Drogenpolitik

Begonnen von Kuddel, 14:59:08 So. 09.Mai 2010

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Fritz Linow

Sehnsucht nach Veränderung... mal so, mal so:



Bewusstheit=Unbekifftheit?

counselor

Die Frage ist doch: Wie beenden wir das Ziehen von Profiten aus dem Drogengeschäft?
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Onkel Tom

Ich sehe da keine Fragestellung sondern nur den Appell, das Canabis illegal bleiben
soll und subtiler Diffamierung von Drogenkonsumenten (die mangelnde Ahnung hätten).

Wohl etwas stinkkonserativ windfähnchienhaft überrebelliert..
Hätten mal besser vor der Transpierstellung eine Rolle rauchen sollen.  ::)
Lass Dich nicht verhartzen !

counselor

Naja, ich halte es nicht für fortschrittlich, dafür einzutreten, dass sich die Jugend bewusst vergiftet. Ich kenne mehrere Fälle, bei denen Drogenkonsum zu einer drogeninduzierten Schizophrenie geführt hat. Ich halte Drogen daher für brandgefährlich. Die meisten Jugendlichen unterschätzen diese Gefahren.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Über das Drogenthema kann man gern ernsthaft und ausführlich diskutieren, denn es ist ein politischeres Thema, als gemeinhin angenommen wird.

Ich habe wenig Zeit, deshalb nur ein paar hingeworfene Gedanken dazu.

Ich halte die Versprechen der 60er Jahre, in denen an Drogen die Hoffnung geknüpft war, man könne mit ihnen nicht nur die Wahrnehmung verändern, sondern auch die bürgerliche Moral und Kultur und die gesellschaftlichen Fesseln sprengen, für eindeutig zu hoch gegriffen.

Das Bewußtsein erweitern? In Einzelfällen vielleicht.

Drogenkonsum sehe ich heute nicht mehr als Antiestablishment. Im Gegenteil, sie sind Normalität und Schmiermittel dieser Gesellschaft. Drogen dienen eher dem Klarkommen in der Welt, dem Spaßhaben, der Unterhaltung, der Betäubung. Es gibt keine Kulturen ohne Drogenkonsum. Drogen können in einen religiösen Ritus eingebunden sein. Sie können das Feierabendbier sein. Der Lübecker Richter Wolfgang Nešković sah Anfang der 90er ein "Recht auf Rausch" und setzte sich für eine Straffreiheit von Cannabisprodukten für den Eigenkonsum ein.

Ich teile die Auffassung des Richters. Ich sehe auch ein Recht auf Rausch. Ich bin auch für die Entkriminalisierung sogenannter "harter Drogen". Mir ist auch klar, daß Drogenkonsum seinen Preis hat. Nicht nur die Anschaffungskosten. Auch gesundheitliche Gefahren, psychische Folgen. Auch Cannabis kann bei bestimmten Leuten schlimme Folgen haben. Angstzustände, Psychosen. Ich weiß.

Verbote führen nicht zu einer Reduzierung des Konsums. Sie verlegen den Markt in mafiöse Strukturen. Gewalttätige Hardcorekapitalisten.

Ich bin dafür, daß Drogen kontrolliert und getestet sein müssen und daß es einen Vertrieb jenseits der mafiösen Strukturen geben sollte. Der größte Teil der Todesfälle wird nicht von den Drogen selbst verursacht, sondern von den Beimengungen oder durch die wechselnde Wirkstoffkonzentration.

Es müß gute und erstzunehmende Aufklärung über Wirkung und Gefahren von Drogen geleistet werden. Die historischen Drogenaufklärungsfilme funktioneren heute als knallkomische Unterhaltungsfilme, bei denen ein johlendes Publikum garantiert ist.

counselor

ZitatVerbote führen nicht zu einer Reduzierung des Konsums. Sie verlegen den Markt in mafiöse Strukturen. Gewalttätige Hardcorekapitalisten.

Deswegen sagte ich, dass wir Mittel finden müssen, den Profit, der mit den Drogen gemacht wird, auszutrocknen.

Ich halte auch nicht viel davon, Kleinkonsumenten in den Knast zu stecken. Allerdings würde ich Drogen wegen ihrer Gefährlichkeit auch nicht frei geben wollen. Denkbar wäre eine Herabstufung des Cannabiskonsums zu einer Ordnungswidrigkeit.

Ich habe halt drastische Erfahrungen mit Leuten, die durch den Drogenkonsum völlig kaputt sind. Ich kann Leuten, die Drogen verharmlosen nur den Besuch einer Suchtstation in einem psychiatrischen Krankenhaus empfehlen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Onkel Tom

Zitat von: counselor am 16:54:53 Mo. 10.Januar 2022
...
Ich kann Leuten, die Drogen verharmlosen nur den Besuch einer Suchtstation in einem psychiatrischen Krankenhaus empfehlen.
...

Nur weil sie Drogen "verharmlosen" ? Was hat das mit Sucht zu tun ?
A bissel differenzierter käme auch dem zu Gute, was Kuddel im Vorpost erwähnt, näher..

Ich befürworte die Entkrimminallisierung von "Drogen" und Etablierung in medizinischer Anwendung.
Auflockerungen in diese Richtung soll laut Ampel die Jugend ja nicht betreffen.

Ja, "erst ab 18" und wie ich noch minderjährig war, fand ich immer irgend ein Weg an das zu kommen,
was erst ab 18 "erlaubt" war..

Ja, weil es "verboten" ist, um so spannender es trotzdem zu versuchen.. (Jugend-Flauseln..)
Von daher habe ich zum Jugendschutz auch ein Schmunzeln über.

Kenne auch Leute, die an Drogenkonsum "hops" gegangen sind, doch wie viele davon an
Alk hops gegangen sind, interessiert keinem mehr.. Da sehe ich eine Verhamlosung dessen
gegenüber dem Cannabis..

Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie bitte ihren "Händler im zugelassenem Coffeshop"..
;)
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel


counselor

Man sollte natürlich auch etwas gegen den Alkoholmissbrauch unternehmen. Alkohol ist auch eine Droge.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Es hatten alle Kulturen der Menschheit ihre Drogen.
Es haben Pfaffen jahrhundertelang vergeblich versucht, den einfachen Leuten das Saufen abzugewöhnen.

Zitat"Es ist ein Brauch von alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör!"
Spruch der Frommen Helene von Wilhelm Busch
https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Wer-Sorgen-hat-hat-auch-Likoer-236206.html

Der Spruch hat mehr Tiefe, als man denkt. Der Gebrauch von Betäubungsmitteln ist eng verbunden mit persönlichen Problemen und sozialem Druck. Es gibt Versuche mit Ratten, in denen ihnen verschiedene Drogen angeboten wurden von Alkohol bis Opiaten. Man veränderte ihre Bedingugen und setzte ihnen unterschiedlichen Streßsituationen aus. Je höher der Streß, desto höher der Drogenkonsum. Ratten waren sogar in der Lage, sich aus ihrer Opiatabhängigkeit zu befreien, wenn sie keinem äußerem Druck ausgesetzt waren.

Eine Drogenpolitik, die auf Repression setzt, statt auf Veränderung der Lebensverhältnisse, ist für'n Arsch.

Kuddel

Drogenpolitik ist kein Randbereich, es ist Machtpolitik.
Der Krieg gegen Drogen ist ein Krieg gegen die Armen.

ZitatArgentinien
Kokain war mit Betäubungsmittel für Elefanten gestreckt

Mindestens 20 Menschen starben vergangene Woche an verunreinigtem Kokain. Die Substanz, die beigemischt war, ist tausendfach stärker als Heroin.


... Viele der Opfer hatten das Kokain offenbar beim selben Dealer im Armenviertel Puerta 8 nordwestlich der Hauptstadt Buenos Aires gekauft. ...
https://www.sueddeutsche.de/panorama/drogen-argentinien-buenos-aires-kokain-1.5526607

Die Kriminalisierung des Drogenkonsums (der dadurch nicht aufhört) führt zu einer Unkontrollierbarkeit der Substanzen.

Kill the poor.


counselor

Drogen werden aber auch gezielt zur Zersetzung von Widerstand von der herrschenden Klasse eingesetzt (siehe Black Panther Bewegung).
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

Absolut. Damals und heute.

Kuddel

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich bin gegen eine Glorifizierung von Drogen. Ich bin auch gegen Krimininalisierung und Repression.

Ich bin für Aufklärung. Drogenprobleme resultieren oftmals aus psychischen und sozialen Problemen. Mit denen muß man sich beschäftigen. Ich bin für eine offene Diskussion und Erfahrungsaustausch.

Es sterben oftmals mehr Menschen an falscher Dosierung und Verunreinigungen von Drogen, als an dem Drogenkonsum selbst. Deshalb bin ich für Kontrolle der Drogenqualität, für den freien Zugang zu sauberem Spritzbesteck. Man hat mit Druckräumen, Duschmöglichkeiten für Abhängige, etc. gute Erfahrungen gemacht.

Troll

ZitatRe: Drogenkonsum ohne Strafe
Wie Portugal den Süchtigen helfen will


In Portugal werden Menschen, die drogenabhängig sind, nicht als Delinquenten betrachtet, sondern als Kranke, die behandelt werden müssen. Im Jahr 2001 beschloss das Land, den Konsum aller Drogen zu entkriminalisieren. Dies führte zu einem drastischen Rückgang der Zahl der Drogenabhängigen.

Mit dem Sturz der Militärjunta im Jahr 1975 wurden Drogen in Portugal zu einem dringenden Problem der öffentlichen Gesundheit. Das Land hat damals neue Freiheiten entdeckt, und eben auch die Drogen, vor allem Heroin, das zwei Jahrzehnte lang immer mehr Portugiesen süchtig machte. Im Jahr 2000 waren über 100.000 Portugiesen drogenabhängig, gut 1 % der Bevölkerung, aus allen sozialen Schichten.
Die Regierung entschied sich für einen radikalen Wechsel. Wer wegen Drogenkonsums von der Polizei erwischt wird, den schicken sie zur "Kommission zur Verhinderung von Drogenmissbrauch", das sind Ärzte, Rechtsvertreter und Sozialarbeiter. Dort bieten sie den Süchtigen individuelle medizinische, soziale und psychologische Hilfen. Wer nach Jahren des Konsums einen echten Wunsch zeigt, aus der Sucht herauszukommen, dem vermitteln sie in Portugal eine Arbeit und eine Wohnung, die zu 80 % vom Staat bezahlt wird.

Quelle: Arte



https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/100000/100800/100834-005-A_EQ_0_VA-STA_06434786_MP4-1500_AMM-PTWEB_1hsBz8GHFd.mp4
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

BGS

Besten Dank fürs Einstellen. Man fragt sich, wie es sein kann, dass die meisten anderen Länder ihre althergebrachten, alles verschlimmernden reaktionären und erfolglosen Strategien weiter fahren - trotz einer wachsenden Zahl an Drogenabhängigen, nicht zuletzt seit Covid.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

7 % aller polizeilichen Ermittlungen beschäftigen sich allein mit Drogen, das sind mehr als alle Gewaltdelikte zusammen. Die wegen Drogen inhaftierten Menschen machen in deutschen Gefängnissen 14 % der Insassen aus.

BGS

Lesenswertes Buch zum Thema:

Drogen: Die Geschichte eines langen Krieges

Autor: Johann Hari

Seiten: 448

Verlag: Fischer

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Nao


Kuddel

Das Thema Drogenpolitik ist kein Randbereich.

ZitatUS-amerikanische "Linke": Alle wichtigen Kämpfe verloren

Präsident Clinton führte Reagans "War on Drugs" munter fort, der vorwiegend dazu gedient haben dürfte, den Teil der Bevölkerung wegzusperren, die in dem neuen wirtschaftlichen System keinen Platz haben. Die US-amerikanische "Linke" hat also im Grunde alle wichtigen Kämpfe verloren und ihre Werte irgendwo entlang des Weges von der Demokratischen Partei entweder enttäuscht oder verkauft.
https://www.heise.de/tp/features/USA-Die-grosse-Macht-der-Religioesen-Rechten-7100908.html?seite=all


Kuddel


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