Ex-DDR, "Neue Bundesländer", Sonderwirtschaftszone, Billiglohnregion

Begonnen von Kuddel, 12:48:20 Di. 11.Januar 2022

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dagobert

Der beste Kaufmann ist der Krieg. Er macht aus Eisen Gold.
Friedrich von Schiller

Kuddel

120 Streiktage im Einzel- und Großhandel in Thüringen seit Mai 23.

Alle Achtung!

Dem Osten wurde irgendwas mit "Freiheit" versprochen, doch die Menschen wurden mit der Wiedervereinigung nach Strich und Faden verarscht. Viele sind fortgezogen.

Der Druck von unten aus den Betrieben zur Zeit ist beachtlich.

Kuddel

ZitatLöhne im Osten mehr als 20 Prozent unter Niveau des Westens

Vollzeitbeschäftigte im Osten Deutschlands verdienen laut einer neuen Erhebung im Durchschnitt fast 13.000 Euro weniger als im Westen.
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ungleichheit-loehne-im-osten-mehr-als-20-prozent-unter-niveau-des-westens/100032281.html

counselor

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

ZitatMit der Wiedervereinigung wurde das ehemalige Volkseigentum der DDR umverteilt. Etwa 85 Prozent des Wertes der Produktionsmittel gingen an westdeutsche Privateigentümer*innen, etwa 10 Prozent an ausländische und etwa 5 Prozent an ostdeutsche. Dieser Entwicklungspfad hat Ostdeutschland zu einer Region ohne lokale Bourgeoisie gemacht, die bis heute von westdeutschen Entscheidungen und Transferleistungen abhängig ist. Eine eigenständige Entwicklung wurde nahezu unmöglich gemacht.

Dies zeigt sich unter anderem darin, dass es in Ostdeutschland kaum Unternehmenssitze gibt, sondern vor allem abhängige Filialen von Großunternehmen, die ihren Sitz überwiegend in Westdeutschland haben. Diese lassen im Osten weniger produktive Produktionsschritte durchführen, die mehr auf handwerklichen und mechanischen Tätigkeiten und weniger auf Forschung und Entwicklung basieren. Mit dieser räumlichen Verteilung sind viele Phänomene verbunden: Löhne, Tarifbindung, Mitbestimmungsregelungen, gewerkschaftlicher Organisationsgrad, Gewerbesteuern für die Kommunen und Qualifizierungsmöglichkeiten der Beschäftigten sind im Osten vergleichsweise gering. Zudem erlaubt es diese Struktur den Konzernzentralen, ihre ostdeutschen Filialen einfach ins Ausland zu verlagern. Damit wurde bei Forderungen nach mehr Lohn lange Zeit gedroht.
...
Das hat auch dazu geführt, dass die Ostdeutschen bis heute tendenziell weniger auf Partizipation vertrauen. In der Lebenswelt vieler Ostdeutsche gibt es nur wenige Bereiche, in denen sie sich wirksam einbringen können – und die Bereiche, in denen sie es können, wie etwa die Quartiersmanagements in den Plattenbaugebieten, haben sich als Orte der Symbolpolitik und der Farce erwiesen.

Die bereitgestellten Partizipationskanäle haben sich im Alltag der Ostdeutschen als eher wirkungslos erwiesen. Das Angebot der AfD und anderer extrem rechter Parteien verspricht Handlungsfähigkeit.
...
Solidarischem Handeln in diesem Sinne trauen viele im Osten keine Wirksamkeit mehr zu. Restriktive Handlungsfähigkeit erscheint hingegen als die einzig realistische. Und dieses Angebot macht unter anderem die AfD.
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Ja, ich höre in Gesprächen immer wieder: »Stimmt, der Reichtum ist ungerecht verteilt, aber an die Reichen kommt man nicht ran.« Der Zugriff auf den vorhandenen Reichtum wird als unmöglich angesehen. ...
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184913.landtagswahlen-afd-umfragewerte-destruktiver-ersatz.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

Hach, während des Kalten Krieges waren die Menschen in der DDR "unsere Brüder und Schwestern" und es gab eine Kampagne, für sie Kerzen ins Fenster zu stellen.

Als man die Mauer zu Fall gebracht hat, wurde die DDR wie eine Kolonie und die Menschen wie Dreck behandelt. Die Neuorganisierung der Verwaltung und der Ausbeutung wurde von Wessis organisiert und sie erhielten eine "Buschzulage".

Man behauptete schlicht, die Ossis seien von eine Diktatur geprägt (bzw. von der NS- und dann der SED Diktatur) und sprach ihnen die Fähigkeit zur Demokratie oder zu einer Selbstverwaltung ab. Selbst die DGB Gewerkschaften haben sich herablassend verhalten, sind in den Osten eigezogen und sahen dort nur unzählige neue zahlende Gewerkschaftmitglieder, waren aber kaum bereit, die Interessen der Abeiter:innen zu vertreten. Es hatte sich betriebsübergreifend ein Netzwerk von Betriebsräten gebildet, um sich gemeinsam auf die neuen Anforderungen und Angriffe einstellen zu können, doch das ist vom DGB kaltgestellt worden. Bis zum heutigen Tag gibt es kein gleiches Lohnniveau Ost und West.

Die ökonomische, politische und ideologische Herabsetzeung der Menschen in der Ex-DDR wurde zu einer kaum beachteten Normalität. Das war die Grundlage, auf der die Faschos punkten konnten. Sie schienen die Wut auszudrücken, die viele Menschen im Osten fühlten.

Jetzt, wo die Faschos Erdrutschsiege feiern konnten, will man plötzlich "hinhören" wie es den Ossis geht, man will sogar "ihre Leistungen anerkennen".

Leute, damit hätte man vorher kommen müssen, wenn man keinen Rechtsruck will. Ich halte diese Überraschtheit und Empörung vor den Rechtstendenzen für verlogen. Eine gewisse Menge an rechter Gewalt im Osten war stets gewollt, damit die Linke damit beschäftigt blieb und sich nicht um soziale Kämpfe kümmern konnte. Die Pogrome von Rostock Lichtenhagen sind auch nicht vom Himmel gefallen. Es gab angereiste rechte Kader aus dem Westen, die von den Behörden freie Hand erhielten, um das dort bereits herschende rassistische Klima weiter anzuheizen, bis die Stimmung in eine offene und mordlüsterne Gewalt kippte.

Jetzt haben wir den Salat. Auch einige der Kräfte, die ein Interesse an der Existenz einer rechten Szene hatten, scheint es mulmig zu werden, da die Rechten außer Rand und Band und außer Kontrolle geraten.

ManOfConstantSorrow

Zitat,,Wir lassen uns als Ossi's nicht mehr alles gefallen!"
32h-Streik beim Tabakhersteller German Tobacco für Tarifvertrag


Mit großer Entschlossenheit haben heute die Beschäftigten des Tabakherstellers German Tobacco in Kloster Lehnin (Landkreis Potsdam-Mittelmark) einen 32-Stunden-Streik begonnen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten rief aus einer Betriebsversammlung am Mittag heraus zu der Arbeitsniederlegung auf, nachdem die Vertreter der Arbeitgeberseite weitere Gesprächsangebote der Gewerkschaft abgelehnt hatten. Sie fuhren kommentarlos vom Hof. Die Produktion ist infolge des Streiks vollständig zum Erliegen gekommen.

Die Beschäftigten wollen die Lohnunterschiede zum Mutterwerk in Lübeck abbauen. Alle Standorte gehören zur von Eicken Gruppe. Die Lohnunterschiede belaufen sich auf mehrere hundert Euro. Ein Maschinenbediener am Brandenburger Standort verdient derzeit etwa 2.600 Euro Brutto im Grundlohn. Es ist bereits die dritte Arbeitsniederlegung. Zeigt sich das Unternehmen weiter nicht verhandlungsbereit droht eine längere Streikauseinandersetzung.

,,Wir lassen uns als Ossi's nicht mehr alles gefallen", sagen die Beschäftigten. ,,Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" steht auf den selbstgemalten Schildern.

Eine klare Botschaft hat auch Veit Groß, Verhandlungs- und Streikführer der Lebensmittelgewerkschaft NGG. Er sagt: ,,Das Unternehmen muss akzeptieren, dass die Beschäftigten sich nicht mehr mit Almosen abspeisen lassen. Die große Streikteilnahme ist ein deutliches Zeichen. Wir verlangen nicht mehr, als die bestehenden Lohnunterschiede Stück für Stück abzubauen und brauchen dafür einen ersten Schritt. Das aktuelle Angebot geht in die falsche Richtung – die Lohnerhöhung soll deutlich niedriger ausfallen als in Lübeck und liegt sogar unter der Inflation. Das kann man niemandem hier erklären."

Hintergrund:

Seit 2023 gehört der Lübecker von Eicken Gruppe die German Tobacco GmbH. Etwa 90 Beschäftigte stellen in Kloster Lehnin (nahe Brandenburg/Havel) Tabakwaren für den Innlands- und den Exportmarkt her. Nach fünf Verhandlungsrunden konnten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft nicht auf einen Tarifvertrag einigen.
https://ost.ngg.net/artikel/2025/32h-streik-beim-tabakhersteller-german-tobacco-fuer-tarifvertrag/
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Hartzhetzer

ZitatDie ökonomische, politische und ideologische Herabsetzeung der Menschen in der Ex-DDR wurde zu einer kaum beachteten Normalität. Das war die Grundlage, auf der die Faschos punkten konnten. Sie schienen die Wut auszudrücken, die viele Menschen im Osten fühlten.

Jetzt, wo die Faschos Erdrutschsiege feiern konnten, will man plötzlich "hinhören" wie es den Ossis geht, man will sogar "ihre Leistungen anerkennen".

Leute, damit hätte man vorher kommen müssen, wenn man keinen Rechtsruck will.
Wo ist der direkte Zusammenhang zwischen die Menschen werden ausgegrenzt, schlecht behandelt und verarmen und darum rücken sie nach rechts? Wieso rücken die in dem Moment nicht nach links sondern immer nach rechts?

Ich finde mit dieser Erklärung macht man es sich zu einfach und tut auch diejenigen die nach Rechts gerückt sind viel zu sehr beschützend in eine Opferrolle stellen.

Es muss ja einen Grund dafür geben das die Menschen das was ihnen die Faschos als Ursache ihrer Armut sowie der gesellschaftlichen Missstände aufzeigen bereitwillig glauben und das was ihnen Kommunisten als Ursache erklären Hassen.

Ein Beispiel:
Michel Bravbürger muss 50% seines monatlichen Geldes nur für Miete ausgeben.
Der Fascho kommt an und sagt: "Daran sind die Flüchtlinge schuld, da die eine Wohnung brauchen und dadurch die Nachfrage nach Wohnungen steigt was die Mieten erhöht."
Michel Bravbürger so: "Ja stimmt die scheiß Ausländer, Ausländer raus!"
Der Kommunist kommt an und erklärt das die Mieten deswegen steigen weil die menschliche Bedürfnisbefriedigung in dieser Gesellschaft als Geschäft organisiert ist, das der Bereicherung einiger weniger dient.
Michel Bravbürger daraufhin: "Du willst uns wohl unsere Freiheit nehmen, ohne private Vermieter würden wir in Höhlen leben da die Menschen ohne einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen viel zu Faul wären überhaupt ein Haus zu bauen! Wie willst du das lösen? Du Linksfaschist willst die Menschen dann wohl zwingen Häuser zu bauen?"

Wenn ich Arm bin kann ich mir als Ursache (1) erklären das ich Zuviel andere Arme hierzulande und aus anderen Staaten mitfinanzieren muss oder ich kann mir als Ursache (2) erklären das das Fettleben derer die in der Gesellschaft über mir stehen daran Schuld ist da ich die auch mitfinanzieren muss und die sogar viel teurer sind als die ganzen anderen armen Schweine die ich mit finanzieren muss.

Wie entsteht jetzt die Selbstverständlichkeit das Menschen die Ursache (1) plausibel finden und daher bei Zunahme von Armut und Ausgrenzung nach Rechts rücken? Wieso finden die Ursache (2) nicht attraktiver?

Wieso regen sich die Armen und Ausgegrenzten mehr über einen Schokoladen Penis auf und befürchten die totale Verschwulung ihres nationalen Paradieses als darüber das ihre Löhne jährlich mehr stagnieren und sie für jede Lebensbanalität Wucherpreise zahlen müssen?

Kurzum Armut und Ausgrenzung sind halt keine Erklärung für die Ursachen die sich die Menschen dafür einleuchten lassen. Genauso wenig können Armut und Ausgrenzung eine Erklärung für die von den Menschen ausgemachten Feindbilder liefern.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

counselor

Viele Leute fühlen sich meiner Erfahrung nach verarscht, weil die Löhne zu niedrig sind, um existieren zu können. Sie sagen aber auch, dass Du als "Deutscher" verarscht wirst und die Flüchtlinge die Sozialleistungen in den Arsch geschoben bekommen.

Also, einerseits werden die niedrigen Löhne als Ursache für die eigene Misere erkannt, andererseits entsteht Hass auf die Flüchtlinge, weil diese sich einfach so am Sozialstaat bedienen können.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Tiefrot

Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet die asozialen Medien ab !

Hartzhetzer

ZitatAlso, einerseits werden die niedrigen Löhne als Ursache für die eigene Misere erkannt, andererseits entsteht Hass auf die Flüchtlinge, weil diese sich einfach so am Sozialstaat bedienen können.
ZitatSchaut nach oben...
Das ist doch die alles entscheidende Frage, warum ist ihnen diese Erklärung für den Schaden den sie in ihrem Alltag erleiden lieber als nach oben zu schauen?

Weil sie durch anerzogenen und angelernten Idealismus Kapitalismus und Nationalstaat als Dienstleister an ihren Interessen sehen und jeglichen Schaden der ihn in ihrem Leben durch die beiden genannten Dinge zugefügt wird als Produkt unmoralische Handlung anderer Menschen und Menschengruppen begreifen um den Dreck den man Ihnen von klein auf ins Hirn geschissen hat nur nicht anzweifeln zu müssen.
Die Nazis vollzogen auf ihre Weise, was die Sozialdemokratie sich immer erträumt hatte: eine »ordentliche Revolution«, in der alles ganz anders wird, damit alles so bleiben kann, wie es ist.

Zitat Schwarzbuch Kapitalismus Seite 278

Kuddel

Zitat von: Hartzhetzer am 09:15:21 So. 06.April 2025Wo ist der direkte Zusammenhang zwischen die Menschen werden ausgegrenzt, schlecht behandelt und verarmen und darum rücken sie nach rechts? Wieso rücken die in dem Moment nicht nach links sondern immer nach rechts?

Ich finde mit dieser Erklärung macht man es sich zu einfach und tut auch diejenigen die nach Rechts gerückt sind viel zu sehr beschützend in eine Opferrolle stellen.

Das sehe ich auch so.

Ich mache mir Gedanken darüber, ohne zu einer brauchbaren Antwort zu kommen.

Ich war mal auf einem Treffen, bei dem ich einen LKW Fahrer darauf ansprach, warum er in einem Forum immer so einen Scheiß posten würde. Er sagte zu mir, "Kuddel, dir geht es einfach nicht schlecht genug. Würde es dir richtig schlecht gehen, wärst du auch Rassist."

Er meinte das ernst. Selbst wenn ich verhungern würde, würde ich kein Rassist werden. Aber er glaubt, daß Rassismus ein normaler Aufschrei der Verzweifelten ist.

Vielleicht ist es auch so, daß solche Leute es nicht kennen, daß Linke an der Seite die Verzweifelten stehen. Linke sind in ihren Augen moralisierende Akademiker, denen es immer noch etwas besser geht als ihnen selbst.

Das reicht wohl nicht als Erklärung. Diese Grundhaltung wird scheinbar über Generationen weitergegeben. In Griechenland gibt es Dörfer, die während der deutschen Besatzung und während des geriechischen Militärregimes sich der herrschenden Ordnung unterworfen haben, andere leisteten Widerstand. Die rechten Dörfer wählen heute zu einem Großteil faschistisch, während die Widerstandsdörfer eher den Kommunisten oder Anarchisten nahe stehen. 

ZitatWie entsteht jetzt die Selbstverständlichkeit das Menschen die Ursache plausibel finden und daher bei Zunahme von Armut und Ausgrenzung nach Rechts rücken?

Diese Frage ist auch für mich immernoch unbeantwortet. Wir sollten uns mit ihr weiter beschäftigen.

Frauenpower

Feature zu Rassismus, den Vertragsarbeiter_innen der DDR für die sich die BRD trotz bestehender Verträge nicht zuständig fühlte zum Zeitpunkt der Wende und die dann auf der Straße standen sowie Rassismus und Ausgrenzung.
https://www.hr-inforadio.de/sendezeiten/das-wissen-auch-wir-sind-das-volk--wie-migranten-in-der-ddr-die-wende-erlebten,epg-fr-17426.html



counselor

Abstieg Ost: Die Geistersiedlung von Suhl | SPIEGEL TV

Auch in Deutschland gibt es Geistersiedlungen. Eine liegt in Suhl. Dort war es nicht die Radioaktivität, die die Bewohner vertrieben hat, sondern die Perspektivlosigkeit. Denn Thüringen verliert Jobs, und zwar nicht zu knapp. Damit ist das Bundesland möglicherweise Vorreiter für das, was noch kommen wird.

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

ZitatDie Verlierer der Geschichte wurden nicht, wie der damalige Justizminister der BRD, Klaus Kinkel (FDP) erklärte, in Lager gesperrt, sondern ins soziale Abseits gedrängt. Das bedeutete, dass Unzählige mit Berufsverbot belegt, ihre Menschenwürde mit Füßen getreten, gegen sie eine Lügen- und Hetzkampagne geführt und Hunderte vor Gericht gezerrt und verurteilt wurden.

Zu ihnen gehörte der habilitierte Hochschuldozent Dr. Hans Schmidt, der sich nach einem vierjährigen zermürbenden und entwürdigenden Rechtsstreit um seinen Arbeitsplatz, der für den Schwerbehinderten nicht ohne gesundheitliche Folgen blieb, am 8. Mai 1996 durch einen Sprung aus seiner Hochhauswohnung im 13. Stockwerk das Leben nahm.

Als Experte für Geldtheorie im Fachbereich Politische Ökonomie des Sozialismus war Schmidt in den 1980er Jahren im Rahmen der Hochschulreform von der Hochschule für Ökonomie (HfÖ) an die Humboldt-Universität gewechselt, die als Schwerpunkte Teilbereiche der Finanzpolitik, der Bevölkerungstheorie und Wirtschaftspädagogik übernahm. 1988 wurde er für zwei Jahre nach Nicaragua delegiert. Als er zurückkehrte, hatte unter der Regierung von Lothar De Maizière die Abwicklung der Lehrkräfte an den Universitäten und Hochschulen begonnen und Schmidt erhielt seine Entlassungspapiere zugesandt. Da er aber zu dieser Zeit krank war, durfte ihm nicht gekündigt werden. Er legte Einspruch ein, gewann und konnte zunächst weiterarbeiten. 1991 wurde ihm, wie zahlreichen anderen DDR-Wissenschaftlern auch, schließlich »wegen mangelnden Bedarfs und mangelnder fachlicher Qualifikation« ordentlich gekündigt, obwohl ihm ein Gutachten der Freien Universität außerordentliches Engagement, solide theoretische Grundkenntnisse und den Anschluss an den wissenschaftlichen Standard westlicher Universitäten bescheinigt hatte. Auch die Wirtschaftsuniversität Wien würdigte sein hohes theoretisches und international anerkanntes Wissen.

Als Schmidts »Henker« agierte der mutmaßliche Nazikriegsverbrecher Prof. Wilhelm Krelle, den es nach dem Anschluss der DDR als Gründungsdekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften an die Humboldt-Universität gespült hatte. Krelle, der der berüchtigten 164. Infanteriedivision des XXX. Armeekorps, die in Griechenland an Kriegsverbrechen beteiligt war, sowie als Erster Generalstabsoffizier der SS-Panzerdivision »Götz von Berlichingen« angehört hatte, war in der Bundesrepublik mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. 1994 verlieh die neue Präsidentschaft der Humboldt-Universität ihm die Ehrendoktorwürde. Krelle erklärte öffentlich, er werde den »Marxisten Dr. Schmidt unter allen Umständen von der Humboldt-Universität entfernen«. Krelle verstarb im Juni 2004 wohlpensioniert im Alter von 88 Jahren als einer der unzähligen für ihre Teilnahme an faschistischen Kriegsverbrechen nicht zur Verantwortung Gezogenen. Die Leitung der Universität widmete ihm ein »ehrendes Gedenken«.
(...)
Mit der Entsorgung der akademischen DDR-Elite und der Aktivisten des Sozialismus aller Arbeitsbereiche wurde nicht zuletzt dem von ihnen zu erwartenden Widerstand gegen das neue Expansionsprogramm des deutschen Imperialismus ein Riegel vorgeschoben. Bereits im September 1991 wurde auf einem »Fürstenfeldbrucker Symposium« von führenden Vertretern der Industrie- und Bankenwelt gemeinsam mit hochrangigen Generälen der Bundeswehr mit Exverteidigungsminister Rupert Scholz an der Spitze die Rückkehr zu weltweiter Aggressionspolitik als Wiederherstellung der »Normalität« Deutschlands diskutiert, selbstverständlich als »Partner in Leadership« mit den USA.
https://www.jungewelt.de/artikel/522257.anschluss-der-ddr-an-die-brd-opfer-der-wende.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

counselor

Kann ich nur bestätigen. Viele DDR Professoren mussten sich entwürdigenden Verfahren und Befragungen durch ihre Westkollegen stellen und viele wurden im Zuge der "Wiedervereinigung" verbannt.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

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