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Neuigkeiten + Diskussion => (Sozial-) Politikforum & Aktuelles von Chefduzen => Thema gestartet von: 1984 am 10:10:35 Sa. 28.Juni 2008

Titel: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: 1984 am 10:10:35 Sa. 28.Juni 2008
In der TAZ von heute:

http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/jeder-zweite-schafft-prekaer/

Zitat
Jeder zweite Arbeitnehmer ist unter unsicheren Bedingungen beschäftigt und lediglich jeder achte Beschäftigte ist mit seinen Arbeitsbedingungen zufrieden. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „DGB-Index Gute Arbeit 2008“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).
Titel: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Aloysius am 11:34:35 Sa. 28.Juni 2008
Es ist immer wieder ernüchternd, wenn man sich zwar schon gedacht hat, daß viele Jobs doch eher mieser werden...

... und dann die bösen Ahnungen massiv überstiegen werden.
Titel: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 11:58:17 Sa. 28.Juni 2008
Zitat
Jeder zweite Arbeitnehmer ist unter unsicheren Bedingungen beschäftigt

Und die anderen 50% haben nur die Illusion sichere Bedingungen zu haben.

Zitat
Es ist einer der radikalsten Einschnitte der Konzerngeschichte: Siemens will nach Handelsblatt-Informationen noch mehr als die bereits bekannten 15 000 Stellen streichen. Von weltweit rund 17 000 Jobs in mehreren Sparten ist jetzt die Rede.

Zitat
Die italienische Großbank Unicredit plant in Westeuropa den Abbau von 9 000 Stellen, knapp fünf Prozent ihrer Belegschaft. Das wird wohl auch die deutsche Tochter HVB massiv treffen.

Zitat
Alles deutet darauf hin, dass die Subprime-Krise noch nicht vorbei ist und wir auf eine Rezession zusteuern
(Alle Zitate aus aktuellen handeslblatt.com Meldungen)

Es ist kein Job "sicher" in diesem Wirtschaftssysten.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 17:40:09 Do. 11.Oktober 2012

Arbeiterstrich in München "Scheißegal, ich mache alles"

Von Alexandra Reinsberg - ausgezeichnet mit dem jj-Reportagepreis

Arbeiterstrich - so heißt eine Straßenecke mitten in München, an der Billig-Tagelöhner aus Südosteuropa auf einen Job für ein paar Euro warten. Sie sind moderne Arbeitssklaven, frei verfügbar, zu riskanten Tätigkeiten bereit. Und werden oft um ihr Geld betrogen.

(http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.1487701.1349439404/560x315/arbeiterstrich-muenchen.jpg)

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/arbeiterstrich-in-muenchen-scheissegal-ich-mache-alles-1.1487608 (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/arbeiterstrich-in-muenchen-scheissegal-ich-mache-alles-1.1487608)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: slysly am 19:03:49 Do. 11.Oktober 2012
Arbeiterstrich
das machen doch meist bulgaren (sinti oder roma)
aber dazu muss man auch wissen das die schon  klauen, leute verarschen, betteln und mache der frauen Nutten sind.
und in dem haus was ich kenne leben auch bestimmt 50 menschen ( normal währen bestimmt 10 bis 15)
zu mindest sind das meine erfahrungen
soll auch nicht abwertet klingen, glaube schon das die ein hartes leben haben, aber so was möchte man eigentlich nicht vor der eigenen haus tür haben.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Rudolf Rocker am 19:16:33 Do. 11.Oktober 2012
Zitat
soll auch nicht abwertet klingen, glaube schon das die ein hartes leben haben, aber so was möchte man eigentlich nicht vor der eigenen haus tür haben.

Rassistischer geht´s wohl nicht mehr!
Arschloch!
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Troll am 19:22:34 Do. 11.Oktober 2012
...., aber so was möchte man eigentlich nicht vor der eigenen haus tür haben.

Stimmt, deshalb melde ich Deinen Beitrag mal dem Admin, der möchte so etwas wie Dich sicher nicht in seiner virtuellen Wohnstube haben.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: admin am 19:25:21 Do. 11.Oktober 2012
slysly,
Zitat
glaube schon das die ein hartes leben haben, aber so was möchte man eigentlich nicht vor der eigenen haus tür haben.
vielleicht sind wir schon morgen diejenigen, die so mancher nicht vor der eigenen Haustür haben will.

Du solltest vorm Posten schonmal nachdenken.
Ich werd mir in Zukunft so unüberlegte Sprüche hier nichmehr antun.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: unkraut am 20:32:13 Do. 11.Oktober 2012
Das gibt ne rote Karte von mir @ slysly .
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Tiefrot am 23:54:47 Do. 11.Oktober 2012
Und ich reich' noch eine nach !

(Rest gelöscht, verstößt gegen sämtliche Regeln des Forums und der Nettiquette !)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: slysly am 03:22:19 Do. 18.Oktober 2012
wie ich es gemeint habe !!!

euer opa = sitzt in der fußgängerzonge und bettet
eure frau = GEHT AUF DENN SPRICH
eure kinder = werden jeden tag in einere andere stadt zum betten geschick
man klaut nur um zu überleben (trotzdem finde ich das nicht gut) und der hat vielleicht auch nicht viel mehr
kotz kotz kotz

scheiße das system ist doch am ende

Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: admin am 10:33:58 Do. 18.Oktober 2012
Ich halte slysly nicht für einen Nazi. Er ist auch kein Rassist, denke ich.
Er ist verwirrt, wie viele, und sein Zorn richtet sich gelegentlich in die falsche Richtung.
Ich möchte ihm hier noch eine Chance geben. Ich wollte ihn für einen Monat sperren, da bekam ich von ihm eine nette pn. Hab' es jetzt auf 1 Woche Denkpause reduziert.

Ich möchte für alle klarstellen:
chefduzen duldet keine rassistischen Äußerungen.
chefduzen möchte den Verwirrten die Augen öffnen, damit sich die Wut nicht gegen die Armen richtet, sondern gegen die Armut und gegen diejenigen, die sie verursachen.

Die Armut breitet sich weiter aus und wird viele schreckliche Folgen haben für das menschliche Miteinander. Es ist notwendig, daß wir gegen diese Tendenzen gegenanarbeiten und versuchen zu verhindern, daß die Armen sich gegenseitig bekämpfen.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Tiefrot am 11:59:42 Do. 18.Oktober 2012
@slysly, denk doch mal darüber nach, wie es hier ohne Ausländer aussehen würde.
Ich war mal so frei und bin zum gleichen Ergebnis gekommen, wie wir es mit den Leuten haben.
Es wäre um nichts besser.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Troll am 12:13:46 Do. 18.Oktober 2012
@Tiefrot
Ich glaube der Admin hat ein gutes Gepür für Rechte Unterwanderung, daher werte ich den Beitrag von slysly einfach als sehr unglücklich formuliert. Sollte es ein gutes Täuschungsmanöver sein wir ihn der Admin kicken, slysly hat ja kein Freibrief für die Zukunft bekommen.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Tiefrot am 12:56:23 Do. 18.Oktober 2012
Davon bin ich überzeugt, sehn wir mal weiter.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Sir Vival am 18:30:35 Do. 18.Oktober 2012
manche Deutungen und Äußerungen kommen eben mal ein wenig (schräg) rüber. Ich will jetzt nicht gleich "rassistisch" oder "rechts" damit sagen.
Wenn die Grundeinstellung nicht den o.g. beiden Adjektiven entspricht (oder einigen anderen, die´s da noch gibt), dann muß man nicht gleich draufhauen  ;D

Aber Fakt ist, daß man mit solchen Äußerungen diejenigen Menschen zutiefst abwertet. Und das wäre NICHT ok, sollten sie ernst gemeint sein.
Die machen so etwas bestimmt nicht aus Spaß an der Freud´. Die suchen eine Chance in Deutschland, sind vielleicht schon sehr lange hier..... oder auch nicht.

Man kann mal über die Tastatur und seinen Verstand stolpern. Danach sollte man dann aber zumindest Stellung beziehen, daß dies und das nicht so gemeint war.

Ich habe im Laufe der Zeit aus diesem Forum eine Menge gelernt.
Das heißt nicht im geringsten , daß ich eine rechte oder rassistische Gesinnung habe. Hatte ich auch noch nie. Aber durch lesen lernt man auch viel  ;)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 14:48:55 Di. 23.Oktober 2012
Zitat
Arbeiter aus Osteuropa sind in Deutschland willkommen - vor allem als billige Arbeitskräfte. Eine Studie des DGB zeigt, wie sie betrogen und ausgebeutet werden.

Die Männer kamen frohen Mutes. Man hatte ihnen gutes Geld versprochen im fremden Deutschland, das Doppelte des in der Heimat üblichen Monatslohns, alles ganz legal und voll versichert. Dazu freie Unterkunft und Verpflegung. Das klang gut.

Zu gut, um wahr zu sein, wie sich schnell herausstellte. Nach einigen Wochen auf der Baustelle waren die jungen Rumänen jeweils 130 Euro los, die ihnen ein „Vorarbeiter“ für die angeblich erforderlichen deutschen Arbeitspapiere abgeknöpft hatte. Auf Bezahlung warteten sie vergeblich. Als sie ihren Lohn verlangten, wurden sie in der Drei-Zimmer-Wohnung eingesperrt, in der sie mit 40 Landsleuten seit Wochen gehaust hatten. In ihrer Verzweiflung wandten sich die Männer an die Polizei und erhielten am Ende doch noch ihren Lohn.

Der Fall, enthalten in einer Studie des DGB zur „Situation von mobilen Beschäftigten aus mittel- und osteuropäischen Staaten“, ist in mancher Hinsicht typisch. Vor allem Arbeitskräfte aus Rumänien und Bulgarien, die erst von 2014 an die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU genießen, werden mit schönen Versprechungen nach Deutschland gelockt – ohne dass je die Absicht bestand, diese einzuhalten.

Anstelle von Arbeitsverträgen werden den deutschunkundigen Arbeitern Formulare zur Anmeldung eines Gewerbes zur Unterschrift vorgelegt. Sie arbeiten dann, ohne es zu ahnen, als Selbstständige am Bau, ohne Versicherungsschutz. So berichteten die Mitarbeiter aus 16 Beratungsstellen im ganzen Bundesgebiet, die der DGB für die Studie befragt hatte, dass die Betroffenen sich oft erst in Folge eines Arbeitsunfalls ihres fehlenden Versicherungsschutzes bewusst werden. Man nimmt ihnen Geld für angebliche Verwaltungsgebühren ab, zwingt sie zum Kauf eigenen Werkzeugs und vertröstet sie, die Bezahlung erfolge nach Rückkehr in die Heimat. Dort aber fehlt praktisch jede Möglichkeit, den vorenthaltenen Lohn einzuklagen.

In weniger krassen Fällen werden Mindestlöhne unterlaufen oder Arbeitszeitbestimmungen gebrochen. Neben Bauarbeitern trifft dies besonders Schlachthelfer, Gebäudereiniger, Haushalts- und Pflegehilfen. Konkrete Zahlen zu den Verstößen liegen nicht vor.

Anhaltspunkte bieten die Daten des Zolls für 2011: Danach wurden 524.000 Personen und 68.000 Arbeitgeber überprüft, 168.000 Ermittlungsverfahren eingeleitet, Bußgelder und Strafen in Höhe von 49 Millionen Euro verhängt.
http://www.fr-online.de/arbeit---soziales/arbeiter-betrogen-gelockt--geprellt-und-abgezockt,1473632,20686416.html (http://www.fr-online.de/arbeit---soziales/arbeiter-betrogen-gelockt--geprellt-und-abgezockt,1473632,20686416.html)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Zarasto am 15:17:38 Di. 23.Oktober 2012
Selbst Friedrich Nietzsche signierte eines folgendes über die Sinnhaftigkeit der Arbeit, die ein Synonym für eine Rechtsnorm in unserer Gesellschaft geworden ist.

„Die Lobredner der Arbeit. — Bei der Verherrlichung der "Arbeit", bei dem unermüdlichen Reden vom "Segen der Arbeit" sehe ich den selben Hintergedanken, wie bei dem Lobe der gemeinnützigen unpersönlichen Handlungen: den der Furcht vor allem Individuellen. Im Grunde fühlt man jetzt, beim Anblick der Arbeit — man meint immer dabei jene harte Arbeitsamkeit von früh bis spät —, dass eine solche Arbeit die beste Polizei ist, dass sie jeden im Zaume hält und die Entwickelung der Vernunft, der Begehrlichkeit, des Unabhängigkeitsgelüstes kräftig zu hindern versteht. Denn sie verbraucht außerordentlich viel Nervenkraft und entzieht dieselbe dem Nachdenken, Grübeln, Träumen, Sorgen, Lieben, Hassen, sie stellt ein kleines Ziel immer in’s Auge und gewährt leichte und regelmäßige Befriedigungen. So wird eine Gesellschaft, in welcher fortwährend hart gearbeitet wird, mehr Sicherheit haben: und die Sicherheit betet man jetzt als die oberste Gottheit an. — Und nun! Entsetzen! Gerade der „Arbeiter“ ist gefährlich geworden! Es wimmelt von „gefährlichen Individuen“! Und hinter ihnen die Gefahr der Gefahren — das individuum!“

– Friedrich Nietzsche

Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Zarasto am 17:02:12 Di. 23.Oktober 2012
Zitat
soll auch nicht abwertet klingen, glaube schon das die ein hartes leben haben, aber so was möchte man eigentlich nicht vor der eigenen haus tür haben.

Rassistischer geht´s wohl nicht mehr!
Arschloch!

Ich halte das für etwas leicht überzogen, gleichwohl die Formulierung des Users etwas ungeschickt gewesen ist. Fassen wird doch mal die Sachlage zusammen:

Seit dem Bruch des Kommunismus Ende der 80er Jahre, hat der Kapitalismus einzug erhalten, die folgen sind niedrige Löhne und fehlende Strukturen die für einen funktionierenden Sozialstaat notwendig wären, soll heißen; Krankenkasse, Rentenversicherung, Arbeitslosenhilfeversicherung usw - das alles fehlt in diesen Ländern...Bulgarien, Rumänien, Moldavien usw usw.

Ich war mal dort - habe Kinderheime besucht mit der evangelischen Kirchengemeinde, ein Sinnbild des Horros oder sagen wir mal ein Bildnis der Hölle auf Erden lässt sich eingehend erkennen.

Die sozialen leistungen sind auf private Spenden begrenzt , dank EU Beitritt dieser Länder gibt es teilweise eine symbolische Sozialhilfe von 10 Euro monatlich.....Folge: Massenmigration ins gelobte Land, in diesem Fall GO WEST !!! (Pet Shop Boys widmeten dem ein Lied).

Von der Migration profiteren windige Geschäftsleute und Arbeitgeber die sich ihrer sozialen Verantwortung entziehen, normalerweise müsste auf dem sog.Arbeiterstrich der Zoll wegen Schwarzarbeit ermitteln, aber hier schaut die Politik absichtlich weg. Man muß sich alleridngs fragen was mit den Geldern passiert die wir in die EU einzahlen, - Entwicklungshilfe stelle ich mir anders vor, Aufbau eines funktionierenden Staates, und vor allem Bildungspflicht für alle Menschen, damit die Grundlage eines gefestigten Rechtsstaates oder sagen wir einer gesunden Gesellschaft geschaffen wird, aber das scheint möglicherweise politisch nicht gewollt zu sein.

Natürlich hat diese Form des Arbeiterstrichs auch Nachteile für uns in Deutschland, viele Arbeitslose die gerne zu einem fairen Tariflohn arbeiten möchten, werden in die Arbeitslosenkasse geschickt...dass da bei der einheimischen Bevölkerung ein Groll aufkommt ist nicht zu verwundern, das ist so als ob in Basel eine deutsche Krankenschwester für die Schweizerin einspringt die Arbeitslos wird, und in Deutschland dafür eine polinsche Krankenschwester ist, die in Polen von einer Ukrainerin ersetzt wird...das kann keine gesunde Völkerwanderung sein, und mit Rassismusvorwürfen kommen wir hier auch nicht weit sondern nur mit Inteligenz und Vernunft um realistische Ziele zu erarbeiten die diese Problem lösen.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:34:27 Di. 23.Oktober 2012
Zitat
das kann keine gesunde Völkerwanderung sein

Aha! Dann erzähl mir doch mal, wie eine "gesunde Völkerwanderung" für Dich aussieht!
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Zarasto am 17:40:06 Di. 23.Oktober 2012
gesunde volkerwandenderung bassiert insoweit dass man nicht aus gründen wirtschaftlicher Not das Weite sucht um in der Ferne sein Glück zu versuchen um sich dann erstmal in der Ferne allen Schikanen und Demütigungen hinzugeben, sondern so wie das ist, mit dem Ausnutzen der Arbeitskraft kann ich sagen, dass dieses System krank ist  !!!

Gesund wäre, man wandert als Tourist durch Europa, die Völker wandern als touristen während ihrer Ferienzeit durch die Länder, so wie das heute u.a reiche Amerikaner oder Japaner tun, die dann mal 2 Monate in Barcelona bleiben, 3 Wochen in Wien usw usw...

man lernt sich auf anderem Niveau kennen , ist nicht auf Ausbeutung aus sondern ist auf gleicher Augenhöhe, das fördert den kulturellen Austausch, natürlich ist es auch intersannt, wenn jemand mich einlädt und später kann ich von den Erfahrungen berichten und man gibt dann der Kultur im Land selbst eine neue Marke, etwas aus anderen Ländern auszuprobieren ,z.b die Pasta aus Italien, der Raki aus der Türkei, die Oliven aus Griechenland , die Peking Ente aus China usw usw....

Ich hoffe, dass du das Prinzip verstanden hast, und dir meinen Beitrag im gesamtkontext angesehen hast und bewertest.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: admin am 17:42:35 Di. 23.Oktober 2012
Zitat
...Nachteile für uns in Deutschland, viele Arbeitslose die gerne zu einem fairen Tariflohn arbeiten möchten, werden in die Arbeitslosenkasse geschickt...dass da bei der einheimischen Bevölkerung ein Groll aufkommt ist nicht zu verwundern...

(http://www.paranoland.com/emoticones-smileys/smileys/byby/bye2.gif) bye bye

Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Sir Vival am 21:04:33 Mi. 24.Oktober 2012
Zitat
.....Gesund wäre, man wandert als Tourist durch Europa, die Völker wandern als touristen während ihrer Ferienzeit durch die Länder, so wie das heute u.a reiche Amerikaner oder Japaner tun, die dann mal 2 Monate in Barcelona bleiben, 3 Wochen in Wien usw usw...

Naja, nicht jeder Mensch hat das nötige Kleingeld, sich einen Urlaub in Europa zu leisten.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 17:23:16 Di. 18.Juni 2013
Zitat
Arbeiterstrich ja - Straßenprostitution nein
Die reaktionäre Politik der SPD Dortmund Nord


2007 wurden Bulgarien und Rumänien Mitglieder der Europäischen Union. Die Europäische Union erweiterte ihren Machtbereich bis zum Schwarzen Meer. Seither kommen Biokartoffeln auch aus Rumänien, doch ArbeiterInnen dürfen aus Rumänien und Bulgarien allenfalls als SaisonarbeiterInnen zur Weinlese und zum Spargelstechen kommen. Denn die in der EU an sich garantierte Arbeitnehmerfreizügigkeit gibt es erst 2014, wenn man aus Bulgarien oder Rumänien nach Deutschland oder Österreich möchte.

Für das Kapital gelten diese Grenzen nicht. "Die rund 1000 in Bulgarien tätigen deutschen Unternehmen durchaus angetan vom Engagement der bulgarischen Mitarbeiter", erklärte Andreas Schäfer, stellvertretender Geschäftsführer der Auslandshandelskammer (AHK) Bulgarien. Kein Wunder: Wer in Bulgarien eine Arbeit hat, verdient durchschnittlich 370 Euro pro Monat. Bulgarien ist das Billiglohnland der EU. Viele haben aber nicht einmal einen Lohn - insbesondere Roma sind fast vollständig aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt.

Kein Wunder, dass es Menschen gibt, die den blühenden Landschaften des bulgarischen Elends-Kapitalismus entfliehen wollen. Aber wer versucht, dauerhaft in Deutschland zu arbeiten, muss entweder hochqualifiziert sein. Rumänische und Bulgarische Ärzte sind hierzulande hochwillkommen.

Allen anderen bleibt auch hierzulande nur die Elendsökonomie.


Sie verdingen sich z.B. zu Minimallöhnen als "selbstständige Fleischzerleger" in bundesdeutschen Schlachthöfen. "Jenseits von Mindestlohnregelungen arbeiten hierzulande Rumänen, Ungarn oder Bulgaren als Akkordarbeiter und tragen so das enorme Produktions- und Exportwachstum der Branche mit. Sie lebten in engen Unterkünften, etwa mit acht Mann in einem Vierbettzimmer - von denen dann vier tagsüber, vier in der Nachtschicht am Fließband Putenteile zerlegen", berichtet die großbürgerliche FAZ. "Die leben, wie üblich in Großteilen der Branche, oft in erbärmlichen Unterkünften", meint selbst die FAZ. Nicht der versprochene Lohn von 1500 Euro im Monat wird ausgezahlt, "ausbezahlt werde später aber nur rund ein Viertel. Wer es wage, zu widersprechen, werde vor die Tür gesetzt. Vom mickrigen Verdienst würden dann zum Beispiel noch einmal 170 Euro für den Schlafplatz als Miete abgezogen." (FAZ 15.4.2013)

"Moderne Sklaverei" nannte es der neue niedersächsische Agrarminister Meyer. Doch bislang sieht der deutsche Staat keinen Anlass diese Ausbeutung zu stoppen. "Deutschland profitiert als Standort für Schlachthöfe von Mindestlöhnen der Nachbarländer - und von den osteuropäischen Billigarbeitern". (FAZ)

Belgien kündigt bereits eine Anti-Dumping-Klage bei der EU-Kommission an. Denn belgische Schlachthöfe, die einen Mindestlohn von 12,88 Euro zahlen müssen, gerieten in Existenznot und hätten keine Chance im Wettbewerb mit ihrer deutschen Konkurrenz.

Wer es nicht zum selbstständigen Fleischzerleger schafft, kann es am Rande der Legalität auf dem "Arbeiterstrich" zum Beispiel im Dortmunder Norden versuchen. Dort bieten regelmäßig ArbeiterInnen aus Bulgarien und Rumänien ihre Arbeitskraft für noch niedrigere Armutslöhne an.

Wer sich nicht einmal auf diese Weise für den deutschen Standort als nützlich erweist, ist nicht willkommen. In Dortmund entdeckten die Kommunalpolitiker im Rat von CDU bis SPD die "lawinenartige Zuwanderung" von Roma aus Bulgarien und Rumänien. Ursache für die Armutsmigration: Der am Rande der Dortmunder Nordstadt befindliche Straßenstrich führe zu einer "Sogwirkung" in Richtung der "Roma Ghettos" in Plovdiv und anderen Orten in Bulgarien.

Zwar ist in der Dortmunder Innenstadt die Prostitution verboten, doch an ihrem Rand an der Ravensbergerstraße gab es erlaubte Straßenprostitution.

Dort richtete die Stadt Dortmund anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2006 Stadt Dortmund sogar "Verrichtungsboxen" ein, eine Sozialstation der Beratungsstelle "Kober" kümmerte sich um die dort tätigen Frauen. Über eine "direkte Busverbindung von Plovdiv nach Dortmund" reisten Romafrauen nach Dortmund ein, lebten in Elendsquartieren der Dortmunder Nordstadt und gingen am Stadtrand der Straßenprostitution nach. Die Zuwanderung aus Rumänien sei für die Dortmunder Nordstadt "kaum noch erträglich", weshalb die Straßenprostitution in Dortmund ganz verboten werden müsse.

Zwar ist seit dem Prostitutionsgesetz aus dem Jahre 2002 Prostitution in Deutschland nicht mehr sittenwidrig, Prostituierte können sich auch sozialversichern, gleichwohl können in Deutschland Städte und Kommunen die Ausübung der Straßenprostitution zum Schutze von Kindern und Jugendlichen sowie im Hinblick auf die Gefährdung des öffentlichen Anstands ganz oder teilweise untersagen. Ob und inwieweit Prostitution tatsächlich den öffentlichen Anstand oder Kinder und Jugendliche gefährdet, darüber gehen die Meinungen in Deutschland weit auseinander. In Berlin und Rostock gibt es überhaupt keine Regelungen, in Dortmund war allenfalls die unmittelbare Innenstadt ein "Sperrbezirk".

Die SPD Dortmund Nord, eine Art Lega Nord des Ruhrgebiets?

In Dortmund machte insbesondere die SPD Dortmund Nord mobil gegen die Romazuwanderung. Im Dezember 2009 demonstrierten über 2.500 Menschen in Dortmund gegen die Prostituierten, gegen Drogenhandel und Kriminalität. Sie forderten das Verbot der Straßenprostitution.

Die SPD Dortmund Nord veranstaltete im Stile einer evangelikalen Sekte eine Demonstration direkt auf dem Straßenstrich. Vergleichbar einer Heilsarmee demonstrierte sie mit einer Blaskappelle unter dem Motto "wir blasen ohne Gummi".

Aber die Prostituierten wehrten sich: 450 Prostituierte und ihre UnterstützerInnen demonstrierten gegen das beabsichtigte Verbot der Straßenprostitution.

Die aus Sicht der Dortmunder Politiker "extrem wachsende" Prostitution in der Ravensberger Straße hinderte die Stadt Dortmund allerdings nicht daran mitzuverdienen. Die Stadt Dortmund führte eine Vergnügungssteuer ein, jede Prostituierte, die der Straßenprostitution nachgeht, musste seit dem 6. Dezember 2010 pro Arbeitstag 6 Euro Vergnügungssteuer zahlen. Erworben mussten sie die Zahlscheine in einem benachbarten "Club". Mitarbeiter des Steueramtes kontrollieren auf dem Straßenstrich, ob die Frauen ihr Tagesticket erworben hatten.

Beim Verbot der Straßenprostitution in Dortmund ging es der Stadt vor allen Dingen um Migrationspolitik. In einer Vorlage der Stadtverwaltung heißt es deshalb: "Es ist offenkundig, dass der große Zustrom aus Plovdiv in Dortmund auch deshalb erfolgt, weil es einen Wirkungszusammenhang zwischen den vorgefundenen Wohnmöglichkeiten in der Nordstadt und dem nahegelegenen Straßenstrich gibt. Die Prostitution ist für die zugewanderte Bevölkerungsgruppe eine der wenigen legalen Einnahmemöglichkeiten. Um die weitere Migration zu unterbinden, soll der wirtschaftliche Anreiz für die Straßenprostitution in Dortmund durch die Schließung des Straßenstrichs entfallen."

Bereits jetzt wohnten im Dortmunder Norden 797 Bürgerinnen und Bürger aus Bulgarien und Rumänien - Dortmund hat immerhin insgesamt 580.000 EinwohnerInnen. Da aber in Plovdiv zurzeit 45.000 bis 50.000 Roma lebten, werde der Zustrom nach Dortmund steigen, "falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden", so der Leiter des Dortmunder Ordnungsamtes. Ganz im Stile der rassistischen italienischen Lega Nord erklärte der Dortmunder Polizeipräsident den Straßenstrich zu "Keimzelle" der organisierten Kriminalität und warnte vor einer "lawinenartigen" Entwicklung und die Lokalpresse übermittelte den Ratschlag des bulgarischen Bürgermeister von Plovdiv an seine Amtskollegen in Dortmund. Dessen Rat lautet: "Kompromisslos gegen Roma vorgehen".

Doch eine Prostituierte wehrte sich:


Eine Sexarbeiterin klagte gegen die Sperrbezirksverordnung als Beschränkung ihrer Berufsfreiheit, eine Klage, die es bislang in Deutschland noch nicht gegeben hatte.

Nachdem ein Eilverfahren in beiden Instanzen erfolglos blieb, hatte die Prostituierte vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen jedenfalls teilweise Erfolg. Das Verwaltungsgericht stellte fest, dass das gänzliche Verbot der Straßenprostitution außerhalb der Dortmunder Kernstadt und des Bereichs der Ravensberger Straße unwirksam ist. Die Verwaltungsrichter hielten der Bezirksregierung Arnsberg vor, es sei nicht erkennbar, weshalb die Ausübung der Straßenprostitution ausnahmslos und an jedem Ort eine Gefahr für die Jugend oder den öffentlichen Anstand darstelle.

Bei einer großen Stadt wie Dortmund mit einer Fläche von 280 km² spreche eine Vermutung dafür, dass sich bei gründlicher Prüfung und kritischer Abwägung ein Platz finden lässt, an dem ohne Gefahr für Anstand, Kinder und Jugendliche die Straßenprostitution möglich sei - so wie in allen anderen Nordrhein-Westfälischen Städten dieser Größe. Es könne auch nicht darum gehen, Straßenprostitution gänzlich "unsichtbar" werden zu lassen, auch dann, wenn Prostituierte in einem bestimmten Stadtteil wohnten, bedeutet dies noch keine Gefahr für die Jugend oder den öffentlichen Anstand.

Wohin es führt, wenn Prostituierte in die Illegalität getrieben werden, zeigte sich kurz nach Schließung des Straßenstrichs in Dortmund. Am 17. August 2011 wurde eine Roma, die als Prostituierte arbeitete, von einem Freier aus einem Fenster von dessen Wohnung in der Nordstadt geworfen, nachdem dieser mit einem Messer mehrfach auf sie eingestochen hatte. Schwer verletzt überlebte sie - mit bleibenden Schäden. Und am Ostersamstag 2013 nahmen Neo-Nazis den Kampf gegen die unerwünschte Zuwanderung selbst in die Hand und demonstrierten vor einem Haus, in dem Roma leben.

Richard Renz
http://www.graswurzel.net/379/strich.shtml (http://www.graswurzel.net/379/strich.shtml)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 20:59:53 Mi. 02.Dezember 2015
Dieses Video ist zwar einige Monate alt, doch ist es noch aktuell, die Verhältnisse haben sich nicht gebessert.

! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=BjWsrwT1rpU#)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: BGS am 21:19:28 Mi. 02.Dezember 2015
Bitter.

MfG

BGS
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: dagobert am 21:45:30 Mi. 02.Dezember 2015
Willkommenskultur im Deutschland des 21. Jahrhunderts.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 19:25:05 Di. 27.September 2016
Zitat
Kritik von Kirchen und Gewerkschaft
Ausbeutung in der Fleischbranche nimmt kein Ende

Vor einem Jahr hat sich die Fleischbranche verpflichtet, die Situation der Arbeiter in den Schlacht- und Zerlegebetrieben zu verbessern. Zum Besseren geändert hat sich wenig.


(http://www.weser-kurier.de/cms_media/module_img/4328/2164404_1_articledetailpremium_57dedfc474c16.jpg)
Rumänische Werkvertragsarbeiter legen Hand an die Schweineteile, die auf dem Zerlegeband durch die Halle fahren. (Oliver Krato/Vion)

„Es hat sich nichts geändert“, sagt Prälat Peter Kossen, Vertreter der katholischen Kirche im Oldenburger Land. Der Kirchenmann beklagt nach wie vor eine massive Ausbeutung von Arbeitern aus Osteuropa. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Ernährungsindustrie in Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt, E. Michael Andritzky indes betont, die Branche habe ihre Versprechen gehalten.

„Alles Lippenbekenntnisse“, sagt Kossen. Es gebe zu viele Schlupflöcher, den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde zu umgehen. Dies bestätigt Arbeitsrechtler Johannes Brinkhus aus Bakum (Landkreis Vechta). Er engagiert sich beim „Netzwerk für Menschenwürde in der Arbeitswelt“. Jeden Freitag kommen im Schnitt 20 Betroffene aus der Fleischbranche zu ihm. Der Anwalt berichtet von unbezahlten Überstunden, von Abzügen für die Reinigung der Berufskleidung oder das Ausleihen von Werkzeugen (Messergeld), von Mietwucher in den Unterkünften. Wenn alles nicht helfe, werde einfach die Bandgeschwindigkeit erhöht, so Brinkhus. Häufig mündeten die Beratungen in Arbeitsgerichtsverfahren, manchmal reiche auch ein Schreiben an den Arbeitgeber. „Diese Menschen haben keine Lobby“, erklärt Brinkhus sein unentgeltliches Engagement.

Nach Gewerkschaftsangaben ist die Quote der Fremdarbeiter in der Branche nach wie vor hoch. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) für die Region Oldenburg/Ostfriesland, Matthias Brümmer, berichtet von Fremdarbeiterquoten zwischen 60 bei Vion und 90 Prozent bei Weidemark in Sögel. Lediglich bei Wiesenhof in Lohne habe sich das Verhältnis von Fremdarbeitern zur Stammbelegschaft durch den Großbrand umgekehrt, weil es für Werkvertragsarbeitnehmer schlicht keine Arbeit mehr gab. Danish Crown erklärt, dass die Firma den Anteil der Stammbelegschaft von derzeit 30 Prozent im Schlachthof in Essen/Oldenburg gern erhöhen würde, aber keine geeigneten Bewerber finde. Sprecher Jens Hansen: „Es gibt nicht viele Deutsche, die in einem Schlachthof arbeiten wollen.“ Wiesenhof und Heidemark erklären, dass sich die Quote um vier beziehungsweise fünf bis zehn erhöht habe. Wie hoch der Anteil der Fremdarbeiter tatsächlich ist, sagen sie nicht.

„Die Ausnahme ist zur Regel geworden.
Leiharbeit wird aus Profitgier missbraucht.“


Ludger Heuer, Sprecher des bischöflichen Offizialats in Vechta

Der Sprecher des bischöflichen Offizialats in Vechta, Ludger Heuer, geht es vor allem um den Missbrauch der Leiharbeit: „Leiharbeit wurde eingeführt, um Produktionsspitzen abzufangen. Normal wäre also ein Anteil von 20 Prozent. Tatsächlich aber ist die Stammbelegschaft auf 20 Prozent geschrumpft. Die Ausnahme ist zur Regel geworden. Leiharbeit wird aus Profitgier missbraucht.“

E. Michael Andritzky vom Verband der Ernährungsindustrie dementiert: „20 Prozent Stammbelegschaft. Das geht an der Realität vorbei.“ Genaue Zahlen aber will auch er nicht nennen: „Wir haben nie eine feste Quote versprochen.“

Entscheidend sei doch, dass alle 80 000 Beschäftigten in der Fleischbranche den Mindestlohn erhalten, egal ob Festangestellte oder Beschäftigte von Subunternehmern, meint die Hauptgeschäftsführerin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG), Valerie Holsboer.Sie betont, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei Ausbeinern, Zerlegern, Kopf- und Lohnschlachtern im vergangenen Jahr um 70 Prozent gestiegen sei – und Entsendungen von ausländischen Arbeitern gebe es gar nicht mehr.

Gewerkschafter Brümmer hat eine andere Beobachtung gemacht: „Aus Leiharbeitern werden Werkvertragsarbeitnehmer.“ Werkverträge wiederum fallen nicht unter die Lohn-, sondern unter die Sachkosten. Firmen mit einem hohen Energieverbrauch profitieren davon, weil sie von der Umlage für Erneuerbare Energien befreit werden, und Fleischfirmen haben allein schon wegen der Kühlung hohe Energiekosten. Brümmer: „Die Rechnung zahlen wir am Ende alle.“

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will den Missbrauch von Leiharbeit per Gesetz eindämmen. Künftig sollen Leiharbeiter nach neun Monaten gleichen Lohn erhalten wie die Stammbelegschaft und maximal für 18 Monate beschäftigt werden. „Das Gesetz geht an der Realität vorbei“, sagt die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Landkreis Vechta, Audra Brinkhus-Saltys. Die meisten Wanderarbeiter würden ohnehin nur für ein halbes Jahr beschäftigt und dann an das nächste Unternehmen weiter vermittelt.

Die NGG fordert denn auch, den Anteil von Leiharbeitern auf fünf Prozent zu begrenzen. Für Valerie Holsboer ist eine solche Quote unrealistisch: „Wir finden nicht genug deutsche Arbeiter.“ Das Argument kann Matthias Brümmer nicht nachvollziehen: „Wir haben Freizügigkeit in Europa. Warum werden Rumänen nicht regulär eingestellt?“

Werkvertrags- und Leiharbeiter, so Prälat Kossen, seien der Willkür und Gier krimineller Subunternehmer schutzlos ausgeliefert. „Unternehmen, die diese Ausbeutung zulassen, machen sich mitschuldig“, betont der Kirchenmann und lenkt den Blick auf die teils unwürdige Wohnsituation der Arbeiter. Diese zahlten nicht selten ein Kopfgeld von 250 Euro im Monat für eine Unterkunft in einem Mehrbettzimmer. Kirche und Gewerkschaften fordern die Kommunen auf, mehr und vor allem unangekündigt zu kontrollieren sowie Verstöße hart zu sanktionieren. Den Landkreisen aber, die teils eigene Vorschriften für die Unterbringung von Wanderarbeitern erlassen haben, fehle es häufig an Personal, weiß die Kirchenvertretung. Eine der größten Unterkünfte im Oldenburger Münsterland ist der ehemalige Fliegerhorst Ahlhorn. Betreiber Obstbauer Ulrich Osterloh aus Visbek (Landkreis Vechta) bringt dort seine Erntehelfer unter, vermietet aber auch an Arbeiter aus der Fleischbranche. Mieter zahlen inklusive Verpflegung 9,80 Euro am Tag.

Details über die Umsetzung der Selbstverpflichtung in der Fleischbranche wollen die Arbeitgeber am 28. September beim zweiten Fleischgipfel in Berlin bekanntgeben. Bis zu dem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wurde Stillschweigen vereinbart.
http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Ausbeutung-in-der-Fleischbranche-nimmt-kein-Ende-_arid,1459925.html (http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Ausbeutung-in-der-Fleischbranche-nimmt-kein-Ende-_arid,1459925.html)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 09:48:43 Di. 13.Dezember 2016
Zitat
„Meine polnische Sklavin“

Prälat Kossen sieht die moralische Pflicht von Wirtschaft, Kommunen und Kirchen. Geltendes Recht muss greifen.


Cloppenburg Anna (Name geändert) hatte in Polen als Buchhalterin gearbeitet. Dann heiratete sie einen Deutschen. Als die Ehe zerbrach, kam die 48-Jährige als Leiharbeiterin nach Cloppenburg. Sie hat in vielen Firmen gearbeitet, am schlimmsten war es in der Fleischbranche. So sei ein Chef verächtlich mit den polnischen Frauen umgegangen, hätte sie voreinander erniedrigt und angespuckt. Anna nannte er „meine polnische Sklavin.“

„In einer solchen Firma darfst du nicht krank werden. Wer krank wird, fliegt“, erzählt Anna. Als sie ein geschwollenes Bein hatte, schickte sie ihr Chef zum Arzt, wollte aber keine Krankschreibung sehen. Die Schwellung stellte sich als Thrombose heraus. Anna wurde operiert. Als sie aus der Klinik kam, wollte sie aus Angst vor der Kündigung mit dem eingewickelten Bein in den Betrieb. Doch ihr Freund hielt sie zurück. Als sie nach drei Wochen wieder zur Arbeit erschien, folgte die Kündigung. „Und dabei habe ich dort einige Jahre für zwei Personen gearbeitet“, sagt sie. Erhalten hat sie 930 Euro brutto im Monat. Auf der Suche nach Arbeit landete Anna bei einem Paketzusteller. Stundenlohn: 2,50 Euro. Aktuell hat sie eine andere Stelle. Die Arbeit gefällt ihr, doch bekomme sie fast 40 Prozent weniger Lohn als feste Kräfte.

„In Deutschland in einer Fleischerei zu arbeiten, ist eine Katastrophe“, bestätigt ihr Landsmann Jan (Name geändert). Vor sechs Jahren ist der 27-Jährige nach Deutschland gezogen. Wie sein Vater arbeitet er mit Werkvertrag in einer Fleischfirma. Etwa 80 Prozent der Belegschaft hätten solche Verträge. Einige Jahre hat er Fleisch zerlegt. Derzeit fährt er Gabelstapler. In seinem Arbeitsvertrag stehe acht Stunden am Tag. Er arbeite aber oft zehn oder zwölf Stunden. Überstunden blieben unbezahlt. Pro Monat, schätzt er, werde ihm ohne Begründung Lohn für bis zu 40 Stunden vorenthalten. Für die ausbezahlten Stunden bekommt er zehn Euro brutto, netto bleiben ihm im Monat etwa 1200 Euro. Gearbeitet zu allen Tages- und Nachtzeiten, sechs Tage die Woche. Es gibt viele Möglichkeiten, osteuropäischen Arbeitern Geld abzuziehen. In seiner Firma muss eine Strafgebühr zahlen, wer kein deutsch spricht. Wenn sie die Wahl hätten, in Deutschland in der Fleischbranche zu arbeiten oder in Polen zu bleiben? „Wir blieben in Polen“, sagen beide.

Hilfe gefunden hatten sie in der arbeitsrechtlichen Beratungsstelle für osteuropäische Werkvertragskräfte. Mehr als drei Jahre gab es sie im Forum St. Andreas, so Audra Brinkhus-Saltys. Neben ihrem Mann Johannes, der als Arbeitsrechtler jede Woche bis zu 15 Hilfesuchende beriet, engagierten sich andere Frauen und sie, ohne Honorar, etwa als Dolmetscherinnen. Im September wurde die Arbeit eingestellt, der Aufwand war zu groß. Trotz mehrerer Aufrufe hatte sich kein Arbeitsrechtler gefunden, der die Aufgabe übernehmen wollte.

„Ich sehe eine moralische Pflicht der Region, die Beratungsstelle weiterzuführen“, sagt Prälat Peter Kossen (Offizialat Vechta). „Das Krebsgeschwür der Ausbeutung wuchert von hieraus und muss von hier bekämpft werden. Das funktioniert nur, wenn verschiedene gesellschaftliche Gruppen kooperieren.“ Kossen sieht die Wirtschaft in der Pflicht, die Kommunen und die Kirchen: „Wenn alle schweigen, ist das wie Mafia.“
http://www.nwzonline.de/cloppenburg/wirtschaft/meine-polnische-sklavin_a_31,1,4003199528.html (http://www.nwzonline.de/cloppenburg/wirtschaft/meine-polnische-sklavin_a_31,1,4003199528.html)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 21:44:12 So. 17.September 2017
Zitat
Viele Rumänen und Bulgaren leben "in prekärsten Situationen"
   
  • Die Zahl der Migranten aus Südosteuropa ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, viele von ihnen leben in einfachsten Verhältnissen.
  • Die Stadt bewertet die von ihr geschaffenen Hilfsangebote trotzdem als grundsätzlich ausreichend.
  • Der vor drei Jahren einberufene "Runde Tisch Armutszuwanderung aus EU-Ländern" soll darum beendet werden.

Von Thomas Anlauf

(http://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.3664282/940x528?v=1505231642000)

In der Hoffnung auf ein besseres Leben kommen immer mehr verarmte Menschen vor allem aus Rumänien und Bulgarien nach München. Einige versuchen, auf dem grauen Arbeitsmarkt im südlichen Bahnhofsviertel einen Job zu finden, andere verdienen mit Betteln ein paar Euro, um zu überleben. Die Situation vieler Arbeitsmigranten ist äußerst prekär, die Stadt bewertet die von ihr geschaffenen Hilfsangebote aber als grundsätzlich ausreichend. Deshalb soll der vor drei Jahren einberufene "Runde Tisch Armutszuwanderung aus EU-Ländern" nun beendet werden. Die daran beteiligten Referate der Stadtverwaltung sind sich einig, dass dafür "im Moment kein Bedarf mehr besteht".

So steht es in einer Beschlussvorlage, die das Sozialreferat kommende Woche dem Stadtrat vorlegt und die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Dabei liest sich das 45 Seiten starke Papier zunächst gar nicht so, als hätte sich das Thema erledigt. Die Notlage vieler hilfebedürftiger Zuwanderer bereitet den Experten Sorgen, viele leben "in prekärsten Situationen" in Abbruchhäusern, Lagergebäuden, wilden Camps "oder in völlig überbelegten, teilweise menschenunwürdigen Wohnungen mit all ihren Folgen, insbesondere für Kinder".

Auch die gesundheitliche Versorgung sei für viele Arbeitsmigranten aus Südosteuropa problematisch, da sie oft nicht krankenversichert sind. Das Fazit der Behörden: "Fragen zur Kostenklärung sowie die tatsächliche Kostenübernahme für die stationäre Akutversorgung, insbesondere bei Entbindungen, bleiben ungelöst." Selbst wenn die Stadt mit Sozialleistungen helfen wollte, sind ihr seit einer Gesetzesänderung im Dezember bei rumänischen und bulgarischen Arbeitslosen die Hände gebunden: Sie sind hierzulande nun bis zu fünf Jahre lang von gesetzlichen Sozialleistungen ausgeschlossen.

Insgesamt hat sich die Zahl der in München lebenden Bulgaren und Rumänen stark erhöht. Waren Ende 2006 knapp 3000 bulgarische und knapp 4300 rumänische Staatsbürger in München gemeldet, waren es Ende vergangenen Jahres 13 000 Bulgaren und knapp 18 800 Rumänen. Ein Rückschluss auf eine gestiegene Armutszuwanderung sei aus den Zahlen jedoch nicht möglich, heißt es in dem Papier.

Zudem sei "der überwiegende Teil" der in München lebenden Menschen aus Südosteuropa in der Stadt "gut angekommen und geht oftmals einer qualifizierten Erwerbstätigkeit nach". Die prekäre Lage vieler Zuwanderer lässt sich aber auch bei Einrichtungen wie der Obdachlosenhilfe von Sankt Bonifaz sehen. Dort hat weit mehr als die Hälfte der Menschen, die in der Arztpraxis behandelt wurden, einen ausländischen Pass, ein Drittel davon kommt aus Südosteuropa.

Rumänen und Bulgaren warten am Arbeiterstrich

Dennoch sehen die am Runden Tisch beteiligten Referate (neben dem Sozialreferat sind dies das Kreisverwaltungsreferat, das Wirtschafts-, Bildungs- und Umweltreferat), dass im Vergleich zu den Flüchtlingen in München die Gruppe der hilfsbedürftigen Rumänen und Bulgaren relativ gering ist. Im südlichen Bahnhofsviertel klagen Anwohner und Geschäftsleute immer wieder über eine angeblich große Menge an Menschen, die auf dem sogenannten Arbeiterstrich dort eine kurzfristige Beschäftigung suchen.

Doch das Sozialreferat relativiert dies: Laut Polizei seien dort nur "täglich bis zu 25 meist bulgarische Staatsangehörige" aufzufinden. Das im Oktober 2015 eigens für Arbeitsmigranten geschaffene Beratungscafé an der Sonnenstraße habe "zu einer leichten Entlastung" der Situation an der Landwehrstraße beigetragen. Dort berät mittlerweile auch die Agentur für Arbeit die Jobsuchenden, das Hilfsangebot soll noch ausgebaut werden.

Neben dem Beratungscafé gibt es nun insgesamt vier städtisch finanzierte Stellen, die vor allem Migranten aus Südosteuropa beraten: die Familieneinrichtung Famara, das Info-Zentrum Migration und Arbeit, das Schiller 25, das auch für den Kälteschutz zuständig ist sowie die Einrichtung Bildung statt Betteln der Caritas.

Kälteschutz könnte weiter ausgebaut werden

Die Zahl der Bettler aus Südosteuropa hat sich laut Stadt in den vergangenen Jahren zwar von etwa 20 auf rund 100 verfünffacht. Allerdings wurden es seit der 2014 erlassenen Allgemeinverfügung, wonach organisiertes und aggressives Betteln verboten ist, wieder weniger Menschen in der Altstadt. Auch die Zahl der Verstöße gegen die Verordnung ist stark zurückgegangen, trotz der strengeren Auflagen hat die Polizei nicht festgestellt, dass Bettler nun in anderen Stadtvierteln verstärkt auftreten.

In den vergangenen drei Jahren seit Bestehen des Runden Tischs wurden nach Ansicht der Referatsleiter zahlreiche Hilfsangebote für Arbeitsmigranten geschaffen. Derzeit wird sogar geprüft, das Angebot des Kälteschutzes in der Bayernkaserne, der 850 Betten umfasst und im Winter fast zur Hälfte von Rumänen und Bulgaren genutzt wird, noch weiter auszubauen. Bislang mussten sich die Obdachlosen selbst um ein MVG-Ticket kümmern, um zu der Schlafstelle fahren zu können. Im kommenden Winter könnten alle Bedürftigen Freifahrtscheine erhalten.
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/armutszuwanderung-viele-rumaenen-und-bulgaren-leben-in-prekaersten-situationen-1.3663645 (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/armutszuwanderung-viele-rumaenen-und-bulgaren-leben-in-prekaersten-situationen-1.3663645)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 17:55:20 Mi. 28.Februar 2018
Zitat
Osteuropäer arbeiten für 3,80 Euro pro Stunde

(https://www.volksstimme.de/storyimage/MA/20180226/ARTIKEL/180228746/AR/0/AR-180228746.jpg&MaxW=505&ImageVersion=default&NCS_modified=20180226212756)

Magdeburg (dpa) l 30 osteuropäische Arbeiter ohne gültigen Aufenthaltstitel und mit einem deutlich zu geringen Stundenlohn hat der Zoll in Schweineproduktionsbetrieben im Saalekreis festgestellt.

Ein osteuropäisches Verleihunternehmen habe den Arbeitskräften falsche Versprechen gegeben, teilte das Hauptzollamt Magdeburg am Montag mit. Den Arbeitnehmern habe ein gültiges Visum vorliegen sollen. Das war aber nicht der Fall. Das Verleihunternehmen habe den Arbeitern auch nur einen Stundenlohn von 3,80 Euro statt der vorgeschriebenen 8,84 Euro Mindestlohn gezahlt. Das wurde bei der Kontrolle am vergangenen Mittwoch festgestellt.

Gegen den ausländischen Arbeitgeber werde neben der illegalen Beschäftigung von Ausländern auch wegen des Verstoßes gegen Mindestlohnregelungen ermittelt.
https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/ausbeutung-osteuropaeer-arbeiten-fuer-380-euro-pro-stunde (https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/ausbeutung-osteuropaeer-arbeiten-fuer-380-euro-pro-stunde)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: tleary am 11:03:17 Do. 01.März 2018
Der Link stellt die Realität aber scheinbar "etwas geschönt" dar: "Osteuropäische Arbeiter arbeiten für 380 Euro pro Stunde". Schön wär's ja, und vor allem bei dieser absolut monotonen "Ekelarbeit" (tote Tiere im Akkord zerlegen) auch gerechtfertigt.
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 19:52:13 Do. 15.März 2018
Zitat
Arbeiter aus Osteuropa
Machtlos gegen Ausbeutung

Sie hoffen auf gute Bezahlung in Deutschland und stehen am Ende oft ohne Geld da: Arbeiter aus Osteuropa sind fast machtlos, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt. Der Grund: undurchsichtige Firmengeflechte.


    "Du gehst arbeiten, bekommst deinen Lohn für die ersten ein, zwei Monate. Dann gibt es angeblich Probleme und du arbeitest weiter, ohne bezahlt zu werden."
Simon, Arbeiter aus Serbien

Das System mit den Leiharbeitern läuft so: Subunternehmen aus Osteuropa heuern die Arbeiter an und schließen mit ihnen Arbeitsverträge. Über diese Unternehmen fordern Firmen, zum Beispiel aus Deutschland, Arbeitskräfte an, die dann auf den Baustellen arbeiten. So war es auch im Fall von Simon. Ein slowenisches Subunternehmen hatte ihn unter Vertrag genommen und zum Bauunternehmen Caverion mit Sitz in München entsandt. Doch dann meldete der slowenische Subunternehmer Insolvenz an und Simon bekam seinen Lohn nicht.

In diesem Fall muss laut Gesetz eigentlich der Generalunternehmer, also Auftraggeber des Subunternehmers, zahlen: Im Fall von Simon das Münchner Unternehmen Caverion. Doch die Firma reagiert mehrere Monate nicht auf seine Zahlungsaufforderung.

https://www.br.de/nachrichten/machtlos-gegen-ausbeutung-100.html (https://www.br.de/nachrichten/machtlos-gegen-ausbeutung-100.html)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 11:31:06 Mo. 24.September 2018
Zitat
Unsichere Arbeit und Lebensverhältnisse
Vier Millionen Erwerbstätige gehören dauerhaft zum Prekariat


...Je mehr sich Leih- oder Werksarbeit, Befristungen und Solo-Selbstständigkeit ausbreiten, desto mehr Menschen leben in dieser gesellschaftlichen Zwischenzone...

... kein Kündigungsschutz: angestellt in einem Kleinbetrieb mit weniger als fünf bis zehn Beschäftigten (Kleinbetriebsklausel)...

...erhöhte berufsspezifische Gesundheitsrisiken: beschäftigt in einem Beruf mit physischer Arbeitsbelastung...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-vier-millionen-erwerbstaetige-gehoeren-dauerhaft-zum-prekariat-a-1229460.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutschland-vier-millionen-erwerbstaetige-gehoeren-dauerhaft-zum-prekariat-a-1229460.html)


Ein ziemliches Getöse, "Zum ersten Mal belegt eine Studie, wie groß das Prekariat in Deutschland ist." oder "Um die Größe des verfestigten Prekariats bestimmen zu können, leisteten die Forscher aber erst einmal eine andere Pionierarbeit: Sie mussten den diffusen Begriff des "Prekären" erst einmal trennscharf definieren."
Es bleibt ein ziemlich unscharfes Geblubber. "Sie gehören zwar nicht zu den völlig Abgehängten...". Ja, was sind denn die "völlig Abgehängten"?
"...zum Beispiel ein Polizeibeamter als Alleinverdiener mit Frau und vier Kindern in einer Großstadt. Auch er zählt sicher nicht zum verfestigten Prekariat." "Sicher nicht zum verfestigten Prekariat"? Bitte? Wie will der denn aus dieser prekären Situation wieder rauskommen??

Naja, der Spiegel halt...
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Rudolf Rocker am 19:38:38 Do. 04.Oktober 2018
Zitat
"...zum Beispiel ein Polizeibeamter als Alleinverdiener mit Frau und vier Kindern in einer Großstadt. Auch er zählt sicher nicht zum verfestigten Prekariat." "Sicher nicht zum verfestigten Prekariat"? Bitte? Wie will der denn aus dieser prekären Situation wieder rauskommen??
Na, seine Frau auf den Strich schicken!
Hauptsache Arbeit!
Sorry, konnte mir den Sarkasmus grade nicht verkneifen! ;)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 09:18:21 Mo. 26.November 2018
http://detektor.fm/wp-content/uploads/2018/11/stadtgespraech-ausbeutung-von-wanderarbeitern-in-hanau_web.mp3 (http://detektor.fm/wp-content/uploads/2018/11/stadtgespraech-ausbeutung-von-wanderarbeitern-in-hanau_web.mp3)

Zitat
Ausbeutung in Hanau
"Die Verantwortung für die Beschäftigten wird nicht übernommen"

Ausbeutung von ausländischen Wanderarbeitern findet häufig gerade im Bereich der Bauarbeit statt. So auch im Lehrhöfer Park in Hanau, wo bulgarische Männer für ihre Arbeit kaum Lohn erhalten.

Wanderarbeiter aus dem Ausland sind oft billige Arbeitskräfte auf deutschen Baustellen.

Ausbeutung = Harte Arbeit + keine Bezahlung

Hanau im Rhein-Main-Gebiet bekommt eine neue Wohnsiedlung. Am Bau im Lehrhöfer Park in Hanau sind Männer aus Bulgarien beschäftigt – jedoch ohne Arbeitsvertrag. Die Wanderarbeiter werden für ihre Arbeit kaum bis gar nicht bezahlt. Wer für diese Ausbeutung verantwortlich ist, ist dabei aber unklar. Denn dahinter verbirgt sich ein undurchsichtiges System.

   
Zitat
Da sind häufig Hintermänner, Arbeitsvermittler am Werk. Die Verantwortung für die Beschäftigten wird nicht übernommen. Die Firmen, die – zumindest gemäß Papier – entlang der Auftragskette auftauchen, haben häufig auch Strohmänner als Geschäftsführer.
– Ivan Ivanov, Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Hessen

„Sie vertrauen ihren Arbeitgebern“

Die Situation in Hanau ist längst kein Einzelfall. Billige Arbeitskräfte aus Osteuropa sind sehr gefragt. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Not kommt es bei ausländischen Wanderarbeitern immer wieder zu unterbezahlter Schwarzarbeit.

   
Zitat
Das Lohngefälle zwischen Ost- und Westeuropa ist immer noch sehr groß. Deswegen begeben sich auch viele Menschen nach Westeuropa, um nach Arbeit zu suchen. Und diese Menschen sind leider sehr anfällig für ausbeuterische Verhältnisse, weil ihre Sprachkenntnisse nicht so gut sind und weil sie sich mit den wesentlichen rechtlichen Bestimmungen hier in Deutschland nicht gut auskennen.
– Ivan Ivanov

Was kann man gegen die Ausbeutung osteuropäischer Wanderarbeiter tun? Darüber spricht detektor.fm-Moderatorin Barbara Butscher mit Ivan Ivanov. Er arbeitet für die Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Hessen.

Ivan Ivanov "Wenn man sich jetzt die menschlichen Schicksale anschaut, ist das natürlich ein krasser Fall. Ich glaube allerdings [...], dass der Fall aus Hanau eigentlich ein Paradebeispiel dafür ist, wie es ungefähr auf dem Bau abläuft."

(https://images.weserv.nl/?il&url=ssl:detektor.fm/wp-content/uploads/2018/11/ivan-ivanov-244x300.jpg)
Ivan Ivanov berät Wanderarbeiter, die von deutschen Unternehmen ausgebeutet werden.
https://detektor.fm/gesellschaft/stadtgespraech-ausbeutung-hanau (https://detektor.fm/gesellschaft/stadtgespraech-ausbeutung-hanau)
Titel: Re:Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 09:50:19 Mo. 26.November 2018
Zitat
Totschlag in Erding
Ausbeutung und Gewalt

Landgericht Landshut: Ein 51 Jahre alter Ukrainer, der ausstehenden Lohn fordert, wird von Kollegen tot geprügelt
Von Florian Tempel, Landshut


Der Tod des 51-jährigen Ukrainers, der seit Dienstag am Landgericht Landshut verhandelt wird, ist ein erschütternder Fall von Ausbeutung und Gewalt. Der Ukrainer arbeitete, mit einer falschen Identität ausgestattet, als Zeitarbeiter bei einem Paketdienst. In einem Streit um ausstehenden Lohn und ein Firmenfahrzeug wurde er am 13. November 2017 von Kollegen auf offener Straße so brutal verprügelt, dass er ins Koma fiel und drei Wochen später an seinen schweren Verletzungen starb. Fünf Männer im Alter zwischen 22 und 47 Jahren sind nun wegen Totschlags beziehungsweise Beihilfe dazu angeklagt. Der Prozess ist auf fünf Verhandlungstage angesetzt.

Über den Getöteten wurde am ersten Prozesstag kaum gesprochen. Die Anklageschrift fasst nur das äußerliche Tatgeschehen zusammen und gibt nur wenige Hinweise auf die Hintergründe und Einzelheiten, die erst im Laufe des Prozesses erörtert werden. Der grobe Rahmen wurde aber bereits deutlich erkennbar.

Ein wesentlicher Umstand ist, dass sowohl Täter wie Opfer bei der gleichen Firma angestellt waren. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Nähe von Heidenheim und ist im Handelsregister als Transport- und Zeitarbeitsfirma eingetragen. Offensichtlich lieh diese Firma Zeitarbeiter an den Paketdienst GLS aus, der unter anderem in Erding ein Paketzentrum hat. Laut den Angaben eines Angeklagten waren die bei GLS beschäftigten Zeitarbeiter Männer aus vielen verschiedenen Ländern. Er berichtete, dass in dem Arbeiterwohnheim in Knüllwald in Hessen, in dem er sich vorwiegend aufhielt und als Vorarbeiter fungierte, Männer aus 25 Nationen lebten. Ein ähnliches Arbeiterwohnheim gab es in Taufkirchen.

Von den fünf Angeklagten sind zwei Litauer und drei Letten. Als EU-Bürger hatten sie keine Probleme in Deutschland zu arbeiten. Beim Getöteten und zwei weiteren Kollegen aus Tadschikistan, die in der Tatnacht mit ihm zusammen waren und ebenfalls angegriffen wurden, war das anders. Alle drei hatten offenbar gefälschte Identitäten, die sie als vermeintliche EU-Bürger auswiesen.

Diese drei Männer hatte laut der Anklage einen Streit mit dem Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma, da er ihnen Lohn schuldete. In der Anklageschrift heißt es dann, dass einer der Angeklagten sie in einem Firmenwagen nach Taufkirchen zu dem bereits erwähnten Wohnheim fuhr. Die drei Männer weigerten sich dort aber, aus dem Fahrzeug auszusteigen, bevor sie das ihnen zustehende Geld bekämen. Ihr genervter Kollege fuhr mit ihnen daraufhin nach Erding und parkte das Auto auf dem Parkplatz vor dem Cineplex-Kino. Er zog den Schlüssel ab und ließ die drei Männer unter dem Vorwand, er werde ein Navi-Gerät besorgen und sie dann wegen ihrer Lohnforderungen zum Chef in die Zentrale fahren, in dem Auto sitzen. Tatsächlich aber holte er aus dem Taufkirchener Wohnheim die vier anderen Angeklagten als Verstärkung.

Der schnell gefasste Plan war, die lästigen drei Kollegen, die immer noch in Erding im Firmenauto saßen und warteten, mit Gewalt aus dem Fahrzeug zu zerren und ihnen das Auto abzunehmen. Zu fünft fuhren die Angeklagten in einem Kleintransporter vor und parkte genau neben dem Wagen, in dem die anderen drei saßen. Es war mittlerweile etwa 1.40 Uhr.

Einer der Tadschiken stieg arglos aus, um seine Kollegen zu begrüßen. Zwei blieben in dem Kleintransporter sitzen, drei kamen auf ihn zu - und schlugen ihn völlig unvermittelt und ohne Vorankündigung mit einer Bierflasche und einem eisernen Gegenstand. Der Geschlagene schaffte es, schnell wieder in das Auto einzusteigen und es von innen zu verriegeln. Sein Kollege aus der Ukrainer versuchte hingegen zu flüchten. Er kam indes nicht weit, weil ihm die Angreifer hinterher rannten, ihn zu Fall brachten, ihn brutal mit dem eisernen Gegenstand auf den Kopf schlugen und ihm Fußtritte gegen den Kopf verpassten. Als sie bemerkte, dass ein Augenzeuge ihre schreckliche Tat beobachtete, gingen sie weg und fuhren mit ihren zwei Kollegen, die im Kleintransporter sitzen geblieben waren, zurück nach Taufkirchen.

Das lebensgefährlich verletzte Opfer wurde wenig später in ein Münchner Klinikum gebracht. Der 51-Jährige, der eine schwere Schädelbasisfraktur erlitten hatte, erwachte nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit und starb am 4. Dezember 2017. Die fünf Angeklagten wurden noch in der Tatnacht in Taufkirchen festgenommen. Sie saßen seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.
https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/totschlag-in-erding-ausbeutung-und-gewalt-1.4219875 (https://www.sueddeutsche.de/muenchen/erding/totschlag-in-erding-ausbeutung-und-gewalt-1.4219875)
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 18:25:34 Do. 12.März 2020
Zitat
Ausbeutung von Arbeitsmigranten:
Peter Kossen gründet Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“

Kossen ruft Arbeitsmigranten zu Streiks auf


“In der plattdeutschen Reihe „Dat kannst´ mi glööven“ im NDR Radio Niedersachsen gestaltet Peter Kossen in der Zeit vom 16.-20. März 2020 die täglichen Mittagsandachten um 14.15 Uhr zum Thema Würde und Gerechtigkeit. Er vergleicht die Arbeitsmigration der „Hollandgänger“ im 18. und 19. Jahrhundert mit der Situation der ost- und südosteuropäischen Arbeitsmigranten heute. „Die Heimat der Arbeitsmigranten von damals, meine Heimat, ist heute zum Schauplatz moderner Sklaverei geworden“, so Kossen.
(...)
„Moderne Sklaverei ist die Wirklichkeit.“ Er nennt Unternehmen beim Namen: „Wenn der Wernsing-Feinkost-Konzern immer schon ohne Werkvertragsarbeiter auskommt und die Großschlachterei „Böseler Goldschmaus“ die Arbeiter fest anstellt und ihnen Wohnungen baut, warum dann nicht Tönnies, Heidemark, Plukon, Wiesenhof, Geestland, Sprehe, Westfleisch, Vion, Danish Crown und die Meyer-Werft?“ Kossen ruft die Arbeitsmigranten zu Streiks auf. „Erst wenn sie die Sklavenarbeit verweigern, werden die Unternehmen und wird die Gesellschaft spüren, was sie an diesen Menschen haben, wie würdelos und ungerecht die Ausbeutung und Abzocke dieser Frauen und Männer ist.“ Kossen regt an, dass Gruppen und Personen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, in Erwägung ziehen, Ihr Engagement auszuweiten auf die große Gruppe der Arbeitsmigranten.
https://www.labournet.de/?p=136378
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 16:30:06 Do. 19.März 2020
Zitat
Hauptzollamt Nürnberg
Abbruch mit Ausbeutung: Freiheitsstrafe für Schwarzarbeit


Zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilte das Amtsgericht Nürnberg den Inhaber einer Abbruchfirma aus der Metropolregion wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt.

Fünf rumänische Bauarbeiter waren freiwillig bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Nürnberg erschienen und hatten ausgesagt, dass sie über mehrere Monate hinweg mit und ohne Gewerbeanmeldung auf Baustellen der Firma gearbeitet hatten, ohne dafür eine Bezahlung zu erhalten. Arbeitsverträge hatten die Männer nicht - ihnen war lediglich mündlich ein monatlicher Lohn von 1.500 Euro zugesagt worden. Das Geld hatten sie in Teilzahlungen erhalten und zuletzt gar nicht mehr.

Nach aufwendigen Ermittlungen der Zöllner und deutschlandweiten Aufenthaltsermittlungen von Zeugen stand fest, dass insgesamt 20 Personen unterschiedlicher Nationalitäten von der Vorgehensweise betroffen waren.

Der Sozialversicherung entstand durch die Taten ein Schaden von über 200.000 Euro.

Der Beschuldigte wurde zur Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig.
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/121257/4548439
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 16:23:22 Do. 25.Juni 2020
Zitat
Arbeiter aus Osteuropa:
"Rumänen halten die deutsche Wirtschaft am Laufen"


Wegen des Corona-Ausbruchs bei Tönnies wird viel über Rumänen gesprochen - aber zu wenig mit ihnen, sagt Sevghin Mayr, 50, die in einem Verein und einer Beratungsstelle rumänische Migranten unterstützt...
https://www.sueddeutsche.de/politik/laschet-rumaenen-arbeiter-1.4946361
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: tleary am 23:47:00 Fr. 26.Juni 2020
Die Agrarkapitalisten konnten sich jedenfalls auch dieses Jahr trotz Korona, in der 99 % der Bevölkerung einfach weggesperrt und ihrer Menschenrechte (u. a. Bewegungsfreiheit) beraubt wurde, ihr "Geschäftsmodell" erfolgreich ungestört weiter betreiben: Es wurden 40.000 Osteuropäer mit Ausnahmegenehmigungen und Sonderflügen hierher gebracht, wurden zur Leistung von 12 bis 14 Stunden-Arbeitstagen gezwungen und danach in irgendwelchen schäbigen Wohncontainern ("Blechgaragen") gepfercht und durften diese dann auch unter Straf- und Abschiebeandrohnung nicht verlassen. Noch dazu wird ihnen ein schlappes Drittel oder Viertel ihres Hunger-Mindestlohns für diese Schwerstarbeit noch als Miete für solche Dreckslöcher von den Spargel- und sonstigen Kapitalisten, deren Vorfahren sich einen Großteil des Grund und Bodens hierzulande in früheren Jahrhunderten geraubt haben, abgezogen.

Dagegen war die DDR mit ihrer Zwangskollektivierung und den dazugehörigen Enteignungen, wo jeder danach nur noch "Werktätiger" war, der nur mit seiner eigenen Hände Arbeit und nicht der anderer zu Wohlstand kam, doch ein wirklich sozialer Staat, der seiner Zeit Jahrhunderte voraus war!
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 18:17:30 Fr. 10.Juli 2020
Christoph Butterwege faßt die deutsche Arbeitsmarktpolitik in verständlichen Worten zusammen:

Zitat
Ein strukturelles Problem

Es sei politisch entschieden worden, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland mittels einer Lohndumping-Strategie auf den Weltmärkten konkurrenzfähiger – und am besten Exportweltmeister – werden soll. Diese politische Strategie, die mit der Agenda 2010 in Reformen wie die Hartz-Gesetze umgesetzt wurde, gehöre auf den Prüfstand, findet Christoph Butterwegge.

Arbeitsformen "im Grunde in Form einer Sklavenhalter-Ideologie" zu rechtfertigen, nur um Arbeitslosigkeit zu vermeiden, sei nicht der richtige Weg. Es müsse immer eine Arbeit sein, die gut bezahlt wird und die gute Arbeitsbedingungen sicherstellt. Sozial sei das, was Armut abschafft.
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/armutsforscher-christoph-butterwegge-in-deutschland-werden-teile-der-bevoelkerung-ausgebeutet
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 12:19:44 Di. 14.Juli 2020
Zitat
(https://media0.faz.net/ppmedia/aktuell/fotografie/3144068408/1.6859074/format_top1_breit/waehrend-die-quarantaene-fuer.jpg)

Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gelten als besonders hart, nur wenige halten hier lange durch. Doch viele Arbeiter bleiben auch nach ihrer Anstellung in Deutschland – und stellen die Kommunen vor Herausforderungen.
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/leiharbeiter-in-fleischindustrie-werkvertrag-als-magnet-16859463.html

(Bezahlschranke) Hier braut sich etwas zusammen.
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: BGS am 20:26:49 Di. 14.Juli 2020
Hoffentlich tut sich endlich was! Was haben Ausgebeuete, die Merkel etc. nach Deitschland hat locken lassen, denn zu verlieren?

MfG

BGS
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: tleary am 00:54:18 Mi. 15.Juli 2020
Hoffentlich tut sich endlich was! Was haben Ausgebeuete, die Merkel etc. nach Deitschland hat locken lassen, denn zu verlieren?
Das ist doch nur ein bißchen Tamtam von den Medien, das da momentan veranstaltet wird. Ist das verebbt, geht man wieder zur kapitalistischen Tagesordnung über und alles ist vergeben und vergessen. Keine Gesetze, die das verbieten. Und wenn doch, dann mit absichtlichen riesigen Schlupflöchern damit die Kapitalisten so oder so ähnlich ungestört weitermachen können.
Es ist übrigens nicht nur die Fleischbranche, die solch ausbeuterische Methoden anwendet, sondern wenn man sich umsieht betrifft das sehr viele Branchen. - Vor allem solche, in der Ausländer wegen ihrer relativen rechtlichen Ahnungslosigkeit, ohne Organisierung und schlechter Sprachkenntnisse gezielt angeworben werden. Denn die Agrarkapitalisten genau wissen, daß so jemand am leichtesten betrogen und ausgebeutet werden kann.
Titel: Re: Über 50 Prozent aller Arbeitsverhältnisse in der BRD sind prekär
Beitrag von: Kuddel am 12:02:00 Mi. 15.Juli 2020
Hoffentlich tut sich endlich was! Was haben Ausgebeuete, die Merkel etc. nach Deitschland hat locken lassen, denn zu verlieren?
Das ist doch nur ein bißchen Tamtam von den Medien, das da momentan veranstaltet wird. Ist das verebbt, geht man wieder zur kapitalistischen Tagesordnung über und alles ist vergeben und vergessen. ...

Was erwartet ihr!?! Das politische System reagiert nur auf massiven Druck. Die Medien sind Teil des kapitalistischen Systems. Auch wenn es engagierte Journalisten gibt, dürfen wir nicht glauben, die Interessen der Medien und unsere Interessen wären ähnlich. Es wäre naiv zu hoffen, nur weil die Verhältnisse an den Schlachthöfen gerade eine mediale Hochkonkunktur haben, die Bundesregierung sich gezungen sähe, die Mißstände zu beenden. Es liegt an den Beschäftgten der Schlachthöfe und allen Unterstützern, die ein Ende der grauenhaften Arbeits- und Wohnbedingungen wirklich wollen, den Druck aufrecht zuerhalten, ohne sich an den kurzlebigen medialen und politischen Trends zu orientieren.

Zitat
...geht man wieder zur kapitalistischen Tagesordnung über...
Wir sollten uns Gedanken machen, was wir für die "kapitalistische Tagesordung" halten. Gibt es da nur Streik oder Unterwerfung? Es ist ein permanentes Spannungsfeld. Es sind gewalttätige Verhältnisse. Es gibt pausenlos ausgetragene Konflikte, meist indiviuell, teilweise kollektiv, doch sie werden von der Öffentlichkeit und der Linken nicht wahrgemommen. diese Alltagskämpfe voranzubringen, zu unterstützen, zusammenzuführen, öffentlich zu machen, halt ich für eine sinnvolle Aufgabe.

Sinnvoller, als nur auf bessere Zeiten zu hoffen oder permanent zu behaupten, das bringe sowieso alles nix.