chefduzen.de - Forum der Ausgebeuteten

Wat Noch => Theoriebereich => Thema gestartet von: AnarchoAdrian am 15:58:09 Mo. 15.Juni 2009

Titel: Anarchismus
Beitrag von: AnarchoAdrian am 15:58:09 Mo. 15.Juni 2009
Mir ist klar, dass chefduzen kein rein anrahcistisches Forum ist, aber mich würds intressieren mich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Was denkt ihr über Anarchismus?
Machbar oder reine Utopie?



Anarchie ist Ordnung ohne Herrschaft.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 18:03:15 Mo. 15.Juni 2009
Kommunistische Kritik des Anarchismus:

http://www.junge-linke.de/kritik_der_linken/kritik_am_anarchismus.html
http://jungle-world.com/artikel/2009/21/34900.html

Der alte Engels mit einer Anarchismuskritik: http://www.mlwerke.de/me/me18/me18_305.htm
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: AnarchoAdrian am 19:48:03 Mo. 15.Juni 2009
Wohin Marx geführt hat, hat man ja gesehen.

Er war intolerant und viel zu autoritär.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 20:09:51 Mo. 15.Juni 2009
 ;D Wo steht denn bei Marx was von Gulag?
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 20:49:44 Mo. 15.Juni 2009
Marx, der bessere Anarchist: http://theoriepraxislokal.org/imp/rubel_marxanarch.php
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: LibertärerCommie am 22:53:07 Mo. 15.Juni 2009
hi!
bin auch so ein anarcho.
na klar ist anarchie machbar. auch wenn es heute eher einer utopie gleicht. demokratie galt jahrhunderte auch als utopie. und jetzt? jetzt ist sie traurige realität.

zu marx: natürlich hat marx nichts über gulag geschrieben oder ähnliches. aber er war ein autoritärer charakter. seine ansichten über zentralismus wurden ja in allen kommunistischen staaten praktiziert. und nur wer die dortige propaganda für wahr hält, kann es noch als eine gute idee finden.
aber so ganz kann man marx auch nicht verteufeln, denn gegen seine kapitalismus-analyse lässt sich nichts sagen. zudem hat ja bakunin marx's manifest bekannterweise ins russische übersetzt, trotz des ärgers bei der damaligen iaa
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 23:31:13 Mo. 15.Juni 2009
Zitat
kommunistischen staaten

Was soll denn ein "kommunistischer Staat" sein, wenn der Kommunismus im Sinne von Marx eine STAATEN- und klassenlose Weltgesellschaft ist? Damit stehst du offensichtlich ganz auf dem Boden des Gebräus an diffusen Volksmeinungen über Kommunismus.

"Sie [die Proletarier] befinden sich daher auch im direkten Gegensatz zu der Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben, zum Staat, und müssen den Staat stürzen, um ihre Persönlichkeit durchzusetzen." [Marx, Die deutsche Ideologie]

Zitat
aber er war ein autoritärer charakter.

Bitte begründen. Und: was soll das mit Adornos "Studien über den autoritären Charakter" zu tun haben?
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: LibertärerCommie am 19:58:42 Di. 16.Juni 2009
zu adorno hab ich gar nichts gesagt.

das marx auturitär war, kann man schon sehen, wie es bei der iaa gelaufen ist. er wollte unbedingt seine zentralismus-idee durchbekommen, obwohl diese keine mehrheit hat. die mehrheit war für eine förderale struktur. daher ließ er in einem undemokratischen akt befürworter des förderalismus (bekannteste figur war bakunin) rauswerfen anstatt sich der mehrheit anzuschließen.

das marx an eine staatenlose welt dachte, weiß ich auch. aber von den kp's wurde ja mehr auf einem diktatorischen staat gebaut als seine ideen zu verwirklichen. und komm jetzt nicht mit lüge. ich mache da auch keinen unterschied zwischen nordkorea oder kuba zb. beide sind diktatorische staaten. nur auf kuba ist meistens bestes wetter und schön warm

marx kann man immer so oder so zitieren. das ist noch keinen beweis für irgendeine position von ihn.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 00:26:01 Mi. 17.Juni 2009
Zitat
das marx auturitär war, kann man schon sehen, wie es bei der iaa gelaufen ist. er wollte unbedingt seine zentralismus-idee durchbekommen, obwohl diese keine mehrheit hat. die mehrheit war für eine förderale struktur. daher ließ er in einem undemokratischen akt befürworter des förderalismus (bekannteste figur war bakunin) rauswerfen anstatt sich der mehrheit anzuschließen.

meine güte, jetzt kommen die alten anekdoten der beleidigten.... marx war weder vertreter eines föderalismus noch dessen, was die anarchisten irgendwie mit "zentralismus" verbinden. und schon gar nicht des leninschen "demokratischen zentralismus". von daher ist das ganze eher mal eine bloße scheinfrage, die vom kern ablenkt. ansonsten: "undemokratisch" (bist du demokrat, ja? dann scheinst gerade du als anarchist in der form staat zu denken) heißt autoritär/autoritaristisch, oder was? da lachen ja die hühner!
ansonsten: wenn du schon diese langweiligen geschichten ("undemokratischer akt" etc.) hervorkramst kann ich davon mal abgesehen erwähnen, daß man in bakunins "staatlichkeit und anarchie" und anderswo (ja, ich habe einige anarchotexte gelesen) die derbsten antisemitischen ausfälle gegen marx (was ein zufall!) und juden insgesamt nachlesen kann, die naziterminologie teilweise in nichts nachstehen, wenn er juden als "parasitäres volk von blutegeln" kennzeichnet!

Zitat
das marx an eine staatenlose welt dachte, weiß ich auch. aber von den kp's wurde ja mehr auf einem diktatorischen staat gebaut als seine ideen zu verwirklichen.


ja und? die kps haben aber auch genauso wenig wie 95% aller anarchisten, die sowieso meistens nur verwirrte linksliberale (die theoretischen wurzeln des anarchismus liegen im liberalismus) sind, irgendetwas mit marx' theorie zu tun gehabt. deshalb ist marx das was in nordkorea oder sonst wo läuft/gelaufen ist auch nicht anzulasten.

Zitat
marx kann man immer so oder so zitieren. das ist noch keinen beweis für irgendeine position von ihn.

jaja: fakten, fakten, fakten - das wusste schon die focus-redaktion.... dann zitiere mal marx bzw. "weise nach", wie aus seiner theorie der historische und tlw. noch existierende staatssozialismus, der in wirklichkeit einfach nur ein staatskapitalismus war/ist, hervorgegangen sein soll.
les' doch vielleicht einfach mal eher die originalen texte von marx anstatt irgendwelche hochbrisanten fakten aus fau-broschürchen o.ä. zu präsentieren. oder etwa auch von diesen - wie marx selbst - explizit antistaalichen kommunisten:
http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Pannekoek
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Mattick
http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Agnoli

(die wikipedia-artikel sind scheiße, sollen nur ein hinweis sein.)
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 00:45:43 Mi. 17.Juni 2009
nochmal. ich kann diesen text von maximilien rubel nur auf allerheftigste empfehlen: http://theoriepraxislokal.org/imp/rubel_marxanarch.php
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: schwarzrot am 07:52:25 Mi. 17.Juni 2009
Zitat
Colonel Rock and Roll :
Kommunistische Kritik des Anarchismus:

http://www.junge-linke.de/kritik_der_linken/kritik_am_anarchismus.html
http://jungle-world.com/artikel/2009/21/34900.html

Von 'fakten, fakten, fakten' war da aber nicht viel zu lesen. Vielmehr von annahmen, von dem anderen die falschen anschauungen unterstelllen und dann (natürlich) prima an simplifizierten eigenen modellen widerlegen zu können.
Wobei der jungle-world artikel da mindestens _etwas_ seriöser ist, als der antideutsche quark von 'junge-linke', der übrigens gar nicht mal wirklich gegen 'anarchismus' sondern in weiten teilen eher gegen 'marxisten'/'linke' generell schreibt.

Ich weiss nicht, ob ich mir noch weitere texte, die du hier vorschlägst, durchlesen werde, wenn du schon bei den ersten zwei zeigst, dass du von anarchistischer theorie so wenig ahnung hast und auf durchschaubar billige polemiken reinfällst.

Um es klar zu sagen, 'anarchismus' hat sicher ein paar ecken, in der die theorie kaum praktikable antworten auf reale erfordernisse bietet. Beim 'marxismus' ist das nicht anders. Von den (neo-)'liberalen' theorien, wo schon das grundmodell falsch läuft, mal ganz abgesehen.
Für dich wäre es u.u. aber produktiver, über probleme und lösungen zu amoklaufenden marxistischen theorien nachzudenken.
Ich vermute mal, dass du in diesem bereich mehr grundwissen hast.

Dass du die blöde 'fakten, fakten, fakten', 'focus' werbefloskel benutzt, zeigt mir aber noch nicht, dass du über dinge, die du annimmst, wirklich reflektierst. (: In der 'focus' findet sich viel, von neokapinski-propaganda, bis nachgeplapper, viel sex-sells, neiddebatte, belanglosigkeiten. Gerade 'fakten' musst du in der 'focus' meisst mit der lupe suchen!)

Zu AnarchoAdrian.
Wenn ich mich richtig erinnere, finden es die meisten FAU-syndikate/ortsgruppen nicht so prickelnd, wenn einzelne gewerkschaftsmitglieder zu sehr mit FAU-insignien rumfuchteln und damit der allgemeinheit vorgaukeln, ihre meinung wäre die ihrer ortsgruppe, oder gar der gesamt-FAU.
Da hat zudem codeman(? oder war es workless?) recht (neben dem fau-logo, welches du hier spazieren führst), deine drei-wort-kommentare passen eher zu foren-trollen.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Colonel Rock and Roll am 11:14:11 Mi. 17.Juni 2009
Zitat
antideutsche quark von 'junge-linke'

Antideutsche sind die auf keinen Fall.

Zitat
Ich weiss nicht, ob ich mir noch weitere texte, die du hier vorschlägst, durchlesen werde, wenn du schon bei den ersten zwei zeigst, dass du von anarchistischer theorie so wenig ahnung hast und auf durchschaubar billige polemiken reinfällst.

Der Text von diesem M. Rubel ist der einzige den ich 100%ig befürworte. Und was an Polemik falsch sein soll und weshalb genau diese Polemik "billig" sein soll, konnstest du nicht zeigen.

Zitat
Dass du die blöde 'fakten, fakten, fakten', 'focus' werbefloskel benutzt, zeigt mir aber noch nicht, dass du über dinge, die du annimmst, wirklich reflektierst. (: In der 'focus' findet sich viel, von neokapinski-propaganda, bis nachgeplapper, viel sex-sells, neiddebatte, belanglosigkeiten. Gerade 'fakten' musst du in der 'focus' meisst mit der lupe suchen!)

;D Nicht mal Ironie kannst du erkennen! "LibertärerCommie" kommt hier mit Fakten, Fakten, Fakten von irgendwelchen alten Intrigen aus der IAA. Mir ginge es darum, daß wenn dann gezeigt wird, wie aus der marxschen Theorie ein staatssozialistisches Modell abgeleitet werden soll.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Nestor am 20:28:55 Mi. 24.Juni 2009
Zitat
Wenn ich mich richtig erinnere, finden es die meisten FAU-syndikate/ortsgruppen nicht so prickelnd, wenn einzelne gewerkschaftsmitglieder zu sehr mit FAU-insignien rumfuchteln und damit der allgemeinheit vorgaukeln, ihre meinung wäre die ihrer ortsgruppe, oder gar der gesamt-FAU.

Wenn die Allgemeinheit sowas annimmt, - glaube ich nicht - dann ist sie selbst schuld.
Was aber voll nervt, ist Dein Snobismus.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Kater am 20:36:46 Mi. 24.Juni 2009
 ??? ???

ich hatte bei den meist nichtssagenden Beiträgen von AnarchoAdrian den Eindruck, er wolle damit der FAU schaden...

(nach dem Motto: wenn die sonst nichts zu sagen haben...)
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: schwarzrot am 21:25:08 Mi. 24.Juni 2009
Nicht nur du, Kater hattest diesen eindruck, sondern ein paar leute mehr hier.
Nur hat halt Nestor die ca15(?) drei-wort-postings am 15. von Adrian nicht mitbekommen.

Immerhin kann Nestor schön Rocker zitieren und weiss, dass mensch kräftig mit stigmatas um sich schmeissen muss, um sich wichtig fühlen zu können.

Da bleibe ich wirklich lieber ein 'Schuhmacher-Lehrling' (Scottish: 'snab') und 'nicht-student'/'unadelig'  ;D

@Colonel Rock and Roll
Das erste viertel deines dritten empfohlenen textes hab ich durch, fand ich nicht so schlecht.
Auch wenn ich einiges zu schön fand, um es zu glauben. Mal sehen, wann ich es packe den rest durchzulesen.
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: meltman am 21:53:11 Mi. 24.Juni 2009
Schöne Doku über den spanischen Bürgerkrieg:

Guckstu (http://www.youtube.com/watch?v=J7y0T3P-AZU)

Zitat
In Spanien wurden während des Bürgerkriegs 1936-39 weite Teile der Wirtschaft, besonders in Katalonien, unter Selbstverwaltung der Arbeiter kollektiviert. Bis zur Zerschlagung durch Franco und Stalinisten wurde die Produktionskapazität, soziale Gerechtigkeit und kulturelle Entwicklung gesteigert. Gerade in der Zeit der Globalisierung ein Teil der Geschichte der nur sehr selten behandelt und aktueller denn je wird.

Jeder sozialistische/kommunistische Staat hat doch versagt! Chavez lässt Gewerkschaftler verprüggeln, die SED erklärt ihr eigenes Volk zum Feind und mit China und Konsorten fang ich garnicht erst an! Ob mir mein Chef sagt wos langeht und mich ausnutzt oder ob das der Parteibonze tut, geht mir am Arsch vorbei.

(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d3/Anarchist_flag.svg/450px-Anarchist_flag.svg.png)
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: LibertärerCommie am 11:49:32 Do. 25.Juni 2009
richtisch!!!
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Nestor am 20:16:49 Do. 25.Juni 2009
Colonel:
Zitat
les' doch vielleicht einfach mal eher die originalen texte von marx anstatt irgendwelche hochbrisanten fakten aus fau-broschürchen o.ä. zu präsentieren.

Na, da gibt es auch diesen Text, wo Marx doch schon verdammt gut wegkommt.
http://www.anarchismus.at/txt4/guerin.htm

Zitat
wenn der Kommunismus im Sinne von Marx eine STAATEN- und klassenlose Weltgesellschaft ist?

Engels: "Lehre von den Bedingungen der Befreiung des Proletariats" (Grundsätze des Kommunismus)
Schade dass er das "staatenlose Gesellschaft" vergessen hat.

Zitat
wie 95% aller anarchisten, die sowieso meistens nur verwirrte linksliberale (die theoretischen wurzeln des anarchismus liegen im liberalismus) sind,
He? Was bitte hast du gegen den Liberalismus?

Zitat
meine güte, jetzt kommen die alten anekdoten der beleidigten.... marx war weder vertreter eines föderalismus noch dessen, was die anarchisten irgendwie mit "zentralismus" verbinden.

"Die Franzosen brauchen Prügel. Siegen die Preußen, so die Zentralisation der state power, nützlich der Zentralisation der deutschen Arbeiterklasse. -Das deutsche Übergewicht wird ferner den Schwerpunkt der westeuropäischen Arbeiterbewegung von Frankreich nach Deutschland verlegen, und man hat bloß die Bewegung von 1866 bis jetzt in beiden Ländern zu vergleichen, um zu sehen, daß die deutsche Arbeiterklasse theoretisch und organisatorisch der französischen überlegen ist. Ihr Übergewicht auf dem Welttheater über die französische wäre zugleich das Übergewicht unserer Theorie über die Proudhons etc."
(Marx an Engels, 1870)
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Nestor am 14:44:07 Fr. 26.Juni 2009
Colonel:
Zitat
dann zitiere mal marx bzw. "weise nach", wie aus seiner theorie der historische und tlw. noch existierende staatssozialismus, der in wirklichkeit einfach nur ein staatskapitalismus war/ist, hervorgegangen sein soll.

Was interessant wäre, ist die Frage, ob du mit irgendeinem Zitat mal nachweisen könntest, dass bei Marx eine staatssozialische Vorstufe (wie bei Lenin) ausgeschlossen ist.

Das hier:
Zitat
"Sie [die Proletarier] befinden sich daher auch im direkten Gegensatz zu der Form, in der die Individuen der Gesellschaft sich bisher einen Gesamtausdruck gaben, zum Staat, und müssen den Staat stürzen, um ihre Persönlichkeit durchzusetzen." [Marx, Die deutsche Ideologie]
reicht nicht aus. Einen Staat stürzen bedeutet nicht auch, dass es nachher keinen mehr geben soll - Lenin hätte das auch so zitieren können.

- Es gibt da nämlich nen Bären, der sich auch gut mit Marx auskennt. Er behauptet dies sei nicht möglich!
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: ProgressiveProletarian am 13:36:52 Mo. 13.Juli 2009
 Parecon und Anarchosyndikalismus
Ein Interview mit Michael Albert

http://zmag.de/artikel/parecon-und-anarchosyndikalismus (http://zmag.de/artikel/parecon-und-anarchosyndikalismus)

Das Interview wurde ursprünglich in der Direkten Aktion Ausgabe 188 / Juli & August 2008 veröffentlicht.
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: AlleMachtdenRäten am 11:36:08 So. 27.Dezember 2009
Hi,

hier verfällt man wieder weit in die Geschichte zurück. Aber ist nicht gerade Anarchie der immer neue ANtrieb, mit neuen Ideen und neuen Enthusiasmus etwss verändern zu wollen. Und zwar nicht etwas kaputt zu machen ohne eine für slle bessere Lösung zu haben.
Und bei dem Wort "ALLE" beginnen die Probleme. Kann ich jemanden Güter und Eigentum absprechen, widerspricht nicht das dem anarchistischen Grundsatz? "Freiheit" die mit Waffen erkämpft wurde, bedeutete meist viel schlimmere Unterjochung.
Da Anarchie auch keine politische Richtung ist , sondern ein Way of life ist wird es wohl immer Utopie bleiben., oder vielleicht auch nicht. Es wird aber mindestens ein Prozess über etliche Generationen sein.

Insofern würde ich momentan die Basisdemokratie bevorzugen.

Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Strombolli am 14:23:40 So. 27.Dezember 2009
Im Grunde müsste ich dann sagen, dass ich ein Anarchist bin.

- die Herrschaft  von Menschen über Menschen und jede Art von Hierarchie  als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ablehnt - trifft voll zu
Freiheit - nehme ich mir, in den Grenzen die mir Geld und Gesellschaft setzt
Selbstbestimmung- nehme ich mir, in den Grenzen die mir Geld und Gesellschaft setzt, mehr als andere
Gleichberechtigung - ist ein Grundprinzip meines Handelns
Selbstverwirklichung der Individuen - klar, jedoch nicht zu Lasten anderer
Kollektive Selbstverwaltung - das klappt noch nicht!

Wichtig in dem ganzen Zusammenhang scheint mir doch die bürgerliche Besetzung des Begriffes Anarchismus und die daraus resultierende Verwirrung bei einfachen Menschen.
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: AlleMachtdenRäten am 14:27:13 Mi. 30.Dezember 2009
@ Strombolli: Viele Menschen stellen bei genauerer Betrachtung der Anarchie fest das Sie anarchistisch denken.
Die Nomeklatur wurde im Laufe der Zeit geschickt manipuliert. Schliesslich sind nur Bombenleger, Steineschmeisser und vollkommen verdummte Menschen Anarchisten.
Geschickt wird eine völlig entfremdete Meinung geBILDet. 

Ich liebe Utopia, mir ist aber klar das Utopia Utopie ist.
Verzichten Reiche freiwilig auf Reichtum?
Politiker etc freiwillig auf Macht?
Wird jemand vom Chefsessel an die Basis gehen?

Und das ist der Knackpunkt. Wer Anarchie lebt wird niemals Gewalt ausüben, enteignen und diskreditieren.

Kommunisten und Sozialisten würden dies durchsetzen, sich die Filetstücke greifen und an Ungerechtigkeit nichts ändern. Der Staat übernimmt lediglich die Rolle des Unternehmers.

Basisdemokratie könnte ein guter Ansatz sein...
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Volkseigentum am 18:55:34 Mi. 30.Dezember 2009
Wer Anarchie lebt wird niemals....enteignen......

Ich meine mir ist schon klar, daß das Ideal der Anarchisten eben nicht vergesellschaftete Produktion ist, sondern die Verteilung von Mitteln zum Leben und zur Arbeit auf Privatproduzenten..................

Trotzdem, deutlicher hättest du es nicht schreiben können..................
Reg.

Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: schwarzrot am 19:43:40 Mi. 30.Dezember 2009
Zitat
AlleMachtdenRäten:
Wer Anarchie lebt wird niemals Gewalt ausüben, enteignen.
Beschäftige dich bitte mal mit der spanischen geschichte, companer@:
Auch anarchisten kommen manchmal nicht herum, diese dinge zu tun, wenn keine andere möglichkeit bleibt.
Ansonsten endet das wieder wie in spanien, wo stalinisten und 'kommunisten', die keine skrupel haben solche mittel anzuwenden, den faschisten in die hände spielen.

@Volkseigentum: Danke, klarer hättest du nicht schreiben können, dass es dir in wirklichkeit darum geht, zu enteigenen und gewalt auszuüben?  ;D
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Strombolli am 21:00:39 Mi. 30.Dezember 2009
Ach, ich finde, da kommt schon wieder die Angst durch, das das kleine bischen Eigentum des kleinen Bürgers weggenommen wird. - Also Skrupel Banken und grössere Unternehmer, Manager usw.zu enteignen, hätte ich nicht.
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: BakuRock am 02:08:44 Do. 31.Dezember 2009
Wer Anarchie lebt wird niemals....enteignen......
Ich meine mir ist schon klar, daß das Ideal der Anarchisten eben nicht vergesellschaftete Produktion ist, sondern die Verteilung von Mitteln zum Leben und zur Arbeit auf Privatproduzenten.................

Der Spruch von "AlleMachtdenRäten" scheint so verkuerzt, dass er einen Hintergrund vermissen laesst.

Um An_Archie ueberhaupt mal leben zu koennen, muss das private Eigentum an Produktionsmitteln vergesellschaftet werden! Ohne Chancen auf die Macht, Mittel zu- oder verteilen zu koennen (Also nix mit Gruppenbildung zum Zweck die Verteilung zu organisieren, ohne die Beteiligten zu fragen).

Was jedermensch privat fuer sich selbst produziert ist dabei voellig "Wurscht".

Es sollte nur jedermensch klar sein, dass es ohne das ihm gegoennte vergesellschaftliche Umfeld gar nicht moeglich waere, fuer sich selbst eine "Wurscht" zu produzieren. Diese Erkenntnis sollte zu einer Gesellschaft fuehren, die sich ihrer gemeinsamen Abhaengigkeiten bewusst ist.
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Irrlichtprojektor am 02:23:25 Do. 31.Dezember 2009
Utopisch ist, so weiter zu machen wie bisher: Beispiel

Story of Stuff (http://www.youtube.com/watch?v=aobXsa8McEk#)


These:
"Die anarchistische Gesellschaftsform ist eine an der Natur orientierte, dynamisch, stabilisierte "Choas"-Ordnung."

Hilfsmittel zur Veranschaulichung:
Die natürliche Ordnung des Universums (http://www.dailymotion.com/video/x6s3h4_andreas-beutel-die-naturliche-ordnu_tech)

Hans-Peter Dürr über die ganzheitliche Physik (http://video.google.de/videoplay?docid=-4602456443586689165&hl=de#)
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: BakuRock am 02:08:16 Fr. 05.Februar 2010
Utopisch ist, so weiter zu machen wie bisher: ................

Das waere nicht utopisch, sonder besteht als reale Gefahr. Die "Atomisierung" der Gesellschaften fuehrt zu dem truegerischen Schluss, ein Mensch koenne ohne den anderen lebensfaehig sein. Falsch!

Selbst der (vermeintlich) unabhaengige Reiche braucht einen anderen Menschen den er "ausnehmen" kann, um eben reich zu werden. Ohne diesen koennte er niemals "reich" werden. Er braucht also eine andere, auf deren Kosten er sich bereichern kann.

Utopie ist: Die Macht in den Koepfen zu "entmachten", die sowas zulaesst - mit guten Argumenten.

Schafft das Geld ab, und alle hortbaren "Wertigkeiten". Ersetzt diese durch echte Wertigkeiten!

Dann ist die Utopie Gegenwart!
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Kuddel am 19:33:26 Di. 09.Februar 2010
Die CDU ist am Arsch, by P. Schönleben (http://www.youtube.com/watch?v=oSuGPdIBeOw&feature=related#)
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Strombolli am 19:42:43 Di. 09.Februar 2010
Das ist ein Lied, erschaffen in einer Stimmung ähnlich der, wie sie Wolf Biermann damals bestimmt hatte. Aber von dem kommen solche Lieder ja nicht mehr. Er ist ja mittlerweile mit Auszeichnung "assimiliert".

Bravo, Mr. Schönleben!

Bloß die "paar Wochen" halte ich für reichlich überoptimistisch.
Titel: Re:Anarchismus
Beitrag von: Kuddel am 17:16:25 Mo. 12.Juni 2017
Rudi hatte letzt im Glotze Thread zwei Videos verlinkt, die nicht mehr erreichbar sind.
Ich habe sie unter einer anderen Adresse wieder gefunden:

! No longer available (http://www.youtube.com/redirect?q=https%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DdbispoiH3h4&redir_token=wTSyBJqkkxjxDANBTgnboxCwh958MTQ5NzM2NTg0NEAxNDk3Mjc5NDQ0#)

! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=wvLRV2NTJW0#)

Ein informativer Artikel ist auch bei Telepolis erschienen:
Zitat
Immer noch kein Gott, kein Staat, kein Kapital

(https://www.heise.de/scale/geometry/769/q75/tp/imgs/89/2/2/1/9/0/0/9/anarchisten-4f83ccccb94eb8c5.jpeg)
Screenshot IRPGF-Anarchisten in Rojava, https://www.youtube.com/watch?v=boEHCIugp9k (https://www.youtube.com/watch?v=boEHCIugp9k)

Die große Schnauze der Revolution: Wo und wie kämpfen gerade die Anarchisten?

Der Anarchismus hat eine altehrwürdige Geschichte, seine glorreichen Niederlagen sind der Basso ostinato der organisierten menschlichen Freiheitsliebe. Von Diogenes bis Durruti, von Zo d’Axa bis zu den Zapatisten hat es viele Spielarten der Bewegung gegeben. Auch aktuelle Kombattanten in Rojava und Griechenland bedienen sich der bekannten Argumente und Aktionsformen.

Erst das Geräusch einer Spraydose, die geschüttelt wird. Dann sieht man den Mann, der sie in der Hand hält, auf eine Mauer zugehen und ein A im Kreis an die Wand sprühen.

Nichts, was Punkvideos oder YouTube-Beiträgen aus der Anarcho-Szene nicht schon hundert Mal gezeigt hätten. Irritierend allerdings: Der vermummte Sprayer hat eine Kalaschnikow umgeschnallt. Schnitt. Zwei maskierte Männer an einem Tisch, umgeben von noch mehr Männern mit verschiedenen Waffen (Maschinengewehren, RPGs, etc.) und von diverser Revolutionsdeko.

Der militärische Aspekt

Einer der Männer am Tisch liest auf Englisch eine Erklärung vor, der die Entstehung einer bewaffneten anarchistischen Formation im Kampf um das Rojava-Projekt verkündet. In die Rede hat man kurze Clips von angeblichen Kämpfern hineingeschnitten, die mit ihrem Kriegsgerät hantieren. Zum Schluss explodiert irgendwas vor irgendeiner Mauer, an der wiederum Flaggen hängen. Willkommen bei den International Revolutionary People's Guerrilla Forces (IRPGF).

Um den Eindruck zu zerstreuen, hier seien die Enkel der Monty Python-Komiker am Werk gewesen - das Veröffentlichungsdatum des Videos lag nahe am 1. April - hat einer der Aktivisten dem linksradikalen Blog "Insurrection News" Anfang Mai ein langes Interview gegeben.

Einige Punkte werden darin abgehakt. Befreiung habe immer einen militärischen und einen sozialen Aspekt; die IRPGF seien nun mal Teil des militärischen. Der Kampf ist, wie es sich für Anarchisten gehört, international, und er dient auch der ganzen Menschheit. Bisher hätten anarchistische Standpunkte bei den ausländischen Unterstützern des Rojava-Projekts bitter gefehlt; man sei dabei, das zu ändern.

"Die Revolution ist kein Wunschkonzert"

Im Moment ist man noch Teil des International Freedom Battalion (IFB), das maßgeblich von kommunistisch inspirierten Gruppen geprägt wird; es gibt aber in dem "Battalion" mindestens eine weitere anarchistisch bestimmte Gruppe, nämlich die Revolutionary Union for Internationalist Solidarity (RUIS), hauptsächlich aus griechischen Mitgliedern bestehend. Was die Bündnispolitik angehe, sei eine Revolution nun mal kein Wunschkonzert; ideologische Reinheit könne man sich leisten, wenn man in Europa auf dem Sessel sitze und nur am Herumdebattieren interessiert sei. An der Front gehe es auch um Pragmatismus.

Ein ums andere Mal betont der Interviewte, wie ernst ihm und seinen Genossen die Sache ist. Sie seien keine der üblichen Kriegstouristen, von denen es leider derzeit in Syrien einige gebe; man müsse schon bereit sein, sein Leben zu riskieren, um als ernsthafter Revolutionär durchgehen zu können. Der Respekt für die Kurden, die Rojava maßgeblich aufbauen, bestimmen und verteidigen, sei der allergrößte. Zu den Fragen, wovon die IRPFG-Revolutionäre leben, wo ihre Waffen herkommen und wie viele es von ihnen überhaupt gibt, hört man nichts.

Sind das reine Politclowns mit einem Waffenfetisch? Man kann den Kopf schütteln über Leute, die anscheinend glauben, dass der spanische Bürgerkrieg 1939 nicht geendet hat. Aber dass das Rojava-Projekt bewaffnet verteidigt werden muss, ist für jeden offensichtlich, der es auch nur in Maßen für sinnvoll hält.

Westliche Unterstützung für Rojava sinnvoll

Die türkische Armee macht das immer wieder klar und die Albtraumgestalten von ISIS mögen derzeit massiv unter Druck stehen, aber besiegt sind sie noch nicht. Es ist keine drei Jahre her, da hätten sie beinahe Kobane erobert.

Wenn man sich anschaut, wie der Westen pausenlos und zu Recht die rückständigen Verhältnisse "im arabischen Raum" beklagt, kann man schon auf den Gedanken kommen, dass die westliche Unterstützung für Rojava sinnvoll war und ist. Außer Israel und Rojava gibt es da in der Gegend nicht viel, was unterstützt werden sollte

Dass die Präsenz einer dezidiert anarchistischen Kraft in einem revolutionären Projekt Sinn macht, das überraschenderweise die Ideen von Murray Bookchin verwirklichen will ist nicht von der Hand zu weisen; man müsste sich bei den ganzen "libertären" Bekenntnissen sogar umgekehrt fragen, warum das International Freedom Battalion immer noch so massiv kommunistisch dominiert ist.

Und neben all dem fragwürdigen Gerede gibt es in dem Interview auch ziemlich trockene und korrekte Analysen, so zum Beispiel zu Donald Trumps Tomahawk-Getue in Syrien.

Unauflösbare Widersprüche

Dennoch sind die Prognosen schlecht. Wenn diese Leute ihre Revolution überleben, dann werden sie nie loswerden, was sie erlitten und anderen angetan haben. Für die Toten gibt es entweder schöne Reden oder Massengräber, wenn die stalinistischen oder die westlichen Verbündeten eines Tages beschließen sollten, dass es jetzt aber mal gut ist mit dem Freiheitsgelaber.

Wie das halt bei revolutionären Soldaten so ist. Mut haben sie? Sicher. Aber auch barbarische Schlächter können mutig sein. Man kann auch zu einem unsinnigen Kampf hinrennen, weil man das Leben langweilig findet oder fürchtet, und das kann auch wie Schneid aussehen.

Viele deutsche Künstler haben das im Ersten Weltkrieg so gemacht, und bei vielen Jihadis hat man heute den gleichen Eindruck. Soll das schöne Leben, für das die Anarchisten immer kämpfen, im immerwährenden Krieg stattfinden? Da kann man noch so sehr betonen, dass es bei dem Kampf nicht primär um das Opfer als Selbstzweck geht - es bleibt ein unauflösbarer Widerspruch.

Anarchistische Gruppen in Griechenland

Anderswo macht die Anarchie auch von sich reden. Die Ausplünderung Griechenlands durch die EU und die griechische Oberschicht hat mittlerweile einen Grad erreicht, dass zum Beispiel in Athen an manchen Orten ein Macht- und Verwaltungsvakuum entstanden sind. Mit den großen Augen der Liberalen berichtet die griechische Journalistin Niki Kitsantonis für die New York Times, dass dieses Macht- und Verwaltungsvakuum teilweise von anarchistischen Gruppen gefüllt wird.

Die Unterbringung von Flüchtlingen, die Aufrechterhaltung zivilgesellschaftlicher Strukturen, die Abwehr von Drogenhandel und Minderjährigenprostitution in den Parks des Stadt, Kulturarbeit: Staatsfeinde haben teilweise die Aufgaben übernommen, die der griechische Staat nicht mehr übernehmen kann oder will.

Das ist nun nicht so furchtbar überraschend, wenn man sich die Rolle anschaut, die linke Solidaritäts-Kooperativen in Griechenland seit Ausbruch der verschärften Krise gespielt haben. 2015 gab es davon 3391, wie der Autor George Kokkinidis jüngst berichtet hat und sie organisieren eine Vielzahl an Unternehmen, von kleinen Café-Kollektiven bis zu stattlichen Fabriken - was stark an die argentinische Krise 2001/2002 erinnert.

Diese Kooperativen bestehen ganz gewiss nicht ausschließlich aus Anarchistinnen und Anarchisten, aber die Idee der Selbstverwaltung, ein zentraler Bestandteil der anarchistischen Überzeugungen, ist für sie leitend.

Die Verwunderung in Niki Kitsantonis’ Artikel darüber, dass Anarchisten nicht den ganzen Tag mit Molotow-Cocktails herumrennen, die Scheiben von Banken einschlagen oder in Rojava mit Kalaschnikows herumballern, ist ermüdend. Aber es gibt implizite Kritik in Kitsantonis’ Zustandsbeschreibung, die valide ist.

Die politische Ökonomie?


Die jahrhundertealte Schere zwischen dem anarchistischen Idealismus und der anarchistischen Schwäche in Fragen der politischen Ökonomie ist auch hier wieder evident. Selbstverwaltungsideen sind schöne Konzepte; wie aber eine selbstverwaltete Fabrik bestehen soll, wenn der globalisierte Kapitalismus weiterbesteht, ist ein ungelöstes Rätsel.

Der Hühnerstall auf dem Dach eines besetzten Hochhauses in Athen ersetzt keine moderne Landwirtschaft. Die klassischen anarchistischen Lebenslügen sind anscheinend so verführerisch wie eh und je. Die unbelegte Behauptung, anarchistische Organisation müsse und könne prinzipiell von den traditionellen Vorstellungen geordneten menschlichen Zusammenlebens unterschieden sein, und dafür gebe es auch historische wie aktuelle Beispiele, bestimmt anscheinend immer noch das Denken.

Dass politische Organisationen mit mehreren Tausend Mitgliedern Parteien sind, wenn sie ständige Institutionen unterhalten, Kongresse veranstalten, Vertretungsmechanismen und Mandate kennen, oder sogar, wie in der spanischen Revolution, Minister in einer linken Regierung stellten, kann man zwar leugnen, aber es wirkt dann weniger und weniger glaubwürdig.

Dass man eine Gewerkschaft aus "Syndikaten" zusammensetzt und die Fahnen schwarzrot statt nur rot färbt, ändert trotz der historischen und aktuellen Leistungen des Anarchosyndikalismus nichts an der Tatsache, dass man immer noch eine Gewerkschaft mit all ihren Stärken und Schwächen vor Augen hat.

Die zwei aktuellen Beispiele Rojava und Griechenland zeigen: Anarchistische Ideen entfalten nach wie vor Strahlkraft. Sie bringen aber auch historisches Gepäck mit: Militanzfetischisierung, Selbstüberschätzung, politische und ökonomische Naivität, die Gefahren eines Idealismus, der sich so hoch erhebt, dass er früher als später auf die Schnauze fliegen muss - um nur einige zu nennen.

Der Anarchismus lebt, seine Fehler auch. Allein das macht ihn im Jahr 2017 zu einer Sache, über die nachzudenken sich lohnt.
https://www.heise.de/tp/features/Immer-noch-kein-Gott-kein-Staat-kein-Kapital-3740299.html (https://www.heise.de/tp/features/Immer-noch-kein-Gott-kein-Staat-kein-Kapital-3740299.html)
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Kuddel am 10:00:20 So. 20.September 2020
Zitat
Die Querfront der „anarchistischen“ Szene
Den Strich ziehen – „Nationalanarchismus“

Bei Telegram gibt es seit 6.8.2018 einen Kanal zum sogenannten „National Anarchist Network“.

https://www.untergrund-blättle.ch/politik/theorie/nationalanarchismus-querfront-esoterik-5999.html

Man kriegt einfach nur das Kotzen!

Etwas zum Thema an anderer Stelle im Forum:
http://forum.chefduzen.de/index.php?topic=27487.0
Titel: Re: Anarchismus
Beitrag von: Kuddel am 10:49:09 So. 18.Oktober 2020
(https://abload.de/img/rotten6xjzx.jpg) (https://abload.de/image.php?img=rotten6xjzx.jpg)

https://plus.tagesspiegel.de/the-kids-are-alt-right-warum-die-neuen-rechten-sich-als-punker-verstehen-56546.html (Paywall)