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Krank => Lieber Krankfeiern als gesund schuften! => Gesund? => Thema gestartet von: admin am 19:29:53 Mi. 16.Mai 2007

Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: admin am 19:29:53 Mi. 16.Mai 2007
Es sind Meldungen in den bürgerlichen Medien wie auch Postings bei chefduzen.de, die eine nähere Betrachtung des Zusammenhangs zwischen (psychischen) Krankheiten mit sozialen und politischen Verhältnissen provozieren:

Zitat
Die Zahl der Krankenhauspatienten mit Depression ist in vier Jahren um 40 Prozent angestiegen - laut einer aktuellen Statistik der Gmünder Ersatzkasse. 12 Prozent der Patienten in einer Arztpraxis haben heute eine Depression, sagt Dr. P. Heußner von der Uni München-Großhadern. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in vielen anderen Ländern nachweisen. Bis zum Jahr 2020 könnten Depressionen deshalb weltweit zur zweithäufigsten Krankheit werden.

Dramatisch nehmen Depressionen und andere psychischen Störungen bereits unter Kindern zu. Nach Angaben des Psychotherapeuten-Verbands BDP ist inzwischen jedes fünfte Kind in Deutschland psychisch auffällig - Depressionen, Angst, Aggressivität, Aufmerksamkeitsstörung. Ein Drittel dieser Kinder ist dringend behandlungsbedürftig ("Ärztezeitung", 18.4.07 und 3.4.07).

Es geht um mehr, als daß Menschen sich nicht die nötigen Medikamente leisten könne oder sich schlicht kaputtarbeiten. Es ist an der Zeit den Begriff der Gesundheit wieder zu hinterfragen, denn wer in einem zerstörerischen Sytem funktioniert gilt als "gesund", doch derjenige, dessen Körper und Seele sich dagegen aufbäumen, wird mit Psychopharmaka behandelt.

Es ist an der Zeit die Philosophie des Individualismus zu hinterfragen und die Kultur des Konkurenzkampfes ("alle gegen alle").

Diskussionen, die bereits vor mehr als 3 Jahrzehnten geführt wurden sind zu Unrecht weitgehend vergessen: Das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK, seit 1973 auch als Patientenfront bekannt) wurde am 12. Februar 1970 in Heidelberg von 52 Psychiatrie-Patienten unter Leitung des Arztes Wolfgang Huber gegründet. Es verstand sich als Therapiegemeinschaft und wollte im Sinne der Anti-Psychiatrie „aus der Krankheit eine Waffe“ machen. Nach eigenen Angaben ist das Ziel eine klassenlose Gesellschaft, wobei als „Feind“ insbesondere die „Ärzteklasse“ angesehen wurde.

Die dahinter stehende Idee war, dass psychiatrische Erkrankungen durch die kapitalistische Gesellschaft verschuldet seien. Aufgabe der Psychiatrie sei, die Patienten wieder tauglich für die krankmachende Gesellschaft zu machen. Im Gegensatz dazu wollte das SPK die Krankheit gegen die krankmachende Gesellschaft richten.

In dem auf 500 Patienten gewachsenen Kollektiv machten Strafverfolger einen „inneren Kern“ aus, den sie als kriminelle Vereinigung betrachteten und gegen den teils Haftstrafen verhängt wurden.

Dieser Staat sah die Hinterfragung des Gesundheitsbegriffs als Hinterfragung des herrschenden Gesellschaftssystems und kriminalisierte die Protagonisten der Diskussion. An dieser Stelle sollten wir die Diskussion auch wieder ansetzen.

Brauchbare Informationen über das SPK gibts in einem Buch des Trikont Verlags: SPK - Aus der Krankheit eine Waffe machen (ISBN 3-920385-47-0.)

Und im Netz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistisches_Patientenkollektiv
http://mathphys.fsk.uni-heidelberg.de/ruprecht1.html
http://www.spkpfh.de/

Soweit mein Vorschlag zu einer neuen Diskussion.
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Eivisskat am 23:53:17 Mi. 16.Mai 2007
Danke für den Tipp über das SPK, das kannte ich noch nicht.
Sie vertreten genau meine Ansichten als (teilweise) Betroffene.
Ich werde mich jetzt x einlesen.
Wäre schön, wenn's dazu ein Paar Beiträge gebe.
(Wo sind die Leute denn heute Abend, ist Fussball?) ;)

LG
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Kuddel am 11:45:17 Sa. 16.Juni 2007
Das war gestern, daß beim Menschen nur die körperliche Kraft ausgesaugt wird. Es gibt einen Angriff auf alle menschlichen Resourcen.

Ranger zum Beispiel abeitet mit sektenähnlichen Methoden. Regelmäßige Meetings auf denen besonders produktive Mitarbeiter mit lärmendem Applaus hochgeputscht werden. Wer viele Verträge abgeschlossen hat darf eine Glocke läuten. Wer rekordverdächtig viele hat darf die große Glocke läuten...

Network Marketing und ähnliche betrügerischen Ausbeutungsmethoden gehören allmählich zum gesellschaftlichen Mainstream. Die Arbeitsämter zwingen Leute in Kurse, wo Menschen ihre letzten Kräfte zu Markte tragen sollen um sie im großen Konkurenzkampf einzusetzen. "Wo sind deine Fähigkeiten? Was kannst Du besser als andere?""Wie kannst Du Deine Fähigkeiten am Markt nutzen?" Dann werden die Leute in offene Messer gejagt. Eine hoffnungslose Selbstständigkeit, die mit Verschuldung und einem Burnout endet.

Menschen bei denen sich alles innerlich sträubt, wenn sie irgenwelchen Scheiß verkaufen sollen, die bei sinnlosen Dienstleistungen ein permanentes Lächeln tragen müssen, die bei der Arbeit keine Erfüllung finden oder finden wollen sind in meinen Augen keinesfalls krank.

Aber krank sind diejenigen, die den Scheiß mit Begeisterung fressen, die gerne Teil der zerstörerischen Maschinerie sind, die sich mit aller Kraft für ihren Job kaputtmachen und sich wundern, wenn es keinen Orden, nichtmal ein "Dankeschön" gibt, wenn sie sich zum Wrack geschuftet haben...
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Kuddel am 13:39:41 Di. 26.Juni 2007
Der Bundespräsident schlug vor, daß Belegschaften zunehmend (bei permanenten Lohnsenkungen) am Gewinn eines Betriebs beteiligt werden sollen. Der Konkurenzkampf und das Prinzip des Ellenbogens werden als höchstes Prinzip erhoben. Das ist schon längst gang und gäbe und die Gewerkschaften spielen mit.

Es war bisher immernoch möglich, daß auch irgendwelchen "Sozialfälle" in einem Betrieb mitgezogen wurden bzw. ihre Nische finden konnten. Jetzt wird immer weiter ausgesiebt, wer wirklich noch proftiabel ausgeschlachtet werden kann und wer nicht.

Und was passiert mit den Leuten, die ihre Aufgaben, ihre sozialen Bindungen im Betrieb und ihr Einkommen verloren haben weil sie durch das Raster gefallen sind? 1€ Job? Psychopharmaka vom Arzt? Klapse? Arbeitslager?

Wer oder was ist hier krank?
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Ratrace am 14:15:34 Di. 26.Juni 2007
Zitat
Der Bundespräsident schlug vor, daß Belegschaften zunehmend (bei permanenten Lohnsenkungen) am Gewinn eines Betriebs beteiligt werden sollen.
Damit das unternehmerische Risiko nun auch auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden kann und diese sich neben ihrem wackligen Arbeitsplatz auch noch um Cheffes Gewinne sorgen sollen? Och nööö...

Zitat
Es war bisher immernoch möglich, daß auch irgendwelchen "Sozialfälle" in einem Betrieb mitgezogen wurden bzw. ihre Nische finden konnten. Jetzt wird immer weiter ausgesiebt, wer wirklich noch proftiabel ausgeschlachtet werden kann und wer nicht.
Die meisten Unternehmer haben sich von allen sozialen Verpflichtungen, die das Unternehmertum eigentlich mitbringt oder vielmehr mitbringen sollte, radikal verabschiedet.

Unser System macht krank, weil es kranke Ansichten zur Hegemonie erhebt. Ich halte es für krank, wenn man - wie einige glückliche Sklaven hier in diesem Forum - auch noch berauscht mittut und jubelt, wie dolle es doch sei. Krank ist es, in diesem System gesund zu bleiben. Ich rede nicht vom Funktionieren wie ein Zombie - das ist nicht gleichbedeutend mit "Gesundheit". Ob man psychisch gesund ist oder nicht, darf nicht die Verwertbarkeit des Menschen auf dem Arbeitsmarkt entscheiden. Es gibt in der Tat Psychologen, die die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit als Heilung mißverstehen. Vor solchen Quacksalbern kann man nur warnen. Unter den Amtsärzten gibt es meiner Erfahrung nach vermehrt solche Exemplare. Gerade diejenigen, die sich um psychische Probleme und ihre Attestierung kümmern sollen, untersuchen oft (bewußt?) falsch und stellen indifferente, schlampige und unzutreffende Diagnosen, alles eingebunden in ein demütigendes und menschenverachtendes Prozedere. Vermutlich gibt es bei Gesundschreibungen eine Extra-Prämie, ich weiß es nicht.
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Pinnswin am 21:23:15 Di. 26.Juni 2007
Dorf-Idyll

(http://666kb.com/i/apjxrzlnw7ektlr0j.jpg)
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 22:05:11 So. 01.Juli 2007
Die Tagung der Bundespsychotherapeuten-Kammer konstatierte im Frühjahr 2007, dass psychische Erkrankungen europaweit mittlerweile zu den häufigsten Ursachen von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit gehören. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen erkranke jeder dritte bis vierte Erwachsene irgendwann an einer psychischen Störung. In den vergangenen Jahren sei es zu einer Zunahme an Krankschreibungen und Frühverrentungen gekommen.
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Kuddel am 12:23:57 Di. 03.Juli 2007
Und weiter wird an den Opfern herumgedoktert statt an krankmachenden Verhältnissen.
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Kalle_Arsch am 17:21:15 Mo. 23.Juli 2007
Einzig und allein das System macht den Menschen krank. Arbeiten bis zum umfallen, und dann kommt der Spruch " Tuhe was für Deine Rente " !

Hallo ? Welche Rente ?

Die, die ich vielleicht mit 75 bekomme, wenn ich im Rollstuhl aus der Firma geschoben werde, und der schwarze Kombi auf mich wartet ?

Oder die Rente, die so gering ausfallen wird, das ich davon nicht leben kann ?

Alles Schwachsinn, sich überhaupt noch damit auseinander zu setzen.
 :aggressiv>
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Kater am 13:57:54 Di. 04.September 2007
zur Geschichte des Sozialistischen Patientenkollektivs SPK

Zitat
Die Anfänge der RAF
Serie zum "Deutschen Herbst", Teil 2
Von Philipp Krohn
Vor 30 Jahren erschütterte der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) die Bundesrepublik. Die Anfänge der Gewalt reichen bis Ende der 60er Jahre zurück. Viele spätere Terroristen gehörten dem Sozialistischen Patientenkollektiv in Heidelberg an.

"Das hier ist unterschrieben mit Kommando Siegfried Hausner und trägt das Datum 12. September '77."

Die RAF hat dem Kommando den Namen von Siegfried Hausner gegeben. Zwei Jahre zuvor starb er nach einer Sprengstoffexplosion in Stockholm. Er war einer der Botschaftsbesetzer, die zwei Menschen umbrachten. Wie viele andere Terroristen hatte er zu Beginn der 70er Jahre dem Sozialistischen Patientenkollektiv angehört.

Heidelberg Ende der 60er Jahre: Der junge Assistenzarzt Dr. Wolfgang Huber sammelt psychisch kranke Patienten um sich, die mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden an der Klinik unzufrieden sind. Sein Konzept weicht ab: Krankheit versteht er nicht als individuelles Problem, sondern als systembedingt. Im Kapitalismus müsse der Arbeiter Fähigkeiten ausbilden, die zum handelbaren Gut würden. Dadurch wachse der psychische Druck. So werde Krankheit zur Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Die Konsequenz: Die Verhältnisse müssten umgewälzt werden oder wie es in einem Flugblatt heißt:

"Das System hat uns 'krank' gemacht; geben wir dem kranken System den Todesstoß."

Der Ansatz bleibt nicht unbeachtet, wie der Psychiater Horst-Eberhard Richter erzählt:

"Die Leute von der Roten Armee Fraktion, die erfuhren von diesem SPK in Heidelberg und ahnten, dass da eine gewisse Verwandtschaft der Ideologie war. Und da kam es dann zu Begegnungen. Und die RAF-Leute, die spürten, da können wir vielleicht auch Nachwuchs gewinnen."

Bevor aber diese Kontakte entstehen, versucht das SPK, sich an der Heidelberger Uni zu etablieren. Der liberale Rektor Rendtorff bringt dafür verhaltene Sympathie auf - gegen die Mehrheit der konservativen Professoren. Im Februar 1970 erkämpfen sich Huber - zuvor von der Uniklinik entlassen - und das SPK mit einem Hungerstreik eigene Räume. Dennoch bleibt es umstritten. Im Juli besetzt es das Rektorat, um eine Einrichtung an der Uni zu werden. Als neutraler Vermittler reist ein renommierter Psychiatrie-Professor nach Heidelberg: Horst-Eberhard Richter. Er empfiehlt, das SPK zu institutionalisieren, obwohl er es insgesamt kritisch sieht:

"Ich hatte ja sieben Jahre Arbeit in der geschlossenen Psychiatrie hinter mir und konnte erkennen, dass da wirklich psychotische Menschen dabei waren und dass da zwei Ärzte und dann nur ein Psychiater auf 150 mehr oder minder psychisch Kranke, dass das nicht gut gehen konnte. Und dass das eine sehr gefährdete Gruppe war, bei der notwendigerweise demnächst Chaos ausbrechen würde. Oder eben eine Verschärfung hin zu dem, was dann auch einigen von ihnen widerfuhr - nämlich dass sie dann aufgesaugt wurden von der RAF."

Zu den Patienten gehören neben Studenten auch Hausfrauen, Schüler und Arbeiter. Auf 500 sind sie nach eigener Zählung angewachsen. Ohne Arzt-Patienten-Hierarchie führen sie politisch-therapeutische Gruppengespräche durch. Während sie Flugblätter schreiben, läuft die Musik von "Ton, Steine, Scherben".

"Macht kaputt, was euch kaputt macht!"

Margrit Schiller ist dabei - genauso Klaus Jünschke und Gerhard Müller. Alle drei tauchen später zur RAF ab. Gerhard Müller erschießt das erste RAF-Opfer. Jünschke sagt dem NDR viele Jahre nach seiner Haft:

"Da hat das SPK mit der Einsicht, dass die Krankheitssymptome zu interpretieren sind als Protest und Hemmung des Protests, schon einen Impuls gegeben, denke ich, über den auch heute noch mit Gewinn nachzudenken wäre."

"Macht kaputt, was Euch kaputt macht!"

Inzwischen ist das SPK zu einer Angelegenheit der Landesregierung geworden: Im September 1970 beschließt der konservative Kultusminister Wilhelm Hahn es aufzulösen. Die Patienten fühlen sich immer mehr verfolgt. Uni-Rektor Rendtorff erinnert sich sogar an Sprengstoff-Drohungen, die ihn aber wenig beeindrucken:

"Eines Tages hing bei mir irgendwas an der Wand, an der Mauer. Und da hatten sie also offenbar irgendwas mit Sprengstoff dahingestellt. Und ich habe das Kabel also durchgeschnitten - und zwar mit einem Schnitt die beiden Kabel. Aber es ist nichts passiert. Den nächsten Tag stand in der Zeitung: Rektor entschärfte Bombe selbst."

Ab Februar 1971 übernachten die führenden Köpfe der späteren RAF um Baader und Ensslin regelmäßig bei SPKlern in Heidelberg. Gerüchte entstehen, dass sich im SPK ein gewaltbereiter Innerer Kreis um Wolfgang Huber gebildet hat. Die linken Studenten außerhalb des SPK, wie der damalige Asta-Führer Dietrich Hildebrandt, später für die Grünen im Stuttgarter Landtag, nehmen sie nicht ernst:

"Natürlich haben wir erstmal gedacht, dieser so genannte Innere Kreis, das sei eine Konstruktion der Strafverfolgungsbehörde. Aber offensichtlich hat es da einen realen Kern gegeben."

"Eine Anzahl von Mitgliedern des Sozialistischen Patientenkollektivs in Heidelberg steht im dringenden Verdacht, sich zu einer kriminellen Vereinigung zusammengeschlossen zu haben, die zum Teil schon strafbare Handlungen begangen hat."

Im Juni 1971 kommt es zu einem massiven Polizeieinsatz. In einem Keller, den Hubers Frau gemietet hat, werden Material für Sprengstoff und Geräte zur Passfälschung gefunden. In diesen Tagen entstehen die letzten Patienteninfos des SPK - mit diesen Parolen:

"Aus der Krankheit eine Waffe machen!"

"Mahler, Meinhof, Baader - das sind unsere Kader!"

Einige Monate später werden Huber und seine Frau zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Vorwurf: Sie hätten eine kriminelle Vereinigung nach dem Vorbild der Baader-Meinhof-Gruppe gebildet. Außer ihnen wird auch der Schüler Siegfried Hausner verurteilt: zu drei Jahren Jugendhaft. Nach seiner Entlassung taucht er sofort in die Illegalität ab so wie nach und nach weitere ehemalige Patienten. Eine echte Kontinuität von SPK zu RAF habe es aber nicht gegeben, meint der Grüne Dietrich Hildebrandt.

'"Im Nachhinein muss man aber sehen: Wenn innerhalb des SPKs manchmal bis zu 100, 200 Leute im Umkreis waren, vielleicht von den Aktiveren 40, 50 - so haben wir es auch wahrgenommen - und wirklich zur RAF gegangen sind vielleicht 10, ist es auch damals falsch gewesen und ist es auch im Nachhinein falsch zu sagen, das SPK hat sich als Gruppe zur RAF bewegt."

http://www.dradio.de/aktuell/665590/
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Lichtkämpfer am 14:58:39 Do. 06.September 2007
Hierzu das Zitat eines Autoren über das Kapital:
"Kapital, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. (K.Marx)
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: noree am 10:51:35 Fr. 07.September 2007
Iatronike! (Gattungsgifter unterkriegen)

Kurzmeldungen von der PATIENTENFRONT

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Bilanz zur Medienscheißerkampagne

Medienscheißerkampagne vernichtend zurückgeschlagen.
Patientenklasse in vollem Glanz zum Aufscheinen gebracht durch uns.


Unbeachtlich, angstgezeichnet, in der abzusehenden Wirkung auf das Radiopublikum das bislang Äußerste an Günstigem für die Patientenklasse insgesamt.
Urärztlich-euthaNAZIstische Radio-Gewährsfrau Dr. medpsych. Dalia Michel/Kasubek beruflich und privat auf der Stelle enttarnt.

Chemisch rein von SPK und PF und formal gezielt schlampig.
Sie konnten das SPK nicht entaktualisieren und vergangenheitlichen.
In der Abgrenzung zur Riege Arischer Feldwebel volle Gefolgschaft zu uns.
Im Ergebnis gut für die Patientenklasse insgesamt laut Pathoskop von vor 3 Monaten.

 
PF/SPK(H), 4. September 2007


http://www.spkpfh.de/Kurzmeldungen2.htm (http://www.spkpfh.de/Kurzmeldungen2.htm)
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: kellerkind am 11:07:15 Fr. 07.September 2007
@noree: Wie meinen? Also ich steige nicht ganz durch.

Kellerkind

P.S.: Bitte nicht lediglich wirre Copy-&-Paste-Postings hier reinsetzen als Hinweis auf bestimmte Seiten, sondern auch selber Stellung beziehen. Ansonsten wird der Account gesperrt wegen Spam.

Nachtrag an die Patientenfront: Bitte formuliert eure Anliegen doch so, daß auch Nichteingeweihte mitdiskutieren können. Denn für eine nur wenigen zugängliche Wortwahl ist das Thema 'Psychiatrie im System' einfach zu wertvoll. Öffnet euch bitte.
Titel: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: kellerkind am 19:09:29 Fr. 07.September 2007
Zitat
Ich finde es sollte drin bleiben.......interessant zu lesen.
Kannte ich noch gar nicht.
 

Ja, ich lasse es auch drin. Siehe meinen Nachtrag in meinem vorigen Posting. Ich bin schon der Meinung, daß auch Außenstehende, also Nicht-SPK'ler, bei diesem Thema mitdiskutieren können sollten. Dazu muß aber auch die Thematik transparent gemacht und der Zugang dazu nicht durch unnötige Anhäufungen von Neologismen erschwert werden.

Du, suicides, scheinst ja eher drin zu sein in der Materie. Aber das ist hier im Forum ja nicht jeder.

Hier ist Link zum Wikipedia-Eintrag üder das SPK (http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistisches_Patientenkollektiv).


Kellerkind
Titel: Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 18:55:21 Do. 04.Dezember 2008
Der Bundespräsident schlug vor, daß Belegschaften zunehmend (bei permanenten Lohnsenkungen) am Gewinn eines Betriebs beteiligt werden sollen. Der Konkurenzkampf und das Prinzip des Ellenbogens werden als höchstes Prinzip erhoben. Das ist schon längst gang und gäbe und die Gewerkschaften spielen mit. .. .

Mir geht dieses CDU-Parolengeplärre über eine angebliche Gewinnbeteiligung von Betriebsbelegschaften gegen den Strich und man muß es als Lüge und Betrug darstellen, was es real ist.

Und wenn ich schon den verlogenen Vogel Horst Köhler als Exdirektor des IWF mit so was höre, dann könnte ich ihn all seine Federn ausrupfen und ihn bei lebendigen Leib auf einer heißen Herdplatte schmoren.

Dem CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen und den AG-Verbänden geht es nicht um Gewinnbeteiligungen der Belegschaften, sondern mit der Umwandlung von Lohnanteilen in Kapitalbeteiligungen verschaffen sich Unternehmer auf diese unredliche, hinterhältige Tour ihre Erhöhung des Eigenkapitals ohne an den Belegschaften gegenüber Sicherheitsleistungen garantieren zu müssen. Die Banken geben den Unternehmern keine Kredite mehr, weil diese vorher nach Basel I- und -II-Verfahren die Firmen auf ihre Ertragskraft und Sicherheiten strenger bewerten und die Finger von einer Unternehmensbeteiligung lassen oder die Kreditkonditionen der Firma gegenüber erheblich verschlechtern.

Also fällt dem CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen und den AG-Verbänden der Weg des geringsten Widerstandes ein:

Man verspricht den Belegschaften wieder goldene Zeiten, spart sich die Sicherheitsleistungen und beteiligt sie mit nachzuschießenden Ersparnissen, Lohnverzicht etc. voll an den Betriebsrisiken bis zur Firmeninsolvenz. An Gewinnen hat ein Unternehmer nie seine Belegschaft beteiligt, aber an der Firmenpleite schon und das obwohl ein AN sozial schwächer geschützt wird als ein Unternehmer. Der Unternehmer hat seine Vitamin-B-Beziehungen zur Politik, schmiert Verwaltungen, Anwälte und bringt seine Firmenvermögen vor der Pleite durch Eigentumsübergang an seine Ehefrau, bucklige Verwandtschaft und Strohmänner in Sicherheit und überläßt dann das leere Firmengehäuse den Aasgeier Insolvenzverwalter.

Flugs macht der Unternehmer mit neuen Firmennamen und geretteten Vermögen seine Geschäfte weiter, ohne daß die Altschulden auf die Folgefirma übertragen werden. Tolles Sanierungskonzept!!! Ein AN hat durch die Firmenpleite seine Existenzgrundlage verloren und wird abhängig von den Machenschaften der Arbeitslosenverwaltungsbürokratie und dann soll er mit seiner "Unternehmensbeteiligungen" für die Bankrottgeschäfte draufzahlen und Geld nachschießen, das er selbst zum Überleben braucht.

Man sollte als CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen und AG-Verband schnellstens rechtlich dafür sorgen, daß Arbeitszeitkonten, offene Lohn- und Gehaltsansprüche und Betriebsrenten durch Firmeninsolvenzen nicht verlorengehen und in die Insolvenzmasse nicht mit einfließen. Bis jetzt sind diese 3 Dinge für den AN immer verloren, wenn eine Firma pleite geht. Den so was betrachte ich als Lohn- und Rentenraub von fremden Gläubigern an der erbrachten, vergütungspflichtigen Arbeitsleistung der Belegschaften. Und bei der vorrangigen Bedienung von Gläubigeransprüchen müssen die arbeitslos gewordenen AN  an erster Stelle kommen und nicht das Finanzamt, die Sozialversicherung und andere Geschäftspartner. Aktuell sind nämlich die AN der letzte zu bedienenende Teil in der ganzen Kette von Gläubigern und dafür hat der CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen vor einigen Jahren durch eine "Reform" des Firmeninsolvenzrechts gesorgt, daß AN im Insolvenzfall der letzte Arsch im Glied sind.

Es ist immer besser für den AN, der in einem Arbeitsverhältnis steht, daß sein voller Lohn- und Gehaltsanspruch ausgezahlt wird und er selbst darüber befindet, wo, wie und wann er es außerhalb des Zugriffs des Unternehmers für seine eigene Sozialabsicherung anlegt.

Wie sagt man jetzt wieder so schön im Angesicht der Finanz- und Bankenkrise zu den Anlegern: Man soll nie alle Eier in denselben Korb legen - also keine Reinvestition in eine Firma, von der man keine Sicherheiten bekommt, kein Eigentümer ist und kein Mitbestimmungsrecht auf die Unternehmenspolitik hat.
Titel: Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 15:01:14 Mi. 11.März 2009
Hierzu das Zitat eines Autoren über das Kapital:
"Kapital, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. (K.Marx)

Das berühmte, immer oft benutzte Zitat (zitiert in Das Kapital, Band I, S. 801, Dietz-Verlag Berlin, 1961) von Karl Marx geht auf die Auseinandersetzung von Marx mit dem Artikel von P.J. Dunning über Trade Unions zurück. Über P.J. Dunning selbst findet man leider nichts.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: rosaberlinerin am 00:24:50 So. 31.Januar 2010

"Das System hat uns 'krank' gemacht; geben wir dem kranken System den Todesstoß."


Dem kann ich nur zustimmen. Angst und Untertanentum machen nur krank auf die Dauer. Wer kaempft, der hat seine Angst und seine "Krankheit" ueberwunden.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20:56:49 Mo. 16.August 2010
Zitat
Wenn die Seele rebelliert
Zahl der psychisch Kranken steigt
Krankenkassen schlagen Alarm: Die Zahl der psychisch Kranken steigt Jahr für Jahr. Neue Faktoren wie Arbeitsdichte und Arbeitsstrukturen können für Menschen mit psychischen Störungen besonders belastend sein - aber auch Kinder und Jugendliche sind betroffen.

(...)
Zwölf Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Jungen gelten nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts bereits als verhaltensauffällig oder haben psychische Probleme. Und es trifft nicht nur Kinder und Jugendliche. Depression und Co. sind mittlerweile Volkskrankheiten.
(...)
Jahr für Jahr steigt die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Probleme. Die Techniker Krankenkasse hat ausgerechnet, dass im Schnitt bei jeder fünften Erwerbsperson mindestens einmal im Jahr eine psychische Erkrankung diagnostiziert wird. 36 Prozent der Frühverrentungen sind psychisch bedingt. In den Kliniken hat die Behandlung seelischer Probleme – gemessen an der Therapiedauer – den Herzpatienten bereits von Platz eins verdrängt. Die häufigsten Diagnosen für eine Einweisung sind laut Barmer GEK Depressionen, Schizophrenie und Verhaltensstörungen durch Alkoholsucht.
(...)
Zudem gebe es neue Risikofaktoren. Dazu gehörten Arbeitsdichte und Arbeitsstrukturen, die für Menschen mit psychischen Störungen besonders belastend seien. „Dienstleistungsjobs, in denen man immer freundlich sein muss, sind für manche schwer durchzuhalten.“ Nach den Statistiken der Krankenkassen erkranken vor allem Mitarbeiter in Callcentern, Sozialarbeiter, Krankenpflegerinnen und in hohem Maße Zeitarbeiter. Aber auch unter Arbeitslosen steigt die Rate. Nicht nur Arbeit macht krank, auch ihr Verlust belastet.(...)
http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Zahl-der-psychisch-Kranken-steigt (http://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Zahl-der-psychisch-Kranken-steigt)

Zitat
Ärzte verschreiben immer mehr Medikamente gegen psychische Krankheiten: Berufstätige erhalten doppelt so viele Medikamente wie noch vor zehn Jahren
(...)
Pro berufstätigem Bundesbürger seien 2009 jeden Tag acht Tage Medikamente zur Behandlung von Depressionen verschrieben worden, berichtet die TK. Das bedeutet der Studie zufolge einen Anstieg von 113 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000. Frauen erhielten im Durchschnitt an 10,5 Tagen Antidepressiva, Männer an sechs Tagen. Doch das sind statistische Durchschnittswerte: Die Mehrheit nimmt keine entsprechende Medizin ein; Kranke mithin umso mehr.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,711458,00.html (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,711458,00.html)

Alles klar, die Verdichtung der Arbeit, Streß, Konkurenzkampf und zunehmendes Mobbing macht Menschen krank. Auch die Angst, Angst vor sozialem Abstieg, vor Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung. Und über das soziale Mobbing, denen ein Erwerbsloser seitens der Gesellschaft und der Behörden ausgesetzt ist, gibt es in diesem Forum genug zu lesen.

Aber ich glaube, das ist nicht alles. Ich halte den gesellschaftlichen Konsenz, den Glauben an das Funktionieren dieses Systems, die Behauptung es ginge hier mit rechten Dingen zu und ewig so weiter, all das ist nur ein kollektiver Wahn, eine im millionenfachen Chor wiederholte Lüge. Die hier herrschende "Normalität" ist die schlimmste Krankheit, ein Trugbild, das das selbstzerstörische Treiben des kapitalistischen Systems noch ermöglicht.

Der oberste Artikel beginnt mit den Worten "Wenn die Seele rebelliert" und das schließt damit den Kreis zum Threadtitel: Die Seele weigert sich länger mitzuspielen in diesem kranken Spiel. Auch wenn der Kopf noch das glauben möchte, was scheinbar alle glauben, die plötzlich auftauchenden Ängste und Depressionen legen den Körper und das "Funktioneren" in seiner Rolle lahm.

Krank ist die Normalität und die Massen, die sich ihren Regeln beugen. Die sogenannte psychische Erkrankung ist eine Rebellion dagegen.  Zuerst sind die Sensibleren betroffen.

Es ist an der Zeit die Begriffe von Krankheit und Gesundheit radikal zu hinterfragen und von dem Kopf auf die Füße zu stellen!
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Eivisskat am 08:16:21 Di. 17.August 2010
Zitat
Der oberste Artikel beginnt mit den Worten "Wenn die Seele rebelliert" und das schließt damit den Kreis zum Threadtitel: Die Seele weigert sich länger mitzuspielen in diesem kranken Spiel. Auch wenn der Kopf noch das glauben möchte, was scheinbar alle glauben, die plötzlich auftauchenden Ängste und Depressionen legen den Körper und das "Funktioneren" in seiner Rolle lahm.


Wobei die/wir Erwerbslosen noch häufiger von der rebellierenden Seele betroffen sind, wie ich und 100.000 andere Elos bestätigen können und die Sensibleren zuerst.

Die Pharma-Industrie verdient sich dumm und dämlich an immer mehr Antidepressiva usw., die Betroffenen werden dadurch fett und abgestumpft, ihr der menschlichen Gemeinschaft so wertvoller Sensor für Ungerechtigkeiten & Mißstände geht verloren, ebenso wie ihre Energie zum Widerstand & Abschaffung derselben.






Zitat
DGB-Studie: Arbeitslos und krank

aus www.scharf-links.de (http://www.scharf-links.de) vom 16.08.2010

Fazit der DGB-Studie: Erschreckend ist der physische und psychische Gesundheitszustand der Arbeitslosen im offenen Hartz-IV-Vollzug. 

Die Reduzierung der Gesundheit und Lebenserwartung bei den Überflüssigen außerhalb der ökonomischen Wertschöpfung der Lohnarbeit gehört auch zum historischen und gesellschaftspolitischen (stets noch geleugneten) Programm der Kapitalverwertung der Bourgeoisie und Aktionäre, deren Wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Administration.

"Arbeitslos zu werden, ist für viele Menschen ein Schicksalsschlag. Und je länger die Arbeitslosigkeit dauert und je geringer die Perspektiven auf einen Wiedereinstieg sind, desto belastender wird die Situation für die Betroffenen und ihre Familien", sagte DGB-Vorstand Annelie Buntenbach.

45 Prozent der Menschen im BDA-staatlichen "Hartz-IV-Vollzug" sagen von sich, dass sie gesundheitlich angeschlagen seien. Nach einer Untersuchung des (BDI-BDA-CDU-SPD-) Bundesarbeitsministeriums gaben fast zwei Drittel der Befragten an, dass sie nicht hundertprozentig (im Verwertungs- und Profitsystem des Kapitals) arbeiten könnten. Psychische Krankheitsursachen sind für ein Viertel der Arbeitsunfähigkeitstage bei Erwerbslosen verantwortlich. Die Krankenkassen erklären das u. a. mit dem psychischen Druck auf die Erwerbslosen, einen Arbeitsplatz zu finden und den damit verbundenen Rückschlägen. 

Die Lobby-Fraktionen des Kapitals, nicht nur im BDI-Bundestag und in der analogen BDA-Bundesregierung, unterschlagen die staatlichen BA-Repressions- und Abschiebungsmaßnahmen, gegen Erwerbslose, zur Aufnahme von "Hauptsache Arbeit" in Unterbezahlung: Hungerlohn, Billiglohn, Mini-Mindestlohn und Hartz-IV-Aufstocker-Lohn.

In ihrer Stellungnahme erklärt die Bundesregierung, analog wie stets auch ihre Vorgänger, in sophistischer (Ver-)Vollkommenheit: "Da die Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung ein wesentlicher Faktor für psychische Gesundheit und soziales Wohlbefinden der Menschen ist, zielen grundsätzlich alle Arbeitsförderungsmaßnahmen der Bundesregierung mittelbar auch auf die Stärkung der psychischen Gesundheit von Erwerbslosen."  ::)

Nicht auskömmliche und menschenwürdige Löhne und Arbeitsbedingungen für Erwerbslose und Unterbezahlte gehören zu ihren BDA-christlich-liberalen-Regierungsaufgaben, sondern und vor allem, die fortgesetzte und offiziell uneingestandene psychische Bedrohung und Einschüchterung der Mehrheit der Menschen in bereits abhängiger Lohnarbeit: die erwünschte 'Friedhofsruhe an der Arbeitsfront' des Kapitals ist deren Hauptaufgabe.
   

Quelle: Frankfurter Rundschau am 15.08.2010. DGB-Studie: Arbeitslos und krank.
www.fr-online.de/wirtschaft/arbeitslos-und-krank/-/1472780/4559316/-/index.html (http://www.fr-online.de/wirtschaft/arbeitslos-und-krank/-/1472780/4559316/-/index.html)
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Alan Smithee am 13:39:57 Di. 17.August 2010
Zitat
Die Lobby-Fraktionen des Kapitals, nicht nur im BDI-Bundestag und in der analogen BDA-Bundesregierung, unterschlagen die staatlichen BA-Repressions- und Abschiebungsmaßnahmen, gegen Erwerbslose, zur Aufnahme von "Hauptsache Arbeit" in Unterbezahlung: Hungerlohn, Billiglohn, Mini-Mindestlohn und Hartz-IV-Aufstocker-Lohn.

Absolut richtig! DAS sollte man in erster Linie diskutieren! In welche "Arbeit" schiebt/zwängt man eigentlich Arbeitslose? (Und für WAS werden sie missbraucht?)

Zitat
In ihrer Stellungnahme erklärt die Bundesregierung, analog wie stets auch ihre Vorgänger, in sophistischer (Ver-)Vollkommenheit: "Da die Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung ein wesentlicher Faktor für psychische Gesundheit und soziales Wohlbefinden der Menschen ist, zielen grundsätzlich alle Arbeitsförderungsmaßnahmen der Bundesregierung mittelbar auch auf die Stärkung der psychischen Gesundheit von Erwerbslosen."

Ich glaub, mein Hamster bohnert! Da weiß aber gerade ICH was ganz anderes zu berichten!
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11:41:30 Sa. 18.Juni 2016
Der Gedanke des frühen SPK ist wirklich gut und hat mich stets beeindruckt.
Dieses System macht krank. Als Konsequenz geht es darum, aus dem Unwohlsein und aus dem Kranksein eine Motivation für Gegenwehr zu ziehen.

Leider ist das heutige SPK völlig durchgeballert. Wirklich tragisch.

Aber der Grundgedanke des SPK bewegt mich noch immer. Anders als in der 3. Welt, sind die Auswirkungen des kaptialistischen Systems in diesem Land nicht so offensichtlich. Es springen einem hier verhältnismäßig wenige zerlumpte, obdachlose und hungernde Menschen entgegen. Aber die Menschen leiden unter den Verhältnissen, je sensibler sie sind, desto mehr. Die psychischen Krankheiten sind auf dem Vormarsch.

Mein Eindruck ist, daß das seelische Leiden zunimmt und alles andere als positive Folgen hat. Ich beobachte dabei eigentlich nur zwei Tendenzen:
Lähmung, Lethargie, Depression.

Die andere Tendenz ist Aggro. Gegen sich selbst gerichtet als Drogenmißbrauch, Alk, Suizid. Oder gegen den Nächstbesten als häusliche Gewalt oder Straßengewalt.

Die einzigen, denen es gelingt den Aggro zu kanalisieren, eine politische Waffe draus zu machen, sind die Rechten. Sie organisieren die Frustrierten mit ihrem aufgestauten blinden Haß. Sie geben der Wut eine Richtung und ein Ziel, die Ausländer, die Linken, die Homos und die sozial Schwachen. Das hat Zulauf. Das erscheint attraktiv. Die Sogwirkung dieses simplen Rezepts ist erschreckend.

Von links kommt scheinbar kein Angebot von vergleichbarer Attraktivität für die schweigend Leidenden.

Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: schwarzrot am 13:14:00 Sa. 18.Juni 2016
und die sozial Schwachen. Das hat Zulauf. Das erscheint attraktiv.
'sozial schwache' = manager, oder wen meinst du damit?

Vielleicht meinst du aber auch arme leute, oder malocher die kein geld haben? Die sind aber meisst nicht 'sozial schwach', weil dann könnten sie überhaupt nicht überleben, in ihrer beschissenen umwelt.
Wenn aber schon links denkende die sprache der reichen benutzen, um sich selbst zu diffamieren, muss man sich nicht wundern, wenn sie glauben, dass nur der (vermeintliche) rechte ausweg bleibt.

Und was bitte ist 'SPK'?
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14:23:58 Sa. 18.Juni 2016
'sozial schwache' = manager, oder wen meinst du damit?
Willst du eine Wortklauberei starten, wie es seinerzeit mit dem Wort "Flüchtling" passierte, das als politisch inkorrekt geächtet werden sollte?
Natürlich sind mit dem Begriff "sozial Schwache" Arme gemeint, aber auch Menschen, die wegen psychischer Probleme, Behinderung, Sucht etc. ihre sozialen Bindungen verloren haben, sozial geächtet, ignoriert und ausgegrenzt werden. Es mag bessere Begriffe dafür geben, ich halte diese Formulierung aber weder für mißverständlich, noch für diffamierend.

Und was bitte ist 'SPK'?
Heißt Sozialistisches Patientenkollektiv. Um das herauszufnden, hättest du nur den Eröffnungbeitrag dieses kurzen Threads lesen zu brauchen.

https://de.indymedia.org/2008/10/229468.shtml
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistisches_Patientenkollektiv
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Nikita am 19:50:56 Sa. 18.Juni 2016
Als "sozial schwach " werden gewöhnlich genau die Falschen bezeichnet. Darauf wollte schwarzrot wohl hinaus. Das hat aber nichts mit dem Threadthema zu tun. Ansonsten kann ich MOCS Beitrag nur unterstreichen.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: schwarzrot am 07:35:43 Mo. 20.Juni 2016
'sozial schwache' = manager, oder wen meinst du damit?
Willst du eine Wortklauberei starten, wie es seinerzeit mit dem Wort "Flüchtling" passierte, das als politisch inkorrekt geächtet werden sollte?
Cool! Es geht also um 'politisch inkorrekte' worte, wenn du arme leute sprachlich diffamierst? Verwendest du nun auch 'gutmensch', weil das mal so richtig 'politisch inkorrekt' ist?
Zitat
Heißt Sozialistisches Patientenkollektiv. Um das herauszufnden, hättest du nur den Eröffnungbeitrag dieses kurzen Threads lesen zu brauchen.

https://de.indymedia.org/2008/10/229468.shtml
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistisches_Patientenkollektiv
Ok der threadstart ist von 2007 und klar, abkü. sollen die blöden leser doch googeln.
Zitat
Die einzigen, denen es gelingt den Aggro zu kanalisieren, eine politische Waffe draus zu machen, sind die Rechten.
...
Von links kommt scheinbar kein Angebot von vergleichbarer Attraktivität für die schweigend Leidenden.
WTF!?!  kotz
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Nikita am 14:33:31 Mo. 20.Juni 2016
schwarzrot, gehts Dir wieder erst besser, wenn Du übellaunig einen Thread zerstört hast.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: admin am 20:31:32 Sa. 16.Dezember 2017
Ich habe ein wenig in den Statistiken und den Suchbegriffen der Forensoftware herumgestöbert.
Ich war überrascht, wie oft Fragen zu Gesundheit und Krankheit Menschen in dieses Forum führen.

Man muß sich die Situation im modernen Kapitalismus einmal klar machen:

Amazon weiß, was die Arbeit in den Logistikzentren bedeutet. Das Personal soll dort nicht länger als 2 Jahre angestellt sein, denn danach schnellt der Krankenstand nach oben. Deshalb unterstützt man die Beschäftigten vor Ablauf der 2 Jahre bei Umschulungen und Bewerbungen. Die Leute werden 2 Jahre verschlissen, dann müssen sie weg. Möglichst freiwillig und ohne Abfindung.

Es ist alles inzwischen belegt:
Streß macht krank.
Armut macht Krank.
Leiharbeit macht krank.
Ökonomische Unsicherheit macht krank.

Gleichzeitig wird das Gesundheitssystem von der neoliberalen Politik zerlegt. Eine vernünftige Gesundheitsversorgung gibt es  nur noch für die Wohlhabenden. Für die Armen wird sie auf ein Minimum beschränkt. Wo dieses "Minimum" denn liegt, wird stets neu definiert.

Wenn der Bedarf so groß ist, die Fragen der Gesundheit und es Gesundheitssystems zu diskutieren, dann gibt es hier den Raum dafür.

Auch für mich ist die Frage unbeantwortet, wie man denn die "Krankheit zur Waffe" macht.
Es muß mehr geben, als den Gelben Schein zu nutzen...


Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: tleary am 06:30:10 Mi. 20.Dezember 2017
Zumal der "gelbe Schein" nur ein weiteres Zeichen der Vereinzelung im Kampf des Unterdrückten gegen diesen Kapitalismus ist. Und allzu oft kann man diese "Waffe" auch gar nicht anwenden, will man nicht auf die Mobbingliste des Arbeitgebers kommen.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10:39:46 Mi. 20.Dezember 2017
Wenn der Arbeitgeber eine Mobbingliste hat, sollte man sich sowieso mal überlegen, ob man in so einer Firma überhaupt arbeiten will!
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Kuddel am 11:06:03 Mi. 20.Dezember 2017
Wenn man sich die Berichterstattung von arbeitsunrecht.de ansieht, kriegt man mit, daß es ein großes Netz von Unternehmen gibt, die ganz gezielt mit Mobbing arbeiten. Und es gibt berüchtigte Kanzleien, die bieten Schulungen für Unternehmen und deren Personaler an, wie man so etwas am besten macht.

Aber in diesem Thread soll es wohl eher darum gehen, wie man seelisches und körperliches Unwohlsein und Krankheit als positive Kräfte nutzen kann.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12:03:42 Mi. 20.Dezember 2017
Zitat
Aber in diesem Thread soll es wohl eher darum gehen, wie man seelisches und körperliches Unwohlsein und Krankheit als positive Kräfte nutzen kann.
Zum Beispiel, indem man in dieser Firma kündigen kann ohne eine Sperre beim Arbeitsamt zu bekommen, wenn man sich ärztlich Bestätigen lässt, das einen dieser Job krank macht!
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Fritz Linow am 12:16:17 Mi. 20.Dezember 2017
Zitat
Es muß mehr geben, als den Gelben Schein zu nutzen...

Die wenigsten wollen sich höchstwahrscheinlich eingestehen, dass ihre Arbeit oder Nicht-Arbeit krankmacht, obwohl sie es ahnen. Getrieben von irgendwelchen Macheridealen, Pseudoindividualismus, gesellschaftlichem Verwertungsdruck begeben sie sich dann in das Hamsterrad, das sie nur noch kränker macht. Als Alternative bleibt für wenige das Aussteigerprogramm oder das eigene kleine Glückslokal, was es auch nicht besser macht.

Um jetzt Krankheit wirklich als Waffe einzusetzen, müsste man wohl viel mehr gegen den herrschenden Scheißidealtypus anstinken. Das fängt beim Bildungssystem an, geht über Medienkompetenz usw. und kann auch gerne in den Betrieben weitergehen. So wäre zum Beispiel eine kollektive Solidaritätsmigräne o.ä. denkbar.

Leider ist es im Moment so, dass da, wo man einen Hipsterbart wegrasiert hat, drei neu wachsen.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: counselor am 15:40:05 Mi. 20.Dezember 2017
Wenn Kapitalisten jemanden aus dem Betrieb mobben, dann sparen sie sich die Abfindung. Mit gelben Scheinen und einem Mobbingtagebuch kann man das drehen und die Abfindung in die Höhe treiben.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11:28:39 So. 24.Dezember 2017

Die einzigen, denen es gelingt den Aggro zu kanalisieren, eine politische Waffe draus zu machen, sind die Rechten.
...
Von links kommt scheinbar kein Angebot von vergleichbarer Attraktivität für die schweigend Leidenden.
WTF!?!  kotz

Als ich versucht hatte, mich inhaltlich damit auseinanderzusetzen, wie man den Druck psychischen Leidens in eine Kampfform kanalisieren kann, wurde der Thread von Schwarzrot geschreddert.

Menschen reagieren ähnlich wie Laborratten auf anhaltenden Streß: Sie werden aggressiver.
(Bei Menschen ist "Streß" nicht nur erhöhter Arbeitsdruck, sondern er kann sich auch aus sozialem Ausgegrenztsein durch Armut ergeben.)
Die Aggression kann sich nach innen wenden. Dann tritt sie auf als Depression oder andere psychische Krankheit. Oder zeigt sich in dem erhöhten Gebrauch von Alkohol oder anderer Betätubungsmittel. Oder Selbstverletzung oder Suizid.

Ein Aggro nach außen wäre das Zerlegen der eigenen Wohnung, wahlloses Zertrümmern von Telefonzellen oder was einem in den Weg kommt, das Anbrüllen oder Verprügeln von Frau und Kindern, oder dem Nächstbesten auf die Fresse hauen...
Diese ungerichtete Gewalt ist weit verbreitet.

Die Faschos sagen nicht, "das darfst du nicht!" "Du mußt eine Therapie machen." Sie geben diesem blinden Aggro eine Richtung und sie befeuern ihn und feiern ihn. Der Aggro wird gerichtet gegen Migranten, gegen Linke, Schwule, Behinderte und Obdachlose...

Ich will den Aggro nicht feiern. Er ist aber ein sehr menschliches Verhalten. Er kann besser und befreiender sein, als das stille Leiden.
Es erinnert mich daran, daß es in den 60er/70er Jahren in Frankfurt "Putzgruppen" gab, die fiese Ausbeuter aufmischten. In Italiens sowieso. Da hatten sich Jugendgangs politisiert und sich weniger mit Kleinkriminalität und Schlägereien untereinander abgegeben, sondern Hinterhofklitschen zertümmert, wenn sie die Arbeiter um ihren Lohn betrogen haben, haben Ausbeutern aufgelauert oder sich deren Autos vorgeknöpft...
Diese historischen Erfahrungen sind weitgend vergessen. Ich finde es in der momentanen Situation interessant, sich mit diesen Erfahrungen zu beschäftigen.
Titel: Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Fritz Linow am 14:47:16 Mi. 18.April 2018
» SPK KOMPLEX « ein Dokumentarfilm von Gerd Kroske
http://www.spk-komplex-film.de/ (http://www.spk-komplex-film.de/)
Zitat

Vom Patientenkollektiv zur kriminellen Vereinigung


Ein neuer Dokumentarfilm über das Sozialistischen Patientenkollektivs beleuchtet das gesellschaftlichen Klima im deutschen Vorherbst. Der Regisseur sieht die Radikalisierung des Kollektivs als Vorwegnahme der RAF und des Stammheim-Prozesses.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/gerd-kroske-ueber-seinen-dokumentarfilm-spk-komplex-vom.2168.de.html?dram:article_id=415535 (http://www.deutschlandfunkkultur.de/gerd-kroske-ueber-seinen-dokumentarfilm-spk-komplex-vom.2168.de.html?dram:article_id=415535)

Zitat
Mit dem SPK-Komplex kommt am 19. April ein Film in die Kinos, der nicht nur aus historischem Interesse interessant sein könnte
https://www.heise.de/tp/features/Die-Krankheit-zur-Waffe-machen-4025604.html (https://www.heise.de/tp/features/Die-Krankheit-zur-Waffe-machen-4025604.html)
Titel: Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17:03:35 Mo. 19.Oktober 2020
https://youtu.be/umBYCMF9QnA
Titel: Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Thommy am 17:57:53 So. 06.Dezember 2020
Das war gestern, daß beim Menschen nur die körperliche Kraft ausgesaugt wird. Es gibt einen Angriff auf alle menschlichen Resourcen.

Ranger zum Beispiel abeitet mit sektenähnlichen Methoden. Regelmäßige Meetings auf denen besonders produktive Mitarbeiter mit lärmendem Applaus hochgeputscht werden. Wer viele Verträge abgeschlossen hat darf eine Glocke läuten. Wer rekordverdächtig viele hat darf die große Glocke läuten...

Network Marketing und ähnliche betrügerischen Ausbeutungsmethoden gehören allmählich zum gesellschaftlichen Mainstream. Die Arbeitsämter zwingen Leute in Kurse, wo Menschen ihre letzten Kräfte zu Markte tragen sollen um sie im großen Konkurenzkampf einzusetzen. "Wo sind deine Fähigkeiten? Was kannst Du besser als andere?""Wie kannst Du Deine Fähigkeiten am Markt nutzen?" Dann werden die Leute in offene Messer gejagt. Eine hoffnungslose Selbstständigkeit, die mit Verschuldung und einem Burnout endet.

Ich finde das hast du sehr gut zusammengefasst und es ist teilweise echt traurig mitanzusehen, wie das heutzutage läuft. Schade, dass es alles profitbasiert ist.

Menschen bei denen sich alles innerlich sträubt, wenn sie irgenwelchen Scheiß verkaufen sollen, die bei sinnlosen Dienstleistungen ein permanentes Lächeln tragen müssen, die bei der Arbeit keine Erfüllung finden oder finden wollen sind in meinen Augen keinesfalls krank.

Aber krank sind diejenigen, die den Scheiß mit Begeisterung fressen, die gerne Teil der zerstörerischen Maschinerie sind, die sich mit aller Kraft für ihren Job kaputtmachen und sich wundern, wenn es keinen Orden, nichtmal ein "Dankeschön" gibt, wenn sie sich zum Wrack geschuftet haben...
Titel: Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
Beitrag von: Thommy am 18:00:36 So. 06.Dezember 2020
Die Tagung der Bundespsychotherapeuten-Kammer konstatierte im Frühjahr 2007, dass psychische Erkrankungen europaweit mittlerweile zu den häufigsten Ursachen von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit gehören. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen erkranke jeder dritte bis vierte Erwachsene irgendwann an einer psychischen Störung. In den vergangenen Jahren sei es zu einer Zunahme an Krankschreibungen und Frühverrentungen gekommen.

Auch wennn ich kein Statistiker bin, aber das kann ich hunderprozentig unterschreiben. Ich kenne so viele Leute, die genau unter dein Genanntes fallen. Und das sind wirklich Leute, die eigentlich mitten im Leben stehen. Das ist schon deutschlich erschreckend.