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Industrie & Handwerk & Agrar => Leiharbeit, bzw. moderner Sklavenhandel => Thema gestartet von: butterfly25 am 12:28:40 Sa. 18.Februar 2012

Titel: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: butterfly25 am 12:28:40 Sa. 18.Februar 2012
Falls ihr diese Broschüre der Arbeitsagentur noch nicht gesehen habt, hier der Link:


http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berichte-Broschueren/Arbeitsmarkt/Generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2011.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berichte-Broschueren/Arbeitsmarkt/Generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2011.pdf)

VG
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rudolf Rocker am 14:31:07 Sa. 18.Februar 2012
Zitat
• Die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten.

Zitat
Die erzielten mittleren Bruttoarbeitsentgelte in der Zeitarbeit liegen unter den mittleren Entgelten im Durchschnitt über alle Branchen.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: LordKante am 16:24:52 Sa. 18.Februar 2012
Zitat
Die erzielten Bruttoarbeitsentgelte18 in der Zeitarbeit sind unterdurchschnittlich. Sozialver-sicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) erhielten im Jahr 2010 im Mit-tel (Median19) ein monatliches Bruttoarbeitsentgelt von 2.702€.20 Der mittlere Verdienst in der Zeitarbeit war mit 1.419€ nur gut halb so hoch. Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass sich die Qualifikationsstruktur und die Tätigkeitsschwerpunkte in der Arbeitneh-merüberlassung von denen in der Beschäfti-gung insgesamt merklich unterscheiden. So sind in der Zeitarbeit anteilig mehr Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung beschäftigt und der Anteil derer, die der Kategorie der Hilfsarbeiter zugeordnet sind, ist deutlich höher.

Selbst mit abgeschlossener Berufsausbildung und gutem Abschluß bekommt man da nicht mehr Geld  >:(
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 16:32:07 Sa. 18.Februar 2012
Man wird bezahlt nach dem,als was man angestellt wurde seitens der Menschenhändler. In  der Regel versuchen sie natürlich die Leute im Helferbereich reinzudrücken,auch wenn diese "Helfer" später die Arbeit einer Fachkraft leisten!
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Nick N. am 21:59:46 Sa. 18.Februar 2012
Ausserdem werden ja sicherlich die Arbeitsplätze für geringer Qualifizierte als allererste in ZA ausgelagert, weil gering Qualifizierte sich das noch am ehesten gefallen lassen müssen.
Hat man die Methode dadurch etabliert, folgen die besser Qualifizierten.
[Sarkasmus]
Da scheint also noch Luft zu sein, das Land noch weiter Richtung Bananenrepublik zu entwickeln.
[/Sarkasmus]
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Tiefrot am 02:40:08 So. 19.Februar 2012
[Staunmodus ein]
Zitat
Ausserdem werden ja sicherlich die Arbeitsplätze für geringer Qualifizierte als allererste in ZA ausgelagert, weil gering Qualifizierte sich das noch am ehesten gefallen lassen müssen.
Müssen ? Wer muß denn ?
Zum Donner noch mal, man arbeitet, um davon leben zu können.
[Staunmodus aus]

Und wenn den Sklavenhändlern das keiner vermittelt,
brauchen wir uns über einen solch verleyerten Arbeitsmarkt gar nicht wundern.
Euch brauch ich es nicht zu sagen, aber laßt euch nicht die Freiheit nehmen,
euern Lohn auskömmlich auszuhandeln.
Und wenn die nicht wollen, müssen die sich eben einen anderen Dummen suchen.
Nicht ihr seid die Handelsware, sondern euer Wissen und euer Können.
Und das hat nun mal seinen Wert, da nehme ich auch Ungelernte nicht aus.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Nick N. am 13:43:35 So. 19.Februar 2012
"... weil man gering Qualifizierten (und deren in dem Fall nicht unterstützendem Umfeld) noch am ehesten einreden kann, dass sie sich das gefallen lassen müssen."
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Tiefrot am 15:43:39 So. 19.Februar 2012
Dann sollten wir grade diesen Leuten klar machen, daß dem nicht so ist.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: inline am 20:00:53 So. 19.Februar 2012
Ich kenne das so , die Jobs werden total zerstückelt,

z. B. Ein Bürojob in:  Callcenter-Agent, Datenerfasser (gibt nur stur Daten ein) vielleicht gibts noch Aktensortierer usw.
Einseitige jobs sind dann ja angeblich einfach und die Arbeitgeber zahlen weniger obwohl der Arbeiter ja vielseitig arbeiten könnte.

Früher  hat eine Bürokraft alle diese Tätigkeiten gemacht und galt als qualifiziert bzw. war Fachkraft.

Heute werden die Jobs ja häufig zersplitter und dann  zum großen Teil outgesourct an verschiedene Firmen die sich drum (zer)reißen dürfen. Diese Subfirmen holen sich zum Teil die Leute von den untersschiedlichen ZAFs. Das ist für die sozusagen ein sicherer Pool von Arbeitern, die zu verfügung stehen oder auch stehen müssen bzw. es sollten. Wenn das nicht so klappt, dann sagen die den Jobcentern, macht mal mehr druck... geht wohl mehr über die politische Ebene.

Die Subfirmen und ZAFs bieten die gleichen Jobs, (die Jobs sind ja bei unterschiedlichen ZAFs und Subfirmen gemeldet) den gleichen Arbeitssuchenden an. Das macht natürlich die Preise und das Lohnniveau kaptutt. In den Zeitungen steht, dass es so viele Jobs (welche ja von x Firmen angboten werden) gibt. Die Zeitungsleser, Nachrichtenhörer,  können sich  dann überhaupt nicht erklären, dass es noch Arbeitslose gibt.

Ein Außenstehender, der damit nicht konfrontiert ist, kann den Kreislauf eigentlich auch nicht wirklich verstehen.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Troll am 12:38:08 Fr. 24.Februar 2012
Zitat
Gericht gibt grünes Licht für Leiharbeit

Von Ernst Wolff 24. Februar 2012

Im Leipziger Werk des Autoherstellers BMW hat sich die Zahl der Leiharbeiter in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Derzeit arbeiten dort neben 2.800 Stammbeschäftigten mehr als 1.100 Leiharbeiter. Ihr Lohn liegt im Schnitt um tausend Euro pro Monat unter dem der regulär beschäftigten Kollegen.

Auf Druck der Belegschaft hat der Betriebsrat vor einiger Zeit vor dem Arbeitsgericht Leipzig gegen die Einstellung weiterer 33 Leiharbeiter geklagt. Das BMW-Management hat diese Klage zum Anlass genommen, den Spieß umzudrehen. Die Anwälte des Unternehmens erwirkten bei den verschiedenen Kammern des Gerichts insgesamt neun Verfahren, um den Sachverhalt für sämtliche Beschäftigtengruppen separat zu klären und so eine generelle Grundsatzentscheidung über die Leiharbeit herbeizuführen.

Im vielbeachteten ersten Verfahren entschied nun das Gericht in der vergangenen Woche zugunsten der BMW-Geschäftsführung. In der Urteilsbegründung heißt es, die Stammbelegschaft werde nicht benachteiligt, da nicht zu erwarten sei, dass sich eins ihrer Mitglieder auf eine der ausgeschriebenen Zeitarbeitsstellen bewerben werde. Diese Aussage besticht nicht nur durch ihren höhnischen Unterton, sie muss auf andere Unternehmen fast wie eine Aufforderung wirken, noch mehr Leiharbeiter einzustellen.
....

Quelle und vollständiger Artikel: wsws.org (http://www.wsws.org/de/2012/feb2012/leih-f24.shtml)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Auferstanden am 14:38:52 Sa. 03.März 2012
Fazit: nur wenn eine korrupte Politik über die Legislative -und Judikative
auch die beauftragten Büttel und Scherken instrumentalisieren kann, schön scheindemokratisch als Exekutive getarnt,
zeigen sich solche Auswüchse der pervertierten Arbeits- und Sozialpolitik der heutigen BRD
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Sachse am 23:10:46 So. 11.März 2012
Hey,


unter der Nummer 10000-1082584712-S  sucht eine Firma Elektriker. Bezahlung ist der AMP Tarif aber ich dachte dieser ist seit dem ende der Christen Gewerkschaft geschichte  ???
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Mumpitz am 19:52:17 Mo. 12.März 2012
Zitat
Bezahlung ist der AMP Tarif aber ich dachte dieser ist seit dem ende der Christen Gewerkschaft geschichte 

Bitte umfassend informieren. Es gibt bereits seit Anfang 2010 einen neuen AMP-TV, diesmal in mehrgliedriger Form nach Vorbild der DGB-Leiharbeitstarifverträge. Mindestens ein Arbeitsgericht hat zwar auch diesen neuen MTV als nichtig angesehen, ich weiss aber nicht, ob es bereits eine LAG-Entscheidung dazu gibt. Die Arbeitsrichter unseres örtlichen Arbeitsgerichtes haben mit diesem AMP-MTV zum Beispiel kein Problem.

Ausserdem ist nicht die Christen Gewerkschaft, sonder die CGZP als Nicht-Tariffähig beurteilt worden. Es gibt aber noch wesentlich mehr Pseudo-Christen-Gewerkschaften. Beispielsweise die CGM und die hat sich vor einigen Jahren gegen die IG Metall vor Gericht behaupten können.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 14:53:22 Mo. 28.Januar 2013
Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Januar 2013
Zitat
2007: 13.600 Leihfirmen
2012: 18.500 Leihfirmen
...
Verhältnis VZ/TZ
2007: 95%/5%
2012: 88%/12%
...
Die erzielten Bruttoarbeitsentgelte in der Zeitarbeit sind unterdurchschnittlich.
Unterm Strich keine Überraschungen.
http://statistik.arbeitsagentur.de/cae/servlet/contentblob/244170/publicationFile/119019/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2010.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/cae/servlet/contentblob/244170/publicationFile/119019/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2010.pdf)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 19:38:26 Di. 30.Juli 2013
Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Juli 2013
Zitat
• Die Arbeitnehmerüberlassung ist von hoher Dynamik geprägt: Im zweiten Halbjahr 2012 wurden 481.000 Zeitarbeitsverhältnisse neu abgeschlossen und 658.000 Beschäftigungsverhältnisse beendet.
• Knapp die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten.
[...]
2012 betrug die durchschnittliche geschätzte Dauer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitnehmerüberlassung 10,3 Monate. Im Durchschnitt über alle anderen Branchen war die Dauer mit 50,6 Monaten rund fünfmal so lang.
[...]
Auch das Risiko, aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung heraus arbeitslos zu werden ist in der Arbeitnehmerüberlassung überdurchschnittlich hoch (siehe Abbildung 12). Dieses Risiko lag in der Zeitarbeit von Juni 2012 bis Mai 2013 bei durchschnittlich 4,13 Prozent. Es war damit mehr als fünfmal so hoch wie im Schnitt der restlichen Branchen (0,75 Prozent).
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-2HJ2012.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-2HJ2012.pdf)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 21:04:51 Mo. 17.Februar 2014
Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Februar 2014

http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2013.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung-1HJ2013.pdf)


Das stimmt nach wie vor...
• Knapp die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse endet nach weniger als drei Monaten.
... und auch sonst hat sich nichts Nennenswertes geändert.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: verzweifelte am 18:44:32 Mi. 19.Februar 2014
Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklungen
Januar 2013
Zitat
2007: 13.600 Leihfirmen
2012: 18.500 Leihfirmen
...
Verhältnis VZ/TZ
2007: 95%/5%
2012: 88%/12%


Hallo Dagobert!
Vielen dank für die Statistik. Mir würde der Vergleich zu 2003 und davor interessieren. Gibt es dazu auch eine Statistik?
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dejavu am 00:26:07 Do. 20.Februar 2014
Klar gibts die.
Z.B. Beschäftigungsdauer:

Deutscher Bundestag Drucksache 14/4220
"Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Neunter Bericht der Bundesregierung über Erfahrungen bei der
Anwendung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes – AÜG –
sowie über die Auswirkungen des Gesetzes zur Bekämpfung der
illegalen Beschäftigung – BillBG "

Tabelle 4: 1996-1999

Deutscher Bundestag Drucksache 15/6008
"Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Zehnter Bericht der Bundesregierung über Erfahrungen bei der Anwendung
des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes – AÜG –"

Tabelle 8: 2000-2004
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dejavu am 15:41:38 Do. 20.Februar 2014
Ach übrigens: Der Zwölfte Bericht ist eigentlich überfällig. Er ist geheim und trägt den Untertitel:

Leihbranche macht die Drecksarbeit, Massenentlassungen in der Krise nach der kein Hahn kräht.
Über 200000 innerhalb eines halben Jahres entlassen! Wir sind gut durch die Krise gekommen!
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dejavu am 02:02:58 Fr. 21.Februar 2014
Ups, da hat der Druckfehlerteufel zugeschlagen, es hätte natürlich heißen müssen:
Leihbranche macht die Drecksarbeit, Massenentlassungen in der Krise nach denen kein Hahn kräht.
Über 200000 innerhalb eines halben Jahres entlassen! Wir sind gut durch die Krise gekommen!
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 23:53:11 Fr. 25.Juli 2014
Mal wieder ein bißchen "Statistikkram", wirkliche Überraschungen sind nicht dabei:
Zitat
Arbeitsmarktberichterstattung, Juli 2014
Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Zeitarbeit – Aktuelle Entwicklungen
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf (https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Arbeitsmarkt-Allgemein/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf)

Zitat
Zeitarbeit in Deutschland: Hohe Dynamik und kurze Beschäftigungsdauern
http://www.iab.de/194/section.aspx/Publikation/k140702j04 (http://www.iab.de/194/section.aspx/Publikation/k140702j04)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 17:26:24 Di. 24.November 2015
Flop mit Ansage: Etwas mehr Konkretisierung bei Werkverträgen, der Rest ist Kosmetik
Vor ein paar Tagen hat Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ihren Referentenentwurf zur stärkeren Regulierung von Werkverträgen (und der Leiharbeit) vorgelegt. Wie schon im Vorfeld vermutet, hält sich der Entwurf penibel an die im Koalitionsvertrag niedergelegten Absprachen. Dazu eine erste Einschätzung. Beitrag von Markus Krüsemann bei annotazioni vom 18. November 2015:

Zitat
Neben der Leiharbeit hat sich die Werkvertragsarbeit in den letzen Jahren zunehmend als weiteres Modell des Lohndumpings und der Ausbeutung von Beschäftigten etabliert. Bei einem Werkvertrag handelt es sich um eine vertragliche Vereinbarung, in der sich ein Auftragnehmer zur Herstellung eines individuellen Werks verpflichtet, für das ein Auftraggeber eine Vergütung, den Werklohn zahlt.

Abgesehen von den Solo-Selbstständigen sind die Auftragnehmer meist Fremdfirmen (Subunternehmen), die von Unternehmen beauftragt werden, bestimmte Aufgaben und Dienste für sie zu übernehmen. Die bei den Subunternehmen Beschäftigten werden in der Regel viel geringer entlohnt und arbeiten zu deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen – oft sogar Seite an Seite mit den Stammbeschäftigten.

Nachdem Werkvertragsarbeit durch Mißbrauchsfälle und skandalöse Auswüchse wie etwa in der niedersächsischen Fleischindustrie oder in der Werftindustrie immer stärker in die Kritik geraten war, hatte sich die Große Koalition noch vor Beginn ihrer Amtszeit im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die gesetzlichen Regularien zum Einsatz von Werkverträgen zu überarbeiten. Wie der jetzt vorliegende Referentenentwurf zeigt, hat das Bundesarbeitsministerium die Vorgaben leider nur eins zu eins aufgegriffen.

Der Rest ist Kosmektik
...
Weiter: http://www.annotazioni.de/post/1789 (http://www.annotazioni.de/post/1789)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 11:53:30 Mi. 16.Dezember 2015
Hier ein durchaus lesenswerter und kritischer Artikel zur Leiharbeit aus einem Regionalblättchen. Die Erkenntnisse sind zwar nicht neu, aber immerhin. Normalerweise schreiben gerade die Provinzblätter der Leiharbeitslobby besonders speichelleckerisch hinterher.

Zitat
Für immer verliehen

In Sachsen-Anhalt gibt es mehr als 21000 Leiharbeiter. Ein fester Job springt für die meisten nicht heraus.


Magdeburg l Günther Falk* fühlt sich wie ein Mitarbeiter zweiter Klasse. Bei der Rothenseer Rotorblattfertigung in Magdeburg, einem Tochterunternehmen des Windkraftanlagen-Herstellers Enercon, ist der 47-Jährige seit mehr als vier Jahren als Leiharbeiter beschäftigt. Bis zu 700 Euro im Monat verdient er weniger als Kollegen, die in vergleichbarer Position fest angestellt sind.
Mehr als 3000 Beschäftigte arbeiten bei den sechs Enercon-Tochterfirmen in der Region. Noch im Sommer sagte Volker Ziem, Geschäftsführer der Rothenseer Rotorblattfertigung, dass der Konzern in Magdeburg etwa 700 Leiharbeiter beschäftigt. Zu aktuellen Zahlen wollte sich Ziem gegenüber der Volksstimme allerdings nicht äußern.
Günther Falk sagt, ihm sei schon häufig eine Festanstellung versprochen worden. Doch noch immer sind seine Dienste von dem deutschen Windanlagenbauer nur geliehen. Die Beschäftigung auf Zeit ist für Menschen wie Günther Falk die einzige Alternative zur Arbeitslosigkeit. Eine abgeschlossene Berufsausbildung hat er nicht. Die im Vergleich schlechtere Bezahlung zu Festangestellten nimmt er hin.
In Sachsen-Anhalt ist Falk einer von mehr als 21 300 Leiharbeitern. Laut Bundesagentur für Arbeit sind etwa drei Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Leih- oder Zeitarbeiter. Rund 70 Prozent von ihnen sind männlich. Fast die Hälfte aller Zeitarbeitsverhältnisse, so die Agentur, wird in den ersten drei Monaten wieder aufgelöst.
Der ursprünglich angedachte Weg – sich über eine zeitlich befristete Beschäftigung für eine Festanstellung zu empfehlen – verpufft häufig. Vielmehr habe sich eine „strategische Nutzung der Leiharbeit“ in einigen Branchen etabliert, sagt Detlev Kiel, Chef der Gewerkschaft IG Metall in Magdeburg. Er erklärt: „Viele Unternehmen profitieren von Leiharbeitern. Die Beschäftigten machen das Gleiche wie die Stammbelegschaft, sind dauerhaft im Betrieb, werden schlechter bezahlt und können von heute auf morgen vor die Tür gesetzt werden.“

Leiharbeitsagenturen verdienen gutes Geld

Auch für Roman Müller* sollte der Weg über die Zeitarbeitsagentur ein Sprungbrett in eine Festanstellung sein. 2009 fing er bei einer Enercon-Tochterfirma in Magdeburg an. Heute, sechs Jahre später, ist er noch immer dort als Leiharbeiter beschäftigt. „Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Der Lohnunterschied ist der einzige Wermutstropfen“, sagt der 32-Jährige. Aussicht auf einen festen Vertrag bestehe derzeit nicht. Im Gegenteil: „Die Angst, dass man gesagt bekommt, man brauche nicht mehr wiederzukommen, schwingt immer mit.“
Wie viel Geld Zeitarbeiter verdienen, wenn sie nicht in einer Entleihfirma arbeiten, muss im Arbeitsvertrag mit der Verleihfirma stehen. Das Gehalt darf nicht niedriger sein als die in der Leiharbeit geltenden Untergrenzen (derzeit 8,80 Euro im Westen und 8,20 Euro im Osten). Mit der Verleihfirma besteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.
In Sachsen-Anhalt beherrschen Randstadt und Adecco den Markt. Die beiden Verleiher vermitteln ihr Personal an jeweils etwa 1000 Unternehmen im Land. „Die Dauer der Einsätze unserer Mitarbeiter variiert je nach Bedarf des Kunden“, sagt Thomas Bäumer, Geschäftsführer bei Adecco. Das können Tage, Monate, aber auch Jahre sein. „Diesen flexiblen Zugriff nutzen viele Unternehmen, wenn sie größere Aufträge, Urlaubszeiten oder andere personelle Engpässe haben“, erklärt Bäumer, der gleichzeitig auch Vizepräsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) ist.
Laut firmeneigener Statistik kann Zeitarbeit durchaus zu einer festen Anstellung führen: „Viele unserer Kunden übernehmen Beschäftigte, die sich bewährt haben“, sagt Bäumer. Etwa ein Drittel der Mitarbeiter von Adecco und Randstadt werden, so die Agenturen, noch im ersten Jahr ihrer Zeitarbeit in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stellte allerdings vor zwei Jahren fest, dass nur weniger als jeder zehnte Leiharbeiter in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werde.
Bei der MKM Mansfelder Kupfer- und Messing GmbH in Hettstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) bekommen Zeitarbeiter automatisch einen festen Vertrag, die länger als zwölf Monate bei dem Kupferlieferanten beschäftigt sind. MKM setzt bei mehr als 1000 Beschäftigten bis zu 70 Zeitarbeiter ein, um Auftragsspitzen flexibel abdecken zu können, so ein Sprecher.
Bei Festanstellungen fließt Ablöse
Unternehmen müssen die Personalverleiher teilweise sogar dafür entschädigen und eine Ablösesumme für den Leiharbeiter zahlen. „Diese Abschlagszahlung kann bis zu einem halben Jahresgehalt betragen und hängt von der Qualifikation des Mitarbeiters ab“, so ein Branchenkenner.
* Namen von der Redaktion geändert
http://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/20151216/zeitarbeit-fuer-immer-verliehen  (http://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/20151216/zeitarbeit-fuer-immer-verliehen)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 14:51:19 Mi. 13.Januar 2016
2014:

Leiharbeitnehmer/innen insgesamt                                          823.834


Verkehr, Logistik                                                                       169.578
Metallerzeugung u. -bearbeitung, Metallbau                            127.198
Übrige Berufe (Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung)     93.821
Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe                                  70.657
Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht, Verwaltung 70.107
Gesundheit, Soziales, Lehre u. Erziehung                               49.792
Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe                                   48.677
Kaufm. Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus             44.841
Bau, Architektur, Vermessung, Gebäudetechnik                       36.821
Führer von Fahrzeug- u. Transportgeräten                               30.472
Lebensmittelherstellung u. -verarbeitung                                  28.531
Naturwissenschaft, Geografie, Informatik                                 17.311
Reinigungsberufe                                                                      16.648
Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung                               11.090
Land-, Forst-, Tierwirtschaft, Gartenbau                                    4.391
Schutz-, Sicherheits-, Überwachungsberufe                             3.853

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015b)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 09:30:55 Do. 14.Januar 2016
Gehört auch zur Entwicklung der Leiharbeit:

Seit 2008 kann man den Beruf des Sklavenhändlers lernen.

Auf der Höllenseite http://www.alle-achtung.info/ (http://www.alle-achtung.info/) wird der ganze Rotz näher vorgestellt. Besonders gruselig ist der Propagandafilm „Alle Achtung“. Eine Sickergrube voller Klärschlamm und Schwermetallen ist dagegen Kindergarten.

Die Sklavenhändler von morgen werden an diesen Berufsschulen ausgebildet:
http://www.alle-achtung.info/uploads/tx_q4uauthor/aktuell_PDK-Layout_Berufsschulen_02.pdf (http://www.alle-achtung.info/uploads/tx_q4uauthor/aktuell_PDK-Layout_Berufsschulen_02.pdf)

Hoffentlich werden diese Hackfressen in der großen Pause von den anderen schön verhauen!
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 12:51:34 Fr. 15.Januar 2016
Zitat
Bereits am 1. Dezember 2015 trat die Zweite Verordnung zur Änderung der Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis-Kostenverordnung in Kraft. Mit der Verordnung wurden die Gebühren für die Erteilung einer Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung erstmalig nach über zwölf Jahren erhöht (befristete Erlaubnis bisher 750 €, künftig 1.000 €; unbefristete Erlaubnis bisher 2.000 €, künftig 2.500 €). Mit den höheren Gebühren soll eine qualitativ hochwertige Kontrolle der Verleiher durch die Bundesagentur für Arbeit sichergestellt werden.
http://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2015/das-aendert-sich-im-neuen-jahr-2016.html (http://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2015/das-aendert-sich-im-neuen-jahr-2016.html)

Diese erhöhten Gebühren werden sicherlich viele angehende Sklavenhändler davon abhalten, eine Klitsche aufzumachen, und mit den vielen zusätzlichen Geldern funktioniert die Kontrolle auch besser. Schon klar.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 23:40:32 Fr. 15.Januar 2016
In der Lünendonkanalyse zur Zeitarbeit 2014 stehen mal wieder die 25 besten Sklavenhändler. Aber nicht nur das:
Zitat
Durchschnittlich sind allein mehr als 58 Prozent der Zeitarbeitnehmer der von Lünendonk analysierten Zeitarbeitsunternehmen in Unternehmen eingesetzt, in denen die Branchenzuschlagstarife für die Metall und Elektroindustrie gelten.


Das wären 477824 Leiharbeiter (insgesamt 823834). Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2015b)

Zitat
„Bei dieser Gruppe greift in 67,7 Prozent der Fälle die Deckelung der Zuschläge. Das heißt, die Zeitarbeitnehmer erreichen im Laufe des Einsatzes das definierte Niveau der Vergleichslöhne vor Erreichen der höchsten Zuschlagsstufe“, erläutert Ali Deveci, Junior Consultant bei Lünendonk.

323486 Leiharbeiter erhalten demnach eventuell mal das, was nach Equal Pay riecht, vorzugsweise vor der Kündigung. Das sind 39 Prozent.
Und nun folgt die kühne Schlussfolgerung des Junior Consultant:

Zitat
„Es wird deutlich, dass die Branchenzuschlagstarife dem Equal Pay Gedanken in der Praxis schon sehr nahe kommen“, so Deveci weiter.

Noch unglaubwürdiger wird diese These, wenn man nicht nur die von Lünendonk analysierten Klitschen zum Maßstab nimmt, sondern die tatsächlich im Zuschlagsbereich eingesetzten Leiharbeiter: 

Metallerzeugung u. -bearbeitung, Metallbau 127.198
Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe       70.657
Mechatronik-, Energie- u. Elektroberufe        48.677
Übrige Berufe (Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung)93.821


Gesamt 340353

Nach dieser Rechnung erhalten lediglich 28 Prozent den Geruch von gleicher Bezahlung. Der Equal Pay Gedanke tendiert eher nach unten als nach oben.

Die kostenlose Lünendonkanalyse gibt es hier: http://luenendonk-shop.de/out/pictures/0/lue_za_pi_und_liste_f010615_fl.pdf (http://luenendonk-shop.de/out/pictures/0/lue_za_pi_und_liste_f010615_fl.pdf)

Die volle Dröhnung ist für 1750,- im praktischen PDF-Format zu haben.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 19:48:20 Fr. 22.Januar 2016
Nach einer Statistikbereinigung sieht die Zahl der Leiharbeiter noch viel heftiger aus:
Zitat
Im Jahresdurchschnitt 2014 gab es rund 900.000 Leiharbeiter, über 40.000 mehr als bisher angenommen (…)
Im gleitenden Jahresdurchschnitt des Jahres 2015 (Juli 2014 bis Juni 2015) arbeiteten etwa 920.000 Menschen in Deutschland als Leiharbeiter – damit wird der bisherige Höchststand des Jahres 2011 übertroffen.
http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/o-ton-news/statistikaenderung-enthuellt-mehr-leiharbeiter-als-angenommen-tendenz-steigend (http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/o-ton-news/statistikaenderung-enthuellt-mehr-leiharbeiter-als-angenommen-tendenz-steigend)

Den ganzen Statistikspaß gibt es hier:
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Methodenberichte/Beschaeftigungsstatistik/Generische-Publikationen/Methodenbericht-Beschaeftigungsstatistik-Statistik-zur-Arbeitnehmerueberlassung-auf-Basis-des-Meldeverfahrens-zur-Sozialversicherung.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Grundlagen/Methodenberichte/Beschaeftigungsstatistik/Generische-Publikationen/Methodenbericht-Beschaeftigungsstatistik-Statistik-zur-Arbeitnehmerueberlassung-auf-Basis-des-Meldeverfahrens-zur-Sozialversicherung.pdf)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 14:39:37 Fr. 26.Februar 2016
Zitat
Der Versuch, Leiharbeit zu begrenzen und Werkvertragsarbeit einzuhegen, ist gescheitert

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2013/01/diskriminierende-tarifvertraege-jetzt-kuendigen-equal-pay-fuer-leiharbeiter_1358013829_thumb1.png)

Diskriminierende Tarifverträge jetzt kündigen - Equal Pay für Leiharbeiter!“… Zwar nicht Lob, aber doch so etwas wie Zustimmung kam auch von zumindest einem Teil der Gewerkschaften. Dass die “Ko-Manager” der IG BCE den Kotau der Ministerin abnicken, war ja noch zu erwarten. Dass der IG Metall-Vorsitzende Hoffmann von einem „Minimalkompromiss“ spricht, vielleicht auch. Warum er aber begrüßt, dass die tariflichen Regelungen seiner Gewerkschaft mit Anpassungen fortgeführt werden können, ist schwer zu verstehen. Es liegt natürlich in der Verbandslogik, dass ihm die Jacke der eigenen, eher exklusiven Verhandlungslösungen, auf die er hier anspielt, näher ist als der Rock eines allgemeinen Schutzes von Leiharbeitskräften und Werkvertraglern vor Ausbeutung und Lohndumping, aber eine der DGB-Kritik vergleichbare Stellungnahme hätte man trotz allem erwartet…” Aus der hervorragenden Bewertungvon Markus Krüsemann in unserem Dossier samt der gewerkschaftlichen Stellungnahmen und unserem Kommentar: Es funktioniert wie beim Mindestlohn: Was das Kapital angreift (oder ihm weh zu tun droht), mutiert von Scheisse zum verteidigenswerten Gold…
http://www.labournet.de/?p=81850 (http://www.labournet.de/?p=81850)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 16:54:10 Fr. 26.Februar 2016
Eine neue Ausgabe der AfA-Statistik zur Leiharbeit liegt vor.
Beim ersten überfliegen hab ich nichts gefunden, was mich überrascht hätte, weder im Positiven noch im Negativen.
Zitat
Im Juni 2015 waren 961.000 Leiharbeitnehmer in Deutschland entweder sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigt (Abbildung 4). Im Vergleich zum Vorjahr konnte ein Anstieg der Zeitarbeitnehmer von 49.000 (+5 Prozent) verzeichnet werden.
Zitat
Den 663.000 im ersten Halbjahr 2015 neu abgeschlossenen Zeitarbeitsverhältnissen stehen 585.000 beendete Leiharbeitsverhältnisse gegenüber; das sind 1 Prozent mehr als im Vorjahr und fast 5 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2013.

http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 23:00:33 Di. 03.Mai 2016
Vor kurzem fand der iGZ-Bundeskongress 2016 in Bremen statt. Ein halbstündiges Propagandavideo dazu gibt es hier: https://www.youtube.com/user/FaireZeitarbeit (https://www.youtube.com/user/FaireZeitarbeit)

Die ganze Farce wurde von Ulrich Deppendorf, dem ehemaligen Studioleiter und Chefredakteur Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, moderiert.

Als Gast war u.a. Yasmin Fahimi eingeladen, IGBCE-Gewerkschafterin und Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium. Die sagte sinngemäß:
„Es ist völlig unumstritten, dass Zeitarbeit ein wichtiges Instrument im Kontext einer flexiblen wirtschaftlichen Gestaltung ist.“
So weit nichts neues, aber man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, was die SPD halt so ist: Dreck.

Auf diesen Zug sprang natürlich der gewürztraminerartige Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer der iGZ, indem er Kurt Schumacher von der SPD zitierte. Inhaltlich wurde die Tarifautonomie der Tarifpartner, also DGB und IGZ/BZA, betont. Alleine die sollen das Equal Pay (!) ausgestalten. Es wird ab Minute 11:50 betont, dass der IGZ ganz genau wisse, dass der DGB die Tarifverträge nicht hätte unterschreiben müssen, damit Equal Pay gilt.
Ich gehe mal davon aus, dass der DGB das auch weiß.

Dann wird erwähnt, welche hervorragende Integrationsleistung die Zeitarbeit bei Arbeitslosen und Geringqualifizierten leiste. Die ZAF-Säcke sind also die Guten.

Ein weiterer SPD-Fuzzi wird interviewt und stimmt den Positionen des IGZ insgesamt zu, betont aber auch, dass man auf gewisse Meinungen Rücksicht nehmen müsse.

Nun folgt Detlef Scheele, SPD und Vorstandsmitglied bei der BA:
„Aufgrund der langjährigen Partnerschaft und guten Kooperation mit den Zeitarbeitsfirmen soll der bisher gemeinschaftlich gute Weg fortgeführt werden“. (sinngemäß)

Im Abspann erscheint (wohl) ein „Arbeitgeber“, der sagt: „Mit Zeitarbeit können wir die Arbeitsplätze unserer Stammbelegschaft sichern.“

Zielpublikum dieses widerwärtigen Machwerks ist der gemeine SPD/DGB-Funktionär, denn diese „Branche“, die eigentlich überhaupt keine Branche ist, sondern nur eine Form des Beschäftigungsverhältnisses so ähnlich wie Teilzeit oder Minijob, braucht dringend Tarifverträge, um dann Equal Pay „definieren“ zu können.

Dazu passt diese Stellenanzeige:
„Die Agentur für Arbeit Kiel, das Berufsfortbildungswerk, die Firma ITU Dienstleistungen und ThyssenKrupp Marine Systems bieten Ihnen in Kooperation eine Qualifizierung zum Anlagenmechaniker (m/w) an.
3 - 4 monatige Qualifizierung
Anstellung nach erfolgreich abgeschlossener Qualifizierung bei ITU Dienstleistungen GmbH
Langfristiger Einsatz bei ThyssenKrupp Marine Systems Kiel
...“

https://jozoo.de/job/qualifizierung-zum-anlagenmechaniker-mw-912047 (https://jozoo.de/job/qualifizierung-zum-anlagenmechaniker-mw-912047)

AA/Jobcenter, der DGB mit seinem Fortbildungswerk, eine Leihklitsche und der Entleihbetrieb profitieren vorzüglich von diesem Konstrukt.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 09:02:14 Mi. 11.Mai 2016
 11.05.2016
Wirtschaft und Umwelt
Leiharbeit: Unternehmer freuen sich über Nahles’ Gesetz
Große Koalition einigt sich auf Änderungen: Gesetz kommt / Linksfraktion kritisiert Übereinkunft als »Etikettenschwindel«


Berlin. Nach monatelangem Streit hat sich die Regierungskoalition von Union und SPD auf ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen geeinigt. »Wir haben einen Durchbruch erzielt«, sagte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Dienstagabend nach einem Treffen des Koalitionsausschusses im Kanzleramt. Das Gesetz gehe jetzt »so schnell wie möglich« ins Kabinett. Nahles versprach »klare Regeln« für Beschäftigte und Unternehmen, um den Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen zu bekämpfen. »Klar verabredet« worden sei, dass »gleicher Lohn für gleiche Arbeit« gelte und »wir keine Schlupflöcher mehr zulassen«.

Vor allem die CSU hatte zuvor auf Änderungen gedrängt. Die Opposition kritisiert, dass die Neuregelung zu zahm sei oder gar hinter die bisherige Gesetzeslage zurückfalle. Auch die Reaktion der Unternehmerlobby lässt kaum auf eine wirksame Regelung zugunsten der Beschäftigten schließen: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall zeigte sich erleichtert, dass die monatelange Diskussion darum nun vorbei sei. »Die Einigung bewegt sich im Rahmen des Koalitionsvertrages und lässt den Tarifvertragsparteien die notwendigen Freiräume für tarifvertragliche Gestaltungen bei der Zeitarbeit«, sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Manche Themen müssten »irgendwann endgültig vom Tisch«.

Leiharbeiter müssen schon jetzt nach neun Monaten genauso bezahlt werden wie die Stammbelegschaft. Diese Regelung soll laut dem Gesetzentwurf nun aber gelockert werden: Eine längere Abweichung soll zulässig sein, wenn es Branchenzuschlagstarifverträge gibt, die eine stufenweise Erhöhung vorsehen und »nach spätestens 15 Monaten einer Überlassung« eine Bezahlung erreicht ist, die mit dem Tariflohn von Stammbeschäftigten vergleichbar ist.

Nahles sagte, es sei eine Höchstüberlassungsdauer für Leiharbeitnehmer verabredet worden und Regelungen, »durch Transparenz den Missbrauch bei Werkverträgen einzudämmen«, ergänzte Nahles. Laut ihrem schon im November vorgelegten Gesetzentwurf, den sie nach heftiger Kritik von Seiten der Unternehmen noch abänderte, sollen Leiharbeiter in Zukunft höchstens 18 Monate in ein- und demselben Betrieb eingesetzt werden. Danach müssen sie fest übernommen werden, oder sie müssen von der Zeitarbeitsfirma an einen anderen Betrieb entliehen werden.

Längere Einsatzzeiten soll es nach dem Gesetzentwurf künftig sowohl in Unternehmen mit Tarifbindung geben, in denen Unternehmer und Gewerkschaften einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung mit einer abweichenden Regelung ausgehandelt haben, als auch in Betrieben ohne Tarifbindung. Bedingung: Sie übernehmen die tarifvertraglichen Regelungen der jeweiligen Branche zur Überlassungshöchstdauer.

»Der Einsatz von Leiharbietern als Streikbrecher ist ausgeschlossen«, sagte Nahles. Allerdings nicht ganz: Leiharbeiter sollen dann weiter eingesetzt werden dürfen, wenn sichergestellt ist, dass sie nicht Aufgaben wahrnehmen, die bisher von Streikenden übernommen wurden.

Um den Missbrauch von Werkverträgen einzudämmen, soll laut dem Gesetzentwurf unter anderem die sogenannte Vorratsverleiherlaubnis abgeschafft werden. Sie erlaubt es Unternehmern bislang, Werkvertragsnehmer im Nachhinein - also zum Beispiel bei Kontrollen durch den Zoll - als Leiharbeiter zu deklarieren. Diese sogenannte verdeckte Leiharbeit soll in Zukunft mit Bußgeldern bestraft werden.

Der Fraktionsvize der Linken im Bundestag, Klaus Ernst, kritisierte das geplante Gesetz. Es bedeute sogar eine Verschlechterung gegenüber der bisherigen Gesetzeslage, erklärte er in Berlin. Es sei »Etikettenschwindel«, gleichen Lohn für gleiche Arbeit ab neun Monaten für Leiharbeiter zu fordern, »wenn man weiß, dass mehr als die Hälfte der Leiharbeitsverhältnisse nach drei Monaten bereits wieder beendet sind«. Die Möglichkeit, Leiharbeitsverhältnisse mit Tarifverträgen unendlich weit über die gesetzlich begrenzten 18 Monate hinaus ausdehnen zu können, sei geradezu eine »Einladung zur Leiharbeit«.

Am Treffen im Kanzleramt bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahmen SPD-Chef Sigmar Gabriel, CSU-Chef Horst Seehofer, Nahles und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD, Volker Kauder und Thomas Oppermann, teil. Das Treffen des Koalitionsausschusses war bereits das zweite binnen eines Monats. In Teilnehmerkreisen wurde die gute, konstruktive Stimmung bei den Beratungen gelobt. Alle Beteiligten hätten sich um eine Lösung bemüht, sonst hätte man am Abend nicht so schnell eine Einigung erreichen können. Dies gelte auch für CSU-Chef Horst Seehofer, hieß es. Außer der Leiharbeit und den Werkverträgen habe man nicht über andere Themen gesprochen, hieß es. Noch vor der Sommerpause könne es eine weitere Koalitionsrunde geben, da etliche Streitthemen noch ungelöst seien. Agenturen/nd

Quelle

http://www.neues-deutschland.de/artikel/1011518.leiharbeit-unternehmer-freuen-sich-ueber-nahlesr-gesetz.html (http://www.neues-deutschland.de/artikel/1011518.leiharbeit-unternehmer-freuen-sich-ueber-nahlesr-gesetz.html)



Das Beste wäre das Verbot gewesen, ein Gesetz, dass es verbietet, Menschen zu vermieten.
Seltsamerweise geht alle konträr zum § 233, 233a des STGB:
"Anstiftung zum Menschenhandel zwecks Ausbeutung der Arbeitskraft, allein der Versuch ist strafbar!"

Nieder mit der Wirtschafsdiktatur! >:(
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 21:30:05 Mi. 11.Mai 2016
Leiharbeit – Proteste zeigen Wirkung

(http://fs5.directupload.net/images/160511/temp/fd68d62c.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4352/fd68d62c_jpg.htm)(http://)
Protestierende Leiharbeiter 2013 in Stuttgart (rf-foto)

11.05.16 - Am Montag einigte sich die Regierungskoalition auf „Regeln gegen den Missbrauch der Leiharbeit“. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) lobte die Einigung: Herausgekommen sei eine Verabredung, nach der es künftig unter anderem „gleichen Lohn für gleiche Arbeit ohne Schlupflöcher“ gebe. „Tarifpolitik vom Feinsten“ sei das. Was ist der Inhalt der Vereinbarungen? Bisher bekannt wurde: Zeitarbeiter dürfen künftig höchstens 18 Monate im gleichen Betrieb beschäftigt werden; nach neun Monaten sollen sie den gleichen Lohn bekommen wie die Stammbelegschaften; der Einsatz von Leiharbeitern als Streikbrecher sei künftig ausgeschlossen.

Die Leiharbeit betrifft ca. 1 Million Kolleginnen und Kollegen, vor allem viele Jugendliche bekommen nach ihrer Ausbildung keine besseren Arbeitsplätze. Leiharbeit vereinfacht die Ausbeutung der Beschäftigten mit schwerwiegenden Auswirkungen für die Arbeits- und Lebensverhältnisse: Leiharbeiter können nach Belieben geheuert und gefeuert werden, ohne auf Kündigungsschutz und Kündigungsfristen Rücksicht zu nehmen, sie verdienen in der Regel deutlich weniger, haben oft längere oder massiv flexibilisierte Arbeitszeiten usw.

Tatsächlich plant die Koalition jetzt offenbar einige Zugeständnisse, weil sich seit Jahren Proteste und Kämpfe dagegen entwickeln und in letzter Zeit wieder zunehmen. So gab es auf dem IGM-Gewerkschaftstag zahlreiche Anträge zur Leiharbeit, Kämpfe in der Automobilindustrie dagegen, am 25. Februar bei TKSE in Duisburg eine erfolgreiche selbständige Protestaktion, in München im April eine Demonstration mit mindestens 3.000 Teilnehmern gegen die Leiharbeit usw. Die Proteste zeigen also Wirkung – nur wer kämpft, kann gewinnen!

Allerdings ist Wachsamkeit angesagt, denn die Vereinbarung hat Schlupflöcher: Betriebe, die einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft vereinbart haben, können die Einsatzzeit der Leiharbeiter verlängern; auch Betriebe ohne Tarifvertrag dürfen das. Die Festlegung, dass Leiharbeiter nach neun Monaten den gleichen Lohn bekommen, verbessert die Situation nur für wenige: Im Durchschnitt arbeiten Leiharbeiter nur für drei Monate in einem Betrieb.

Reinhard Funk vom Zentralkomitee der MLPD erklärt zu der Vereinbarung: „Die aktuelle Vereinbarung zur Leiharbeit ist eine Reaktion auf die wachsende Kritik und die zunehmenden Kämpfe vieler Belegschaften gegen die Spaltung und für die Festanstellung von Leiharbeitern. Die Vereinbarung hält aber am Instrument der Leiharbeit zur Senkung der Löhne fest. Schon der Titel 'gegen Missbrauch' ist eine Irreführung – als ob es nur um den schlechten Gebrauch einer eigentlich richtigen Sache ginge! Die MLPD geht seit zwölf Jahren mit den Montagsdemos auf die Straße gegen die Hartz-Gesetze der Schröder/Fischer-Regierung, die bewusst gemacht wurden, um Leiharbeit und Niedrigstlöhne auf breiter Front durchzusetzen. Wir fordern die Übernahme aller Leiharbeiter und befristet Beschäftigten in unbefristete Arbeitsverhältnisse im Entleiherbetrieb: ein Betrieb - eine Belegschaft!“

Eine ausführliche Analyse und der Standpunkt der MLPD zur Leiharbeit sind hier zu lesen!

https://www.mlpd.de/themen/themen-a-z/leiharbeit (https://www.mlpd.de/themen/themen-a-z/leiharbeit)

Quelle

https://www.rf-news.de/2016/kw19/leiharbeit-2013-die-schlupfloecher-der-andrea-nahles (https://www.rf-news.de/2016/kw19/leiharbeit-2013-die-schlupfloecher-der-andrea-nahles)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 21:39:55 Mi. 11.Mai 2016
Aus: Ausgabe vom 12.05.2016, Seite 8 / Ansichten

Ausbeutung legalisiert
Gesetzentwurf zu Leiharbeit
Von Claudia Wrobel


(http://fs5.directupload.net/images/160511/temp/yzzoccss.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4352/yzzoccss_jpg.htm)(http://)
Foto: Uwe Anspach/dpa- Bildfunk

Die Koalition feiert sich selbst als Schutzmacht der Arbeiterinnen und Arbeiter, weil angeblich nun der Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit eingedämmt werden soll. Auf einen Gesetzentwurf zum Thema einigten sich die Parteispitzen der großen Koalition am Dienstag abend. Tatsächlich wird aber mit etlichen Regelungen einzig die Position der Konzerne gestärkt. Es ist eine Lachnummer, dass von der geplanten maximal zulässigen Entleihdauer für Beschäftigte in einem Betrieb, die mit 18 Monaten sowieso sehr hoch liegt, sogar noch nach oben abgewichen werden kann. Sechs Monate Verlängerung sind per Betriebsvereinbarung drin, noch länger kann es werden, wenn es im Tarifvertrag festgeschrieben wurde.

Statt dafür zu sorgen, dass Leiharbeiter und Stammbeschäftigte in einem Betrieb die gleichen Interessen verfolgen, wird so eine Spaltung der Belegschaft festgeschrieben und der Unternehmensseite ein potentielles Druckmittel in Tarifverhandlungen in die Hand gegeben. Weit absurder ist, dass selbst nicht tarifgebundene Unternehmen von solchen Öffnungsklauseln in ihren Branchen Gebrauch machen können. Da werden Konzerne, die sich Lohnerhöhungen und tariflich festgeschriebenen Arbeitsschutzbestimmungen verschließen, belohnt. Noch im Februar hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) betont, dass sie eine Verlängerung nur per Tarifvertrag gestatten will, um »Anreize für die Tarifbindung« zu schaffen.

Noch ein weiterer Punkt stößt bei der Überlassungshöchstdauer auf: Statt die Betriebe in den Blick zu nehmen und festzulegen, wie lange ein Arbeitsplatz maximal mit einem Leiharbeiter besetzt werden darf, wird lediglich geregelt, wie lange eine Person derart in einer Firma beschäftigt werden darf. Das führt sicher nicht dazu, dass Leiharbeit wirklich nur dazu genutzt wird, vorübergehend anfallende Mehrarbeiten zu erledigen. Dabei wird lediglich dieses Argument immer und immer wieder von der Kapitalseite angeführt, wenn sie ihre Privilegien in bezug auf Leiharbeit verteidigen.

Die tatsächliche Bevorteilung der Unternehmen, unter anderem durch Lohnersparnis und die Möglichkeit, Kollegen schnell loszuwerden und so auch die restliche Belegschaft zu disziplinieren, wird von der Regierungskoalition nicht beendet. Es ist kein Schutz für Lohnabhängige, wenn erst nach neun Monaten gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt werden muss. Es ist kein Schutz, wenn die sogenannten Unterbrechungszeiten – also der Zeitraum, der zwischen zwei Einsätzen liegen darf, damit sie zusammengefasst werden – von sechs auf drei Monate verkürzt werden. Beschäftigte verlieren so schneller ihre ohnehin schon dürftigen Ansprüche auf gleiche Bezahlung. Und es ist kein Schutz, dass die Zeiterfassung zum »Equal Pay« erst ab Inkrafttreten des Gesetzes beginnt. Eine »Übergangsfrist« nennt das Nahles, »Verarsche« käme wohl Menschen in den Sinn, die schon jahrelang in Leiharbeitsverhältnissen stecken. Bei Konzernvertretern dürften nun die Champagnerkorken knallen: Die Ausbeutung durch Leiharbeit wird durch den Gesetzentwurf nicht nur nicht eingedämmt, sie wird damit legalisiert.


Quelle

http://www.jungewelt.de/2016/05-12/036.php (http://www.jungewelt.de/2016/05-12/036.php)



Aus: Ausgabe vom 12.05.2016, Seite 5 / Inland

Noch kapitalfreundlicher
Große Koalition will gegen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen vorgehen. Für Die Linke eine »Auftragsarbeit im Interesse der Arbeitgeberverbände«
Von Susan Bonath


(http://fs5.directupload.net/images/160511/temp/l244v4fu.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4352/l244v4fu_jpg.htm)(http://)

Lange haben die Gewerkschaften um den Gesetzentwurf zu Leiharbeit und Werkverträgen gekämpft – gewonnen haben damit nun aber die Konzerne
Foto: Peter Kneffel/dpa - Bildfunk

Großes verkündete Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Dienstag abend in Berlin: »Wir haben einen Durchbruch erzielt.« Gemeint ist ein geplantes Gesetz gegen den Missbrauch von Werkverträgen und Leiharbeit, auf dessen Rahmen sich der Koalitionsausschuss im Bundestag zuvor nach monatelangem Gezerre geeinigt hatte. Nahles versprach »klare Regeln« und »gleichen Lohn«. »Schlupflöcher« würden zudem gestopft. Klaus Ernst, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, sieht das anders: Das Ergebnis nach einem über einjährigen »unrühmlichen Possenspiel« sei »ein Skandal«, erklärte er nach der Verhandlung.

So verkaufte es die Ministerin als Errungenschaft, dass Leiharbeiter künftig nach neun Monaten im selben Entleihbetrieb Anspruch auf den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft haben sollen. Dabei gilt das schon jetzt. Schlimmer: Unternehmer und Gewerkschaften sollen künftig davon abweichen dürfen. Dazu müssten sie Tarifverträge vorweisen, die Zuschläge für Leiharbeiter auf den Einstiegslohn spätestens sechs Wochen nach Beschäftigungsbeginn regeln, wie etwa in der Metallbranche und der Chemieindustrie. Dann müss­ten Firmen erst nach 15 Monaten einen Lohn zahlen, der dem der Festangestellten entspricht.

Darüber hinaus soll eine »Übergangsfrist für Unternehmer« eingeführt werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus der Einigung zitierte. Danach würde die neunmonatige Beschäftigungsdauer, nach der Leiharbeiter wie die Stammbelegschaft entlohnt werden sollen, erst ab Inkrafttreten des Gesetzes erfasst. Die vorherigen Wochen, Monate oder gar Jahre zählten nicht. Leiharbeiter werden also noch lange warten müssen, bevor sie diese Ansprüche geltend machen können.

Als weitere Verbesserung lobte Nahles, die das Gesetz »zügig auf den Weg bringen« will, eine verabredete Höchstüberlassungsdauer für Leiharbeiter. Laut Reuters einigte sich die Koalition hier auf 18 Monate. Das heißt: Personalverleiher dürfen ihre Beschäftigten maximal anderthalb Jahre am Stück im selben Betrieb arbeiten lassen. Der muss sie dann entweder übernehmen, oder der Verleiher schickt seine Beschäftigten woanders hin. Doch auch davon dürfen Firmen und Gewerkschaften abweichen, sofern sie tariflich anderes vereinbart haben. Sogar nicht tarifgebundene Unternehmen sollen von solchen Öffnungsklauseln in ihrer Branche Gebrauch machen dürfen.

In den vergangenen Jahren war mehrfach publik geworden, dass Konzerne bei Arbeitskämpfen Leiharbeiter als Streikbrecher herangeholt haben. Auch dies solle, beteuerte Nahles, mit dem neuen Gesetz nicht mehr möglich sein. Ohne Ausnahmen geht es jedoch auch hier nicht: Solange die geleasten Arbeiter nicht die Jobs der Streikenden verrichten, dürften sie weiterhin herangezogen werden.

Ferner legte der Koalitionsausschuss »Kriterien zur Abgrenzung von abhängiger und selbständiger Arbeit« fest. Dies solle gewährleisten, dass Firmen Werkverträge nicht missbrauchen, etwa um Schutzstandards zu umgehen. Während bei der Leiharbeit einzelne Arbeitskräfte entliehen und der Verleihfirma Stundensätze gezahlt werden, an denen sie mitverdient, kaufen Unternehmen beim Werkvertrag ganze Arbeitsleistungen von Anbietern ein. Abgeschafft werden soll etwa die sogenannte Vorratsverleiherlaubnis, nach welcher von Werkvertragsfirmen vermittelte Selbständige nachträglich als Leiharbeiter deklariert werden konnten. Darauf stünden künftig Bußgelder. Beim Einsatz von Werkvertragskräften soll der Betriebsrat zukünftig zumindest informiert werden. Ein Mitspracherecht soll den Beschäftigtenvertretern weiterhin vorenthalten bleiben.

Mit dem Gesetzentwurf seien noch lange nicht alle notwendigen Schritte unternommen, bewertete DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann das Papier. »So fehlen die Abgrenzungskriterien zwischen Arbeitnehmern und Soloselbständigen, die es den Kontrollbehörden und den Betriebsräten ermöglicht hätten, zu unterscheiden, ob Missbrauch vorliegt«, sagte Hoffmann. Die Gewerkschaften hätten darüber hinaus weitergehende Forderungen, dies habe der Koalitionsvertrag aber nicht zugelassen.

Der Unternehmenerverband Gesamtmetall lobte die Einigung hingegen. Sie lasse »Tarifpartnern notwendige Freiräume«, teilte dessen Hauptgeschäftsführer Oliver Zander mit. »Manche Themen müssen irgendwann vom Tisch«, zeigte er sich erleichtert. Den Linke-Vizefraktionschef Klaus Ernst wundert das nicht. Das Gesetz mute an, wie eine Auftragsarbeit im Unternehmerinteresse. So sei etwa die Möglichkeit, die sogenannte Arbeitnehmerüberlassung mit Tarifverträgen unendlich weit ausdehnen zu können, »geradezu eine Einladung zur Leiharbeit«. Zudem sei bekannt, dass die meisten Beschäftigungsverhältnisse in der Leiharbeitsbranche nicht länger als drei Monate dauerten. Auch bezüglich der Werkverträge befürchtet Ernst Verschlechterungen für Beschäftigte. Vor allem CDU und CSU hätten Verbesserungen verhindert. Das Resultat sei »Etikettenschwindel« und »Sabotage am eigenen Koalitionsvertrag«, so Ernst.

Quelle

http://www.jungewelt.de/2016/05-12/020.php (http://www.jungewelt.de/2016/05-12/020.php)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: BGS am 23:23:26 Mi. 11.Mai 2016
So wird also Deutschland mit seinen Sklavenlöhnen weiter den Rest der Welt versuchen niederzukonkurrieren und sich dadurch noch als "Exportweltmeister" selbst in den Himmel loben.

Eine peinliche Schande das alles.  Leiharbeit gehört schon lange verboten.

Doch auch dies mit den Leiharbeitern wird nix nuetzen. Denn wenn ein Deutschland weiter munter seinen Ramsch auf Kredit exportiert, haben die Abnehmerländer selbst keine Exporte, die diesen Namen verdienen und werden so logischerweise ihre "Schulden" fuer "Made in Germany" niemals zurueckahlen können.

Es sei denn, sie drucken weiter frenetisch Geld... .

Kann nicht funktionieren. Richtig wäre gewesen, die "Mindestlöhne" in D. konsequent zu erhöhen und so die Binnenkonjunktur zu stärken.

Sachverstand bei den Regierenden? Komplette Fehlanzeige.

MfG

BGS
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 13:16:56 Fr. 13.Mai 2016
Zitat
Neues Gesetz zementiert Leiharbeit und Werkverträge
Von Marianne Arens
12. Mai 2016

Das neue Gesetz der Bundesregierung zur Regelung von Leiharbeit und Werkverträgen ändert nichts an der Lage der weit über einer Million Arbeiter, die in diesen Bereichen zu Niedriglöhnen ausgebeutet werden.

Das Gesetz erfüllt im Wesentlichen zwei Aufgaben: Es stärkt die Rolle der Gewerkschaften und Betriebsräte, die sich beschwert hatten, dass sie die Kontrolle über die wachsende Unzufriedenheit in den Betrieben verlieren, wenn Arbeiter ohne ihre Mitwirkung zu völlig unterschiedlichen Bedingungen für dieselbe Arbeit eingesetzt werden. Die IG Metall hatte deshalb im vergangenen Herbst sogar Proteste organisiert. Und es verschafft den Unternehmen mehr Rechtssicherheit beim Einsatz von Arbeitern zu Niedriglöhnen.

„Metallarbeitgeber zufrieden mit neuen Regelungen“, titelte Die Zeit, nachdem Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) am Dienstagabend mit ihrem in der Regierung abgestimmten Gesetzesentwurf vor die Presse getreten war.

Nahles sagte, es werde „in Zukunft klare Regeln geben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“. Sie scheute sich nicht einmal, das große Wort vom „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ in den Mund zu nehmen. Doch offenbar entspricht nichts davon den Tatsachen. Der genaue Wortlaut des Gesetzentwurfs ist zwar bisher auf der Website des Ministeriums für Arbeit und Soziales nicht zu finden, aber die Einzelheiten, die über DPA bekannt wurden, machen klar, dass kein Leiharbeiter davon profitieren wird.

Die Zeitarbeiter sollen künftig den gleichen Lohn erhalten wie ihre fest eingestellten Kollegen – allerding erst nach neun Monaten. Laut Arbeitsamtsstatistik endet fast jedes zweite Leiharbeitsverhältnis schon nach drei Monaten, was bedeutet, dass für weit über die Hälfte aller Leiharbeiter die Gleichbezahlung von vorneherein wegfällt.

Außerdem tritt die Regelung nur in Kraft, wenn die Zeitarbeitsfirma nicht einen eigenen Tarifvertrag hat und die bisher üblichen Branchenzuschläge bezahlt. Auch wurden die neun Monate Frist für das kommende Jahr 2017 auf fünfzehn Monate verlängert, da man den Unternehmern eine Übergangsfrist einräumen müsse.

Kein Zeitarbeiter soll dauerhaft in ein- und demselben Betrieb eingesetzt werden, lautet die nächste Regel. Demzufolge darf die Überlassungsdauer achtzehn Monate nicht überschreiten – allerdings ebenfalls nur unter bestimmten Bedingungen. So gilt die Regelung nur für Leihfirmen, die nicht schon in einem Tarifvertrag ihrer Branche einen längeren Zeitraum vereinbart haben.

Die IG Metall hat schon vor vier Jahren mit der Metall- und Elektroindustrie einen speziellen Tarifvertrag für Personaldienstleister abgeschlossen, in dem eine Lohngleichstellung erst nach 24 Monaten vorgesehen ist. Daran wird auch durch das neue Gesetz nicht gerüttelt. Öffnungsklauseln wird es sogar für Unternehmer geben, die sich an keinen Tarifvertrag halten: Sie können die Regeln umgehen, wenn sie mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung auf Betriebsebene abschließen.

Auch an den Werkverträgen wird das neue Gesetz kaum etwas ändern. Hier sollen vor allem die Informationsrechte der Betriebsräte gestärkt werden. Das führt zwar zu mehr gewerkschaftlicher Kontrolle, wird aber die Bedingungen der Arbeiter nicht verbessern. Gerade Werkverträge sind stark im Vormarsch. Nach Informationen der Gewerkschaft vergeben mehr als zwei Drittel aller Unternehmen, die einen Betriebsrat haben, heute auch Werkverträge.

Eine weitere Klausel soll ausschließen, dass Zeitarbeiter als Streikbrecher eingesetzt werden – allerdings auch hier nur unter bestimmten Bedingungen. Die Leiharbeiter dürfen zwar nicht genau die Arbeit der Streikenden übernehmen, sie dürfen allerdings ihre Arbeit auch während eines Streiks der Stammbelegschaft fortsetzen.

So wird jede einzelne Bestimmung durch die verschiedensten Wenn und Aber sofort konterkariert. Dadurch dient der Gesetzentwurf nicht dem Schutz der Leiharbeiter, sondern vor allem dazu, die Ungleichbehandlung, Hierarchie und Spaltung der Arbeiterklasse zu zementieren und gesetzlich festzuschreiben. „Ich will sie ja nicht verbieten“, so Nahles am Dienstagabend über Leiharbeit und Werkverträge.

Die Unternehmer- und Wirtschaftsvertreter und ihre Zeitungen jubeln über den Entwurf. Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, lobte die Einigung, denn sie lasse „den Tarifvertragsparteien die notwendigen Freiräume für tarifvertragliche Gestaltungen bei der Zeitarbeit“.

Die WirtschaftsWoche schreibt, in den Einzelheiten sei Nahles den Arbeitgeberinteressen weit entgegengekommen. Die Reform sei „ein Lehrstück über politische Kompromisse. Und eines über die höchst geschickte Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit der Arbeitsministerin noch dazu.“

Die Ministerin könne zwar dem Namen nach ihre Versprechen halten, aber: „Im Detail gibt es nun dennoch so viele Klauseln und Sonderregeln, dass die Arbeitgeber sehr gut mit dem Gesetz werden leben können, das für sie noch vor einigen Monaten so etwas wie der Leibhaftige in Paragrafenform war.“

Weiter heißt es dort, es sei bezeichnend, dass Gesamtmetallvertreter Zander, und nicht etwa der DGB, als erstes den neuen Entwurf öffentlich begrüßt habe. Sein Lob für die „notwendigen Freiräume“ bedeute „im Klartext: Arbeitnehmerüberlassung und die Ausgliederung von Tätigkeiten an Dienstleister per Werkvertrag bleiben ungefährdet. Die geschätzte Flexibilität am Arbeitsmarkt bleibt in der Praxis weitgehend erhalten.“

Der durchsichtige „Equal-Pay“-Auftritt von SPD-Ministerin Nahles vom Dienstagabend ist nicht zuletzt ein ziemlich verzweifelter Versuch, den miserablen SPD-Umfragewerten entgegenzuwirken. Die jüngste Umfrage von INSA hatte den Sozialdemokraten am Montag noch 19,5 Prozent bescheinigt. Mit dem Gesetzentwurf zu Leiharbeit und Werkverträgen versucht die SPD, ihre eigenen Spuren zu verwischen.

Die starke Ausweitung von Niedriglohnsektor und Leiharbeit ist eine direkte Folge der „Agenda 2010“ der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder. Der VW-Manager Peter Hartz, ein IG-Metall-Mitglied, hatte damals die nach ihm benannten „Reformen“ entworfen, die die gesetzlichen Schranken für Leiharbeit beseitigten und Arbeitslose zu Sozialhilfeempfängern degradierten, die zur Aufnahme jeder Arbeit gezwungen sind. An den Beschlüssen der Hartz-Kommission waren auch die DGB-Gewerkschaften maßgeblich beteiligt.

Die World Socialist Web Site schrieb damals im September 2002: „Die Folgen dieser massiven staatlichen Förderung von Niedriglohnarbeit sind leicht abzusehen. Firmen werden reguläre Arbeitsplätze abbauen und ‚Ich-AG's‘ oder billige Leiharbeiter anheuern.“

Später erklärte das Bundesarbeitsgericht einen Teil der Niedriglöhne für rechtswidrig, worauf die Werkverträge immer stärker zur bevorzugten Form des Lohndumpings wurden. Infolgedessen kam es unter anderem in der Bau- und der Fleischverarbeitungsindustrie zu skandalösen Zuständen.

In den letzten Jahren haben sich die ungesicherten Arbeitsverhältnisse in Deutschland wie ein Krebsgeschwür ausgebreitet. „Die Anzahl der Leiharbeitnehmer“, so die Arbeitsamtsstatistik vom Januar 2016, wachse „mit hoher Dynamik“. Dieser Statistik zufolge waren bereits vor einem Jahr 961.000 Leiharbeitsverhältnisse gemeldet. In diesen Zahlen sind andere Bereiche des Niedriglohnsektors noch gar nicht berücksichtigt.

Eine Erhebung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) kam 2014 zum Schluss, dass jeder vierte Arbeitnehmer in Deutschland in Teilzeit, als Leiharbeiter, als Mini-Jobber oder auf einer befristeten Stelle arbeite. Der entsprechende Anteil der Beschäftigten sei in zehn Jahren von 19 auf 24 Prozent gestiegen. Bei dreißig Millionen abhängig Beschäftigten sind das 7,5 Millionen sogenannte „atypische Beschäftigte“. Und die moderne Sklaverei weitet sich rasant aus.

Seit einiger Zeit sind die SPD und die deutsche Regierung bemüht, die Segnungen der „Agenda 2010“ auch auf Frankreich auszuweiten. Vor zwei Jahren besuchte Peter Hartz den französischen Präsidenten François Hollande und dessen Regierung im Elysée-Palast, um sie bei ihrer Arbeitsmarktreform zu beraten. Das Ergebnis ist das El-Khomri-Gesetz, das die sozialistische Regierung von Manuel Valls nun per Notverordnung gegen Massenproteste durchsetzt.
https://www.wsws.org/de/articles/2016/05/12/leih-m12.html (https://www.wsws.org/de/articles/2016/05/12/leih-m12.html)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 00:28:15 Sa. 14.Mai 2016
Zitat
Gesetzentwurf Leiharbeit: Die Neuregelung steht
http://www.templin-thiess.de/blog/gesetzentwurf-leiharbeit/gesetzentwurf-leiharbeit-neuregelung-steht (http://www.templin-thiess.de/blog/gesetzentwurf-leiharbeit/gesetzentwurf-leiharbeit-neuregelung-steht)
http://www.igmetall-zoom.de/ (http://www.igmetall-zoom.de/)

Diskussion dazu im im ZOOM-Forum:
http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=2&t=5409 (http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=2&t=5409)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 15:21:19 Sa. 14.Mai 2016
Keine Verbesserungen in der Leiharbeit


Keine Verbesserungen für Millionen Leiharbeiter*innen

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, AÜG, in dem die Leiharbeit grundsätzlich geregelt ist, soll verändert werden und zum Jahresende laufen die Tarifverträge des DGB für die Leiharbeit aus. Doch nach Verbesserungen sieht es bisher nicht aus – im Gegenteil.
Hintergrund: Mehrere Millionen Menschen treten jedes Jahr einen Job bei einer Leiharbeitsfirma an. 50 Prozent fliegen innerhalb der sechsmonatigen Probezeit wieder raus. Ein Drittel ist schon nach maximal 3 Monaten wieder arbeitslos oder nach kurzem Hartz IV-Bezug in einer neuen Leiharbeitsbude angestellt. Lediglich 30 Prozent erreichen 9 Monate Beschäftigung am selben Einsatzort.
Die Löhne sind niedrig und reichen in den meisten Fällen nicht aus, um die Hartz IV-Bezugsschwellen zu überschreiten. Im Westen Deutschlands liegt der Grundlohn bei 9 Euro Brutto pro Stunde und in den neuen Bundesländern bei 8,50 Euro. In den beiden untersten Lohngruppen von 9 und 9,61 Euro sind mehr als zwei Drittel aller Leiharbeiter*innen eingruppiert. Nur die wenigsten, die längerfristig in der Metall,- oder Chemieindustrie arbeiten, erhalten sogenannte Branchenzuschläge, aber auch diese erreichen nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit im Verhältnis zu den fest angestellten Kolleg*innen der Industrie.

Dabei sind die bisherige Bestimmungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes eindeutig. Vom ersten Tag der Beschäftigung einer Leiharbeiter*in muss der gleiche Lohn gezahlt werden, den auch die fest angestellten Kolleg*innen mit einer gleichen Tätigkeit erhalten. Dies entspricht auch den europaweiten Regelungen, die in fast allen anderen EU-Ländern gelten.
In Deutschland gibt es jedoch eine Ausnahmeregelung im § 3 AÜG. Kommt es zwischen den beiden Unternehmerverbänden der Leiharbeitsbranche und der „DGB-Tarifgemeinschaft Zeitarbeit“ zu einem Tarifvertrag, darf das Verleihunternehmen weniger Lohn zahlen Und eben diese Tarifverträge gibt es! Der DGB hat sich dazu hergegeben Lohndumping unterhalb der gesetzlichen Vorgaben per Tarifvertrag abzuschließen.
Ein Vergleich: In der Logistik erhalten Kolleg*innen aus den Stammbelegschaften in der untersten Lohngruppe ca. 14 Euro pro Stunde. Diese Kolleg*innen führen einfache Tätigkeiten mit einer kurzen Anlernzeit aus. In den Hallen der Lagerhäuser sind aber gleichzeitig hunderttausende Leiharbeiter*innen tätig, die gleiche Tätigkeiten ausüben. Der dafür von der Verleihern gezahlte Lohn liegt meistens bei 9,61 Euro pro Stunde. Der Tarifvertrag zwischen den Verleihfirmen und der DGB-Tarifgemeinschaft führt also in diesem Beispiel zu einem Lohnverlust von durchschnittlich 5 Euro pro Stunde oder 700 Euro im Monat. Der DGB Tarifvertrag ist also schlechter als das Gesetz.
Gäbe es keinen besonderen Tarifvertrag für die Leiharbeit, käme für die meisten Kolleg*innen die meist deutlich besseren tariflichen Regelungen an den Arbeitsplätzen zur Anwendung.

Arbeitsrechtler*innen haben seit Jahren darauf hingewiesen, dass die wirkungsvollste Anhebung der Löhne von Leiharbeiter*innen darin besteht, dass der DGB die Tarifverträge kündigt und seine Absicht mitteilt keinen neuen Vertrag abzuschließen, um damit die Nachwirkung auszuschließen. Die Tarife in der Leiharbeit sind zum 31.12. 2016 kündbar. Diese Kündigung der Leiharbeitstarife hätte erhebliche Lohnerhöhungen für die große Mehrheit der Leiharbeiter*innen zur Folge.
Diese Möglichkeit hat der DGB bereits mehrfach nicht genutzt. Wichtiger war den DGB-Oberen wohl die Sorge um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Unternehmen und ihre Versorgung mit flexibler, billiger Arbeitskraft.
Bundesregierung mit SPD-Arbeitsministerin Nahles verschlechtert das Gesetz.
Die SPD-geführten DGB-Gewerkschaften finden das „begrüßenswert“. Toll.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand wird das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz an zwei Punkten wesentlich geändert. Beide bedeuten eine Verschlechterung der Gesetzes-, bzw. Rechtslage.
Eine erste Verschlechterung ist die Vorgabe, dass ein gleicher Lohn für gleiche Arbeit erst ab dem 9. Monat einer Beschäftigung gezahlt werden soll. Angesichts der DGB-Tarife, die den bisherigen Gesetzestext unterlaufen, ist dies eine Fiktion. Aber für zukünftige Auseinandersetzungen ist dies wichtig, da angesichts der für die meisten Leiharbeiter*innen kurzen Einsatzzeiten von deutlich weniger als 9 Monaten kein Rechtsanspruch mehr hergeleitet werden kann. So könnte sich auch der DGB mit seinen Unterbietungstarifverträge als Retter abfeiern lassen, wenn minimale Zuschläge innerhalb der ersten Monate vereinbart würden. Bemerkenswert ist, dass erst der Lohnverzicht der DGB-Gewerkschaften die Möglichkeit zur Verschlechterung des Gesetzes geschaffen hat. Niemand verliert Einkommen, aber es kann auch nicht verbessert werden.
Die zweite Verschlechterung ist das per Tarifvertrag erneute Unterlaufen – und jetzt sogar per Betriebsvereinbarung – der zulässigen Höchstverleihzeit eines*er Leiharbeiter*in von 18 Monaten. In mehreren Urteilen hatte zuletzt das Bundesarbeitsgericht verlangt, das eine maximal zulässige Verleihung einer*es Beschäftigten an einem Arbeitsplatz / Firma ins Gesetz eingeführt wird. Mit dem Gesetzesentwurf der Bundesregierung wird folglich keine Wohltat verabreicht, sondern den sich abzeichnenden Niederlagen in Arbeitsgerichtsverfahren vorgebeugt. Den Gewerkschaften und zukünftig auch Betriebsräten soll es so ermöglicht werden die Höchstverleihzeit durch Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen zu verlängern. Zudem lässt sich die Verleihungshöchstgrenze leicht unterlaufen. Diese Grenze gilt für eine*n Leiharbeiter*in persönlich. Somit kann nach Ablauf von 18 Monaten die Arbeitsstelle leicht mit einer neuen Person besetzt werden.

Die neuen gesetzlichen Regelungen führen also nicht im Geringsten zu einer Einschränkung von Leiharbeit. Im Gegenteil: Gesetzliche Normen werden verschlechtert und für die Unternehmen werden bestehende rechtliche Risiken vor den Arbeitsgerichten Klageverfahren zu verlieren minimiert.
Superpeinlich, aber auch eine Klarstellung, ist die Stellungnahme des DGB vom 11. Mai 2016 zum Gesetzentwurf. Unter Überschrift „DGB begrüßt Gesetzentwurf gegen Lohndumping in Betrieben“ führt DGB-Chef Reiner Hoffmann aus:

    „Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um diese Form von Lohndumping in den Betrieben und Verwaltungen zu bremsen“.

Ist das Dummheit oder schon Heuchelei, ist hier die Frage.
Wir können uns bei der Durchsetzung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit weder auf den Staat / die Bundesregierung noch auf den DGB und seine Einzelgewerkschaften verlassen. Also werden wir diese Kämpfe selbst in die Hand nehmen müssen.
Quelle

http://iww-bremen.org/blog/2016/05/14/keine-verbesserungen-in-der-leiharbeit/ (http://iww-bremen.org/blog/2016/05/14/keine-verbesserungen-in-der-leiharbeit/)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 18:39:31 Sa. 14.Mai 2016
50 Prozent fliegen innerhalb der sechsmonatigen Probezeit wieder raus.
Laut den Statistiken der BA innerhalb von 3 Monaten.
Ansonsten kann ich dem Artikel nur zustimmen.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Halmök am 13:47:45 Di. 17.Mai 2016
Wenn man dann noch die Faktoren hinzuzieht das ALG2 vorausgezahlt ist, also mit Arbeitsaufnahmen schon mal für einen Monat das Geld fehlt, und die Zahlungsmoral der Zeitarbeitsunternehmen auch schlecht ist, am 1. des Monats vielleicht eine Vorpauschale, 2 bis 3 Wochen später erst die volle Vergütung und nach drei Monaten fliegt man dann schon wieder raus.

Da muss man für den Job in der Zeitarbeit jedes mal 1 Jahr lang vom Eckregelsatz bitter dafür sparen um nicht auf der Straße zu landen gerade weil man solche Job´s annimmt, und dann hat man auch noch mit den Sanktionen zu kämpfen, denn es gibt ja den Grundsatz schuldig ist immer der Arbeitslose.

MfG
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 18:45:37 Sa. 18.Juni 2016
! No longer available (http://www.youtube.com/watch?v=ZthSbwgz2o0#)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Wampel am 18:07:16 Sa. 30.Juli 2016
Die neue Statistik ist da:
http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf (http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf)

Über die Hälfte sind nach spätestens 3 Monaten wieder draußen ... nix neues also.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 20:47:58 Sa. 20.August 2016
Aus dem Bericht Zeitarbeit in der Missbrauchsdebatte - ein nüchterner Faktencheck der Initiative Qualitätssiegel Zeitarbeit GmbH, in dem der Frage nachgegangen wird, warum die Zahl der Verstöße rapide gestiegen ist:

Die Themen falsche Durchschnittsberechnung (Krankheit und Urlaub), fehlender Branchenzuschlag an Feiertagen, fehlende Zahlung bei Nichteinsatz und falsche Eingruppierung sind auffällig.(...)
Für die Durchnittsberechnung bieten die beiden größten Softwareunternehmen (Landwehr und Prosoft – mit einigen 1000 Installationen) eine "Schummelsoftware" an. Wenn alle richtigen Lohnarten zur Durchschnittsberechnung zugeordnet sind, dürfte es nur eine Berechnungsmethode in der Software geben. Die besagten Unternehmen bieten jedoch mehrere "Methoden" (zur Durchschnittsreduzierung) an.(...) Wird die "Schummelmethoden" per Einstellung genutzt, können – pro Tag Urlaub oder Krankheit – bis zu 30 Euro dem Mitarbeiter zu wenig gezahlt werden.


Das ganze Dokument:
http://www.file-upload.net/download-11866562/Bericht-Missbrauch-in-der-Zeitarbeit-2013-2016.pdf.html (http://www.file-upload.net/download-11866562/Bericht-Missbrauch-in-der-Zeitarbeit-2013-2016.pdf.html)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 21:00:19 Sa. 20.August 2016
Warum verlinkst du nicht direkt zur Quelle?
http://www.iq-z.de/wp-content/uploads/2016/03/Bericht-Missbrauch-in-der-Zeitarbeit-2013-2016.pdf (http://www.iq-z.de/wp-content/uploads/2016/03/Bericht-Missbrauch-in-der-Zeitarbeit-2013-2016.pdf)
http://www.iq-z.de/?page_id=2945 (http://www.iq-z.de/?page_id=2945)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 21:03:40 Sa. 20.August 2016
Warum verlinkst du nicht direkt zur Quelle?
http://www.iq-z.de/wp-content/uploads/2016/03/Bericht-Missbrauch-in-der-Zeitarbeit-2013-2016.pdf (http://www.iq-z.de/wp-content/uploads/2016/03/Bericht-Missbrauch-in-der-Zeitarbeit-2013-2016.pdf)
http://www.iq-z.de/?page_id=2945 (http://www.iq-z.de/?page_id=2945)

Nicht gesehen, dass das da auch vorhanden ist. Entschuldigung vielmals.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 21:12:15 Mi. 07.September 2016
Unglaublich!!! Lohnbetrug ist zukunftsfähig. asoziales A.Nahles......  >:(
A.Nahles ist für n Arsch und hat niemals in ihrem Leben auch nur einen Tag gearbeitet....


Bundesarbeitsministerin überreichte Zertifikat an iGZ-Hauptgeschäftsführer
INQA-Urkunde für den iGZ


Der in Münster mit seiner Bundesgeschäftsstelle ansässige Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ e.V.) wurde in Berlin von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit dem INQA-Audit „Zukunftsfähige Unternehmenskultur“ ausgezeichnet.

(http://fs5.directupload.net/images/160907/temp/uwso34hs.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4471/uwso34hs_jpg.htm)(http://)



    iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz und Claudia Schütte, iGZ-Referentin der Geschäftsführung und Projektleiterin (r.), nahmen die INQA-Urkunde aus den Händen von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles entgegen.

Für die erfolgreiche Vollendung des fast zweijährigen Einführungsprozesses nebst fachkundiger Abschlussprüfung erhielt iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz jetzt die offizielle Abschlussurkunde im Rahmen einer feierlichen Übergabe. „Mein hauptamtliches Team freut sich natürlich riesig über die tolle Anerkennung unserer internen Personalentwicklungsmaßnahmen“, so der Verbandschef.
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Gemeinsamer Spirit

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: „Es ist gut, wenn sich Unternehmen und andere Institutionen gemeinsam mit ihren Beschäftigten aufmachen und ihre Personalkultur zukunftsfähig aufstellen. Das INQA-Audit Zukunftsfähige Unternehmenskultur steht für diesen gemeinsamen Spirit. Schließlich können Unternehmen nur zusammen mit den Beschäftigten den Wandel der Wirtschafts- und Arbeitswelt erfolgreich meistern. Denn wer im Wettbewerb bestehen will, braucht motivierte Fachkräfte – und die bekommt man nur mit einer modernen, zeitgemäßen Unternehmenskultur.“

Projektgruppe

Der Auditierungsprozess in der Bundesgeschäftsstelle begann mit einer Informationsveranstaltung für das 35-köpfige iGZ-Team. Anschließend wurden in einer anonymen Befragung der Mitarbeitenden und der Geschäftsführung Veränderungsbedarfe ermittelt. Eine interne Projektgruppe erstellte dann auf Basis der Umfrage mit 100-prozentiger Beteiligung einen umfassenden Maßnahmenplan für die Themenbereiche Personalführung, Gesundheitsförderung, Chancengleichheit, Wissensmanagement und Kompetenzentwicklung.

Verhaltenskodex

Beispielsweise wurde eine iGZ-Mitarbeitervertretung für das Personal in Münster/Berlin eingeführt, ein Verhaltenskodex nebst Leitbild zur guten Verbandskultur verabschiedet und gesundheitsfördernde Maßnahmen am Arbeitsplatz direkt umgesetzt. „Dabei sind die beschlossenen Maßnahmen nicht abstrakt, sondern konkret für alle erfahrbar wie etwa die ergonomische Ausstattung der Bildschirmarbeitsplätze, kostenlose Weiterbildungsprogramme für das Personal, aktive Fitness-Pausen oder softwaregestütze Wissenstransfer-Lösungen. Und alles integriert in Mitbestimmungsstrukturen, die Transparenz und Informationsfluss nach innen garantieren“, erklärte Hauptgeschäftsführer Werner Stolz.

Betriebsklima

„Wir sind mit inzwischen über 3.300 Mitgliedsunternehmen ein enorm stark gewachsener Arbeitgeberverband der Personaldienstleisterbranche. Der partizipative INQA-Ansatz hat uns dabei geholfen, unser gutes Betriebsklima bei Verdoppelung der internen Mitarbeiterzahl noch positiver weiterzuentwickeln.“

Engagierte Beteiligung

Claudia Schütte, Referentin der Geschäftsführung und Projektleiterin, resümiert: „Wir haben uns über die engagierte Beteiligung unseres gesamten Teams im anspruchsvollen Audit-Prozess gefreut. So konnte buchstäblich jede Stimme bei uns gehört werden.“

Zukunft sichern, Arbeit gestalten

Attraktive Arbeitsbedingungen sind heute mehr denn je ein Schlüssel für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland und bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Fachkräftesicherung in Unternehmen und Verwaltungen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstützt daher mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) eine Plattform, auf der sich Verbände und Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialversicherungsträger, Kammern und Stiftungen gemeinsam mit der Politik für eine neue, nachhaltige Arbeitskultur einsetzen.

INQA-Audit

Das INQA-Audit Zukunftsfähige Unternehmenskultur ist ein Angebot der Initiative Neue Qualität der Arbeit und wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Als einziges Audit wird es von Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften, Kammern, Bund, Ländern und der Bundesagentur für Arbeit getragen. Es zeichnet Unternehmen und Verwaltungen aus, die sich nachweislich für eine mitarbeiterorientierte Arbeitskultur einsetzen, und befähigt Unternehmen dazu, Handlungsbedarfe im eigenen Unternehmen zu erkennen und Probleme in Zusammenarbeit mit Beschäftigten, Betriebsräten und Führungsebene zu lösen.

Entwicklungsprozess

Um den Rahmen für ganzheitliche Entwicklungsprozesse zu schaffen, konzentriert sich das INQA-Audit auf die vier wesentlichen Handlungsbereiche für moderne Unternehmen: Personalführung, Chancengleichheit und Diversity, Gesundheit, sowie Wissen und Kompetenz. Das INQA-Audit wurde in enger Zusammenarbeit von der Bertelsmann Stiftung, dem Institut „Great Place to Work“ und dem Unternehmensnetzwerk ddn (Das Demographie Netzwerk) entwickelt.

Quelle

http://ig-zeitarbeit.de/presse/artikel/inqa-urkunde-fuer-den-igz (http://ig-zeitarbeit.de/presse/artikel/inqa-urkunde-fuer-den-igz)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 21:21:58 Mi. 07.September 2016
Zitat
Das INQA-Audit wurde in enger Zusammenarbeit von der Bertelsmann Stiftung, dem Institut „Great Place to Work“ und dem Unternehmensnetzwerk ddn (Das Demographie Netzwerk) entwickelt.
Mehr muss man über dieses "Zertifikat" eigentlich nicht wissen.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 04:23:42 Fr. 09.September 2016
Aus: Ausgabe vom 09.09.2016, Seite 5 / Inland

Fast eine Million Leiharbeiter in BRD
Durchschnittsgehalt unter Niedriglohngrenze. Hauptprofiteure: Auto- und Maschinenbaukonzerne


(http://fs5.directupload.net/images/160909/temp/kmeo9w8w.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4473/kmeo9w8w_jpg.htm)(http://)
Die Ungleichbehandlung durch Leiharbeit war Thema einer Großdemonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 9. April in München
Foto: Peter Kneffel/dpa-Bildfunk

Im vergangenen Jahr waren in der Bundesrepublik 961.000 Menschen in Leiharbeitsverhältnissen beschäftigt. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Das mittlere Bruttogehalt der Leiharbeiter lag demnach Ende Dezember 2013 bei 1.700 Euro im Monat und damit laut Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung »deutlich unter der Niedriglohnschwelle« von 1.973 Euro, wie Die Linke am Donnerstag mitteilte. Demgegenüber lag das »Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten« laut Regierung im gleichen Jahr bei 2.960 Euro.

Das Kabinett räumte ein, die Leiharbeit nehme seit Jahren zu. 2013 waren noch 856.000 Personen auf dieser Basis erwerbstätig. Die Zahl der Leiharbeiter im Jahresdurchschnitt 2015 entspricht einem Anteil an allen Beschäftigten von 2,7 Prozent. Fast zwei Drittel der Betroffenen beziehen einen Lohn von maximal 1.973 Euro brutto. Der Anteil der Niedriglöhner an allen Beschäftigten beträgt 20 Prozent. Fast sechs Prozent der Leiharbeiter sind zudem sogenannte Aufstocker. Sie sind also auf ergänzende Hartz-IV-Leistungen angewiesen.

Hauptnutznießer der nur zeitweiligen Beschäftigung von Personal, das in der Regel schlechter bezahlt wird als die Stammbelegschaft, sind vor allem Maschinen- und Fahrzeugbaufirmen. Im Maschinenbau sind elf Prozent, im Fahrzeugbau zehn, im Metallbau neun und in der Bauinstallation sieben Prozent der Kollegen Leiharbeiter. Die meisten von ihnen sind kurze Zeit beschäftigt; nur ein Viertel der Leiharbeitsverhältnisse dauert den Angaben zufolge neun Monate oder länger.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Klaus Ernst, kommentierte, das »Zweiklassensystem im Betrieb« habe sich »leider etabliert«. Das von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) geplante Gesetz zur Eindämmung des Missbrauchs bei Leiharbeit und Werkverträgen diene »nicht im Ansatz« dem Schutz dieser Menschen, so der Politiker, der die Anfrage gestellt hatte. Der Entwurf dazu, den das Bundeskabinett Anfang Juni beschlossen hatte, sieht unter anderem vor, dass ein Leiharbeiter nach neun Monaten so bezahlt werden muss wie die Stammbelegschaft. Außerdem darf er maximal 18 Monate lang an denselben Betrieb ausgeliehen werden. Danach muss er entweder die Einsatzstelle wechseln oder von dem Unternehmen, bei dem er bisher tätig war, übernommen werden. Abweichungen per Tarifvertrag sollen möglich bleiben, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen der betreffenden Branche. Noch im September sollen die parlamentarischen Beratungen des Gesetzentwurfs beginnen, bereits Anfang 2017 sollen die Neuregelungen in Kraft treten. Nahles werde mit der Reform »Lohndumping durch Leiharbeit dauerhaft legal etablieren«, prognostizierte Ernst. Eine Spaltung des Arbeitsmarktes sei gewollt, da die Unternehmen so ihre Kosten erheblich senken könnten. (AFP/dpa/Reuters/jW)

Quelle

https://www.jungewelt.de/2016/09-09/021.php (https://www.jungewelt.de/2016/09-09/021.php)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18:11:15 Fr. 09.September 2016
Über 1 Million Leiharbeiter/-innen – zunehmende Ausbeutung und Spaltung bekämpfen!

(http://fs5.directupload.net/images/160909/temp/bd5bbku9.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4473/bd5bbku9_jpg.htm)(http://)
(foto: MLPD)

09.09.16 - Die Zahl der Leiharbeiter und Leiharbeiterinnen steigt immer weiter an. Die Bundesregierung musste am Mittwoch auf Anfrage der Linkspartei einräumen, dass mit 961.000 erfassten Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter Mitte 2015 ein neuer offizieller Höchststand erreicht wurde. 1994 gab es nur etwa 138.000 Leiharbeiter, 2004 waren es schon 400.000. Zurzeit dürfte die Millionengrenze deutlich überschritten sein. Vor allem die Jugend ist betroffen: Mehr als 30 Prozent aller Leiharbeiter sind zwischen 15 und 30 Jahre alt.

Diese Entwicklung wurde vor allem durch das von der SPD-Regierung unter dem damaligen Bundeskanzler Gerhad Schröder (SPD) 2003 eingeführten Gesetz "Hartz I" ermöglicht. Dadurch wurden sämtliche bis dahin geltenden Beschränkungen der Leiharbeit aufgehoben und den Monopolen der Weg frei gemacht, Arbeitsplätze dauerhaft mit Leiharbeitern zu besetzen. Leiharbeiter können sie nach Belieben heuern und feuern, ohne auf Kündigungsschutz und Kündigungsfristen Rücksicht nehmen zu müssen. Seitdem wurden immer mehr Bereiche ausgegliedert, Teile der Belegschaften dadurch von der Stammbelegschaft abgetrennt, in kleinere Betriebe mit niedrigerer Bezahlung und schlechteren Arbeitsbedingungen ausgelagert oder in Leiharbeitsplätze verwandelt.

Für die Monopole ist das eine äußerst profitable Methode, die Ausbeutung der Arbeitskraft zu steigern und die Arbeiterklasse zu spalten. Der Durchschnittslohn von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern liegt heute mit 1.700 Euro brutto deutlich unter dem der so genannten "Stammarbeiter". Fast zwei Drittel liegen unter der offiziellen "Niedriglohnschwelle" von rund 1.970 Euro brutto. 5,7 Prozent der Leiharbeiter müssen ihren Lohn mit Hartz IV aufstocken. Mehr als verdoppelt hat sich auch die Zahl der Werkverträge, zwischen 2002 und 2014 von 350.000 auf 760.000. Hier werden die Leiharbeiter-Löhne noch einmal deutlich gedrückt, und die Betroffenen sind quasi rechtlos.

Unter dem Druck ständiger Drohungen mit Auslagerungen und Fremdvergaben wurde das Lohnniveau zugleich für alle Beschäftigten gesenkt und ihre Arbeitszeiten flexibilisiert und ausgeweitet. So stieg die Zahl der Beschäftigten, die regelmäßig länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten, in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent an. Die Zahl der Schichtarbeiter und -arbeiterinnen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 3,8 Millionen auf 5,6 Millionen. Insbesondere Leiharbeiter haben oft die längsten und massiv flexibilisierte Arbeitszeiten.

Seit Jahren gibt es Proteste und Kämpfe gegen Leiharbeit und Werkverträge. Sie nehmen in letzter Zeit wieder deutlich zu. Massive Proteste gab es z.B. Ende 2015 in der Automobilindustrie. Am 25. Februar protestierten die Stahlarbeiter bei TKSE in Duisburg dagegen. In München fand im April eine Demonstration mit mindestens 3.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Erst jüngst wurde in den beiden Ameos-Kliniken in Osnabrück und Hildesheim nach wochenlangem Streik u.a. die teilweise Übernahme der Leiharbeiter durchgesetzt.

Davon getrieben verspricht Arbeitsministerin Andrea ahles (SPD), mit einem neuen Gesetz "gleichen Lohn für gleiche Arbeit ohne Schlupflöcher" sicherzustellen. Das ist glatt gelogen. Der Entwurf sieht vor, dass Leiharbeiter erst nach neun Monaten gleich bezahlt werden. Sie sollen erst nach 18 Monaten Arbeit übernommen werden. Dabei dauert nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis mehr als neun Monate. 15 Prozent dauern 15 Monate, weniger als 12 Prozent 18 Monate oder länger. Im Durchschnitt arbeiten Leiharbeiter sogar nur für drei Monate in einem Betrieb. Außerdem sollen noch Abweichungen per Tarifvertrag und bei nicht tarifgebundenen Unternehmen durch Betriebsvereinbarungen möglich bleiben.

Stammbelegschaften, Leiharbeiter und Werksverträgler, Jung und Alt müssen deshalb ihren Widerstand verstärken.

    Gemeinsam für die Übernahme aller Leiharbeiter und befristet Beschäftigten in unbefristete Arbeitsverhältnisse im Entleiherbetrieb!
    Sofortige gleiche Bezahlung für gleiche oder vergleichbare Arbeitsplätze und volle rechtliche Gleichstellung von Leiharbeitern und Beschäftigten des   Entleiherbetriebs!
    Weg mit den Hartz-Gesetzen!
    Kampf der Ausbeutung - Nieder mit dem Lohnsystem!

Quelle

https://www.rf-news.de/2016/kw36/ueber-1-million-leiharbeiter-innen-2013-zunehmende-ausbeutung-und-spaltung-bekaempfen (https://www.rf-news.de/2016/kw36/ueber-1-million-leiharbeiter-innen-2013-zunehmende-ausbeutung-und-spaltung-bekaempfen)

Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18:18:15 Fr. 09.September 2016
Dieses absolut kranke Propagandavideo von Randstad möche ich Euch nicht vorenthalten. Schaut es selber an und zieht Eure Schlüsse..... kotz


Randstad erklärt Zeitarbeit

https://www.youtube.com/watch?v=5DG-cPo0KGI (https://www.youtube.com/watch?v=5DG-cPo0KGI)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18:52:09 Fr. 09.September 2016
Der Gewinn und Umsatzanspruch der Leihfirmen geht nach wie vor voll und ganz zulasten der Leiharbeitnehmer, die bis zu einem Viertel, nicht selten sogar bis zur Hälfte, weniger verdienen als der Festangestellte am selben Arbeitsplatz!

Schlimmer noch, die Entleiher zahlen wesentlich höhere Stundensätze, - bis zu 45€ +X, als wenn sie die Arbeitnehmer direkt einstellen würden, sei es auch nur temporär, nur um sich mithilfe der Leihfirmen aus jeglicher gesellschaftlichen, solidarischen, (Rentenbeitrag), jeglicher tariflichen und Lohnzahlenden Verantwortung stehlen zu können, ganz nebenbei wird auch noch der Kündigungsschutz massiv unterlaufen und ausgehöhlt! -
Toll, was? - Ja, aber nicht für die Arbeitnehmer, die zahlen die Zeche in jeglicher Hinsicht!
Per Gesetz gilt "Equal Pay" kann aber über Tarifverträgen ausgehebelt werden und genau darin liegt der Krux. Die Branchenzuschläge bringen da absolut nichts, im Gegenteil es ist zu erkennen das sie wieder unterlaufen werden!!



Gehälter teils unter Niedriglohn 
Zahl der Leiharbeiter auf neuen Höchststand


08.09.2016, 10:00 Uhr | dpa

In Deutschland gibt es immer mehr Leiharbeiter: 961.000 Menschen waren im vergangenen Jahr als Leih- oder Zeitarbeiter beschäftigt. Zu deutlich niedrigeren Löhnen als regulär Beschäftigte. Das dürfte die Debatte zu dem Thema befeuern. Ein neues Gesetz ist in Arbeit.


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Gehälter teils unter Niedriglohn 
Zahl der Leiharbeiter auf neuen Höchststand

08.09.2016, 10:00 Uhr | dpa
Leiharbeit in Deutschland auf Rekordhoch: Gehälter teils unter Niedriglohn. Insbesondere die Autobranche setzt auf Arbeitnehmerüberlassung. (Quelle: imago)

Insbesondere die Autobranche setzt auf Arbeitnehmerüberlassung. (Quelle: imago)

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    Redaktion

In Deutschland gibt es immer mehr Leiharbeiter: 961.000 Menschen waren im vergangenen Jahr als Leih- oder Zeitarbeiter beschäftigt. Zu deutlich niedrigeren Löhnen als regulär Beschäftigte. Das dürfte die Debatte zu dem Thema befeuern. Ein neues Gesetz ist in Arbeit.

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    Gesetz beschlossen: Das gilt nun für Leiharbeit und Werkverträge

Im Jahr 2014 waren es noch rund 50.000 Leih- oder Zeitarbeiter weniger als 2015. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 610.000 und 910.000. Ihr mittleres Bruttogehalt lag nach den jüngsten Zahlen bei 1700 Euro - und somit deutlich unter dem Gehalt anderer Beschäftigter. "Im Vergleich dazu lag das Medianentgelt bei allen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bei 2960 Euro", so die Regierung auf eine entsprechende Anfrage der Linken.

Fast zwei von drei Leiharbeitern arbeiteten zuletzt zu besonders niedrigen Löhnen. Sie lagen unter der Niedriglohnschwelle von rund 1970 Euro, also unter dem Lohn, der zwei Drittel des mittleren Gehalts der Beschäftigten insgesamt beträgt. 5,7 Prozent der Leiharbeitnehmer haben Anspruch auf ergänzende Leistungen und stocken ihr Gehalt mit Hartz IV auf.
Gesetz gegen Missbrauch der Leiharbeit soll kommen

An diesem Donnerstag wird im Bundestag der Haushalt von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) beraten, wo die aktuellen Zahlen wohl ebenfalls eine Rolle spielen dürften. Voraussichtlich noch im September sollen die parlamentarischen Beratungen eines Gesetzentwurfs von Nahles zur Eindämmung von Missbrauch bei Leiharbeit und Werkverträgen beginnen.

Der Entwurf sieht vor, dass Leih- oder Zeitarbeitnehmer künftig nach neun Monaten genauso wie die Stammbelegschaften bezahlt werden. Sie sollen längstens 18 Monate in demselben Betrieb arbeiten dürfen, ohne von diesem übernommen zu werden. Abweichungen per Tarifvertrag sollen möglich bleiben, auch für nicht tarifgebundene Unternehmen der betreffenden Branche.
Kritik an zahnloser Reform

Doch nur jedes vierte Leiharbeitsverhältnis besteht neun Monate oder länger. 15 Prozent dauern 15 Monate, 12 Prozent über 18 Monate. Die Anfrage hatte der Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst gestellt.

"Das Zweiklassensystem im Betrieb hat sich leider etabliert", beklagt er und wirft Nahles vor, ihre geplante Reform diene nicht im Ansatz dem Schutz der Leiharbeitnehmer. Trotz Reform werde fast niemand von einer besseren Entlohnung profitieren. "Die Ministerin streut den Betroffenen nur Sand in die Augen.

Die Domäne der Leiharbeit ist der Maschinen- und Fahrzeugbau. Insgesamt beschäftigte die Metall- und Elektroindustrie mit 36 Prozent die meisten Leiharbeitskräfte gemessen an der Gesamtzahl. Allein im Maschinenbau sind elf Prozent aller Leiharbeiter beschäftigt, im Fahrzeugbau zehn Prozent.

Quelle

http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_78927346/leiharbeit-in-deutschland-auf-rekordhoch-gehaelter-teils-unter-niedriglohn.html (http://www.t-online.de/wirtschaft/jobs/id_78927346/leiharbeit-in-deutschland-auf-rekordhoch-gehaelter-teils-unter-niedriglohn.html)

Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 10:47:25 Mi. 28.September 2016
Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage von DIE LINKE zur aktuellen Entwicklungen in der Leiharbeit vom 06.09.2016:
http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/095/1809557.pdf (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/095/1809557.pdf)

Dazu auch:

Zitat
65 Prozent Niedriglöhner in der Leiharbeit

28. September 2016

Bei zwei Drittel aller vollzeitbeschäftigten Leiharbeiter liegt das Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle. Über alle Anforderungslevel und Berufsgruppen hinweg verdienen sie deutlich weniger als ihre regulär beschäftigten Kollegen und müssen ihr Gehalt häufiger mit Hartz-IV-Leistungen aufstocken. Das geht aus einer aktuellen Veröffentlichung der Bundesagentur für Arbeit hervor.
(…)
http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/o-ton-news/65-prozent-niedrigloehner-in-der-leiharbeit (http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/o-ton-news/65-prozent-niedrigloehner-in-der-leiharbeit)

Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 14:19:34 Mi. 05.Oktober 2016
Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister BAP sagt voraus, dass in Zukunft weniger die Arbeitnehmerüberlassung im Vordergrund stehen wird, sondern vielmehr die Personalvermittlung. Wegen der gesetzlichen Einschränkungen der Leiharbeit sei dieser Trend erkennbar.
http://www.personaldienstleister.de/fileadmin/user_upload/05_Presse/Downloads/160825_BAP_Personaldienstleister_02_2016_web.pdf (http://www.personaldienstleister.de/fileadmin/user_upload/05_Presse/Downloads/160825_BAP_Personaldienstleister_02_2016_web.pdf)

Damit kehrt diese angebliche Branche zu ihren ehrlichen Wurzeln zurück, als gewerbliche Stellenvermittler an den Bahnhöfen die verarmte Landbevölkerung, die in die Städte strömte, abgriffen und zu Knechtdiensten und Prostitution zwangen. Das wurde dann 1927 verboten (neben der gewerblichen Berufsberatung).

Selbst wenn es also irgendwann mal keine Leiharbeit mehr geben würde, werden sich die Sklavenhändler schon längst in anderen Bereichen eingenistet haben. Da hilft nur gesunder Klassenhass und nicht auf  Parteien oder Gewerkschaften mit ihrem grotesken Glauben an die Sozialpartnerschaft zu bauen.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rudolf Rocker am 14:49:26 Mi. 05.Oktober 2016
Also Back to the "Heuerbaas"! :o
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 15:01:52 Mi. 05.Oktober 2016
Der Weg über die Tagelöhnerei direkt in die Sklaverei.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 20:47:54 Di. 11.Oktober 2016
Nochmal zur möglichen Betrugssoftware Landwehr und Prosoft:

Zitat
Softwaremanipulationen zu Lasten der Sozialkassen und Beschäftigten in der Zeitarbeit

 Einige Softwarehersteller bieten Anwendern Manipulationsmöglichkeiten bei der Durchschnittsberechnung an.

 Die Durchschnittsberechnung für Krankheit und Urlaub muss gemäß tariflicher Vereinbarung zwischen den Zeitarbeitsverbändenund den DGB-Gewerkschaften nach den Vorschriften des Bundesurlaubsgesetz geschehen (Zitat im Verhandlungsergebnis: „Urlaubsvergütung und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall richten sich nach den Vorschriften des Bundesurlaubsgesetzes“). Das Bundesurlaubsgesetz regelt die grundlegende Berechnung:

 Der Durchschnitt berechnet sich nach dem  Arbeitsverdienstes der  letzten 13 Wochen (in der Praxis der letzten 3 Monate) ohne Aufwendungen im Sinne des Reisekostenrechts, Einmalzahlungen (Gratifikationen, Tantiemen und Gewinnbeteiligungen, Jahressonderzahlungen) oder Zuschläge für Mehrarbeit.

 Bei gesetzeskonformer EDV-Umsetzung müssen alle betroffenen Lohnarten korrekt zugeordnet werden. Ist diese Voraussetzung erfüllt, kann und darf der Verdienst für einen Urlaubs- oder Kranktag (Durchschnittsstunden X Durchschnittslohn) nur zu einem gesetzeskonformen Ergebnis führen.

 Die Realität – wie  auch die Aufsichtsbehörde festgestellt haben – sieht jedoch anders aus.  In mehreren bekannten Softwareprogrammen sind Manipulationsmöglichkeiten  zur Senkung  der Durchschnittswerte eingebaut. Sie können einzeln oder in Kombination benutzt werden.

 Bei einzelnen Kontrollen sind schon Tagesdifferenzen von 40,00 € zu Ungunsten der Beschäftigten und SV-Träger festgestellt worden. Bei ca. 25 Tagen Urlaub und ca. 15 Kranktagen ist der Manipulationswert bei 1.600,00 € pro Jahr  und Person anzusetzen. Die Sozialversicherungsträger (inkl. VBG) sind mit ca. 44% = 700,00 € betroffen. Für den Prüfungszeitraum von 4 Jahren wird den SV-Trägern in diesem Fall bei einem Zeitarbeitsunternehmen mit 100 Beschäftigten  280.000,00 € vorenthalten. Hier dreht es sich nicht mehr um Bagatellfälle. Wird hier  mit krimineller Energie gearbeitet?

 Softwarehersteller, die solche Programme allgemein dem Markt zur Verfügung stellen, schaffen den organisatorischen und programmtechnischen Rahmen, um den Betrug an den Sozialkassen und Beschäftigten zu ermöglichen.

 In dem Zusammenhang stellen sich noch einige Fragen:

 Handeln die Softwarehersteller aus eigenem Antrieb oder haben Sie auf Anweisung gearbeitet?
 Wer hat ggf. Anweisungen zu dieser Art von Softwareerstellung gegeben?
 Wenn einzelne Unternehmen Anweisung gegeben haben, warum wird dann generell die Software mit allen Manipulationsmöglichkeiten ausgeliefert?
 Erfolgt die  Auslieferung generell in der gesetzeskonformen Version?
 Wissen die Anwender wie die gesetzeskonforme Durchschnittsberechnung zu erfolgen hat?
 Die Manipulationen sind vielen Marktteilnehmern schon lange bekannt. Haben die Verbände zum Schutz der korrekt arbeitenden Mitgliedsunternehmen schon etwas unternommen?

Die I.Q.Z hat seit 2 Jahren  Softwareersteller zur Beendigung der Manipulationsprogrammierung aufgefordert. Den Aufsichtsbehörden (BA) sind die Manipulationen bekannt. Es wurden schon eine Vielzahl von Verstößen bei der Durchschnittsberechnung festgestellt und Auflagen seitens der Kontrollbehörden erteilt. In einigen Fällen wurde eine unbefristete Erlaubnis verweigert. Auch die Prüfer der Rentenversicherungen prüfen inzwischen die Korrektheit der Durchschnittsberechnung.
http://www.mwz-compliance.de/2016/10/07/softwaremanipulationen-zu-lasten-der-sozialkassen-und-besch%C3%A4ftigten-in-der-zeitarbeit?platform=hootsuite (http://www.mwz-compliance.de/2016/10/07/softwaremanipulationen-zu-lasten-der-sozialkassen-und-besch%C3%A4ftigten-in-der-zeitarbeit?platform=hootsuite)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 21:55:30 Mi. 12.Oktober 2016
Handeln die Softwarehersteller aus eigenem Antrieb oder haben Sie auf Anweisung gearbeitet?
Nebensächlich.
Die Softwarehersteller leisten damit Beihilfe zum Betrug und sollten auch dementsprechend behandelt werden.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 14:02:46 Di. 25.Oktober 2016
Zitat
    Was zu erwarten war: “Neue Regelungen zu Werkverträgen und Leiharbeit beschlossen”
    Bundestags-Meldung vom 21.10.2016  mit allen behandelten Gesetzesentwürfen und Dokumenten.
http://www.labournet.de/politik/alltag/arbed/werkvertrag/gesetz-zur-regulierung-von-zeitarbeit-und-werkvertraegen-2016/ (http://www.labournet.de/politik/alltag/arbed/werkvertrag/gesetz-zur-regulierung-von-zeitarbeit-und-werkvertraegen-2016/)

Siehe dazu:

        Zitat des Tages
        In der Plenarsitzung wurde mehrfach kritisiert, dass Verschlechtwerungen durch Tarifvertrag möglich sind – dies ist unser tägliches Reden, daher kommt unser Lieblingszitat von Tobias Zech (CDU/CSU): “wenn man den KollegInnen der Opposition zuhört, könnte man meinen, es handele sich um moderne Sklaverei” (ungefährer Wortlaut, waren durch Lachen abgelenkt) – spontane Reaktion unsererseits: JA! JA! JA!

        Was leider auch zu erwarten war: “IG Metall begrüßt Gesetz zu Leiharbeit und Werkverträgen”
        “Die IG Metall hat die Verabschiedung des Gesetzes zu Leiharbeit und Werkverträgen durch den Deutschen Bundestag begrüßt. (…) Beim Einsatz von Leiharbeit enthalte das Gesetz einige konkrete Verbesserungen, vor allem werde der weit verbreiteten Praxis des beliebigen Statuswechsels zwischen (Schein-)Werkvertrag und Leiharbeit ein wirksamer Riegel vorgeschoben. Dies sei ein wichtiger Schritt in Richtung einer besseren Ordnung am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig bleibe der Spielraum für tarifliche Lösungen erhalten. “Die IG Metall hat in diesem Bereich über 40.000 Mitglieder und ist für deren Interessenswahrung verantwortlich. Wir sehen in dem Gesetzentwurf eine gute Basis, diese Beschäftigten auch in Zukunft tarifpolitisch wirksam zu vertreten”, sagte Hofmann. Die bisherigen Handlungsmöglichkeiten der Tarifvertragsparteien seien durch das Gesetz nun enger gefasst: Nach spätestens 15 Monaten müsse ein im Vergleich zu Stammbeschäftigten gleichwertiges Arbeitsentgelt gezahlt werden. Außerdem sei die Festlegung einer Höchstüberlassungsdauer zwingend. “Das Gesetz gibt den Tarifvertragsparteien dabei den Spielraum, branchenbezogene Lösungen zu finden. (…) Die IG Metall strebt nun nach Verabschiedung des Gesetzes an, auf Basis vorangegangener Sondierungen und Diskussionen in den Bezirken mit den Arbeitgeberverbänden der Entleihunternehmen und der Leiharbeitsbranche notwendige Anpassungen der Tarifverträge zu vereinbaren. ”
Pressemitteilung vom 21.10.2016 https://www.igmetall.de/pressemitteilungen-2016-23952.htm (https://www.igmetall.de/pressemitteilungen-2016-23952.htm)

        Komentar des Tages
        “Mit der Leiharbeitspest wird’s immer schlimmer. Erst kündigen die Gewerkschaften an, die  Leiharbeit fair zu gestalten, heute heißt die Parole: den Mißbrauch verhindern. Die vom DGB gerühmte Reform der Leiharbeit von Andrea Nahles besagt: Es darf ein Leiharbeiter maximal 18 Monate lang an den selben Betrieb ausgeliehen werden. Danach muss er entweder die Einsatzstelle wechseln oder von dem Unternehmen, bei dem er bisher tätig war, übernommen werden. In der  Praxis heißt es, bei Leiharbeitern wird nicht erst auf den Ablauf der 18 Monatsfrist gewartet, sie  werden meist bereits vor Ablauf von 9 Monaten woanders eingesetzt, bzw. gefeuert, um eine Lohnerhöhung  (gleicher Lohn) zu vermeiden. Für Leiharbeiter ist es Normalität, bei immer neuen Verleihern bei einem überschaubaren Kreis leihender Unternehmen arbeiten zu müssen. Je mehr der  DGB  die Leiharbeit “bekämpft”, desto mehr breitet sich diese Form der Ausbeutung aus.  961.000  Leiharbeiter gab es im vergangenen Jahr – so viele wie nie zuvor.” Kommentar von Karsten Weber (chefduzen.de) am 23.10.2016.

Siehe dazu: Leihkeule TV: Erfahrungen mit Sklavenhändlern
https://www.youtube.com/watch?v=lOD3equWhPs (https://www.youtube.com/watch?v=lOD3equWhPs)
http://www.labournet.de/politik/alltag/arbed/werkvertrag/gesetz-zur-regulierung-von-zeitarbeit-und-werkvertraegen-2016/ (http://www.labournet.de/politik/alltag/arbed/werkvertrag/gesetz-zur-regulierung-von-zeitarbeit-und-werkvertraegen-2016/)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 09:14:30 Fr. 03.Februar 2017
Alle halbe Jahre wieder:
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 12:08:20 Mo. 06.Februar 2017
Literarisch auf den Punkt gebracht  ;D:
http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=15&t=5469#p41297 (http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=15&t=5469#p41297)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagmar am 08:21:30 Di. 07.Februar 2017
Hallo Ihr,
bei zwangsläufig geführten Vorstellungsgesprächen wegen VV der Arge könnt Ihr ja schon selber am besten merken, dass sich die Gurus der Zeitarbeit für Seelenheilbringer betrachten, die ja so viele dankbare Mitarbeiter haben, so viele werden beim Kunden übernommen und sie - die Gurus - haben ja schon so viele aus Zwangslagen befreit.

Und weil das ja so toll ist und die alle so Gönner sind habe ich bei jedem ZAF-Gespräch die Statistik der Arbeitsagentur dabei um mal zu fragen, warum denn 1/3 schon nach 4 Wochen aufgehört hat. Ob die wohl alle schon übernommen wurden????

Das irre ist ja der Mehraufwand durch die ständigen Kündigungen und wieder Arbeitlosmeldungen genau derer, die nur kurz dabei sind. Die die länger dabei sind, benötigen evtl. Aufstockung weil die Löhne so gering sind. Aber HerrGott nochmal, eigentlich lässt sich das gar nicht ändern. Klar, jeder kann selber versuchen zu verhindern in einem solchen Laden zu arbeiten, aber die Politik unterstützt solche Läden, die Arbeitsvermittler versuchen so ihre persönliche Quote zu erfüllen und Arbeitgeber können so Personalverantwortung meiden. IG's die mal für Mitarbeiter waren und früher mal selber gegen das Thema Zeitarbeit angegangen sind, haben diese ins Boot geholt und kooperieren. Echt, in diesem Staat rennt man/frau nur gegen Mauern ab dem Moment, wo man/frau sich auch nur ansatzweise die Frage stellt "was will ich selber eigentlich"....

Trauriger Gruß von Dagmar
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11:04:23 Di. 07.Februar 2017
Zitat eines JC SBs: "Mir gefällt Zeitarbeit auch nicht, aber wir haben nichts anderes mehr, wohin wir vermitteln können!"
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 16:15:58 Mi. 12.Juli 2017
Zitat
Die am 1. April 2017 in Kraft getretene Neufassung des AÜG hat dieses Leistungsverweigerungsrecht des Leiharbeitnehmers durch ein an den Entleiher gerichtetes Einsatzverbot ergänzt. Nach § 11 Abs. 5 Satz 1 AÜG darf dieser Leiharbeitnehmer nicht tätig werden lassen, wenn sein Betrieb unmittelbar von einem Arbeitskampf betroffen ist.

Der Verstoß gegen das Einsatzverbot stellt nach § 16 Abs. 1 Nr. 8a AÜG eine Ordnungswidrigkeit dar, die nach § 16 Abs. 2 AÜG mit einer Geldbuße bis zu 500.000 € sanktioniert werden kann.
http://blog.handelsblatt.com/rechtsboard/2017/07/10/leiharbeit-kein-einsatzverbot-bei-rechtswidrigen-streiks/ (http://blog.handelsblatt.com/rechtsboard/2017/07/10/leiharbeit-kein-einsatzverbot-bei-rechtswidrigen-streiks/)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagmar am 17:55:34 So. 16.Juli 2017
Hey Ihr,
und auch des Gesundheitswesen hat es geschnallt ! Hier eine Pflegeheimkette (so und so schon nichts für feine Gemüter, denn streikender Mitarbeiter werden kurzerhand entsorgt) schreibt eine Anstellung in der Verwaltung / Teilzeit - als Werksvertrag aus.

Nun, da habe ich mich doch mal informiert über das Gesundheitswesen - nun es ist da jetzt nicht unüblich auf diese Art zu arbeiten. Habe ich das doch schon in der Pflgeheimen in der Reinigung mitbekommen - so wird das nun auf vielerrlei Bereiche verlegt. Bevor jemand klagt oder Rambazamba macht ist die Gmbh erloschen, das Personal gekündigt und bei der nächstem GMBH neu eingestellt.

Toller Schlag für die deutschen Unternehmer...

Gruß von Dagmar
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 13:29:52 Sa. 22.Juli 2017
Alle halbe Jahre wieder:
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen-Berufe/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf
Die neue Fassung ist draußen, Link bleibt gleich.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 00:12:49 Do. 01.März 2018
Das halbe Jahr ist wieder rum, der Link bleibt diesmal nicht gleich:
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf

Zitat
Von den 661.000 im ersten Halbjahr 2017 beendeten Zeitarbeitsverhältnissen dauerten 17 Prozent (112.000) mindestens 18 Monate (Abbildung 11). 13 Prozent (85.000) der beendeten Beschäftigungsverhältnisse dauerten zwischen neun bis zu 18 Monaten. Nach weniger als einem Monat endeten zuletzt 28 Prozent (185.000) aller Leiharbeitsverhältnisse, 19 Prozent (129.000) wurden in einem Zeitraum von mindestens einem bis unter 3 Monaten beendet. Nach wie vor scheinen Verleiher ihren Personalbestand somit möglichst elastisch ihrer Auftragslage anzupassen.
Diese Branche gehört echt verboten.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 15:01:14 Fr. 02.März 2018
Zitat
Der Arbeitskräftemissbrauch durch Leiharbeit hat System

                               (https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/none/path/s992f8f929e4bbd65/image/i0290643e6b2518ed/version/1519819639/arbeitnehmer%C3%BCberlassung-leiharbeit.jpg)
 
Das Beschäftigungswachstum in der Leiharbeit hält unvermindert an und erreicht Rekordhöhen. Das ist weder Zufall, noch Zeichen für eine bloß stellenweise missbräuchliche Nutzung der Arbeitnehmerüberlassung. Mindestens drei Anhaltspunkte sprechen für den systematischen Missbrauch von Beschäftigten durch Leiharbeit.

Mit der Leiharbeit verhält es sich wie mit der Büchse der Pandora. Ist der Deckel erst einmal vom Gefäß, gibt es kein Halten mehr. Das Übel heißt in diesem Falle Prekarisierung der Arbeit und Lohndumping mit ausbeuterischen Billigjobs.

(https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=960x10000:format=png/path/s992f8f929e4bbd65/image/i07ed95e4db559415/version/1519812979/besch%C3%A4ftigungsentwicklung-leiharbeit-bis-juni-2017.png)

weiter: https://www.miese-jobs.de/chroniken/2018/28-02-18/ (https://www.miese-jobs.de/chroniken/2018/28-02-18/)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Onkel Tom am 17:59:31 Fr. 02.März 2018
Mein erster Eindruck ist etwas..

Zur Darstellung, auf welcher Grundlage sich diese Statistiken stützen, wird
meines Erachten um den heißen (unverständlichen) Brei informiert, siehe Seite
6, Punkt "Die neue Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung:"

Weiter fliege ich auf Seite 8 über einem Fehlerteufel.. Lese mal den Punkt
"GERINGFÜGIGE BESCHÄFTIGUNG" und vergleiche mal dazu die Änderungen
der 2 Torten darunter..
71.000 - 200 machen gleich eine Reduzierung von 14 auf 7 % aus ?
Hää, verstehe ich da was verkehrt oder wird doch geschummelt ?

Naja, zu den langjährigen Statistiken fällt mir auf, das sich kurz nach jeder
massiven H4-Verschärfung ZAF-Haie die Hände reiben konnten und weiter
wie die Pilze sprießen.

Ärgerlich ist die Abbildung 13 auf Seite 15. Die ersten 2 Balken besagen ja
schon alles, das "Normalarbeitsplätze" weiter durch Leiharbeit abgebaut
wird.

Es ist zum  kotz
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 03:17:29 Sa. 03.März 2018
Weiter fliege ich auf Seite 8 über einem Fehlerteufel.. Lese mal den Punkt
"GERINGFÜGIGE BESCHÄFTIGUNG" und vergleiche mal dazu die Änderungen
der 2 Torten darunter..
71.000 - 200 machen gleich eine Reduzierung von 14 auf 7 % aus ?
Hää, verstehe ich da was verkehrt oder wird doch geschummelt ?
Ersteres.  ;) (Wobei man Letzteres bei Statistiken ohnehin nie ausschließen kann.)

Linke Torte: Beschäftigte insgesamt
Rechte Torte: Leiharbeitnehmer
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Onkel Tom am 11:55:34 Sa. 03.März 2018
Danke  :)
Oki, habe da inhaltlich was in den falschen Hals bekommen..
Der aufkommende Adrenalinkick beim lesen ist ja auch nicht ohne.
 ::)

Jedoch könnte man mit Zitaten daraus ganz schön typische Sprüche
eines SB killen a la "Erzählen Sie mir doch nicht so ein Mist ! Haben Sie
noch nicht die Auswertung der BA dazu gelesen ??"

 ;D
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 17:20:12 Mo. 30.Juli 2018
Das halbe Jahr ist mal wieder rum, die BA-Staistik zur Zeitarbeit ist neu aufgelegt:
www.statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf (http://www.statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf)

Zitat

Im Jahresdurchschnitt 2017 waren 1,03 Mio. Leiharbeitneh-mer in Deutschland entweder sozialversicherungspflichtig o-der ausschließlich geringfügig beschäftigt (Abbildung 4). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahm ihre Zahl um 41.000 (+4 Prozent) zu.
Der Anteil der Zeitarbeitnehmer an der Gesamtbeschäftigung (37,18 Millionen) beträgt nach wie vor weniger als drei Pro-zent. Betrachtet man die Beschäftigungsformen separat, so waren 3,0 Prozent der 32,23 Millionen sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten und 1,4 Prozent der 4,95 Millionen ausschließlich geringfügig Beschäftigten als Zeitarbeitneh-mer beschäftigt.

[...]

Von den 783.000 im zweiten Halbjahr 2017 beendeten Zeitarbeitsverhältnissen dauerten 13 Prozent (106.000) mindestens 18 Monate (Abbildung 11). 11 Prozent (89.000) der beendeten Beschäftigungsverhältnisse dauerten zwischen neun bis zu 18 Monaten. Nach weniger als einem Monat endeten zuletzt 30 Prozent (237.000) aller Leiharbeitsverhältnisse, 22 Prozent (172.000) wurden in einem Zeitraum von mindestens einem bis unter drei Monaten beendet. Nach wie vor scheinen Verleiher ihren Personalbestand somit möglichst elastisch ihrer Auftragslage anzupassen.
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 15:10:11 Fr. 21.September 2018
Zitat
Viele kleinere Personaldienstleister fürchten um ihre Existenz

Berlin, 20. September 2018 – Am 1. Oktober 2018 greift erstmals die Beschränkung der Überlassungshöchstdauer in der Zeitarbeit auf 18 Monate. Eine gemeinsame Umfrage der Personalmarktexperten von index Research und vom Berater der Zeitarbeit Edgar Schröder ergab jetzt, dass 25 Prozent der kleineren Zeitarbeitsanbieter mit weniger als 50 Mitarbeitern existenzgefährdende Auswirkungen durch die neuen Bestimmungen befürchten. 40 Prozent der Personaldienstleister rechnen dabei mit der Beendigung von Kundenaufträgen, die von der Überlassungshöchstdauer betroffen sind. Insgesamt rechnen die teilnehmenden Unternehmen mit Umsatzeinbußen von durchschnittlich 21 Prozent aufgrund der neuen Regelung. An der Umfrage beteiligten sich rund 600 Entscheider von Zeitarbeitsfirmen unterschiedlicher Größe.
(...)
Vor diesem Hintergrund ist insbesondere bei einer rückläufigen Konjunktur damit zu rechnen, dass die Gesetzesänderung zu einer Forcierung des Konzentrationsprozesses in der Branche führen wird.
https://www.openpr.de/news/1019186/Viele-kleinere-Personaldienstleister-fuerchten-um-ihre-Existenz.html (https://www.openpr.de/news/1019186/Viele-kleinere-Personaldienstleister-fuerchten-um-ihre-Existenz.html)
Titel: Re:Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 14:59:12 Mi. 14.November 2018
Zitat
1.11.18
Die Zeitarbeitsbranche bildet zu den steigenden Beschäftigungszahlen aktuell einen Ausreisser. Im Vergleich zum August 2017 gab es in der Branche 41.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weniger. Das ist ein Rückgang von 4,6 Prozent auf 855.100 Beschäftigte. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl um 3.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (-0,5 Prozent).
https://www.personalorder.de/index.php?load=2,1&art_id=134864 (https://www.personalorder.de/index.php?load=2,1&art_id=134864)
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: dagobert am 22:38:09 Di. 12.März 2019
The same procedure as every 6 Months:
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Branchen/generische-Publikationen/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 09:31:20 Fr. 05.Juli 2019
Zitat
4.7.19
Das Ende des deutschen Langzeitbooms schlägt auf die Zeitarbeitsbranche durch und hinterlässt auch regional erste Bremsspuren. „Die Abkühlung der Konjunktur macht sich bei uns ganz klar bemerkbar“, heißt es bei Randstad. Deutschlands größtes Zeitarbeitsunternehmen spürt den Rückgang vor allem dort, wo traditionell die Automobilindustrie angesiedelt ist – vornehmlich im Süden Deutschlands. Sowohl bei den Herstellern als auch den Zulieferbetrieben würden weniger Zeitarbeitnehmer eingesetzt.(...)
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/weniger-zeit-mehr-kurzarbeit-flaute-am-arbeitsmarkt-kostet-erste-jobs/24524630.html
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 17:11:03 Mi. 21.August 2019
Zitat
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit nicht in Sicht
Ein Kommentar zur Tarifrunde Leiharbeit 19/20


(https://direkteaktion.org/wp-content/uploads/2019/07/BeschisseneArbeitsverhaeltnisseBekaempfen-765x509.jpg)

Anlässlich des Auslaufens von Leiharbeit-Tarifverträgen startet der DGB eine neue Kampagne: Tarifrunde Leiharbeit 19/20. labournet.de kommentierte den Start der neuen Tarifrunde in Richtung DGB-Gewerkschaften mit: „nix dazu gelernt.“[1] Und auch die ver.di-Jugend positionierte sich klar: Auf ihrem Bundeskongress forderte sie in einem Beschluss das Verbot der Leiharbeit.[2] Doch warum lehnen so viele die Leiharbeit-Tarifverträge ab?

Schlechterstellung durch Tarifvertrag

Leiharbeit wird in Deutschland durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz – kurz AÜG – geregelt. Ziel der im April 2017 in Kraft getretenen Neufassung war es – laut Bundesregierung – Missbrauch in der Arbeitnehmerüberlassung entgegenzuwirken. Außerdem sollte es Unternehmen die Möglichkeit bieten, vorübergehenden Arbeitskräftebedarf bei Auftragsspitzen flexibel decken zu können. Die damalige Arbeitsministern Andrea Nahles (SPD) meinte weiterhin dazu, dass mit diesem Gesetz „klar das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit ohne Schlupflöcher verabredet worden sei.“[3] Dass das Ganze Käse ist lässt sich an zwei Beispielen belegen, also wie zum Geier kommt die Frau darauf?

Erstens: Das AÜG sieht vor, dass LeiharbeiterInnen nach 9 Monaten den selben Lohn wie Stammbeschäftigte erhalten sollen. In dem Gesetz steht aber auch, dass es möglich, ist, diesen Grundsatz durch Tarifverträge zu unterlaufen. Mit Tarifverträgen kann verabredet werden, dass der gleiche Lohn erst nach 15 Monaten gezahlt werden muss – Soviel zum Thema „keine Schlupflöcher“, Frau Nahles. Es kommt noch dicker: es gibt da noch die sogenannte Unterbrechungsfrist. Diese besagt, dass wenn zwischen dem letzten Einsatz des Leiharbeiters beim gleichen Unternehmen drei Monate liegen dann fangen die 9 (mit Tarifvertrag bis zu 15) Monate ohne „Equal Pay“ wieder von vorne an.

Die harten Fakten was die Bezahlung angeht sehen so aus: LeiharbeiterInnen verdienen im Durchschnitt 42% weniger als ihre fest angestellten Kollegen. Und das liegt nicht daran, dass Leiharbeiter häufiger Tätigkeiten „geringer Qualifikation“ ausüben, sondern sie werden schlicht und einfach schlechter bezahlt – der Durchschnittslohn einer fest angestellten Fachkraft liegt bei 2965 Euro Brutto und der Durchschnittslohn einer Leiharbeitsfachkraft bei 2209 Euro Brutto.[4]

Zweitens: Die im Gesetz festgelegte Höchstüberlassungsdauer besagt, dass LeiharbeiterInnen höchstens 18 Monate bei einem Entleihbetrieb arbeiten dürfen. Doch auch hier sieht das Gesetz Schlupflöcher vor: durch tarifliche Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverband der jeweiligen Branche kann von einer Höchstüberlassung abgewichen werden. Davon wurde beispielsweise durch einen Tarifvertrag der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall Gebrauch gemacht und eine Höchstüberlassung von 4 Jahren in der Automobilindustrie vereinbart.

Im April 2019 existierten 109 Tarifverträge, in denen die maximale Dauer der Überlassung an das selbe Unternehmen auf mehr als 18 Monate ausgeweitet wurde – und das, obwohl Leiharbeit angeblich den Zweck hat zeitlich begrenzt und kurzzeitig Arbeitsspitzen abzudecken.[5]

Fazit: mittels Tarifverträgen ist es möglich die gesetzlichen Mindeststandards auszuhöhlen. Doch welche seriöse Gewerkschaft würde in so einem Fall schon Tarifverträge abschließen?
Die Leiharbeitsbranche ist die Branche mit der höchsten Tarifbindung

Kein Wunder also, dass die Arbeitgeberverbände der Leiharbeit sehr gerne bereit sind Tarifverträge abzuschließen – mit dem Ergebnis, dass die Leiharbeitsbranche eine der Branchen mit der höchsten Tarifbindung ist![6] Und hier kommt der DGB ins Spiel, denn der DGB ist es, der Tarifverträge auf „Arbeitnehmerseite“ abschließt und somit Leiharbeit zu schlechteren Bedingungen gestaltet wie es das Gesetz vorsieht.

Nun kann man auch verstehen, warum zig Leute und Organisationen deutschlandweit den DGB auffordern keine neuen Tarifverträge mehr abzuschließen. Auch die äußerst populäre ZDF Satire-Sendung Die Anstalt hatte das gecheckt und im Mai 2017 eine super Folge zum Thema Leiharbeit herausgebracht.

Warum macht der DGB das?

Der DGB legt in Sachen Leiharbeit die Haltung „Hauptsache mit uns“ an den Tag. „Jeder Tarifvertrag ist besser als keiner“ – so scheint die Devise zu lauten. Die Folgen sind gravierend: Mit der daraus resultierenden „Lohnungleichheit“ spaltet der DGB die sogenannte „Stammbelegschaft“ tiefer von den LeiharbeiterInnen ab. Hinzu kommt noch: Die Politik des DGB begünstigt (mit kräftiger Unterstützung einflussreicher Betriebsräte) vordergründig die Stammbelegschaften und die LeiharbeiterInnen dienen als willkommener Puffer für deren Arbeitsplätze. Hierdurch wird deutlich, dass der DGB ein politisches Machtspiel betreibt, statt auf die Rechte der Arbeiterklasse insgesamt einzugehen.

Eine Kündigung der Leiharbeitstarifverträge ist zum 31. Dezember 2019 möglich. Ziemlich sicher wird der DGB die Tarifverträge nicht kündigen und die neu abgeschlossenen Verträge – wie schon die Jahre zuvor – schön reden. Bis dahin wird es hoffentlich noch einiges an Gegenwind geben, sodass die Verhandlungen nicht ruhig über die Bühne gehen. Es bleibt unverständlich warum der DGB Verschlechterungen durch Tarif ermöglicht und die Leiharbeit „mitgestaltet“ statt sie zu bekämpfen
https://direkteaktion.org/gleicher-lohn-fuer-gleiche-arbeit-nicht-in-sicht/
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 12:27:19 Mi. 11.September 2019
11.9.19
Zitat
Die drei führenden Zeitarbeitsunternehmen verzeichnen weiteren Umsatzrückgang
(...)
2019 sind die Zeitarbeitsunternehmen stärker von der schwächelnden Konjunktur betroffen. Die von den Unternehmen gemeldeten Zahlen zum zweiten Quartal fallen stark ab. Auch hier hat Manpower wieder mit -30 Prozent gegenüber Q2 2018 den größten Verlust zu vermelden. Adecco verliert 18 Prozent, Marktführer Randstad 15 Prozent.

Die starken Umsatzrückgänge führen die Unternehmen laut Pressemitteilungen in erster Linie auf die Marktabschwächung zurück. Insbesondere die schwache Automobilindustrie hat durch den Handelskrieg und eine geringere Nachfrage Auftragsrückgänge zu verzeichnen. Auch Automobilzulieferer, von denen ein Großteil mittelständische Unternehmen und somit wichtiger Arbeitgeber in Deutschland sind, geraten stärker unter Druck. Stellen werden abgebaut, wovon zuallererst Zeitarbeitnehmer betroffen sind. Doch auch mit anhaltenden Auswirkungen der regulatorischen Änderungen haben Personaldienstleister zu kämpfen.
https://www.luenendonk.de/die-drei-fuehrenden-zeitarbeitsunternehmen-verzeichnen-weiteren-umsatzrueckgang/
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Tiefrot am 12:48:31 Mi. 11.September 2019
Zitat
Doch auch mit anhaltenden Auswirkungen der regulatorischen Änderungen
haben Personaldienstleister zu kämpfen.
Es gibt nur eine Regelung, die diesen Mißstand behebt:
Leiharbeit ist ausnahmslos verboten.

Kapiert das endlich.  >:(
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: BGS am 19:48:37 Mi. 11.September 2019
Zitat
Doch auch mit anhaltenden Auswirkungen der regulatorischen Änderungen
haben Personaldienstleister zu kämpfen.
Es gibt nur eine Regelung, die diesen Mißstand behebt:
Leiharbeit ist ausnahmslos verboten.


Kapiert das endlich.  >:(

Definitiv richtig.

Der "Personaldienstleister" u. ä. bedarf es nicht im Geringsten!

MfG

BGS


Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 10:24:12 Mo. 16.September 2019
Lange, sehr lange, sind wir schon dabei, die Leiharbeit selbst in Frage zu stellen und ihre Abschaffung zu fordern. Der DGB ist weiterhin dabei, diese Form der Ausbeutung aktiv zu verteidigen. Er fordert, den Sklavenhandel fair zu gestalten.

Vereinzelt gab es Stimmen aus der Linkspartei, die sich für die Abschaffung der Leiharbeit aussprachen. Nun gibt es den ersten vorsichtigen Versuch in der bürgerlichen Presse, die Leiharbeit grundsätzlich in Frage zu stellen.

Zitat
So wie sich die Leiharbeit präsentiert, als Lohndumping und Drohkulisse, gehört sie abgeschafft.

Diese Formulierung läßt diverse Hintertüren für die Leiharbeit offen. "Lohndumping" und "Drohkulisse" sind eben nicht die einzigen Funktionen der Leiharbeit. In Frankreich ist die Leiharbeit bereits teurer als die Festanstellung, doch sie bleibt für die Unternehmen attraktiv. Es bedeutet auch eine Spaltung der Belegschaft. Die Leiharbeit ermöglicht die Flexibilisierung der Produktionsbedingungen, was auch eine Arbeitsverdichtung für die Stammbelegschaft bedeutet.

Hier der vollständige Artikel:

Zitat
Flexibilität muss teurer werden
Mehr Geld macht die Leiharbeit kaum besser. In ihrer derzeitigen Form gehört sie abgeschafft

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Davon können die rund 900.000 Leiharbeiter in Deutschland nur träumen. Die kommende Woche startenden Tarifverhandlungen werden daran nichts ändern. 8,5 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten der Leiharbeitsbranche, das ist die Lohnforderung des DGB. Dazu kommen mehr Urlaubstage und mehr Weihnachtsgeld. Eine Gehaltserhöhung um 8,5 Prozent, das klingt nach viel. Ist es aber nicht, wenn man sich anschaut, wie wenig Leiharbeiter im Vergleich verdienen. Bei 1.928 Euro brutto lag ihr Monatslohn 2018 im Mittel. Das sind 1.367 Euro weniger als bei regulär Vollzeitbeschäftigten, die auf 3.304 Euro kamen. Und das liegt nicht daran, dass Leiharbeiter häufiger Tätigkeiten mit „geringer Qualifikation“ ausüben, wie so gerne suggeriert wird. Sie werden schlicht schlechter bezahlt.

8,5 Prozent mehr Geld, „völlig überzogen“ fanden das die Vertreter der Leiharbeitsbranche und erteilten dem DGB schon im Vorfeld eine Absage. „In der aktuellen Phase würden durch derartige Forderungen Arbeitsplätze gefährdet und Integrationschancen von Menschen in den Arbeitsmarkt behindert.“ Schlechte Konjunktur, gute Konjunktur, egal – sie beten stets das gleiche Mantra. Seit die Leiharbeit als Lohndumping im großen Stil etabliert wurde, wird sie politisch als Win-Win vermarktet. Eine Maßnahme, um kurzfristige Arbeitsspitzen aufzufangen mit tollen Einstiegschancen für Erwerbslose, aber in der Praxis profitiert fast nur die Unternehmerseite.

Eigentlich sollte mit der Reform der Leiharbeit vor zwei Jahren vieles besser werden. Eigentlich. Laut Gesetz sollen Leiharbeiter nach neun Monaten den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten.Aber die meisten von ihnen arbeiten nicht einmal ein halbes Jahr am Stück im Betrieb. Mit 8,5 Prozent mehr Gehalt kommt man aus dem Teufelskreis nicht raus, damit schafft man gerade mal einen kleinen Abstand zum Mindestlohn. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Das muss für Leiharbeiter vom ersten Arbeitstag an gelten. Für die Belastung, die mit der Flexibilität einhergeht, sollten Unternehmen zusätzlich zur Kasse gebeten werden. So wie sich die Leiharbeit präsentiert, als Lohndumping und Drohkulisse, gehört sie abgeschafft. Aber das geschieht erst, wenn Unternehmer feststellen: Leiharbeit lohnt sich für mich nicht.
https://www.freitag.de/autoren/martina-mescher/flexibilitaet-muss-teurer-werden

Die Diskussionslage in den Betrieben zur Leiharbeit hat sich auch verbessert. Betriebsräte sorgen sich oftmals nur um die gewerkschaftlich organisierten Stammbeschäftigten. Leiharbeiter werden als "Puffer" gesehen, die bei schlechter Auftragslage gehen müssen und damit die Arbeitsplätze der Stammbelegschaft sicherer machen. Inzwischen forden aber auch Betriebsräte der Stammbelegschaft zunehmend die Übernahme der Leiharbeiter in den Stammbelegschaft. Wir sollten diese Diskussion weiter vorantreiben.

(https://abload.de/img/largemxkg9.jpg) (https://abload.de/image.php?img=largemxkg9.jpg)
(https://abload.de/img/1-mai-in-berlinkijlk.jpg) (https://abload.de/image.php?img=1-mai-in-berlinkijlk.jpg)

Die gleiche Thematik ist selbst in China ein großers Problem. Dort befinden sich die Leiharbeiter vom Arbeitsrecht her in einer weitaus besseren Position, als in Deutschland, doch viele Unternehmen (auch deutsche) brechen einfach das chinesische Arbeitsrecht. Das ist der Anlaß für viele Betriebliche Arbeitskonflikte bis hin zum Wilden Streik.
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Onkel Tom am 11:43:33 Mo. 16.September 2019
Zitat
...
8,5 Prozent mehr Geld, „völlig überzogen“ fanden das die Vertreter der Leiharbeitsbranche und erteilten dem DGB schon im Vorfeld eine Absage. „In der aktuellen Phase würden durch derartige Forderungen Arbeitsplätze gefährdet und Integrationschancen von Menschen in den Arbeitsmarkt behindert.“ Schlechte Konjunktur, gute Konjunktur, egal – sie beten stets das gleiche Mantra. Seit die Leiharbeit als Lohndumping im großen Stil etabliert wurde, wird sie politisch als Win-Win vermarktet. Eine Maßnahme, um kurzfristige Arbeitsspitzen aufzufangen mit tollen Einstiegschancen für Erwerbslose, aber in der Praxis profitiert fast nur die Unternehmerseite.
...

Ach, endlich ein triftigen Grund, keinerlei "Tarifverhandlungen" weiter zu führen und Leiharbeit hoffentlich
zum verrecken bringen !..

Und das mit den "Intregrationsschancen" kennen wir ja schon zu genüge von der Erwerbslosenindustrie,
wie man mit solch Pladitüden Profite macht.. Grumpf, mal vor den Gewerkschaftshäusern per Protest an
deren Makulatur kratzen ?

Leiharbeit verbieten ! Das dürfte der Gewerkschaft bezüglich ihres Ansehen auch ganz gut tun, zumindest
im Bezug Glaubwürdigkeit  ;)
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18:39:17 Mo. 25.November 2019
Lohnabstand 600 Euro! Tarifverhandlungen Leiharbeit sofort beenden!

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2019/01/leiharbeit_spaltung.jpg)

Berlin. Organisationen der Sozialproteste fordern den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften dringend auf, die Tarifierung der Leiharbeit zu beenden. Das „Bündnis gegen Leiharbeit und gegen den Missbrauch von Werkverträgen durch die Unternehmen“ ruft zu der öffentlichen Übergabe von Unterschriften an den Verhandlungsführer der Tarifkommission Leiharbeit des DGB, Stefan Körzell, am 28. November 2019, 15 Uhr am Sitz des DGB-Bundesvorstands am Henriette-Herz-Platz 2 in Berlin auf.

https://2020-equalpaystattspaltung.de/aktuell/index.php

http://www.labournet.de/?p=142284
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Onkel Tom am 21:16:04 Mo. 25.November 2019
Hmm.. spannend.. Ich kann nur hoffen, das ein neuer Tarifvertrag ins Wasser fällt..

Kann ja nicht einschätzen, wie das mit Zunahme und Abgängen von Gewerkschaftsmitgliedern
und aus welchen Branchen statistisch ausgewertet wird.. Problematisch die Vermutung, das
anhand des Beitragsatz entsprechend "anders" abgefrühstückt wird..

Tarifsverhandlungen ohne Ergebnis fallen lassen ! Branschentarifvertrag + Flexibilitätszulagen
durchsetzen.. Ansonsten sofort

Leiharbeit verbieten !

Verstehe nicht, warum es in ZAF nicht wie bei Seebären abgehen kann, die zusammen halten müssen.

Wenn es nun mal auf ein Schiff wie z.B. MS-Zeitarbeitshai an Lohntüte krankt und die Karantäneflagge
einfach nicht zu finden ist ? Müssen dann wohl doch ihr Schiff verlassen und zum Doc gehen..  Der hat
gelbe Fähnchien sogar in Hunderterblocks in der Schublade.. ZAF-Hai kann ja dann ohne "Besatzung"
rum schippern oder Schiff den roten Notversenkungsstöpsel ziehen lassen.. Ha ha ha hatschiejaaaa..
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 10:38:54 Di. 17.Dezember 2019
Ich hatte an anderer Stelle von dem Zusammentreffen von Arbeitern (und ehemaligen Arbeitern) von Opel und Daimler berichtet. Einen wichtigen Punkt hatte ich vergessen.

Ein Opelaner hat gesagt, daß die Einführung der Leiharbeit die Versuche kollektive Kämpfe zu organisieren massiv unterlaufen hat. "Das hat alles kaputtgemacht!"

Er sagte, daß alle, die kämpferische Belegschaften wollen, erst einmal ein Verbot der Leiharbeit erkämpfen müssen.
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 12:10:09 Do. 19.Dezember 2019
(https://abload.de/img/rnd_243530988gjav.jpg) (https://abload.de/image.php?img=rnd_243530988gjav.jpg)
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: BGS am 23:06:58 Fr. 20.Dezember 2019
Den Nagel auf den Kopf getroffen.
(https://abload.de/img/rnd_243530988gjav.jpg) (https://abload.de/image.php?img=rnd_243530988gjav.jpg)

Ist wohl in Kiel-Garden?

MfG

BGS
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Kuddel am 19:47:47 Sa. 06.Juni 2020
In diesem Thread geht es um die "aktuelle Entwicklung" in der Leiharbeit.
Ich bin aber über einen Bericht in einem Wirtschaftsblatt gestoßen, der zwar bereits 11 Jahre alt ist, aber tiefe Einblicke gewährt. Ich finde diesen Artikel so faszinierend, weil er belegt, daß es nicht einfach nur ein Ding irgendwelcher komischer Leihbuden ist, die auf Teufel komm raus aus ihrem Personal möglichst viel Kohle pressen wollen, sondern daß die ganze Sklavenhändlerbranche ein zusammenhängender Apparat ist, der von der Wirtschaft selbst, da insbesondere den mächtigsten Konzernen (die Autoindustrie vorne weg) präzise gelenkt wird.

Die Wirtschaftswoche redet Klartext:
Zitat
So umgehen sie Tariflöhne und Kündigungsschutz.
Zitat
Dabei verfolgten die Pioniere des Drehtüreffekts eigentlich unverfängliche Ideen, im Vordergrund stand vor allem mehr Flexibilität im Personaleinsatz.
Zitat
Die meisten der internen Zeitarbeitsunternehmen arbeiten wie eine Firma in der Firma und existieren nur auf dem Papier. Sie befinden sich im selben Gebäude, auf demselben Flur und im selben Raum wie die Personalabteilung der Muttergesellschaft.
https://www.wiwo.de/unternehmen/zeitarbeit-wie-unternehmen-ihre-beschaeftigten-in-leiharbeiter-verwandeln/5145084-all.html

Es stehen jede Menge krasser Sachen in diesem Artikel. Einiges ist überholt, in einigen Dingen hat sich auch juristisch die Lage geändert. Es bleibt aber bei folgenden Fakten: Leiharbeit dient nicht allein der Lohndrückerei, sie soll die Belegschaften spalten und das Personal immer flexibler einsetzbar machen, ganz nach den Bedürfnissen der Unternehmen und nach Auftragslage. Leiharbeit ist kein Zufallsprodukt. Sie wird gezielt und bewußt eingesetzt, sie wird von der Wirtschaft genau analysiert und ständig den Entwicklungen angepaßt. Arbeiter sollen flexibilisiert, isoliert und wehrlos werden. Leiharbeit ist komplett für'n Arsch! Leiharbeit muß weg! Mit Stumpf und Stiel! Da ist nix zu reformieren und nix fair zu gestalten.
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20:54:21 So. 07.Juni 2020
Zitat
Internationaler Gewerschaftsrat
DGB zu Leiharbeit: „Praxis ist menschenverachtend“

Der Internationale Gewerkschaftsrat nimmt die jüngst während der Corona-Pandemie stark in die Kritik geratenen Leiharbeiter-Unterkünfte ins Visier. Er fordert Mindeststandards für die Wohnraumgröße und die Ausstattung der Unterkünfte.


Der Interregionale Gewerkschaftsrat Rhein-Ijssel von DGB, FNV und CNV fordert eine Abschaffung der bisher geübten Praxis der Leiharbeit. Vor allem in der Fleischindustrie und in der Landwirtschaft auf beiden Seiten der Grenze sei das derzeitige System „nicht nur beschämend und menschenverachtend, sondern bedeutet im Falle von Pandemien auch konkrete Gefahr für die Gesundheit und das Leben von Menschen“, so der Gewerkschaftsrat.

Er ruft dazu auf, das System der Leiharbeit zu regulieren. So sei bisher der Zugang zu Daten über Beschäftigungsorte, Wohnorte, Sozialversicherung von Leiharbeitern und Lohnleistung durch die Werkvertragsunternehmen an diese für Behörden beidseitig der Grenze kaum möglich. „Wir fordern die Etablierung eines strukturierten grenzüberschreitenden Datenaustausches, in dem vor allen Dingen die Meldedaten der Sozialversicherungsträger miteinander vernetzt und für die Behörden zugänglich gemacht werden“, heißt es in einem Forderungspapier.

Der bestehende Arbeitsschutz reiche personell nicht aus und könne nicht grenzüberschreitend tätig werden, so der Gewerkschaftsrat. „Wir fordern die Einrichtung einer grenzüberschreitenden Arbeitsschutzgruppe, die sowohl auf der niederländischen, als auch auf deutscher Seite schnell und unbürokratisch Kontrollen durchführen kann“, heißt es weiter.

Auch auf die jüngst während der Corona-Pandemie stark in die Kritik geratenen Leiharbeiter-Unterkünfte geht der Internationale Gewerkschaftsrat ein. „Es gibt keine grenzüberschreitenden (branchen-)einheitlichen Standards und Kriterien für eine menschenwürdige und angemessene Unterkunft. Die Unterkunftskosten sind von den Leiharbeitern zu tragen, über ihre Höhe entscheiden willkürlich die Werkvertragsunternehmen“, so der Gewerkschaftsrat. Er fordert ein Verbot der Koppelung des Mietvertrages an den Arbeitsvertrag. Das Land NRW und die Niederlande sollten Mindeststandards für die Wohnraumgröße und die Ausstattung von Unterkünften gesetzlich verankern.
https://rp-online.de/nrw/staedte/kleve/dgb-zu-leiharbeit-praxis-ist-menschenverachtend_aid-51397915

Es klingt windelweich. Selbst die Bundesregierung ist teilweise den Gewerkschaften voraus. Beide, Politik und Gewerkschaften, fingen erst an sich zu bewegen, nachdem die zähe Arbeit von Aktivisten den Weg in die Medien schaffte und die öffentliche Diskussion den notwendigen Druck erzeugte.

Die Forderung für
Zitat
ein Verbot der Koppelung des Mietvertrages an den Arbeitsvertrag
höre ich zum ersten Mal und halte es für eine gute Idee.

Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Tiefrot am 05:29:58 Mo. 08.Juni 2020
Zitat
DGB zu Leiharbeit: „Praxis ist menschenverachtend“
Ja nee, ist klar. Die betreiben doch selber Sklavenhandel. Immer noch !  >:(
Sowas nenne ich scheinheilig.
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 08:53:15 Mo. 08.Juni 2020
Gibt es denn Nachweise,daß der DGB heutzutage immer noch im Leiharbeitsgeschäft verwickelt ist?
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Fritz Linow am 13:20:11 Mo. 08.Juni 2020
Zitat
Gibt es denn Nachweise,daß der DGB heutzutage immer noch im Leiharbeitsgeschäft verwickelt ist?

Bei Start Zeitarbeit NRW GmbH ist der DGB nach wie vor Gesellschafter:
https://www.start-nrw.de/ueber-start-nrw/organisation.php

Es gibt einen Haustarifvertrag und ein eigenes Zertifikat bei den Stellenanzeigen:

(https://abload.de/img/dgb2lj14.png) (https://abload.de/image.php?img=dgb2lj14.png)

Der DGB adelt damit aktiv die Sklavenhändler.

https://www.weitblick-personalpartner.de/ (über bfw zum DGB) hat zumindest die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung, was jetzt nichts heißen muss.

http://www.daa-zeitarbeit.de/ (verdi) gibt es nicht mehr.

Man müsste tatsächlich nochmal tiefer nachschauen, was es so für Verbindungen zwischen DGB, SPD, Maßnahmeträgern und Leihklitschen gibt. Die Antwort dürfte nicht gefallen.
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Tiefrot am 14:46:59 Mo. 08.Juni 2020
Danke Fritz.  ;)

Ansonsten hätte ich gesagt, niemand gibt eine von alleine und
reichlich sprudelnde Geldquelle her. Nicht freiwillig.
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: karl. am 17:29:04 Mo. 29.Juni 2020
Die Kanzlei Templin und Thiess stellt auf ihrer Homepage "die aus Sicht der Leiharbeitnehmer wichtigsten Urteile der letzten Jahre" vor. Dabei werden 17 Urteile des Bundesarbeitsgerichtes bzw. Landesarbeitsgerichten zu einschlägigen Branchenthemen vorgestellt.

Siehe hier unter:

https://www.templin-thiess.de/blog/zeit-leiharbeit/zeit-leiharbeit-der-rechtsprechung-diese-urteile-sollten-leiharbeitnehmer
Titel: Re: Zeitarbeit in Deutschland - Aktuelle Entwicklung
Beitrag von: Onkel Tom am 11:23:46 Di. 30.Juni 2020
...
Der DGB adelt damit aktiv die Sklavenhändler.
...
Man müsste tatsächlich nochmal tiefer nachschauen, was es so für Verbindungen zwischen DGB, SPD, Maßnahmeträgern und Leihklitschen gibt. Die Antwort dürfte nicht gefallen.

Jo, das der DGB, SPD und Maßnahmenträger "politisch" Schröderkonform verschwägert sind, musste ich in Hamburg
schmerzlich erfahren.. Zu Anfang dieser Erkenntnis wollte ich das erst mal nicht wahr haben. Dachte erst "Habe ich da was
verkehrt verstanden oder so ?". War das wirklich noch nicht gewohnt, begreifen zu müssen, das sie im Getriebe Erwerbslose
so derbe über die Klinge springen lassen, hauptsache es fließen Mitgliedsbeiträge von Mitarbeiter_innen von Masnahmenträgern.

Sich auf diese Art und Weise auch die Leiharbeitsbonzen ins Boot zu bekommen, liegt da nicht mehr fern.
Es ist meines Erachten nur noch ein Fingerschnipp, die Leihe als vierter im Kuschelbündnis zu bekommen.
Ob sie dann in Erklärungsnot geraten, wenn das besser sichtbar wird ?

Das Teilhabechancengesetz 16e/i könnte dazu das Sprungbrett werden..
 :(