» gerechtfertigt.

Wie die NZZ berichtete, schreckte man vor keinem Mittel zurück. Plünderungen der Fertiguhrenlager, Massenverkäufe gestohlener Uhren, Dokumentendiebstähle aus den Räumen der Direktion, Raub von Materialien für die Bestückung von Montagebändern und gewaltsame Behinderung der amtlichen Inspektion des Werks gehörten zum Arsenal.
https://www.grenchnertagblatt.ch/solothurn/grenchen/industriegeschichte-lip-affaere-im-jahr-1973-als-der-uhrenkonzern-asuag-von-einem-ruinoesen-arbeitskampf-in-frankreich-durchgeschuettelt-wurde-ld.2441833

Der Betrieb wurde besetzt und von den Arbeitern übernommen.

So klang es in einem Bericht des Spiegel:

ZitatDas war den 1300 Lip-Mitarbeitern zuviel. Sie besetzten den Betrieb und schlossen die Lip-Direktoren ein. Erst durch ein Polizei-Kommando kamen die Eingesperrten wieder frei.

Doch nicht genug. Im Müllwagen verborgen, schafften Lip-Arbeiter über 60 000 Uhren im Gegenwert von etwa zehn Millionen Franc als »Verhandlungsgeiseln«, wie sie es nennen, aus dem Werk und versteckten sie in acht verschiedenen Schlupfwinkeln.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/lip-lip-hurra-a-be011fec-0002-0001-0000-000041986608

Der Staat ist da wenig erfreut:

Zitat...schlug die Regierung zu: Dienstagmorgen vergangener Woche, Viertel vor sechs, ließ sie 3000 Mann der Armeetruppe »Gendarmerie mobile« (Mindestrang: Unteroffizier) die Lip-Werke stürmen.
(...)
In Besançon und mehreren anderen Städten Frankreichs traten Arbeiter in Sympathiestreiks. Einige tausend lieferten den Ordnungshütern noch gegen Wochenende Straßenschlachten.

Um die im ganzen Land um sich greifende Sympathiewelle zu glätten, legte Ende vergangener Woche Frankreichs Industrieminister Jean Charbonnel den Lip-Arbeitern einen Kompromißvorschlag vor. Danach sollen 950 der entlassenen Lip-Werker wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Dem Rest soll sechs Monate lang 90 Prozent des alten Gehalts ausgezahlt werden.

Einzige Bedingung: Die Lip-Rebellen sollen zuvor das Beutegut herausrücken. Doch dazu Lip-Arbeiterführer Piaget: »Wir denken nicht daran.«
https://www.spiegel.de/wirtschaft/sturm-im-morgengrauen-a-114f9413-0002-0001-0000-000041926506

Eine wirklich beeindruckenden Geschichte. Es gibt viele spannende Artikel dazu, auch Filme. Oder Studien, wie es weitergegangen ist.

Die Menschen wissen zu wenig von solchen Erfahrungen. Der Wilde Streik bei OPEL Bochum nebst Werksbesetzung bietet jede Menge spannender Erfahrungen. Es gibt auch einen tollen Film dazu, und ein paar der alten Recken lassen sich gern einladen, um mit jungen Leuten den Film und die Kampferfahrungen zu diskutieren.

Zur Zeit gibt es die GKN Werksbesetzung in Italien, die auch viel zu wenig bekannt ist. Darüber gibt es verschiedene Filme.

Mich hat der Film Der laute Frühling sehr bewegt. Es geht darin auch darum, wie man sich in einer Situation eines Aufstands selbst organisiert, um das Zusammenleben mit allen Notwendigkeiten in die eigenen Hände zu legen.

Wanderratte

Das alles ist sehr interessant.

Okay, wenn ich mir das jetzt so anschaue, dann scheint die Abschaffung des Kapitalismus wohl eher ein langsamer Prozeß zu sein.

Wenn immer mehr Arbeiter Betriebe besetzen und übernehmen, somit wäre dann ja auch die Versorgung für die Allgemeinheit gesichert. Davon gehe ich zumindest aus.

Doch dazu müßten dann die betrieblichen Kämpfe zeitgleich an sehr vielen Orten stattfinden. Selbstverwaltung, das wäre schon perfekt.

Ja, so sieht für mich eine Perspektive aus. Eine Perspektive, die nicht zwangsläufig ins Chaos führen muß. Mit Chaos meine ich eine Mangelversorgung der Bevölkerung.

Das klingt schon alles sehr gut.

Doch scheinbar fehlen tatsächlich Infos, einfach zugänglich für jeden. Darüber, was alles so möglich wäre. Sehr vieles von dem war mir ja auch nicht klar. Und die Menschen sollten endlich damit aufhören, immer nur den DGB Gewerkschaften hinterherzurennen. So, als wären sie alles. Was sie jedoch nicht sind.

Doch welche Möglichkeiten haben Erwerbslose? Wenn man den Kapitalismus bekämpfen möchte. Die Arbeit im Betrieb fällt ja hier flach.

Okay, man könnte die Arbeiter im Betrieb von außen unterstützen. Doch das allein wäre mir irgendwie zu wenig. Wenn es drauf ankommt.

counselor

ZitatIch halte es für wichtiger, sich mit der Wirtschaft anzulegen und nicht nur auf die Regierung und die Politiker zu starren.

Eben! Die Arbeitnehmer sollten sich mit den Konzernchefs anlegen. Das ist aber schwierig, weil reaktionäre Kräfte dagegen arbeiten und vielen Arbeitern das Klassenbewusstsein fehlt und die Gewerkschaften eine Arbeitsgemeinschaft mit den Konzernchefs haben. Um einen selbständigen Streik zu organisieren, bedarf es also einer guten Vorarbeit von klassenkämpferischen Kollegen.

An den kapitalistischen Betrieben kritisiere ich, dass die produktiven Arbeiter kein Bestimmungsrecht darüber haben, was wann wo zu welchen Bedingungen produziert und verkauft wird.

Meiner Meinung nach brauchen wir eine gesellschaftliche breite Aufklärung darüber, wie der Kapitalismus funktioniert. Man sieht es ja immer wieder in den Kommentaren im Internet, dass die Leute keine Ahnung davon haben und deshalb leichte Opfer für rechte Dreckskampagnen wie zB. der aktuellen Stadtbilddebatte sind.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Zitat von: Wanderratte am 17:20:29 Do. 30.Oktober 2025Doch welche Möglichkeiten haben Erwerbslose? Wenn man den Kapitalismus bekämpfen möchte. Die Arbeit im Betrieb fällt ja hier flach.

Warum?

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 09:45:24 Sa. 01.November 2025
Zitat von: Wanderratte am 17:20:29 Do. 30.Oktober 2025Doch welche Möglichkeiten haben Erwerbslose? Wenn man den Kapitalismus bekämpfen möchte. Die Arbeit im Betrieb fällt ja hier flach.

Warum?
Mein erster Gedanke dazu war, man ist ja nicht mittendrin.

Naja, wenn der Betrieb erstmal besetzt ist, dann kann es schon wieder ganz anders aussehen. Dann kann man möglicherweise mitmischen. Oder auch nicht?

Doch zu Beginn? Man kennt ja die betrieblichen Strukturen nicht. Und die Menschen, die dort arbeiten zumeist auch nicht. Woher bekommt man dann die notwendigen Infos, wann was losgeht? Und sehr vieles (vielleicht sogar das meiste) ist zudem nicht planbar und erst recht nicht vorausschaubar.

Aber gut, ich muß nochmal nachdenken.

Ich habe mir generell zu dem Thema nochmals Gedanken gemacht. Vor allem auch dazu:

Zitat von: Kuddel am 10:21:35 Do. 30.Oktober 2025Man sollte aber nicht so einfach sagen, was kratzt mich die Wirtschaft!?!
Diese Gesellschaft ist kapitalistisch organisiert. So lange wir keine eigenen Strukturen aufgebaut haben, mit denen man die Versorgung der Menschen organisiert, werden wir bei einem witschaftlichen Zusammenbruch hungern.
Ja, eigene Strukturen müssen unbedingt aufgebaut werden. Die Frage ist nur, wie.

Ich weiß es nicht, doch möglicherweise funzt das auch mit Betriebsbesetzungen. Es ist aber alles nicht so einfach.

Vor allem die Betriebe, die der Grundversorgung dienen, müßten besetzt werden. Die Agrar-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Supermärkte inklusive sämtlicher Lebensmittellager. Großhandel, Großmärkte und was es alles so gibt.

Oder sich einfach auch auf die Selbstversorgung konzentrieren? So wie zu früheren Zeit, als nahezu noch jeder seinen eigenen Garten hatte. Damit könnte man, sofern man die Möglichkeit hat, schon jetzt beginnen.

Doch ist das alles praktisch machbar? Ich weiß es nicht. Einfach ist es zumindest nicht.

Generell könnte es zum Problem werden, daß ein einzelnes Land mittlerweile nicht (mehr) autark (unabhängig und selbstversorgend) ist. Vieles wächst hier einfach nicht. Oder kann hier (zumindest erstmal) nicht produziert werden.

Dann hätte man noch ein Problem mit dem Gesundheitswesen. Krankenhäuser besetzen? Und wir benötigen unbedingt antikapitalistische Ärzte.

Möglicherweise bin ich zu pessimistisch. Andererseits klingt es für mich schon sehr hoffnungsvoll. Man benötigt wohl noch so einiges an Zeit.

Doch genau wegen der Zeit bin ich Wähler der Linkspartei. Weil es meiner Meinung nach ohne Reformen erstmal nicht geht. Daß ich mir dennoch was ganz anderes wünsche, steht selbstverständlich nicht zur Debatte. Ich finde Utopien gut und möchte, daß sie real werden.

Zitat von: Kuddel am 15:10:25 Do. 30.Oktober 2025@Wanderratte, den Kapitalismus schafft man nicht einfach mal so ab. Die Kämpfe der einfachen Menschen, die gegen ihren Sozialen Absturz, explodierende Mieten oder Lebensmittelpreise, gegen Entlassungen und Lohnnullrunden kämpfen, sind bereits Kämpfe gegen das System. Aber man kommt erst weiter, wenn man diese Kämpfe und die kämpfenden Menschen zusammenbringt, um gemeinsam das Leben anders zu organisieren.

Ach, mich nervt das ganze Kleinkarrierte. Man sollte weiter denken und sich nicht davon abhalten lassen, daß man etwas nicht darf. Da waren französische Arbeiter kreativ und inspirierend. Bei ihrem Arbeitskampf vor rund 50 Jahren waren sie nicht zimperlich:
[...]
Der Betrieb wurde besetzt und von den Arbeitern übernommen.
Deine Argumentation ist schlüssig und sehr überzeugend. Doch nicht nur für mich. Selbst meinen Kapitalismus verherrlichenden, von der politischen Einstellung her neoliberalen Bruder, habe ich damit zum Schweigen gebracht. Da kam nichts mehr.  ;D  ;D  ;D

Kuddel

Es wird hier mehr und mehr off topic.

Nur ganz kurz:

Mein "warum?" war bezogen auf "Die Arbeit im Betrieb fällt ja hier flach."

Man muß ja nicht erwerbslos bleiben. Ein Erwerbsloser kann wohl kaum einen Traumjob kriegen. Man könnte aber anheuern als Essenskurier, Regalbestücker beim Discounter oder bei Amazon. Daß das Gros der Jobs der Horror sind, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man den Job als Feld politischer Arbeit sieht, ist die Arbeit etwas anderes.

Ansonsten:

Wow. Du willst es wirklich schnell. Arbeit in einem Betrieb -> Betriebsbesetzung -> Betriebsübernahme mit den Ziel die Gesellschaft neu zu organisieren jenseits der kapitalistischen Spielregeln.


Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 17:15:10 Sa. 01.November 2025Mein "warum?" war bezogen auf "Die Arbeit im Betrieb fällt ja hier flach."

Man muß ja nicht erwerbslos bleiben. Ein Erwerbsloser kann wohl kaum einen Traumjob kriegen. Man könnte aber anheuern als Essenskurier, Regalbestücker beim Discounter oder bei Amazon. Daß das Gros der Jobs der Horror sind, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man den Job als Feld politischer Arbeit sieht, ist die Arbeit etwas anderes.
Okay, ich hatte es anders verstanden. Oder es mir anders vorgestellt.

Ich hatte ja während meiner Zeit als Student ähnliche Jobs und anbei sehr viel Mobbing erfahren. Mittlerweile bin ich bezüglich "arbeiten" so sehr traumatisiert, daß ich im Moment überhaupt nicht sagen kann, ob ich das überhaupt nochmal kann. Mehr kann ich aktuell leider dazu nicht sagen. Da hilft jetzt einfach nur abwarten. Und mir diesbezüglich Gedanken machen.

Zitat von: Kuddel am 17:15:10 Sa. 01.November 2025Ansonsten:

Wow. Du willst es wirklich schnell. Arbeit in einem Betrieb -> Betriebsbesetzung -> Betriebsübernahme mit den Ziel die Gesellschaft neu zu organisieren jenseits der kapitalistischen Spielregeln.
Ja, ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Daß dies jedoch oftmals Illusionen sind, das ist mir schon irgendwie klar. Leider.  :(

Kuddel

Erstmal: Es war kein Witz von mir. Wenn man als Erwerbsloser politisch aktiv werden will, wäre ein Job ein spannendes Arbeitsfeld. Man kann das aber nicht allein machen. Man braucht ein Umfeld, mit dem man seine Erfahrungen diskutieren kann.

Ein Drecksjob kann Spaß machen, wenn man daran arbeitet, den Ausbeutern Knüppel zwischen die Beine zu schmeißen.

Und es geht nicht, davon auszugehen, daß man gleich einen Streik und eine Betriebsbesetzung hinkriegt.

Man muß rausfinden, was die Kollegen nervt. Man muß sehen, wie man sich verhält, daß die Kollgen Vertrauen zu einem bekommen. Und die Themen können Dinge sein, wie ein respektloser, ätzender Vorgesetzter. Oder die Schichtpläne, die erst last minute ausgegeben werden oder nie/selten auf eigene Wünsche eingehen. Solche Sachen gehören zu den ersten Schritten einer Betriebsrabeit.

Fritz Linow

ZitatIch hatte ja während meiner Zeit als Student ähnliche Jobs und anbei sehr viel Mobbing erfahren. Mittlerweile bin ich bezüglich "arbeiten" so sehr traumatisiert, daß ich im Moment überhaupt nicht sagen kann, ob ich das überhaupt nochmal kann.

Ja gut, du warst Student, hast gearbeitet und bist nun traumatisiert. Was soll der Scheiß?

counselor

Kann schon verstehen, dass man vorsichtig wird mit dem Arbeiten, wenn man gemobbt wurde.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Nikita

Keine Ahnung, was die Schärfe in der Antwort auf so eine Bemerkung soll. Schlechte Laune?

ZitatJa gut, du warst Student, hast gearbeitet und bist nun traumatisiert. Was soll der Scheiß?

Fritz Linow

Man kann sich natürlich einrichten und vorsichtig mit Arbeit sein, und wenn es so sehr belastend wäre, dann ist das auch in Ordnung. Dadurch wird aber insgesamt überhaupt nichts besser. Da halte ich einen Betrieb für wesentlich erfolgsversprechender.

Wanderratte

Zitat von: Fritz Linow am 23:00:17 Sa. 15.November 2025
ZitatIch hatte ja während meiner Zeit als Student ähnliche Jobs und anbei sehr viel Mobbing erfahren. Mittlerweile bin ich bezüglich "arbeiten" so sehr traumatisiert, daß ich im Moment überhaupt nicht sagen kann, ob ich das überhaupt nochmal kann.

Ja gut, du warst Student, hast gearbeitet und bist nun traumatisiert. Was soll der Scheiß?
Ich finde, solche sinnlosen nichtssagenden Beiträge kannst Du Dir sparen. Somit werde ich auch nicht näher darauf eingehen.

Und ja, was soll der Scheiß? Dasselbe könnte ich Dich fragen.

Hättest Du gleich darauf geantwortet wie im Beitrag #71, dann wäre es doch okay.

Aber nein, erst müssen Dich andere darauf hinweisen, daß Dein Beitrag so nicht okay war.

Ich hoffe, das war jetzt nur einmal ein Ausrutscher. Denn auf diesem Niveau diskutiere ich nicht.

Kuddel

Wenn ich mal kurz was einwerfen darf...

Es geht hier um was. Die Überschrift dieses Diskussionsstrangs lautet Arbeit und linke Politik. Aus dem Eingangsbeitrag:

Zitat von: admin am 12:33:57 Di. 09.Oktober 2018Dieses Forum wurde gegründet als Gegenentwurf zur herrschenden linken Politik.
(...)
Der wichtigste Ort für gesellschaftlich relevante Auseinandersetzungen sind weder Demonstrationen und Kundgebungen, noch Veranstaltungen oder Internetplattformen. Es ist der Arbeitsplatz. Dort ist es weitgehend ruhig und so ist auch der politische Stillstand zu erklären.
(...)
Diese Diskussionen wurden hier bisher nicht geführt. Jeglicher Ansatz ist immer kaputtgelabert worden, von irgendwelchen Schlaumeiern, die verkünden, daß man da auf keinen Fall arbeiten darf.

Nikita und Wanderratte emfanden den Einwurf von Fritz Linow als scharf und inakzeptabel.

Ich war dankbar für den Kommentar, der den Nagel auf den Kopf traf, wie ich fand. Ich hatte zuvor gesagt...
ZitatEs war kein Witz von mir. Wenn man als Erwerbsloser politisch aktiv werden will, wäre ein Job ein spannendes Arbeitsfeld.

Ja, wenn dieser Vorschlag dich nicht interessiert, dann bist du im falschen Thread. Es geht hier um was. Es geht mir darum, die herrschenden Zustände ins Wanken zu bringen. Ich sag's mal mit Erich Kästner: "Es gibt nichts gutes, außer man tut es." Die Betonung liegt auf dem Tun. Leute, die nicht bereit sind, etwas zu tun, sondern nur labern, können mich mal kreuzweise.

Und ganz konkret: Meinst du, ich oder Millionen andere haben Bock zu arbeiten? Es gibt verschiedene Gründe, Lohnarbeit zu verrichten. Einer davon ist, das System der Lohnarbeit anzugreifen. Ich bin in meiner Ausbildungszeit an Tagen mit Bauchschmerzen zur Arbeit gegangen, konnte teilweise nicht schlafen, weil des Verhältnis zu meinem Lehrgesellen völlig verkorkst war.

Ich hatte immer wieder in Jobs Phasen, die schwer zu ertragen waren. Ich mußte viel lernen, um damit klarzukommen, notfalls durch Jobwechsel, aber auch, indem ich mich gewehrt habe. Das muß man lernen. Das fällt einem nicht zu.

Wenn du nicht in Westeuropa geboren wärst, hättest du wahrscheinlich nicht den Luxus, ohne Arbeit über die Runden zu kommen, wenn auch zu dem Preis von einem Leben auf Armutsniveau, garniert mit den Erniedrigungen des JC.

Wenn dir nicht einmal der Versuch einer politisch motivierten Maloche in Frage kommt, was willst du? Du laberst am Thema vorbei und sagst, "auf diesem Niveau diskutiere ich nicht".

Puh, echt anstrengend.


Wanderratte

Es geht mir nicht um die Sache an sich. Sondern um die Wortwahl.

Ich erwarte nunmal einen respektvollen Umgang miteinander. Und ich sehe es nicht ein, wenn andere (Fritz Linow) ihre schlechte Laune an mir auslassen. Ich habe nur gesagt, wie es mir geht und wie ich mich fühle.

Kritik an meinen Aussagen ist ja okay. Und ich halte Kritik auch für notwendig. Aber doch nicht so:

Zitat von: Fritz Linow am 23:00:17 Sa. 15.November 2025Ja gut, du warst Student, hast gearbeitet und bist nun traumatisiert. Was soll der Scheiß?
Kritik sollte schon konstruktiv sein. Doch eine konstruktive Kritik fand ich anbei nicht.

Das nurmal vorab. Ich werde demnächst nochmals auf dieses Thema eingehen. Doch jetzt muß ich erstmal nachdenken. Es kann ein wenig dauern. Vielleicht auch länger, ich weiß es nicht. Ich habe aktuell sowieso nicht so viel Zeit.

Und ja, es ist echt anstrengend. Entweder ich werde von Dir und Fritz Linow total mißverstanden oder ich bin in diesem Thread tatsächlich falsch. Dann ist es halt so. Denn mir reicht es gerade auch. Nicht jeder kann alles schaffen. Auch darüber sollte man nachdenken, finde ich.

counselor

Für Leute, die gleich aus welchem Grund, nicht arbeiten wollen oder können, gibt es aber auch noch andere Betätigungsfelder, als den Betrieb. Es gibt Wohngebietsarbeit, Arbeit bei Demonstrationen und Kundgebungen, Arbeit in Massenorganisationen wie Vereinen etc. Mir macht das Reden auf Kundgebungen und die Mitarbeit bei Infotischen Spaß.

ZitatKritik sollte schon konstruktiv sein. Doch eine konstruktive Kritik fand ich anbei nicht.
So bewerte ich den Kommentar von @Fritz Linow auch.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Wanderratte

So sieht es aus.

Auch Erwerbslosenarbeit halte ich für absolut unabdingbar. Unsere Situation als Erwerbsloser wäre noch sehr viel schlimmer, wenn sich niemand dafür interessiert.

Man kann so viel machen. Arbeiten gehen und Betriebsarbeit, beides halte ich für notwendig. Das steht nicht zur Debatte. Dennoch ist das nicht alles. Da ist noch sehr viel mehr, was man tun könnte.

Kuddel

Bisher war meist @Frauenpower zuständig für das Schreddern von Threads. Sie bemüht sich inzwischen mehr, daß ihre Beiträge zum Inhalt eines Themenstrangs passen.

Hier geht es bereits in der Überschrift "Arbeit und linke Politik", also Erwerbsarbeit als Ort politischer Auseinandersetzung und NICHT um Engagement bei Wohngebietsarbeit, Arbeit bei Demonstrationen und Kundgebungen, Arbeit in Massenorganisationen wie Vereinen, oder Erwerbslosenarbeit und noch sehr viel mehr, was man tun könnte.

Das Forum hat Orte und Ecken, an denen man alles diskutieren kann, wo man auch nur Dampf ablassen, herumwitzeln oder Zeit totschlagen kann.

Wenn ein wichtiger Diskussionsstrang einfach zugemüllt wird, finde ich es nicht nur nervig, sondern auch respektlos einer inhaltlichen Diskussion gegenüber.

Fritz Linow

Vorweg: Mir geht diese Ichbezogenheit von Wanderratte tierisch auf den Geist. Meine Reaktion mag zwar unter Niveau sein, aber das ist mir auch egal.

Bei dem Thema Linke und Arbeit fallen mit zwei Sachen ein:

Vor einigen Jahren gab es eine Veranstaltung von Beschäftigten bei Amazon, die sehr beeindruckend war. Leute aus verschiedenen Ländern haben von ihrem Widerstand und dem Aufbau von Strukturen und Vernetzungen erzählt. Amazon ist nun wirklich ein Scheißjob. Bei der Veranstaltung waren auch viele Linke anwesend. Zum Schluss gab es die Frage, wie denn "wir, die Linken, uns nun solidarisch zeigen können."
Die Antwort kam sehr spontan und überzeugend: "Indem Ihr selber versucht, bei euch in dem Bereich, wo ihr gerade arbeitet, versucht, zu kämpfen und politische Arbeit zu machen. Wenn Ihr eh schon den ganzen Tag dort sein müsst, kann man das auch sinnvoll nutzen."

Die zweite Sache ist nach wie vor die Betriebsfibel von Bernie Kelb, in der grundsätzliche Überlegungen angestellt werden, wie eine politische Arbeit abseits von Demos oder so ("Idiotenwiese") funktionieren könnte.

Da knüpfen viele weitere Fragen an, zum Beispiel ob die traditionellen Gewerkschaften brauchbare Bündnispartner sind oder nicht, oder ob eine Linke nicht generell mal eine falsche Abfahrt genommen hat, Fragen, die man hier gerne mal weiterdiskutieren müsste.

Aber eine Vorsichtigkeit gegenüber Arbeit, weil sie nun mal scheiße ist, oder Traumatisierung von Jobs ist bei dieser Diskussion absolut für'n Arsch. Wenn das Leben ohne Arbeit funktioniert, ist es halt so, politisch und perspektivisch aber eine glatte Nullnummer.

 

Wanderratte

Was soll das mit Ichbezogenheit? Du kennst mich nicht.

Ich wollte eigentlich noch was zum Thema "Arbeit und linke Politik" schreiben. Ich wollte mir dazu noch Gedanken machen.

Doch einen Abend später komme ich zu dem Schluß, ich habe alles dazu gesagt. Mittlerweile habe ich das Interesse verloren, mich noch weiter mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Dabei war anfangs sogar eine gewisse Offenheit vorhanden. Mich hat es interessiert. Ich fand das Thema spannend. Doch nicht so.

Und jetzt könnt ihr, Du und Kuddel, von mir denken, was ihr wollt. Dann ist es halt so.

Onkel Tom

Wanderratte scheint eine Person zu sein, wo alles erst mal genauer durchdacht oder
reflektiert wird, so wie ich die Beiträge von Wanderatte empfinde.

Ob da eine "Ich-Bezogenheit" im Vordergrund steht, mag ich bezweifeln.

Scheiße, das immer wieder Zoff darüber kommt, wie der einzelne gestrickt ist.
Warum kann man nicht einfach aktzeptieren, das andere anderes sind als man selbst
ist ?

Das geht mir am meisten auf dem Sack, das manchmal versucht wird, zu bestimmen, wie
andere zu denken oder zu Schlussfolgern hätten.
Jede_r muss sein eigenen Weg finden und wenn sich Menschen miteinander nach ihren
Fähigkeiten ergänzen können, ist das töffte..

Das dies geht, habe ich unter anderem bei Chefduzen Offline erfahren..  ;)

Fragt doch einfach, was kannst Du und was kann ich und was können wir damit gemeinsam
besser anstellen als alleine.. Das wäre ein besserer Ansatz, was konstruktives auf die
Beine zu stellen.. Egal ob es Streikunterstützung oder JC/MT Aktionen sind.
Beides sind politisch betrachtet Geschwister und sollten sich untereinander aushelfen.

Darum ging es hier ja auch, wie z.B. Erwerbslose einen Streik anderer unterstützen kann.

Darin gibt es ja auch schon Erfahrungen. Allerdings zu wenig darin das Leute mit Job auch
Leute ohne Job unterstützen.

Dieses Ungleichgewicht konnte ich in den letzten 20 Jahren nicht begegnen oder "knacken".
Meine Versuche, z.B. Elos und Leiharbeiter zusammen zu bekommen, sind leider gescheitert.

Und wenn der Erwerbslose immer leer ausgeht ? Irgendwann ist da auch die Luft raus, sich
für andere ein zu setzen.. Schaade.
Lass Dich nicht verhartzen !

counselor

ZitatWenn das Leben ohne Arbeit funktioniert, ist es halt so, politisch und perspektivisch aber eine glatte Nullnummer.

Dem möchte ich widersprechen. Auch Erwerbslose, Rentner, Jungendliche und sogar Kinder können politisch aktiv sein. Ich hatte ja schon über Möglichkeiten politischer Aktivität abseits vom Arbeitsplatz geschrieben.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Fritz Linow

Die Diskussion dreht sich im Kreis.
Natürlich können und sollten alle politisch aktiv sein. Hierzulande darf man auf die Straße gehen, seinen Unmut äußern, Petitionen unterschreiben, andere Leute versuchen zu politisieren und und und.

Was man nicht darf, ist die Produktion zu stoppen, was wiederum ein Anfang wäre, an die Eigentumsfrage ranzukommen. Es gibt zwar Gewerkschaften und ein Recht auf Streik. Dieses ist aber so restriktiv, dass es nicht weh tut.

Ein positives Beispiel aktuell sind weltweit die Hafenarbeiter, die sich weigern, Waffentransporte nach Israel zu liefern. Da gibt es eine konkrete Mächtigkeit, ein Scheißsystem zu verhindern. Das kam auch nicht von Heute auf Morgen, sondern ist das Ergebnis von langjähriger politischer Arbeit im Betrieb.

Nochmal: Es geht hier nicht um ein Entweder-Oder, sondern um die Frage, wo man am besten ansetzt, weil es perspektivisch am erfolgversprechensten ist. Ich sehe keine Drohkulisse, die zum Beispiel Erwerbslose aufbauen könnten. Da gibt es meistens ganz andere Sorgen und Nöte. Insofern ist das schon ein Nullnummer, weil der Status quo erhalten bleibt. Sämtliche Formate, seinen Unmut zu äußern, sind limitiert, wenn die Produktion trotzdem lustig weiterläuft. Und das scheinen Linke in Deutschland im Laufe der letzten einhundert Jahre irgendwie verschlafen zu haben (ist nur eine These, vielleicht dazu später noch etwas mehr).

Wanderratte

@Onkel Tom, ich finde, Dein Beitrag trifft genau den Punkt.

Zitat von: Onkel Tom am 02:00:20 Di. 18.November 2025Wanderratte scheint eine Person zu sein, wo alles erst mal genauer durchdacht oder
reflektiert wird, so wie ich die Beiträge von Wanderatte empfinde.

Ob da eine "Ich-Bezogenheit" im Vordergrund steht, mag ich bezweifeln.
Ja, genau so bin ich. Das hast Du sehr gut erkannt. Man merkt, daß Du eine sehr gute Menschenkenntnis besitzt.

Zitat von: Onkel Tom am 02:00:20 Di. 18.November 2025Scheiße, das immer wieder Zoff darüber kommt, wie der einzelne gestrickt ist.
Warum kann man nicht einfach aktzeptieren, das andere anderes sind als man selbst
ist ?
Ich finde das auch scheiße.

Und ich frage mich auch immer wieder, warum man nicht einfach akzeptieren kann, daß andere anders sind als man selbst.

Und ich sehe es noch immer so, daß mein Beitrag (#66), der dann zum Streit führte, vollkommen akzeptabel war. Und auch in diesen Thread gehört.

Zitat von: Onkel Tom am 02:00:20 Di. 18.November 2025Das geht mir am meisten auf dem Sack, das manchmal versucht wird, zu bestimmen, wie
andere zu denken oder zu Schlussfolgern hätten.
Jede_r muss sein eigenen Weg finden und wenn sich Menschen miteinander nach ihren
Fähigkeiten ergänzen können, ist das töffte..
Mir geht das auch auf den Sack. Jeder Mensch ist nunmal ein Individuum. Mit eigenen Erfahrungen und Befindlichkeiten. Das sollte man akzeptieren.

Es ist ja auch gut so, daß nicht alle so sind wie man selbst. Somit kann man sich perfekt ergänzen und voneinander lernen. Das ist auch sehr viel sinnvoller, als zu meinen, nur ein Weg wäre der Richtige.

Und man erreicht auch politisch sehr viel mehr. Auch im Rahmen der Betriebsarbeit.

Ich sehe es auch so: "Jede_r muss sein eigenen Weg finden".

Mir geht es auch darum, authentisch zu sein. Ich bevorzuge es, selbstständig zu denken. Alles andere wäre schlichtweg kontraproduktiv.

Zitat von: Onkel Tom am 02:00:20 Di. 18.November 2025Fragt doch einfach, was kannst Du und was kann ich und was können wir damit gemeinsam
besser anstellen als alleine.. Das wäre ein besserer Ansatz, was konstruktives auf die
Beine zu stellen.. Egal ob es Streikunterstützung oder JC/MT Aktionen sind.
Beides sind politisch betrachtet Geschwister und sollten sich untereinander aushelfen.

Darum ging es hier ja auch, wie z.B. Erwerbslose einen Streik anderer unterstützen kann.

Darin gibt es ja auch schon Erfahrungen. Allerdings zu wenig darin das Leute mit Job auch
Leute ohne Job unterstützen.
Ich sehe es auch so, daß beide Bereiche politische Geschwister sind. Gemeinsam kann man nämlich sehr viel mehr erreichen.

Ich finde, das ist ein sehr viel sinnvollerer Ansatz, als zu meinen, daß jeder unbedingt arbeiten soll.

Und selbst wenn es so wäre, daß jeder Mensch arbeiten will und das auch kann, es gibt nicht für jeden einen Job. Wir haben nunmal keine Vollbeschäftigung.

Allein schon aus diesem Grund macht es Sinn, gemeinsam was zu machen. Jeder kann nämlich sehr schnell auch selbst arbeitslos werden.

Die gemeinsamen Aktionen sollten dann aber für beide Bereiche von Relevanz sein. Ich bin nämlich auch der Meinung, Leute mit Job sollten auch Leute ohne Job unterstützen.

Zitat von: Onkel Tom am 02:00:20 Di. 18.November 2025Dieses Ungleichgewicht konnte ich in den letzten 20 Jahren nicht begegnen oder "knacken".
Meine Versuche, z.B. Elos und Leiharbeiter zusammen zu bekommen, sind leider gescheitert.

Und wenn der Erwerbslose immer leer ausgeht ? Irgendwann ist da auch die Luft raus, sich
für andere ein zu setzen.. Schaade.
So sieht es aus. Ich finde das auch sehr schade.

Und ja, "Arbeit und linke Politik" kann nämlich noch sehr viel mehr sein, als die politische Arbeit im Betrieb. Auch das sollte man bedenken.

Es macht immer Sinn, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Festgefahrene Wege zu verlassen. Dann erkennt man vielleicht auch, daß noch ganz andere Möglichkeiten bestehen. Möglichkeiten, die möglicherweise noch sehr viel erfolgreicher zum Ziel führen können.

counselor

ZitatUnd ich sehe es noch immer so, daß mein Beitrag (#66), der dann zum Streit führte, vollkommen akzeptabel war.

Habe mir den Beitrag nochmal durchgelesen. Er war auch meiner Meinung nach ok. Zumal Diskussionen nicht immer geradlinig verlaufen!
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Es mag ja richtig sein, daß Wanderratte heftig angegangen wurde, heftiger als notwendig.

Ich sehe aber nicht, daß es Probleme mit seiner Art gab, weil er "erst mal genauer durchdacht oder reflektiert" und zu ausschweifenden Formulierungen neigt.

Es geht ganz einfach um inhaltliches.

Es handelt sich um einen besonderen Thread, der einem zentralen Gedanken nachgehen möchte: Wie nutzt man Erwerbsarbeit als Feld einer politischen Auseinandersetzung?

Wanderratte:
ZitatMittlerweile bin ich bezüglich "arbeiten" so sehr traumatisiert, daß ich im Moment überhaupt nicht sagen kann, ob ich das überhaupt nochmal kann.

Wenn das deine Ausgangslage ist, kannst du ja sehen, was du in anderen Bereichen tun möchtest. Es gibt unzählige Dinge, die du oder auch counselor als Alternativen aufgeführt haben. Alles schön und gut.

Aber bitte höre auf, diesen Thread vollzumüllen!


Dieses Forum ist in gewisser Weise auch Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse. Dieser Diskussionsstrang mit dem Angebot über die Möglichkeiten zu quatschen, die man am Arbeitsplatz hat, wird nur wenig genutzt. Die selbsternannten Linken bewegen sich lieber auf ihren linken Spielwiesen.

Ich sehe nicht, daß all die Aktivitäten gleichwertig sind. Man kann so vieles machen, und diese Dinge sind auf eine Weise wichtig und sie sind auch ein Ausdruck von Menschlichkeit, wenn man sich um die Schwächsten in dieser Gesellschaft kümmert, aber das ändert die herrschenden Verhältnisse nicht. Egal wie oft man die Modevokabeln "revolutionär" oder "klassenkämpferisch" nutzen mag, es bleibt eine Betriebsamkeit im Hamsterrad, die nicht am Kapitalismus rüttelt.

Ohne Kämpfe in den Betrieben, die sich miteinander vernetzen müssen und auch mit Kämpfen außerhalb der Betriebe, wird es nix mit dem Kampf gegen den Kapitalismus.

Wir mögen vielleicht neidisch in andere Länder blicken, doch hierzulande sind wir weit entfernt von einer revolutionären Situation.

Die Betriebliche Linke, die in den 70ern mal eine Rolle spielte, gibt es kaum noch. Die gewerkschaftliche Organisierung ist stark gesunken und das hat gute Gründe. Die DGB Gewerkschaften halten es für ihre Aufgabe mit ihrer "Sozialpartnerschaft" den Kapitalismus zu schützen und nur die schlimmsten Auswüchse abzufedern. Schlimmer geht immer. Die IGM hat neuerdings zum "Standortpatriotismus" aufgerufen.

In Berlin demonstrieren am 1. Mai zehntausende unter dem Banner der DGB Gewerkschaften und es hat sich eine Gegenströmung zusammengefunden als "Revolutionärer 1 Mai". Diese "linksradikale" Veranstaltung wurde zu einem Ritual, bei dem man sich mit den Bullen kloppte. Ich weiß nicht, 20 oder 30 Jahre gab es dieses Spektakel, das ebensowenig revolutionär war, wie die DGB Demo. Erst in den letzten Jahren ist der Groschen gefallen, daß es so nicht weitergehen kann.

Es ist verdammt wichtig, sich kritisch mit linker Politik auseinanderszusetzen.

Ich bleibe dabei, wir können uns erst dann wirkungsvoll mit dem kapitalistischen System auseinandersetzen, wenn wir zeitgemäße Formen des Klassenkampfs entwickeln. Wir kommen nicht weiter, wenn wir es mit einem Auguß der Organisationsformen und der Kämpfe aus dem frühen 20. Jahrhundert oder aus den 70er Jahre versuchen. Das geht nicht mit Gelaber, man muß es ausprobieren!

Wenn Wanderratte meint, daß Arbeit für ihn nichts ist, dann kann er das auch nicht ausprobieren.

Dann folgt aber noch eine selten blöde Ausrede:
ZitatUnd selbst wenn es so wäre, daß jeder Mensch arbeiten will und das auch kann, es gibt nicht für jeden einen Job. Wir haben nunmal keine Vollbeschäftigung.

1. Willst du sagen, daß Klassenkampf nur geht, wenn Vollbeschäftigung herrscht?

2. Meinst du, die Wirtschaft sollte den Revoluzzern einen roten Teppich auslegen, damit alles stimmt für den revolutionären Kampf?

3. Behauptest du etwa, du könntest keinen Job kriegen?

Du könntest saisonbedingt zumindest zeitweise als Erntearbeiter unterkommen. Im Gastrobereich und in der Pflege jederzeit. Daß diese Jobs ziemlich scheiße sind, ist klar. Du könntest dir vom Jobcenter einen LKW Führerschein finanzieren lassen inkl. der zusätzlichen Module, die dazugehören. Das Jobcenter würde das machen und du würdest sofort Fahrerjobs finden.


Ich habe nie gesagt, daß jeder arbeiten will. Es arbeiten aber viele in Horrorjobs und gehen jeden Tag mit Bauchschmerzen und Angst zur Arbeit. Sie können nicht mit "ich bin traumatisiert" kommen, denn sie haben keine Alternative. Das ist millionfacher Alltag. Das müssen wir uns klarmachen und das müssen wir bekämpfen.

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Es mag ja richtig sein, daß Wanderratte heftig angegangen wurde, heftiger als notwendig.
Heftiger als notwendig? Es war überhaupt nicht notwendig.

Interessanterweise hast Du auch erst dann negativ auf meinen Beitrag (#66) reagiert, nachdem Fritz Linow mir gegenüber ausfällig war.

Deinen Beitrag (#67) fand ich ja gut.

Ich wollte eigentlich was dazu schreiben und mich hätte auch interessiert, wie es danach weitergeht.

Vor allem auch, weil ich ab und an ehemalige Arbeitskollegen treffe (ich hatte auch tolle Kollegen), die mit den Arbeitsbedingungen sehr unzufrieden sind. Und denen ich eventuell Tipps geben könnte, was sie dagegen tun könnten. Betriebsarbeit kann man nämlich auch von außen machen bzw. unterstützen.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Aber bitte höre auf, diesen Thread vollzumüllen!
Das ist auch schon wieder was, was ich nicht nachvollziehen kann. Nur weil es Dir nicht passt, was ich hier schreibe. Ich sehe nämlich nicht, daß ich diesen Thread vollgemüllt habe. Zudem hätte ich daran überhaupt kein Interesse.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Ich sehe nicht, daß all die Aktivitäten gleichwertig sind. Man kann so vieles machen, und diese Dinge sind auf eine Weise wichtig und sie sind auch ein Ausdruck von Menschlichkeit, wenn man sich um die Schwächsten in dieser Gesellschaft kümmert, aber das ändert die herrschenden Verhältnisse nicht. Egal wie oft man die Modevokabeln "revolutionär" oder "klassenkämpferisch" nutzen mag, es bleibt eine Betriebsamkeit im Hamsterrad, die nicht am Kapitalismus rüttelt.
Doch ich halte gerade die Menschlichkeit für besonders wichtig. Der einzelne Mensch muß immer im Mittelpunkt stehen. Dann erst das Gesamte. Es sollte nämlich erstmal darum gehen, daß es dem Einzelnen besser geht. Wenn das gesichert ist, dann kann man sich auch zuvorderst den herrschenden Verhältnissen zuwenden.

Oder man macht beides gleichzeitig. Das wäre selbstverständlich der Idealzustand. Doch jetzt benötigen wir erstmal Reformen.

So einfach und schnell lassen sich die herrschenden Verhältnisse nunmal nicht angreifen, daß man sich zuvorderst darum kümmern sollte. Zudem haben wir aktuell ganz andere Probleme. Die Menschen müssen erstmal verstehen, daß die "Rechten" scheiße sind. Auch die AfD möchte nämlich andere gesellschaftliche Verhältnisse.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Wenn Wanderratte meint, daß Arbeit für ihn nichts ist, dann kann er das auch nicht ausprobieren.
Wo habe ich gesagt, daß Arbeit nichts für mich ist?

Abgesehen davon, daß ich vom aktuellen Istzustand ausging, bezog ich mich lediglich auf ungelernte Tätigkeiten, die mich an diejenigen Jobs erinnern, die ich schon während meines Studiums gemacht habe. Um Jobs, die mit meinem Hochschulabschluß im Zusammenhang stehen, ging es überhaupt nicht.

Hätte man den Absatz vollständig zitiert, hätte das alles klar sein müssen. Wenn man jedoch nur einen einzelnen Satz nimmt, kann es, wie man sieht, sehr schnell zu Mißverständnissen kommen.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Dann folgt aber noch eine selten blöde Ausrede:
ZitatUnd selbst wenn es so wäre, daß jeder Mensch arbeiten will und das auch kann, es gibt nicht für jeden einen Job. Wir haben nunmal keine Vollbeschäftigung.
Ich weiß zwar nicht, warum meine Aussage eine "selten blöde Ausrede" sein soll. Wenn Du das so siehst, von mir aus. Deine Fragen werde ich trotzdem beantworten. Auch wenn ich gerade mal wieder sehr genervt bin.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 20251. Willst du sagen, daß Klassenkampf nur geht, wenn Vollbeschäftigung herrscht?
Nein, das möchte ich nicht sagen. Selbstverständlich nicht.

Ich halte es aber für unabdingbar, daß man gleichberechtigt nebeneinander auch in anderen Bereichen was macht.

Wenn man Vollbeschäftigung hätte, könnte man sich weitestgehend auf die Betriebsarbeit stürzen, weil somit sehr viele Menschen involviert wären. Und die jeweiligen Probleme ähnlich wären. Dennoch muß man sich auch dann noch um die anderen Bereiche kümmern.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 20252. Meinst du, die Wirtschaft sollte den Revoluzzern einen roten Teppich auslegen, damit alles stimmt für den revolutionären Kampf?
Was denkst Du von mir, daß Du mich sowas fragst?

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 20253. Behauptest du etwa, du könntest keinen Job kriegen?
Mir kommt es zumindest mittlerweile so vor. Ich bewerbe mich seit mehr als drei Jahren und es kommen immer nur Absagen. Jedoch habe ich mich bisher nur für Jobs beworben, die mit meinem akademischen Abschluß im Zusammenhang stehen.

Ich halte es jedenfalls nicht für normal, daß man mit einem guten Master Abschluß keinen Job bekommt.

Dennoch behaupte ich nicht, ich könnte keinen Job kriegen.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Du könntest saisonbedingt zumindest zeitweise als Erntearbeiter unterkommen. Im Gastrobereich und in der Pflege jederzeit. Daß diese Jobs ziemlich scheiße sind, ist klar. Du könntest dir vom Jobcenter einen LKW Führerschein finanzieren lassen inkl. der zusätzlichen Module, die dazugehören. Das Jobcenter würde das machen und du würdest sofort Fahrerjobs finden.
Erntearbeiter ginge vielleicht sogar. Ich denke aber, regelmäßig 8 Stunden täglich, das wäre zu viel, da ich doch so schon Probleme mit meinen Gelenken habe. Es geht glücklicherweise immer noch alles. Aber nicht mehr Vollzeit. Ich benötige dann immer wieder Zeit, mich zu erholen.

Gastrobereich, ich weiß nicht. Es ist für mich zudem nicht möglich, in der Nacht oder spätabends mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen. Ich wohne nunmal nicht in einer Großstadt, wo der ÖPNV besser ist. Und mit Gelenkproblemen ist so ein Job erst recht sehr schwierig.

Für die Pflege bin ich definitiv nicht geeignet. Ich kann das sagen, weil ich eine pflegebedürftige Mutter habe. Nicht umsonst ist mein Bruder der eingetragene Pfleger. Ich vertrete ihn ab und an für einige Stunden. Und dann merke ich immer wieder, daß mir Pflegearbeiten einfach nicht liegen.

Das mit dem LKW Führerschein geht aber auch nicht, da ich eine Sehbehinderung habe, die auch mit Brille nicht vollständig korrigiert werden kann. Z.B. fällt es mir sehr schwer, Entfernungen korrekt einzuschätzen. Mit LKW Führerschein ist da nichts. Ich habe ja noch nichtmal einen normalen Führerschein.

Ich finde es aber generell sehr interessant, daß das Jobcenter den LKW Führerschein finanziert. Das war mir neu. Ich meine, der kostet doch auch Geld. Mein Wunsch nach einer Weiterbildung hat man zumindest abgelehnt. Obwohl es in dem Bereich, den ich wollte, sehr viele Jobs gibt. Sogar mitten in der Pampa. Und diese Weiterbildung hätte perfekt zu meinem Hochschulabschluß gepasst. Wie Du siehst, es ist alles nicht so einfach.

Zitat von: Kuddel am 19:33:41 Do. 20.November 2025Ich habe nie gesagt, daß jeder arbeiten will. Es arbeiten aber viele in Horrorjobs und gehen jeden Tag mit Bauchschmerzen und Angst zur Arbeit. Sie können nicht mit "ich bin traumatisiert" kommen, denn sie haben keine Alternative. Das ist millionfacher Alltag. Das müssen wir uns klarmachen und das müssen wir bekämpfen.
Selbstverständlich müssen wir diese schlimmen Arbeitsbedingungen bekämpfen. Das sehe ich doch auch so.

Es sind aber sehr viele Menschen, die wegen psychischer Probleme oder Krankheiten nicht arbeiten können. Dazu zählen auch diejenigen, die traumatisiert sind. Auch das sollte man ernst nehmen. Sie sind nämlich keine Simulanten.

Sicherlich schaffen es einige, damit zu arbeiten. Aber nicht jeder schafft das. Und das hat man zu akzeptieren. Und das darf auch erwähnt werden. Auch in diesem Thread. Denn das ist die Realität. Nicht nur meine.

Zu einer besseren Gesellschaft gehört nämlich auch, daß man respektvoll miteinander umgeht.

Und dazu gehört auch, daß man Dinge anders sehen darf. Immerhin bin ich kein AfD-Anhänger.

Wie möchtest Du eigentlich Mitstreiter gewinnen, wenn Du Dich so verhältst? Ich kann Dir definitiv sagen, das funktioniert so nicht.

Ich verstehe sowieso nicht, was das alles soll. Möglicherweise haben wir einfach nur ein Kommunikationsproblem. Denn Deine Vorwürfe und Unterstellungen kann ich echt nicht nachvollziehen.

Eigentlich halte ich nämlich sehr viel von Dir. Doch so, das finde ich nicht okay. Denk mal drüber nach.

Kuddel

Ich verstehe nicht, was hier los ist. Ich finde es unnötig und nervig.

Es fühlt sich jemand beleidigt wegen einer Formulierung in einem Internetforum. Ich finde diese Tatsache schon ein wenig absurd. Das passiert. Ich finde einen Pöbelton und Beleidigungen nicht gut, aber ich finde, bei chefduzen ist der Umgangston recht vernünftig, insbesondere im Vergleich zu anderen Plattformen.

ZitatJa gut, du warst Student, hast gearbeitet und bist nun traumatisiert. Was soll der Scheiß?

Das ist für mich eine genervte Feststellung und keine Beleidigung.

Es geht in diesem Diskussionsstrang um Lohnarbeit als Feld einer Auseinandersetzung, eines politischen Kampfes. Dann kommt einer und schreibt
ZitatDie Arbeit im Betrieb fällt ja hier flach.
(...)
Mittlerweile bin ich bezüglich "arbeiten" so sehr traumatisiert, daß ich im Moment überhaupt nicht sagen kann, ob ich das überhaupt nochmal kann.

Damit ist geklärt: falscher Thread. Das eigene Leben hat nichts mit dem Threadthema zu tun.

Damit hätte die Sache erledigt sein können.

Danach wird nur noch ausgiebig aneinander vorbeigeredet.
Nikita kritisiert "die Schärfe in der Antwort".
counselor sagt, "es [gibt] aber auch noch andere Betätigungsfelder, als den Betrieb".

Fritz Linow hat mehrfach geantwortet und versucht zu erklären, worum ihm es inhaltlich geht, warum er die Arbeit im Betrieb anders bewertet als andere politische Betätigungsfelder.

Das waren sehr wichtige Aussagen, doch das interessiert hier scheinbar nicht.

Wanderratte stellt fest...
ZitatEs geht mir nicht um die Sache an sich. Sondern um die Wortwahl.

Und dann folgt ein endloses Blabla. Wer hat wann was gesagt. Und weiteres Blabla, das nix mit politischer Arbeit am Arbeitsplatz zu tun hat.

@Wanderratte, etweder du fühlst dich beleidigt oder nicht (ich fand die Aussage von Fritz nicht beleidigend), du kannst es auch sagen, aber mach das nicht zu einem zentralen Thema. Zumindest nicht in diesem Thread, in dem es um ein anderes Thema gehen sollte.

counselor

ZitatEs fühlt sich jemand beleidigt wegen einer Formulierung in einem Internetforum. Ich finde diese Tatsache schon ein wenig absurd. Das passiert.

Das ist eine Sache der Streitkultur. Wir brauchen eine solidarische Streitkultur, wenn wir tragfähige Bewegungen aufbauen wollen. Also eine Streitkultur ohne gegenseitiges Anpampen. Auch, wenn wir im Betrieb arbeiten.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Nikita

Vielleicht können wir jetzt einfach zur Sache kommen. Meine Bemerkung sollte eine Randnotiz sein und nicht das Thema sprengen.
Ich habe früher im Call Center gearbeitet, war bekannt dafür, ziemlich etwas wegzuschaffen. Ich fand den Zusammenhalt unter den Kollegen weitgehend gut und fühlte mich wohl, bis die Zügel stark angezogen haben und die Bedingungen unerträglich wurden. Ich merkte, wie es meinen Kollegen schlechter ging und sie schlechter behandelt wurden. Ich selbst war ein ziemlicher kapitalistischer Spinner, früher sogar mit rechten Anwandlungen. Irgendwann platzte mir der Kragen und ich habe eine anonyme Website gestartet, indem ich mit einem Kollegen über den Betrieb berichtete. Gleichzeitig habe ich mich an den Betriebsrat gewandt. Das war für die Tonne, weil die Menschen dort nichts zu suchen hatten und die Führung des BR korrupt bis in die Knochen war. Nach und nach nahm ich Kontakt in die linke Szene auf, begann auch bei chefduzen zu schreiben.
Soviel dazu.
Das dürfte ein nicht unuübliches Szenario in Deutschland sein. Der Betriebsrat, falls vorhanden, duckt sich weg oder ist durch die Firmenleitung gesteuert. Die DGB-Gewerkschaft hat versucht etwas hinzubekommen, ist aber gescheitert oder hat unbedeutenden Einfluss. Die haben dann irgendwann mal ohne Rücksprache Aktionen durchgeführt, was auch nichts brachte. Die FAU war wesentlich hilfreicher und wäre nie auf die IDee gekommen, die Sache an sich zu ziehen.
Es gab schon Treffen außerhalb der Arbeit, eher als Umtrunk, aber man sprach auch über die Probleme in der Firma. Mir fehlten die Fähigkeiten etwas auf die Beine zustellen und Mitarbeiter zu mobilisieren. Der Betriebsrat lud mich ein, was mich aber überforderte. Wir stellten auf der Website Forderungen auf und zwangen die Firma regelmäßige Betriebsversammlungen abzuhalten, auf denen es teiweise ziemlich knallte. Es sind in der Folgezeit zahllose Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gegangen, der Ruf der Firma hat an den Standorten extrem gelitten. Ist das ein wünschenswertes Ergebnis? Nicht wirklich. Es hat aber viel bewegt.

Letztlich braucht man wohl einen Kern im Betrieb, mit dem man durch dick und dünn gehen kann und Unterstützung von außen. Bei DGB-Gewerkschaften hängt es sehr ab, auf wen man trifft. Die können die Sache aber schnell an sich ziehen. Ob dort ein antikapitalistischer Anspruch besteht, darf bezweifelt werden.
Was soll mein Beitrag? Die Frage des Threads im Betrieb stellen. Was sind erstrebenswerte Ziele in einem Betrieb? Was würde antikapitalistischen Zielen dienen? Wie kann Engagement im Betrieb Auswirkungen auf andere Strukturen haben?

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