Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie

Begonnen von Fritz Linow, 22:59:17 Mi. 23.August 2017

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Fritz Linow

Weil wegen der desolaten Arbeitsbedingungen in der Pflege die Leiharbeit als tolle Alternative von der Sklavenhändlerlobby propagiert wird, ist es Zeit, diesen Thread zu starten, um mal die ganze Verlogenheit der "Branche" und die Probleme dahinter genauer zu betrachten.

Zum Einstieg ein Erfahrungsbericht aus der Altenpflege:
ZitatEin Arbeitstag aus dem Leben einer Leasing-Kraft: ,,Ach, Multilind?"
,,Ihr seid richtig faul. Wollt nicht arbeiten. Deshalb seid Ihr auch in der Zeitarbeit, weil Ihr so arbeitet, wie Ihr wollt." (...) Ich desinfizierte die Stellen und versorgte sie, soweit ich dazu berechtigt war. Und ich dokumentierte! Das war meine Rache. Und ich informierte die zuständigen Stellen im Haus. Denn ihre Aussage, dass wir Leasingkräfte nur faul seien, hingen mir immer noch im Ohr.(...)
https://frausofa.wordpress.com/2017/08/21/ein-arbeitstag-aus-dem-leben-einer-leasing-kraft-ach-multilind/

Ob dieser Blog von Frau Sofa nicht vielleicht selber nur Propaganda für Leiharbeit ist, möge sich später herausstellen.


Fritz Linow

2011:
In gleich zwei Fällen wurden zu viele Altenpfleger über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert. Damit aber ist die regelmäßige Bezugspflege nicht unbedingt gewährleistet, schließlich wünscht sich jeder Pflegebedürftige einen festen Ansprechpartner.
http://www.bergedorfer-zeitung.de/archiv/titel/article112589982/Immer-mehr-Beschwerden-ueber-Pflegedienste.html

2014:
,,Wir haben schon über das Arbeitsamt und Zeitarbeitsfirmen gesucht. Auch per Ebay und Facebook. Das hat alles nichts gebracht", sagt Melzer.
https://www.hna.de/lokales/frankenberg/hatzfeld-eder-ort305263/diakoniestation-sucht-haenderingend-qualifiziertes-personal-4449372.html

2014:
,,Es gibt zu wenige und darunter zu viele schlechte Pfleger für so viele Bewohner!" Oft seien vorübergehend Angestellte von Zeitarbeitsfirmen dagewesen, die gar nichts mit der Branche zu tun hatten.
https://www.tz.de/muenchen/stadt/sendling-ort43335/ehefrau-bewohner-klagt-nach-skandal-muenchenstift-heim-3537469.html

2015:
,,Vor allem im OP- und Intensivbereich tun die Kliniken viel, um die Lücken zu stopfen, gegenbenfalls mit Zeitarbeit", bestätigt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe – Bundesverband (DBfK) gegenüber Medscape Deutschland.
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4903803

2016:
Um Pflegekräfte zu finden, bieten Zeitarbeitsfirmen und Einrichtungen allerlei Extras – vom nagelneuen iPhone über Antrittsprämien und Kita-Plätzen bis zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Nach Angaben von Verdi sind sogar schon Schweizer Zeitarbeitsfirmen im Norden aktiv, um Kräfte abzuwerben.
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Pflegekraefte-am-Ende-Sogar-zum-Demonstrieren-fehlt-die-Kraft

2017:
"Zeitarbeit gehört in der Pflegebranche verboten", sagt Katrin Dähn-Erler vom Travedomizil. Solche Pflegekräfte verdienten wesentlich besser, hätten zudem weniger Verantwortung für Bewohner und Betrieb, sagt Christine Berg, Chefin des Tobias-Hauses in Ahrensburg. "Wir müssen immer mal wieder auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen, dabei kosten sie uns das Doppelte und bringen weniger."
https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article211506871/So-kaempfen-Stormarner-gegen-Pflegenotstand.html


Fritz Linow

Aus einem Pflegeblog. Leiharbeiter pflegen nicht nur schlecht, sondern können bekanntlich auch hervorragend Belegschaften spalten:

Zitat13.8.17
#Pflege: Aushilfen von Zeitarbeitsfirmen

(...) Was mich sehr ärgert und was ich auch nicht verstehen kann, dass auch Leute bei Zeitarbeitsfirmen eingestellt werden, die keine oder nur eine unzureichende Pflegeerfahrung haben. Und die sollen dann eine ganze Pflegekraft ersetzen. Es ist schließlich nicht unsere Aufgabe, die Aushilfen in den Basics der Pflege einzuarbeiten. Das haben die Firmen selbst zu leisten.(...)
Bewohner sind schlecht oder gar nicht versorgt, Betten schmutzig und nicht auf den Boden runtergefahren, Formulare wie Lagerungs- oder Trinkpläne nicht geführt, Vorlagen nicht gewechselt, Essen nur hingestellt und nicht angereicht, Urinbeutel nicht geleert, Müll nicht entsorgt, wichtige Auffälligkeiten wie Hautveränderungen, Wunden, Essens- und Trinkverweigerungen, Schmerzäußerungen, Durchfälle, Fieber etc... nicht an die verantwortliche Fachkraft weitergegeben.(...)
Sprich: unzuverlässige Aushilfen können uU lebensgefährlich für die Bewohner sein.(...)
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen. Wenn ich mir die Zeit nehmen muß, hinter denen herzuarbeiten, kann man sie sich auch sparen, dann kann ich gleich alles allein machen.(...)
Der Markt an verlässlichen guten Pflegekräften schwankt von knapp bis leergefegt. Aber kann das eine Rechtfertigung dafür sein, dass Zeitarbeitsfirmen jeden nehmen und in die Heime zu schwerkranken Menschen schicken, der einen Waschlappen gerade halten kann, aber der arbeitet wie er Lust hat und nicht wie er soll?(...)
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2017/08/13/pflege-aushilfen-von-zeitarbeitsfirmen/

dejavu

ZitatDie verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen.
Bah, wenn ich das schon höre...
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

Rudolf Rocker


Rappelkistenrebell

Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

Rudolf Rocker

Können wir die Wahlwerbung mal im dafür vorgesehenen Thread lassen, Rappelkistenrebell?

Fritz Linow

Zitat5.1.18
Zeitarbeiter - resigniert und gehetzt

Auf den ersten Blick hat Zeitarbeit viele Vorteile. Auf den zweiten Blick tun sich Abgründe auf, meint die Krankenschwester und Pflegepäddagogin Silke Doppelfeld.

Geschmack von Söldnertum...
Zeitarbeiter landen oft in problematischen Häusern...
Lonesome Cowboy...
Zeitarbeit macht das Leben hektischer...
Flucht in die Bindungslosigkeit...
Ständig müssen sich die "Gastarbeitenden" neu einfinden...
Zeitarbeiter kritisieren nicht...
Was ist moralischer Stress?...
https://www.pflegen-online.de/zeitarbeiter-resigniert-und-gehetzt

Kuddel

ZitatKreis Lörrach
Abschied von der Leiharbeit


Kreis Lörrach. Mit der gestrigen Vertragsunterzeichnung zwischen Klinikengeschäftsführer Armin Müller und Gewerkschafter Reiner Geis endete ein Jahrzehnt lang schwelender Konflikt zwischen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, wie Geis sagte. ,,Wir schaffen Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem bundesweit einmaligen Tarifbeispiel", kommentierte er den Einstieg in den Branchentarif für bisherige Leiharbeiter von Data-Med. ,,Für uns ist Data-Med ein rotes Tuch gewesen", so Geis weiter.

Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte. Außerdem entschieden sich die Kreiskliniken für die Schaffung des Gemeinschaftsbetriebs, weil man das Auslagern einzelner Arbeitsbereiche vermeiden wollte, sagte Müller vor den Medien. Und: Mit diesem Schritt habe man auch die Akquise von Arbeitskräften im Blick. ,,Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben", sagte der Klinikengeschäftsführer, der trotz Lohn-Mehrkosten in Höhe 491 000 Euro in diesem Jahr die Wettbewerbsfähigkeit der Kreiskliniken betonte.

Laut Verdi bedeutet die Neuregelung für die ehemaligen Data-Med-Beschäftigte aus Küche, Reinigung, Service Empfang, Hauswirtschaft, Logistik und Administration eine finanzielle Verbesserung von rund fünf bis zehn Prozent und ein Einstieg in den branchenüblichen Tarifvertrag.

Im einzelnen wechseln Arbeitnehmer mit einer dreijährigen Ausbildung in drei Jahresschritten von der Service Gesellschaft zu den Kliniken des Landkreises. Konkret handelt es sich um 120 Mitarbeiter, darunter Informatiker, Kodierfachkräfte, Sozialarbeiter, Techniker und Physiotherapeuten, wie Aenne Hildemann-Groß, Leiterin Personal der Kreiskliniken, erklärte.

240 an- und ungelernte Mitarbeiter der Data-Med erhalten in der Kliniken Lörrach Service GmbH einen neuen Arbeitsvertrag, der sich nicht mehr am Tarif der Zeitarbeit orientiert. Betroffene erhalten unter anderem vier zusätzliche Urlaubstage, außerdem erfolgt ab Juli eine Zusatzversorgung in der Betriebsrente mit einem Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 20 Euro. Und: Reinigungskräfte werden vom Gebäudereinigertarif in den Service-Haustarif überführt. Eine dritte Gruppe betrifft die kreiseigenen Heime: Diese werden allen bei ihnen eingesetzten Pflegehelfern sowie Pflege- und Betreuungshilfskräften einschließlich Präsenzkräften ein volles Übernahmeangebot machen –­ebenfalls nach den Regelungen des Tarifvertrags des öffentlichen Diensts (TVöD). Betroffen von der Neuregelung sind insgesamt 600 Mitarbeiter.

Die Beschäftigten sollen an regulären Gehaltserhöhungen turnusmäßig teilnehmen, sieht der neue Tarifvertrag vor, Zuschläge für Erschwernisse und ungünstige Arbeitszeiten werden ebenfalls ermöglicht, wie Geis erläuterte. Die Gewerkschaft verstehe den neuen Vertrag als Hilfestellung für die Belegschaft, der ausbaufähig sei, wenn sich die Mitarbeiter dafür engagieren würden, hieß es weiter.

,,Der Tarifvertrag ist durch alle Gremien gegangen und für gut befunden worden", sagte Müller. Er betonte aus Arbeitgeberperspektive, dass man an die Grenze der Belastbarkeit gegangen sei. Fast alle Mitarbeiter hätten die neuen Arbeitsverträge bereits unterzeichnet. Damit konnte ein Schlussstrich unter die Diskussion um Data-Med gezogen werden. ,,Nun können wir uns auf das konzentrieren, was vor uns liegt", verwies Müller auf den Bau des Zentralklinikums.

Die Mehrausgaben bei den Personalkosten bedeuten nicht, dass bei den Kliniken an anderer Stelle der Betrag eingespart werden muss: Insgesamt verbucht das kreiseigene Unternehmen Mehreinnahmen, sagte Müller. Entscheidend wird sein, wie sich die Umsatzsteigerungen in den nächsten Jahren entwickeln werden, verwies er auf die Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik. Hier sieht der Klinikengeschäftsführer bei der nächsten Bundesregierung Handlungsbedarf in Sachen Klinikenfinanzierung. ,,Wir haben uns gut behauptet, aber das System passt nicht mehr", zeigte sich Müller kritisch. Er hofft auf die volle Refinanzierung der Tarifkosten.
https://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.kreis-loerrach-abschied-von-der-leiharbeit.2cae8d36-0c0b-4171-bf8a-eb226af702a3.html

Fritz Linow

Zitat,,Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben", sagte der Klinikengeschäftsführer (Armin Müller).
Sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, aber auch skeptisch sein, wenn ein Geschäftsführer so etwas faselt.

Armin Müller, Fuzzi der Sklavenbude Data-Med 2012:
ZitatDass neue Mitarbeiter der Kreiskliniken bei der Dienstleistungsgesellschaft Data-Med angestellt werden, sorgt schon länger für Unmut bei Beschäftigten. Denn die gleichzeitige direkte Beschäftigung von Kollegen durch die Kliniken kann als Etablierung eines Zwei-Klassen-Systems gesehen werden, das längerfristig mit kostengünstigeren Arbeitskräften die Stammbelegschaft verdrängt.
http://www.badische-zeitung.de/kreis-loerrach/erstmals-klagt-ein-ex-mitarbeiter-gegen-data-med--56178437.html

Armin Müller ist iGZ-Sklavenhändler bei Data-Med und gleichzeitig Klinikengeschäftsführer? Was geht denn da ab?

ZitatNötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte.

Ach so...


Fritz Linow

Die lieben Kosten, achherje:

Zitat4.3.18
Klinikverbund Gesundheit Nord

Leiharbeit treibt die Kosten in die Höhe

Arbeiten an der Belastungsgrenze, Extra-Schichten und Unterbesetzung: Immer häufiger wechseln Ärzte oder Gesundheits- und Krankenpfleger freiwillig von der Festanstellung im Krankenhaus in die Leiharbeit. Entsprechende Meldungen gibt es bundesweit immer wieder. In Bremen ist die Leiharbeit ein großes Thema durch die Krise des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno). Die angeschlagene städtische Krankenhausgesellschaft hat das Beschäftigungsverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Zeitarbeitsfirmen, auch Arbeitnehmerüberlassung genannt, als einen der Hauptfaktoren ausgemacht, der die Bilanz ins Minus trieb. Die allgemeine Zahl der Leiharbeiter in ganz Deutschland steigt. Aber wie stellt sich die Situation in Bremen tatsächlich dar? Und was bedeutet sie für den Gesundheitsbereich?
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-leiharbeit-treibt-die-kosten-in-die-hoehe-_arid,1706707.html

Fritz Linow

Kleiner Propagandaartikel für Leiharbeit in der Pflege beim MDR:

Zitat25.3.18
Immer mehr Pfleger flüchten in Leiharbeit

Immer mehr Krankenpfleger entscheiden sich für einen Wechsel in die Leiharbeit. Die Zeitarbeitsfirmen werben mit weniger Arbeitsstress bei gleichem Lohn. Das lassen sich viele nicht zweimal sagen.
(...)
Der Chef des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), Sebastian Lazay, sagte MDR AKTUELL: "Wir sehen uns auch ein wenig als Anwälte der Beschäftigten. Wenn die Pflegeeinrichtung Doppelschichten verlangt, sagen wir Nein." Denn wenn man keine glücklichen Mitarbeiter habe, dann seien sie weg, sagt Lazay.
(...)
In vielen Krankenhäusern sei die Not inzwischen so groß und die Stammbelegschaft so knapp ausgestattet, meint die Sprecherin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Johanna Knüppel, "dass sie bei kurzfristigen Personalausfällen gar nicht mehr anders können, als auf Leiharbeit zurückzugreifen, auch wenn sie viel Geld kostet." Das sei in der Gesamtrechnung dennoch billiger, als Betten oder Plätze unbelegt lassen zu müssen, so Knüppel.
(...)
https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/pflege-pflegekraft-leiharbeit-zeitarbeit-100.html

Die Verlogenheit der Sklavenhändler ("Anwälte der Beschäftigten") und der Kostendruck der Krankenhäuser ("immer noch billiger als leere Betten") wird wenigstens dokumentiert.


Rappelkistenrebell

Eine Bekannte hat auch vorletztes Jahr ihren Festvertrag gekündigt gehabt und arbeitet nun als Altenpflegerin über Zeitarbeit.Besseres Geld und keine 60-70 Stundenwochen mehr.Sie macht nur noch den vereinbarten Stundendienst und fährt damit besser.
Das Problem ist auch,daß sich keiner wehrt,kaum jemand in der Gewerkschaft ist,ständig Personal unterbesetzt ist und die Bosse die Ersteller von Überlastungsanzeigen unter Druck setzen oder unter fadenscheinigen und konstruierten Vorwänden wie zB ein fingierter Diebstahl,kündigen.Auch werden diese Leute als "Nestbeschmutzer" von der Geschäftsführung dargestellt und von anderen Kollegen gemobbt.
Diese sind es gewohnt bei Krankheit deren Arbeit mitzumachen und bis in de Puppen Überstunden zu schieben.Auch werden diese teilweise falsch aufgeschrieben.Anders ist es nicht möglich und von der Heimleitung auch so gewollt.
Scheiß Arbeitsbedingungen!
Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

Rappelkistenrebell

Gegen System und Kapital!


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Fritz Linow

Zitat...und arbeitet nun als Altenpflegerin über Zeitarbeit.Besseres Geld und keine 60-70 Stundenwochen mehr.

Das ist dann wohl ein Ausreißer nach oben vom Gehalt her. Insgesamt verdienen Leiharbeiter im Pflegebereich weniger.

Zitat31.3.18
(...)
Im Pflegebereich wird immer häufiger auf Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter zurückgegriffen, um die Personallücken zu schließen. Im vergangenen Jahr waren bundesweit 10.181 Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege, bei Rettungsdiensten und der Geburtshilfe als Leiharbeitskräfte tätig. 2014 waren es erst 7374 und damit 2800 weniger als 2017 gewesen. Im Bereich der Altenpflege gab es im Jahr 2017 mehr als 7500 Leiharbeitskräfte, drei Jahre zuvor waren es erst 5850 gewesen. Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die der PNP vorliegt.

Leiharbeitskräfte verdienen deutlich weniger als regulär Beschäftigte. Bei Vollzeit lag deren Bruttolohn in den Bereichen Pflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe Ende 2016 bei 3203 Euro monatlich. Bei Leiharbeitskräften waren es nur 2579 Euro, wie aus den Zahlen der Bundesarbeitsagentur weiter hervorgeht. 28,9 Prozent der Leiharbeitskräfte in Pflegeberufen lagen sogar unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle von 2088 Euro. Bei den Stammbeschäftigten waren es nur elf Prozent.

Besonders wenig wird in der Altenpflege verdient. Der Bruttomonatsverdienst für Vollzeitbeschäftigte lag Ende 2016 bei 2436 Euro. Leiharbeitskraft in Vollzeit erhalten im Durchschnitt nur 2131 Euro brutto im Monat. Fast die Hälfte von ihnen (47,8 Prozent) lag damit im Niedriglohnanteil.
(...)
http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2891984_Linksfraktion-kritisiert-Immer-mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege.html

Fritz Linow

Zitat3.4.18
Wie Leiharbeitsfirmen den Markt für Pflegekräfte aufmischen

Leiharbeitsfirmen rollen den Markt für Pflegekräfte auf, weil sie besser zahlen. Die Heime geraten dadurch in einen Teufelskreis.

(...)
Eine besondere Rolle spielen die Zeitarbeitsagenturen. ,,Wenn uns Mitarbeiter wegbrechen, kaufen wir dort für sehr viel Geld die Pflegekräfte ein, um die strengen Personalvorgaben zu erfüllen", sagt Härtel-Lenssen. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war das noch anders. Da standen die Zeitarbeitnehmerinnen auf der Matte, weil sie sich um eine Festanstellung im Wohnpark bewerben wollten. Inzwischen läuft es andersrum.
(...)
Ein wichtiger Grund ist, dass die Zeitarbeitsfirmen deutlich besser bezahlen. Während etwa in der Metall-Industrie Leiharbeitnehmer eher mit weniger Geld nach Hause gehen als die Stammbelegschaft, läuft es bei der Pflege inzwischen umgekehrt.
(...)
Sylvia Bühler, für die Pflege zuständiges Vorstandsmitglied bei der Gewerkschaft Verdi, kann den neuen Trend bestätigen. ,,Aktuell werden nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit 21.484 Pflegekräfte über Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt." Ein Plus von 20 Prozent innerhalb eines Jahres.
(...)
http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/konkurrenz-im-altenheim-wie-leiharbeitsfirmen-den-markt-fuer-pflegekraefte-aufmischen/21135384.html

Fritz Linow

Der VDAB ist der Lobbyverband für gut 1.600 Mitgliedsunternehmen der ambulanten und stationären Alten- und Behindertenhilfe.

Zitat5.4.
VDAB: Kostenträger sind verantwortlich für stark ansteigende Leiharbeit in der Langzeitpflege
(...)
Die Verantwortung für das Anwachsen der Leiharbeit liegt eindeutig bei den Kostenträgern.
(...)
https://www.vdab.de/presse/pressemitteilungen/news/vdab-kostentraeger-sind-verantwortlich-fuer-stark-ansteigende-leiharbeit-in-der-langzeitpflege/


ZitatDer VDAB vertritt bundesweit konsequent die Interessen der Unternehmen in der Privaten Professionellen Pflege.

Da die Interessen der Unternehmen darin bestehen, Gewinn zu machen und möglichst wenig an die Beschäftigten abzugeben, ist es irgendwie billig, die alleinige Schuld auf die Kostenträger/Krankenkassen zu schieben. Die Betreiber geizen mit jedem Scheiß herum, und jetzt, wo sie feststellen, dass Leiharbeit doch teurer ist, soll gefälligst mehr Geld fließen, damit der Gewinn stimmt.

Fritz Linow

Zitat18.10.18
Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu
(...)
Insidern zufolge war insbesondere der Monat September für die Geno ein Schlag ins Kontor, nicht zuletzt infolge schlechter Personalsteuerung. Auf Betreiben der Geschäftsführung sei die vergleichsweise teure Leiharbeit in diesem Monat drastisch zusammengestrichen worden. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Häuser. An mehreren Standorten mussten zeitweise Stationen geschlossen werden, auf denen dann in der Folge auch keine Erträge erwirtschaftet werden konnten.
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremer-kliniken-steuern-auf-rekorddefizit-zu-_arid,1776645.html

Fritz Linow

Zitat29.10.18
Zeitarbeit lohnt sich nicht wirklich!
(...)
Es liegt allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber und den dahinter stehenden Heuschrecken, diese Situation zu ändern. Denn, wenn die maßgeblichen Akteure sich dieser Situation fügen, die Rahmenbedingungen ändern, dann werden sie so ihre Pflegekräfte halten und neue hinzu gewinnen können. Maßgeblich sind hier die Zahlen: Gehalt, Dienstplan, Sicherheit.

Solange das Argument der Pflegekräfte in der Zeitarbeit lautet: ,,Ich habe Freiheiten über meinen Dienstplan!" in Kombination ,,Ich habe mehr Netto als Ihr auf dem Konto" bei den Leasingkräften als Argumente vorherrschen, wird die Zeitarbeit in der Pflege weiterhin immense Gewinne abschöpfen. Gewinne, die die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen viel besser für das eigene Personal verwenden könnten, wenn nicht die Dividende um die Ecke schaut.
https://frausofa.wordpress.com/2018/10/29/zeitarbeit-lohnt-sich-nicht-wirklich/

Es liegt natürlich nicht allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber, aber immerhin wird die Pest der Leiharbeit nun auch von den Pflegenden selber kritisch gesehen.

Fritz Linow

ZitatFluch oder Segen der Zeitarbeit im Gesundheitssektor und der daraus resultierende Pflegenotstand

Der in der Bevölkerung stellenweise diskutierte Pflegenotstand hat nach Ansicht des Autors nicht nur die Ursache in der demographischen Bevölkerungsentwicklung, sondern auch im massiven Anstieg der Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) der letzten Jahre.
(...)
Sitzt man im Jahr 2018 zusammen um zu beratschlagen, wie man denn den Pflegenotstand zu lösen gedenkt, ist niemand auch nur im Ansatz in der Lage, auch nur zu erkennen, dass wir uns unser Problem selbstmachen.
Es sind nicht nur die renditeorientierten Träger, es sind auch die renditeorientierten Unternehmen, die sich fleissig am Topf der Solidargemeinschaft bedienen.
Deshalb muss die Konsequenz lauten, dass – ähnlich wie in der Baubranche – es ein Verbot der ANÜ und der Werkverträge geben muss.
http://www.labournet.de/?p=139953

Die Leiharbeitsbranche (die eigentlich keine Branche ist) versucht sich im Gesundheitswesen als die bessere Alternative darzustellen. Der Schuss geht nach hinten los, wenn noch viel mehr deutlich gemacht wird, dass die Sklavenhändler die Situation schamlos ausnutzen. Gerade beim emotionalen Thema "Pflegenotstand" müsste das eigentlich möglich sein. Ob jetzt ein Verbot der ANÜ in der Pflege sinnvoll ist? Schwierig. Wer will es einem verdenken, wenn er anderswo mehr verdient und bessere Bedingungen hat.

Fritz Linow

Zitat19.11.18
Trier. Die Besetzung von offenen Stellen in der Pflege stellt die Kliniken in der Region vor große Herausforderungen.
(...)
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. ,,Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann." Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

,,Wir stehen erst am Anfang des Mangels, aber schon mitten in der Katastrophe", lautet das ernüchternde Fazit von Jogerst-Ratzka.
https://www.volksfreund.de/region/die-besetzung-von-offenen-stellen-in-der-pflege-stellt-die-kliniken-in-der-region-vor-grosse-herausforderungen_aid-34569519

dejavu

ZitatDringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. ,,Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann." Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

Fritz Linow

Zitat von: dejavu am 20:32:53 Mo. 19.November 2018
Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Die Leihbuden kaufen sozusagen den Markt auf in dem Wissen, dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss. Dass Betreiber und Krankenhäuser auch nur die Kohle im Sinn haben, wird stillschweigend übergangen.

dejavu

Zitatdass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss.
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
So nach dem Motto: Gehen sie doch zur Leihbude xy und schauen sie mal was sie da bezahlen.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!

Fritz Linow

Zitat von: dejavu am 21:31:11 Mo. 19.November 2018
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
In weiten Teilen der Gesundheitsberufe bekommen sie doch auch als Leiharbeiter mehr. Und ja, es spricht sich am Markt rum. Da man aber in der Pflege nicht so einfach die Patienten liegen lassen kann, nutzen die Sklavenhändler diese Situation (noch) aus und verlangen absurde Summen für ihre Ware. Dieses Geld fehlt den Betreibern dann wiederum, um selber bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sagen sie zumindest. Dass sie sich jahrzehntelang einen Dreck darum geschert haben, steht auf einem anderen Blatt.

Fritz Linow

Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben:
Zitat27.11.18
Sind die Tage der Zeitarbeit in der Pflege gezählt?

Pflegekräfte und Klinikleitung – alle regen sich über die teure Leiharbeit auf. Nun gibt es erstmals eine Alternative: GigWork, eine digitale Plattform, die ähnlich wie Airbnb funktioniert. (...)
https://www.pflegen-online.de/sind-die-tage-der-zeitarbeit-in-der-pflege-gezaehlt

Fritz Linow

Zitat12.3.19
Piening-Fachbereich Incare wächst – Gesamtumsatz 2018 leicht im Plus

Mehr Leiharbeit in der Pflege

(blablabla...alles toll)

Gegründet wurde die Firma 1979 von Agnes und Jürgen Piening. Zum 40. Geburtstag werden 40.000 Euro an eine soziale Einrichtung gespendet – an wen, darüber stimmen die Kunden ab.
https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Bielefeld/Bielefeld/3700249-Piening-Fachbereich-Incare-waechst-Gesamtumsatz-2018-leicht-im-Plus-Mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege

Piening war für den Streikbrechereinsatz bei Neupack mitverantwortlich und ist mit den ,,Gewerkschaften" auf einer Wellenlänge.

Bewertung aus dem Internet:

Zitat2012
Ich selber war 4 Jahre Personaldisponent bei der Piening Gmbh.

Unser Dienststellenleiter hat uns gelegentlich aufgefordert auf verschienen testberichtsseiten gute Testberichte mit 5 sterne bewertungen abzugeben. Deswegen sind die guten bewertungen bei Piening immer so kurz. Die Disponenten wissen wie schlecht die mitarbeiter bezahlt werden und wie schlecht es ihnen geht können dagegen aber nichts machen.
http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=7&t=4830&hilit=piening#p33169

Kurz darauf kommt dann übrigens auch der absurde Werner Stolz zu Wort.

Auf jeden Fall wird deutlich, wie krampfhaft die Sklavenhändler einen Imagewandel erzwingen wollen, und wie lustlos viele Journalisten mittlerweile sind.

tleary

Von all den *momentanen*, weil absoluter Personalmangel im Pflegebereich herrscht, ist die Qualität eines Leiharbeiters in der Pflege mit Sicherheit schlechter, weil es immer einige Monate dauert, bis einem die Abläufe im jeweiligen Pflegeheim/Krankenhaus geläufig sind ("Einlernzeit"). Danach sind die LA-Pfleger dann nur noch kurz da oder schon wieder weg, und müssen dann an anderem Ort wieder neu eingelernt werden.

Dieser ständige Personalwechsel geht auf Kosten der Qualität der Pflege, worunter letztenendes die Patienten und Pflegeheimbewohner leiden.

Außerdem ist die ganze Pflegemisere doch der von der Politik gewollten Führung von Krankenhäusern und Pflegeheimen als Wirtschaftsbetrieb geschuldet. Die Quittung kommt nun als zusätzlicher Kostenerhöher in Form von Leiharbeit, schon allein weil die Leihklitschen einen erklecklichen Teil des Leiharbeiterlohns in Form von (unnötigen) Verwaltungskosten und Profit für sich einbehalten.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Fritz Linow

Zitat28.5.19
Privater Pflegeverband: Steigende Pflegekosten durch Leiharbeit

Alterswissenschaftlerin befürchtet höhere Eigenanteile für Pflegebedürftige

(...) Es entstünden zusätzliche Kosten von bis zu 89 Prozent durch den Einsatz von Leiharbeitern.
(...) Sie verdienen vielfach mehr Geld als festangestellte Heimmitarbeiter und haben bessere Arbeitsbedingungen.
(...) Hohe Wechselprämien im vierstelligen Bereich für Werber und geworbene Pfleger könnten diesen Trend verstärken.
https://www.swr.de/report/privater-pflegeverband-steigende-pflegekosten-durch-leiharbeit-alterswissenschaftlerin-befuerchtet-hoehere-eigenanteile-fuer-pflegebeduerftige/-/id=233454/did=23867146/nid=233454/cxtj6c/index.html

Fritz Linow

Zitat21.8.19
Zeitarbeit vom Problemlöser zum Problem

Dass immer mehr Pflegekräfte lieber bei Personaldienstleistern als in Festanstellung in einem Team arbeiten, bringt die Kliniken nicht nur finanziell in Schwierigkeiten: Auf den Stationen rumort es. Nun soll es (auch) die Politik richten.

Der Schulterschluss ist ein Novum und wäre noch vor kurzem undenkbar gewesen. Bei der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern will eine große Mehrheit der Berliner Krankenhäuser künftig einheitliche Regelungen in ihre Verträge mit den Verleihern übernehmen. Die Kontrakte sollen neben einer Preisbindung unter anderem vorschreiben, dass Zeitarbeiter alle drei Schichten abzudecken haben und dass die Anbieter Unterweisungen und Fortbildungen nachweisen müssen. (...)
https://www.kma-online.de/aktuelles/pflege/detail/zeitarbeit-vom-problemloeser-zum-problem-a-41748

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