Gefangenen-Misshandlung im Irak zieht weitere Kreise

Begonnen von Kater, 14:14:33 Sa. 24.September 2005

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Kater

ZitatSamstag 24. September 2005, 13:53 Uhr
Gefangenen-Misshandlung im Irak zieht weitere Kreise

Washington (AFP) - Auch Angehörige von Eliteeinheiten der US-Armee haben einem Bericht zufolge irakische Gefangene gedemütigt, misshandelt und gequält. Soldaten der angesehenen 82. US-Fallschirmdivision hätten mehreren Gefangenen mit roher Gewalt Arme und Beine gebrochen, berichtete die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) unter Berufung auf ranghohe Mitglieder der Division. Truppenmitglieder hätten Häftlinge extremer Hitze oder Kälte ausgesetzt, ihnen nichts zu essen und zu trinken gegeben, sie nicht schlafen lassen oder sie brutal verletzt.

Um Häftlinge zu demütigen, hätten Soldaten der Fallschirmdivision sie in dem Lager in der Nähe von Falludscha bisweilen zu menschlichen Pyramiden aufgeschichtet, hieß es in dem HRW-Bericht. Der Missbrauch von "PUCs" ("persons under control"), wie die Soldaten die Gefangenen nennen, habe teilweise einfach dazu gedient, bei den Soldaten "Stress abzubauen".

"Jeder im Lager hat gewusst, dass man nur in ein PUC-Zelt gehen musste, wenn man seinen Frust loswerden wollte", sagte ein Unteroffizier der Organisation. "Es war eine Art Sport." Einer seiner Kameraden habe sich von einem Häftling einen Baseballschläger aus Metall geben lassen; dann habe er ihm befohlen, sich vorneüber zu beugen und ihm das Bein mit dem Schläger gebrochen.

Die von HRW zitierten Misshandlungsfälle bezogen sich auf den Zeitraum von September 2003 bis April vergangenen Jahres; die betroffenen Soldaten gehörten dem I. Bataillon des 504. Regiments der 82. Fallschirmdivision an. Vielfach habe der Militärgeheimdienst die Misshandlungen sogar vor Befragungen angeordnet. hiße es in dem HRW-Bericht. Vorgesetzte Offiziere - auch außerhalb des Geheimdienstes - hätten davon gewusst.

"Die Schilderungen legen nahe, dass die Misshandlung von Gefangenen durch das US-Militär sogar noch weiter verbreitet ist als bislang zugegeben wurde, selbst unter Soldaten, die zu den bestausgebildeten, meistausgezeichneten und hochgeachteteen Einheiten der Armee gehören", stellte HRW fest. Zumindest ein in dem Bericht zitierter Hauptmann habe wiederholt versucht, die Misshandlungen an höhere Stellen zu melden. Er sei dort aber nicht zur Kenntnis genommen, sondern vielmehr ermahnt worden, an seine Karriere zu denken.

Ein Armeesprecher sagte, die zuständige Stelle beim Militär habe Ermittlungen eingeleitet, als ein Angehöriger der Fallschirmdivision die Ausschreitungen vor zwei Wochen gemeldet habe. Wenn es weitere Hinweise oder Zeugen gebe, "werden wir bestimmt versuchen, mit ihnen zu reden".


http://de.news.yahoo.com/050924/286/4pa5j.html

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neues zu den "Altfällen":

ZitatMontag 26. September 2005, 21:49 Uhr
US-Soldatin England schuldig gesprochen

Fort Hood/USA (AP) Die US-Soldatin Lynndie England ist am Montag in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Die 22-Jährige musste sich wegen der Misshandlung von Gefangenen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib zum zweiten Mal vor einem Kriegsgericht verantworten. Sie war auf einigen der Bilder zu sehen, die um die Welt gingen, wie sie lächelnd neben misshandelten irakischen Gefangenen posiert.

England wurde in einem Punkt der Verschwörung, in vier Punkten der Misshandlung von Gefangenen sowie in einem Punkt einer obszönen Handlung schuldig befunden. Ein zweiter Vorwurf der Verschwörung wurde fallen gelassen. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft. Über das Strafmaß entscheiden die selben fünf Offiziere, die das Urteil verhängten.

Englands Prozess ist der letzte von einer ganzen Serie gegen neun Heeresreservisten, die im Zusammenhang mit den Misshandlung von Abu Ghraib angeklagt wurden. Zwei wurden verurteilt, sechs einigten sich mit der Militärstaatsanwaltschaft.

Das Verfahren gegen England musste noch einmal komplett neu aufgerollt werden, weil Richter Oberst James Pohl einen Widerspruch zwischen der Aussage des in dem Folterskandal als Hauptangeklagten zu zehn Jahren Haft verurteilten James Graner und Englands Schuldeingeständnis feststellte. Graner, der nach Englands Angaben Vater ihres Babys ist, hatte erklärt, die Fotos mit der Soldatin seien zu Ausbildungszwecken gemacht worden. England hatte dagegen erklärt, sie seien ausschließlich zur Belustigung der Gefängnisaufseher gemacht worden. Vor Beginn des Prozesses ließ Pohl dann aber eine frühere Aussage der Angeklagten zu, in der diese sich selbst belastet.

http://de.news.yahoo.com/050926/12/4pcww.html

Kater

ZitatMittwoch 28. September 2005, 07:50 Uhr
Drei Jahre Haft für US-Soldatin Lynndie England

Fort Hood (AFP) - Wegen des Folterskandals von Abu Ghraib ist die US-Soldatin Lynndie England zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 22-Jährige wird außerdem unehrenhaft aus der Armee entlassen, wie das Militärgericht im texanischen Fort Hood entschied. Am Montag war sie in sechs von sieben Anklagepunkten der Misshandlung irakischer Gefangener schuldig gesprochen worden.

Das Foto von England, wie sie im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad einen nackten und am Boden liegenden Häftling wie einen Hund an der Leine hielt, war um die Welt gegangen. Sie war zum bekanntesten Gesicht des Folterskandals geworden.

Bei der Urteilsverkündung brach England in Tränen aus. Ihr drohten bis zu neun Jahre Haft. Kurz vor dem Urteil hatte England darum gebeten, ihr elf Monate altes Baby ihr zu lassen. Der Sohn stammt aus ihrer Verbindung zu ihrem ehemaligen Geliebten und Vorgesetzten im Abu-Ghraib-Gefängnis, Charles Graner. Ihre Anwälte hatten vergeblich argumentiert, dass sie von ihrem Charakterbild her zur Folgsamkeit neige und emotional instabil sei, weshalb sie dem Einfluss ihrer Umgebung in Abu Ghraib erlegen sei. Den Befehlen Graners sei sie blind gefolgt.

Das Militärgericht unter Vorsitz von Richter James Pohl befand sie in vier Anklagepunkten der grausamen Misshandlung von Häftlingen für schuldig. So wurde England unter anderem schuldig gesprochen, weil sie auf einem Foto auf die Genitalien eines nackten Gefangenen zeigte oder weil sie auf einem Bild zu sehen ist, auf dem nackte irakische Häftlinge zu einer Pyramide gestapelt wurden. Verurteilt wurde sie auch wegen unzüchtigen Verhaltens und der Verabredung zu einer Straftat.

Das erste Verfahren gegen England war geplatzt, weil der vorsitzende Richter ein von der Soldatin abgelegtes Schuldbekenntnis für unglaubwürdig hielt und für ungültig erklärt hatte. Von dem Bekenntnis hatte sich die Soldatin eine mildere Strafe erhofft. Der Folterskandal von Abu Ghraib war im Frühjahr 2004 durch die Veröffentlichung der Misshandlungsfotos bekannt geworden und hatte weltweit Empörung ausgelöst.

Von den nunmehr wegen des Abu-Ghraib-Skandals verurteilten neun Soldaten erhielt Graner als Rädelsführer mit zehn Jahren die härteste Strafe. Die meisten anderen bekamen zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Gegen Mitglieder der oberen Militärführung gab es wegen des Skandals dagegen keine Anklagen.

http://de.news.yahoo.com/050928/286/4pf5n.html

Kater

ZitatMittwoch 28. September 2005, 13:29 Uhr
ai kritisiert Urteil gegen US-Soldatin England als zu milde


Berlin (AFP) - Die Gefangenen-Hilfsorganisation amnesty international (ai) hat das Urteil gegen die US-Soldatin Lynndie England als zu milde kritisiert. Die Haftstrafe von drei Jahren sei zu niedrig, sagte die Generalsekretärin der deutschen ai-Sektion, Barbara Lochbihler, am Mittwoch im Inforadio vom rbb. Zwar sei es gut, dass es überhaupt zum Prozess gekommen sei. Es gehe aber nicht an, dass das Militär sich selber untersuche, kritisierte Lochbihler. "Wir fordern eine unabhängige und umfassende Untersuchung, dass eben nicht nur einfache Soldaten angeklagt werden, dass die ganze Befehlskette und deren Verantwortlichkeit deutlich gemacht wird." US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der mehrfach Folterpraktiken als Verhörmethoden genehmigt habe, sei nach wie vor im Amt.

http://de.news.yahoo.com/050928/286/4pg1c.html

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