chefduzen.de - Forum der Ausgebeuteten

Sozial & Gesundheitswesen => Gesundheitswesen => Thema gestartet von: Kollege1968 am 22:11:25 Sa. 15.März 2008

Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kollege1968 am 22:11:25 Sa. 15.März 2008
Einige Gedanken zur derzeitigen Tarifauseinandersetzung am UK-SH

Das Angebot der "Arbeitgeberseite" (wer gibt hier eigentlich seine Arbeit und wer nimmt sie?) ist ein Hohn: alles wird teurer und zuerst sollten wir auf bis zu 30 % Gehalt verzichten. Ver.di nannte das eine "Provokation", wir halten es für Berechnung. Derzeit hören sich die jetzt angebotenen 2,9 % Gehaltserhöhung (bei Verzicht auf das Urlaubs- und Weihnachtsgeld) schon "besser" an (nach jedem "Horrorszenario" klingt das kleinere "Horrorszenario" angehemr, halt die Logik des "kleineren Übels";). Daß zwar über die finanzielle Seite viel geredet wird, aber wenig über die Arbeitszeiten, den Urlaubsanspruch oder die Arbeitsbedingungen läßt einiges erahnen (auch bei den "Aktiven Mittagspausen" wurde zwar davon geredet, daß ver.di gegen Ausgründungen und Privatisierung, für Beschäftigungssicherung und einen einheitlichen Tarifvertrag sei, aber davon, daß ver.di z.B. für die Beibehaltung der bisherigen Arbeitszeit sei, davon war nie die Rede - so enthielt der Stimmzettel zur Urabstimmung nur die Punkte: gegen Privatisierung, Beschäftigungssicherung und einheitlicher Tarifvertrag).

„Wir können alles Mögliche gebrauchen ...“ ... nur keinen Streik!
Der Vorstand hat sicherlich Angst vor einem Streik. Chef-Sanierer Schleifer (der Name ist Programm!) ließ verlauten: "Ein Streik erschwert nur die an sich wirtschaftlich schwierige Situation des Universitätsklinikums und gefährdet die Sanierung." Ziel der Politik des Vorstandes dürfte sein, das UK S-H auch zukünftig auf Kosten der Belegschaft und der Patientinnen und Patienten zu "sanieren". Am Ende wird die Privatisierung stehen: bis dahin müssen die Personalkosten (also der Preis unserer Arbeitskraft) gesenkt werden und dazu sind die derzeitigen Tarifverhandlungen ein Mittel. Der Stellenabbau und die damit verbundene Arbeitsverdichtung sind uns allen bekannt und Grund zu alltäglichem Frust und Überstunden. Dabei ist klar: nicht unsere Forderungen oder die von ver.di nach mehr Gehalt gefährden das Klinikum, sondern die Politik (Situation der Ungewißheit, mangelnde Informationen, Stellensperre, stets neue "Horrorszenarien", etc.) des Landes und des Vorstandes gefährdet die Patientenversorgung und das reibungslose Funktionieren des Betriebes. Diese Politik geht seit Jahren (u.a. Gehaltsverzicht seit 2004) auf unsere Kosten und gefährdet nicht nur die Gesundheit der Patientinnen, sondern auch die der Kolleginnen und Kollegen (vom "Klima" und den Arbeitsbedingungen ganz zu schweigen). Die Kolleginnen und Kollegen in den Bereichen IT, Beschaffung oder FM wissen ein Lied zu singen von den immer neuen Plänen zu Ausgründung oder Privatisierung.

Vorsicht vor allzuviel Enthusiasmus!
Von Ver.di sind aus dem Mund von ver.di-Verhandlungsführer Stefan Kühhirt markige Worte zu hören (nicht nur auf der Personalversammlung in der MUK). Wir fragen uns aber, ob diese Worte nicht der allgemeinen Stimmung geschuldet sind. Ver.di weiß genau, daß die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen schlecht ist: an uns allen sind die Preiserhöhungen, seien es die Lebensmittelpreise, die Erhöhungen der Tarife beim Stadtverkehr und bei Energie Wasser (so soll der 1. Preiserhöhung vom August 2007 nun die 2. am 1. April 2008 folgen), die steigenden Heizkosten, ... nicht vorbeigegangen. Die derzeitige Streikforderung, das sich-stark-für-die-Belegschaft-machen ist die beste Werbung für ver.di. So nutzt ver.di die allgemeine Stimmung aus: die Zahl der zahlenden Mitglieder am UK S-H ist sprunghaft angestiegen und hat sich fast verdoppelt (?). Die Stimmung brodelt, aber es könnte beim Dampfablassen bleiben. Kühhirt hatte bereits im Interview mit den Lübecker Nachrichten vom 6. Februar 2008 "Verhandlungsbereitschaft" und Bereitschaft zu Zugeständnissen signalisiert: „Beim Tarifthema ist, glaube ich, eine Lösung möglich. Doch ein Abschluß ist für und nur machbar, wenn wir bei den anderen beiden Themen [gemeint sind hier die Arbeitsplatzsicherung bis 2015 und die Verhinderung der Privatisierung!] Klarheit haben.“

Ver.di war es, die eine Umwandlung in eine GmbH vorgeschlagen hat und hat damit beweisen, daß es enormen Spielraum für Verhandlungen geben kann, wenn ver.di nur mit am Verhandlungstisch sitzt und einen Tarifvertrag mit abschließen darf. Wir halten die Privatisierung auch nicht für eine Alternative zum jetzigen staatlichen Betrieb. Derzeit ist es nicht gut, durch eine Privatisierung wird es für uns nicht besser! Die Alternative liegt jenseits von jetzigem Status Quo und Privatisierung. Wir müssen sehen, daß die Gesundheit längst eine Ware wie die Arbeitskraft oder Zitronen ist. Die Frage ist nur, ob wir dies so wollen und was wir dagegen tun können!

Ver.di will, so Kühhirt, "einen Basistarifvertrag für alle Mitarbeiter aushandeln - und für verschiedene Bereiche gibt es dann unterschiedliche Entgelte" (LN, 6. Februar 2008). Gewerkschaftlich patentiertes Lohndumping und gewerkschaftlich abgesegnete Ungleichbehandlung bedeutet das (wie heißt es da so schön von ver.di "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!"?)! Warum sollten wir dem zustimmen und ein Lohndumping nur deshalb akzeptieren, weil es von ver.di abgesegnet wäre?

Sie haben ihre Sachzwänge, wir haben die unseren!
Wer sich auf die Logik des Vorstandes einläßt, hat schon verloren. Sicher hat das Klinikum Schulden und schreibt rote Zahlen. Diese Schulden haben ihre Ursachen und die roten Zahlen sind - wie wir alle wissen - von der Politik mitverursacht und mitzuverantworten (niedrige schleswig-holsteinische Base-Rate, sinkende Landeszuschüsse, etc.). Unsere Kosten (= unsere "Sachzwänge";) steigen nicht erst seit 2007 und der Euroeinführung 2002! Der Gehaltsverzicht und die "Nullrunden" seit 2004 aufgrund des "Beschäftigungspaktes" haben unsere (persönliche!) Haushaltslage nicht verbessert. Saniert haben sich bisher etliche Beratungsfirmen wie Roland Berger, Deloitte & Touche oder KPMG. Die Ärztinnen und Ärzte am UK-SH haben ab 1. Januar 2008 mittels des Tarifvertrag Land und Ärzte (TV-L und TV-Ä) bis zu 10 % mehr Gehalt bekommen (dies war für den Vorstand kein "Thema";). Hierfür war stets Geld da, wie auch für die "Rettung" der landeseigenen HSH Bank (750 Millionen Euro), den Afghanistan-Krieg oder die Senkung der Spitzensteuersätze ... Die Kassen des Bundes sowie der Krankenkassen sind erstmals seit Jahren wieder voll und es werden Überschüsse erwirtschaftet. Wir sind nicht länger bereit zu verzichten! Die falsche Bescheidenheit muß ein Ende haben! Unsere Vermieterinnen, Bäckerinnen oder Kindergärtnerinnen werden uns die Kosten auch nicht erlassen oder vermindern, nur weil wir weniger verdienen oder beim UK-SH beschäftigt sind!

Lassen wir uns nichts vormachen!
Ver.di wird alles dran setzen, Gesprächspartner des Vorstandes zu bleiben. Verbalem "Radikalismus" (nichts anders ist die Drohung mit dem Streik!) wird schon bald gewerkschaftliche Realpolitik und gewerkschaftspolitischer Realismus folgen: So wie wir den "Beschäftigungspakt" mit seinen finanziellen Einbußen für alle Teile der Belegschaft (welchen "Beitrag" und Verzicht hat eigentlich der Vorstand geleistet?) dem "Verhandlungsgeschick" zu verdanken haben, so haben wir es auch dem "Widerstand" von ver.di zu verdanken, daß es längst erste Ausgründungen gibt: Service GmbH, BIZ, ZIP.

Im 2007 mit dem Vorstand verhandelten Tarifvertrag Uniklinken Nord (TV UK-N) war z.B. die Erhöhung der Arbeitszeit auf 39 Stunden vorgesehen, gebilligt von ver.di. Ansonsten war der TV UK-N am TV-L orientiert, der uns erhebliche Verschlechterungen (nicht nur die Arbeitszeit und Öffnungsklauseln betreffend) bringen würde.

Ver.di zeigt Verhandlungsbereitschaft und Bereitschaft zu Zugeständnissen (siehe oben und auch die möglichen Schlichtungsverhandlungen), wo es unserer Meinung nach keine geben kann und darf! Seien wir auf der Hut: Nicht, daß am Ende ver.dis größte Sorge ist, eine eventuelle (und vom Land sicher geplante und von den Klinikkonzernen Rhön, Asklepios, Sana, etc. sehnlichst erwartete) Privatisierung möglichst "sozial" zu gestalten! Eine Neuauflage des "Beschäftigungspaktes" (egal unter welchem Namen dieser firmieren würde: abgesenkter TV-L, Zugeständnisse, etc.) bereitet diesem Vorhaben auf jeden Fall den Weg! Auch ein von ver.di abgeschlossener und ausgehandelter bescheidener Tarifvertrag bleibt ein bescheidener Tarifvertrag!

Überhaupt, machen wir uns nichts vor: Jedes Prozent, usw., das uns der Vorstand und das Land zugestehen werden, werden sie uns in anderer Variante wieder wegnehmen (sei es mittels Arbeitsverdichtung, evtl. Verlängerung der Arbeitszeiten, Verringerung des Urlaubsanspruches, usw.).

Aber seien wir ehrlich: Nur meckern bringt nichts. Es liegt auch an uns, wenn der Vorstand mit ver.di einen faulen Kompromiß aushandeln kann (aber seien wir mal ehrlich, welcher dieser Kompromisse ist nicht faul?)! Es liegt auch an uns, wenn es nur beim Dampfablassen bleibt! Es liegt auch an uns, wenn wir nur meckern und noch nicht einmal an einer "Aktiven Mittagspause" an einer Protestdemonstration oder an einem Warnstreik teilnehmen. Wenn wir all das zulassen, dürfen wir uns später nicht wundern! Stellen wir Kühhirt unsere, wenn auch unbequemen Fragen, lassen wir ver.di und den Vorstand wissen, daß wir klare Vorstellungen und Forderungen haben und seien wir so selbstbewußt sie auch zu äußern – auch wenn es beiden nicht passen sollte! Lassen wir beide wissen, daß wir zu keinen Zugeständnissen bereit sind und keinen faulen Kompromiß akzeptieren werden!

Vielleicht sollten wir uns auch von dem Konkurrenzdenken (Kiel-Lübeck) verabschieden: die "Sanierung" wird auf unser aller Kosten erfolgen, egal ob Kieler Kollegin oder Lübecker Kollege. Wenn wir uns gegenseitig den "schwarzen Peter" zuschieben, gehen die Energien verloren, die wir gemeinsam für unsere Zukunft besser nutzen könnten!

Verzicht hat stets zu noch mehr Verzicht geführt! Schluß mit der falschen Bescheidenheit! Schenken wird man uns nichts! Je weniger wir fordern, um so weniger werden wir erhalten! Wir kriegen nur, wofür wir kämpfen! Vertrauen wir weder dem vorstand noch ver.di! Vertrauen wir unsrer eigenen Stärke - ohne uns ist das UK-SH, ist auch ver.di nichts!

Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger, Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen, warum sollten ausgerechnet Volks- oder Arbeitervertreter aus der Art schlagen?

Einige kritische Kolleginnen und Kollegen am UK-SH, in- und außerhalb von ver.di
13. März 2008
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 10:27:34 Mo. 17.März 2008
Mal ein paar Fragen dazu:

"Einige kritische Kolleginnen und Kollegen am UK-SH, in- und außerhalb von ver.di"

Gibt es da einen Stammtisch oder ist's ein Treffen im eher privaten Rahmen?

Wurde obiger Text als Flugblatt verbreitet oder gibt es ihn nur im Internet?
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kollege1968 am 23:49:23 Mi. 19.März 2008
Moin Kuddel,

also bisher ist das eher privat und im kleinen Rahmen (Internet und wenige Exemplare), aber denke, da es z. Zt. an allen Ecken und Enden brodelt, wird sich bestimmt einiges tun. Und nur weil dies (noch?) nicht allzu sichtbar ist, heißt das noch lange nicht, daß sich nichts tut ...
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:49:13 Do. 20.März 2008
Falls Ihr Leute zum Flugblätterverteilen sucht, ließe sich da vielleicht was regeln.

Kuddel
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 19:37:29 Mo. 24.März 2008
dpa/regioline vom 24.03.2008

Kiel/Lübeck (dpa/lno) - Die Gewerkschaft ver.di hat nach einer Urabstimmung ihrer Mitglieder am Universitätsklinikum Schleswig- Holstein (UK-SH) zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Am Standort Kiel sollen alle Intensivstationen und Operationsräume sowie zentrale Einrichtungen bestreikt werden, teilte ver.di am Montag mit. In Lübeck sollen unter anderem die Beschäftigten in der Anästhesie und der Fahr- und Pflegedienst streiken. An der Urabstimmung hätten sich 82,5 Prozent der ver.di-Mitglieder beteiligt und mit 99,3 Prozent für einen Streik gestimmt. Der Streik richtet sich gegen die Privatisierungspolitik der Landesregierung und des Vorstands.

http://www.kn-online.de/artikel/2328225
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 10:45:44 Do. 27.März 2008
Kieler Nachrichten vom 27.03.2008

Streik am Uniklinikum Schleswig-Holstein geht weiter

Kiel/Lübeck (dpa/lno) - Der Streik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel und Lübeck wird heute fortgesetzt. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di werden vor allem Beschäftigte des Pflegedienstes und des Fahrdienstes im Ausstand sein. Am ersten Streiktag am Mittwoch hatten laut Gewerkschaft insgesamt mehr als 500 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Sollte der Vorstand kein neues Angebot vorlegen, werde man den Streik ausweiten, sagte ein ver.di- Sprecher. Die Streikenden fordern eine Sicherung ihrer Arbeitsplätze bis 2015 und den Verzicht auf die Privatisierung von Teilbereichen des Klinikums.

http://www.kn-online.de/artikel/2329879
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kollege1968 am 18:22:31 Do. 27.März 2008
Moin Kuddel,

was den Text angeht, so steht es jeder/m frei ihn zu verteilen, abzuändern, ihn in Umlauf zu bringen, ihn zu diskutieren, einen neuen zu schreiben. Natürlich würden sich die VerfasserInnen freuen, wenn er in Kiel und Lübeck breitere Verbreitung finden würde und sich daraus vielleicht mehr entwickeln würde. Ansonsten gehört allen streikenden KollegInnen am UK S-H unsere Solidarität.

Kollege
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20:59:32 Do. 27.März 2008
»Lieber kein Tarifvertrag als ein schlechter«
Am Uniklinikum Schleswig-Holstein hat ein Streik gegen Privatisierung und Lohnkürzung begonnen.
 Ein Gespräch mit Steffen Kühhirt

Interview: Daniel Behruzi
Steffen Kühhirt ist Leiter des Fachbereichs Gesundheit im ver.di-Landes bezirk Nord
Seit Mittwoch früh sind am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) an den beiden Standorten Kiel und Lübeck verschiedene Bereiche im Streik. Worum geht es dabei?
Wir haben an unserem ersten Streiktag in Lübeck und Kiel die OP-Pflege, Intensivstationen, Anästhesie sowie die Träger- und Fahrdienste zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Zum einen geht es dabei um die Einführung des bundesweit geltenden Tarifvertrages der Länder (TV-L), über die wir seit gut einem Jahr verhandeln. Zum anderen wollen wir die geplante Teilprivatisierung des Universitätsklinikums abwehren. Drittens fordern wir eine Beschäftigungssicherung bis 2015.
Welcher Tarifvertrag gilt derzeit im UKSH?
Der alte Flächentarif BAT, allerdings wurde dieser in den vergangenen dreieinhalb Jahren im Zuge einer Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung abgesenkt. Unter anderem wurden das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen, die Löhne um 2,5 Prozent gekürzt und die betriebliche Altersversorgung VBL verschlechtert. Jetzt wollen wir, daß im UKSH wie in allen anderen Unikliniken der Flächentarifvertrag der Länder zur Anwendung kommt.

Der TV-L beinhaltet gegenüber dem alten BAT eine Reihe von Verschlechterungen, wie den Wegfall der Sozialzuschläge, eine neue Niedriglohngruppe, keine Anerkennung der Berufserfahrung bei Arbeitgeberwechsel usw. Ist das kein Problem bei der Mobilisierung der Beschäftigten?
Überhaupt nicht, denn für die Kolleginnen und Kollegen im UKSH wäre die Einführung des TV-L eine Verbesserung. Sie haben in den vergangenen Jahren erhebliche Sanierungsbeiträge geleistet, die mit dem TV-L zurückgenommen würden. Zudem existiert der alte BAT in seiner Reinform schlicht nicht mehr.

Warum lehnen Sie die geplante Teilprivatisierung – die Ser vicebereiche sollen ausgegliedert und zu 49 Prozent verkauft werden – ab?
Wir wollen das UKSH als Ganzes erhalten. Die geplante Trennung in einen wissenschaftlichen und einen nichtwissenschaftlichen Bereich und die Zergliederung des nichtwissenschaftlichen Bereichs lehnen wir ab. Wir befürchten, daß die Teilprivatisierung der Einstieg in den Verkauf des gesamten Klinikums wäre.

Warum wäre das so schlimm?
Alle Erfahrungen mit Privatisierung sind die gleichen: Die öffentliche Hand trägt nach wie vor die vollen Kosten der öffentlichen Vorsorge und behält das Risiko im Falle der Insolvenz. Die privaten Klinikbetreiber übernehmen die profitablen Teile und begehen Tarifflucht, es folgen Lohndrückerei und Arbeitsplatzabbau.

Wie stehen die Aussichten, die Ausgliederungen per Streik zu verhindern? Rechtlich darf der Arbeitskampf ja eigentlich nicht gegen Privatisierung geführt werden.
Wir haben die Schutzzusage zur Privatisierung von Anfang an zum Teil eines Tarifpaketes gemacht. Insofern können wir dafür jetzt auch streiken. Wir wissen zwar, daß das eine unternehmerische Entscheidung ist, die man nicht tariflich gestalten kann. Dennoch halte ich es für völlig berechtigt, daß die Beschäftigten dafür kämpfen, daß das UKSH in öffentlicher Hand bleibt. Schließlich gehört es letztlich den Steuerzahlern des Landes Schleswig-Holstein und nicht dem Vorstand oder der Landesregierung, die es an die Privatwirtschaft verkaufen wollen.

Wie groß ist die Resonanz auf ihren Aufruf? Der Klinikvorstand hatte im Vorfeld behauptet, ein Großteil der OPs und Intensivstationen werde weiter besetzt sein.
Wir haben in den vergangenen Wochen sieben Warnstreiks auf die Beine gestellt, an denen insgesamt 6000 Beschäftigte beteiligt waren. Das zeigt die große Kampfbereitschaft. An der Urabstimmung über einen unbefristeten Streik haben 82,5 Prozent der ver.di-Mitglieder am UKSH teilgenommen. 99,3 Prozent von ihnen haben dafür gestimmt. Am Mittwoch haben wir den Ausstand in vier Bereichen begonnen. Wir werden das sukzessive ausweiten. Am Mittwoch hat in der Tat noch die eine oder andere Operation stattgefunden. Mit der Streikausweitung wird es aber zu deutlich mehr Ausfällen kommen.

Bund und Kommunen steuern ebenfalls auf einen Arbeitskampf zu. Im Einzelhandel wird schon seit Monaten gestreikt. Ist es geplant, die Kollegen gemeinsam zu mobilisieren?
Ausschließen möchte ich das nicht, aber es ist noch nichts in dieser Hinsicht geplant. Der Konflikt am UKSH läuft schon lange, und wir sind an einer baldigen Lösung interessiert. Es muß aber eine gute Lösung sein. Bevor wir einen schlechten Tarifvertrag unterschreiben, wollen wir lieber gar keinen.

http://www.jungewelt.de/2008/03-27/058.php
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kollege1968 am 21:07:47 Mi. 02.April 2008
Minimale 2,9 % mehr Geld (bei einer Inflation von 3,1 % ein Hohn!) und Einmalzahlungen, von denen nichts bei uns ankommen wird außer einigen lausigen Kröten. Das wiegt nicht die Nullrunden seit 2004 auf und bestimmt nicht die derzeitigen Preissteigerungen (sei es Energie, Heizkosten, Mieten, Lebensmittel, etc.). Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld in welcher Höhe? Welcher Tarifvertrag ist Basis (BAT, TV-L, TV-UKN, etc.)? Warum ist von der Arbeitszeit keine Rede? Sollte die Arbeitszeit auf 39 Stunden hochgesetzt werden, wäre das „Ergebnis“ ein noch größerer Witz!

„Beschäftigungssicherung bis 2015“ -  was von solchen „Zugeständnissen“ zu halten ist, dürfte klar sein. Unter anderen Bedingungen (z.B. neuer Druck der Politik, neue „rote“ Zahlen, etc.) wird diese „Zusage“ nichts mehr wert sein, schon gar nicht das Papier, auf dem sie nun steht. Und vor allem „Beschäftigungssicherung“ unter welchen Bedingungen: stärkere Arbeitsverdichtung, längere Arbeitszeiten, schleichender Stellenabbau, etc. ?
„Keine Ausgliederung im Kernbereich des Medizinwesens“ - d.h. Ausgliederungen sind im Rest des UK S-H möglich: z.B. im Bereich Beschaffung, FM, IT, Labore oder in der Verwaltung. Also Ausgliederung mit Segen von ver.di (wie damals Nullrunden dank des von ver.di mitgetragenen „Beschäftigungspaktes“!)?!

Warum wird der Streik gerade da ausgesetzt und warum werden gerade dann Zugeständnisse an den Vorstand gemacht, wo die Streikbereitschaft groß (größer denn je) ist? Es wäre mehr herauszuholen gewesen, wenn ver.di es gewollt hätte. Ein Teil der Kolleginnen und Kollegen hätte es gewollt und will es immer noch. Hat ver.di etwa Angst nicht länger als Verhandlungspartner anerkannt zu sein? Oder hat ver.di etwa Angst vor der wachsenden Courage der Kolleginnen und Kollegen?

Anfänglich hieß es „Was die Lokomotivführer können, können wir auch“ und „Lieber kein Tarifvertrag als ein schlechter“ (Kühhirt am 6. Februar 2008 in der LN). Diesen markigen Worten sind keine ebenbürtigen Taten gefolgt. Im Gegenteil.

Der Gewerkschaftsbonus spaltet die Belegschaft ebenso wie „differenzierte“ Löhne.

Die Sachzwänge des Vorstandes sollen uns den Mund stopfen, aber sie machen uns nicht satt! Eine wirklich günstige Variante für den Vorstand, ein Armutszeugnis für ver.di.
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: harry.hacker am 10:10:57 Mi. 09.April 2008
Lieber Kollege1968,
ich teile Deinen Unmut über das Tarifergebnis.
Leider bin ich aber auch der Meinung, dass es eben doch genau dieser Abschluss war, für den die Leute gestreikt haben...
Es war von Anfang klar, dass die Forderung nicht komplett zu erreichen waren (auch weil es ver.di primär nicht um die Abwehr von Privatisierungen geht, sondern um den Abschluss von Tarifverträgen schlechthin)...Allein schon die Tatsache, dass die Lohnforderung von der des öffentlichen Dienstes insgesamt abgekoppelt wurde fand ich bedauerlich...
Laut Tairfinfo 12/08 dient als Grundlage für den TV der TV-L. Die 2,9 % werden z. T. kaum ausreichen, die Lohnsenkungen des TV-L aufzufangen...wie sich Euer Gehalt künftig darstellt hat das Netzwerk für eine kämpferische und demokratische Ver.di sehr anschlaulich dargestellt:

http://www.netzwerk-verdi.de/16.0.html (http://www.netzwerk-verdi.de/16.0.html)

Wäre nett, wenn Du/Ihr wegen einer mgl. Mitarbeit mit mir in Kontakt treten würdest...meine e-mail ist: harry.hacker@freenet.de
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Bowie am 17:24:06 Di. 15.April 2008
hmmmm, wasndas hier alles?
Ein klassischer Gewerkschaftslinker, der versucht neue Gewerkschaftsmitglieder zu rekrutieren? Nein, ich finde das alles auch nicht so gut, aber mit diesen Kollegen war einfach nicht mehr drin!?! Jetzt werden wir gemeinsam die Gewerkschaft unterwandern und die Kollegen auf den richtigen Kurs bringen und so weiter und so fort....
So klang das schon vor 20 Jahren und so wird das auch in 20 Jahren klingen. Nur ändern wird das nix.
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: harry.hacker am 08:48:40 Do. 17.April 2008
Also, zum einen gibt es durchaus andere Gewerkschaften, als die Bestehenden...der Unterwander-Quatsch ist also gar nicht nötig...
zum anderen wäre es schön, wenn Du mal einen Gegenvorschlag machen könntest...
Die Verhältnisse zu akzeptieren scheint mir auch nicht gerade eine erfolgversprechende Strategie...andererseits zwingt Dich ja auch keiner bei diesen Überlegungen mitzumachen...ziemlich sinnfreier Beitrag insgesamt...
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: meilenstein am 16:17:03 So. 20.April 2008
Der Kollege 1968 hat mit seinen Äußerungen über die Verdi vollkommen recht, aber was bitte soll man jetzt tun???
Ich habe diesen Tarifvertrag jedenfalls nicht gewollt und dagegen gestimmt und ich kenne eigentlich niemanden der ihn wollte. Die Verdi behauptet 80% wären dafür gewesen, dass kann ich mir absolut nicht vorstellen.
Die Abstimmung wurde extra schlecht vorbereitet und am letzten Tag kursierten sogar Gerüchte das die Abstimmung unnötig sei, da die Landesregierung und der Vorstand diesen Vertrag ohnehin nicht unterzeichnen würden. Das stinkt doch alles!!! Auf der letzten Mitgliederversammlung wurden kritische Wortmeldungen unterbrochen, man wurde sogar bedroht. Eine schlecht vorbereitete Versammlung und anschließend sollte gleich abgestimmt werden. Nur über was abgestimmt werden sollte, war niemanden klar. Ich fühle mich durch die Verdi nicht vertreten und vom Personalrat in den Stich gelassen und der Vorstand scheint durch und durch korrupt zu sein.
Wer kontrollierte eigentlich diese Abstimmungen des Verdi? Eines ist klar, es gab nur einen Gewinner und das ist die Gewerkschaft selbst, durch steigende Mitgliederzahlen.
Vielleicht kann diese Seite nützlich sein um korrupte Geschichten an den Pranger zustellen.
Wir brauchen unseren eigenen Berufsverband, die Ärzte haben den Marburger Bund und kassieren ganz gut dabei.
Die Verdi braucht Konkurrenz, vielleicht kann die neu gegründete Komba diesen Part übernehmen.
Die Komba gründet am UK-SH einen eigenen Betriebsverband und wird künftig bei Tarifverhandlungen dabei sein, heißt es jedenfalls. Da sie sich erst in Gründung befindet kann man doch evtl. hoffen einiges mitzugestalten. Beim Verdi war dieses jedenfalls nicht erwünscht! Dort möchte man unter sich bleiben, genauso wie beim Personalrat.
Verdi hat uns nicht nur durch das schlechte Ergebnis geschädigt, mangelnde Information, eine schlechte Streikvorbereitung werden dazu führen das viele austreten. Warum sind wir eigentlich nicht zum Landeshaus gegangen? Nach ein bisschen Demo. Kaffee und belegten Broten sollten dann die Streikenden auf dem Sofa weiterstreiken.  Sicherlich müssen wir uns solidarisieren und vielleicht können wir hier Kontakte knüpfen.
Weiß jemand wie man einen Berufverband gründet?
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 16:47:54 Di. 06.Mai 2008
Ich hatte schon längst hier etwas schreiben wollen. Wollte noch n Foto reinstellen, aber die Kamera stellt sich quer, na und lauter solcher Ausreden....

Also, wir haben den Text von Kollege1968 genommen, Überschrift fett gemacht, http://www.chefduzen.de untergeschrieben und ausgedruckt. Im Copyshop 40 Plakate von gemacht. Es war nur ein paar Tage nachdem der Text hier im Forum veröffentlicht hat, also brandaktuell. Wir waren dann auf dem Gelände der Kieler Unikliniken und haben zu zweit auf dem gesamten Gelände plakatiert. Hat kaum 20 Minuten gedauert und war ein Mordsspaß. Man kommt an den Plakaten einfach nicht vorbei. Hat wohl mehr gebracht, als ein paartausend Flugblätter zu verteilen. Die Plakate sind wochenlang hängengebleiben. Nur das Plakat vor der Tür vom Personalrat war sofort abgepult worden.

Auf der Maidemo dann nen alten Bekannten getroffen, der damals in der Linken Szene unterwegs war, und sich jetzt bei Verdi an den Unikliniken engagiert. Der war ordentlich gepestet von dem Plakat. Er sagte, die Kollegen wären nach dem Abschluß ziemlich über verdi hergezogen, und sie hätten durchweg argumentiert, wie Kollege1968. Er sagte, es sei halt die einzige Möglichkeit mit einer Gewerkschaft zu kämpfen. Ich erzählte von einem einwöchigen Bummelstreik am Städtischen Krankenhaus Kiel und einer Großdemo des Personals, die völlig an der Gewerkschaft vorbei organisiert waren, un am Ende sorgar erfolgreich.

Das war lange her. "Das waren andere Zeiten!", sagte mein Bekannter. Schon wahr, doch halte ich die Zeiten heute für so etwas keineswegs schlechter. Damals wehte uns auch ein strenger Wind entgegen. Man hielt uns für verrückt, sowas zu versuchen. Der Verdiaktivist will nun zum nächsten Chefduzen Stammtisch kommen.
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 20:01:49 Sa. 17.Mai 2008
Der Verdi Kollege ist zum Stammtisch dann doch nicht aufgetaucht. Dafür aber einer aus dem Städtischen Krankenhaus, der bei den gewerkschaftsunabhängigen Aktivitäten, die ich oben erwähnte, sehr aktiv war. Ich muß nochmal einen nachschieben dazu: Es war damals eine andere Zeit, die alles andere, als offen für unsere Pläne war. Man nannte Arbeiter einfach "Zombies", die ja freiwillig ein Leben mit Ausbeutung und Bildzeitung fristeten. "Klassenkampf" gab es angeblich nicht mehr. Deshalb erfanden die Autonomen den Begriff "Politische Klasse". Auf der einen Seite gab es Bonzen, Militärs, Politiker und auf der anderen Seite die Revoluzzer. Ein Proletariat kam in dem Denken einfach nicht vor.

Das sieht heute ganz anders aus. Die soziale Frage stellt sich heute  zwangsläufig, Ausbeutung ist für jeden spürbar und nicht nur etwas aus verstaubten Büchern.

Deshalb erstaunt es wenig, wenn einige Autonome von früher mit etwas Verspätung die "Klasse" wiederentdeckt haben. So hat man sich auch bei AVANTI dem Konflikt bei den Unikliniken SH entdeckt:
http://www.avanti-projekt.de/p_antikap/pdf/UKSH_071123.pdf
Das Flugblatt ist nicht schlecht.
Ihnen waren die Möglichkeiten (bzw. die Erfahrungen) einer unabhängigen Organisation betrieblicher Kämpfe wohl nicht bekannt, so versuchten sie es mit/bei verdi. Sie wunderten sich dann ein wenig von verdi bei den Verhandlungen über den Tisch gezogen worden zu sein. Aber sie machten dann noch ein AVANTI Flugblatt (das nicht auf der Website zu finden ist und ich hab es gerade nicht parat) und sie versuchten den Abschluß darin noch schönzureden. Sorry, das ist wirklich erbärmlich. Ich traf einige Tage später noch einen AVANTI Aktivisten. Mit dem hab ich mich dann auch gleich gestritten. Er sah es als kleinen Sieg, daß man die Privatisierung zurückgeschlagen hat, da muß man die Arbeitszeitverlängerung schon schlucken. Sorry, das ist mir einfach zu doof.
1.) war die Kampfbereitschaft groß und wurde nicht genutzt!
2.) Ist es eine billige Masche von Arbeitgeberseite 2 Schweinerein anzukündigen. Wenn sie eine davon durchsetzen gibt's noch von der Gewerkschaftseite Applaus, weil sie ja die andere glorreich verhindert haben.


Ich werde mich nochmal zum Thema außern, hoffe aber, daß sich zwischendurch auch mal wieder jemand aus den Belegschaften aus Lübeck oder Kiel zu Wort meldet.
Titel: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 20:44:00 Do. 17.Juli 2008
Hier mal nachträglich ein Foto von unserer Plakataktion...

 (http://[url=http://www.abload.de/image.php?img=dafuer5k8.jpg][img]http://www.abload.de/img/dafuer5k8.jpg)[/url][/IMG]
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 10:54:58 Sa. 21.November 2009
Zitat
UKSH: Am Montag soll über den Verkauf entschieden werden

Lübeck - Überraschend schnell soll jetzt der Teilverkauf der Service GmbH und der IT-Abteilung am Uniklinikum (UKSH) über die Bühne gehen. Die Personalräte protestieren.


Bei den Personalräten herrscht Alarmstufe rot. In sechs Tagen sollen Teile des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) privatisiert werden. Betroffen davon sind insgesamt 1600 Beschäftigte.

„Es geht nur darum, 2010 eine schwarze Null zu schreiben“, kritisiert Personalrat Burkhard Heinrich. Seiner Ansicht nach soll „mit einem Einmaleffekt die Bilanz des UKSH verschönert werden“. Denn durch den Verkauf von 49 Prozent der Anteile der Service GmbH erhofft sich der UKSH-Vorstand fünf Millionen Euro an Einnahmen, die bereits in den Wirtschaftsplan eingestellt sind. Der Anteilsverkauf der IT-Abteilung soll ebenfalls noch einmal mehrere Millionen Euro in die Kassen spülen. Damit könnte das UKSH aus den roten Zahlen kommen. 2008 hatte das Uniklinikum noch 8,5 Millionen Euro Miese eingefahren. UKSH-Sprecher Oliver Grieve wehrt sich gegen den Vorwurf der schnöden Bilanzverbesserung: „Es wird eine nachhaltige Ergebnisverbesserung geben.“ Der Gewinn werde für das UKSH und die Mitarbeiter da sein.

Ver.di-Gewerkschaftssekretär Steffen Kühhirt glaubt das nicht und legt nach. „Das Verfahren ist unglaubwürdig.“ Zwar beteuere der Vorstand, dass er die Mitarbeiter des UKSH nicht verlieren wolle, dabei habe er bis vor kurzem aber Tarifverhandlungen zur Sicherung der Arbeitsplätze abgelehnt. Erst morgen hat er ein Gespräch mit Vorstandschef Professor Jens Scholz.

Kühhirt fürchtet, dass nach einem Teilverkauf die Beschäftigten zu „Billiglöhnen“ arbeiten müssen. Zwar nicht sofort, sondern nach Ablauf einer Frist. Die geplanten Verträge sehen vor, dass die betroffenen Mitarbeiter zwar zunächst beim UKSH verbleiben, sie aber an die neuen Firmen ausgeliehen werden. Dieser Personalgestellungsvertrag ist auf fünf Jahre befristet. Danach ist die Zukunft der Beschäftigten offen.

Deshalb machen die Arbeitnehmervertreter jetzt mobil. Bei einer Personalversammlung auf dem Lübecker Campus gestern im Transitorium wurden die Beschäftigten informiert, morgen gibt es in Kiel ebenfalls eine Veranstaltung.

Die Personalräte rufen zu einer aktiven Mittagspause am Montag zwischen 12 und 13 Uhr auf. Sie wollen eine Absicherung der Beschäftigten bis zur Rente, ein Rückkehrrecht ans UKSH und einen Tarifvertrag. Bis diese Dinge nicht geklärt sind, heißt die Forderung von Personalrat Heinrich an die Aufsichtsräte: dem Teilverkauf nicht zustimmen.

Der Aufsichtsrat des UKSH tagt am Montag, 16. November, um 17 Uhr in der Brunswiker Straße 10 in Kiel. Auf der Tagesordnung steht die Teilprivatisierung der Service GmbH und der IT-Abteilung. Sie soll in zwei Firmen umgewandelt werden: in „UK-SH Gf IT GmbH“ und in „UK-SH IT GmbH“. In der einen Gesellschaften werden die Sachwerte wie Computer eingebracht, in der anderen die Beschäftigten. Und es soll einen Managementvertrag für die Medizintechnik geben. Das heißt: Die Führungsebene wird von einer externen Firma gestellt, die Mitarbeiter bleiben beim UKSH.
Von Josephine von Zastrow
http://www.ln-online.de/regional/2688371 (http://www.ln-online.de/regional/2688371)


Zitat
UKSH-Mitarbeiter demonstrieren gegen Teilprivatisierung

Lübeck - Aufstand der Klinik-Mitarbeiter: Mehr als 150 Beschäftigte des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) demonstrierten heute vor dem Zentralklinikum am Campus Lübeck gegen die Teilprivatisierung.


Betroffen von dem Teilverkauf sind 1600 Mitarbeiter des UKSH, dem größte Arbeitgeber des Landes. „Der Private bringt seine eigenen Löhne mit“, fasst Ver.di-Gewerkschaftssekretär Steffen Kühhirt die Befürchtungen der Mitarbeiter zusammen.

Personalrat Burkhard Heinrich: „ Der Verkauf dient nur dazu, am 30. Juni 2010 eine schwarze Null in die Bilanz schreiben zu können.“ Er kritisiert, dass es der verkauf nur ein Einmaleffekt bedeutet, es aber keine langfristige Wirtschaftlichkeitsberechnung gibt. „Der Steuerzahler wird weiter Geld in das UKSH pumpen müssen.“

Die erst 2005 ausgegründete Service GmBH, eine 100 prozentige Tochter des UKSH, soll zu 49 Prozent verkauft werden. Auch die IT-Abteilung soll zu 49 Prozent veräußert werden - und die Medizintechnik am UKSH bekommt einen Managementvertrag mit einem privaten Unternehmen. Heute um 17 Uhr entscheidet der Aufsichtsrat des UKSH über die Teilprivatisierung. jvz
http://www.ln-online.de/regional/2691053 (http://www.ln-online.de/regional/2691053)

Zitat
Jansen: Schwarzer Tag für UKSH-Beschäftigte

Antje Jansen, Lübecker Abgeordnete der Linken im Kieler Landtag, zeigt sich über die Teilprivatisierungen an der Uniklinik empört: "Ich bin enttäuscht und wütend ­ mit einem Federstrich, werden 60 Arbeitsplätze abgebaut."


Antje Jansen geht davon aus, dass diese Teilprivatisierung der erste Schritt ist, um weitere Privatisierungen im Bereich UKSH voranzutreiben. "Hier wird ein weiteres Mal dem Lohndumping Tür und Hof geöffnet, was nicht nur auf Kosten der Beschäftigten geht. Auch die Bevölkerung wird unter schlechteren Standards in der medizinischen Versorgung leiden; Gesundheit verkommt zur Ware."

"Was hier von der CDU/FDP Koalition betrieben wird ist destruktiv, unsolidarisch und ohne Fingerspitzengefühl. Kurzum: Politik mit der Brechstange. Das haben die WählerInnen sicherlich nicht gewollt", resümiert Antje Jansen.
Antje Jansen spricht bei den Privatisierungen an der Uniklinik von Politik mit der Brechstange.   
http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=57042 (http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=57042)


Zitat
Verkauf - Aufsichtsrat des UKSH stimmt Teilprivatisierung zu
17.11.09
In den zum Verkauf stehenden Bereichen sind 650 Menschen beschäftigt, wie ein Sprecher auf ddp-Anfrage sagte Weil das UK S-H 51%Prozent der Anteile an den neuen Gesellschaften halte, seien die Mitarbeiter tariflich abgesichert.Die Beschäftigten der betroffenen Bereiche wie Küche, Technik und Gärtnerei hatten am Montag im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung gegen die Pläne protestiert Befürchtet werden Gehaltseinbußen und der Abbau von Arbeitsplätzen. Der Aufsichtsrat des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H) hat am späten Montagabend der geplanten Teilprivatisierung zugestimmt. Das Gremium billigte mehrheitlich die Vorstandspläne zum Verkauf von 49 Prozent der Anteile an der UK S-H Service GmbH und der IT-Abteilung für einen Zeitraum von fünf Jahren, wie das UK S-H in Kiel mitteilte. Neben Erlösen in Millionenhöhe erwartet das Klinikum durch einen Verkauf der Anteile Einsparungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro.

In den zum Verkauf stehenden Bereichen sind 650 Menschen beschäftigt, wie ein Sprecher auf ddp-Anfrage sagte. Weil das UK S-H 51%Prozent der Anteile an den neuen Gesellschaften halte, seien die Mitarbeiter tariflich abgesichert.

Die Beschäftigten der betroffenen Bereiche wie Küche, Technik und Gärtnerei hatten am Montag im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung gegen die Pläne protestiert. Befürchtet werden Gehaltseinbußen und der Abbau von Arbeitsplätzen. Den Verkaufsplänen müssen noch das Wirtschafts- und das Finanzministerium zustimmen. Das UK S-H beschäftigt an den beiden Standorten Kiel und Lübeck insgesamt 10 000 Menschen.

ddp/akl/muc

Url zum Artikel: http://www.ad-hoc-news.de/verkauf-aufsichtsrat-des-uksh-stimmt-teilprivatisierung-zu--/de/Politik/20713448 (http://www.ad-hoc-news.de/verkauf-aufsichtsrat-des-uksh-stimmt-teilprivatisierung-zu--/de/Politik/20713448)

Zitat
Linke strikt gegen Privatisierungen an der Uniklinik

Der geplante Verkauf der Service GmbH des UKSH empört die Linke, die einen Verkauf strikt ablehnt und die anderen Parteien ermahnt bei ihren Wahlaussagen zur UKSH zu bleiben. Am Montag entscheidet der Vorstand der Klinik über die Teilprivatisierung.

"Alle Parteien haben sich im Wahlkampf klar gegen die Privatisierung positioniert. Das fordern wir nun auch ein. Die Situation hat sich nach der Wahl nicht geändert, ein Umschwenken auf einen Privatisierungskurs ist damit nicht zu erklären. Es sein denn, es waren nur Lippenbekenntnisse der Politiker der anderen Parteien", empört sich Antje Jansen, Landtagsabgeordnete der Linken und gesundheitspolitische Sprecherin ihr Fraktion. "Wir bleiben bei unserem Wort und lehnen die Privatisierung ab. Wir spielen nicht mit den gerechten Forderungen der Beschäftigten", stellt Antje Jansen klar.

Bürgerschaftsmitglied Silke Thom solidarisiert sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen, "das ist nicht nur die Sache der Mitarbeiter der Service GmbH, sondern aller Beschäftigten im UKSH." Die Linke lehne Beschäftigungen im Billiglohnsektor zu Dumpinglöhnen ab. "Wir fordern die Einhaltung der Tarifverträge für die Beschäftigten. Ein mögliches Ausleihen der Beschäftigten auch an andere Bereiche der neuen Firma ist eine Sauerei. Hier soll offensichtlich nicht nur der Betrieb privatisiert werden, sondern die Beschäftigten werden regelrecht verkauft. Das ist nicht mehr hinnehmbar", meint Silke Thom
http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=56985 (http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=56985)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18:56:08 Mi. 26.Mai 2010
Zitat
Lübeck: Protest gegen Uniklinik-Privatisierung

Am Dienstag gingen in Lübeck mehr als 1.000 Klinikangestellte und Studenten auf die Straße und protestierten gegen die Pläne der Landesregierung, das Uniklinikum Schleswig-Holstein auf die Privatisierung vorzubereiten und in Zukunft keine Mediziner mehr auszubilden. Zum Protest aufgerufen hatten die Gewerkschaft Verdi und die Studentenvertretung der Uni Lübeck. Das Klinikum beschäftigt insgesamt 10.000 Menschen.
http://www.rf-news.de/2010/kw21/26.05.10-luebeck-protest-gegen-privatisierung-der-uniklinik (http://www.rf-news.de/2010/kw21/26.05.10-luebeck-protest-gegen-privatisierung-der-uniklinik)


Zitat
Weiterbildung in Lübeck
Land will Mediziner-Ausbildung in Lübeck stoppen
Am Dienstag hat die Landesregierung ihr Sparpaket veröffentlicht: Die Uni Lübeck soll in Zukunft keine Mediziner mehr ausbilden, die Uniklinik auf ihre Privatisierung vorbereitet werden. Am Nachmittag gingen weit über 1000 Lübecker dagegen auf die Straße.

(http://www.hl-live.de/aktuell/bilder/uni250510grSDIM4055.jpg)

"Das Medizinstudium wird aufgrund der begrenzten Ressourcen bei der Förderung exzellenter Forschung und Lehre nach Kiel verlagert", fordert die Haushaltsstrukturkommission der Landesregierung. "Das Studienplatzangebot für Mediziner ist in Schleswig-Holstein überproportional groß gemessen an der Zahl der Studienplätze insgesamt. Ab dem Wintersemester 2011/12 werden deshalb keine neuen Studienanfänger für Medizin in Lübeck immatrikuliert. Wesentliche Haushaltsentlastungen treten ab 2015 mit ca. 24 Millionen Euro und ab 2018 mit ca. 26 Millionen Euro ein. Das Gesamtvolumen bis 2020 beträgt rund 150 Millionen Euro."

Das Präsidium der Universität Lübeck fährt am Mittwoch zur Landesregierung, um über die Planungen zu sprechen. In Lübeck hofft man, dass sich das Ergebnis noch im Rahmen der Diskussionen in den Fraktionen ändern kann. Am Donnerstag will man sich offiziell auf einer Pressekonferenz äußern. Zur Zeit wird ungefähr die Hälfte der 2600 Studenten an der Uni Lübeck in Medizin ausgebildet.

Gleichzeitig soll die Uniklinik auf die Privatisierung vorbereitet werden. "Vor dem Hintergrund der geltenden Vereinbarung zwischen dem UK S-H, dem Land und ver.di werden die rechtlichen Möglichkeiten geprüft und eine materielle Privatisierung des UK S-H vorbereitet", so die Kommission. Der Sanierungsstau in Höhe von einer Milliarde Euro soll von einem privaten Investor beseitigt werden.
(http://www.hl-live.de/aktuell/bilder/uni250510neuSDIM4045.jpg)
http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=61281 (http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=61281)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 21:34:25 Sa. 09.Oktober 2010
Zitat
Uniklinik Schleswig-Holstein
Krankenhaus im Wachkoma
Eigentlich wollte die Kieler Landesregierung Ende August klarstellen, was aus dem defizitären landeseigenen Universitätsklinikum wird. Die Entscheidung wurde aber noch einmal vertagt, die erwartete Privatisierung scheint inzwischen nicht mehr so zwingend.
von Dirk Schnack

Rauf auf die Tagesordnung - und kurzfristig wieder runter: Die Zukunft des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H) ist wieder einmal vertagt worden. Eigentlich sollte die jüngste Kabinettssitzung der Kieler Landesregierung Klarheit darüber bringen, ob, wann und wie das Klinikum privatisiert wird. Doch an der Küste geht das Rätselraten weiter. Wie will man schwarze Zahlen schreiben und vor allem: Wie soll der immense Investitionsstau abgebaut werden?
Fest steht derzeit nur, dass das Land nicht das Geld hat, das defizitäre Uniklinikum wirtschaftlich zu machen, etwa zur Instandsetzung maroder Gebäude und für Neubauten, um eine über Jahrzehnte gewachsene Infrastruktur aufzubrechen. Derzeit gibt die Kieler Klinik viel aus, etwa für den Transport von Patienten und Laborproben, weil die weiten Wege von einem Klinikgebäude zum nächsten dies erfordern.

Das war anderswo lange nicht anders, in Greifswald zum Beispiel. Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein hat die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern sich aber vor Jahren zu einem Neubau entschlossen und in Greifswald ein modernes Uniklinikum errichten lassen, ohne lange Transportwege. Die Folge ist ein wirtschaftlich geführtes Haus, das nicht am Tropf der Landeskasse hängt.

Klinikkonzerne scharren mit den Hufen

Es ist kein Geheimnis, dass wichtige Vertreter der Landesregierung Schleswig-Holstein lieber heute als morgen privatisieren möchten, um das Risiko weiterer Verluste zu vermeiden. Fest steht auch: Das Who's who der privaten deutschen Klinikkonzerne steht bereit, um den Norddeutschen aus der Klemme zu helfen. Das Universitätsklinikum mit den Standorten in Kiel und Lübeck würde bestens in das Portfolio von Rhön, Helios, Sana und Co. passen. Rhön-Chef Wolfgang Pföhler sagt: "Wenn das Land das Klinikum verkaufen möchte, könnten wir uns vorstellen, in eine Prüfung einzutreten." Er verweist auf eine Kapitalerhöhung vom vergangenen Jahr, die seinen Konzern in die Lage versetzt hat, nach Gießen/Marburg eine weitere Uniklinik zu übernehmen. "Wir haben auch die Umstrukturierungsexpertise und die Erfahrung", wirbt Pföhler.
Bei Helios mag man sich derzeit an Spekulationen zur Übernahme des UK S-H nicht beteiligen, obwohl der Konzern im Norden immer wieder als Interessent genannt wird. Helios-Chef Francesco de Meo hat mit Äußerungen in der Lokalpresse selbst dafür gesorgt. Auch Sana macht kein Geheimnis daraus, dass Universitätskliniken für das Unternehmen grundsätzlich interessant sind.

Verdi fürchtet Tarifbruch

Derzeit wird spekuliert, wann das Land das für eine Privatisierung erforderliche Interessenbekundungsverfahren auf den Weg bringt. Größtes Hindernis ist eine selbst gemachte Zusage. Nach Meinung vieler Beschäftigter und der Gewerkschaft Verdi wäre eine Privatisierung ein Tarifbruch. Steffen Kühhirt, Landesfachbereichsleiter der Gewerkschaft im Norden, verweist auf Zusagen der Landesregierung, bis 2015 weder zu privatisieren noch zu kündigen. Dafür haben die Beschäftigten seit Beginn der Sanierungsphase im Jahr 2005 auf insgesamt rund 100 Mio. Euro verzichtet. "Wir würden juristisch und politisch gegen einen solchen Tarifbruch vorgehen. Das Land muss sich an selbst unterzeichnete Verträge halten", fordert Kühhirt.

Er wirft den Politikern vor, in Sachen UK S-H jahrelang und parteiübergreifend die Hausaufgaben nicht gemacht und die Mittel für die erforderlichen Investitionen nicht bewilligt zu haben. Zugleich verweist er auf das Signal, das von einer Privatisierung des einzigen Maximalversorgers im ganzen Bundesland ausgehen würde: Die jetzt noch ausgewogene Mischung zwischen privaten, öffentlichen und freigemeinnützigen Trägern wäre in Gefahr, weil nach der UK-S-H-Privatisierung auch die anderen öffentlichen Träger wohl nicht länger mit dem Verkauf ihrer Kliniken zögern würden, vermutet Kühhirt.

Als Gewerkschaftler ist Kühhirt gegen Privatisierung, weil er Arbeitsplatzabbau, Mehrarbeit und weitere schlechtere Konditionen für die Beschäftigten fürchtet. Bestätigt sieht er sich durch Erfahrungen etwa in der Übernahme des früheren Landesbetriebs Krankenhäuser in Hamburg durch Asklepios. Auch die Konditionen für die Beschäftigten nach der Privatisierung von Gießen und Marburg stellen ihn nicht zufrieden: "Da hat Rhön kein Glanzstück hingelegt." Helios und Sana dagegen bescheinigt er faire Bedingungen in den Tarifverträgen und in der Mitbestimmung.

Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) sieht dagegen auch Chancen in einer Privatisierung. "Mit privatem Kapital kann der Geldmangel für Investitionen zeitweilig überbrückt werden. Diese Problematik ist in Schleswig-Holstein evident", sagt VUD-Generalsekretär Rüdiger Strehl. Eine Privatisierung könnte aus seiner Sicht die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit deutlich erhöhen - nach innen gegenüber Klinikleitern und nach außen gegenüber der Ministerialebene.

Strehl warnt aber zugleich vor den Risiken. Etwa, wenn die Privatisierung nicht radikal genug vollzogen wird, sprich bei einer privaten Beteiligung: "Jeder Partner eines privaten Investors muss sich im Klaren darüber sein, dass für Kapitaldienste und Renditeerwartungen zwischen zehn und 15 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden müssen." Dies setze eine Unternehmensführung voraus, die die Krankenversorgung berühren und negative Auswirkungen auf Forschung und Lehre haben könnte. Gerade in Schleswig-Holstein, wo zwei Universitäten, zwei Fakultäten und die Interventionsmöglichkeit des Ministeriums eine straffe Führung erschweren, könnte Halbherzigkeit die Wirkung einer Privatisierung rasch behindern.

Alternativkonzept: Teilprivatisierung

Dennoch verfolgt der derzeitige UK-S-H-Vorstand um den Anästhesisten Jens Scholz ein unter Verschluss gehaltenes Alternativkonzept. Damit soll eine Übernahme verhindert, aber die Beteiligung privater Firmen zugelassen werden. Mithilfe des privaten Kapitals soll die Infrastruktur so verbessert werden, dass ein wirtschaftlicher Betrieb möglich wird. Im Gegenzug wären aus den Ergebnissen die Renditeerwartungen der privaten Geldgeber zu bedienen.

Für das Konzept spricht, dass die Renditeerwartungen des Klinikums sich auf mittlere Sicht verbessern. Derzeit bekommen die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich noch die niedrigste Vergütung. Die Preise für Klinikleistungen werden aber nach und nach angeglichen, sodass auch das UK S-H bessere Erlöse erzielen wird.

Mit einer Privatisierung würde das Land nicht alle Kosten los


Warum also sollte noch privatisiert und damit gegen geltende Tarifverträge verstoßen werden, zumal, da schwarze Zahlen auch unter eigener Regie möglich scheinen? Dies fragen sich derzeit offenbar auch einige Politiker in der Landesregierung. Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU), der sich noch vor wenigen Wochen dafür ausgesprochen hatte, eine Privatisierung vor 2015 zu prüfen, wollte dies jetzt nicht mehr bestätigen.

Bei der Privatisierungsdebatte wird häufig ausgeblendet, dass das Land auch nach einem Verkauf weiter Geld aufbringen muss. Denn für Forschung und Lehre bliebe es in der Pflicht - immerhin mit einem dreistelligen Millionenbetrag jährlich. Kühhirt zeigt Sympathien für die Alternative aus dem Klinikvorstand, vermutet aber, dass die Landesregierung die Privatisierung vorzieht.
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/gesundheitswirtschaft/:uniklinik-schleswig-holstein-krankenhaus-im-wachkoma/50170419.html (http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/gesundheitswirtschaft/:uniklinik-schleswig-holstein-krankenhaus-im-wachkoma/50170419.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 14:14:04 Mi. 06.April 2011
Zitat
Uni-Klinikum:
Streik ist nicht mehr ausgeschlossen

Kiel - Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist im Umbruch: Jetzt verhandeln ver.di und das UKSH über Lohnerhöhungen, die ver.di-Forderung liegt bei sieben Prozent. Ein Streik der UKSH-Pflegekräfte wird nicht ausgeschlossen.


Ein Streik der UKSH-Pflegekräfte werde bei ver.di nicht ausgeschlossen, wenn die Verhandlungen ins Leere laufen, erklärte die Fachbereichsleiterin Eva Schleifenbaum.

Unberührt von dem Ende des Vertrages bleibt die Vereinbarung, dass das  UKSH nicht vor 2015 privatisiert werden soll. Derzeit aber läuft das Markterkundungsverfahren, in dem ausgelotet werden soll, ob private Investoren sich für das fusionierte Klinikum interessieren und wie man die Bausubstanz trotz leerer öffentlicher Kassen mit erneuern oder ersetzen kann. Denn der Bauzustand in einigen Kliniken ist teilweise so, dass die Patientenversorgung tangiert zu werden droht.

Auch deshalb hatten Klinikdirektoren in den vergangenen Wochen aus Kiel und Lübeck bei Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) Alarm geschlagen. An einer vorderen Stelle der Forderungen, die von Ministerium, UKSH-Vorstand, Klinikchefs und den Mitarbeitern getragen werden, steht ein Zentralklinikum in Kiel.

Im Personalrat heißt es, die „Mitarbeiter gingen zum Teil auf dem Zahnfleisch“, einig ist man sich aber auf allen Ebenen, dass die Patientenversorgung aktuell noch gewährleistet sei. Bei einem Runden Tisch  mit Klinikdirektoren, den Staatssekretären für Wissenschaft, Gesundheit und Finanzen sowie Vertretern der Medizinischen Fakultäten Kiels und Lübecks forderten die Klinikchefs deutlich langfristige Planungssicherheit, um die Versorgung auch weiter sichern zu können.
http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/landespolitik/226001-Uni-Klinikum-Streik-ist-nicht-mehr-ausgeschlossen.html (http://www.kn-online.de/schleswig_holstein/landespolitik/226001-Uni-Klinikum-Streik-ist-nicht-mehr-ausgeschlossen.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 19:41:28 Do. 10.Mai 2012
Zitat
Ganztägiger Streik am Uniklinikum

Die Gewerkschaft Ver.di hat für Donnerstag zu einem ganztägigen Warnstreik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) aufgerufen. Betroffen seien die beiden Standorte Lübeck und Kiel, teilte Ver.di am Dienstag mit. In der laufenden Tarifauseinandersetzung will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen - einen Tag bevor die Tarifverhandlungen am Freitag in Lübeck in der 5. Verhandlungsrunde fortgesetzt werden. Ver.di fordert für die rund 6500 Klinikbeschäftigten wie Krankenschwestern, Pfleger und Verwaltungskräfte sieben Prozent mehr Lohn und höhere Schichtzulagen. Zudem sollen Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit vergütet werden. Die Arbeitgeber hätten 2,7 Prozent mehr Lohn angeboten, für 2013 dann einen Betrag in "nennenswerter Höhe" und für 2014 eine Steigerung um 1,4 Prozent. Vom Warnstreik seien alle Bereiche und Stationen des Klinikums sowie die Tochtergesellschaften und die Betriebskindergärten betroffen, hieß es. In Kiel beginnt der Streik um 5.45 Uhr, in Lübeck um 6 Uhr.
http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article106274755/Ganztaegiger-Streik-am-Uniklinikum.html (http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article106274755/Ganztaegiger-Streik-am-Uniklinikum.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 20:12:32 Do. 17.Juli 2014
Zitat
An der Uni-Klinik droht ein Streik

Wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) mitteilt, hat am Dienstag die große Tarifkommission einstimmig beschlossen, das Scheitern der Verhandlungen zu erklären und die Urabstimmung im UK SH einzuleiten, nachdem gestern die 4. Verhandlungsrunde am UK SH nach einer Stunde ohne Ergebnis beendet wurde.

Damit wird die Grundlage für unbefristete Arbeitskampfmaßnahmen geschaffen. Die Urabstimmung findet vom 28. bis zum 30. Juli 2014 statt. Sollten sich mehr als 75 Prozent der ver.di Mitglieder dabei für einen Arbeitskampf entscheiden, sind dann unbefristete Streiks möglich.

"Die Arbeitgeber haben die Chance vertan, diesen Tarifvertrag vor dem Sommer in trockene Tücher zu bringen und zwingen uns nun auf diesen Weg", so Steffen Kühhirt, Verhandlungsführer von ver.di Nord.

"Wer in vier Verhandlungsrunden zu keinem Kompromiss bereit ist, muss sich gefallen lassen, dass nun auch die Beschäftigten die Samthandschuhe ablegen", so Kühhirt weiter.

Das Ergebnis der Urabstimmung wird am 31. Juli bekannt gegeben.

ver.di Nord fordert:
- Vollumfängliche Übernahme des Tarifergebnisses TVÖD 2014 / 2015
- 30 Tage Urlaub für alle
- Belastbare Regelung der Auszubildenden nach erfolgreicher Ausbildung
- Mehrjährige Beschäftigungssicherung für bedrohte Bereiche (FM).

(http://www.hl-live.de/aktuell/bilder/uksh140714auf.jpg)
http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=92730 (http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=92730)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 17:53:35 Do. 31.Juli 2014
Zitat
UKSH-Mitarbeiter stimmen für Streik

Mitarbeiter des Universitätsklinikums in Kiel und Lübeck stimmten in einer Urabstimmung für den Streik.


Dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein drohen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi "ab sofort" Streiks. Bei der Urabstimmung hätten rund 97,6 Prozent der Mitglieder für Arbeitsniederlegungen gestimmt, teilte Verdi-Sprecher Frank Schischefsky nach dem Auszählen der Stimmen mit. Nähere Angaben über die geplanten Arbeitskampfmaßnahmen machte der Gewerkschaftssprecher zunächst nicht. Gestern hatte der Aufsichtsrat des UKSH beschlossen, dass die Klinik in den Flächentarifvertrag der Länder zurückkehren soll. Bisher gilt ein Haustarifvertrag, der von Verdi als völlig unzureichend kritisiert wird.

Ver.di empört über Landesregierung

Über die Entscheidung des Aufsichtsrats, in dem Vertreter der Landesregierung sitzen, ist Ver.di empört. Die Gewerkschaft fühlt sich von der SPD-geführten Landesregierung hintergangen. Sie wirft ihr Einmischung in die Tarifautonomie vor. "Das ist ein Tabubruch, den ich einer sozialdemokratisch geführten Landesregierung nicht zugetraut hätte", sagte Schischefsky. Mit Verdi sei darüber nicht gesprochen worden. Er bezweifelte, dass nach dem Wechsel des Tarifsvertrags ein Streik nicht mehr zulässig sein soll. Es sei etwa noch völlig unklar, ob in Zukunft auch für die knapp 2.700 Beschäftigten in den Tochter- und Service-Unternehmen des UKSH die Arbeitsbedingungen des Flächentarifvertrags der Länder gelten sollen, sagte Schischefsky.
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/UKSH-Mitarbeiter-stimmen-fuer-Streik,uksh222.html (https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/UKSH-Mitarbeiter-stimmen-fuer-Streik,uksh222.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 19:58:03 Mo. 04.August 2014
Zitat
Streik an der Uni-Klinik
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) ruft am Dienstag, 5. August 2014, zu einem Streik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein auf. Betroffen sind die Standorte Kiel und Lübeck.


Zusätzlich wird es unter dem Motto " Wir schäumen vor Wut", eine Demonstration und Protestkundgebung gegen das Handeln der Landesregierung geben. Betroffen von der Arbeitsniederlegung sind die Schichten vom Frühdienst bis zur Spätschicht. Der Nachtdienst ist nicht betroffen. Die Streikenden aus Kiel und Lübeck treffen sich zu einem Streikfrühstück im Legienhof.

"Das ist die erste Reaktion auf die Art und Weise wie das UK-SH und die Landesregierung mit der laufenden Tarifrunde umgehen. Kein Einigungswille, Tarifdiktat, Einmischung in die Tarifautonomie durch die Regierung von Ministerpräsident Albig und das alles von langer Hand vorbereitet, dass sind Gründe genug, auch in der Sommerpause vor das Landeshaus zu marschieren, so Frank Schischefsky, Sprecher von ver.di Nord.

"Es kann durch die Streiks zu erheblichen Einschränkungen im Regelbetrieb des UK-SH kommen. Es kann auch zu Verschiebungen von Terminen kommen. Klar ist, es gibt Notdienstvereinbarungen und durch einen Arbeitskampf wird kein Mensch zu Schaden kommen", so Schischefsk weiter.

Die Protestveranstaltung beginnt um 11 Uhr vor dem Kieler Gewerkschaftshaus. Ein Demozug wird sich dann in Richtung Landeshaus in Bewegung setzen, der dort mit einer kurzen Kundgebung enden wird.
http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=93044 (http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=93044)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 19:56:37 Sa. 27.September 2014
Mal eben den Arbeitgeberverband wechseln und damit einen Streik aushebeln, das klingt so wie wenn der Verkäufer nach einem Einkauf mal eben die AGB ohne zu fragen wechselt und dann höhere Versandkosten reklamiert.

ver.di hat angeblich so etwas “von einer sozialdemokratischen Landesregierung nie erwartet”. Näher an der Wahrheit wäre wohl eher, dass man genau so etwas insbesondere von einer SPD-Regierung erwarten muss.

http://kielkontrovers.wordpress.com/2014/08/07/uksh-das-spd-ei/ (http://kielkontrovers.wordpress.com/2014/08/07/uksh-das-spd-ei/)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 17:48:30 Fr. 06.Februar 2015
Zitat
Kiel und Lübeck : Uniklinik kündigt 1000 Krankenschwestern
vom 5. Dezember 2014
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Verträge des UKSH mit dem Roten Kreuz werden 2016 nicht verlängert. 770 Pflegekräfte und 220 Auszubildende sind betroffen. Die Vorsitzende der Schwesterschaft gibt jedoch nicht auf.

Es ist eine bittere Nachricht kurz vor Weihnachten für die Angestellten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK): 500 vollzeitbeschäftigte Pflegekräfte sollen ab 2016 nicht mehr für die DRK-Schwesternschaften im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) arbeiten. Das bestätigte gestern UKSH-Sprecher Oliver Grieve: „Wir wollen nicht mehr auf gestellte Arbeitskräfte des DRK angewiesen sein. Zum 31.12.2015 kündigen wir den Vertrag.“
Anzeige
Anzeige

Damit geht eine langjährige Tradition zu Ende. Seit mehr als 100 Jahren arbeiten Pflegekräfte der Rotkreuzschwestern in Kiel und Lübeck für das UKSH. Für sie kam die Entscheidung der Klinik völlig unerwartet. „Zwar wurden die Verträge in der Vergangenheit immer wieder neu geschlossen, aber jetzt hat der Vorstand signalisiert, dass es keinen Verhandlungsspielraum gibt“, sagte Oberin Maria Lüdeke, Vorsitzende der DRK-Heinrich-Schwesternschaft in Kiel.

Insgesamt seien 770 Fachkräfte und 220 Auszubildende betroffen. Das UKSH kündigte an, dass letztere ihre Ausbildung über die gesetzte Frist hinaus im Klinikum beenden können. Die restlichen Pflegekräfte bleiben beim DRK beschäftigt und verteilen sich auf andere Kooperationspartner. „Viele Kliniken in Schleswig-Holstein haben mit den Schwesternschaften Gestellungsverträge“, so Lüdeke. Auch bundesweit gebe es Partner.

Für die vielen betroffenen Mitglieder neue adäquate Plätze zu finden, sei jedoch eine Herausforderung. Aber auch das UKSH stehe in Zeiten des Fachkräftemangels vor dem Problem, die entstandene Personallücke zu füllen. Maria Lüdeke hofft deshalb, dass der Vorstand einlenkt und sich auf einen Kompromiss einlässt. „Bislang haben wir immer einen Weg gefunden.“

Eine Einschätzung, die UKSH-Sprecher Oliver Grieve nicht teilt: „Wir schätzen die DRK-Mitarbeiter sehr. Aber wir bezahlen für sie bisher keine marktüblichen Preise. Verhandlungen blieben hier seit Jahren erfolglos.“ Das Universitätsklinikum entlohne die Rotkreuzschwestern nach Tarif, wie seine anderen Angestellten auch. Hinzu komme jedoch eine jährliche Verwaltungskostenpauschale des DRK in Höhe von 400.000 Euro. Zu hoch für den UKSH-Vorstand. „Wir sind dazu aufgefordert, unsere ökonomische Situation zu verbessern, nicht die des DRK“, begründet Grieve die Entscheidung.

Die finanzielle Schieflage des UKSH sorgt immer wieder für Aufsehen. Für 2014 erwartet das Unternehmen mit etwa 12.440 Angestellten ein Minus von über 30 Millionen Euro. Der Schuldenberg des Klinikums würde damit auf mehr als 250 Millionen Euro anwachsen. Gleichzeitig steht mit der Sanierung der Standorte Kiel und Lübeck ein Großprojekt an.

Der UKSH-Vorstandsvorsitzende Jens Scholz sei bei den Sparbemühungen jetzt über das Ziel hinausgeschossen, kritisierte der Fraktionsvorsitzende der Piraten Torge Schmidt. „Wie der UKSH-Vorstand nach der Kündigung des Gestellungsvertrags mit dem DRK den Wegfall von Pflegekräften kompensieren will, ohne dass es zu einer weiteren Arbeitsverdichtung für das verbleibende Personal kommt, muss Herr Scholz erklären.“

Diese Kritik weist Oliver Grieve vehement zurück: „Die Stellen werden eins zu eins neu besetzt – nur nicht über die teuren DRK-Verträge. Wir freuen uns über motivierte Bewerber.“ Entsprechende Stellenausschreibungen seien in Vorbereitung.

Zwar sei die Mitgliedschaft bei den DRK-Schwesternschaften freiwillig, Oberin Maria Lüdeke will davon jedoch nicht sprechen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kooperation beendet wird“, sagt sie. Die Oberin will sich deshalb heute noch einmal mit dem Vorstand des UKSH treffen.
http://www.shz.de/schleswig-holstein/politik/uniklinik-kuendigt-1000-krankenschwestern-id8375761.html (http://www.shz.de/schleswig-holstein/politik/uniklinik-kuendigt-1000-krankenschwestern-id8375761.html)

Zitat
Lübeck
DRK legt neue Zahlen vor
Die Kündigung der Schwestern sei teurer fürs UKSH.


(http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/drkschwestern106_v-vierspaltig.jpg)

Lübeck. Der Streit um die Kündigung der Rot-Kreuz-Schwestern am Uniklinikum (UKSH) geht weiter. UKSH-Chef Jens Scholz hat den knapp 1000 DRK-Schwestern zum Ende des Jahres gekündigt. Er will dadurch 400 000 Euro im Jahr sparen und die Schwestern direkt am Klinikum anstellen. Doch die Oberinnen der DRK-Schwesternschaften wehren sich - und legen jetzt Zahlen vor. „Mehrkosten von mindestens 250 000 Euro im Jahr werden auf das UKSH zukommen“, sagt Oberin Maria Lüdeke. Das habe eine unabhängige Unternehmensberatung errechnet.

„Man kann Ersparnisse, Gewinne und Kosten nicht in der verkürzten Form wiedergeben, wie Herr Scholz dies tut“, kritisiert Lüdeke. Ihre Rechnung: Das UKSH müsste die Schwestern selbst verwalten und mehr Personal einstellen (300000 Euro). Die Altersversorgung werde teurer (230000 Euro). Das UKSH müsste Pauschalsteuern zahlen, die das DRK als Verein nicht entrichten muss (110000 Euro).

(http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/drkschwestern110_v-vierspaltig.jpg)

Einsparen würde das UKSH die Verwaltungspauschale an die DRK-Schwestern von 390000 Euro. Das macht Mehrkosten von 250000 Euro für das UKSH. „Ist die Kündigung der DRK-Verträge nur ein Vorwand oder hat sich Herr Scholz verrechnet?“, fragt Lüdeke.

Ein UKSH-Sprecher bezeichnet die Rechnung als falsch. Wären die Schwestern beim Klinikum angestellt, fiele für die Personalverwaltung kein Cent zusätzlich an. Es werde keine neuen Verhandlungen mit dem DRK geben.
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/DRK-legt-neue-Zahlen-vor (http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/DRK-legt-neue-Zahlen-vor)

(http://)

Zitat
DRK-Schwestern machen ihrem Ärger Luft

Der Konflikt um die Kündigung der sogenannten Gestellungsverträge für 1.000 Pflegekräfte des DRK durch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) hält an. Mehr als 150 Schwestern demonstrierten am Donnerstag vor dem Kieler Landeshaus erneut für eine Wiederaufnahme von Verhandlungen. Parallel dazu befasste sich der Sozialausschuss des Parlaments mit dem Thema. Unter dem Strich kamen beide Seiten nicht auf einen Nenner.


UKSH: Kündigung wegen hoher Kosten

Das UKSH hatte die Kündigung mit hohen Kosten begründet. Bisher sind die Schwestern Mitglieder in den Vereinen des Deutschen Roten Kreuzes und werden von diesen bezahlt. Das Klinikum will die Schwestern direkt bei sich anstellen, um damit Kosten zu senken und leichteren Zugriff auf das Personal zu haben.

Schwestern wollen Perspektive

Nach Angaben der DRK-Schwesternschaften gehen bei ihnen täglich neue Jobangebote norddeutscher Kliniken und Träger ein. Dem Uni-Klinikum drohten damit große Engpässe, weil der Markt qualifizierter Pflegekräfte leer sei, hieß es. Mit Losungen auf Transparenten wie "Wo bleibt die Perspektive?", machten die Schwestern ihren Unmut deutlich.

Weiter viele offene Fragen

Für die Landtagsabgeordneten blieben auch nach der Sitzung des Sozialausschusses Fragen offen. Anita Klahn von der FDP verwies darauf, dass UKSH Chef Scholz kein eigenständiger Unternehmer ist, sondern für das Land die Geschäfte führt. Ihrer Meinung nach sollte sich daher der Landtag mit der Frage befassen, ob es richtig ist, in dieser Form mit dem DRK umzugehen. Von der CDU wurde die Forderung laut, den Gestellungsvertrag fortzuführen und alle an einen Verhandlungstisch zu setzen. Das UKSH müsse sein Versprechen einhalten, dass alle Schwestern zu gleichen Bedingungen übernommen werden können, forderte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Heinemann.
http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/DRK-Schwestern-machen-ihrem-Aerger-Luft-,drkschwestern100.html (http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/DRK-Schwestern-machen-ihrem-Aerger-Luft-,drkschwestern100.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 23:45:19 Fr. 08.Mai 2015
Auch die Azubis an der UKSH Akademie sind abgenervt. In diesem Filmchen wird ganz gut beschrieben, was so die Probleme sind. Besonders schön ist das Gespräch mit der Pressebirne von Jens Scholz, dem Oberfuzzi vom UKSH. (Außerdem erklärt es irgendwie, warum der SDAJ, der verantwortlich für den Film ist, sich mittlerweile im DGB-Gewerkschaftshaus unter den Fittichen von ver.di trifft und auch so recht präsent am 1.Mai war.) Trotzdem informativ und gut gemacht:

https://www.youtube.com/watch?v=_HWYdQJvMFw (https://www.youtube.com/watch?v=_HWYdQJvMFw)  
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 11:20:28 Do. 12.November 2015
Am UKSH stehen die Zeichen auf Streik bei den Servicekräften, zumindest wenn man der Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) Glauben schenken mag:

Zitat
Nachdem am gestrigen Montag die nächste Verhandlungsrunde zur Beschäftigungssicherung und Altersteilzeit in Kiel stattgefunden hat, wurde der nächste Verhandlungstermin für den 11.11.2015 abgesagt.
 
 Die Arbeitgeberseite bewegte sich kaum und unterbreitete uns zwar ein neues Angebot, welches sich aber kaum vom vorherigen Vorschlag unterschied.
 
Zeitnah wird nun die Tarifkommission der GDS zusammenkommen und darüber beraten, ob die Verhandlungen als gescheitert zu betrachten sind! Dies würde bedeuten, dass in Kürze Arbeitskampfmaßnahmen eingeleitet werden.
 
Die Verantwortung dafür trägt allein die Arbeitgeberseite - die in den Verhandlungen zur Beschäftigungssicherung nur ihre Ansichten durchsetzen möchte! Auch die Zusage - auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten - reicht nicht, wenn durch die Hintertür ein Arbeitsplatzabbau durch Arbeitszeitverkürzungen stattfinden wird.

http://gds-kiel.de/g-d-s/149-tarifrunde-2015-zukunftssicherung-tarifinformation-n%C2%B0-10.html (http://gds-kiel.de/g-d-s/149-tarifrunde-2015-zukunftssicherung-tarifinformation-n%C2%B0-10.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 10:29:06 Do. 26.Mai 2016
Belegschaft der Unikliniken Kiel und Lübeck

Stimmen aus der Gesundheitsindustrie


https://uksh-blog.netzwerkit.de/
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: xyu am 04:34:06 Sa. 10.Dezember 2016
in einem berliner betriebsflugblatt heisst es:

“Personalmangel kann tödlich sein

Was haben das Universitätskrankenhaus Kiel und die Charité gemeinsam? Personalmangel. Leider kann ein kleiner Patient mit einer sehr seltenen Krankheit nicht von der Charité nach Kiel, zum einzigen Spezialisten deutschlandweit, verlegt werden. Der Grund: „Kapazitätsengpässe“. Was sollen wir dazu noch sagen?”

Quelle: http://sozialistische-arbeiterstimme.org/spip.php?article1249 (http://sozialistische-arbeiterstimme.org/spip.php?article1249)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 20:15:59 Mi. 19.Juli 2017
Die Gewerkschaft der Servicekräfte am UKSH, GdS, überlegt, Arbeitskampfmaßnahmen einzuleiten. Sollte es tatsächlich so weit kommen, wäre das das erstemal seit ihrem Bestehen, ca. 2010:

Zitat
Tarifverhandlungen sind gescheitert!

Die Tarifkommission der Service Stern Nord GmbH hat in ihrer mehrstündigen Sitzung am Mittwoch, den 12. Juli 2017, noch einmal den gesamten Verlauf der derzeitigen Tarifverhandlungen sowie das letzte Angebot des Arbeitgebers kritisch geprüft und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass die Tarifverhandlungen gescheitert sind.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Tarifkommission wird in den nächsten Tagen erneut zusammenkommen und den Antrag an den Vorstand unserer Gewerkschaft stellen, Arbeitskampfmaßnahmen einzuleiten.

Diese Verhandlungen werden die längsten sein, die wir bisher zu bestreiten hatten. Jetzt kommt es auf den Zusammenhalt aller Beschäftigten der Service Stern Nord GmbH für mehr Geld in der Tasche an.
http://gds-kiel.de/g-d-s/171-tarifinformation-n%C2%B0-10-2017.html (http://gds-kiel.de/g-d-s/171-tarifinformation-n%C2%B0-10-2017.html)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 12:34:12 Di. 23.Januar 2018
Die Finanz- und Personalpolitik von Land und Klinikum spotten jeder Beschreibung.

Zitat
Klinikmanagement
Land greift Uniklinik zinslos unter die Arme


KIEL. Das Land Schleswig-Holstein entlastet das Uniklinikum (UKSH) durch ein zinsloses Darlehen über 40 Millionen Euro. Mit dem Geld soll das UKSH Kredite bedienen, die dieses Jahr fällig werden und dabei weniger Zinsen bezahlen müssen. Damit folgt die Landesregierung einem 2016 gefassten Landtagsbeschluss, der solche Unterstützungsmaßnahmen in Aussicht gestellt, aber an Bedingungen geknüpft hatte.

Hierzu zählen ein positives operatives Ergebnis und keine weitere Arbeitsverdichtung für das Personal. Beide Punkte sieht das Land offensichtlich als erfüllt an. Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) kündigte an, dass sie beabsichtigt, dem UKSH auch in den beiden folgenden Jahren mit zinslosen Krediten zu helfen.
https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitswirtschaft/article/955911/klinikmanagement-land-greift-uniklinik-zinslos-arme.html (https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitswirtschaft/article/955911/klinikmanagement-land-greift-uniklinik-zinslos-arme.html)

Zitat
Am Universitätsklinikum (UKSH) müssen angehende Ärzte bis zu einem Jahr lang unbezahlt arbeiten.
http://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Politik-fordert-Geld-fuer-angehende-Aerzte-am-UKSH (http://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Politik-fordert-Geld-fuer-angehende-Aerzte-am-UKSH)
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 15:43:10 So. 18.Februar 2018
Das hätte man auch in der Rubrik "Witz des Tages" posten können:
Zitat
UKSH erneut unter besten Arbeitgebern

Bereits zum sechsten Mal hat das Nachrichtenmagazin „Focus“ die „Besten Arbeitgeber“ ermittelt. Erneut wurde das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) unter die Top Arbeitgeber Deutschlands in der Gesundheits- und Sozialbranche gerankt.
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/UKSH-erneut-unter-besten-Arbeitgebern (http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/UKSH-erneut-unter-besten-Arbeitgebern)

Irgendwie muß der Focus ja sein Geld machen.
Titel: Re:Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 13:46:33 Mo. 26.Februar 2018
Zitat
Der Bau wird mit preisgünsigen osteuropäischen Arbeitskräften, meist aus Rumänien, hochgezogen. Günstig, genügsam und belastbar:

  "Im Schnitt sind momentan 160 Arbeiter rund 15 Stunden auf der Baustelle der Superlative"

schwärmte die SHZ. (https://www.shz.de/regionales/kiel/mitten-in-kiel-liegt-europas-groesste-krankenhaus-baustelle-id16052291.html (https://www.shz.de/regionales/kiel/mitten-in-kiel-liegt-europas-groesste-krankenhaus-baustelle-id16052291.html)) Wenn sie einen so langen Tag arbeiten, sollen sie es nicht so weit zu ihrer Matratze haben. So hat man ihnen Wohnzellen in Containerform auf dem Baustellengelände gestapelt.

Auf die würdelose Unterbringung in Containern angesprochen, redete man sich damit heraus, die Container würden nur Büros beherbergen. Wir haben aber Berichte und Fotos von Kollegen in Lübeck, die belegen, wie schlecht man sich da herausgeredet hat. Die Bewohner haben Satellitenschüsseln auf den Containern angebracht, um zumindest ein paar bunte und bewegte Bilder in ihre triste Behausung zu bringen.

(https://abload.de/img/schuesselnecqlk.jpg)
https://uksh-blog.netzwerkit.de/2018/02/25/legebatterie-am-uksh/ (https://uksh-blog.netzwerkit.de/2018/02/25/legebatterie-am-uksh/)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 02:04:39 Fr. 29.November 2019
Beschäftigte des UKSH fordern einen Tarifvertrag "Entlastung" und sprachen mit dem Aufsichtsrat. Dieser hörte eifrig zu:

(https://abload.de/img/uksh_aufsichtratoyk0u.png) (https://abload.de/image.php?img=uksh_aufsichtratoyk0u.png)
https://www.facebook.com/verdi.kiel.gesundheit.soziales/videos/vb.464423273744957/535133447059939/?type=3&theater

Es bleibt spannend, ob der Vorsitzende und Bruder des SPD-Finanzministers den Unmut ebenfalls mit faschistischem Fingerspitzengefühl in die gefälligen Bahnen lenken wird.

(Das dumme Arschloch nimmt tatsächlich nicht einmal die Hände aus den Hosentaschen, aber so lange es läuft, ist wohl Eierkraulen angenehmer)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 14:04:06 Sa. 30.November 2019
Zitat
UKSH:
Verdi ist streikbereit

Keine Überstunden mehr, mehr Freizeit für die Pflegekräfte: Das fordert die Gewerkschaft Verdi vom UKSH-Vorstand. Der hat Entlastungen zugesagt. Wird dadurch ein Streik abgewendet?
https://uksh-blog.netzwerkit.de/2019/11/30/streikbereit/#more-978
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 15:19:38 Mo. 27.Januar 2020
Zitat
27.1.20
Operation Streik

Die Krankenpfleger eines Kieler Krankenhauses klagen über Stress. Sie planen einen Streik auf allen Stationen. Wie weit darf Arbeitskampf gehen?
(...)
https://www.zeit.de/arbeit/2020-01/krankenpflege-streik-klinik-kiel-ueberlastung-arbeitsbedingungen
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 12:05:42 Mi. 05.Februar 2020
Der Streik:

https://uksh-blog.netzwerkit.de/2020/02/04/der-streik/#more-1024
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 22:16:54 Fr. 07.Februar 2020
Zitat
7.2.20
Uniklinik Schleswig-Holstein will Tarifeinigung mit Personalräten

Nach dem Scheitern von Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über eine Ent­lastung der Pflegekräfte strebt das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) nun eine Verständigung mit den Personalräten an.
(..)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/109240/Uniklinik-Schleswig-Holstein-will-Tarifeinigung-mit-Personalraeten

Was hat der dem Betriebsfrieden verpflichtete Personalrat da jetzt zu suchen?
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 14:05:36 Sa. 08.Februar 2020
Das klingt ja absolut bitter.
Die bisher einfach nur überarbeitete und lethargische Belegschaft ist endlich mal in Wallungen gekommen, da wird der Kampf gleich wieder ins Leere geführt.
Es wäre der Moment, mit einem unbefristeten Streik zu reagieren.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 09:20:55 Di. 11.Februar 2020
(https://abload.de/img/uksh_solisckuo.png) (https://abload.de/image.php?img=uksh_solisckuo.png)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 16:24:52 Di. 18.Februar 2020
Zitat
18.2.20
Grüne regen Schlichtung bei UKSH-Verhandlungen an
(...)
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Gruene-regen-Schlichtung-bei-UKSH-Verhandlungen-an

Staatstragend und ohne Not untergraben die Grünen die Urabstimmung zum Streik und entsolidarisieren sich mit den streikbereiten Beschäftigten. Die Grünen sind ein Hort des Bösen.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: NachbarArsch am 19:46:11 Do. 27.Februar 2020
...
Staatstragend und ohne Not untergraben die Grünen die Urabstimmung zum Streik und entsolidarisieren sich mit den streikbereiten Beschäftigten. Die Grünen sind ein Hort des Bösen.
Ja seh ich auch so, aber hat nicht geklappt.
97,5 % Stimmten bei der Urabstimmung für Streiks...

Zitat
UKSH: Mitarbeiter stimmen für unbefristeten Streik

Am UKSH in Kiel und Lübeck stehen die Zeichen auf Streik. Verdi-Mitglieder stimmten in einer Urabstimmung für den unbefristeten Ausstand. Sie fordern Entlastung durch mehr Personal. Landesregierung und UKSH wollen eine von Verdi gesetzte Frist für Gespräche nutzen.
https://www.kn-online.de/Kiel/Urabstimmung-bei-Verdi-Mitarbeiter-stimmen-fuer-unbefristeten-Streik (https://www.kn-online.de/Kiel/Urabstimmung-bei-Verdi-Mitarbeiter-stimmen-fuer-unbefristeten-Streik)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:47:14 Sa. 14.März 2020
Zitat
97,5 % Stimmten bei der Urabstimmung für Streiks

Interessierte die Gewerkschaft aber nicht:

https://uksh-blog.netzwerkit.de/2020/02/27/der-streik-nach-dem-warnstreik/#more-1065
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 23:31:58 Fr. 15.Mai 2020
Es gibt halt nicht nur Pflege und Ärzteschaft im Krankenhaus. Die Gewerkschaft der Servicekräfte (GdS) ist auch am UKSH vertreten und hat nun einen offenen Brief geschrieben:

Zitat
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Vorstand unserer Gewerkschaft hat sich heute mit offenen Briefen an die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern sowie den Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein gewandt.

Das Schreiben möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten und veröffentlichen es deshalb auf verschiedenen Kanälen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
in diesen Tagen, die von der Corona-Pandemie und deren weitreichenden Konsequenzen für uns alle geprägt sind, wird den Pflegekräften in den Kliniken endlich die Wertschätzung zuteil, die sie schon immer verdient hätten. Dies nehmen wir wohlwollend und solidarisch zur Kenntnis.
Aktuell wird offen darüber diskutiert, ob den Kolleginnen und Kollegen in dieser Berufsgruppe eine einmalige Prämie gezahlt werden soll. Wir begrüßen diese Art der Wertschätzung ausdrücklich.
Leider müssen wir feststellen, dass ein weiterer großer und wichtiger Teil der Arbeitnehmerschaft in der KRITIS, ohne die ein geordneter Betrieb undenkbar wäre, wie immer völlig unbeachtet und unerwähnt bleibt. Die Rede ist von der Logistik, die in jeder dieser Einrichtungen unabdingbar ist.
Die in den dortigen Servicegesellschaften und rückwärtigen Diensten tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sorgen schon immer dafür, dass der Betrieb und die Abläufe in diesen Einrichtungen reibungslos funktionieren, dass Nachschub jeglicher Art geliefert und transportiert wird, dass Blutproben in die Labore gelangen, Patienten und Personal versorgt und befördert werden, Sterilgut fachlich versiert aufbereitet, Abfälle entsorgt und die gesamte Infrastruktur stets in einem sauberen, hygienischen und keimarmen Zustand gehalten werden, um nur einige Fachbereiche zu erwähnen.
Wir fordern die Bundesregierung und die Landesregierungen daher auf, sich für diese Berufsgruppe ebenso stark zu engagieren, wie sie es derzeit für die in der Pflege tätigen Kolleginnen und Kollegen machen. Auch die von uns vertretenen Kolleginnen und Kollegen haben mindestens die gleiche Wertschätzung verdient, weil sie dem gleichen Risiko ausgesetzt sind wie die Pflegekräfte und Ärzte. Ohne deren Tätigkeiten könnte ein regulärer Betrieb der KRITIS nicht aufrechterhalten werden.
Über eine kurzfristige Rückäußerung würden wir uns, natürlich auch im Namen der von uns vertretenen Kolleginnen und Kollegen, sehr freuen.

Mit den Briefen erhöhen wir den Druck, das unwürdige Lohndumping in den rückwärtigen und ausgelagerten Diensten der kritischen Infrastruktur endlich zu unterbinden.

Das Schreiben stellt den Auftakt zu weiteren Forderungen unserer Gewerkschaft dar.

Derzeit befinden wir uns in Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der DMS Klinikum Itzehoe GmbH und der Servicezentrum Greifswald GmbH. Im Sommer laufen die Verhandlungen für die Beschäftigten der Service Stern Nord GmbH an den Standorten des UK S-H in Kiel und Lübeck an. Wir werden unsere Ziele an die Systemrelevanz der Berufsgruppen entsprechend anpassen und die Forderungen danach ausrichten.

Wir halten Euch auf dem Laufenden!
https://xn--gewerkschaft-der-servicekrfte-qqc.de/
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 14:43:05 Fr. 10.Juli 2020
Während im Moment an der Charité die Servicekräfte zusammen mit Verdi streiken, sieht die Situation am UKSH anders aus. Die Gewerkschaft der Servicekräfte hat nun nochmal ein kleines Filmchen von ca 2010 veröffentlicht, in dem erklärt wird, warum sie Verdi absolut scheiße findet:

https://xn--gewerkschaft-der-servicekrfte-qqc.de/media/videos/2020/05/24/video.mp4

Die Beschäftigten wurden belogen und verarscht, kann man nicht anders sagen. 
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 14:27:11 Mi. 12.August 2020
Ein längeres Rührstück vom 2.7.09 aus der Financial Times Deutschland über Jens Scholz, dem kleinen Bruder des Brechmitteleinsetzers Olaf Scholz. Man erfährt so Dinge wie dass der Vater Deutschlandmanager des Strumpfhosenherstellers Kunert war, oder dass seine Söhne in teuren Internaten den Klassenkampf lernen, dem er in seiner wilden Zeit -ganz wie sein Bruder- ebenfalls nicht abgeneigt war. Olaf bescheinigt sich und ihm einen ähnlichen Charakter. Außerdem ist er HSV-Fan.

Zitat
18 porträt medbiz 07/09

Ganz oben im Norden


JENS SCHOLZ ist neuer Chef der Uniklinik Schleswig-Holstein. Der Bruder des Bundesarbeitsministers übernimmt ein von Skandalen geschütteltes Haus. Jetzt will er es aufräumen – und in die schwarzen Zahlen führen. Constanze Löffler

Jens Scholz hat Schnittchen kommen lassen. In die Häppchen mit Lachs, Mett und Schinken sind kleine Flaggen gespießt. Zum ersten Mal hat er alle Direktoren des Uniklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) zusammengerufen. „Kommunikation“ heißt die neue Zauberformel am UKSH. Steif, aber bestimmt steht Scholz an der Frontseite des kargen Konferenzraums, die Tische und Stühle vor ihm sind aufgereiht wie in einem antiquierten Klassenzimmer.

Immer wieder schleichen Nachzügler in den Raum. Er wirkt angespannt, nervös. Doch das legt sich schnell. Scholz präsentiert die neue Struktur des Klinikums, die Pläne für die Umbauten und seine beiden neuen Assistentinnen – eine blond, eine brünett. Ganz gerecht. Scholz lacht. Dann schwärmt er vom UKSH als Premiummarke, von einem hotelähnlichen Service auf dem Gelände. Er redet schnell und mit schwungvollen Handbewegungen, als wolle er den eigenen Enthusiasmus zu den Anwesenden hinüberschaufeln. Die Kollegen bittet er um ihre Meinung, fragt nach eigenen Ideen.
Doch Scholz kann auch anders. Einmal, kurz zwischendurch, blitzt der knallharte Manager auf. Als zwei Klinikdirektoren einfordern, eine Marktforschung zur Außenwirkung des UKSH in Auftrag zu geben, bügelt Scholz die Diskussion kurzerhand ab. Rausgeschmissenes Geld, heißt es kurz, Thema durch. „Er wird noch lernen müssen, mehr auf sein Umfeld einzugehen, alle Seiten zu berücksichtigen“, sagt sein Ex-Chef vom Hamburger Uniklinikum (UKE), Jochen Schulte am Esch.

Schulden und Skandale

Scholz soll im Norden eine Herkulesaufgabe schultern. Im April hat der frühere Chef der Kieler Klinik für Anästhesie das Amt des Vorstandsvorsitzender des UKSH übernommen: Zwei Campus mit 10 000 Mitarbeitern, knapp 100 Mio. € Altschulden, ein riesiger Modernisierungsstau. 2003 sind die Unikliniken Lübeck und Kiel zur UKSH fusioniert. Seither streiten sie um die Vormachtstellung. In den vergangenen Jahren ist am UKSH viel schmutzige Wäsche gewaschen worden: Vorwürfe der Untreue gegen den alten Vorstandschef, Suspendierung und Rücknahme nur eine Woche später, Rückzug von Aufsichtsratmitgliedern und Führungskräften. Drei Bewerber für das Vorstandsamt waren kurzfristig abgesprungen, ehe Scholz schließlich das Ruder übernahm.

Der 49-Jährige ist der Bruder von Olaf Scholz, dem Bundesarbeitsminister. Eine Ähnlichkeit ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, auf den zweiten aber schon, links und rechts der Stirn weicht der Haaransatz deutlich zurück. Die Schultern von Jens Scholz sind schmal, die Hände feingliedrig, das Gesicht jungenhaft. Olaf Scholz sieht aber durchaus Gemeinsamkeiten:
„Mein Bruder und ich haben einen ähnlichen Charakter. Fleiß, soziales Engagement, eine gehörige Portion Ehrgeiz, Pragmatismus und Durchsetzungsvermögen fügen sich zusammen“, sagt der Bundesarbeitsminister. Während der sich seit vielen Jahren vor der Kamera bewegt, kann Jens Scholz sich noch nicht so recht an die Aufmerksamkeit gewöhnen, die ihm seit der Vorstandswahl entgegengebracht wird. „Ich bin doch kein Filmstar“, sagt er fast entschuldigend. Ehrgeizig aber ist er durchaus. „Mit 40 wollte ich unbedingt Chef sein“,

sagt er. Der Leistungswille wurde ihm im Hamburger Elternhaus vorgelebt: Der Vater hatte sich vom Sockenverkäufer zum Deutschlandmanager des Strumpfherstellers Kunert hochgearbeitet.
Die drei Kinder sollten Abitur machen. Auch die Söhne von Jens Scholz sind auf dem Weg dorthin: Der Ältere macht gerade Abitur auf einem hessischen Elite-Internat, der jüngere geht auf Schloss Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern zur Schule. Beide Jungs wären auf eigenen Wunsch ins Internat gegangen, betont Scholz. Hätte er den Job auch gemacht, wenn beide Kinder noch zu Hause wohnen würden? Scholz bleibt die Antwort schuldig. Viel Zeit für die Familie habe er jedenfalls nicht.

1978 kommt Scholz an die Uni Hamburg. Ein junger Mann mit langen Haaren, der sich für Marxismus und Kommunismus begeistert. Die Ouvertüre zu seiner Karriere war ein Boykott: 1983 wehrt sich der Medizinstudent dagegen, für einen Schein in Pharmakologie eine bis dahin unübliche Klausur schreiben zu müssen. Als AStA-Vertreter legt er sich mit dem Klinikdirektor an. Der ist beeindruckt von der Energie des Studenten-Revoluzzers – und bietet ihm eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an. Im Februar 1987, knapp vier Jahre nach dem Klausuren-Eklat, veröffentlicht Scholz seine erste wissenschaftliche Publikation. Danach geht es am UKE stramm aufwärts: Facharzt für Anästhesie 1992, im gleichen Jahr Habilitierung, wenig später Oberarzt, 1996 der erste Professorenruf. Nach zwei vergeblichen Bewerbungen in Aachen und Rostock wird Scholz 2000 Chef der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin der Uni Kiel. „Seit dem Ruf nach Kiel gehört er zur Elite seines Fachs“, sagt Walter Jonat, der die Frauenklinik in Kiel leitet und Scholz immer wieder protegiert hat. „Ein exzellenter Kliniker“, urteilt sein Ex-Chef vom UKE, Jochen Schulte am Esch. Scholz arbeite hochdynamisch, sei hochintelligent – ein Gewinnertyp mit Führungsqualitäten.

So einen braucht das UKSH. 8,1 Mio. € Verlust hat das Klinikum im vergangenen Jahr gemacht. „Ich werde der Erste sein, der schwarze Zahlen schreibt“, prophezeit der neue Chef. Spätestens nach dem geplanten Umbau des UKSH erwartet Scholz bei einem Umsatz von rund 400 Mio. € in der stationären Krankenversorgung eine Rendite von sechs oder sieben Prozent. Dass Scholz dieses ehrgeizige Ziel erreichen wird, bezweifelt Carl Hermann Schleifer nicht. Schleifer wurde 2007 als externer Berater ans UKSH geholt – und setzte sich für Scholz als neuen Vorstandschef ein. „Er war mein absoluter Wunschkandidat.“ Scholz wisse, dass eine Klinik Geld verdienen müsse, ohne dabei bewährte Strukturen zu beschädigen. Als Schleifer als Sanierer ans UKSH kam, hatte er alle Klinikdirektoren zu Sparmaßnahmen überreden müssen. Scholz sei der unternehmerischste gewesen. „Seine Klinik für Anästhesie war einfach die appetitlichste und serviceorientierteste.“

Sein neues Vorstandsbüro musste Scholz allerdings vom Vorgänger übernehmen. Der Boden ist mit billigem grauem Nadelfilz ausgelegt, die Wände sind noch kahl, die Regale leer. Auf dem schwarzen Schreibtisch verlieren sich ein paar verwaiste Blätter – als habe er noch keine Zeit gefunden, sich richtig einzurichten. Es ist Scholz sichtlich unangenehm, hier Besucher zu empfangen. Die Vorstandsetage solle jetzt schnellstmöglich renoviert werden, beeilt er sich zu sagen. Aus der Klinik für Anästhesie hatte er ein Schmuckstück gemacht. Auf hellen Fluren nehmen edle Glaskästen mit indirekter Beleuchtung den Besucher auf eine Zeitreise mit: Aus der Mode gekommene Beatmungsmaschinen werden ins Licht gerückt. Den grauen Schieferboden hat er persönlich ausgesucht, und Toiletten dieser Art erwartet man in einem Hotel, nicht im Krankenhaus. „Mancher Mitarbeiter behauptet, die Klinik sei schöner als das eigene Zuhause“, sagt Scholz.
Vom Arzt zum Manager

Auch als Klinikdirektor war Scholz in erster Linie Arzt – er wurde erst nach und nach zum Manager. Er baute wissenschaftliche Arbeitsgruppen mit internationalem Renommee auf, gab eine Fachzeitschrift heraus, war Kongress-Gastgeber. Gleichzeitig besorgte sich der Manager Scholz Geld von Pharma-Stiftungen und über Drittmittel, begeisterte die richtigen Leute für seine Projekte, machte seine Klinik rentabel. Nicht alle gönnen ihm das. „Es mangelt nicht an Neidern“, sagt Schulte am Esch. Mit der kleinen 200-Mitarbeiter-Klinik stieg HSV-Fan Scholz aus der Regionalliga in die Champions League auf. Das will er nun auch mit dem UKSH schaffen. Nationale Konkurrenz sieht er nicht. Die Charité Berlin profitiere vor allem vom Renommee ihres Namens. Und das Hamburger UKE sei zwar geografisch gesehen ein Konkurrent, aber dennoch kein Vorbild. Die Eröffnung des dortigen Zentralklinikums im Januar 2009 habe gezeigt, wie vielfältig Schwierigkeiten sein können, wenn neue Strukturen entstehen. Damit das am UKSH nicht auch passiert, will Scholz sein Personal konsequent trimmen. „Service und Kundenfreundlichkeit – da hapert es bei uns noch“, sagt Scholz.

Doch der meiste Wind weht ihm von den Personalräten in Kiel und Lübeck entgegen. Nein, der Professor Scholz habe sich seit seiner Berufung noch nicht mit ihnen getroffen, offenbar stünde man in der Priorität nicht so weit oben, tönt es beleidigt aus dem Büro des nichtwissenschaftlichen Gesamtpersonalrates. Dabei möchte Scholz ein Klima der offenen Türen etablieren: Wer etwas will, der läuft eben mal eben rüber zum Chef.

Scholz gilt als jemand, der anderen Verantwortung überträgt, ohne die eigene abzugeben. „Er delegiert, vergewissert sich aber garantiert, dass der Auftrag erledigt wurde“, sagt Markus Steinfath, ein langjähriger Freund von Scholz, der dessen Chefposten in der Anästhesie kommissarisch übernommenhat. Scholz selbst spricht scherzhaft von seinem „Kontrollzwang“.

Kein schlechter Zug für die Leitung einer Klinik, in der in den vergangenen Monaten doch einiges außer Kontrolle geraten war.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 12:01:40 Fr. 04.Dezember 2020
Am UKSH stehen im Servicebereich mal wieder Tarifverhandlungen an. Bisher gibt es einen Tarifvertrag mit der GDS. Die Entgelte sind jetzt nicht so der Bringer, aber es gibt ja auch eine Vorgeschichte, warum sich eine Gewerkschaft neben verdi gegründet hatte:
https://uksh-blog.netzwerkit.de/2020/07/10/servicekraefte-am-uksh/#more-1163

Nun will Verdi wieder mitmischen und schießt scharf gegen den unliebsamen Konkurrenten:

(https://abload.de/img/verdi_ssna1ka4.png) (https://abload.de/image.php?img=verdi_ssna1ka4.png)

Kann man machen, wirkt aber scheiße und nicht wirklich glaubwürdig.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 09:26:14 Fr. 26.Februar 2021
(https://abload.de/img/gds_streikvzjgy.png) (https://abload.de/image.php?img=gds_streikvzjgy.png)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 16:03:55 Mo. 01.März 2021
Der erste Streik einer Nicht-DGB-Gewerkschaft beim immerhin größten (?) Arbeitgeber in S-H:

Zitat
1.3.21
Streik am UKSH: Servicemitarbeiter wollen mehr Geld

Unter anderem Reinigungskräfte und Küchenmitarbeiter, die bei einer Tochterfirma des UKSH angestellt sind, wollen besser entlohnt werden. Die Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) rief daher am Montag zu einem Warnstreik auf – weitere sind wahrscheinlich.
(Schranke)
https://www.ln-online.de/Nachrichten/Norddeutschland/Streik-am-UKSH-Servicemitarbeiter-wollen-mehr-Geld
(https://abload.de/img/gds_warnstreikr2j1q.png) (https://abload.de/image.php?img=gds_warnstreikr2j1q.png)

Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 16:56:41 Do. 04.März 2021
Heute am UKSH Kiel.

(https://abload.de/img/dsc018046bkbk.jpg) (https://abload.de/image.php?img=dsc018046bkbk.jpg)

(https://abload.de/img/dsc0181184jhp.jpg) (https://abload.de/image.php?img=dsc0181184jhp.jpg)

(https://abload.de/img/dsc018177xjmm.jpg) (https://abload.de/image.php?img=dsc018177xjmm.jpg)

Es herrschte eine Topstimmung.

(https://abload.de/img/dsc01821f6jjb.jpg) (https://abload.de/image.php?img=dsc01821f6jjb.jpg)

Mordslärm. Es wurde auf allem herumgetrommelt, was dazu taugte.

(https://abload.de/img/dsc018236yj00.jpg) (https://abload.de/image.php?img=dsc018236yj00.jpg)

Zertrommelte Latten.

(https://abload.de/img/dsc01810e2jbp.jpg) (https://abload.de/image.php?img=dsc01810e2jbp.jpg)

Geht doch!
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 17:02:34 Do. 04.März 2021
(https://abload.de/img/gds_stellungnahmey5jwk.png) (https://abload.de/image.php?img=gds_stellungnahmey5jwk.png)
https://gewerkschaft-der-servicekräfte.de/index.php/component/sppagebuilder/7-ssn-gmbh
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 14:51:08 Mo. 08.März 2021
https://youtu.be/dRrm_pjyYwA
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 21:31:42 Mo. 08.März 2021
Der Bruder des SPD-Kanzlerkandidaten droht nun damit, die Servicebereiche am UKSH auszugliedern.
Aus einem Schreiben an die Mitarbeiter:

(https://abload.de/img/gds2sjkx.png) (https://abload.de/image.php?img=gds2sjkx.png)
https://gewerkschaft-der-servicekräfte.de/index.php/component/sppagebuilder/7-ssn-gmbh

Das ist nichts Neues, denn diese Service Stern Nord war eine Auslagerung, um die Löhne zu drücken. Damals Sodexo, mittlerweile wieder beim Land Schleswig-Holstein. Es war ein Konstrukt unter korrupter und mafiöser Beteiligung, deren Ursprünge bis in die Barschelära zurückreichen.
Medizin im "wahren" Norden ist ein Milliardengeschäft, an dem man sich ohne Ende bereichern kann. Man hat es dort mit sehr mächtigen Strukturen zu tun. Die Beschäftigten sollen den Mafiosis mal ordentlich ans Bein pissen!
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 23:02:16 Di. 09.März 2021
Zitat
6.3.21
Der Kreisverband der Lübecker SPD erklärt sich solidarisch mit den streikenden Servicekräften des UKSH am Standort Lübeck. „ Die Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft GDS und der Uni Klinik sollten umgehend wieder aufgenommen werden.“, erklärt Jörn Puhle, der Kreisvorsitzende der SPD Lübeck. blablabupp
https://www.spd-luebeck.de/2021/03/08/keine-zwei-klassenbelegschaft-am-uksh/

Zitat
9.3.21
Wir Lübecker Grüne solidarisieren uns mit den Servicemitarbeitern der UKSH-Tochtergesellschaft und unterstützen die Forderungen der Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS). blablablupp
https://www.hl-live.de/text.php?id=143731

Zitat
4.3.21
DIE LINKE. SH solidarisiert sich mit den Warnstreiks der Servicekräfte am UKSH! blablablupp
https://www.facebook.com/dielinkesh/photos/a.886102851417193/4561863360507772/?
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:04:43 Mi. 10.März 2021
Da dürfte der DGB aber genervt sein.

Ich habe gehört, daß Verdi Kiel diskutiert, verstärkt unter dem Servicepersonal Mitglieder zu werben.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 10:50:22 Mi. 10.März 2021
(...)
Ich habe gehört, daß Verdi Kiel diskutiert, verstärkt unter dem Servicepersonal Mitglieder zu werben.

Das machen sie immer wieder, wie hier im Juni 2020:

(https://abload.de/img/ssn_verdiyuj3y.png) (https://abload.de/image.php?img=ssn_verdiyuj3y.png)

Auf Vimeo gibt es einige Filmchen der GdS zum Streik:
https://vimeo.com/user125589975

Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 12:28:47 Mi. 17.März 2021
(https://abload.de/img/gds_urabstimmungnljqb.png) (https://abload.de/image.php?img=gds_urabstimmungnljqb.png)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 01:04:01 Fr. 26.März 2021
Zitat
25.3.21
ACHTUNG - Kolleginnen und Kollegen in der Service Stern Nord GmbH am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein! Ihr seid keine Menschen 2. Klasse und nicht weniger wert als die Kollegen, die direkt am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein angestellt sind! Deshalb bleiben wir dabei: GLEICHE ARBEIT = GLEICHER LOHN! Das versteht sogar ein kleines Kind, aber nicht der Vorstand des UKSH! Vielleicht erklärt es ihnen mal jemand? Wir können noch mehr. Die Arbeitskämpfe werden massiv ausgeweitet! Achtet in Kürze auf die Aushänge im Unternehmen!

(https://abload.de/img/gdsfvje5.png) (https://abload.de/image.php?img=gdsfvje5.png)
https://gewerkschaft-der-servicekräfte.de/index.php/component/sppagebuilder/7-ssn-gmbh
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 15:09:32 Mo. 29.März 2021
(https://abload.de/img/gds_streiko1jtm.png) (https://abload.de/image.php?img=gds_streiko1jtm.png)
https://gewerkschaft-der-servicekräfte.de/index.php/component/sppagebuilder/7-ssn-gmbh
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 12:29:35 Di. 30.März 2021
Pressemitteilung der GDS vom 29.3.21:
Zitat
Der Arbeitgeber legte bei der letzten Verhandlungsrunde am 22. März 2021 zwar ein verbessertes Angebot vor. Dieses reichte jedoch wiederholt nicht an die Forderungen der Belegschaft heran und wurde deshalb von den Kolleginnen und Kollegen in der Tarifkommission abgelehnt.

Am UKSH sollen nach dem Willen des Vorstandes die Beschäftigten in der SSN künftig auch weiterhin, wie Menschen 2. Klasse behandelt werden! Diese Haltung ist nicht akzeptabel und provoziert weitere Arbeitskampfmaßnahmen. Es wird deshalb ausgeweitete Warnstreiks geben.

In Bezug auf die gemeinsame Verantwortung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie gegenüber den Patientinnen und Patienten im UKSH bekundeten beide Seiten den Willen, eine Notdienstvereinbarung abzuschließen. Der Arbeitgeber übermittelte einen Entwurf einer Notdienstvereinbarung, nach der allerdings so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt werden sollten, dass schon fast ein Regelbetrieb aufrechterhalten würde.

Nachdem wir darauf hingewiesen haben, dass ein Abschluss einer Notdienstvereinbarung keine Verhandlung werden sollte, sondern viel mehr eine Vereinbarung sein soll, welche ausschließlich Notdienste abdeckt und damit das Grundrecht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Gesundheit der Patientinnen und Patienten schützt, legte der Arbeitgeber erneut eine Vereinbarung mit überhöhten Zahlen von einzusetzenden Beschäftigten vor.

Es ist ohnehin unverantwortlich, Tarifverhandlungen für Beschäftigte an einem Universitätsklinikum ins Stocken geraten zu lassen, es ist aber fahrlässig und patientenwohlgefährdend, wenn der Arbeitgeber das gleiche Verhalten beim Abschluss einer Notdienstvereinbarung an den Tag legt. Während eines persönlichen, konstruktiven und sehr ernsten Gesprächs zwischen der Geschäftsführung des UKSH und dem Vorstand der GDS konnte in letzter Minute Einigkeit erzielt werden, eine Notdienstvereinbarung mit unserer Gewerkschaft zu schließen, die eine effektive Notfallversorgung am UKSH sicherstellt. Es sollte wohl jedem klar sein, dass bei einem Streik nicht 90 Prozent der Belegschaft an ihren Arbeitsplätzen verbleiben, wie der Arbeitgeber sich dies wünschte! Bei einem Streik werden die Kliniken auf Notbetrieb heruntergefahren!

Der Verhandlungskommission wurde während der letzten Verhandlungsrunde offen damit gedroht, die von der SSN am UKSH erbrachten Leistungen an Dritte auszulagern. Auch von den Beschäftigten wird darüber berichtet, dass Vorgesetzte ganz bewusst und massiv Existenzängste schüren, um sie von der Ausübung ihres Grundrechts auf Streik abzuhalten. Dieses Verhalten werden wir sehr genau beobachten und nicht tolerieren.

Wir fordern weiterhin eine faire Entlohnung für die Beschäftigten in der SSN, denn mit der Ausgliederung von Teilen der Belegschaft des UKSH in eine Service-Gesellschaft im Jahr 2005, wurde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft am Klinikum etabliert. Die Gehälter der Belegschaft reichen trotz guter Tarifabschlüsse in den letzten Jahren für die damals nicht erwartbaren Steigerungen der Lebenshaltungskosten nicht aus. Dies führte dazu, dass für mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen ein Zweitjob oder eine Aufstockung ihrer Einkommen durch Leistungen aus den Sozialkassen notwendig wurden. Leistung muss sich wieder lohnen!

Wir fordern eine Bezahlung, die sich an der Entlohnung des öffentlichen Dienstes orientiert. Wir wollen die Gleichbehandlung mit den direkt am UKSH Beschäftigten, denn die Tätigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der SSN sind ebenso wertvoll und systemrelevant.

Die Beschäftigten in der SSN arbeiten in der Logistik, in der Verpflegung, der Medizinprodukteaufbereitung (AEMP), in der Hauswirtschaft, in der Serviceassistenz, der Verwaltung und noch in vielen weiteren Bereichen des UKSH.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:54:20 Mo. 05.April 2021
https://youtu.be/43DU8qsLXTs
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 14:36:38 Mo. 05.April 2021
Im Interview wird erwähnt, dass die Kieler Nachrichten nicht über den Streik berichten. Das Drecksblatt ist eng verbandelt mit dem UKSH. Dieser kleine Herzschmerzfilm der Förderstiftung des UKSH gibt eine Ahnung davon:
https://www.youtube.com/watch?v=wn6WXMf3hqY

(Ein Gründungsmitglied der Förderstiftung war übrigens Detlef Uthoff, der mit 29 Millionen Euro Steuerschulden davon kam, womit wir mal wieder beim Kieler Kaufmann e.V. wären, nicht nur wegen ihm. Vielleicht später noch etwas mehr dazu...)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 13:52:18 Di. 13.April 2021
Beim UKSH haben Auslagerungen von Servicebereichen eine gewisse Tradition. 1986 wurde in Kiel unter einer CDU-Regierung die hausinterne Wäscherei aufgelöst und an die Firma Wulff Textil-Service vergeben. Die SPD opponierte, dass es nicht wirtschaftlich sei und die Arbeitsplätze eher mies seien. Der KBW berichtete schon 1976:

Zitat
Die Firmenleitung, bestehend aus der Senior-Chefin, Sohn, Schwiegersohn und Schwiegertochter, lungert den ganzen Tag im Betrieb herum, kontrolliert und treibt zur Arbeit an. Kaum, daß die Kolleginnen mal kurz miteinander sprechen, kommt einer an und fragt, ob man denn nichts zu tun habe. Kolleginnen, die mehrfach krank sind – aufgrund der elenden Arbeitsbedingungen sind Erkältungen natürlich an der Tagesordnung – werden bespitzelt. Familie Wulff ruft sogar beim Arzt an, um sich danach zu erkundigen, ob man tatsächlich und wie krank man denn sei! Entlassungen und Neueinstellungen kommen ständig vor: in der dreimonatigen Probezeit kann man von einem Tag auf den anderen entlassen werden.
https://mao-archiv.de/Scans/BRD/S-H/K/KBW/Kiel_KBW645.jpg

2003 wurde eine Ausgliederung weiterer Bereiche in eine Service Gesellschaft in Angriff genommen, und zwar unter tatkräftiger Mithilfe einer rotgrünen Landesregierung. Genüsslich konnte die CDU nun verkünden:
Zitat
„Wäre dies unter christlich-demokratischer Verantwortung geschehen, hätten die Sozialdemokraten dies mit einem Aufschrei der Entrüstung begleitet. (…)  Eine Politik vor allem zu Lasten der unteren Einkommensbereiche – auch dieses Beispiel macht deutlich, warum der kleine Mann bei der SPD keine Heimat mehr sieht.“
http://www.ltsh.de/presseticker/2004-03/29/11-02-57-5efa/PI-QGfmQV76-cdu.pdf

Diese neue Service Gesellschaft war aber immer noch zu teuer, trotz überwiegend befristeter Arbeitsverträge und bis zu 30% Einkommensverluste. Also wurde eine Teilprivatisierung beschlossen. Diese externe „Managementkompetenz“, eher Blutsaugermentalität, sollte den Laden auf Vordermann bringen. Der CDU-Wirtschaftsminister wusste 2009:
Zitat
Die Arbeitsbedingungen im Servicebereich- das ist eine feste Einschätzung - werden sich dadurch ändern, dass wir eine Produktivitätssteigerung erleben werden. Die ist auch Gegenstand der Business-Pläne, die damit einhergehen. Das heißt, es wird eine andere Form des Managements in diesen Bereichen geben. Das heißt, auch die Produktivität pro Mitarbeiter muss gesteigert werden. Das kann natürlich eine Veränderung des Arbeitsalltags nach sich ziehen.
http://www.landtag.ltsh.de/export/sites/ltsh/infothek/wahl17/plenum/plenprot/2009/17-003%5F11-09.pdf

Die Veränderung des Arbeitsalltags bestand darin, dass die Beschäftigten als Wegwerfmenschen behandelt wurden und man über Leichen ging, so ähnlich wie es der KBW schon 1976 bei Wulff Textilien geschildert hatte.

Jens Scholz als UKSH-Chef soll eine großspurige und teilweise übergriffige Art haben.

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0036-1575334

Großspurig ist er auf jeden Fall. Die jährlichen Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder haben sich von 2003 bis 2019 nahezu verdreifacht, von 556 T€ auf 1440 T€. Dazu kommen jede Menge gutdotierter Stabsstellen, die selbst der Landesrechnungshof öffentlich anprangert, obwohl er ansonsten in Bezug auf das UKSH eher verschwiegen ist. Überhaupt werden Verschwiegenheit und Intransparenz großgeschrieben, seien es nicht einsehbare Beraterverträge und Gutachten, die der damalige vom Land beauftragte „Sanierer“ in zweistelliger Millionenhöhe vergeben hatte, seien es Ausschreibungen, Pöstchenschacherei usw. Hinzu kommt eine Politik, die nicht gewillt ist, für Klarheit zu sorgen. Je nach dem, wer gerade auf der Regierungsbank sitzt, wird halt ein wenig gemotzt, aber eigentlich können alle ganz gut damit leben. Es ist unglaublich, zumal das UKSH ein landeseigener Arbeitgeber ist.
Die Gewerkschaft ver.di sieht sich eher als Co-Manager, ist im Aufsichtsrat vertreten und hat auch schon mal zusammen mit einem ehemaligen Vorstandvorsitzenden ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Wirtschaftlichkeit untersuchen sollte. Ver.di hält sich an die Erzählung, dass das UKSH chronisch vor der Pleite steht, lobt sich eher für den Verzicht der Beschäftigten und wirkt  halbherzig. Die Forderungen der GDS für die ausgelagerten Servicekräfte passen so gar nicht in den Business-Plan, den sich eine politische und wirtschaftliche Klüngelrunde ausgedacht hatte.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 20:22:51 So. 18.April 2021
(https://abload.de/img/gds_streikaufrufrij8e.png) (https://abload.de/image.php?img=gds_streikaufrufrij8e.png)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 18:17:26 Di. 20.April 2021
Zitat
20.4.21
Streik der Servicemitarbeiter am UKSH Lübeck und Kiel

Die Gewerkschaft der Servicemitarbeiter (GDS) hat 2.000 Mitarbeiter des UKSH in Kiel und Lübeck erneut zum Warnstreik aufgerufen. Die GDS rechnet mit etwa 800 Teilnehmern. Der Arbeitskampf beginnt morgen früh um 5 Uhr und soll 48 Stunden dauern. Betroffen sind unter anderem die Krankenhaus-Bereiche Küche, Wäscherei, Reinigungsdienst, Technik, Verwaltung und der Hol- und Bringdienst. Die Gewerkschaft rechnet damit, dass in den kommenden Tagen Untersuchungen und Operationen verschoben werden müssen. Notfälle würden aber behandelt. Die GDS fordert mehr Lohn in den laufenden Tarifverhandlungen. Das UKSH hat sich bisher noch nicht zu den Warnstreik-Plänen geäußert.
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/kurznachrichten/Schleswig-Holstein-aktuell-Nachrichten-im-Ueberblick,news1438.html
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: admin am 20:48:58 Di. 20.April 2021
In Kiel passieren gerade interessante Dinge.

Zitat
Einschränkungen drohen UKSH: Warnstreik der Service-Kräfte

Am UKSH drohen Einschränkungen in der Verpflegung, längere Wartezeiten und die Verschiebung von OP-Terminen. Die Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) ruft ihre Mitglieder bei der UKSH-Tochter Service Stern Nord (SSN) in Kiel und Lübeck für Mittwoch ab fünf Uhr zu einem 48-stündigen Warnstreik auf.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Einschraenkungen-drohen-Am-UKSH-streiken-die-Service-Kraefte
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 22:07:31 Di. 20.April 2021
Aus dem KN-Bericht:
Zitat
...wirft Verdi dem Konkurrenten vor, lediglich Tarifabschlüsse „auf Mindestlohnniveau“ erreicht zu haben.

Ich weiß nicht. Wenn man mal die Charité-Servicetochter CFM vergleicht, wo verdi den Arbeitskampf und vor allem die Tarifverhandlungen führt, dann kommt da zum Beispiel für die Reinigung 12.50 Euro raus, und zwar erst letzten Monat:
https://www.verdi-cfm.com/tarif/

Am UKSH gibt es bisher für Reinigung 10.87 Euro, und Zulagen gibt es am UKSH und bei der CFM. Doll ist das alles nicht, aber nun zu raunen...
Zitat
und notfalls juristische Maßnahmen einleiten.

...wäre es sinnvoller, wenn verdi seine Mitglieder, die auch bei der Service Stern Nord beschäftigt sind, ebenfalls am Streik beteiligen lässt. Die Möglichkeit gäbe es.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:49:33 Mi. 21.April 2021
Hier nochmal der komplette KN Bericht

Zitat
UKSH: Warnstreik der Service-Kräfte

Am UKSH drohen Einschränkungen in der Verpflegung, längere Wartezeiten und die Verschiebung von OP-Terminen. Die Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) ruft ihre Mitglieder bei der UKSH-Tochter Service Stern Nord (SSN) in Kiel und Lübeck für Mittwoch ab fünf Uhr zu einem 48-stündigen Warnstreik auf.


2005 hatte das Klinikum alle nichtmedizinischen Services ausgegliedert. Die rund 2000 Beschäftigten der SSN kümmern sich um alle Leistungen außerhalb des Medizinischen – von der Essensversorgung über Patiententransporte, Empfang und Telefonzentrale bis zur Sterilisation von OP-Instrumenten.
Gewerkschaft beklagt unfaire Bezahlung

Nach Darstellung der Gewerkschaft gibt es unter dem Dach der SSN eine Zweiklassengesellschaft. Da seien die, die ihre Verträge damals behalten konnten, und die, die seitdem neu eingestellt wurden: „Beschäftigte im UKSH in der Reinigung verdienen, wenn sie heute im öffentlichen Dienst anfangen, 2240 Euro monatlich“, sagt GDS-Vorsitzender Steffen Beckmann. Kolleginnen und Kollegen in der SSN erhielten für die gleiche Tätigkeit 1891 Euro. Die GDS fordert eine Angleichung an den Tarifvertrag der Länder (TVL) bis 2023. Rund 70 Prozent der Belegschaft seien GDS-Mitglied.

Notdienstvereinbarung ist wackelig


Brisant ist der Warnstreik deshalb, weil Arbeitgeber und GDS eine Notdienstvereinbarung getroffen haben, die auf tönernen Füßen steht. Die GDS wirft der Gegenseite vor, die Regelung bei den ersten Warnstreiks im März missbraucht zu haben, etwa dadurch, dass Notdienstkräfte für reguläre Dienste eingesetzt worden seien. Beckmann: „Sollten wir das erneut feststellen, behalten wir uns die Kündigung der Vereinbarung vor.“ Beim UKSH, das diesen Vorwurf von sich weist, heißt es: „Die Notdienstfähigkeit ist gesichert.“ Von 10 bis 12 Uhr sind Protestaktionen an beiden Standorten geplant.

Die Konfliktlinie verläuft nicht nur zwischen GDS und Arbeitgeber, sondern auch zwischen der Minigewerkschaft mit ihren insgesamt 2500 Mitgliedern und dem Riesen Verdi. Das Klima ist eisig – man wirft sich gegenseitig vor, nicht genug für eine angemessene Bezahlung der SSN-Kräfte zu tun. Während die GDS Verdi vorhält, 2005 „untätig“ geblieben zu sein, als die Servicegesellschaft gegründet und somit „Tausende Arbeitsplätze“ aus dem Tarifertrag des öffentlichen Dienstes ausgelagert worden seien, wirft Verdi dem Konkurrenten vor, lediglich Tarifabschlüsse „auf Mindestlohnniveau“ erreicht zu haben. „Das UKSH ist mit der GDS gut gefahren und bevorzugt diese Organisation in vielerlei Hinsicht“, sagt Steffen Kühhirt, Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales bei Verdi Nord. Fakt ist, dass das Klinikum für die SSN nicht mit Verdi verhandelt, sondern nur mit der GDS. „Derzeit sind wir nur aktiver Beobachter“, räumt Kühhirt ein. Mit dieser Rolle jedoch wolle man sich nicht zufriedengeben und notfalls juristische Maßnahmen einleiten. Sollte sich das UKSH nicht bewegen, werde man auf das Land als Eigentümer zugehen. Dem gibt Verdi eine Mitschuld an dem Konflikt. Kühhirt: „Jetzt rächt sich, dass man sich mit dem UKSH 2014 in den TVL geflüchtet und die Servicekräfte draußen vor gelassen hat.“

Das UKSH kontert die Vorwürfe der GDS, spricht von „fairen Entgelten“ und „marktgerechter Bezahlung“. Je nach Entgeltgruppe und Tätigkeit verdienten die Service- Beschäftigten zwischen 1933 und 3526 Euro plus Zulagen und Zuschläge. Darüber hinaus werde ein Sonderentgelt von 800 Euro gezahlt. Für GDS-Mitglieder komme ein gewerkschaftsabhängiges Urlaubsentgelt hinzu. Dieses soll nach dem Willen des Arbeitgebers allen Beschäftigten der SSN zugutekommen. Im Übrigen teile man das Ziel einer Angleichung an den Ländertarif. Dies zeige auch das Angebot von 16 Prozent mehr Geld. Die Forderung der GDS sei mit 24 Prozent „völlig überzogen“. Die Gewerkschaft kontert, das UKSH operiere mit irreführenden Zahlen. Am kommenden Montag wird weiterverhandelt.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Einschraenkungen-drohen-Am-UKSH-streiken-die-Service-Kraefte
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 14:37:40 Mi. 21.April 2021
Zitat
21.4.21
Servicemitarbeiter am UKSH beginnen 48-Stunden-Warnstreik
(...)
Am Vormittag zogen nach Polizeiangaben in Kiel rund 150 Teilnehmer in einer Demonstrations am Gelände des UKSH vorbei. Mit Trillerpfeifen machten sie lautstark auf ihren Protest aufmerksam. Auf Transparenten stand unter anderem «Klatschen allein macht nicht satt» oder «Wir sind Mehrwert». Auch am Klinikstandort Lübeck beteiligten sich Servicekräfte am Vormittag an einem Demonstrationszug. Die Polizei sprach von etwa 180 Teilnehmern.
(...)
https://www.zeit.de/news/2021-04/21/warnstreik-der-servicemitarbeiter-am-uksh-hat-begonnen

(https://abload.de/img/gds02fkgz.png) (https://abload.de/image.php?img=gds02fkgz.png)

(https://abload.de/img/gds2rrjt1.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds2rrjt1.jpg)

(https://abload.de/img/gds3d2jy3.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds3d2jy3.jpg)

(https://abload.de/img/gds1xnkzc.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds1xnkzc.jpg)

(https://abload.de/img/gds6gqjzw.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds6gqjzw.jpg)

(https://abload.de/img/gds4c7jz1.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds4c7jz1.jpg)

(https://abload.de/img/gds5u8kna.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds5u8kna.jpg)

(https://abload.de/img/gds7pxj0m.jpg) (https://abload.de/image.php?img=gds7pxj0m.jpg)
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 18:22:55 Mi. 21.April 2021
Einige Filmchen aus Kiel und Lübeck:
https://www.sat1regional.de/uksh-servicekraefte-treten-in-zweitaegigen-warnstreik/
https://vimeo.com/539700943
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 20:44:01 Mi. 21.April 2021
(https://abload.de/img/streik3_1_3_2021yrj0p.jpg) (https://abload.de/image.php?img=streik3_1_3_2021yrj0p.jpg)

(https://abload.de/img/asdg363r2cgtsdojr7fvhpukfe.jpg) (https://abload.de/image.php?img=asdg363r2cgtsdojr7fvhpukfe.jpg)

Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 18:55:34 Do. 22.April 2021
Filmchen von der Streikdemo aus Kiel:
https://vimeo.com/540220668

Auszug aus der Laufschrift:
"Es gibt auch weiterhin massive Verstöße des Arbeitgebers gegen die Notdienstvereinbarung! ++++ Mitarbeiter werden wiederholt von ihren Vorgesetzten bedroht und es wird versucht, sie einzuschüchtern! ++++ Das ist ein Skandal für das Land Schleswig-Holstein! Das UKSH - ein Landesbetrieb und rechtsfreier Raum für die Führungskräfte? Skandalöse Zustände am UKSH in Kiel und Lübeck!"
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:10:37 Fr. 23.April 2021
Endlich haben die Streikenden es geschafft, in die Medien zu kommen, regional und teilweise auch überregional.
(Gerade bei NDR online gegangen: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/UKSH-800-Servicemitarbeiter-beteiligten-sich-an-Streik,uksh614.html )

Es wird lapidar die GDS erwähnt. Es wurde noch nirgendwo thematisiert, daß ein kraftvoller Streik auch außerhalb des DGB möglich ist. DAS sollte bundesweit ein Thema sein.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 19:36:31 Mi. 28.April 2021
Zitat
28.4.21
Service-Mitarbeiterin am UKSH: Darum streike ich

Seit Anfang März streiken die Mitarbeiter des Service Stern Nord am UKSH immer mal wieder für eine schrittweise Angleichung an die Gehälter an die der direkt beim UKSH Beschäftigten. Jetzt steht die Urabstimmung kurz bevor. Eine Mitarbeiterin aus Lübeck erklärt, warum auch sie streikt.

Dagmar Albrecht ist gelernte Restaurantfachfrau und Köchin. Seit mehr als fünf Jahren arbeitet sie für die UKSH-Tochter Service Stern Nord in Lübeck. Ihre Arbeit sei zwar anstrengend, aber dennoch ein schöner Job, sagt die 54-Jährige. Doch die Tatsache, dass sie und ihre 900 Lübecker Kollegen für die gleiche Arbeit deutlich schlechter bezahlt werden als die direkt am UKSH Beschäftigten, ist für Albrecht ein Zeichen geringer Wertschätzung. Deshalb streikt sie mit.

„Verantwortungsvoller und anstrengender Job“

Bis zu einer schweren Bandscheiben-Erkrankung 2019 mit OP und anschließender Reha, erzählt Dagmar Albrecht, war sie in der Serviceassistenz beschäftigt. Dort war sie zuständig für die Bestellung und Versorgung der Patienten und der Station mit allen Dingen des täglichen Bedarfs wie Essen, Getränke, Geschirr und Wäsche, aber auch medizinischem Bedarf wie Spritzen, Verbände und ähnliches. „Für jeden Patienten werden alle Mahlzeiten individuell auf seine Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten, täglich neu erfragt und bestellt. Bei Bedarf werden diese von uns auch mundgerecht zubereitet, was nicht gerade selten vorkommt.“ Es sei ein äußerst verantwortungsvoller, anstrengender aber auch schöner Job, der gerne mit gelernten Kräften aus der Gastronomie besetzt werde.

Man sei, sagt sie, „ein Bindeglied zwischen den Patienten und dem medizinischen Personal und braucht viel Einfühlungsvermögen“. Nach ihrer Erkrankung wechselte Albrecht in eine andere Abteilung – sie ist jetzt in der Logistik der Service Stern Nord tätig.

Kein Weihnachtsgeld, wenig Urlaubsgeld

Dagmar Albrecht listet kurz auf: Ihr Verdienst bei einer Lohnerhöhung von 0,94 Euro in fünf Jahren beträgt 11,82 Euro pro Stunde. Das gezahlte Urlaubsgeld in Höhe von nicht einmal zehn Euro pro Tag und Weihnachtsgeld in Höhe von 0,00 Euro – das gleiche den geringen Grundlohn wahrlich nicht aus. Nur durch Sonn- und Feiertagsdienste sowie Nachtschichten, sagt die 54-Jährige, „kann man vom Gehalt einigermaßen würdevoll existieren“.

UKSH-Beschäftigte auch im Krankheitsfall besser gestellt

Ein gleichgestellter Kollege mit UKSH-Vertrag verdiene etwa 1000 Euro brutto mehr als ein beim Service Stern Nord beschäftigter, das Weihnachtsgeld betrage ein knappes 13. Gehalt, bei Krankheit stocke das UKSH das bereits gut bemessene Krankengeld für bis zu sechs Monate auf 100 Prozent auf. „Nicht so für die Service-Stern-Mitarbeiter“, die in allen nichtmedizinischen Bereichen inklusive Verwaltung arbeiteten. „Zu Weihnachten gab es für die Belegschaft der Service-Gesellschaft nicht etwa einen kleinen Bonus für den zusätzlichen Einsatz in Zeiten der Pandemie, sondern warme Worte, eine Trinkflasche aus Bambus und einen Kugelschreiber.“

Geringe Wertschätzung

Und bei der Berechnung von Krankengeld, Übergangsgeld und ähnlichem würden Zuschläge nicht eingerechnet. „So wird aus diesem ,wertvollen‘ Mitarbeiter der Servicegesellschaft einer, der sich plötzlich am Rande der Armutsgrenze wiederfindet“, bilanziert Albrecht, die aus Erfahrung spricht. Als Alleinstehende habe sie sich von einem dreiviertel Jahr Krankengeldbezug finanziell noch nicht wieder erholt. Bitter stellt sie fest: „Soviel zum Thema Wertschätzung des Mitarbeiters durch das UKSH, das sich ja auch gerne als ausgezeichneter ‚Top-Arbeitgeber‘ darstellt.“

„Tarifangebot ist ein Schlag ins Gesicht“

Und jetzt habe es durch das vorgelegte Tarifangebot einen Schlag ins Gesicht gegeben: Zunächst bot der Arbeitgeber der Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) 16 Prozent auf drei Jahre, in der Verhandlungsrunde am Montag dann 19 Prozent auf vier Jahre. GDS-Vorsitzender Steffen Beckmann bilanziert: „Der Streik hat nichts gebracht.“ Zwar habe die Arbeitgeberseite das Angebot erhöht, aber beim genaueren Hinsehen stelle man fest, dass die 19 Prozent nur durch die Laufzeit-Verlängerung um ein Jahr erreicht würden. Im Klartext: Das sei sogar weniger als zuvor geboten.

„Streik ist wichtig für alle – Zusammenarbeit für Patienten

Am Dienstag beschloss die Tarifkommission, die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik einzuleiten. Für Dagmar Albrecht ist auf alle Fälle klar: Der Streik ist nicht nur wichtig für die betroffenen Mitarbeiter, sondern für alle. Denn: „Ärzte, Pflege und Service arbeiten Hand in Hand für den Patienten. Wir bilden gemeinsam das Fundament des Hauses. Je bröckeliger es wird, desto eher stürzt das Haus ein. Und in den Trümmern befindet sich, unverschuldet, der Patient.“
https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/UKSH-Luebeck-Darum-streiken-Mitarbeiter-der-Service-Gesellschaften
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 10:56:52 Do. 29.April 2021
Dieser Arbeitskampf ist absolut bemerkenswert.

Anfang 2020 organisierte Verdi Proteste und Warnstreiks am UKSH. Die Streikbereitschaft und -beteiligung waren beeindruckend. Die Kolleg:innen waren bereit in einen unbefristeten Streik zu treten. Es gab ein Verhandlungsergebnis aus den Gesprächen zwischen Verdi und dem Management, doch es wurde nie über dieses Ergebnis einen Urabstimmung durchgeführt. Die gerade aufgetauchte Coronapandemie mußte dafür herhalten. Es löste sich alles in Wohlgefallen auf, die Streikbereitschaft wurde nicht genutzt, es wurde über das Thema einfach nicht mehr geredet. Klinikalltag und Ausbeutung gehen weiter wie gehabt.

Jetzt schießen die prekären Servicebeschäftigten und die GDS quer. Sie beweisen, daß man während der Pandemie (sogar während einer Welle) demonstrieren und kämpfen kann. Und Urabstimmungen lassen sich sowieso durchführen.

Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 13:58:40 Di. 04.Mai 2021
Zitat
31.3.21
UKSH und ver.di unterzeichnen Vereinbarung für mehr Personal und Entlastung

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di informiert darüber, dass die Vereinbarung für mehr Personal und Entlastung am UKSH am 30.3.2021 vom UKSH und ver.di unterzeichnet wurde. Am 13.3.2020 hatten sich Landesregierung, UKSH und ver.di - unter Federführung von Finanzministerin Heinold - auf gemeinsame Eckpunkte geeinigt. Die Eckpunkte wurden im Rahmen von konstruktiven Redaktionsverhandlungen in eine Vereinbarung gewandelt. Das bedeutet, die vereinbarten Maßnahmen für mehr Personal und Belastungsabbau für die Beschäftigten des UKSH können nun umgesetzt werden.
(...)
https://nord.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++77271f60-9203-11eb-ab17-001a4a160119

Zitat
3.5.21
Lübeck: Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) fordert für die mehr als 2000 Beschäftigten der UKSH-Tochtergesellschaft Service Stern Nord die Anbindung an den bundesweiten Flächentarifvertrag der Länder (TV-L).

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wendet seit dem 1. August 2014 den Tarifvertrag der Länder an, ebenso für die eigene Tochtergesellschaft Zentrum für integrative Psychiatrie.

„Die Corona-Pandemie hat deutlich aufgezeigt, dass für eine gute medizinische Versorgung die Servicebereiche unabdingbar und wichtig sind. Vor diesem Hintergrund fordern wir für alle Beschäftigten am UKSH und in den UKSH Tochtergesellschaften den gleichen Tarifvertrag mit gleichen Arbeitsbedingungen und Vergütungen. Die Zeit der Zwei-Klassen-Gesellschaft am Uniklinikum muss endlich vorbei sein. Im Sinne der Tarifeinheit und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie fordern wir das Land auf, die TV-L-Bindung für die UKSH-Servicetochter ordnungspolitisch herzustellen und damit das Versprechen von 2014 einzulösen: Ein UKSH – ein Tarifvertrag. Keine Spaltung der Beschäftigten mehr“, fordert Steffen Kühhirt, verantwortlich für Gesundheit und Soziales bei ver.di Nord.
https://www.hl-live.de/text.php?id=144701

Nicht unwahrscheinlich, dass verdi ganz schön viel Mitgliedsbeiträge durch die Konkurrenzgewerkschaft flöten gehen.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 01:22:17 Di. 08.Juni 2021
Man hat sich geeinigt am UKSH:

Zitat
Am 7. Juni 2021 wurde der neue Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) UKSH und Service Stern Nord GmbH (SSN) unterzeichnet. Dieser tritt rückwirkend zum 1. April 2021 in Kraft. In den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Streiks gegeben. Nach Gewerkschaftsangaben steigen die Löhne innerhalb von drei Jahren um 14 bis 29,6 Prozent.
blabla (...)
https://www.hl-live.de/text.php?id=145390

Der Kram hat eine Laufzeit von drei Jahren, was ja anscheinend der neue heiße Scheiß ist. Laut eigenem Video gab es auch eine Abstimmung zur Annahme. Die dort dargestellte sanftväterliche Art ist zum Kotzen:

https://vimeo.com/560083209

Die Gewerkschaft der Servicekräfte ist noch relativ jung, hatte nun ihre ersten Streiks, die ziemlich geil waren, viele Mitglieder sind engagiert und es gibt mal wieder ein Ergebnis. Es ist schwierig, das alles für Außenstehende einzuordnen.

Wenn die DGB-Gewerkschaften auch nur als Co-Manager und eigene Wirtschaftsunternehmen agieren, dann sollte es nicht verwundern, dass neue Gewerkschaften ebenfalls diese Schiene fahren oder fahren könnten. Daher hier ein Eindruck von der GdS aus einer Broschüre von 2012:

(https://abload.de/img/gds-lenkernaj18.png) (https://abload.de/image.php?img=gds-lenkernaj18.png)

"Köpfe, Lenker und Macher" könnte auch bei verdi stehen. Es mag im Moment anders sein, aber man sollte die Entwicklung schon genauer betrachten. Trotzdem erstmal Glückwunsch zum Tarifvertrag!
Am 10.6.21 gibt es eine von verdi unterwanderte Kundgebung für die Servicekräfte am Städtischen Krankenhaus:

Zitat
Gleicher Lohn für alle Krankenhaus-Beschäftigten – Tariflohn auch für den Service

Kundgebung 10.06.21 15:30 Schlossplatz (Kieler Schloss)
https://solidarischdurchdiekrise.de/2021/06/06/die-kosten-der-krise-fair-und-gerecht-verteilen/

Es wäre schön, wenn auch die Servicekräfte des UKSH daran teilnehmen, ist schließlich alles eine Suppe.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 12:54:23 Do. 22.Juli 2021
Es gibt nun einen neuen Tarifvertrag mit der Service Stern Nord:
https://gewerkschaft-der-servicekräfte.de/images/2021/07/tarifvertraege_ssn.pdf

Allzu groß scheinen die Unterschiede zu dem lange umkämpften Tarifvertrag der CFM in Berlin nicht zu sein, der Berliner Mindestlohn für die Einstiegsgruppe ist allerdings wesentlich höher.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 09:56:13 Mo. 08.November 2021
Zitat
Mehr Geld gefordert: Der Warnstreik am UKSH in Lübeck läuft

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des UKSH in Lübeck zu einem Warnstreik aufgerufen. Der Ausstand habe wie geplant mit Beginn der ersten Frühschichten gegen 5 Uhr begonnen, sagte eine Sprecherin.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Warnstreik-am-UKSH-in-Luebeck-laeuft-mehr-Geld-gefordert
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 22:14:59 Mi. 10.November 2021
Zitat
10.11.21
Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) beteiligt sich ab 1. Januar 2022 am ÖPNV-Jobticket der NAH.SH. Damit können die rund 15.000 Mitarbeiter vergünstigt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Das UKSH bezuschusst das Jobticket mit einem steuer- und sozialversicherungsfreien Arbeitgeberzuschuss in Höhe von monatlich 30 Euro – der höchsten Rabattstufe, die hier möglich ist. Die NAH.SH gewährt einen zusätzlichen Rabatt von 20 Euro monatlich.
https://www.hl-live.de/text.php?id=148009

Angenehmes Greenwashing und gut für das Image. Verkehrswendeaktivisten freuen sich, dass das Gegenargument vom notwendigen Privat-PKW für Pflegekräfte nun wegfällt.

Trotzdem wird nun auch am UKSH Kiel gewarnstreikt und am 16.11., 10:00 Uhr Gewerkschaftshaus, gibt es Demo zum Landtag.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Kuddel am 20:19:44 Sa. 25.Dezember 2021
Ich habe von Intensivbettenschwindel im großen Stil am UKSH gehört.
Ich habe bisher eher windige Quellen dazu gefunden.
Weiß jemand mehr?


Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 20:46:19 Sa. 25.Dezember 2021
Ich halte das für Blödsinn, passt aber natürlich so schön.

Zitat
6.7.21
(...)
Die meisten Zuschüsse bundesweit erhielten das Klinikum Stuttgart und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), die beide jeweils 11,7 Millionen Euro für den Aufbau von 234 Intensivbetten erhielten. Tatsächlich gab es vor der Pandemie am UKSH 172 Intensivbetten, derzeit werden 240 Betten betrieben, wie das Klinikum mitteilt. Die übrigen 166 Betten seien als "Reserve" zu verstehen. Allerdings sei man in der Lage, die hohe Zahl "notfalls innerhalb weniger Tage zu betreiben".
(...)
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/intensivbetten-113.html

Scholz persönlich:

Zitat
7.12.21
UKSH-Chef Jens Scholz: Manche Corona-Patienten lügen uns an

Ungeimpfte Schwerstkranke auf der Intensivstation des Uniklinikums, eine hohe Dauerbelastung für Ärzte und Pflegekräfte und finanzielle Verluste: Die Pandemie hat das UKSH auch am Ende von Jahr zwei fest im Griff. Warum es trotzdem auch Lichtblicke gibt, erklärt Prof. Jens Scholz im KN-Interview.

(...)

Wie steht das UKSH derzeit finanziell da, sind die Einbußen durch die Pandemie so groß wie befürchtet?

Jein. Zunächst hat Jens Spahn ja jedem Krankenhaus pauschal 560 Euro für ein Bett gezahlt, das für Corona-Patienten freigehalten wird. Das war falsch, und manche Krankenhäuser haben dadurch richtig Geld verdient, weil dort der Leerstand lukrativer war, als Patienten zu behandeln. Dann wurde das System modifiziert, und es gab je nach Umständen 360 bis 760 Euro. Das war schon besser, aber für Unikliniken müssten es 800 bis 900 Euro sein, denn es geht ja nicht nur um die leer stehenden Betten, sondern auch um wegbleibende ambulante Patienten, leere Parkhäuser und vieles mehr. Nehmen Sie nur unseren Sicherheitsdienst, der kostet zehn Millionen Euro im Jahr. Darum gab es für das vergangene Jahr 46,8 Millionen Euro vom Land für die Corona-Verluste, und es ist besprochen, dass auch für dieses und nächstes Jahr das Land einspringt, wenn es nötig wird.

(...)
(Schranke)
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/UKSH-Chef-Jens-Scholz-Manche-Corona-Patienten-luegen-uns-an

Es bleibt das Problem, die Reserve an Intensivbetten überhaupt betreiben zu können. Das funktioniert nur mit Schulungen des Personals und Freihaltung von normalen Betten. Vetternwirtschaft beim UKSH sehe ich eher bei anderen Sachen, als dass der Olaf seinem kleinen Bruder heimlich etwas zusteckt.
Titel: Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Beitrag von: Fritz Linow am 16:42:37 Fr. 06.Mai 2022
Zitat
Kundgebung und Demonstration_UKSH-Tochtergesellschaft Service Stern Nord am 07.05.2022 in Kiel

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ruft am 07.Mai 2022 zu einer Kundgebung und Demonstration in Kiel unter dem Motto: „Ein Betrieb - eine Belegschaft- ein Tarifvertrag - Schluss mit der ‚Zwei-Klassen-Gesellschaft‘ am UKSH“ auf.

Die Kundgebung findet um 11.00 Uhr in Kiel, Platz der Kieler Matrosen, statt. Die Demonstration verläuft durch die Kieler Innenstadt.
Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der UKSH-Tochtergesellschaft Service Stern Nord die Anwendung des Tarifvertrags der Länder (TVL) und damit die Gleichstellung aller UKSH-Beschäftigten im UKSH-Konzern. ver.di hatte das UKSH bereits 2020 zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Die Gewerkschaft sieht die Landespolitik gefordert, denn das UKSH ist in der öffentlichen Hand des Landes Schleswig-Holstein.

(…)
https://kiel-ploen.verdi.de/branchen-und-berufe/fachbereich-c-gesundheit-soziale-dienste-bildung-und-wissenschaft/++co++0460eeb8-cd15-11ec-8b18-001a4a160100

Kann man machen, wirkt aber etwas überraschend. Letztes Jahr hatten die Beschäftigten schließlich recht laut und lebendig mit der Gewerkschaft der Servicekräfte (GdS) gestreikt.