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Wat Noch => Theoriebereich => Thema gestartet von: Kuddel am 15:48:01 Di. 31.Dezember 2013

Titel: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 15:48:01 Di. 31.Dezember 2013
Ich beschäftige mich seit Ewigkeiten mit "Kultur" und halte sie für einen nicht unwichtigen Teil des Lebens. Sie ist ein Ausdruck der Innenwelten, der Träume und Sehnsüchte. Ich habe Veranstaltungen organisiert in Besetzten Häusern, in Autonomen Zentren und kommerziellen Läden. Aber jenseits von Musik, Filmen, Bildern etc.  ist die Alltagskultu, wie man sich bewegt, spricht, ißt ("You know that what you eat you are" - The Beatles), Sex hat, wohnt usw. wohl viel bedeutender und ehrlicher...

Das sagt alles viel über Menschen und die Gesellschaft. Und es ist ein guter Ansatz nicht nur die Gesellschaft (herrschende Kultur) zu betrachten, sondern auch die "Rebellen" und Gegenkulturen.

Das kam an anderer Stelle schon zur Sprache:
Zitat
Andersherum, die Revoluzzer sind oft auch nur kleinbürgerliche Spießer, sie wollen mit aller Macht anders sein und merken nicht wie spießig sie dabei sind/werden.

Also Teilweise hat das schon was Sektenhaftes!
Als gäbe es nicht schon genug Probleme auf der Welt muss man sich mit so einem Müll auch noch rumschlagen.
Das "Problem" ist ja, das wir in der Linken (Szene, Bewegung, was auch immer) immer besonders Tolerant gegenüber allen Meinungen sein wollen. Das gilt dann logischerweise auch für abstruse, theoretische Gehirnphantasien psychisch kranker Menschen.
Das führt dann häufig dazu das ein Plenum, eine Aktion, ein Projekt plötzlich im absoluten "Offtopic" landet.
Plötzlich ist die Frage: "Wie können wir den Flüchtlingen am besten helfen?" völlig unrelevant und es wird zwei Stunden darüber disskutiert, warum es sexistisch ist, wenn im Camp Männer bei 30°  mit nacktem Oberkörper rumlaufen.
Anstatt solchen Leuten in die Fresse zu hauen den Wind aus den Segeln zu nehmen, steigen alle in das Diskussionsboot mit ein und befeuern damit die Auseinandersetzung!

Das Thema "Millitanz" eignet sich auch sehr gut für so eine Spaltung. Schon seid 30 oder 40 Jahren.
Oder redet noch jemand über die Lampedusa- Fluchtlinge, über die Esso- Häuser oder über die Rote Flora?
Nö, alles dreht sich nur noch um die Demo und ob es gut oder schlecht war sich gegen einen Bullenangriff zu verteidigen.

Ach, ich hatte oben übrigens Veganer erwähnt!
Bevor es zu berechtigter Kritik kommt, das ich hier alle über einen Kamm scheren würde:
Ich meine damit die dogmatischen Veganer, die aus ihrem Veganismus eine Ersatzreligion gemacht haben und mit ihrer Intoleranz gegenüber Andersdenkenden eigentlich auf der Naziseite besser aufgehoben wären!

Hier kann die Diskussion fortgesetzt werden...
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Rudolf Rocker am 14:46:37 Mi. 01.Januar 2014
Danke, das Du das Thema mal angesprochen hast, Kuddel!
Das angesprochene Problem hat dazu geführt, das viele Leute (einschließlich meiner Wenigkeit) keinen Bock mehr darauf haben irgendwas zu machen.

Damit mich niemand falsch versteht:
Ich habe nichts gegen Diskussionen, gern auch kontrovers oder über abstruse Dinge.
Nächtelang philosophieren über den Lauf der Welt und was wäre wenn oder wenn nicht!
Natürlich ist es wichtig über Sexismus, Antisemitismus, Veganismus oder sonstwas zu diskutieren aber die Frage ist doch wie und mit welcher Priorität.
Ich will damit sagen: Es gibt in der deutschen Linken Gruppen, die mache sich Gedanken über Themen die ca. 99,9% der Weltbevölkerung komplett am Arsch vorbeigehen (Beispiel: Gendern mit I oder mit * oder mit_?) und erheben das dann zur Doktrin.
Oder eine Debatte über Veganismus vom Zaun zu brechen wärend man versucht eine Demo gegen Nazis vorzubereiten.

Das größte Problem ist ja, das man mit diesen Leuten genauso wenig reden kann wie z.B. mit den Zeugen Jehovas. Die sind von ihrer Meinung 100% überzeugt und jeder der ihnen widerspricht wird als Gegner angesehen und mit irgendwelchen Schwachsinnsargumenten in Grund und Boden geredet.

Ich denke dieses Verhalten hat dazu geführt, das die linke (insbesondere die linksradikale) Bewegung so unglaublich uninteressant für junge und neue Leute geworden ist.
Es gibt aber auch immer mehr Leute die darauf keinen Bock mehr haben und ich denke hier könnte man ansetzen.
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 16:23:45 Mi. 01.Januar 2014
Zitat
...das viele Leute (einschließlich meiner Wenigkeit) keinen Bock mehr darauf haben irgendwas zu machen.
Anspruch und Wirklichkeit einer Subkultur.
...man kann sich auch engagieren ohne sich an eine zweifelhafte Szene zu hängen.
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Tiefrot am 17:38:14 Mi. 01.Januar 2014
Das wäre natürlich auch 'ne Möglichkeit.
Allerdings läuft man doch ziemlich Gefahr, in eigenen Saft zu schmoren.  ::)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Eivisskat am 19:27:46 Mi. 01.Januar 2014
Zitat
Es gibt aber auch immer mehr Leute die darauf keinen Bock mehr haben


Parallelwelten existieren überall!

Bestes Beispiel erst neulich im Herbst `13 erlebt hier in der kleinen Ortsgruppe der Linken (Partei):

Um uns herum bricht hier zwar gerade die ganze Welt zusammen, man denke nur an die Wahl in D., die NSA-Geschichte, die EU-Krise, immer schlimmere Dinge mit H4, weltweite Umweltskandale, etc., etc ....ganz egal wo mensch in seiner Umgebung hinguckt, überall brennt´s lichterloh

und dort beim Treffen hingegen wird von den "Genossen"^^  der Wunsch geäußert:

"Lasst uns doch mal über Venezuela reden"

 ::)



Habe ich noch Lust dorthin zu gehen? Nein!

Ganz besonders nicht, weil dort immer noch in blödester Altherren- und Stammtischmanier - wie vor 30 Jahren - hinter großen Biertöpfen (immer wieder ausgewechselt natürlich...) stundenlang über die banalsten Dinge/Details gelabert wird, meist NUR um sich gegenseitig in der Redekunst zu übertrumpfen (wer hat den Längsten...) und OHNE jegliche Rücksicht auf alles was außerhalb des eigenen kleinen Horizonts liegt. Filmreif!

Mich wundert nur, dass die sich über ihren fehlenden Nachwuchs wundern...




Zitat
Pale Blue Dot: Raumschiff Erde - Ein Staubkorn im Universum
https://www.youtube.com/watch?v=Bsm-Ai1jD0Q (https://www.youtube.com/watch?v=Bsm-Ai1jD0Q)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Rudolf Rocker am 22:41:05 Mi. 01.Januar 2014
Wo wir grade von Subkultur sprachen: ;D ;D

https://www.youtube.com/watch?v=EZ_WFfvsrLI (https://www.youtube.com/watch?v=EZ_WFfvsrLI)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Tiefrot am 02:42:11 Do. 02.Januar 2014
Jaaaaa, das Ding ist herrlich !  ;D  ;D  ;D
Erinnert mich an die momentane Erscheinung von Links unten (https://linksunten.indymedia.org/).
Da gehts im Augenblick auch so zu.  ::)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Rudolf Rocker am 08:57:18 Do. 02.Januar 2014
Ja, linksunten startete mal als ziemlich gute Ergänzung zu indymedia.
Das hat sich aber leider seid geraumer Zeit wieder erledigt! :-[
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 12:41:23 Sa. 07.März 2015
Zitat
Das Kultur-Business

Kunstwerke, Bücher und andere Artefakte zählen normalerweise zu den Werten, die es um jeden Preis zu fördern und zu verteidigen gilt. Entsprechend verehrt werden Verleger, Mäzene und Kunstsammler, die sich mit viel Idealismus, Verve - und nicht zuletzt mit ihrem eigenen Geld - für die schönen Künste in die Bresche werfen.


Doch ihr Einsatz ist manchmal nicht ganz so uneigennützig, wie es scheint. Oft genug wird das gutwillige Publikum an der Nase herumgeführt, unterscheiden sich die Umtriebe der Kultureliten nur wenig von Mauscheleien und Vetternwirtschaft, wie sie aus der restlichen Unternehmens- und Finanzwelt vertraut sind. Zieht man den Heiligenschein erst einmal zur Seite, lassen sich hier ganz ähnliche Geschichten erzählen, von Eitelkeit und Vorteilsnahme auf der einen, Opportunismus, Karrierismus und Speichelleckertum auf der anderen. Wie immer geht es ums Kapital, sei es nun sozialer oder rein pekuniärer Natur.
http://www.deutschlandfunk.de/maezene-das-kultur-business.1247.de.html?dram:article_id=309814 (http://www.deutschlandfunk.de/maezene-das-kultur-business.1247.de.html?dram:article_id=309814)

Es lohnt sich die 50 min Zeit zu nehmen, um sich den Glauben an das Schöne und Hehre der Kunst nehmen zu lassen
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2015/03/06/dlf_20150306_2010_f2194e06.mp3 (http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2015/03/06/dlf_20150306_2010_f2194e06.mp3) 
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 19:18:25 Sa. 03.Dezember 2016
Nochmal zum Thema "Subkultur".
Es hat in vielerlei Beziehung etwas gesundes, wenn man sich abgrenzen kann gegen den Lebensstil der Eltern oder den gesellschaftlichen Mainstream. Und wenn es ein paar Erkennungsmerkmale gibt, an denen man Gleichgesinnte findet.

Es war wirklich einfach, als man sich nur die Haare länger wachsen lassen mußte und damit zeigen konnte, daß man nicht auf Arbeit, Karriere und materiellen Scheiß steht, sondern auf die schönen Dinge des Lebens, auf Sex, Drogen und gute Musik.

Die Mächtigen und die Verblödeten vertraten geifernd ein freudloses Leben der Anpassung an Tradition und Obrigkeit.

Heute funktioniert es nicht mehr so. Da nehmen CDU Poltiker mehr Drogen als irgendwelche durchgeknallten Freaks und in der FDP geht es intern oftmals mehr um guten Sex, als um politische Inhalte.

So sieht heute ein prominenter Sozialdemokrat aus:

(http://www.kritisches-netzwerk.de/sites/default/files/u17/Sascha_Lobo_Blogger__Internetexperte_Internetforscher_Digital_Native_digitale_Kraenkung_Silicon_Valley_Cyberagnostizismus_soziale_Netzwerke_Evgeny_Morozov_Irokesenschnitt_S.P.O.N..jpg)

Der Zausel ist Chefredakteur der BILD:

(https://abload.de/img/zauseliek6s.jpg) (https://abload.de/image.php?img=zauseliek6s.jpg)

Und so stylt sich heute ein reaktionärer Schreiberling der Zeit:

(https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/73/Ijoma_Mangold_2016.jpg/440px-Ijoma_Mangold_2016.jpg)

Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 11:43:39 Mi. 21.Dezember 2016
Ich krieg das Kotzen...
Pegida für die Großraumdisco, AfD fürs Stadion:

Zitat
Olympiahalle
Böhse Onkelz auf Feldzug gegen das Establishment

Nach einer fast zehnjährigen Pause sind sie mit ihrem neuen Nummer-eins-Album "Memento" wieder auf Tour.


Wie ein Kirmesboxer stolziert er über die Bühne: Kevin Russel spannt den Bizeps an, stößt einen Kampfschrei aus und blickt mit aufgerissenen Augen herausfordernd in die Menge. Der selbstbetitelte "Stachel im Arsch der Nation" ist zurück - oder wie Ben Becker es im Sommer 2015 als Anheizer für 100 000 Fans auf dem Hockenheimring nahe am Sonnenstich formulierte: "Sie steigen hinab zu uns wie die Engel."

Die Böhsen Onkelz, eine der umstrittensten deutschen Rockbands, sind nach fast zehnjähriger Pause mit ihrem neuen Nummer-eins-Album "Memento" wieder auf ihrem Feldzug gegen das Establishment. Der erste von zwei Auftritten in der Olympiahalle am Montagabend zeigt, wie eine postfaktische deutsche Gegenkultur 2016 tickt - ein Einblick in die Filterblase der Anderen. Eine verkürzte Textexegese der Onkelz-Hits aus 30 Jahren Band-Geschichte läse sich wie folgt: Das Leben ist hart; man wird belogen und betrogen; der Staat, die Kirche, die Medien verarschen die Normalen, die Aufrechten; aber Errettung ist möglich: Freundschaft und Nation geben Halt.

In ihrer altbekannten Wir-Gegen-Die-Rhetorik bleiben sie schwammig und spalten die Gesellschaft in In-, und Exkludierte - eine Strategie, mit der auch andere heimattreue Gruppen wie Freiwild derzeit ein Massenpublikum um sich scharen.

Die Band, die Mitte der Achtziger- und zu Beginn der Neunzigerjahre wegen fremdenfeindlicher Texte ("Türken raus") der rechten Szene zugeordnet wurde, beteuert seit einigen Jahren stets, sich davon distanziert zu haben.

...wenn er in der Zugabe wie früher einfach mit den Kameraden "Mexico" - ein Lied von 1985, aus der Zeit vor der Läuterung, von dem sich die Böhsen Onkelz wohl noch nicht distanziert haben - gröhlen darf: "Siegesgewiss fahr'n wir nach Mexiko, Um uns're Elf zu seh'n, Im Siegesrausch, voller Alkohol, Lassen wir die Fahnen weh'n."
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/olympiahalle-boehse-onkelz-auf-feldzug-gegen-das-establishment-1.3303262 (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/olympiahalle-boehse-onkelz-auf-feldzug-gegen-das-establishment-1.3303262)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 19:23:17 So. 04.Juni 2017
Ich bin extrem empfänglich für alle möglichen kulturellen Ausdrucksformen, insbesondere die, die man mal als Gegen- oder Subkultur bezeichnet hat.
Es hatte eine durchaus sinnvolle Funktion, daß man Musik und ein paar Äußerlichkeiten hatte, mit denen man sich von der breiten Masse abheben konnte. Die Spießer fanden einen scheiße und man hatte einen Rückzugsort, an dem man sich wohler fühlen konnte als in der Scheißwelt da draußen.

Aber es ist längst nicht mehr so, daß diese kulturellen Ausdrucksformen uns gehören. Die Unterhaltungsindustrie schickt seine Talentscouts aus und nimmt auch extremes unter Vertrag.

Es war an der Optik eines Printmediums sofort zu erkennen, ob es ein Undergroundmagazin oder ein reaktionäres Drecksblatt war. Logisch. Ich beobachte nun aber fassungslos, daß die (Online- und Print-)Magazine sich radikal umorientieren und sich talentierte Grafiker, Fotographen und Layouter besorgen und sich in einer Optik präsentieren, wie es einst nur in der Subkultur zu finden war. Man leiht sich sogar die Ideen aus linksradikaler Ecke. Die Oberfäche wird immer subkultureller mit subversiven Einschlag und der Inhalt wird immer hohler und immer reaktionärer.

Mir geht es nah. Ich kann es nicht einfach achselzuckend hinnehmen, auch wenn mir nichts anderes übrigbleibt.
Es fehlt der Rückzugsraum, in den man sich flüchten kann vor dieser Scheißgesellschaft.
Der letzte Winkel der Gesellschaft ist neoliberal umgekrempelt, verseucht, versaut.
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Rudolf Rocker am 20:10:48 So. 04.Juni 2017
Naja, Subkultur findet ja nicht im luftleeren Raum statt, sondern unterliegt den gleichen gesellschaftlichen Veränderungen, wie alles andere auch.
Elvis und die Beatles waren auch mal Subkultur und das was vor 20 Jahren Subkultur war interessiert heute zum Teil keine Sau mehr. Andere Subkulturen werden imitiert und ja, einige auch assimiliert.
Die Diskussion über die Kommerzialisierung von Subkulturen gab es auch schon zu Ton, Steine, Scherben- Zeiten!
Titel: Erzreaktionäre Scheiße rockt!
Beitrag von: Kuddel am 21:27:18 Mo. 05.Juni 2017
(https://abload.de/img/soederm3k47.jpg) (https://abload.de/image.php?img=soederm3k47.jpg)

CSU Söder auf der Bühne von Rock im Park.


Titel: Re:Kultur
Beitrag von: BGS am 05:32:57 Di. 06.Juni 2017
Peinlich.

MfG

BGS
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 10:08:28 Di. 20.Juni 2017
(http://img.zeit.de/entdecken/reisen/merian/bilder/residenzschloss-braunschweig/wide__650x366__desktop)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Kuddel am 12:12:46 Di. 22.Mai 2018
Der Weg einer Gegenkultur in einer neoliberalen Welt:

Zitat
Neben dem W.O.A. organisieren die beiden Ober-Freaks mittlerweile eine ganze Reihe von Events: unter anderem die Full Metal Cruise, bei der 2000 Metal-Fans auf Kreuzfahrt gehen, die Skireise-Konzert-Kombi Full Metal Mountain in den Kärntner Alpen, die Hamburg Metal Dayz und das Werner-Rennen des Comic-Zeichners Brösel. Außerdem betreiben sie eine Stiftung, ein Platten-Label, einen Musikverlag, einen Radio- sowie einen Internet-TV-Sender – alles Ideen, die die beiden charismatischen Gründer mit dem Tempo ultraschneller Hardcore-Riffs in die Welt schießen.

(https://abload.de/img/w1siziisijiwmtgvmdqvmy3sm5.jpg) (http://abload.de/image.php?img=w1siziisijiwmtgvmdqvmy3sm5.jpg)

Und genau da liegt das Problem. Denn ihr Unternehmensgeflecht ist mittlerweile derart ausgewuchert, dass weder die Strukturen noch die Mitarbeiter mitkommen. Aktuell hecken Jensen/Hübner einen Studiengang Heavy Metal aus („Wir sind da schon ziemlich weit“), in Planung ist zudem irgendwas Professionelles mit Festivals und Nachhaltigkeit, und neuerdings gehört ihnen auch noch der Landgasthof, der jetzt inoffiziell Zum Wackinger heißt und von ihnen wieder in Schwung gebracht werden soll.
https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-thema/consulting-2018/wacken-open-air-ig-metal (https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-thema/consulting-2018/wacken-open-air-ig-metal)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Troll am 15:22:26 Di. 22.Mai 2018
So sieht eine Gegenkultur aus?
Ich finde es sieht genauso schlecht aus wie die Mainstreamkultur, oder reicht es schon die Fahrstuhlmusik in Konsumtempeln zu ändern um ein Gegen-plingpling zu inszenieren, scheiße in neuer Geschmacksrichtung oder was?
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: counselor am 15:35:47 Di. 22.Mai 2018
So sieht eine Gegenkultur aus?
Ich halte das nicht für Gegenkultur.
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Troll am 15:50:04 Di. 22.Mai 2018
Vielen reicht der Begriff "gegen" um dafür zu sein.
Muß man eigentlich Gebühren bezahlen wenn man versucht selbst zu denken?
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: BGS am 18:05:14 Di. 22.Mai 2018
So sieht eine Gegenkultur aus?
Ich halte das nicht für Gegenkultur.

Ich auch nicht.

Gegenkultur sind hier z.B. Konzerte in der Wildnis oder an ungewöhnlichen Orten, von denen nicht jeder Hans und Frans weiss.

MfG

BGS
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Troll am 19:29:46 Di. 22.Mai 2018
Am Anfang war WOA eine Art Gegenkultur, jetzt ist es Mainstream, ich glaube vielen anfänglichen Gegenkulturströmungen ging es schon ähnlich, selbst Techno war mal eine Gegenkultur.
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Nao am 10:23:00 Do. 24.Mai 2018
Mainstreamkultur

Treffend kritische Bemerkungungen zum Vorzeigekünstler Chinas:

Zitat
Ai Weiwei fühlt sich in Berlin nicht mehr geschätzt

Der erste große Irrtum ist wohl die hierzulande noch vor einiger Zeit nahezu flächendeckend verbreitete Meinung, Ai sei ein großer Künstler, eventuell sogar, so der Stern, der „wichtigste der Welt“. Dagegen haben Leute, die etwas davon verstehen – sagen wir mal, der international renommierte Kritiker und Kurator Hou Hanru –, schon länger betont: „Als Künstler ist er völlig uninteressant.“ Der globale Erfolg Ais verdankt sich – neben westlichen Galeristen, die ihn massiv gefördert und eingekauft haben – hauptsächlich den westlichen Medien. Die haben ihn gemacht. Sie interessierten sich besonders für den Mann, weil er nach einem zwölfjährigen USA-Aufenthalt nicht nur präzise wusste, welche Kunst im Westen ankommt, sondern auch Englisch spricht und man anders als mit den meisten chinesischen Künstlern ähnlichen Formats direkt mit ihm kommunizieren kann.

Das zweite große Missverständnis lautet: Ai Weiwei ist ein großer politischer Denker. Tatsächlich hegt er eher schlichte politische Vorstellungen, die sich zumeist darauf beschränken, dass der Staat ein Feind der Kreativität und Freiheit sei, und deshalb zu bekämpfen. Damit kommt er besonders gut bei Leuten an, die ähnlichen neoliberalen Thesen anhängen. Dass beispielsweise der ehemalige Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie und zwischenzeitliche AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel im April 2011 vor der Berliner Akademie der Künste Flugblätter verteilte, auf denen Freiheit für den damals inhaftierten Ai gefordert wurde, passt sehr gut ins Bild.

Das größte Missverständnis aber ist, dass Ai ein echter Dissident sei, womöglich sogar „Chinas Staatsfeind Nr. 1“ (Bild). Zunächst einmal: Ai ist einer, den man in China einen „Princeling“ nennt. Sein Vater, Ai Qing, Dichter und hochrangiger Kulturfunktionär, verbrachte die Kriegszeit an der Seite Maos in den Höhlen von Yan’an. Zwar fiel er – wie sehr viele Funktionäre der KP – zwischenzeitlich in Ungnade und musste einen Teil seines Lebens in der Verbannung verbringen, wurde jedoch sofort nach der Kulturrevolution voll rehabilitiert und zum Vizepräsidenten des Schriftstellerverbands ernannt. Aufgrund der Stellung seines Vaters durfte sich Ai Weiwei in puncto abweichender Meinungsäußerung immer deutlich mehr erlauben als andere; der Name des Vaters dürfte Ai auch bei den diversen Bauprojekten, in die er involviert war und die von der Partei unterstützt wurden, genutzt haben.

Als Ai sich dann im Sommer 2015 in Berlin niederließ, schien sich die Traumbeziehung zwischen dem „Märtyrer-Künstler“ (Die Zeit) und Deutschland zunächst fortzusetzen.

Als er schließlich auch noch ein Selfie mit der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel voll in Ordnung fand, hatte er den Kredit verspielt.
Auszüge aus: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/fuer-immer-pappkopie (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/fuer-immer-pappkopie)
Titel: Re:Kultur
Beitrag von: Onkel Tom am 07:16:37 Fr. 25.Mai 2018
Nicht verzagen.. Subkultur im größeren Rahmen gibt es noch, ist jedoch für
dieses Jahr leider schon ausverkauft.. Erlöse gehen unter anderem auch
an Projekte wie Demonstrationen (Lautsprecher-LKW mieten u.s.w.) links-
orientierter Art..

http://www.fusion-festival.de/de/2018/home/ (http://www.fusion-festival.de/de/2018/home/)

 ;)
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 18:39:11 Fr. 03.Mai 2019
In den Bereich "Kultur" laß ich mal ein paar Worte zu RAMMSTEIN fallen.
Gleich vorab: Ich bin kein Rammstein Fan.
Es sind professionelle Musiker, aber es gibt hunderte Bands, die ähnlich gut spielen und einige davon dürften musikalisch interessanter sein.
RAMMSTEIN hat das Grundkonzept ihres Auftretens von LAIBACH geklaut. Auch sie spielten geistreich mit faschistischer Symbolik. Schon lange davor. Das Plagiat wurde dann 100x erfolgreicher als das Original. LAIBACH hätte mehr Erfolg und Respekt verdient.
Rammstein waren ursprünglich ostdeutsche Theaterleute. Das merkt man.
Ich muß aber zugeben, als Gesamtkunstwerk taugen sie was. Sie sind schon irgendwo zurecht weltweit der deutsche Kulturexport Nr.1. Ich hab sie mehrfach live gesehen. In Skandinavien war es unglaublich, daß scheinbar das gesamte Publikum, das sonst kein Deutsch sprach, jedes Wort aus voller Kehle mitgröhlte.
Das Spiel mit Symbolen, mit Tabus und Provokationen und mit den Medien beherrschen sie wie niemand sonst. Was sie machen, ist wirklich geistreiche Popkultur. Daß sich Sachen mit Grips auch gut verkaufen, ist nicht unbedingt die Regel.

Ihr neues Video DEUTSCHLAND dürfte inzwischen wohl jeder kennen. Die Diskussion darüber auch.

Jetzt haben sie ihre zweite Single von dem Album released und das Video dazu auf eine Hauswand in Berlin Mitte projiziert. "RADIO" https://youtu.be/z0NfI2NeDHI

Auch dafür meinen Respekt.
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: counselor am 20:42:40 Fr. 03.Mai 2019
Laibach war eine tolle Band. Erinnert mich an schöne Abende im LAKRITZ, einem damals selbstverwalteten Nachtclub in Nürnberg.
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Troll am 12:22:47 Sa. 04.Mai 2019
Mir gefällt Rammstein, Fan in meinem Sinn ja, nach offizieller Fan-Definition NEIN!

Zitat
„We are as much fascists as Hitler was a painter.“

„Wir sind so sehr Faschisten, wie Hitler ein Maler war.“

Laibach (auf die direkte Frage, ob sie Faschisten seien)

Aus dem Laibach-Wiki

Titel: Re: Kultur
Beitrag von: BGS am 13:43:06 Sa. 04.Mai 2019
Mir gefällt LAIBACH. In der Kunsthalle Kiel waren mal etliche Exponate von ihnen, Danke fuer die Infos.

MfG

BGS
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 12:49:28 Do. 13.Juni 2019
Kurz nochmal ein paar Gedanken zu Subkultur, Gegenkultur und Szenen.
Gerade der Faschismus versuchte die Gleichförmigkeit und Uniformierung zu erzwingen.
Da war die Swing-Jugend eine oppositionelle Jugendkultur verbunden durch Musik, Tanzstil und Haltung.
Noch älter ist die Kultur der Tätowierten. Damit erklärten sich zumeist Seeleute und Knackies zu Outsidern, die sich nicht den Regeln der bürgerlichen Gesellschaft unterwerfen.

Heute ist es genau umgekehrt. Man muß sich ehemals subkultureller Symbole bedienen, wenn man es im neoliberalen Kapitalismus zu etwas bringen will. Dreitagebart, Jeans, Band-T-Shirt-, Dutt, Afrolook sind heute nahezu pflicht, wenn man Zutritt in die "Gründer"- und "Start-up"-Szene will.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie findet: Gut für dich. Gut für Deutschland.
https://www.existenzgruender.de/DE/GO/inhalt.html
Den Menschen mit starkem Magen empfehle ich das hippe Video auf der Existenzgründerseite, in dem man sieht, wie Kapitalisten und Sklaven heuzutage auszusehen haben.

Ach, was waren das noch Zeiten, in denen Jeans, lange Haare und Rockmusik noch Protest gegen das System bedeuteten. Oder gar ein Tattoo oder ein Ohrring bei einem Mann.

Wenn ich heute jemanden sehe mit mächtigem Vollbart, mit extrem erweitertem Ohrloch und Tattoos bis über die Ohren, dann denke ich nur: Was für ein angepaßtes Arschloch!
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Troll am 13:59:38 Do. 13.Juni 2019
"Die Unglaublichen" (der Animationsfilm) Helden müßen untertauchen und sich vor der Öffentlichkeit verstecken, den Sohn des Heldenpärchens nervt es das er sich im Sport zurückhalten muß und redet mit seiner Heldenmutter, sie meint im Gespräch "jeder ist etwas besonderes" worauf der Sohnemann richtig bemerkt daß es dann ja normal ist besonders zu sein.
In dem Sinn, das ehemals besondere wird Normalität, Mode ist immer ein temporärer Zustand und damit eben nichts besonderes, Vollbärte, Piercings, Tatoos sind aktuelle Mode und schon langweilig, ermüdend.
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Fritz Linow am 14:30:59 Do. 13.Juni 2019
Das Video ist schon schlimm, aber dieser Satz irgendwie auch:
Zitat
Ach, was waren das noch Zeiten, in denen Jeans, lange Haare und Rockmusik noch Protest gegen das System bedeuteten.

Das ist mir zu viel Verklärung. Und gibt es überhaupt eine Sub- oder Gegenkultur, die nicht sofort aufgesogen und zur Verwertung freigegeben wird und damit automatisch ihren Protestcharakter verliert?
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 15:15:53 Do. 13.Juni 2019
Klar, da gab es den Super-8 Film "Rollo Aller", eine Persiflage auf das Gefühl mit Rockmusik die Welt zu verändern.
"Raus aus der Gesellschaft - Rein in den Rock!" https://www.mopo.de/metropolis-rollo-aller----der-abend-19747000

Natürlich konnte jeder Vollhonk sich die Haare wachsen lassen und Hippieklamotten überwerfen. Trotzdem funktionierte es, daß die vom Faschismus und dessen Ausläufern geprägte Elterngeneration sich dadurch provoziert fühlte und einem den Weg ins Arbeitslager wünschte. In dieser Beziehung funktionierte die Gegenkultur eine ganze Weile.

Die Symbolik dieser Maskerade richtete sich immerhin gegen Militarismus (Männer mit Mädchenfrisuren), gegen Arbeit und Konkurrenzkampf. Es ging eher um die schönen Dinge des Lebens.

Es funktionierte dann noch ein weiteres Mal, als die Punx aufkamen und die Vorgängergeneration aufmischte. "Never trust a hippie!" Sid Vicious mit Hakenkreuz T-Shirt. Als die Linken langsam den Punk für sich entdeckten und vereinnahmten, war es allmählich vorbei mit der subversiven Sprengkraft dieser Kultur. Heute ist es nur noch ein trauriges Abbild einer Kultur, die schon lange vorbei ist.

Es gab nochmal ein kurzes Aufflammen einer Gegenkultur, die auch nur so lange funktionierte, wie man ihre Logik nicht verstand. Die Rave Bewegung im Rahmen elektronischer Musik veweigerte sich irgendwelcher politischer Inhalte, doch in UK wurden leerstehende Fabrikhallen besetzt, um mit Tausenden zusammen zu feiern. Dann verschwand man wieder. Man schiß auf alles, Arbeit, Karriere, ging nur noch ab auf Feiern, Sex, Drogen, verneinte die ganze verkackte Welt inklusive der albernen Versuche, sie mit Protesten zu verändern. Man hat für einen Moment diese Welt außer Kraft gesetzt. Thatcher wollte mit polizeistaatlichen Mitteln diese Kultur beenden und versuchte es mit einem Verbot der "repetitative beats". In Deutschland forderte die Junge Union Techno zu verbieten. Ich hatte in der Zeit eine Menge Spaß, aber es hielt nicht lange an. Die beschissene Love Parade von Dr.Motte mit "Friede, Freude, Eierkuchen" sagte bereits alles. Neue Modelabel und grinsende Extacy Verstrahltheit. Leckt's mich, das war ein verdammt kurzes Vergnügen.

Die Halbwertszeit der subversiven Elemente wurde kürzer und kürzer.
Ich sehe inzwischen nicht mal mehr einen kleinsten Augenblick, in der diese Form kultureller Subversion eine Chance hat. Ich sehe sie nur noch als Bestandteil der herrschenden Kultur mit dem Ziel der Beschleunigung der Verwertungsprozesse.

Ich habe auch keinerlei Hoffnung, daß es mit einer neuen Subkultur anders kommen kann. Das Thema ist durch.
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Troll am 09:20:27 Fr. 14.Juni 2019
Mich nervt es wenn eine Massenbewegung zur Individualität erklärt wird, und als negativer Nebeneffekt Intoleranz in der angeblich immer toleranteren Gesellschaft aufblüht wie selten zuvor.
Wenn Filme, Bands u.ä. quasi schon als "Kult" geboren werden dann war mein bisheriges Verständnis dafür grundfalsch, der "Kult" entwickelt sich nicht mehr sondern wird von PR-Agenturen erfunden, da hab ich keinen Bock drauf.
Es erscheint mir alles so eklig Uniform.
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Onkel Tom am 09:37:22 Fr. 14.Juni 2019
...

Ich sehe inzwischen nicht mal mehr einen kleinsten Augenblick, in der diese Form kultureller Subversion eine Chance hat. Ich sehe sie nur noch als Bestandteil der herrschenden Kultur mit dem Ziel der Beschleunigung der Verwertungsprozesse.

Ich habe auch keinerlei Hoffnung, daß es mit einer neuen Subkultur anders kommen kann. Das Thema ist durch.

Das sehe ich weniger so.. Klar, selbstorganisierte Feste kosten auch ihr Geld und muss über die Festgäste
irgendwie wieder "eingesammelt" werden.
Das Bedürfnis, sich über Kultur von der großen Masse der sogenannten "Mitschwimmer" gesellschaftlicher
Erwartungshaltung zu distanzieren, sehe ich immer noch. Nicht am Outfit, jedoch an dem Interesse an
Veranstaltungen teil zu haben, die es vorübergehend ermöglichen, vom Alltag des Lebens abschalten zu
können..

Derzeit sieht es etwas mau aus, doch wenn sich Möglichkeiten ergeben, von der "dumpfen Gesellschaft"
Abstand zu nehmen, werden diese Möglichkeiten m.E. gern aufgesucht. In Hamburg wird dies jedes Jahr zum
Hafengeburtstag immer wieder und vermehrt von Jahr zu Jahr sichtbar..

Geht man am Rödingsmarkt los, sieht man bis zur NDR-Bühne Gäste, die allein "Party und Schiffe kosumieren"
wollen.. Geht mann weiter zur Rolly Rogers Bühne, ändern sich die Getränkepreise nicht, jedoch ist der Anspruch
der Besucher_innen etwas anders.. Die Atmosphäre geht anbei mehr in Richtung "Alternative und / oder Kritik
gegenwärtiger gesellschaftlicher Verhältnisse"..

Doch damit nicht genug.. Richtung Balduintreppe ändern sich die Getränkepreise und Verkaufsstände, die ihre
Beteiligung mit einer solidarischen Verknüpfung anbieten, werden mehr.. Nun geht es nicht mehr nur darum
"ordendlich Kasse zu machen", sondern auch Knete zu machen, für irgendwelche Kosten, die durch Protest,
Repressionen entstehen, ab zu mildern oder decken zu können.

Sprich an den der Hafenstraße angebundenen Ständen ist jeder dort erworbene Getränkeschluck mit einem
unbekannten Anteil Soliknete gegen gegenwärtiger Verhältnisse verbunden. Und ja, gerade da wird es schnell
sehr eng vor lauter Menschenmassen.. (Nicht allein deswegen, weil dort das Bier 1,50 statt 2-3 Eur kostet).

Was mich dieses Jahr besonders beeindruckte, das die Polizei glaubte, das sie anbei an der Balduintreppe
auf "Racial-Caching" gehen könnten und auf Kleindealer hofften.. Plötzlich wurden Jäger zu gejagten.
Es waren keine Afrikaner, die die Polizei die Balduintreppe hinab jagten.. Die Cops haben sich anbei voll auf
die Fresse gelegt und nix wie weg. Es waren hellhäutige, die Solidarität ausübten.

Ich betrachte es so, wie "Jägerzaun Pro und Contra Generationen". Die Eltern finden Jägerzaun ganz schick.
Deren Kinder reißen den Jägerzaun gern wieder ab und deren Kinder wollen den Jägerzaun wieder haben.

Derzeit glaube ich, das die jetztige Jägerzaun-Liebhaber-Generation in den nächsten Jahren wieder durch
Jägerzaungegner-Generation abgelöst wird.

Das rot zitierte könnte diesen Wandel fördern.  ;)
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 20:24:00 Fr. 26.Juli 2019
Die WACKEN Kultur...

Zitat
Auf dem Wacken Open Air gibt es erstmals einen richtigen Supermarkt. Dahinter steht die Kette Kaufland. Die 450 Artikel sind extra auf die Festivalbesucher abgestimmt.
https://www.shz.de/24861412
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Troll am 20:33:25 Fr. 26.Juli 2019
Wacken die Supermarktkultur, cool!
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 15:32:15 Mi. 28.August 2019
Mir ist mal wieder nach einem Rundumschlag zumute.
Möchte mich über Mode auskotzen.

Die Mode ist einfach nur Retro.
Man zitiert vergangene Zeiten und meint es oft irgendwie ganz anders, ironisch gebrochen, was weiß ich.
Erst fand man die 70er so tierisch lustig. Knallbunte Hemden mit riesigen Kragen. Schlaghosen.
Ich hab die 70er als Teenager erlebt. Ich fand die 70er keineswegs lustig, sondern nur scheiße.
Der 70er Retrohype gipfelt im Schlagermove, organisiert von der BILD Zeitung, wo hundertausende Hirnamputierte mit bunten Hemden und Kleidern, komischen Brillen und lustigen Perücken zu Drecksmusik durch Hamburg tanzen.

Als dann Bärte wieder aufkamen, freute ich mich zuerst und dachte, nun würden sich Leute an die Zeiten erinnern, in denen man die Nächte durch rauchend über den Zustand der Welt und Möglichkeiten anderer Gesellschaftsformen diskutierte.
Aber so war es wohl nicht gemeint. Es soll nur so aussehen. Das ist auch einer Zeitjournalistin aufgefallen und von ihr recht lustig beschrieben:

"VW-Bus, Birkenstocks und Bärte: Plötzlich sehen alle aus wie meine Eltern."
https://www.zeit.de/2019/35/oekologischer-lebensstil-solidaritaet-hippie-zugehoerigkeit-mainstream

In der Werbung ist ja aus dem Silicon Valley der Afrolook hier rübergeschwappt. Erinnert an die Black Panthers und Angela Davis. Ist aber nicht so gemeint. Nur zitiert und ironisch gebrochen. Haha. Damals ging es um den bewaffneten Kampf gegen das schweinische, kapitalistische US-System. Heute kriecht man diesem System mit Vollgas in den Arsch. Mit Afrolook.

Dann wurde man ganz ironisch gebrochen und zitierend spießig. Pullis mit V-Ausschnitt, die Farben wurden immer beiger, die Röcke immer länger und die Mädels machten sich nen Dutt. Diese Vollhonks machen sich nicht lustig über Spießigkeit, sie sind durch und durch spießig.

Ist aber steigerbar. Mit Fußballern und Hipstern wurden mit dem Undercut übertriebene Nazifrisuren wieder modern. Hauptsache schön gescheitelt. Trachtenmode nicht zu vergessen. Röcke und Kleider sind in gedeckten Farben schon längst knielang, mindestens. Damit könnte man auch für ein Kraft durch Freude oder Mutterkreuzplakat posieren.

Ihr Fashion Victims, ihr seid weder cool noch witzig, sondern nur dumm und scheiße!
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 13:55:41 Mo. 20.April 2020
Keine Fotomontage:

(https://abload.de/img/doc7a6ppwhg1a81e0mj0olyjh5.jpg) (https://abload.de/image.php?img=doc7a6ppwhg1a81e0mj0olyjh5.jpg)

Hans-Jörn Arp, CDU-Abgeordneter aus Wacken, trägt zu Beginn der Sondersitzung des Landtags eine Schutzmaske mit dem Logo des Wacken-Festivals.

Satan rules!
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: Kuddel am 09:54:16 Sa. 17.Oktober 2020
Ein schönes Beispiel aus der ZEIT:

Zitat
Gleichberechtigung
Ja, wir wollen!

(https://abload.de/img/75k5g.jpg) (https://abload.de/image.php?img=75k5g.jpg)

Frauen wollen arbeiten, führen, Karriere machen. Sie wollen entscheiden und Verantwortung tragen.
https://www.zeit.de/arbeit/2020-10/gleichberechtigung-frauenquote-jutta-allmendinger-karriere-gesetz

Man benutzt eine linke oder subkulturelle Bildsprache, um reaktionäre oder neoliberale Inhalte zu transportieren.

Die Forderungen übersetzt: Ja, wir wollen uns ausbeuten lassen, wir wollen Hierarchie und Konkurrenzkampf!
Titel: Re: Kultur
Beitrag von: BGS am 13:48:19 Sa. 17.Oktober 2020
Grotesk das alles. Und doch gibt es m. E. hier und da zum Glück noch echte Subkultur. Die geht nicht in die Öffentlichkeit.

MfG

BGS