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Industrie & Handwerk & Agrar => Industrie und Handwerk bundesweit => Landwirtschaft und Agrarindustrie => Thema gestartet von: nontestatum am 23:50:10 Fr. 26.Oktober 2007

Titel: Erntehelfer
Beitrag von: nontestatum am 23:50:10 Fr. 26.Oktober 2007
Jetzt habe ich geglaubt, das Thema Erntehelfer wäre für dieses Jahr ausdiskutiert, aber nein, es geht weiter:

Nun sind's die Weihnachtsbäume:

Zitat
Als Grund für den Erntehelfer-Mangel nannte Bernd Oelkers, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft (der Weihnachtsbaum- und Schmuckgrünerzeuger ...http://www.wb-verband.de/), die streng begrenzten Arbeitszeitregeln für osteuropäische Arbeiter.

Sie erlaubten es vielen Aushilfen nicht, nach der Erdbeer- und Spargelernte auch in der Erntezeit für Weihnachtsbäume in Deutschland zu arbeiten.


http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/wirtschaft/news/493999
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: Eivisskat am 00:08:55 Sa. 27.Oktober 2007
;) http://www.chefduzen.de/thread.php?threadid=12302
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: Futter am 19:02:54 Sa. 27.Oktober 2007
Die W.Bäume sollen bis 20 % teurer werden und ich glaub nicht das die
Leute davon ne' n vernünftigen Mindestlohn abbekommen.

Holt euch den Baum selber aus der Plantage, gibt es auch, Säge mitnehmen und einen Schönen aussuchen.  =)




http://www.ln-online.de/artikel/2243178/Weihnachtsb%E4ume_werden_deutlich_teurer.htm
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: Carpe Noctem am 01:13:03 So. 28.Oktober 2007
Zitat
Original von Futter
Holt euch den Baum selber aus der Plantage, gibt es auch, Säge mitnehmen und einen Schönen aussuchen.  =)

Ich konnte noch nie verstehen, warum jeder glaubt, zum Weihnachtsfest unbedingt einen Baum töten zu müssen ;(

Grüsse - CN
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: Pinnswin am 08:46:16 So. 28.Oktober 2007
Die Ernte geht das ganze Jahr, mit Bodenheizung, Klimawandel und Plastikfolie.
Die Weinernte ist noch lange nicht im Keller, Äpfel und Brokoli sind noch dran...

Lg
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: WurstKalle am 11:42:54 So. 28.Oktober 2007
hab mal für nen 10er die stunde in holland geerntet soviel kriegst du hier noch nicht einmal als facharbeiter bei einer lehbude
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: Ziggy am 11:52:18 So. 28.Oktober 2007
Als Pazifist bin ich gegen das Schlagen von Weihnachtsbäumen.
Ich finde, jeder Baum hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob er die Feiertage mit mir in meiner Wohnung verbringen möchte oder nicht.
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: WurstKalle am 12:08:48 So. 28.Oktober 2007
dann möchte ich nicht weissen wie deine wohnung aussieht hast bestimmt keine haustiere und keine pflanzen in der wohnung und wovon ernährst du dich wenn das obst und gemüse selber entscheiden kann ob es in deinem körper verdaut werden will lolo
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: Ziggy am 13:39:56 So. 28.Oktober 2007
Die Pflanzen sind alle freiwillig hier, wir haben das gründlich diskutiert ... ebenso die Möbel und die Frau ...
Weihnachtsbäume hatten wir auch schon, aber ohne Schläge, wir haben sie mit unserem warmherzigen Wesen überzeugt. :]

Du weißt schon, was Satire ist, oder?
Titel: Erntehelfer
Beitrag von: WurstKalle am 17:11:17 So. 28.Oktober 2007
:D
Titel: Re:Erntehelfer
Beitrag von: Fritz Linow am 21:43:06 Do. 08.September 2016
Zitat
(Dehydrierter) Tod durch Arbeit(s)-Hetze endet nach 2 Jahren mit Strafbefehlsantrag

Die Staatsanwaltschaft Freiburg teilt mit: "Mit einem Strafbefehlsantrag zu dem Amtsgericht Freiburg hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Vorwurfs der fahrlässigen Tötung abgeschlossen. Einem 47 Jahre alten Landwirt aus dem südlichen Breisgau wird zur Last gelegt, für den Tod eines 32jährigen rumänischen Erntehelfers im Juni 2014 verantwortlich zu sein. Der Erntehelfer habe am Nachmittag des 07.06.2014 unter direkter Sonneneinstrahlung gemeinsam mit einem weiteren Erntehelfer Heuballen mit einem Einzelgewicht von ca. 20 kg im Akkord auf einen Anhänger aufstapeln müssen. Obwohl der Erntehelfer den den Traktor fahrenden Landwirt darüber unterrichtet habe, dass er sich unwohl fühle, habe der Landwirt darauf bestanden, dass die beiden Erntehelfer, deren Wasservorräte aufgebraucht gewesen seien, weiterarbeiten sollten. Weil der Landwirt die erforderlichen Pausen sowie die Flüssigkeitsaufnahme nicht zugelassen habe, obwohl sich der Gesundheitszustand des 32jährigen verschlechterte, habe dieser gegen Abend einen Hitzschlag erlitten, sei bewusstlos zusammengebrochen und nach längerem Koma ca. 2 ½ Wochen später verstorben"
https://rdl.de/beitrag/dehydrierter-tod-durch-arbeit-hetze-endet-nach-2-jahren-mit-strafbefehlsantrag
Titel: Re:Erntehelfer
Beitrag von: Kuddel am 10:03:36 Di. 13.Dezember 2016
Zitat
Ausbeutung und Betrug:
Gefängnisstrafe für Geschäftsführer von Prime Champ


Das Gericht von Roermond hat am 10. November 2016 vier strafrechtliche Verurteilungen wegen Missbrauchs auf der Pilzfarm Prime Champ Production B.V. in dem Zeitraum von Juli 2009 bis August 2012 ausgesprochen. Geert Verdellen, ehemaliger Geschäftsführer des Pilzunternehmens Prime Champ, bekam zwei Jahre Gefängnis.

Das Gericht erachtete es als erwiesen an, dass Prime Champ unter Führung des Geschäftsführers Fälschungen begangen hat. Es ist auch erwiesen, dass ein Teil der polnischen Pflückerinnen ausgebeutet wurde. Verdellen wurde auch wegen illegalen Besitzes von zwei Feuerwaffen und Munition verurteilt.

Das Unternehmen und sein Geschäftsführer wurden wegen Missbrauchs von 6 polnischen Pilzpflückerinnen und der Fälschung von Lohnangaben und Teilen der Geschäftsführung verurteilt. Das Gericht hat auch eine weitere Führungsperson für Finanzen und einen von dem Unternehmen eingestellten ICT-Mitarbeiter wegen Fälschung verurteilt.

Drei weitere Mitarbeiter ohne Geschäftsführungspflichten wurden von dem Gericht bezüglich des Arbeitermissbrauchs freigesprochen.
http://www.fruchtportal.de/artikel/ausbeutung-und-betrug-gefangnisstrafe-fur-geschaftsfuhrer-von-prime-champ/025530 (http://www.fruchtportal.de/artikel/ausbeutung-und-betrug-gefangnisstrafe-fur-geschaftsfuhrer-von-prime-champ/025530)
Titel: Re:Erntehelfer
Beitrag von: Kuddel am 21:22:12 Fr. 26.Januar 2018
Zitat
Erntehelfer starb nach Schwerstarbeit in der Sommerhitze

Stundenlang stapelte er Heuballen - bis er einen Hitzschlag erlitt: Nach dem Tod eines 32-jährigen Erntehelfers steht nun in Freiburg der Landwirt vor Gericht. Er soll Pausen und Getränke verboten haben.


Der 48-jährige Deutsche habe seinen Bediensteten im Juni 2014 bei Hitze und unter direkter Sonneneinstrahlung auf einer Wiese bei Freiburg zur Arbeit gezwungen, sagte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt am Freitag.

Gemeinsam mit einem weiteren Helfer habe der 32 Jahre alte Mann 800 bis 900 jeweils 20 Kilo schwere Heuballen im Akkord auf einem Anhänger stapeln müssen. Der Landwirt saß auf dem Traktor. Der Erntehelfer, der zuvor laut Staatsanwalt über gesundheitliche Probleme geklagt hatte, erlitt einen Hitzschlag und starb.

Der Landwirt habe dem Mann, der zusammen mit seinem Schwager auf dem Feld arbeitete, keine Pausen erlaubt und nichts zu trinken bereitgestellt, sagte der Staatsanwalt. An dem Tag seien im Schatten 31 Grad gemessen worden, es habe Windstille geherrscht. Der Landwirt habe die zwei Helfer zur schnellen Arbeit angetrieben. Die beiden arbeiteten den Angaben zufolge zehn Stunden am Tag für sechs Euro Stundenlohn. Es war der zweite Arbeitstag des 32-Jährigen.
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/freiburg-erntehelfer-stirbt-nach-schwerstarbeit-bauer-vor-gericht-a-1189995.html (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/freiburg-erntehelfer-stirbt-nach-schwerstarbeit-bauer-vor-gericht-a-1189995.html)
Titel: Re:Erntehelfer
Beitrag von: Fritz Linow am 18:04:34 Do. 22.Februar 2018
Zitat
14.2.18
Erntehelfer/-innen im Arbeitskampf unterstützen

Zahlreiche Menschen kommen jedes Jahr in westliche europäische Länder, um in landwirtschaftlichen Betrieben zu arbeiten. Ihre wenigen Rechte werden oftmals nicht gewahrt, die Entlohnung ist gering, Mindestlöhne werden nicht eingehalten, Überstunden bleiben unbezahlt, die Unterkünfte sind unwürdig.
Diese Ausbeutung kann drastische Folgen haben: Im Juni 2014 starb ein Mann aus Rumänien durch einen Hitzeschlag nach der Arbeit auf dem Feld nahe Freiburg. Die Arbeiter/-innen aus Bulgarien, Rumänien und anderen Ländern über ihre Rechte aufzuklären und für diese einzutreten, zu diesem Zweck hat sich die Organisation „sezonieri“ gegründet. Der Verbund aus österreichischer Produktionsgewerkschaft und Aktivist/-innen publiziert unter anderem mehrsprachige Videos, die zur Aufklärung der Erntehelfer/-innen beitragen sollen. „sezonieri“ gründete sich, nachdem mehrere Saisonarbeiter/-innen in Österreich 2014 in den Streik traten um gegen ihre unwürdige Situation zu protestieren. Wir haben mit Sónia Melo gesprochen, die Erntehelfer/-innen im Bundesland Tirol unterstützt.
http://radiocorax.de/erntehelfer_innen-im-arbeitskampf-unterstuetzen/ (http://radiocorax.de/erntehelfer_innen-im-arbeitskampf-unterstuetzen/)

http://www.sezonieri.at (http://www.sezonieri.at)

Titel: Re:Erntehelfer
Beitrag von: Kuddel am 12:19:58 So. 08.April 2018
Auf die Felder!

Die Spargelsaison(arbeit) ist eröffnet


Mitte, Ende April geht die Spargelzeit wieder los. Gemüse, Obst und Früchte müssen geerntet und für den Verkauf bereit gemacht werden. Hunderttausende Wanderarbeiterinnen kommen dafür jährlich zur Erntesaison nach Deutschland, die Arbeitsbedingungen sind prekär, der Mindestlohn wird häufig unterwandert. Die Emanzipatorische LandarbeiterInnen-Initiative und die Initiative Frohes Schaffen rufen zum Saisonstart dazu auf, sich an einer Informationskampagne auf den Feldern zu beteiligen.

Die Ernte wird seit Jahrzehnten von WanderarbeiterInnen durchgeführt, sie stellen mit etwa 314000 Menschen rund 66 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten. Sie kommen vor allem aus Polen, Bulgarien und Rumänien, vereinzelt auch aus Kroatien, Ungarn, Serbien und der Ukraine.

Die Anzahl an SaisonarbeiterInnen variiert von 20 bis 1500 bei einem Betrieb. Unterbringung und Verpflegung gibt es meist vor Ort, doch auch sie werden vom Lohn abgezogen. In den meisten Fällen sind es Mehrbettzimmer, teils Stockbetten in Containern. Wieviel dafür zu bezahlen ist, ist den LandarbeiterInnen oft bis zum Schluss unbekannt.

Ist das Wetter gut, kann es sein, dass an sieben Tage die Woche bis zu 14 Stunden gearbeitet werden. Ist es schlecht, gibt es unbezahlten Urlaub – die Unterkunft ist natürlich weiter zu bezahlen.

Die Hauptstoßrichtung liegt auf der Aufklärung über Arbeitsrechte. Entstanden sind Informationsflyer in verschiedenen Sprachen sowie eine Vernetzung und der Ausbau von Beratungsstellen, die die LandarbeiterInnen in ihren Muttersprachen beraten.

Angedacht ist auch eine App zur digitalen Selbsthilfe, die über Pflichten des Arbeitgebers informiert – nicht in Bezug auf die Einhaltung von Arbeits-, Ruhe- und Pausenzeiten, sondern auch in bezug auf die Bereitstellung von Getränken und Sonnenschutz im Sommer. Auch die Zusammenarbeit mit dem Zoll und den Arbeitsschutzbehörden gehört dazu, darauf wird jedoch nur in Absprache mit den Beschäftigten zurückgegriffen. 2017 gab es Razzien und staatsanwaltliche Ermittlungen bei sechs Betrieben in Rheinland-Pfalz.

Grundlage für die Organisierung und vermehrt erprobt wird die aufsuchende Arbeit, also das gezielte Fahren auf die Felder, um in den Pausen ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen. Für die anstehende Saison werden Unterstützer gesucht, die in einer Aktionswoche mit auf die Felder ziehen, um über die bestehenden Rechte zu informieren und die gewerkschaftliche Organisierung zu unterstützen. Unterstützung in Form von Material, Erfahrungswerten aus den letzten Jahren und einer detaillierten Durchführungshilfe wird bereit gestellt. Rumänisch-, Bulgarisch- oder Polnischkenntnisse sind keine Voraussetzung, aber natürlich besonders wertvoll.

http://www.sozonline.de/2018/04/auf-die-felder/ (http://www.sozonline.de/2018/04/auf-die-felder/)
(von mir gekürzt)


Es ist ein praktischer Ansatz für das im Forum bereits diskutierte Problem: Wie kriegt man Kontakte zu Arbeitsmigrant*innen und wie kann man ihnen helfen sich zu organisieren?
Titel: Re: Erntehelfer
Beitrag von: Fritz Linow am 13:31:38 Mi. 02.Oktober 2019
Zitat
24.9.19
Sklavenartige Arbeitsbedingungen auf Pelati-Plantagen

Foggia in Süditalien. Hier trifft «Kassensturz» afrikanische Migranten, die gegen ihre miserablen Lebensbedingungen und Ausbeutung demonstrieren. Sie ernten auf den Feldern rund um Foggia Tomaten für die Pelatiproduktion. Im Akkord reissen sie Stauden aus, schwere körperliche Arbeit für wenige Euro pro Tag. Von diesem kargen Lohn ziehen ihnen Arbeitsvermittler – sogenannte Caporali – noch Gebühren ab.
(...)
https://www.srf.ch/news/schweiz/ausgebeutete-erntehelfer-sklavenartige-arbeitsbedingungen-auf-pelati-plantagen