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Ämterstress - Fragen, Antworten und Erfahrungen => Infos + Urteile für Erwerbslose + Arbeitende => Arbeitsrecht => Thema gestartet von: Kater am 11:50:49 Fr. 31.Juli 2009

Titel: Kündigung wegen Handyaufladens
Beitrag von: Kater am 11:50:49 Fr. 31.Juli 2009
Zitat
Kündigung wegen Handyaufladens

Einem Arbeiter aus Oberhausen wurde fristlos gekündigt, weil er sein Handy in der Firma aufgeladen hat. Den Schaden, den er damit seinem Arbeitgeber zugefügte, betrug laut Gutachter 0,014 Cent. Nun geht der Fall vor Gericht.


http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2009/07/30/aktuelle-stunde-kuendigung.xml (http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2009/07/30/aktuelle-stunde-kuendigung.xml)
Titel: Re:Kündigung wegen Handyaufladens
Beitrag von: unkraut am 19:49:12 Fr. 31.Juli 2009
Ich dachte die Sache mit dem Rinderwahn wäre ausgestanden ?
Titel: Re:Kündigung wegen Handyaufladens
Beitrag von: Aloysius am 21:37:46 Fr. 31.Juli 2009
Ich hatte da auf irgendeiner Nachrichtenseite mal so einen Artikel gelesen nach dem Urteil der Emily und ihrem Pfandbon.

Da führte ein Fachanwalt für Arbeitsrecht aus, daß das geltende Recht halt vollkommen unabhängig von der Höhe des Diebstahls (Und das ist es ja) so etwas ein Grund für eine fristlose Kündigung sein kann.

Da kann man nur jedem raten, nicht mal nn beschissenen Kuli von der Arbeit in der Jacke zu vergessen...
Titel: Re:Kündigung wegen Handyaufladens
Beitrag von: Workless am 22:37:53 Fr. 31.Juli 2009
Zitat
Den Schaden, den er damit seinem Arbeitgeber zugefügte, betrug laut Gutachter 0,014 Cent.
Ebend...
Auf die Höhe des Schadens kommt es nicht an. Er hätte ja vor dem Aufladen fragen können, ob er das überhaupt darf.

Besser kann man einem Arbeitgeber keine Steilvorlage geben, wenn der evtl. unliebsame Mitarbeiter los werden will.
Titel: Re:Kündigung wegen Handyaufladens
Beitrag von: Wilddieb Stuelpner am 09:57:51 Sa. 01.August 2009
Zitat
Den Schaden, den er damit seinem Arbeitgeber zugefügte, betrug laut Gutachter 0,014 Cent.
Ebend...
Auf die Höhe des Schadens kommt es nicht an. Er hätte ja vor dem Aufladen fragen können, ob er das überhaupt darf.

Besser kann man einem Arbeitgeber keine Steilvorlage geben, wenn der evtl. unliebsame Mitarbeiter los werden will.

Es kommt drauf an, wer, in welcher Höhe gegen wen gerichtet, den Schaden anrichtet.  Bescheißen ist im Kapitalismus erklärtes Staats- und Geschäftsprinzip.

Organisiertes wirtschaftskriminelles Verhalten von Politikern, Beamten, Unternehmern, Bankern, "Beratern" in Milliardenhöhe gegen die eigenen Lieferanten, Betriebsbelegschaften und Kundschaft bleibt straffrei, nach dem Motto: "Eine Krähe hakt der anderen keine Auge aus!" in der vollen Gewißheit, daß die geschädigte Gegenseite nicht die finanzielle Schlagkraft hat, langanhaltende Rechtsverfahren durchzustehen.

Im umgekehrten Fall:

Wenn mal ein kleiner, popliger Mitarbeiter fahrlässig einen Minischaden verursachte, dann wird das von eben diesen Leuten als Staatsverbrechen aufgebauscht und endet mit fristlosen Kündigungen, Schadenersatzverfahren und anderen Aufwand.

Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?" - aus der Rolle des Mackie Messer, Die Dreigroschenoper (Druckfassung 1931), III, 9 (Mac). In: Ausgewählte Werke in sechs Bänden. Erster Band: Stücke 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1997. S. 267

Zitat
ZDF, Maybrit Illner: Kapitalismus gegen Sozialismus? (http://www.zdf.de/ZDFforum/ZDFde/inhalt/16/0,1872,7161328,00/F6388/msg1847859.php)

Dazu im Diskussionsblog eine passende Lesermeinung:

Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?
von: Westerle Merkwelle
Erstellt am: 30.10.08, 19:11 1056 mal gelesen

Dieses Zitat aus der Dreigroschenoper erweist sich heutzutage wieder einmal als sehr weise.

Wenn Sie oder ich in eine Bank gehen - und einen noch so kleinen Geldbetrag stehlen würden, kämen wir für Jahre ins Gefängnis.

Aber die "Leistungsträger" an der Spitze der Banken mit ihren Supergehältern durften nach ersten Schätzungen Trillionen verzocken.

Zahlmeister sind wir alle durch verlorene Spareinlagen, steigende Arbeitslosigkeit und bankrotte Staatshaushalte, die ihre eigentlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen können.

Ist eben wesenseigen für diese Gesellschaftsordnung - die Waffenungleichheit - seine Interessen durchsetzen zu können.

Ursache:

Privateigentum an Produktionsmitteln ist die Quelle für Machtmißbrauch, Ausbeutung und Unterdrückung. Die Menschen werden schon so in prekären Lebensverhältnissen wie Hühner in der Käfighaltung genötigt, daß sie sich im Kleinen so gaunerhaft verhalten wie ihre großen Vorbilder. Wenn man die Menschen  leistungsgerecht in voller Anerkennung ihrer erbrachten Arbeitsleistungen bezahlen würde, wären diese Bagatellschäden auch nicht nötig.

Aber bitte - man stelle mal die ständig wiederholten Verbrechen der Machthaber den fahrlässig verursachten, kleinen Unregelmäßigkeiten gegenüber und betrachte das Ganze immer im Rahmen der herrschenden Gesellschaftsverhältnisse.

Und wenn die Machthaber gegenüber dem Volk moralisierend im Stil des Mafia-Berlusconi  auftreten, dann sollte man Ihnen Bertold Brecht vor die Nase halten:

"'Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!" hat Bertold Brecht einst effektvoll einer Bourgeoisie entgegengeschleudert, die vom hohen Ross materieller Wohlsituiertheit den niederen Schichten Moral predigen wollte"

Der Satz stammt aus der "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht (1928). In der "Ballade über die Frage: Wovon lebt der Mensch?" heißt es:

Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muß es möglich sein, auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden

(Erstdruck 1928. Mit einem Kommentar hrsg. von Joachim Lucchesi. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2004. S. 67. ISBN 3-518-18848-8)
Titel: Re:Kündigung wegen Handyaufladens
Beitrag von: Abraxas am 10:40:52 Sa. 01.August 2009
wem gehört was? wer hat durch seine arbeit ermöglicht daß der dreckskapitalist seinen strom bezahlen kann?
die eigentumsfrage muss immer wieder gestellt werden. in dem laden in dem ich meine arbeitskraft verkaufe werden täglich die besten fressalien weggeschmissen. die küchenfrauen zum teil aus ländern in denen noch hunger herrrcht dürfen kein brötchen mitnehmen ohne es zu bezahlen. und wenn sie es bezahlen dan müssen sie den doppelten preis zahlen weil wir in der commerzbank als kantineenpersonal  ja externe angestellte sind.