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Wat Noch => Theoriebereich => Thema gestartet von: ManOfConstantSorrow am 16:58:27 So. 14.Oktober 2012

Titel: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16:58:27 So. 14.Oktober 2012
Ich kann diese kollektive Idiotie nicht mehr ertragen.
Immer heißt es, es seien die gut gebildeten Mittelschichten, die die gesellschaftlichen Veränderungen erkämpften. Diesen Stuß verbreitet selbst der von mir ansonsten hoch geschätzte Kabarettist Georg Schramm. Es ist aber nichts weiter als eine Fehlinterpretation der gesellschaftlichen Kämpfe und eine gewaltige Geschichtsfälschung.

Bereits die "bürgerliche" Revolution in Frankreich begann mit Kämpfen der Unterschichten. Der Sturm auf die Bastille und der Marsch der Marktfrauen nach Versailles waren entscheidende Schritte der Veränderungen, doch das Bürgertum wußte davon zu profitieren und riß die Macht an sich. Die Reformen galten nicht für die Armen, die Revolution hörte bei denen auf, die nichts hatten. Aber im Kampf hat das anders ausgesehen, die Toten vor der Bastille waren so arm, daß man noch nicht einmal ihre Namen kannte.

Bei den Unruhen von 1968 in Deutschland sah es ähnlich aus. Neben den demonstrierenden Studenten gab es die Rebellion der Schüler, und die Lehrlingsbewegung war vielleicht bedeutender, als die der Studenten. Die Lehrlinge gingen dann irgendwann in ihre Scheißjobs, während die Studenten zum Teil Historiker, Literaten und Journalisten wurden. Dort setzen sie sich selbst ein Denkmal. In der Geschichtsschreibung wurde die Lehrlingsbewegung unter den Teppich gekehrt und so nennt man heute 68 die Zeit der "Studentenrebellion".

Noch fürchterlicher ist die Berichterstattung über den Arabischen Frühling. Dort wird immer wieder über die Facebook Revolution gequatscht, die Tatsache ignorierend, daß 90% der demonstrierenden Menschen nichteinmal einen Internetzugang besaßen. Die nichtsnutzigen Journalisten waren sich jedoch nicht zu schade für den amerikanischen Riesenkonzern Werbung zu machen.

Und weiter geht's mit China. Hier wird auch immer über die Mittelklasse als neues revolutionäres Subjekt berichtet. Der gutausgebildeten Jugend ist jedoch das neueste Handy und Tablet-Computermodell wichtiger, als die gesellschaftliche Veränderung und die etablierte Mittelklasse mag mit den politischen Verhältnissen unzufrieden sein, doch der neueste BMW ist dann doch wichtiger, als eine politische Veränderung. Der wirkliche politische Sprengkraft liegt in der Landbevölkerung, in den Wanderarbeitern und den Frauen in den Fabriken.

Die Dummheit in politischen Einschätzungen seitens Journalisten und Historikern ist einfach unerträglich. Ich hoffe, in diesem Forum kann man sich jenseits dieser Fehlinterpretationen der Verhältnisse mit den realen sozialen Spannungen und politischen Auseinandersetzungen befassen.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Tiefrot am 19:19:27 So. 14.Oktober 2012
Zitat
Ich kann diese kollektive Idiotie nicht mehr ertragen.
Dito.
Zitat
Immer heißt es, es seien die gut gebildeten Mittelschichten, die die gesellschaftlichen Veränderungen erkämpften. Diesen Stuß verbreitet selbst der von mir ansonsten hoch geschätzte Kabarettist Georg Schramm. Es ist aber nichts weiter als eine Fehlinterpretation der gesellschaftlichen Kämpfe und eine gewaltige Geschichtsfälschung.
Gut gebildete Mittelschicht, du hast mir echt den Abend gerettet !  :D
Mann, ich hab noch nie so einen oberflächlichen Menschenschlag gesehn, als die.
Im Alltag sieht man von Bildung nicht viel.
Zitat
Bereits die "bürgerliche" Revolution in Frankreich begann mit Kämpfen der Unterschichten. Der Sturm auf die Bastille und der Marsch der Marktfrauen nach Versailles waren entscheidende Schritte der Veränderungen, doch das Bürgertum wußte davon zu profitieren und riß die Macht an sich. Die Reformen galten nicht für die Armen, die Revolution hörte bei denen auf, die nichts hatten. Aber im Kampf hat das anders ausgesehen, die Toten vor der Bastille waren so arm, daß man noch nicht einmal ihre Namen kannte.
Der Punkt dabei ist doch, daß sich auch die Unterschicht daran beteiligte, um etwas nach Oben zu kommen.
Für die Meisten erfüllt sich das Ziel nicht. Ganz klar. Und falls doch, bedenke, Macht korrumpiert.
Zitat
Bei den Unruhen von 1968 in Deutschland sah es ähnlich aus. Neben den demonstrierenden Studenten gab es die Rebellion der Schüler, und die Lehrlingsbewegung war vielleicht bedeutender, als die der Studenten. Die Lehrlinge gingen dann irgendwann in ihre Scheißjobs, während die Studenten zum Teil Historiker, Literaten und Journalisten wurden. Dort setzen sie sich selbst ein Denkmal. In der Geschichtsschreibung wurde die Lehrlingsbewegung unter den Teppich gekehrt und so nennt man heute 68 die Zeit der "Studentenrebellion".
Latürnich, oder denkst du im Ernst, daß Lehrlinge "hoch genug" im Ansehen stehen, um Spuren zu hinterlassen ?
Nein, grade heute sieht man doch, das mitdenkende Menschen eher als Systemgefährder gesehen werden.
Diese würden ja im Fall des Erfolgs den bisherigen Habenden Pfründe, Posten und die Macht kosten.
Zitat
Noch fürchterlicher ist die Berichterstattung über den Arabischen Frühling. Dort wird immer wieder über die Facebook Revolution gequatscht, die Tatsache ignorierend, daß 90% der demonstrierenden Menschen nichteinmal einen Internetzugang besaßen. Die nichtsnutzigen Journalisten waren sich jedoch nicht zu schade für den amerikanischen Riesenkonzern Werbung zu machen.
Die Fressenbuch-Schleichwerbung dürfte wohl Absicht gewesen sein.  kotz
Ich geb dir 'nen Schein drauf, dafür ist eine Menge Geld geflossen.
Zitat
Und weiter geht's mit China. Hier wird auch immer über die Mittelklasse als neues revolutionäres Subjekt berichtet. Der gutausgebildeten Jugend ist jedoch das neueste Handy und Tablet-Computermodell wichtiger, als die gesellschaftliche Veränderung und die etablierte Mittelklasse mag mit den politischen Verhältnissen unzufrieden sein, doch der neueste BMW ist dann doch wichtiger, als eine politische Veränderung. Der wirkliche politische Sprengkraft liegt in der Landbevölkerung, in den Wanderarbeitern und den Frauen in den Fabriken.
Momentan halte ich diese Aussage für Blödsinn.
Warum ? Die Leute interessieren sich auch nur für ihr Stück vom Kuchen.
Sollten sie es auch abbekommen (was ich denen von Herzen gönne),
liegt deren Interesse auch nicht in einer Veränderung der Verhältnisse.
So verwöhnt, steigen die auf den keinsten Fall mehr freiwillig vom SUV zum Fahrrad um. Mach dir nix vor.
Zitat
Die Dummheit in politischen Einschätzungen seitens Journalisten und Historikern ist einfach unerträglich. Ich hoffe, in diesem Forum kann man sich jenseits dieser Fehlinterpretationen der Verhältnisse mit den realen sozialen Spannungen und politischen Auseinandersetzungen befassen.
"Die" Mittelschicht existiert seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr.
Das war schon die Zeit, wo sich die Einkommensschere merklich öffnete.
Das geht heute nur umso schneller. Genau genommen ist die Mittelschicht nur noch Trugbild.
Eins, was dazu genutzt wird, den Menschen vorzugaukeln, das es noch was zwischen arm und reich gibt.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 10:24:03 Mo. 15.Oktober 2012
Zitat
...daß sich auch die Unterschicht daran beteiligte, um etwas nach Oben zu kommen.
Zitat
Die Leute interessieren sich auch nur für ihr Stück vom Kuchen.

In deinen Augen ist das hierarchische System wohl gottgegeben. Ich halte es für plumpe Propaganda, daß jeder nur nach Macht und Prasserei strebt. Die meisten Erhebungen der Bevölkerung (arabischer Frühling) belegen, daß die Menschen ein Leben in Würde wollen, ein Leben, daß nicht von der ungleichen Verteilung von Macht und Wohlstand überschattet wird.

Als die gegen Umweltzerstörung protestierenden Chinesen ein lokales Regierungsgebäude in Qidong gestürmt hatten, nahmen sie die dort gefundenen Zigarettenstangen und Schnapsflaschen nicht mit, sondern breiteten sie auf den Treppen des Gebäudes aus, um die Bestechlichkeit der Politker und Beamten sichtbar zu machen. Sie wollen dieses Spiel nicht selbst spielen, sie wollen nur, daß es aufhört.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Tiefrot am 11:54:44 Mo. 15.Oktober 2012
Kuddel schrob:
Zitat
In deinen Augen ist das hierarchische System wohl gottgegeben.
Ich halte es für plumpe Propaganda, daß jeder nur nach Macht und Prasserei strebt.
Dann hast du was mißverstanden. Natürlich gibts Ausnahmen, wäre ja traurig.
Aber schau dir doch mal die Leute an, die hier von unten kamen und was mehr zu melden hatten.
Die haben sich fast durchgängig nicht mehr für die Menschen interessiert, die sie
Ihresgleichen nannten. Tut mir ja leid, aber Mensch wird sich nicht grundsätzlich ändern.

Zitat
Die meisten Erhebungen der Bevölkerung (arabischer Frühling) belegen, daß die Menschen ein Leben in Würde wollen,
ein Leben, daß nicht von der ungleichen Verteilung von Macht und Wohlstand überschattet wird.
Die Ergebnisse sprechen eine leicht andere Sprache.
Zumindest sieht es mir nicht grade danach, daß die Leutz in Ägypten
wirklich glücklich damit geworden sind. Kannst mich aber gern korrigieren.

Zitat
Als die gegen Umweltzerstörung protestierenden Chinesen ein lokales Regierungsgebäude in Qidong gestürmt hatten, nahmen sie die dort gefundenen Zigarettenstangen und Schnapsflaschen nicht mit, sondern breiteten sie auf den Treppen des Gebäudes aus, um die Bestechlichkeit der Politker und Beamten sichtbar zu machen. Sie wollen dieses Spiel nicht selbst spielen, sie wollen nur, daß es aufhört.
Respekt.

Zuweilen kann ich ohnehin nicht des Eindrucks erwehren, daß wir uns von einigen anderen Menschenschlägen
mal eine ganz dicke Scheibe abschneiden sollten.  :rolleyes:
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 15:57:15 Do. 01.November 2012
Zitat
Die Protestbilder und Kurznachrichten im Netz lassen deutlich erkennen, dass es sich bei den meisten Demonstranten um Angehörige einer Mittelschicht handelt, die immer souveräner auftritt.
http://blog.zeit.de/china/2012/10/29/chinas-neue-wutburger-begehren-auf/ (http://blog.zeit.de/china/2012/10/29/chinas-neue-wutburger-begehren-auf/)

Zitat
Umweltproteste in China: Alles BANANA?

Im Juli 2012 kam es in den chinesischen Städten Shifang und Qidong zu großen und gewaltsamen Protesten gegen Industrieprojekte, von denen die Bewohner Umweltschäden sowie gesundheitliche und wirtschaftliche Beeinträchtigungen befürchteten. Beide Projekte wurden inzwischen von den lokalen Regierungen gestoppt.


Die Proteste in Shifang und Qidong lassen sich in einen größeren Trend zunehmender Umweltproteste einordnen, der spätestens mit den „Spaziergängen“ in Xiamen im Jahr 2007 bekannt geworden ist. Beide Fälle sind typisch für diese neue Form des Bürgeraktivismus, der die chinesische Regierung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Bürgerliche Aktivisten in China bedienen sich unkonventioneller Formen des Protests und greifen auch zur Gewalt. Dahinter steht nicht kleinbürgerlicher Egoismus, sondern eine tiefe Krise des Vertrauens zwischen Bürger und Staat.

- In China ist eine deutliche Zunahme des bürgerlichen Aktivismus festzustellen. Die Zahl an Protesten, Petitionen und sogenannten E-Movements nimmt seit dem Jahr 1993 kontinuierlich zu; die Zahl der Umweltproteste wächst besonders schnell.

- Die gängige Stigmatisierung dieser Proteste als NIMBY-Phänomene (not in my backyard), von Stadtplanern auch mit dem Akronym BANANA (build absolutely nothing anywhere near anyone) gekennzeichnet, die nur aus lokalem Eigeninteresse der Bevölkerung erfolgen, greift zu kurz, da sie die Beschränkungen des autoritären politischen Kontexts in China übergeht. Chinesische Bürgeraktivisten fordern die Einhaltung bestehender Rechte, ihr Zorn richtet sich gegen das Fehlverhalten lokaler Regierungen und sie sind bereit, dafür erhebliche politische Risiken einzugehen.

- Die Protestierenden besitzen eine erhöhte Risikobereitschaft, da sie das Vertrauen in die Lokalregierungen verloren und ein stärkeres Umwelt- und Rechtsbewusstsein entwickelt haben. Mangelnde institutionelle Mechanismen der Partizipation und die Möglichkeiten der Information über neue soziale Medien erhöhen zusätzlich den Druck auf die Regierung.

- Die Regierung hat bisher keine umfassende Strategie zum Umgang mit dem neuen
bürgerlichen Aktivismus, da sie mit den rasanten sozialen Veränderungen nicht
Schritt halten kann. Dies verweist auf die grundlegende Diskrepanz wirtschaftlichen Aufschwungs und politischen Stillstands. Angesichts der Politisierung einer jungen Generation bürgerlicher Aktivisten könnte diese reaktive Haltung für das Regime gefährlich werden.
http://www.juraforum.de/wissenschaft/umweltproteste-in-china-alles-banana-417497 (http://www.juraforum.de/wissenschaft/umweltproteste-in-china-alles-banana-417497)

Dieser Dreck ist mal wieder ein Beweis für das Niveau deutscher Journalisten und Intellektueller. Die Interpretation von Fotos und Twitternachrichten reichen als Grundlage für eine schon im Vorfeld feststehende Meinung.

Doch die Interpretation der Proteste hat wenig mit der Realität der Verhältnisse in China zu tun, sie spiegelt nur das Weltbild der Schreiberlinge wider: "Unterschichten" sind dumm und träge. Sie kämpfen erst dann, wenn sie hungern müssen. Allein die "Mittelklasse" hat die Fähigkeit zu denken und sich für moralische und gesellschaftliche Fragen einzusetzen.

Nur ist es in Wirklichkeit in China so, daß auf dem Land die Bauern kämpfen und in den Städten sind es großteils Arbeiter, Schüler, Erwerbslose, Hausfrauen und Rentner. Und zur Interpretation von Fotos möchte ich einfach darauf hinweisen, daß Fabrikarbeiterinnen aufgebretzelt in hippen Klamotten durch die Gegend laufen und auch so demonstrieren.

Aber die Idee von Klasse und Klassenkampf existiert schlichtweg nicht in den Hohlbirnen der abstürzenden Mittelschicht. Die Lohnschreiber haben noch nicht bemerkt, daß sie selbst bereits im Lumpenproletariat gelandet sind. Aber so lange man ein Smartphone und ein Laptop von Apple hat, will man es nicht glauben.

Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: BGS am 20:59:31 Do. 01.November 2012
Zitat
Die Protestbilder und Kurznachrichten im Netz lassen deutlich erkennen, dass es sich bei den meisten Demonstranten um Angehörige einer Mittelschicht handelt, die immer souveräner auftritt.
http://blog.zeit.de/china/2012/10/29/chinas-neue-wutburger-begehren-auf/ (http://blog.zeit.de/china/2012/10/29/chinas-neue-wutburger-begehren-auf/)

Zitat
Umweltproteste in China: Alles BANANA?

Im Juli 2012 kam es in den chinesischen Städten Shifang und Qidong zu großen und gewaltsamen Protesten gegen Industrieprojekte, von denen die Bewohner Umweltschäden sowie gesundheitliche und wirtschaftliche Beeinträchtigungen befürchteten. Beide Projekte wurden inzwischen von den lokalen Regierungen gestoppt.


Die Proteste in Shifang und Qidong lassen sich in einen größeren Trend zunehmender Umweltproteste einordnen, der spätestens mit den „Spaziergängen“ in Xiamen im Jahr 2007 bekannt geworden ist. Beide Fälle sind typisch für diese neue Form des Bürgeraktivismus, der die chinesische Regierung vor erhebliche Herausforderungen stellt. Bürgerliche Aktivisten in China bedienen sich unkonventioneller Formen des Protests und greifen auch zur Gewalt. Dahinter steht nicht kleinbürgerlicher Egoismus, sondern eine tiefe Krise des Vertrauens zwischen Bürger und Staat.

- In China ist eine deutliche Zunahme des bürgerlichen Aktivismus festzustellen. Die Zahl an Protesten, Petitionen und sogenannten E-Movements nimmt seit dem Jahr 1993 kontinuierlich zu; die Zahl der Umweltproteste wächst besonders schnell.

- Die gängige Stigmatisierung dieser Proteste als NIMBY-Phänomene (not in my backyard), von Stadtplanern auch mit dem Akronym BANANA (build absolutely nothing anywhere near anyone) gekennzeichnet, die nur aus lokalem Eigeninteresse der Bevölkerung erfolgen, greift zu kurz, da sie die Beschränkungen des autoritären politischen Kontexts in China übergeht. Chinesische Bürgeraktivisten fordern die Einhaltung bestehender Rechte, ihr Zorn richtet sich gegen das Fehlverhalten lokaler Regierungen und sie sind bereit, dafür erhebliche politische Risiken einzugehen.

- Die Protestierenden besitzen eine erhöhte Risikobereitschaft, da sie das Vertrauen in die Lokalregierungen verloren und ein stärkeres Umwelt- und Rechtsbewusstsein entwickelt haben. Mangelnde institutionelle Mechanismen der Partizipation und die Möglichkeiten der Information über neue soziale Medien erhöhen zusätzlich den Druck auf die Regierung.

- Die Regierung hat bisher keine umfassende Strategie zum Umgang mit dem neuen
bürgerlichen Aktivismus, da sie mit den rasanten sozialen Veränderungen nicht
Schritt halten kann. Dies verweist auf die grundlegende Diskrepanz wirtschaftlichen Aufschwungs und politischen Stillstands. Angesichts der Politisierung einer jungen Generation bürgerlicher Aktivisten könnte diese reaktive Haltung für das Regime gefährlich werden.
http://www.juraforum.de/wissenschaft/umweltproteste-in-china-alles-banana-417497 (http://www.juraforum.de/wissenschaft/umweltproteste-in-china-alles-banana-417497)

Dieser Dreck ist mal wieder ein Beweis für das Niveau deutscher Journalisten und Intellektueller. Die Interpretation von Fotos und Twitternachrichten reichen als Grundlage für eine schon im Vorfeld feststehende Meinung.

Doch die Interpretation der Proteste hat wenig mit der Realität der Verhältnisse in China zu tun, sie spiegelt nur das Weltbild der Schreiberlinge wider: "Unterschichten" sind dumm und träge. Sie kämpfen erst dann, wenn sie hungern müssen. Allein die "Mittelklasse" hat die Fähigkeit zu denken und sich für moralische und gesellschaftliche Fragen einzusetzen.

Nur ist es in Wirklichkeit in China so, daß auf dem Land die Bauern kämpfen und in den Städten sind es großteils Arbeiter, Schüler, Erwerbslose, Hausfrauen und Rentner. Und zur Interpretation von Fotos möchte ich einfach darauf hinweisen, daß Fabrikarbeiterinnen aufgebretzelt in hippen Klamotten durch die Gegend laufen und auch so demonstrieren.

Aber die Idee von Klasse und Klassenkampf existiert schlichtweg nicht in den Hohlbirnen der abstürzenden Mittelschicht. Die Lohnschreiber haben noch nicht bemerkt, daß sie selbst bereits im Lumpenproletariat gelandet sind. Aber so lange man ein Smartphone und ein Laptop von Apple hat, will man es nicht glauben.


Herzlichen Dank für die erfrischenden Analysen. Auch in Skandinavien gibt es eine Mehrheit, die keinerlei Ahnung vom wirklichen Leben großer Teile der Ausgebeuteten hat bzw. überhaupt haben möchte.

Die sog. "Prekarität" kann heute in Deutschland so gut wie wirklich jede/n treffen. Was geschieht nach einem Jahr Arbeitslosigkeit?.

Auch in Skandinavien scheint oft zu gelten: "...so lange man ein Smartphone und ein Laptop von Apple hat", möchte man sich zum Teil  gar für überlegen halten. Warum? Weil man sich "angesagten" Plunder kaufen kann (wo sich nicht einmal die Batterie auswechseln lässt).

MfG

BGS

Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 17:30:41 Sa. 20.Juli 2013
Es wurde gerade ein wachender Rassismus hierzulande diagnostiziert.
Interessant finde ich, daß der stärkste Anstieg rassistischer Ideologie bei der Mittelklasse zu finden ist. Sie sieht sich auf dem absteigenden Ast und liebt es nach unten zu treten.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Troll am 11:36:07 So. 21.Juli 2013
Die politische Erziehung wirkt, immer hat man ein Grüppchen parat welches angeblich ursächlich Schuld hat, daß greift Global um sich und "Ausländer" sind politisch schon von jeher ein willkommener Prügelknabe.
Die global Marktradikale politische Ausrichtung braucht Prügelknaben dringender denn je, die sozialen Ruinen die diese Politik hinterlässt muß die wachsende Unzufriedenheit umlenken.

Wieder ein Wermutstropfen, es wird nicht ewig funktionieren.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: NachbarArsch am 20:06:23 Di. 30.Juli 2013
Für mich ist das irgendwie nicht so ganz klar.
Zunächst woran wird festgemacht das es die Mittelschicht ist und auf der anderen Seite, kannst du belegen das es die Unterschicht ist?

Die Schere zwischen arm undreich geht auseinander, die Mittelschicht mehr und mehr wegfällt bzw sozial absteigt. (wird so pausenlos kommuniziert)
Wenn nun die angebliche Mittelschicht demonstriert, ist das dann eigentlich schon die Unterschicht?

Viele Journalisten oder eben gerade auch die Arbeitssklaven wie Praktikanten und Volontäre, zählen sich ja selber zu einer gebildeten Mittelschicht, obwohl sie längst unterbezahltes vereinzeltes Prekariat sind.
Ich kann mir vorstellen das diese Journalisten sich zum Teil in Protesten wiederfinden und so ihre oft nicht sonderlich reflektierte Weltsicht auf diese Bewegungen projizieren. Sie schreiben über ihre eigenen Vorstellungen und Ideen. Diese aber beschränken sich darauf das versprochene wachsende Stück vom Kuchen abzubekommen. Jeglichen Bewusstsein außerhalb dieser üblichen Verwertungsgesellschaft sehen sie nicht, da diese vereinzelten ausgebeuteten Journalisten selber nur versuchen mehr vom Kuchen zu bekommen bzw nach oben zu kommen.

Kurzum:
>sie sehen Proteste
> identifizieren sich damit / glauben diese zu verstehen
> projizieren ihre eingene Klasse (oder was sie als solche bezeichen) und Wünsche/Forderungen/Ziele hinein

Ob sie total falsch damit liegen weiß ich nicht
Gerade eine Mittelschicht wie Handwerker, Facharbeiter, oder einige Akademiker Berufe müssen sich neuerdings mehr auf einen globalen Markt behaupten, was früher eher auf höher Qualifizierte zutraf
Früher war die Konkurrenz eher, hey seid ihr zu teuer wandert die Firma woanders hin, jetzt trifft es diese Mittelschicht individuell, sie müssen den Jobs folgen (aktuell massenhaft Südeuropäische Handwerker, Facharbeiter in Deutschland)
Wenn die Konkurrenz für den einzelnen härter wird sinkt aber auch ihr Lohn (organisiert sind Handwerker und besonders Freelancer nicht sonderlich, wenn höchsten in einem Land), das hat vorher nur die bisherige Unterschicht getroffen

Inwiefern noch zwischen Mittelschicht und Unterschicht unterschieden werden kann? wahrscheinlich nur in ihrer Eigendefinition.

Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 19:40:59 Fr. 22.August 2014
Zitat
Inwiefern noch zwischen Mittelschicht und Unterschicht unterschieden werden kann? wahrscheinlich nur in ihrer Eigendefinition.

Sicherlich ist es eine subjektive Entscheidung wohin man sich und andere rechnet. Aber gesellschaftliche Einflüsse und Wertungen prägen diese Entscheidung.
Vielleicht weil der traditionelle Begriff "Arbeiterklasse" nach DGB Stammbelegschaften klingt und scheinbar Hausfrauen und Erwerbslose ausschließt, spricht die WILDCAT lieber einfach von "Klasse"

Überhaupt mag man sich mit diesem Klassenbegriff als Folge des herrschenden Antikommunismus nicht befassen. Das gilt als verstaubt und überholt. Und in der Praxis kommen immer neue Abgrenzungen und Spaltungen dabei heraus. Die Ausgrenzungen gehen nach oben und unten. Ich erlebe das in meinen eigenen Bekanntenkreis. Jemand der nur noch prekär und ohne Krankenversicherung arbeitet, hält Hartz IV Bezieher für Privilegierte, die nur gepampert werden. Oder der Akademiker, unten angekommen sind, kaum mehr Zähne im Maul, sich aber von den anderen Prolls abheben will, die es an Geschmack, Ausdruckfähigkeit und politischer Weitsicht fehlen lassen. Und hier im Forum hatten wir "alfred", der gegen streikende Lokführer wetterte, weil sie ihren Arbeitskampf "auf dem Rücken der Reinigungskräfte" duchführen würden, oder "Wilddieb Stülpner", der Stammbelegschaften für Menschen "auf der anderen Seite", also Gegner hielt. Ich kann es auch nicht sonderlich leiden, was die Mayday Aktivisten zelebrieren. Es ist zwar löblich, daß sie nach einem neuen Weg jenseits der DGB Tradition suchen, doch ist ihr Zusammentrommeln der jungen Prekären aus der Kreativwirtschaft eine Abgrenzung gegen gemeinen Proll, den klassischen Arbeiter. Der PROLL ist ekelig, für die einen ist es der Bildzeitungslesende Malocher, für die anderen ist des der Stützekassierende, vor dem Fernseher sitzende und saufende Arbeitslose, gern auch Thema der skripted reality Sendungen der privaten Kanäle.

Die Amerikanische Occupy Bewegung hat versucht diese Spaltungen zu überwinden, in dem sie sagte: wir sind die 99%!

Man muß begreifen, daß diejenigen, die nicht über Reichtum und Produktionsmittel verfügen, dadurch eine Gemeinsamkeit besitzen und sie in gemeinsamen Handeln auch die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern können. Eine Klassenzugehörigkeit macht einen aber nicht schlau und es gibt Dummheit und Rassismus in allen Schichten, auch in organisierter Form. Es reicht nicht von einer Gemeinsamkeit zu träumen, man muß sich mit "den 99%" herumschlagen und mit ihnen herumstreiten. Auch Bildung und ein subjektives Mittelklassegefühl machen nicht unbedingt schlau. Die Dummheit von Akademikern und Leuten aus der "Kreativwirtschaft" ist oftmals erschreckend:
Zitat
Noch drastischer sehen es manche im Silicon Valley. Google-Programmiererin Justine Tunney schlägt einfach mal vor, den Armen und ihren Kindern keine Essensmarken mehr zu geben, sondern „Soylent“, ein flüssige Proteinbrühe aus den Laboren des Valleys. Echtes Essen für die Oberklasse? Großinvestor Tom Perkins aus San Francisco verglich im Januar Demonstrationen gegen Google-Luxusbusse als Synonym für explodierende Mieten und Einkommensungleichheit mit dem Holocaust in Deutschland und der „Kristallnacht“. Dies, lamentierte er, sei der Beginn eines „Kriegs gegen die kreativen ein Prozent“ in den USA.
http://www.handelsblatt.com/politik/international/unruhen-in-missouri-fluessige-proteinbruehe-statt-essensmarken/10351382-2.html (http://www.handelsblatt.com/politik/international/unruhen-in-missouri-fluessige-proteinbruehe-statt-essensmarken/10351382-2.html)

Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 17:23:10 So. 14.Dezember 2014
Immer wieder wird China genannt. Bei dem wirtschaftlichem Boom wächst nicht nur die Schicht der Superreichen, es sind auch zigmillionen zu einem schnellen Wohlstand gekommen.

Unsere Medien wiederholen immer wieder, daß dieser Mittelstand der Motor für Veränderung und Gefahr für das System ist. Durch die ständige Wiederholung wird diese Behauptung aber nicht richtiger. Es ist nichts weiter als ein Abbild des Weltbildes der westlichen Journalisten. Die können sich nämlich nicht vorstellen, daß Arbeiter denken und für ein besseres Leben kämpfen können.

Sie sehen das Foto einer Demo und sagen, "das ist die Mittelklasse!" weil sie sich nicht vorstellen können, daß chinesische Fabrikarbeiterinnen ziemlich hippe Klamotten tragen.

Die chinesische Mittelschicht tauscht freiwillg Freiheiten gegen Wohlstand, insbesondere dann, wenn die Freiheit denjenigen genommen wird, die sozial unter ihnen stehen.

Die einzig echte Bedrohung fur das chinesische System kommt von den Wanderarbeitern, den FabrikarbeiterInnen und den Landarbeitern.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 21:50:10 Fr. 14.Dezember 2018
Ist schon irre.
Einfache Arbeiter, Erwerbslose:
Die hält man für doof. Für unpolitisch. Unfähig zu politischen Auseinandersetzungen.

Und wenn sie plötzlich aufstehen, die Unterschichten, dann degradiert man sie zu einem aufgehetzten Mob oder man macht sie schlichtweg zur "Mittelschicht", damit das Weltbild wieder stimmt.
Zitat
Frankreich
Aufstand der Mittelschicht


(https://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.4215636/640x360?v=1542456819000)

  • Eine Bürgerbewegung protestiert an diesem Samstag gegen Präsident Macron. Zehntausende in gelben Warnwesten blockieren Straßen.
  • Der Protest richtet sich gegen die steigende Spritsteuer. Aber es geht um mehr: In Frankreich rebelliert eine Mittelschicht, die sich an den Rand gedrückt fühlt.

Der Aufstand, von dem sie spricht, ist ein Aufstand des sogenannten peripheren Frankreich, die Rebellion einer Mittelschicht, die sich sozial und geografisch an den Rand gedrückt fühlt von den Gut- und Bestverdienern in den Großstädten.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frankreich-macron-protest-gilets-jaunes-1.4214095 (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/frankreich-macron-protest-gilets-jaunes-1.4214095)

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt
und Drei macht Neune !!
Wir machen uns die Welt
Widdewidde wie sie uns gefällt ....

Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Fritz Linow am 22:42:53 Fr. 14.Dezember 2018
Schön fand ich ja irgendwie, wie Macron letzten Montag in seinem Zimmerchen saß und "Zugeständnisse" an die olle Mittelklasse machte:

(https://abload.de/img/macron_fgespuerk6i7e.png) (https://abload.de/image.php?img=macron_fgespuerk6i7e.png)
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 10:02:10 Sa. 15.Dezember 2018
Diese sehr eigene Wahrnehmung ist schon ein Phänomen:

Zitat
"Frankreich kann sich Stillstand nicht leisten"
Emmanuel Macron hat es nicht verstanden, den Franzosen seine Politik zu erklären, sagt der Ökonom Jean Pisani-Ferry. Der Reformkurs des Präsidenten sei aber richtig.


...forderte der Ökonom unter anderem die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in Frankreich sowie eine Lockerung der 35-Stunden-Woche...
https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/gelbwesten-bewegung-frankreich-proteste-emmanuel-macron (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/gelbwesten-bewegung-frankreich-proteste-emmanuel-macron)
Zitat
Frankreich:
Die Mittelschicht ist erschöpft
Frankreich ist ein Meister der Umverteilung. Doch gebracht hat es in den vergangenen Jahren wenig. Die Mittelschicht leidet unter steigenden Lebenshaltungskosten.
https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/frankreich-gelbwesten-demonstrationen-carlos-ghosn-anklage-soziale-gerechtigkeit (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-12/frankreich-gelbwesten-demonstrationen-carlos-ghosn-anklage-soziale-gerechtigkeit)

Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 11:48:02 Sa. 15.Dezember 2018
Ich glaube eher, Frankreich kann sich Macron und die scheiß Neoliberalen nicht leisten.
Titel: Re:Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: BGS am 20:19:58 So. 16.Dezember 2018
Ich glaube eher, Frankreich kann sich Macron und die scheiß Neoliberalen nicht leisten.

Welches Land kann das schon?

MfG

BGS
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 19:23:34 Mo. 14.Januar 2019
Zitat
Mittelschicht in Not
"Wenn die Waschmaschine kaputtgeht, haben wir ein Problem"
http://www.spiegel.tv/videos/1549870-wohlstand-in-gefahr?utm_source=sponhp

Mittelklasse? Fürn Arsch! Wenn die ein Problem haben, wenn die Waschmaschine kaputt ist, sind sie längst unten angekommen. Mittelklasse ist nur noch ein kultureller Begriff. Man versucht sich durch Bildung, Modebwewußtsein und Sprache von den Prolls abzuheben und wie die aussehen, weiß man aus dem Reality TV. Ich würde diesen Volldeppen ihren Mittelschichtsglauben am liebsten rausprügeln, aber das brauch ich gar nicht. Das machen die ökonomischen Verhältnisse schon.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: BGS am 20:19:05 Mo. 14.Januar 2019
Was sind das denn für elende Verhältnisse, wenn nichtmal eine 40-Stunden Woche Arbeit ausreicht, um etwas Geld für eine verstunkene Waschmaschine zurückzulegen?

"Modebewußtsein" war und ist m. E schlicht lächerlich und komplett fürn Arsch. Wie kann man sich von irgendwelcher Werbung einreden lassen, was man anzieht etc.?

"Bildung" besteht wohn inzwischen darin, dass Jüngere nicht mehr schreiben oder lesen können, dank der tollen "Technik".

Der Rest sogenannte "Mittelschicht", der evtl. noch da ist, wird aussterben.

Allein "Mittelschicht in Not" zu schreiben ... . Unten ist unten.

MfG

BGS
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Troll am 11:29:48 Di. 15.Januar 2019
Möglichst alle sollen sich bei der politisch umworbenen "Mitte" angesprochen fühlen, vom Obdachlosen bis zum fast Millionär, Kreuzchen machen und gut, funktioniert schon viele Jahre.
Das beeindruckend dümmste fällt dieser "Mitte" mit einem Kreuz bei der AfD ein, die haben die Wahrheit erkannt und wählen den kürzesten Weg zum Elend.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 12:27:56 So. 10.März 2019
Es ist medialer Konsenz, daß Menschen unterhalb der Mittelschicht nicht kritisch oder politisch denken können.
Es herrscht eine permanente Verachtung der einfachen Menschen mit und ohne Arbeit.
Prolls sind dumm, häßlich und rechts, "wir" sind stets Mittelschicht, so einfach ist das.

Zitat
Elizabeth Warren:
Die linke Außenseiterin
Reichensteuer und kostenlose Kinderbetreuung: Die Demokratin Elizabeth Warren richtet sich im Wahlkampf an die Mittelschicht. Das Publikum in New York feiert sie dafür.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/purdue-pharma-will-sich-offenbar-vor-gerichtsprozessen-druecken-a-1256495.html
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: BGS am 17:08:16 So. 10.März 2019
... .
Es herrscht eine permanente Verachtung der einfachen Menschen mit und ohne Arbeit.
... .

Diese Verachtung ist durch nichts gerechtfertigt!

MfG

BGS
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 14:09:52 So. 12.Mai 2019
Zitat
Die Abscheu der etablierten Politik gegenüber den Gelbwesten aber zeigt nur, wie wenig sie vom neuen Gerechtigkeitsverlangen der ärmeren Mittelschichten versteht.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-wo-die-gelbwesten-recht-haben-kommentar-a-1266878.html

Sie können einfach nicht anders. Arme Menschen werden dummdreist zu ärmeren Mittelschichten gemacht. Man muß den Menschen einfach einreden, sie würden zu einer ominösen "Mittelschicht" gehören, damit sie jemanden haben, auf den sie herabblicken und neben dem sie sich besser fühlen können. Nach diesem Weltbild sind die Unterschichten menschlicher Müll, dumm, besoffen, unfähig zu denken oder politisch zu handeln.

Auch die jungen alternativen Ausgebeuteten, die in Start-ups, in Crowdworking, Clickworking oder sonstwo in der Gig-Economy malochen, halten sich oftmals auch für Mittelklasse, obwohl sie (auch finanziell) ganz unten angekommen sind. Man hält sich dann an seinem bißchen Bildung oder subkulturellem Modebewußtsein fest, um sich besser zu fühlen, als diejenigen, die man nicht mehr für "Mittelklasse" hält. Man wird beschäftigt und besänftigt mit Möglichkeiten eines "Engagements" als "Mündiger Konsument" mit Konsumverzicht, Boykott und tollem, bewußtem Konsum. Ich könnte kotzen.

Scheiß auf diesen Mittelklassehype. Der gesellschaftliche Gegendruck kommt von ganz unten oder er kommt gar nicht.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 15:07:11 So. 12.Mai 2019
Ich halte den Begriff "Mittelschicht" für Augenwischerei. Häufig wird die 'Mittelschicht' über das Gehalt definiert (zB. €1500 bis €3100brutto). Das lenkt davon ab, dass es auf die Stellung im Produktionsprozess ankommt, welcher gesellschaftlichen Klasse man angehört.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 09:58:25 Mo. 09.September 2019
Was in von anderen "Mittelschicht" genannt wird, heißt im folgenden Kommentar "Bürgertum".

Lesenswert finde ich den Text deshalb, weil er der gemeinhin verbreiteten Meinung widerspricht, daß der Pöbel dumm und antidemokratisch ist, während die gesellschaftliche Mitte humanistisch ist und ein Hort der Demokratie darstellt.

Unter des spießbürgerlichen Fassade lauern tiefbraune Abgründe.

Zitat
(...)
Der deutsche Diskurs ist wie ein brodelnder Hexenkessel, in den die immer gleichen Zutaten geworfen werden. Die Rechten entzünden das Holz, und die Bürgerlichen fachen das Feuer weiter an: Bürgerliche gehen auf irrationale Provokationen argumentativ ein, sie lassen sich unter Druck setzen, als wären sie intellektuell unterlegen. Sie verharmlosen rechtsextreme Netzwerke und vernachlässigen in ihrer Fixierung auf die Rechten die Minderheiten. Fast magnetisch haften sie an den kruden Thesen der Rechten und verzichten dabei auf eigene Narrative. Heraus kommt das derzeitige Giftgebräu aus nationalem Provinzialismus.

Zum Bürgertum zählen viele Journalisten. Sie bedenken hoffentlich, wie homogen ihre Arbeitswelt ist. Kürzlich behaupteten hochrangige Verantwortliche des öffentlich-rechtlichen Hörfunks, Gespräche mit dem Brandenburger AfD-Kandidaten Andreas Kalbitz seien journalistisch spannend, aber jedes Interview löse Empörung aus. Wieder verstehen Bürgerliche die Kritik nicht. Niemand verlangt, gewählte Politiker zu ignorieren. In einer demokratischen Gesellschaft kann man jedoch von öffentlich-rechtlichen Sendern verlangen, ihre Journalisten gegen faschistische Parolen zu wappnen, bevor demokratiefeindliche Positionen als unhinterfragte Wahrheiten in die Öffentlichkeit marschieren.

Bürgerliche müssen sich nicht dafür feiern, die besseren Demokraten zu sein. In Anbetracht der Konkurrenz ist das keine große Kunst. Demokratisch genug sind viele Bürgerliche deshalb noch lange nicht. Das als Teil des Problems zu erkennen, wäre ein Anfang.
https://www.sueddeutsche.de/politik/afd-buergertum-selbstbetrug-1.4589416
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Troll am 10:13:50 Mo. 09.September 2019
Ich empfinde es befreiend wenn dieser konservative Moloch Farbe bekennt und freimütig seine Abgründe offenbart, plötzlich sind es nicht mehr Randgruppierungen sondern die MITTE, jaja, das Bürgertum welches die Gesellschaft in dunkelste Zeiten katapultiert.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: dejavu am 10:44:26 Mo. 09.September 2019
Zitat
Sie können einfach nicht anders. Arme Menschen werden dummdreist zu ärmeren Mittelschichten gemacht. Man muß den Menschen einfach einreden, sie würden zu einer ominösen "Mittelschicht" gehören, damit sie jemanden haben, auf den sie herabblicken und neben dem sie sich besser fühlen können. Nach diesem Weltbild sind die Unterschichten menschlicher Müll, dumm, besoffen, unfähig zu denken oder politisch zu handeln.
Ja, unfähig zum Denken oder zum politischen Handeln natürlich nicht. Besoffen? In Rostock Lichtenhagen z.B. kam das schon vor, in Einzelfällen natürlich nur. Die Hatz auf Migranten in Chemnitz war bestimmt gut organisiert, von Unfähigkeit keine Spur.

Zitat
Scheiß auf diesen Mittelklassehype. Der gesellschaftliche Gegendruck kommt von ganz unten oder er kommt gar nicht.
Ja, da hast du recht, nur ist der Gegendruck schon da. Die Mittelschicht labert nur, die Unterschicht packt zu! Das kann sie gut, sie war und ist das Fußvolk der Nazis aus der Mittelschicht, früher kam die Kohle dafür von ganz oben.

Zitat
Bürgerliche müssen sich nicht dafür feiern, die besseren Demokraten zu sein. In Anbetracht der Konkurrenz ist das keine große Kunst.Demokratisch genug sind viele Bürgerliche deshalb noch lange nicht. Das als Teil des Problems zu erkennen, wäre ein Anfang.

Ja da ist was dran.
Zitat
weil er der gemeinhin verbreiteten Meinung widerspricht, daß der Pöbel dumm und antidemokratisch ist
Der Pöbel ist nicht dumm.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: BGS am 05:21:09 Di. 10.September 2019
Jeder aus der sogenannten "Mittelschicht" sollte min. einmal im Leben über längere Zeit arbeiten müssen (>als ein Jahr) innerhalb der ach so tollen "Auswahl" an Jobs, die den Immigranten übrig bleiben!

Vielleicht setzt dann bei manchen dann das Denken und Erkennen von Zusammenhängen ausnahmsweise ein.

Am besten in einem Land, deren Sprachen sie nicht sprechen und wo sie direkt in Kontakt mit weiteren Einwanderern sind.

MfG

BGS
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 14:53:25 Di. 10.September 2019
@BGS, es schadet sicherlich nicht, wenn man seinen Horizont erweitert und Erfahrungen (auch negative) sammelt. Nur garantiert es keineswegs, daß man dadurch zu weisen Schlüssen kommt. Ich kenne drei deutsche LKW Fahrer, die sind ausgewandert. Für sie war es verdammt hart in ihrem Beruf Fuß zu fassen in einem fremden Land, einer in den USA, einer in Kanada und einer in Taiwan. Alle drei sind Verfechter strengerer Einwanderungsgesetze und alle drei sind auch rassistisch drauf. Es gibt ähnliche Erfahrungen mit Kriegsflüchtlingen, die aus Ostpreußen, Schlesien oder Pommern nach Westdeutschland gekommen sind, sich dann aber dagegen aussprachen, daß Flüchtlinge aus Afghanistan oder Syrien hierher kommen.


@dejavu, da hast du ja mal wieder dein verqueres Weltbild entblättert. Mir stehen bei deinen Postings oft die Haare zu Berge. Du taumelst durch eine Geisterbahn in der die Nachbarn und unbekannte Passanten potentielle Feinde, Pegidaanhänger und Hardcorefaschisten sind. Nunja, manchmal mag das nicht falsch sein und oftmals ist es wirklich ein Horrortrip unter Menschen zu sein. Irr' und wirr sind sie oft, die lieben Mitmenschen. Doch da läßt sich kaum eine politische Strategie draus schnitzen, wonach es bei dir oft aussieht.

Deine wirren und unpolitischen Vorstellungen vom rechten Mob sind dumm, reaktionär und kontraproduktiv!

Ich will mir keinesfalls mir ein schönes Bild irgendwelcher gesellschaftlicher Gruppen zusammenzulügen. Natürlich sind Migranten nicht die besseren Menschen und auch Unterschichtler verdienen keinen Heiligenschein. Überall findet man auch unangenehme und gestörte Menschen und richtige Arschlöcher.

Faschistische Strukturen, Organisationen und Bewegungen kommen jedoch nicht aus dem Nichts, sondern sie sind das Resultat aus den Macht- und Klassenverhältnissen. Es gibt zwar Leute, die finden Uniformen, Kadavergehorsam und Führerfiguren geil, doch diese Leute sind nur Fußvolk und Mitläufer, und sie bauen keine Organisationen und Bewegungen auf. Dahinter stehen nicht nur clevere Strategen, sondern auch knallhalte Interessen. Und hier kommen wir an einem Klassenstandpunkt nicht vorbei. Die faschistische Bewegung ist in Italien gegründet worden, als Großindustrielle Schlägertrupps brauchten, um gegen Streikposten vorzugehen und Mussolini dafür bezahlten. Die Großindustrie war Steigbügelhalter für Hitler und die NSDAP.

Ich fürchte, wir haben noch verdammt viel zu untersuchen und zu diskutieren, wenn wir die Rechtsentwicklungen in der Gesellschaft, den Rechtsterrorismus und auch die Simmung in der Ex-DDR verstehen wollen.

Keine dieser Entwicklungen kam "von selbst". Sie sind das Ergebnis eines cleveren Vorgehens der herrschenden Klasse, um soziale Unruhen zu verhindern, die bei der Abwicklung der DDR und der Enteignung der Volkeigenen Betrieben zwangsläufig ausgebrochen wären. Es ist gelungen einen Krieg unter den Unterschichten zu entfachen. Einfache Leute ließen sich gegeneinander aufhetzen und begannen einander zu hassen. Deutsche die Migranten, Westdeutsche die Ossis. Selbst die Antifa hat sich in dieses Scheißspiel einspannen lassen. Egal wie oft ich dieses Problem diskutieren wollte, die Diskussion war bisher hier im Forum nicht möglich.

Ja, es mögen die Schläger in Rostock Lichtenhagen oder in Chemnitz Prolls gewesen sein. Das allein sagt aber nichts über die Ursachen. In einem Krieg ist es egal, ob der einzelne Soldat ein sensibler, humanistischer Schöngeist, oder ein sadistischer Hohlkopf ist. Wir sollten uns überlegen, wer diesen Krieg mit welchem Ziel führt.

dejavu, deine Aussagen sind denen diverser bürgerlichen Medien verdammt ähnlich. Die Drecksmedien sind daran interessiert, daß wir glauben, dieser Faschodreck wäre die natürliche Kultur der Prolls. Die Medien wollen, daß wir, die wir alle so viel intelligenter, moralischer, kulturbeflissener und hipper sind, als der Pöbel, den Schulterschluß (miteinander, mit Medien und mit dem Staat) suchen gegen dieses fiese Unterschichtengesocks. Damit hat man genug damit zu tun, sich mit anderen armen Schweinen herumzuschlagen und läßt die Herrschenden in Frieden weitermachen. Damit liegt deine Argumentation voll im Mainstream.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 11:47:28 Fr. 25.Oktober 2019
Zitat
Denn in Chile kämpft eine Mittelschicht, die sich um ihre Erfolge gebracht sieht...
https://www.welt.de/wirtschaft/article202361604/Chile-Diese-Zahl-offenbart-den-wahren-Grunde-fuer-die-Unruhen.html


Haha, in Chile kämpft also die "Mittelschicht".  (https://www.brummionline.com/forum/images/smilies/rofl2[1].gif)
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Troll am 12:12:58 Fr. 25.Oktober 2019
Klar, Mittelschicht-Millionäre ala Friedrich Merz
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 16:13:35 Fr. 25.Oktober 2019
Die Welt ist ein selten dämliches Käseblatt.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 12:07:24 So. 01.Dezember 2019
Es ist bei den Mainstreammedien Konsenz:

Unterschichten sind Pack und zu blöd zu politischem Handeln. Wenn es irgendwo Unruhen und Aufstände gibt, dann lügt man sich die Wirklichkeit zurecht und macht "die Mittelklasse" zum Akteur. Dann sind es die jungen, die hippen, die gutausgebildeten Mittelschichtsmenschen, die die Gesellschaft verändern.

Was für ein Müll:
Zitat
Libanons Junge und Reiche galten als unpolitisch. Plötzlich gehen sie zu Tausenden gegen die Regierung auf die Straße. Ein Klubbetreiber, ein Student und eine Influencerin beschreiben, was sie antreibt.
https://www.spiegel.de/politik/ausland/libanon-junge-und-reiche-protestieren-gegen-die-regierung-a-1298907.html
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 19:53:37 Fr. 05.Juni 2020
Tscha, immer meinte man, die Armen seien zu blöd zu Kämpfen und die Welt zu verändern.
Das sollten schließlich allein die akademisch gebildeten Mittelklassekinder übernehmen.
In den USA sind es die Armen, die gerade Geschichte schreiben. Die Mittelklasse rennt teilweise hinterher und versucht sich ihnen anzuschließen oder kommt mit dem Besen, um die Scherben von der Straße zu fegen.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Ferragus am 21:54:32 So. 07.Juni 2020
Es ist doch gar nicht so schwer sich als Mittelschichts-Angehöriger misszuverstehen - zu den Millionären gehört man noch nicht und so arm dran wie ein Flüchtling, Arbeitsloser oder Minijobber ist man auch nicht. Was bleibt da für den gesunden Menschenverstand übrig? Die Mitte, die neuen Philister. Und zu dieser Mitte können sich dann viele rechnen, ohne lange nachzudenken. Der Soziologe Schelsky schrieb in den 50er Jahren ein Buch über die Nivellierte Mittelstandsgesellschaft, nicht sehr scharfsinnig zwar, aber ein Hinweis darauf wie lange diese Phraseologie hierzulande schon wirkmächtig ist. Andere seiner Zunft nannten die an sozialem Gewicht zunehmenden Angestellten den neuen Mittelstand. Was die Bewusstseins-ebene angeht.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 13:01:53 Do. 11.Juni 2020
Hach, wat is das schön.
Seit Jahren sind die bürgerlichen Medien bemüht, klarzustellen, daß die Kämpfe der Arabellion oder in Lateinamerika von überqualifizierten, aber leider abgehängten jungen Menschen geführt werden. bento, ze.tt und Co. wurden nicht müde, schicke Fotos und Interviews mit Designerinnen, IT-Fachleuten, Influencern, Performancekünstlerinnen und Architekturstudenten zu veröffentlichen.

Jetzt kommt aber die blöde Wirklichkeit. Nicht nur in den Arabischen Staaten und Lateinamerika ist der gemeine Proll die Triebfeder der Aufstände, sondern jetzt auch in den USA. In verarmenden US Kleinstädten sind jetzt auch Weiße auf der Straße während das aufgestiegene schwarze Bürgertum, das es in der IT- und Finanzbranche zu Wohlstand gebracht hat, jetzt für Ruhe, Ordnung und Einhaltung der Gesetze eintritt.

Egal wie dreist man die Unterschichten als zu dumm und unfähig zu politschem Handeln bezeichnet hat, sie sind der Motor der momentanen und zukünftigen gesellschaftlichen Kämpfe.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 10:47:36 So. 21.Juni 2020
Tscha, diejenigen, die sich für "links" und "Mittelklasse" halten, lamentieren vor sich hin. Die Unterschichten mucken auf. Weltweit.
Zitat
Verletzte und Plünderungen bei Randale in Stuttgarts Innenstadt

Eingeschlagene Schaufenster, fliegende Pflastersteine: In der Nacht haben sich in Stuttgart dutzende Kleingruppen Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Einsatzkräfte nannten die Lage "völlig außer Kontrolle".


(https://abload.de/img/riot2vqj5q.jpg) (https://abload.de/image.php?img=riot2vqj5q.jpg)
(https://abload.de/img/riot15fkeu.jpg) (https://abload.de/image.php?img=riot15fkeu.jpg)
(https://abload.de/img/riot35ik51.jpg) (https://abload.de/image.php?img=riot35ik51.jpg)

Bei regelrechten Straßenschlachten mit der Polizei haben in der Nacht zum Sonntag dutzende gewalttätige Kleingruppen Teile der Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. Auf der als Shoppingmeile bekannte Königstraße seien Schaufenster eingeschlagen und Läden geplündert worden, so die Polizei. Die Einsatzkräfte seien mit Flaschen und Steinen beworfen worden.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/ausschreitungen-in-stuttgart-100.html
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 15:09:56 So. 21.Juni 2020
Die Polizei - Freund und Helfer der Bonzen und Reichen.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 18:55:07 So. 21.Juni 2020
Zitat
Der Tag - Polizei: Partyszene steckt hinter Randale in Stuttgart

Die Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt waren nach Angaben der Polizei nicht politisch motiviert. "Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen", sagte der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz. "Es war heute Nacht eine nie dagewesene Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte und massive Sachbeschädigung bis hin zu Plünderungen." An den Ausschreitungen waren nach Angaben der Polizei 400 bis 500 Personen beteiligt. Die Polizei habe gegen 23.30 einen 17-jährigen Deutschen im Schlossgarten wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert, erläuterte Polizeivizepräsident Thomas Berger. Sofort hätten sich 200 bis 300 Personen aus der Partyszene mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Beamten vor Ort mit Steinen und Flaschenwürfen angegriffen. Auf dem Schlossplatz hätten sich noch mehr beteiligt, die Gruppe sei auf 400 bis 500 Personen gewachsen. 24 Personen seien vorläufig festgenommen worden. Bei den Krawallen seien 19 Beamte verletzt worden - einer davon sei dienstunfähig. Die Zahl könne sich noch erhöhen, da die Beamten im Einsatz sich oft erst später mit Verletzungen meldeten, bilanzierte Berger.

Quelle: https://www.n-tv.de/der_tag/Polizei-Partyszene-steckt-hinter-Randale-in-Stuttgart-article21861727.html

Anscheinend hatten die Kiffer die Schnauze voll von der Polizei....
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 10:58:53 Mo. 22.Juni 2020
Es ist schon lustig, mit welchen Mitteln die Auseinandersetzung entpolitisiert werden soll.
Zitat
Partyszene
Zitat
eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen
Nicht linkspolitisch und überhauptnicht politisch. Hahaha. "Linke" Politik ist eh unerheblich. Hier zeigt sich, daß das Weltbild einfacher junger Menschen sich dramisch verändert hat. Sie sehen die Polizei als Gegner, als Verteidiger von Verhältnissen, die sie nicht wollen. Sie griffen die Konsumtempel an, Schaufenster gingen zu Bruch. Mit den Plünderungen stellten sie die Eigentumsverhältnisse in Frage. Enteignung, ganz praktisch. Das ist 1000x politischer, als jede linke Demo es sein könnte.

Es ist kein Wunder, daß die Herrschenden und ihre Handlanger jetzt in Panik sind und von Krisensitzung zu Krisensitzung hecheln. Sie versuchen es runterzuspielen. Die BLM Riots in den USA haben auch hier das Klima verändert. Auch in anderen Städten gibt es Ärger, wenn die Bullen in ärmeren Stadtteilen versuchen, jemanden festzunehmen. Sofort rotten sich Menschen zusammen.

Ein erbärmlicher Versuch der Süddeutschen, die Ereignisse zu denunzieren:
Zitat
Randale in Stuttgart:
"Gewalt ist männlich und betrunken"
https://www.sueddeutsche.de/panorama/stuttgart-randale-gewalt-1.4943574
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 12:24:04 Mo. 22.Juni 2020
Das erinnert mich an die Abschiebung eines Afghanen aus dem Nürnberger Stadtteil Gostenhof. Der Arbeiterstadtteil ist migrantisch geprägt. Damals rottete sich die Nachbarschaft zusammen, um die Polizei an der Festnahme des Afghanen zu hindern. Das führte dann dazu, dass die Polizei das Viertel mit schwerbewaffnetem SEK paramilitärisch besetzen ließ. Am Abend gab es dann eine linke Solidemo.

Aber das nur so am Rande.

Zitat
Warum es bei den Riots in Göttingen und Stuttgart nicht um „Randale“ ging

Am Samstag-Abend kam es in gleich zwei Orten in Deutschland zu Unruhen. In Göttingen gab es eine Revolte, nachdem die Lebensmittel in einem Quarantäne-Hochhaus zu Ende gingen. In Stuttgart griffen Jugendliche nach einer Polizeikontrolle Streifenwagen, Banken und Geschäfte in der Innenstadt an. Politiker und Medien sind sich einig, dass es sich hier um „Randalierer“ und „Plünderer“ handele. Wer das sagt, hat keine Ahnung, wie es in diesem Land aussieht, und hat seinen moralischen Kompass verloren. – Ein Kommentar von Tim Losowski

Quelle: https://perspektive-online.net/2020/06/riots-in-goettingen-und-stuttgart-widerstandskampf-oder-randale/

Die Linke gibt sich staatstragend und wird damit für mich unwählbar:

Zitat
Linksfraktionschef: Gewalt gegen Polizisten inakzeptabel

Berlin (dpa)  Linksfraktionschef Dietmar Bartsch hat die Ausschreitungen und Angriffe auf die Polizei am Wochenende in Stuttgart verurteilt. Was in Stuttgart passiert sei, dürfe sich nirgends in Deutschland wiederholen, sagte Bartsch der Deutschen Presse-Agentur. «Gewalt gegen Polizisten ist inakzeptabel.» Er stellte sich zugleich an die Seite von SPD-Chefin Saskia Esken. «Dass Saskia Esken politisch mitverantwortlich gemacht wird für die Angriffe auf Polizeibeamte und Geschäfte in Stuttgart, ist infame Stimmungsmache. Für Stuttgart gibt es keine Rechtfertigung und keine Alibis.»

Quelle: https://www.stimme.de/suedwesten/nachrichten/pl/linksfraktionschef-gewalt-gegen-polizisten-inakzeptabel;art19070,4365313

Derweil hat die MLPD mit jugendlichen Augenzeugen gesprochen:

Zitat
Die MLPD sprach mit Jugendlichen, die in Stuttgart in der Nacht vor Ort waren: „Am Samstag Abend haben sich Tausende Jugendliche in diesem Teil des Schlossgartens aufgehalten - zum Feiern und 'Chillen'. Es sind so viele, weil die Clubs alle geschlossen sind. Gegen 23 Uhr kam die Polizei und hat angefangen, Kontrollen durchzuführen. Auch am vergangenen Wochenende ist die Polizei Streife gefahren. Aber sie hat nicht kontrolliert. Außerdem war diesen Samstag mehr Polizei unterwegs. Auch wir wurden kontrolliert, nach dem Ausweis gefragt, ohne dass irgend etwas vorgefallen gewesen war. Einer der Polizisten ist sehr herrisch aufgetreten. Wir fühlten uns wie Kriminelle behandelt, haben aber nichts dagegen unternommen. Plötzlich sahen wir einen jungen Mann Richtung Schlossplatz rennen. Die Polizei hinterher. Und hinter der Polizei eine Masse von Jugendlichen. Wir sind dann auch auf die Königsstraße und haben schockiert zugesehen, was dann passierte. Es war abzusehen, dass so etwas passiert, wenn die Polizei mit Kontrollen in dieser Menge anfängt. Wir distanzieren uns von der Randale und dem Vandalismus. Aber wir sagen auch, dass die Polizeikontrollen einfach kriminalisierend sind.“ Diese Aussage wird von mehreren Jugendlichen ähnlich bestätigt.

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw26/kritik-am-vandalismus-aber-schluss-mit-der-kriminlisierung-der-jugend

Auch das LowerClassMag hat einen lesenswerten Kommentar geschrieben

Zitat
Aber was heisst denn dieses Martin-Luther-King-Zitat, das alle kennen eigentlich? Es heißt nicht: Fetischisiert jeden Riot, weil das ist so super geil – ein wenig die Kehrseite von dem linksliberalen Quatsch. Es heisst: Menschen, die jeden Tag getreten werden, auf dem Amt, in der Schule, auf Arbeit, Menschen, die jeden Tag von den Bullen getriezt werden, dann nach Hause kommen und sich noch von den Eltern anhören können, „was hast du wieder gemacht, Junge?“, weil an allem müssen sie Schuld sein, der Staat, der Chef, der Lehrer, die sind ja integer – diesen Menschen reicht es an einem Punkt. Das ist nicht hübsch und zielgerichtet. Im schlimmsten Fall richtet die Wut sich gegen Ihresgleichen. Im besseren Fall gegen ein paar Scheiben von McDonalds oder Autos der Polizei. Führt das zur Revolution? Nein. Sollten deshalb Leute, die 10 000 Euro als Abgeordnete einer Regierungspartei verdienen und schulterzuckend sagen, na mehr als drei Dutzend Kinder konnte ich leider nicht aus Moria in die Bundesrepublik holen, Lektionen über „Gewalt“ verteilen und gleichzeitig die Gewalt des Staates gegen diese Jugendlichen beschwören? Sicher nein.

Quelle: https://lowerclassmag.com/2020/06/21/stuttgart-wir-sehen-genau-bei-welcher-gewalt-ihr-schreit/

Und auch das Hanfjournal hat einen klaren Standpunkt:

Zitat
Ausgelöst wurden die Krawalle am Abend zuvor gegen 23 Uhr 30, als sich ein auf Krawall gebürsteter Polizeitrupp bemüßigt fühlte, im Stuttgarter Schloßgarten das zumeist jugendliche Partyvolk zu stören, das wegen der Corona-Beschränkungen wie die Wochen zuvor das Vergnügen unter freien Himmel suchte. Ziel der Polizeiattacke war ein 17-Jähriger, der wegen des Rauchens eines Joints in die Mangel genommen wurde. Dies bestätigte die Pressestelle der Stuttgarter Polizei auf Nachfrage des Hanf Journal. Während der Kontrolle gesellten sich 200 bis 300 Personen dazu, die lautstark und teilweise alkoholisiert ihren Unmut über die Polizeiaktion kundtaten und die Beamten bedrängten. Nachdem Polizeiverstärkung eingetroffen war, verlagerte sich das Geschehen auf den Schloßplatz, wo die äußerst aggressiv agierenden Polizisten das Fass schließlich zum Überlaufen brachten, anstatt deeskalierend Druck aus dem Kessel zu nehmen und auf Abstand zu bleiben. Die mittlerweile auf etwa 500 Personen angewachsene Menschenmenge stand plötzlich rund 300 martialisch ausgerüsteten Spezialkräften der Polizei gegenüber, die gnadenlos vom Knüppel Gebrauch machten, Pfefferspray versprühten und im Stile US-amerikanischer Cops in den Nahkampf gingen – ganz so wie zu guten alten „Stuttgart21“-Zeiten, als der friedliche Protest gegen den Bahnhofsneubau mit aller Gewalt niedergeknüppelt wurde.

Quelle: https://hanfjournal.de/2020/06/22/cannabis-zigarette-loest-schwere-krawalle-in-stuttgart-aus/
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 15:10:13 Di. 23.Juni 2020
Zitat
Stuttgart: Insezenierungen für den rechten Mob

Das Bild sorgte im Herbst 2019 für weltweite Empörung. Zwei berittene Polizisten führen einen festgenommenen Afroamerikaner im texanischen Galveston mit einem Strick ab. Der Mann geht zwischen den Pferden, ihm sind die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, offensichtlich mit dem Strick, dessen anderes Ende einer der Polizisten auf seinem Pferd in der Hand hält. In seiner abgrundtiefen Unmenschlichkeit und Brutalität schockiert dieses Foto und erinnert an die Zeit der Sklaverei in den USA. Der Vorfall ist Teil der langen Liste von öffentliche gewordenen Fälle rassistischer Polizeigewalt, die in den vergangenen Wochen auch in der hierzulande zu einem Aufschrei geführt haben.

An dieses Bild aus Texas musste ich denken, als ich heute ein Foto beim Online-Auftritt der Bild-Zeitung sah. „Nacht der Schande in Stuttgart – Randalierer auf dem Weg zum Haftrichter – Horst Seehofer fordert harte Strafen“, heißen die Überschriften. Auf dem Bild darunter ist eine Szene zu sehen, die mich kaum weniger schockiert hat als das Foto aus Galveston und durchaus an dieses erinnert. Einer von sieben nach den Ausschreitungen in Stuttgart am Wochenende Festgenommenen werde zum Haftrichter geführt, heißt es dazu im Text.

Zu sehen sind ein Mann und ein Frau in zivil, möglicherweise Polizei- oder Justizbeamten, und in ihrer Mitte ein festgenommener junger Mann – barfuß, in Fußfesseln, die Hände mit Kabelbindern fixiert, mit Mundschutz und einer Haube auf dem Kopf, den er gesenkt hält! Die Haube soll offenbar der Sicherung von Spuren im Haar dienen. Und dass er barfuß ist, so spekuliert die Bild-Zeitung, liege wohl daran, dass die Polizei die Schuhe der „mutmaßlichen Chaoten“ beschlagnahmt habe.

Diese Szene und dieses Foto sind unfassbar widerlich und abstoßend! Und ein Dokument einer unfassbaren Demütigung und Bloßstellung. Zu Recht fragte ein User auf Twitter: „Ist das Stuttgart oder Guantanamo?“ Ein junger Mensch, der sich möglicherweise – noch gilt doch wohl die Unschuldsvermutung – an Plünderungen beteiligt oder einen Stein auf Polizisten geworfen hat, wird abgeführt und wie eine Trophäe zur Schau gestellt. Allein, dass jetzt Leute dem Haftrichter vorgeführt werden, ist vollkommen maßlos und nichts rechtfertigt die Veröffentlichung eines solchen Bildes.

Ganz offensichtlich hat keiner versucht, das Fotografieren dieser Szene zu unterbinden. Warum auch? Polizei und Justiz müssen ja liefern. Bundesinnenminister Horst Seehofer und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl haben die „ganze Härte des Gesetzes“ gegen die „Randalierer“ von Stuttgart gefordert. Der ganze Law-and-order-Mob in Politik, Medien, Polizeigewerkschaften und Bevölkerung will Blut sehen.

Nicht weniger grotesk und beängstigend als die ekelhafte Vorführung junger Verdächtiger nach vergleichsweise harmlosen Krawallen ist die Inszenierung, die von der Behörden heute beim Besuch von Seehofer, Strobl, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn am „Tatort“ aufgeführt wurde. Die Polizei positionierte für die in Kompaniestärke anwesenden Fotografen und Kameraleute ein bei dem Riot beschädigtes Polizeifahrzeug als Kulisse – damit Seehofer betroffen in das mit Glassplittern übersäte Innere des Fahrzeugs schauen und anschließend eine „rasche und harte Verurteilung“ der Täter fordern und von einem „Alarmsignal für den Rechsstaat“ schwadronieren konnte.

Damit hat der CSU-Mann recht – allerdings sind nicht die Krawalle das Alarmsignal, sondern diese sich anschließende Inszenierung von Ministerbesuch und Festnahmen an diesem Montag. Sie demonstriert vor allem, wie weit dieser Staat bereits eine Beute von Polizei und Diensten ist, wie die im Internet und in den Medien marodierenden rechten Hetzer die Politik vor sich hertreiben und den Diskurs bestimmen. Die Inszenierung ist nichts anderes als die Antwort auf die Kritik, die im Zuge der „Black Live Matters“-Demonstrationen an der Polizei auch hierzulande hochkochte – eine klare Ansage, wer in diesem Land am längeren Hebel sitzt. Und eine Nebelkerze, um nicht über Polizeigewalt, Rassismus und Straflosigkeit in der Polizei reden zu müssen.Der Polizeistaat kommt nicht heute und nicht morgen, er scheint schon da zu sein.

Quelle: https://lowerclassmag.com/2020/06/23/stuttgart-insezenierungen-fuer-den-rechten-mob/
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: BGS am 21:17:56 Di. 23.Juni 2020
Die Unschuldsvermutung scheint nicht mehr zu gelten.

MfG

BGS
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 05:40:01 Mi. 24.Juni 2020
Interessant auch, wie die ganzen Spießer zur Zeit auf Facebook nach mehr Polizei und mehr Härte beim Durchgreifen gegen die 'unerzogene Jugend' schreien. Und so mancher Kaffeehaus-Linker, der sonst gerne das System kritisiert, echauffiert sich über die Jugend und erklärt sie für "krank".

Ich hoffe jedenfalls, dass den Herrschenden der Schreck mit Stuttgart und Göttingen ordentlich in die Glieder gefahren ist.

Noch ein paar Gedanken zu Staat und Gewaltapparat:
https://kritischestandpunkte.com/2020/06/24/das-wesen-des-kapitalistischen-staates/
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Troll am 09:25:18 Mi. 24.Juni 2020
Erstaunt, überrascht, empört über die Konsequenz des als alternativlos verkauften handelns über die Jahre, man lehrt puren Egoismus als Erfolgsrezept und wundert sich, mit vollen Hosen wo das Soziale geblieben ist.
Ja, ihr Arschgeigen, dieses gesäte Gesellschaftsgift kommt auch zu euch zurück, es klatscht auf Balkonen und schlägt sich gegenseitig und nebenbei euch den Schädel ein.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 11:07:18 Mi. 24.Juni 2020
Distanzierung und Hetze sind unglaublich.

Zitat
Stuttgart und die Randale:
Das „Problemtier“ Junger Mann braucht Hilfe
https://www.fr.de/meinung/randale-stuttgart-jugendliche-gewalt-polizei-problem-junger-mann-13807079.html

Entpolitisierung durch Küchenpsychologie.

In Wirklichkeit herrscht helle Panik. Mit Linken kann man klarkommen. Die paar Leute kriegt man in den Griff, man kann sie bedrohen, erschrecken, verprügeln, einknasten oder ihnen eine Karriere anbieten. 

Wenn aber der Pöbel aufsteht und sich nicht länger an die herrschende Ordnung hält, ist der Ofen aus. Dagegen fährt man alles auf, was man hat. Repression vom Feinsten:
Zitat
Acht mutmaßliche Randalierer sitzen in U-Haft
...mehrere junge Männer sind nun hinter Gittern. Stadt, Land und Polizei beraten, was getan werden muss, damit sich das nicht wiederholt.


Ihnen wird Landfriedensbruch vorgeworfen sowie gefährliche Körperverletzung, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Diebstahl in besonders schwerem Fall. 16 zunächst vorläufig festgenommene mutmaßliche Beteiligte wurden den Angaben zufolge wieder entlassen. Einer der verhafteten mutmaßlichen Randalierer, ein 16-Jähriger, muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.krawalle-in-stuttgart-acht-mutmassliche-randalierer-sitzen-in-u-haft.2f2c587d-52a8-4c3b-839d-3ddb4d54b712.html

Hetze
Mit der Hetze ziehen Politker und Medien alle Register. Sie schrecken auch nicht davor zurück, den rechten Mob zu mobilisieren.
Zitat
Die Nacht der Schande von Stuttgart
Randalierer rufen „Allahu Akbar“
https://www.bild.de/news/inland/news-inland/mob-verwuestet-stuttgarter-innenstadt-randalierer-rufen-allahu-akbar-71413990.bild.html

Die sogenannte Mittelklasse ist keine Bedrohung der politisichen Verhältnisse. Der soziale Sprengstoff liegt in den Unterschichten.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Onkel Tom am 13:17:13 Mi. 24.Juni 2020
...
Anscheinend hatten die Kiffer die Schnauze voll von der Polizei....

Genau das vermute ich auch.. In vielen Großstätten wird von der Polizei viel Auwannd betrieben,
kiffertum zu unterbinden.. So ein paar gramm Haschich scheint sich für den Repressionsapperat
zu lohnen, was Strafmandate, sowie der Durchleuchtung des Schwarzmarkt angeht.

Da brodelt es im Dampfkessel der Konsumennten und Kleindealer.. Kann mich noch sehr gut daran
erinnern, wie letztes Jahr beim Hafengeburtstag ein Polizist sich großartig darin vor kahm, mit
Polizei-Warnweste rund um die Balduintreppe spazierte, um kleinen Kiffern den Genus verderben
zu wollen. Am Ende wurde der Jäger zum gejagten und flog die Treppe herunter.
War schon beeindruckend, wie auf ein mal mitten unter der vielen "Partygäste" plötzlich ein Cop
bis zur Hafenstraße herunter Purzelbäume schlug.

Kiffer sind meistens Genussmenschen und wollen einfach nur ihre Ruhe haben..

Ich sehe da ein Jägerzaunverhalten.. In den 80zigern wurde mann für ein kleinen Bobbel mit vollem
Programm bestraft.. in den 90zigern entspannte sich die Hatz auf Kiffer, da das BVerG das Recht
auf Rausch eingeräumt hatte. Nun geht es wohl wider richtung 80ziger, das nun die Quellen des
kleinen Kiffers zerstört werden sollen..

Politisch an dem Vorfall in Stuttgard finde ich nur die Verhältnismäßigkeit, die offenbar durch Cops
bei einer Kontrolle eines jungen Menschen auf Drogenbesitz vermutlich überzogen wurde..
In HH ist das auch nicht anders und es könnte hier genau so passieren, weil es politisch betrachtet
nur daraum geht, dem Kiffer blos nichts gönnen zu wollen.

Und was die Blöd dazu schreibt, lässt sich sowiso nicht belegen. Habe in den Videos nichts von
religiös behafteten Sprüchen vernommen.. Echt zum Kotzen mit Blöd und Co..
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Kuddel am 13:43:45 Mi. 24.Juni 2020
Ich will hier nix glorifizieren, aber ich kann es echt verstehen, warum Medien und Politik so hysterisch reagieren. Wenn die Kontrolle über die Unterschichten flöten geht, kann die herrschende Klasse auf lange Sicht einpacken.

Aber Linke sehen das Potential der sozialen Unzufriedenheit und der Riots nicht. Wenn sie es nicht selbst organisiert und mit ihren blöden Parolen beladen haben, ist es für sie alles "unpolitisch".
Zitat
dieses gesäte Gesellschaftsgift
Zitat
schlägt sich gegenseitig und nebenbei (...) den Schädel ein
Zitat
Konsumennten und Kleindealer

Aufstände sind nie so, wie Linke es gern hätten. Die Randale, die man in den französchen Banlieus so bewundert hat, ist endlich in Deutschland angekommen.
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: Fritz Linow am 14:13:11 Mi. 24.Juni 2020
Zitat
Ausschreitungen in Stuttgart: „Wir müssen über die Gründe reden!“
(...)
Über die Ereignisse sprach Radio Corax mit Kaan und Anil von der Migrantifa Stuttgart. Eine Gruppe, die sich erst vor wenigen Wochen zusammen getan hat und letzten Freitag eine Kundgebung in Gedenken an den rechten Anschlag in Hanau organisiert hat.
https://radiocorax.de/ausschreitungen-in-stuttgart-wir-mssen-ber-die-grnde-reden/

https://www.youtube.com/watch?v=3XeVtU4IHjI
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 18:43:40 Di. 30.Juni 2020
Zitat
STUTTGART - Der Eckensee – in Zukunft ein Freiluftgefängnis?

Neulich, früh beim Frühstücken im Radio: „Laut Polizeibericht verlief der gestrige Abend am Eckensee ruhig. Aber es würde nach wie vor eine aggressive Grundstimmung herrschen.“ Mir fällt fast die Butterbrezel aus der Hand. Mehr Zynismus geht nicht. Warum?

Der Abend zuvor, 22 Uhr. Eckensee in Stuttgart. Sechs Tage nach den Unruhen. Fünf Mannschaftswagen fahren auf. 50 Polizisten in voller Kampfmontur kesseln friedlich herumsitzende Jugendliche ein und kontrollieren ihre Ausweise. Schon der Anblick von außen wirkt martialisch. Ist das ein Krieg gegen die Jugend? Sieht so die Problemlösung des Staatsapparates für die Unzufriedenheit von Jugendlichen aus? Wie zum Hohn ist ein Team vom Fernsehsender SWR unterwegs und fragt Passanten, ob sie sich in Stuttgart sicher fühlen.

„Ja, so sicher wie im Hochsicherheitstrakt von Stammheim!“ Diese Antwort liegt einem auf der Zunge. Manche Jugendliche zeigen im Kessel ihre unterdrückte Wut: „Schikanöse Kontrollen gibt es schon seit Jahren, aber so schlimm wie seit dem letzten Samstag war es noch nie!“ „Das machen die vor allem bei Jugendlichen, die wie Ausländer aussehen. Voll rassistisch!“ Im Polizeikessel wechselt noch ein REBELL-Magazin den Besitzer.

Schon eine Stunde vorher waren wir unterwegs und haben die Jugendlichen zu den Ereignissen vom Samstag vor zwei Wochen befragt. Gleichzeitig warben wir für eine gemeinsame Vorbereitung einer Montagskundgebung auf dem Schlossplatz unter dem Motto. „Nein zum blinden Vandalismus! Ja zur Rebellion für unsere Zukunft!“ Mehrere Jugendliche haben sich dafür bereit erklärt. Manche sind überzeugt davon, dass die Krawalle organisiert waren. Wer hat beim Chillen am Eckensee schon eine Sturmhaube dabei?

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw27/der-eckensee-in-zukunft-ein-freiluftgefaengnis
Titel: Re: Die Überhöhung der Mittelklasse
Beitrag von: counselor am 05:04:43 Mi. 01.Juli 2020
Zitat
Stuttgart: Die Wut kommt nicht von ungefähr

Gut eine Woche ist der Riot in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni in Stuttgart her. LCM konnte mit Leuten sprechen, die Samstagnacht vor Ort waren. Wir sprachen darüber, was sie dort erlebt haben, wie die Polizei im Stuttgarter Zentrum agiert und was die Ursachen für die Riots sein könnten.

Quelle: https://lowerclassmag.com/2020/06/30/stuttgart-die-wut-kommt-nicht-von-ungefaehr/