Billiglöhne im Schlachthof

Begonnen von telefonfreak, 03:05:43 Mo. 28.Februar 2005

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Nikita

Krieg in der Ukraine
Nutzt Tönnies die Not der Flüchtlinge aus?


"Der Fleischkonzern Tönnies wirbt an der polnisch-ukrainischen Grenze unter den Geflüchteten Arbeitskräfte für seine Standorte in Deutschland an. Das stößt auf scharfe Kritik.

Im polnischen Grenzort Przemyśl verteilt Deutschlands größter Schlachtbetrieb Tönnies Handzettel, mit denen Ukrainer, die vor dem Krieg geflüchtet sind, als Produktionshelfer angeworben werden sollen. Ein solcher Flyer, der vor Ort verteilt wird, liegt dem ARD-Politikmagazin Panorama vor.Tönnies bestätigt auf Anfrage von Panorama die Anwerbeversuche. Drei Mitarbeiter seien an die polnisch-ukrainische Grenze geschickt worden, damit sie vor Ort den überwiegend weiblichen Kriegsflüchtlingen ein Arbeitsangebot machen können. "Wir bieten elf Euro die Stunde und liegen damit über dem gesetzlichen Mindestlohn", erklärt Tönnies-Sprecher Fabian Reinkemeier. Außerdem werde den Geflüchteten der Transport nach Deutschland und eine Unterkunft angeboten. Die Kosten für die Unterkunft werden vom Gehalt eingezogen, wie dem Handzettel zu entnehmen ist.

Chaotische Zustände in AufnahmelagerPatrick Walkowiak von der Flüchtlingshilfsorganisation Friends of Medyka hat die Anwerbeversuche im Aufnahmelager in Przemyśl erlebt und mit den Tönnies-Mitarbeitern gesprochen. Diese hätten ihm zu verstehen gegeben, keine kleinen Kinder oder Ältere mitnehmen zu wollen, sondern nur Menschen, die bei Tönnies auch arbeiten können. Walkowiak ist auch das Schreiben mit dem Arbeitsangebot des Unternehmens ausgehändigt worden.Walkowiak beschreibt die Situation am polnischen Grenzort als chaotisch. Es kämen ständig neue Geflüchtete an, von denen die meisten nach Deutschland wollten. Diese müssten im Aufnahmelager tagelang warten. "Es fehlt an Bussen und anderen Transportmöglichkeiten", so Walkowiak. Die Geflüchteten befänden sich in einer absoluten Notlage und könnten in dieser Extremsituation die Anwerbeversuche gar nicht einordnen, so der Flüchtlingshelfer.

Tönnies: Helfen Flüchtlingen vor OrtTönnies fragwürdige Anwerbeversuche seien geschmacklos, findet Inge Bultschneider von der Interessengemeinschaft "WerkFAIRträge". Die Initiative setzt sich seit Jahren für die Verbesserung der Arbeits- und Wohnverhältnisse von Migranten in der Fleischindustrie ein. Bis Kriegsbeginn habe sich Tönnies als Putin-Freund bekannt. "Sich am Elend zu bereichern und es als gute Tat zu verkaufen, ist in der Fleischbranche nichts Neues. 2015 bei der Flüchtlingswelle haben wir Ähnliches erlebt", so Bultschneider.Tönnies kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Wir helfen den Kriegsflüchtlingen vor Ort und bieten ihnen eine Zukunftsperspektive", so Tönnies-Sprecher Fabian Reinkemeier. Man habe bereits an zwei Standorten in Deutschland etwa ein Dutzend Geflüchtete aus der Ukraine eingestellt. "Wir haben vereinzelt schon Frauen mit Kindern zu uns geholt, da wir familiengeeignete Unterkünfte auf dem privaten Wohnungsmarkt für sie finden konnten", so Reinkemeier.Dass keine kleinen Kinder oder Ältere mitgenommen werden sollten, bestätigt er nicht. Er verweist auch auf das persönliche Engagement des Konzernchefs. Anfang März begleitete Clemens Tönnies einen Transport mit Hilfsgütern für Ukraine-Flüchtlinge in Polen und spendete lange haltbare Wurstkonserven.

Hilfsangebote nur für ArbeitsfähigeClara Bünger, flüchtlingspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, kritisiert, dass Tönnies mit den Anwerbeversuchen die Notlage der Menschen ausnutze. "Die Beschränkung seines Hilfsangebots auf Einzelpersonen, die sich verpflichten, in seinen Fleischfabriken zu arbeiten, macht sprachlos."Tönnies räumt ein, an der Grenze gezielt nach Arbeitskräften Ausschau zu halten. "Momentan liegt der Fokus bei der Anwerbung auf Einzelpersonen", so Tönnies-Sprecher Reinkemeier. "Nur wenn die Flüchtlinge bei Tönnies arbeiten, dürfen sie in unseren Dienstwohnungen untergebracht werden." Die Kommunen seien noch nicht so weit, ausreichend Unterkünfte bereitzustellen.

Staat müsste für ausreichend Transportmöglichkeiten sorgenFür Clara Bünger von der Linksfraktion ist das eine Ausflucht, schließlich könne Tönnies unabhängig von der Frage der Unterkunft Menschen mit Bussen nach Deutschland bringen lassen. Dort hätten die Geflüchteten das Recht auf eine Unterkunft. Die Linken-Politikerin sieht aber auch die Verantwortlichen in der Pflicht. "Dieser Vorfall unterstreicht, wie wichtig es ist, dass auch von deutscher Seite aus für eine angemessene Infrastruktur, insbesondere für ausreichende Transportmöglichkeiten gesorgt werden muss, damit Geflüchtete gar nicht erst auf die zweifelhaften Angebote von Unternehmern wie Tönnies angewiesen sind."Flüchtlingshelfer Walkowiak fordert mehr Unterstützung auch von etablierten Hilfsorganisationen. "Es müssen schnell Busse zur Verfügung gestellt werden, um beim Transport der vielen Geflüchteten in der Grenzregion zu unterstützen."

https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/toennies-fluechtlinge-ukraine-101.html


Nikita

70.000 Schweine pro Tag schlachten – das muss man erst mal schaffen. Ganz klare Sache, dass man den Mann würdigen muss, der sich als Metzgersohn aus dem beschaulichen Rheda-Wiedenbrück zum Chef-Schweinezerhacker der Bundesrepublik hochgeschlachtet hat.

Tweet von ZDF Magazin Royale:
SO LEBT DEUTSCHLANDS REICHSTER SCHWEINE-MÖRDER – JETZT
EINSCHALTEN UND DIE PIKANT GEWÜRZTEN INFOS BEKOMMEN – GARANTIERT SCHMACKHAFT SERVIERT

ZDF Magazin Royale vom 22. April 2022
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.04.2023

https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-22-april-2022-100.html

Kuddel

Das eine Frage der Öffentlichkeitsarbeit. Es gibt Journalisten, die sich ins Zeug geschmissen und eine gute Arbeit geleistet haben.

Die andere Frage ist, wie man praktischen Widerstand organisiert.

Es sind ungewöhnliche Bündnisse nötig und möglich!


https://www.youtube.com/watch?v=mLLyyRP29mI

admin

Das System Tönnies wütet weiter.

Der Widerstand geht auch weiter.

Am 18.Juni 2020 fand eine Pressekonferenz zum Erscheinen des Buches "Das Schweinesystem" (Über das System Tönnies und den Widerstan)in Rheda Wiedenbrück statt. Chefduzen war dabei und ein Video von Veranstaltung gibt es hier:


https://youtu.be/5moWGrkXJds

Nun ist die Fortsetzung erschienen:

Zitat,,Ist das System Tönnies passé?

Welche Perspektiven haben Landwirtschaft, Schlachthöfe und Tierrechte?"


2020 war für den Tönnies-Konzern ein schlechtes Jahr. Lange war es den immer wieder aufploppenden Meldungen über dieses ,,Biotop" skrupelloser Vernutzung von Mensch und Tier nicht gelungen, über die unmittelbar betroffenen Örtlichkeiten hinaus zu dringen. Doch das änderte sich zu Beginn der Pandemie mit einem Paukenschlag.

Verantwortlich dafür war vor allem das Interesse der regionalen Wirtschaft, nicht mit einem krassen Lockdown für die Missachtung der Gesundheitsschutzes in dieser dieser Firma in Haftung genommen zu werden. Plötzlich wurde Tönnies der lange gewährte Schutz der bürgerlichen Öffentlichkeit entzogen. Das Unternehmen wurde zum Skandalthema  der bundesweiten Medien. Und die Regierung versprach aufzuräumen. Doch mittlerweile haben sich andere Themen in den Mittelpunkt gedrängt. Der mediale Scheinwerfer auf das ,,System Tönnies" ist ausgeknipst, noch weniger werfen einen Blick hinter die Gardinen.

2020 erschien auch unser erstes Buch,2020 erschien auch unser erstes Buch, ,,Das ,System Tönnies' – organisierte Kriminalität und moderne Sklaverei.

Es sollte dazu beitragen, über das ,,System Tönnies" zu informieren und es zu skandalisieren mit dem Ziel, Werkvertragssystem und Subunternehmertum abzuschaffen.

Nach gut zwei Jahren ist nun Zeit für eine Bilanz:

Mit dem Heil schen Arbeitssschutzkontrollgesetz sind gewisse Verbesserungen und auch Möglichkeiten eröffnet worden, besonders für die NGG, aber die Strukturen durch das von Regierungsseite geduldete und geförderte Werkvertragssystem und das Subsubsubunternehmertum können nicht allein durch ein Gesetz abgeschafft werden! In den Betrieben kommandieren oft noch die Vorgesetzten wie in Subunternehmerzeiten! Und die ehemaligen WerkvertragsarbeiterInnen hausen oft noch in den gleichen unwürdigen Unterkünften wie vor dem 1.1.2021. Die Aufgaben der Initiativen gegen das ,,System Tönnies" sind noch längst nicht erledigt.

Die Zustände in der Fleischindustrie wurden von den Regierungen gewollt und geduldet, des Ausbaus des Standortes Deutschland wegen. 

Die Fleischbarone haben die für sie geschaffenen Bedingungen nur genutzt. Dieses Zusammenspiel von Regierungen und Konzernen macht das ,,System Tönnies" aus. Seine Abschaffung kann nicht durch Sozialpartnerschaft, Appelle und Runde Tische erreicht werden, sondern nur durch Kampf.

Es haben sich in den letzten Jahren sehr unterschiedliche Akteure im Kampf gegen das ,,System Tönnies" zusammengefunden: aus der Zivilgesellschaft, Initiativen gegen das System Tönnies, bei den Kirchen, Gewerkschafter, Tierrechtler, Landwirte, Wissenschaftler.

Auch wenn unter ihnen Unterschiede in der Herangehens- und Sichtweise bestehen, eint sie das Ziel: Das ,,System Tönnies" muss weg! Wenn dieses Buch II dazu dient, das Interesse am Thema aufrechtzuerhalten, hat es seinen Zweck erfüllt.

Die Buchmacherei ✩✩ 208 Seiten208 Seiten ✩✩ 13,00 €13,00 € ✩✩ ISBN: 978-3-9823317-9-9ISBN: 978-3-9823317-9-9

Bestellungen im Buchladen oder direkt: http://diebuchmacherei.de/shop/

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