Sprache als trojanisches Pferd

Begonnen von dagobert, 01:38:35 Sa. 21.Oktober 2017

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dagobert

ZitatÜber ,,fühlen" und ,,mitnehmen": Wie Politik und Medien durch Sprache die Wirklichkeit verschleiern
http://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

ZitatWie man sich gegen die Sprache der Herrschenden zur Wehr setzt
http://www.nachdenkseiten.de/?p=40668
Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

Kuddel

Das gehört zu meinen Lieblingsthemen.
Ich halte harmlos daherkommende Begriffe und Formulierungen für gefährliche Machtinsturmente.
ZitatAchtsamkeit ist das zentrale Werkzeug
ist mir zu individualistisch. Wenn jeder achtsam ist, kann die Propaganda nicht fangen.
Es ist aber nicht jeder achtsam.
Deshalb muß man die Medien und ihre Methoden stets öffentlich demaskieren.
Man muß sichtbar machen, in wessen Interesse sie arbeiten und welche Ziele sie verfolgen.
Das wäre eine notwendige Substanz für Kritik, statt sie nur als "Lügenpresse" anzugreifen.

Man sollte nicht vergessen, daß es bei dem Angriff unter dem Schlachtruf "Lügenpresse" von Pegida, AfD, u.ä. nicht um den Versuch geht, schlechte journalistische Standards zu beenden, sondern darum, eine kritische Presse mundtot zu machen. Die Rechte "Lügenpresse"-Propaganda führt nicht nur zu tätlichen Angriffen auf Journalisten am Rande von Pegida-Demonstrationen, sondern es wird auch die Stragegie verfolgt, öffentlich rechtliche Medien abzuschaffen. Die Neoliberale Politik hat dies bereits teilweise in Mittelmeerländern durchgesetzt. Nun wird der rechte Mob zum kämpfenden Arm für die Alleinherrschaft der Privatmedien, die kein Interesse an einer kritischen Berichterstattung haben.

Kuddel

Der rechtsradikale ,,Verein Deutsche Sprache" VDS hat sich wieder zu Wort gemeldet:

ZitatUni-Rektorin und Leipziger Buchmesse sind ,,Sprachpanscher des Jahres"

Der sprachkonservative ,,Verein Deutsche Sprache", VDS, hat die Rektorin der TU Dresden, Staudinger, und die Leipziger Buchmesse zu ,,Sprachpanschern des Jahres 2024" gewählt.


Beiden Trägern des Negativpreises wird insbesondere die Verwendung englischer Begriffe vorgeworfen. So habe die TU Dresden im April zu einem ,,E-Teaching-Day" und einer ,,Fuck-Up-Night" eingeladen. Wer an Hochschulen lehre, dürfe sich aber nicht hinter vermeintlich angesagten Floskeln und Sprach-Mischmasch verstecken, sagte der Vorsitzende des Vereins, Krämer. Das Motto der Buchmesse ,,Who's still reading" zeige die Anbiederung an einen Zeitgeist, der das Englische vor andere Sprachen stelle. Die Hamburger Kunsthalle belegte den dritten Platz, weil sie auf ihrer Internetseite Gendersternchen verwendet.
Der VDS widmet sich der Bewahrung der deutschen Sprache in ihrer alterhergebrachten Form. Der Verein war in die Kritik graten, als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass ein Mitglied des Vorstands an dem Treffen von Rechtsextremen in Potsdam teilgenommen hatte. Die Frau hatte daraufhin ihren Rücktritt erklärt.
https://www.deutschlandfunk.de/uni-rektorin-und-leipziger-buchmesse-sind-sprachpanscher-des-jahres-104.html

Mir fehlen die Beiträge von Dr.Gscheidle hier im Forum.
ZitatDas unredliche Englisch, welches unsere schöne deutsche Muttersprache durch unredliche Anglizismen infiziert...
https://forum.chefduzen.de/index.php?topic=26667.msg307954#msg307954

Kuddel

Beeindruckend zu sehen, zu welchen Wortschöpfungen der deutsche Journalismus fähig ist, wenn es darum geht, das Handeln der Herrschenden schönzureden.

ZitatAngriffe in Syrien
Israels »Aufräumaktion«

Israel hat die entmilitarisierte Zone auf dem Golan besetzt, fliegt Luftangriffe tief im Nachbarland. Nach dem Sturz von Baschar al-Assad ist die Armee mit Vorwärtsverteidigung beschäftigt. Das könnte zum Dauerzustand werden.
https://www.spiegel.de/ausland/israels-angriffe-in-syrien-aggressive-vorwaertsverteidigung-a-7a902b0c-fd62-4eb8-80db-7fbe523816ee

Hmmm. Und das was Putin macht, das ist doch auch eine Aufräumaktion in der Ukraine und eine Vorwärtsverteidigung, oder?

BGS

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 16:28:22 Di. 10.Dezember 2024Hmmm. Und das was Putin macht, das ist doch auch eine Aufräumaktion in der Ukraine und eine Vorwärtsverteidigung, oder?
Tja, von der Logik her ist es genau dasselbe. Es wäre schon sehr interessant, diesen Journalisten zu fragen, wie er das so sieht.

Dass jemand sich auf diese Art und Weise ausdrückt, kann passieren. Bei der gegenwärtigen Qualität im Journalismus! Noch viel schlimmer finde ich, dass der "Spiegel" diese Wortwahl einfach so übernimmt.

Kuddel

Auch Sprache ist ein Kampffeld. Sie ändert sich ständig. Einiges ist Moden unterworfen, anderes wird von oben diktiert und den Machtverhältnissen unterworfen. Ich erinnere, wie in Zeiten des Kalten Kriegs die Bildzeitung D"D"R schrieb. Diese Anführungszeichen waren ein politisches Statement. Die Bundesregierung gab dann eine Empfehlung an den Lehrbetrieb aus. Ich weiß noch wie unser Lehrer vor die Klasse trat und uns sagte, wir sollten nicht mehr "BRD" schreiben, sondern "Bundesrepublik Deutschland". Das Gendern wurde in jüngerer Zeit zu einem politischen Kampffeld. Die Faschoecke machte einen großen Aufreger daraus. Man streitet damit über Pillepalle, statt über die Macht- und Eigentumsverhältnisse. Der AfD Gründer Bernd Lucke gründete die ALFA-Partei, bei der das Gendern zu den zentralen Themen gehört. Und Teile der bürgerlichen Parteien sind da prompt mit aufgesprungen und machen da mit.

gendern.jpeg

Dabei gilt dieses Vorgehen als rückschrittlich.
ZitatMenschen zu verbieten, inklusive Sprache zu verwenden, ist ein Rückschritt ins letzte Jahrhundert. Der Staat sollte Respekt und Toleranz fördern, nicht verbieten.
Ferda Ataman, Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/gendern-verbot-diskriminierung-100.html

Die letzte hanebüchene Sprachveränderung kommt von oben. Man soll nicht mehr "Kiew" schreiben, sondern "Kyjiw". Damit kommt das Auswärtige Amt einer langgehegten Bitte der Ukraine nach.

Was für ein Schwachsinn ist das denn!?! Wir benutzen auch bei anderen Staaten nicht die Schreibweise des jeweiligen Heimatlands. Wir sagen ja auch Rom und nicht Roma, oder Mostau statt Moskwa. Selbst die taz schreibt jetzt "Kyjiw". Das läßt tief blicken.



Nikita

Der Begriff "Aufräumaktion" ist als Zitat gekennzeichnet und stammt von einem israelischen Ex-Militär.
Der Autor Thore Schröder kommt von der Axel Springer Akademie. Ging dann aber zu Haaretz, einem Magazin, das kritisch gegenüber der israelischen Regierung steht und gerade von Israel mit Sanktionen belegt wurde.
"Vorwärtsverteidigung" ist ein Begriff aus der Kriegspropaganda, der nicht als Zitat gekennzeichnet ist und unterhalb der Würde jedes seriösen Journalisten sein sollte.
https://www.deutschlandfunk.de/bericht-regierung-boykottiert-linksliberale-zeitung-haaretz-102.html

Zitat von: Kuddel am 16:28:22 Di. 10.Dezember 2024Beeindruckend zu sehen, zu welchen Wortschöpfungen der deutsche Journalismus fähig ist, wenn es darum geht, das Handeln der Herrschenden schönzureden.

ZitatAngriffe in Syrien
Israels »Aufräumaktion«

Israel hat die entmilitarisierte Zone auf dem Golan besetzt, fliegt Luftangriffe tief im Nachbarland. Nach dem Sturz von Baschar al-Assad ist die Armee mit Vorwärtsverteidigung beschäftigt. Das könnte zum Dauerzustand werden.
https://www.spiegel.de/ausland/israels-angriffe-in-syrien-aggressive-vorwaertsverteidigung-a-7a902b0c-fd62-4eb8-80db-7fbe523816ee

Hmmm. Und das was Putin macht, das ist doch auch eine Aufräumaktion in der Ukraine und eine Vorwärtsverteidigung, oder?

Wanderratte

An den Sprachveränderungen lässt sich sehr deutlich erkennen, in welchem Zustand sich unsere Gesellschaft gerade befindet.

Zitat von: Kuddel am 10:35:47 Mi. 11.Dezember 2024Die Bundesregierung gab dann eine Empfehlung an den Lehrbetrieb aus. Ich weiß noch wie unser Lehrer vor die Klasse trat und uns sagte, wir sollten nicht mehr "BRD" schreiben, sondern "Bundesrepublik Deutschland".
Daran kann ich mich auch noch erinnern. Keine Ahnung, wann das genau war. Verstanden hatte ich damals schon nicht, was das soll und verstehe es noch immer nicht. Ich hatte es ignoriert. Die Abkürzung gefiel mir besser.

Zitat von: Kuddel am 10:35:47 Mi. 11.Dezember 2024Das Gendern wurde in jüngerer Zeit zu einem politischen Kampffeld. Die Faschoecke machte einen großen Aufreger daraus. Man streitet damit über Pillepalle, statt über die Macht- und Eigentumsverhältnisse. Der AfD Gründer Bernd Lucke gründete die ALFA-Partei, bei der das Gendern zu den zentralen Themen gehört. Und Teile der bürgerlichen Parteien sind da prompt mit aufgesprungen und machen da mit.
Ich erinnere mich noch sehr gut an das Kampffeld "Gendern" an der Uni in den 10er Jahren. Wobei es dort eher darum ging, dass Gendern gewünscht bzw. gefordert wurde. Einige Studenten meinten sogar, dass es Punktabzüge gebe, wenn man das Gendern in Seminararbeiten verweigert. Ob das stimmte, weiß ich nicht. Es war das andere Extrem. Ich fand, auch hier ging es um Nebenschauplätze. Meiner Meinung nach schafft Sprache noch keine Gleichberechtigung. Sie zu ändern ist halt sehr viel einfacher als die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Zitat von: Kuddel am 10:35:47 Mi. 11.Dezember 2024Die letzte hanebüchene Sprachveränderung kommt von oben. Man soll nicht mehr "Kiew" schreiben, sondern "Kyjiw". Damit kommt das Auswärtige Amt einer langgehegten Bitte der Ukraine nach.
Ich schreibe weiterhin "Kiew". Man muss nicht jeder Bitte nachkommen, erst recht nicht, wenn eine bestimmte Schreibweise schon so lange existiert.

Zitat von: Kuddel am 10:35:47 Mi. 11.Dezember 2024Was für ein Schwachsinn ist das denn!?! Wir benutzen auch bei anderen Staaten nicht die Schreibweise des jeweiligen Heimatlands. Wir sagen ja auch Rom und nicht Roma, oder Mostau statt Moskwa. Selbst die taz schreibt jetzt "Kyjiw". Das läßt tief blicken.
Genau das ist der Punkt. "Kiew" ist nunmal die gängige deutschsprachige Schreibweise.

Doch die Rechtschreibreform war bestimmt die extremste und dümmste Sprachveränderung als Folge des Änderungswahns.

Kuddel

Zitat von: Wanderratte am 01:36:18 Do. 12.Dezember 2024Doch die Rechtschreibreform war bestimmt die extremste und dümmste Sprachveränderung als Folge des Änderungswahns.

Ich gebe dir da recht. Es war ein Versuch, kostengünstig auf die Bildungsmisere zu reagieren.

Die Rechtschreibung ging bei jungen Leuten kontinuierlich den Bach runter. Statt in Bildungsprogramme und Lehrkräfte zu investieren, versuchte man die Rechtschreibung zu vereinfachen. Herausgekommen ist ein absoluter Murks. Ich versuche die neue Rechtschreibung zu ignorieren und schreibe weiter wie zuvor. Doch nach all den Jahren wird es bei mir bisweilen ein Mischmasch, weil ich manchmal nicht mehr weiß, was die alte und was die neue Form der Rechtschreibung ist.

Wanderratte

Zitat von: Kuddel am 09:54:52 Do. 12.Dezember 2024
Zitat von: Wanderratte am 01:36:18 Do. 12.Dezember 2024Doch die Rechtschreibreform war bestimmt die extremste und dümmste Sprachveränderung als Folge des Änderungswahns.

Ich gebe dir da recht. Es war ein Versuch, kostengünstig auf die Bildungsmisere zu reagieren.

Die Rechtschreibung ging bei jungen Leuten kontinuierlich den Bach runter. Statt in Bildungsprogramme und Lehrkräfte zu investieren, versuchte man die Rechtschreibung zu vereinfachen.
Ja, es war ein Versuch, mehr aber auch nicht. Die Verantwortlichen hätten sich stattdessen fragen sollen, was die tatsächlichen Ursachen der Bildungsmisere sind.

Ich halte diese neuen Rechtschreibregeln für einen ziemlichen Quatsch. Was daran jetzt einfacher sein soll, verstehe ich sowieso nicht. Und es scheint noch nichtmal was zu bringen:

ZitatHaben Kinder die Rechtschreibung früher besser beherrscht?

Oft wird behauptet, dass Kinder früher bessere Ergebnisse in Rechtschreibung erzielten. Ein Sprachwissenschaftler konnte das in einer Längsschnittuntersuchung tatsächlich bestätigen. Wolfgang Steinig, der bis zu seiner Emeritierung zuletzt an der Universität Siegen gelehrt hat, verglich dafür Texte von Viertklässlerinnen und Viertklässlern aus den Jahren 1972, 2002 und 2012. Dabei machte er für die Bereiche Wortschatz und Textgestaltung zwar beachtliche Verbesserungen innerhalb der 40 Jahre aus, gleichzeitig zeigten sich aber in den neueren Texten beinahe doppelt so viele Rechtschreibfehler.
Quelle: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/rechtschreibung-an-schulen-rueckt-in-den-fokus/ .

Nicht nur das, die Rechtschreibreform scheint sogar kontraproduktiv zu sein:

Zitat[...] Andere machen die Rechtschreibreform für nachlassende Rechtschreibkenntnisse mitverantwortlich. Diese 1996 eingeführte Reform habe zu widersprüchlichen Regeln geführt, behauptet beispielsweise der Deutschdidaktiker Uwe Grund, der zahlreiche Studien zur Rechtschreibreform ausgewertet und die Ergebnisse in seinem Buch ,,Orthographische Regelwerke im Praxistest" zusammengefasst hat. Vor allem hat er die Rechtschreibkenntnisse von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern vor und nach der Rechtschreibreform verglichen. Die Rechtschreibreform sollte ja eigentlich eine Vereinfachung bewirken, tatsächlich aber hätten die Schülerinnen und Schüler nach der Reform mehr Probleme.
Quelle: https://deutsches-schulportal.de/unterricht/rechtschreibung-an-schulen-rueckt-in-den-fokus/ .

Doch einige profitierten von der Rechtschreibreform. Man konnte damit richtig gut Geld verdienen:

Zitat[...] Die Reform schien unter Dach und Fach, neue Wörterbücher wurden gedruckt, tausende Schulen begannen, die neuen Regeln zu unterrichten. [...]
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/rechtschreibreform-deutsche-sprache-100.html .

Tja, irgendwer profitiert halt immer.

Zitat von: Kuddel am 09:54:52 Do. 12.Dezember 2024Herausgekommen ist ein absoluter Murks. Ich versuche die neue Rechtschreibung zu ignorieren und schreibe weiter wie zuvor.
Als ich auf die Oberstufe ging, war ich bezüglich Rechtschreibung nahezu perfekt. Fehler machte ich kaum noch. Mittlerweile bin selbst ich unsicher und weiß oft nicht mehr, wie ein Wort geschrieben wird. Da ich studiert habe, war es für mich nicht so einfach möglich, ohne Ausnahme normal weiterzuschreiben. Rechtschreibfehler mache ich seitdem bestimmt so einige.

Allerdings habe ich mich nie bewusst mit dieser neuen Rechtschreibung beschäftigt. Mir war das einfach zu doof. So gängige Sachen, wie "dass" mit zwei "s" habe ich halt so nebenbei mitbekommen und auch übernommen, damit es nicht so sehr auffiel, dass ich von der neuen Rechtschreibung keine Ahnung hatte.

Erst gestern habe ich erfahren, dass man "Stengel" mittlerweile "Stängel" schreibt.  ;D  ;D  ;D

Zitat von: Kuddel am 09:54:52 Do. 12.Dezember 2024Doch nach all den Jahren wird es bei mir bisweilen ein Mischmasch, weil ich manchmal nicht mehr weiß, was die alte und was die neue Form der Rechtschreibung ist.
Genau so geht es mir auch. Man kann diese neue Rechtschreibung halt leider nicht komplett ignorieren. Da man, ohne es zu wollen, ständig mit ihr konfrontiert wird.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass Rechtschreibung überbewertet wird. Man könnte in der Schule den Schwerpunkt auf viel interessantere Dinge legen.

Kuddel

ZitatVölkerrechtswidrige Annexion: Wenn Worte zu Waffen werden

...was soll das also, in der Sache sinnlos "doppelt gemoppelt" von "völkerrechtswidriger Annexion" zu schreiben? Es gibt schlicht keine andere Annexion als eine eben völkerrechtswidrige!

Wenn das eine zutreffende Erklärung für jene massenhafte leitmediale Sprachverwendung "völkerrechtswidrige Annexion" sein sollte, dann allerdings haben wir es hier mit Formen von Propaganda zu tun und nicht mehr mit Journalismus.

ZitatWer A sagt, sollte auch B sagen. Wer vom ,,völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine" redet, sollte zumindest auch sagen: ,,völkerrechtswidriger Angriffskrieg der USA gegen Vietnam". Alles andere sind deutlich doppelte Standards.
https://www.telepolis.de/features/Krieg-der-Worte-Vietnam-Krieg-versus-Krieg-gegen-die-Ukraine-10380312.html

Kuddel

Es wurde gerade Charlie Kirk erschossen.

Charlie Kirk war ein rechtsradikaler Influencer, ein Faschist.

Wie beschreiben unsere Medien ihn?

  • Aktivist und beliebter Podcaster - DLF
  • US-Aktivist. Als Podcaster warb Kirk für konservative Werte - Tagesschau
  • Der rechtskonservative US-Aktivist - Zeit
  • Einer der bekanntesten konservativen Podcaster der USA - ARD Morgenmagazin
  • Der bekannte rechtskonservative US-Aktivist - ZDF Heute
  • Aktivist - Spiegel
  • Der junge Trump-Aktivist - Bild


Kuddel

Die Tagesschau hat nun aber den Vogel abgeschossen:

"Er hat wirklich Millionen junger Leute für Politik begeistert."

counselor

Die Realität sieht wohl anders aus:

ZitatFaschistischer Trump-Aktivist Charlie Kirk erschossen

Der faschistische Trump-Unterstützer Charlie Kirk, 31, wurde am Mittwochnachmittag auf dem Campus der Utah Valley University in Orem (Utah) erschossen, als er auf einer Open-Air-Veranstaltung eine Rede hielt.

Kirk war Gründer und Anführer von Turning Point USA, einer faschistischen Jugendgruppe, die an Hochschulen aktiv war und die Vorherrschaft der weißen Rasse und den Hass auf Einwanderer und Linke propagierte. Nachdem er eine wichtige Rolle in Trumps Wahlkampf 2024 gespielt hatte, etwa bei einem prominenten Auftritt auf dem Parteitag der Republikaner, wurde Kirk zu einem einflussreichen Berater der neuen Regierung, wo er unter anderem Kabinettskandidaten dahingehend einschätzte, ob sie von Trumps faschistischer ,,Basis" akzeptiert werden würden.

Quelle: https://www.wsws.org/de/articles/2025/09/11/dpnp-s11.html

Es ist typisch für die deutschen Medien, dass sie den Faschismus verharmlosen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Die Macht der Sprache. Welche Inhalte werden transportiert?

Das Eulenmagazin hat sich ein paar schlaue Gedanken dazu gemacht:

ZitatTrauer-Hysterie um Rechtsradikalen
Warum Charlie Kirk kein Märtyrer ist

(...)
Seit den Schüssen von Utah überschlagen sich Medien mit Meldungen und Einordungen zum Tode Kirks und seiner Bedeutung für die US-amerikanische Politik. Auf Social-Media-Plattformen wird öffentlich um Kirk getrauert. US-Präsident Donald Trump hatte Kirk bereits kurz nach dessen Tod als ,,Märtyrer der Wahrheit und Freiheit" bezeichnet. Republikanische Politiker:innen und Influencer:innen rufen in Reaktion auf das Attentat zum Bürgerkrieg ,,gegen Links" auf und wollen die Demokratische Partei verbieten lassen. (...)

Am Donnerstagabend trafen sich rechtsradikale Politiker:innen und Aktivist:innen in Berlin zu einer ,,Trauerandacht", auf der die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch sprach, unter ihnen auch Leonard Jäger (,,Ketzer der Neuzeit") und Lukas Furch (,,Furchensohn"). Alle drei sind – wie Kirk – in einem internationalen Netzwerk von rechtsradikalen Akivist:innen verbandelt. (...)

Im Zentrum des Wirkens von Kirk steht die Organisation ,,Turning Point USA" (TPUSA), die er im Jahr 2012 mit Hilfe von rechtsradikalen Großspendern im Zusammenhang mit der ,,Tea-Party"-Bewegung gegründet hat. TPUSA organisiert an Highschools und Colleges in den USA Aktivist:innen-Gruppen, die sich an ihren Bildungseinrichtungen dem ,,Kulturkampf gegen Links" widmen. (...)

TPUSA macht inzwischen rund 100 Millionen Dollar Jahresumsatz. (...)

Die Propaganda-Maschinerie zu Kirks Tode ist allerdings auch deshalb so erfolgreich, weil liberale ,,Mainstream"-Medien aus Unbedarftheit, mangelndem Orientierungswissen oder selbstverordneter Zaghaftigkeit rechtsradikale Botschaften und Aktivist:innen nicht zutreffend als solche benennen. (...)
Ich kann nur empfehlen, den kompletten (ausführlichen) Text zu lesen: https://eulemagazin.de/charlie-kirk-maertyrer-heiliger-trump-antisemitsmus-influencer-christlich/


Nikita

In den deutschen Medien scheint man ein besserer Mensch zu sein, wenn man tod ist oder es ist ein falscher Respekt vor Toten. Ich würde Kirk nicht Nazi nennen, aber Rechtsextremer trifft es mindestens. Das Rückgrat darf man auch als deutscher Journalist auch haben.

Kuddel

Mir ist es egal, ob man Kirk einen Rechtsextremen oder einen Nazi nennt.

Ich glaube, die Medien haben ein größeres Problem als falschen Respekt vor Toten. Sie sind obrigkeitshörig und sagen, was sie meinen was der Sender/das Medienhaus und ihre Geldgeber von ihnen erwartet.

Bei dem Tod von Magret Thatcher überschlugen sie sich mit salbungsvollen Worten für eine große Politikerin, deren Tod für die Briten ein schwerer Schlag sei. Es folgte auf diese Berichterstattung ein Shitstorm im Netz und wenige Tage später war der Song "The Witch is Dead" in den Charts auf Platz 1.

Nun, Medien könnten es besser wissen, Charlie Kirk hatte eine andere Bedeutung als einfach ein beliebter Podcaster zu sein.

Und was pietätlos Toten gegenüber ist, wird unterschiedlich gesehen.

ZitatDürfen sich christliche Politiker über den Tod eines Menschen freuen? Ja, finden Merkel und Seehofer und begrüßen die Tötung Osama bin Ladens.
https://www.sueddeutsche.de/politik/reaktionen-auf-den-tod-von-osama-bin-laden-die-falsche-freude-der-c-parteigaenger-1.1092681

dagobert

Wie man den Krieg führt, das weiß jedermann; wie man den Frieden führt, das weiß kein Mensch.
Karl May

Onkel Tom

Einfühlsam und entspannend, die Geigerin..  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

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