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Neuigkeiten + Diskussion => (Sozial-) Politikforum & Aktuelles von Chefduzen => Thema gestartet von: Kuddel am 11:59:51 Sa. 22.Juli 2017

Titel: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:59:51 Sa. 22.Juli 2017
Wir haben ja den Thread zum französischen Wahlkampf, der realsatirische Züge trägt.

Der Wahlkampf ist vorbei.
Nun geht es ans Eingemachte. Es soll mit einer Art Dauerausnahmezustand knüppelhart neoliberale Politik durchgesetzt werden.

Es brodelt bereits.

Ich gehe davon aus, daß es demnächst knallt und zwar heftig.
Das dürfte für uns sehr spannend sein. Deshalb eröffne ich zu dem Thema einen neuen Thread.

Zitat
Polizeigewalt in Frankreich
Der Staat als Feind

Tote gibt es immer wieder bei Polizeieinsätzen. Auch Ali Ziri hat seine Festnahme in einem Pariser Vorort nicht überlebt. Die beteiligten Polizisten müssen nicht viel befürchten, die Ermittlungen werden oft eingestellt. Viele Franzosen nehmen das nicht mehr hin – und leisten Widerstand.


(http://www.deutschlandfunk.de/media/thumbs/0/03ba4062681afb398813ca2efae64821v1_max_755x424_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg?key=b1991b)
In der Pariser Vorstadt Argenteuil fordern mehr als hundert Menschen "Justiz und Gerechtigkeit für Ali Ziri", der der Polizeigewalt in Frankreich zum Opfer fiel. (Deutschlandradio / Bettina Kaps)

Samstagnachmittag in der Pariser Vorstadt Argenteuil. Auf einer Kreuzung stehen mehr als hundert Menschen, sie rufen "Justiz und Gerechtigkeit für Ali Ziri". Einige halten ein vergrößertes Passfoto in die Höhe. Hohe Stirn, melancholische braune Augen, weißer Schnurrbart. So sah Ali Ziri vor acht Jahren aus, als ihn Polizisten bei einer Verkehrskontrolle an dieser Straßenecke festnahmen. Zwei Stunden später war er tot, sagt Arezki Semache, ein Verwandter.

"Ali Ziri war fast 70 Jahre alt. Er war nur Beifahrer. Die Festnahme ist tödlich ausgegangen, weil die Polizisten eine Technik angewandt haben, die man Falten nennt."

Der Menschenrechtsverein "Aktion der Christen für die Abschaffung von Folter", kurz ACAT genannt, hat den Fall Ali Ziri genau studiert und auf Grundlage der Prozessakten eine Zeichnung angefertigt. Sie veranschaulicht, wie der Polizist vorgegangen ist: Ali Ziri sitzt im Polizeiwagen, die Hände im Rücken mit Handschellen gefesselt. Der Polizist presst Ziris Kopf auf die Knie, mit der anderen Hand drückt er auf den Rücken, der Beamte hat es selbst so bezeugt. Diese Technik aber quetscht den Brustkorb zusammen, sie kann zum Ersticken führen.

Der Fall Ali Ziri: Todesursache unklar

Ali Ziri jedenfalls wurde im Koma von der Polizeiwache ins Krankenhaus gebracht. Die genaue Todesursache sei leider trotz Autopsie umstritten, sagt Semache.

"Wir haben verlangt, dass der Tathergang rekonstruiert wird. Das hat der Richter abgelehnt. Wir wollten, dass Zeugen verhört werden, vergeblich. Die französischen Gerichte haben den Prozess dann eingestellt. Unsere ganze Hoffnung ruht jetzt auf dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte."

Auch Moustafa Mansouri hält ein Foto in die Höhe. Diesmal ist ein halbwüchsiger Junge zu sehen. Er heißt Amin und ist Mustafas Sohn.

"Es war der 14. Juli 2014, unser Nationalfeiertag. Amin war erst 13 Jahre alt. Er und seine Freunde haben Knallfrösche gezündet, wie es Tradition ist. Aber in einer Banlieue wie bei uns darf sich die Jugend nicht amüsieren. Die Polizei ist den Kindern hinterher gerannt. Sie hat Waffen mit Hartgummigeschossen eingesetzt, die eigentlich nur zur Verteidigung erlaubt sind. Amin wurde im Genitalbereich getroffen. Sie haben ihn blutend liegen gelassen. Er musste drei Stunden lang operiert werden."

Die interne Polizeiinspektion habe die Ermittlungen eingestellt, klagt der Vater. Aline Daillière wundert das nicht. Die Juristin hat im Auftrag des Menschenrechtsvereins ACAT einen Bericht über den Einsatz von Gewalt durch die französische Polizei veröffentlicht, der für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Zwei Erkenntnisse haben Aline Daillière besonders schockiert.

Polizisten gehen straffrei aus


"Erstens: Die Ordnungskräfte setzen Waffen ein, die schlimme Verletzungen hervorrufen. Durch Hartgummigeschosse wurden schon 43 Menschen schwer verletzt, mehr als die Hälfte von ihnen hat ein Auge verloren. Zweitens: Polizeigewalt hat so gut wie keine juristischen Folgen. Die verantwortlichen Polizisten gehen fast immer straffrei aus."

Den Fall Ali Ziri hat die französische Justiz mit der Begründung eingestellt, dass die Polizisten bei der Verhaftung vorschriftsmäßig und angemessen gehandelt hätten. Für Aline Daillère steht hingegen fest, dass Polizei und Justiz den Tathergang nicht objektiv und nicht präzise genug untersucht haben.

"Es waren vor allem Kollegen der drei beschuldigten Polizisten, die ermittelt haben. Sie arbeiten alle in derselben Polizeiwache. Außerdem war die Untersuchung extrem lückenhaft: Ali Ziri befand sich eine Stunde lang in einer Polizeiwache mit Kameras und über 60 Polizisten. Trotzdem will niemand wissen, was in dieser Zeit mit ihm passiert ist? Das ist absolut unwahrscheinlich."

In Argenteuil setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Auf den Plakaten und T-Shirts der Teilnehmer sind noch viele andere Namen zu lesen: Gerechtigkeit für Adama Traore, die Wahrheit für Lamine Dieng, Justiz für Wissam El-Yamni. Alles junge Männer, die bei Polizeieinsätzen gestorben sind und wo es bislang keinen Prozess gegeben hat. Viele Angehörige und Freunde kennen sich von anderen Todestagen. Sie halten zusammen, wie eine große Trauergemeinde, und rufen: "Wir vergessen nicht, wir vergeben nicht."
http://www.deutschlandfunk.de/polizeigewalt-in-frankreich-der-staat-als-feind.795.de.html?dram:article_id=391632 (http://www.deutschlandfunk.de/polizeigewalt-in-frankreich-der-staat-als-feind.795.de.html?dram:article_id=391632)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: shitux am 19:52:21 Mo. 24.Juli 2017
nun, dass der ausnahmezustand irgendwann letztmalig verlängert wird liegt irgendwie in der natur der sache. selbst politiker müssen wahrscheinlich dann doch einsehen, dass das wort  " ausnahmezustand" an sich sonst ad absurdum wird. ein ausnahmezustand der ewig währt kann kein ausnahmezustand mehr sein.

und das sich danach das was sich im sinne der neo´s " bewährt" hat in reguläres recht übernommen wird? ok, kurze überraschung ob meiner unwissenheit. bei genauerem nach denken entspricht es jedoch dann einer konsequenten logik der eliten. andere worte -> selber zustand.

stringent wäre natürlich die gesetze für einen neuerlichen ausnahmezustand zu verschärfen/ anpassen/ reformieren. damit nach dem nächsten zustand ...  uswusf.

mir ist allerings nicht so recht eingängig wo du kuddel:
Zitat
Das dürfte für uns sehr spannend sein.
die spannung für uns siehst?

gewerkschaften in de die sich so massiv zur wehr setzen wie die in fr?
medien die über drastische lohnkürzungen berichten?
ein weiteres land welches sozialleistungen gen null abbaut?

so wie " voll umfangreich" bezgl. gr und die folgen von hier aus berichtet und aufgeklärt wurde?

das wäre spannend für mich.

was wäre spannend für dich/ euch ?



Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:16:35 Mo. 24.Juli 2017
Bei deinem inflationären Gebrauch irgendwelcher bescheuerter Abkürzungen verstehe ich null, was du auszudrücken versuchst  8o
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:43:02 Di. 25.Juli 2017
In Frankreich ist die Sommerpause heilig. Dafür würden die Franzosen auch jede Revolution unterbrechen.

Aber wenn die Sommerpause rum ist, dürfte es lustig werden:
Zitat
Emmanuel Macron:
Nur die Reichen jubeln noch

In kurzer Zeit hat Frankreichs Präsident dramatisch an Zustimmung eingebüßt. Der Grund sind seine ersten Reformen: Kürzungen bei den Armen und Geschenke für die Reichen.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-07/emmanuel-macron-frankreich-praesident-umfrage-unbeliebtheit (http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-07/emmanuel-macron-frankreich-praesident-umfrage-unbeliebtheit)

Es braut sich was zusammen!
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Hartzhetzer am 07:27:12 Do. 27.Juli 2017
Daran erkennt man das die Parlamentarische Demokratie nichts taugt. Mal sehen wie viele Jahrhunderte lang die Menschen immer wieder neue verbrecherische Anführer wählen werden bis sie begreifen das Pyramidenförmige Kommandohierarchien nichts taugen, da sich viel zu viel Macht und Gesamtüberblick auf einige wenige Menschen in der Pyramidenspitze verteilt. Nach oben hin werden die Posten immer weniger und niemand gibt seinen Posten freiwillig auf. Wer also hochkommen will braucht die entsprechenden amoralischen, psychopathisch - egoistischen Charakterzüge, frei von Empathie und genau das ist dann auch die Politik die wir immer wieder von solcherart Anführer präsentiert bekommen, egal welcher politischen Massenorganisation dieser anhängig ist.

mfg     
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: shitux am 16:04:35 Sa. 29.Juli 2017
Kuddel:
Zitat
was du auszudrücken versuchst

Das Merkel und der IWF die Reformen ausdrücklich & öffentlich begrüßen und unterstützen war natürlich erwartbar. Dass Leute sich ausserhalb oder nach den TV-Nachrichten evtl. anderweitig um erweiterte Information bemühen, erscheint mir nicht unmöglich aber wenig wahrscheinlich.

Die TV-Anstalten werden weiterhin im Sinne des Kapitals berichten. Vllt. hier und da mal ein paar brennende Reifen einstreuen. Ansonsten Jubelarien.

Mit unserem vom BverFG gültig erklärtem neuen Gewerkschaftsgesetz, werden die hiesigen Gewerkschaften sich auch keine Scheibe v. d. französischen Arbeitskämpfen abschneiden.
So könnte man sicherlich die Liste noch fort setzen.

Aber warum sollte speziell von Frankreich(fr)
Zitat
Kuddel: Das dürfte für uns sehr spannend sein.

für uns in Deutschland(de) ein spannender( Funke) werden?
Warum ist Griechenland(gr) nicht genauso spannend für uns geworden? Polen, wo gerade die Justiz windelweich geklopft wird? Ungarn, wo Gefangene den Zaun an den Grenzen gebaut haben? England, wo nach Thatcher nun die 2te Frau zum Rundumschlag gegen Soziales abhebt?

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16:46:13 Sa. 29.Juli 2017
Zitat
Warum ist Griechenland(gr) nicht genauso spannend für uns geworden? Polen, wo gerade die Justiz windelweich geklopft wird? Ungarn, wo Gefangene den Zaun an den Grenzen gebaut haben? England, wo nach Thatcher nun die 2te Frau zum Rundumschlag gegen Soziales abhebt?
@shitux: Dir ist aber schon klar, das Du Dich hier im "Frankreich aktuell"- Thread aufhälts, oder? Zu Polen, Griechenland, Ungarn und Großbritannien empfehle ich die entsprechenden anderen Threads, in denen über die Problematik in den jeweiligen Ländern berichtet wird. ;)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: shitux am 19:05:19 Sa. 29.Juli 2017
Ja.

Aber mir ist eben unklar woher Kuddel die Feststellung- noch nicht mal als mögliche Frage gestellt- herleitet, wieso es für " uns (in de) spannend" werden könnte. Allein weil´s fr( Frankreich) ist?

Vllt, hat Kuddel ja Info´s das die dortige Unzufriedenheit über die deutsch-französische Grenze schwappt? Oder sich endlich die Gewerkschaften im Sinne & Interessen der AN (Arbeitnehmer) sich zu einer schlagkräftigen internationalen Truppe zusammen schließen?

Das wäre spannend zu lesen.

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:10:04 Sa. 29.Juli 2017
Das einzige, was dich halbwegs sympathisch macht, ist, daß du null politische Erfahrung und Ahnung hast.
Aber die Laustärke und Vehemenz mit der du Scheiße redest, ist schwer zu ertragen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:13:54 Sa. 29.Juli 2017
Vllt.w.d.a.d.F.h., kA.#
# A.w.w.d.sch.?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: shitux am 19:16:46 Sa. 29.Juli 2017
Ich habe in einem anderen Thread von dir gelesen, dass du vorgeschlagen hast, Leute zu überzeugen. So vor Ort.

Deine Strategie die du an den Tag legst mit Beschimpfungen
Zitat
Das einzige, was dich halbwegs sympathisch macht, ist, daß du null politische Erfahrung und Ahnung hast.
Aber die Laustärke und Vehemenz mit der du Scheiße redest, ist schwer zu ertragen.
und null eingehen auf deine selbst aufgestellten Feststellungen wird garantiert aufgehen.  

Geh doch einfach mal auf meine einfache Frage ein!! Überzeug mich doch einfach mal mit Argumenten!! Sollte doch angesichts dessen
Zitat
Das einzige, was dich halbwegs sympathisch macht, ist, daß du null politische Erfahrung und Ahnung hast.
für dich nicht wirklich schwer sein, oder?

Oder soll ich dir vorweg nehmen, wenn fr die selben " Reformen" wie de knallhart vollführt hat, durchzieht, die nächste Runde der Abwärtsspirale gerade zu herauf beschworen wird?

# sry, für das mehrfache ändern#
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:44:35 Sa. 29.Juli 2017
Ich habe kein Interesse mehr dich von irgendwas zu überzeugen.
Du willst scheinbar irgendwo hingehören, würdest gerne links sein, ich weiß nicht warum.
Deine Beiträge versuchen manchmal "radikal" auszusehen, aber es steckt nichts dahinter.
Wenn ein "Linkssein" einen Sinn machen würde, dann doch nur dann, wenn man nach Bruchstellen in diesem System sucht und Wege es zu überwinden.
Die Hälfte deiner Beitrage sind jedoch Belege dafür, daß man gegen "die da Oben" sowieso nix machen kann. Ich sehe bei dir weniger die Suche nach einer Änderung der Verhältnisse, oder den Versuch gemeinsam zu lernen, dazu plapperst du mit großer Überzeugung einfach zuviel Unsinn.

Wenn du Unterhaltung und ein Gruppengefühl suchst, versuch es mal mit einem Sportverein.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:46:48 Sa. 29.Juli 2017
Wenn dich interessiert, was an den Entwicklungen in Frankreich spannend sein könnte, müßtest du abwarten, was sich in den nächsten Monaten in Frankreich und in diesem Thread tut.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: shitux am 20:30:47 Sa. 29.Juli 2017
Du hast recht.

Ich bin nicht (mehr) links. Ich mache mich auch nicht mehr stark für linke Positionen oder linke Politik. Ein angeblich!! Linker Ramelow ist mir absolut zuwider. Vllt. gibt es in diesem Zusammenhang bezgl. Ramelow/ Thüringen ja einen Thread?
 
Es macht für mich jedoch definitiv keinen Unterschied mehr ob Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Rot-Grün und Schwarz-Gelb sind austauschbar in meinem Denken!! Beides Steigbügelhalter und/ oder Alibi´s für dieses Schweinesystem.# Nebenbei in diesem Zusammenhang: Horror wäre R2G für mich. Aber egal.#


Zitat
Wenn dich interessiert, was an den Entwicklungen in Frankreich spannend sein könnte, müßtest du abwarten, was sich in den nächsten Monaten in Frankreich und in diesem Thread tut.
Oh, sei gewiss dass ich dies schon seit geraumer Zeit tue
http://archiv.labournet.de/internationales/fr/frarge.html (http://archiv.labournet.de/internationales/fr/frarge.html)
und dem weiterhin folgen werde was in fr passieren wird.








 
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:09:13 Sa. 29.Juli 2017
Ich versuche es nochmal inhaltlich.

Oder soll ich dir vorweg nehmen, wenn fr die selben " Reformen" wie de knallhart vollführt hat, durchzieht, die nächste Runde der Abwärtsspirale gerade zu herauf beschworen wird?

Im Kapitalismus herrscht ein permanenter Klassenkampf. In Zeiten des Wachstums und der ständigen Gefahr von Kämpfen der Arbeiterbewegung, war das Kapital zu einem relativen Waffenstillstand bereit, in den "guten alten"(?!?!) 70er, 80er Jahren.

Gerade in Krisenzeiten werden die Krisenlasten den unteren Schichten aufgebürdet. Wir haben die letzte Krise noch nicht überstanden, da rollt die nächste bereits an. Die Anwort der Kapitalististen ist immer die selbe: Sie wollen uns in diesem Zusammenhang Geld und Rechte klauen. Und je weiter die Verarmung sich ausbreitet, desto mehr wächst die Gefahr von Unruhen. Die Antworten des Kapitals sind nicht mehr sozialarbeiterisch, wie in den Wachstumszeiten, sie sind nun polizeistaatlich, überwachungsstaatlich und militärisch.

Also die "Reformen" wurden nicht von Deutschland erfunden, sie werden nicht einfach von Macron nachgeäfft, sondern es sind die notwendigen Schritte des Kapitals nach seinen interessen. Sie werden so oder so ähnlich in der ganzen Welt durchgesetzt.

Es ist die Frage, ob wir, die Ausgebeuteten, unsere Interessen versuchen ebenso durchzusetzen, oder ob wir uns kampflos an die Schlachtbank führen lassen.

Es geht nicht darum, ob "die Gewerkschaften" in Frankreich und Deutschland irgendwas machen wollen, es geht um Klassenkampf. Es geht um den Kampf der einfachen Menschen gegen die Mächtigen. Gewerkschaften können in einem solchen Kampf ein Werkzeug sein, müssen es aber nicht. Bei den deutschen Gewerkschaften habe ich jegliche Hoffnung fahren lassen, von den französisichen Gewerkschaften bin ich aber auch nicht sonderlich begeistert. Es wird die französische CGT, die den Kommunisten nahesteht, ja so hochgehalten, ich halte sie eher für einen korrupten Scheißverein. Sie hat in letzter Zeit eine halbwegs vernünftige Rolle gespielt, nur weil der Druck der Straße so groß war und sie ihre Autorität nicht verspielen wollte.

Ich habe diesen Thread eröffnet, weil ich mir sicher bin, daß sich in Frankreich in diesem Herbst Kämpfe und Kampfformen entwickeln, die für uns inspirierend sein können. Ich habe es gemacht, weil Frankreich einfach die besten Voraussetzungen dafür hat, viel bessere, als irgendein anderes Mittelmeerland, von denen man traditionell Kämpfe erwartet.

Nein, ich sehe nicht, daß militanten Kämpfe nun in Frankreich den Kapitalismus überwinden werden. Das geht so einfach und so schnell wohl kaum. Aber an den Kämpfen, besonders den neuen Kampf- und Organisationsformen, wird man eine Menge lernen können.

Ich fand und finde es sehr nervig, daß du nicht bereit bist abzuwarten und plötzlich was von Griechenland oder Gewerkschaften quatscht, für die es bereits eigene Threads gibt.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: shitux am 21:55:09 Sa. 29.Juli 2017
Zitat
Ich versuche es nochmal inhaltlich.
 ...
....
d'accord
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 09:24:08 Mo. 28.August 2017
Zitat
27.8.17
Heißer Herbst in Frankreich

Gewerkschaft ruft für den 12. September zu landesweitem Protesttag gegen die umstrittene Änderung des Arbeitsrechts auf.

Frankreich bereitet sich auf einen heißen Herbst vor. Die ehemals kommunistische Gewerkschaft CGT hat für den 12. September zu einem landesweiten Protesttag gegen die umstrittene Reform des Arbeitsrechts aufgerufen. La France Insoumise, die Bewegung des Linkspolitikers Jean-Luc Melenchon, will sich elf Tage später auf Frankreichs Straßen Gehör verschaffen. (…)
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/913184_Heisser-Herbst-in-Frankreich.html (http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/913184_Heisser-Herbst-in-Frankreich.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:21:00 Sa. 02.September 2017
Frankreichkenner Bernard Schmid nimmt mir meinen Optimismus. Sein Blick auf das Potential für kommende Proteste ist eher ernüchternd.

Zitat
Frankreich:
Die Katze ist aus dem Sack, betreffend die Arbeitsrechts-„Reform“ unter Emmanuel Macron

Artikel von Bernard Schmid vom 1.9.2017

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2015/01/bon-macron.jpg)
Die Kapitalverbände erklären sich befriedigt. Unter den Gewerkschaften gewinnt die Führung des Dachverbands FO – Force Ouvrière – den Wettbewerb um den Titel des größten Speichelleckers (Schlürf! Kriech!). Die Dachverbände CFDT und FO, und ein paar andere, werden sich nicht an den angekündigten Protesten am 12. September 17 beteiligen, zu denen die CGT sowie Solidaires aufrufen. Sozialprotest ist angekündigt; dürfte jedoch aufgrund der Situation in der gewerkschaftlichen Landschaft, aufgrund der Niederlage von 2016 und auch aufgrund des Agierens von Jean-Luc Mélenchon kaum Durchsetzungschancen aufweisen

„Macrons Reform: Kommt der Widerstand?“ Unter diesen Titel stellt sogar die nicht eben zur radikalen Linken zählende, EU-Themen behandelnde Internetzeitung eurotopics ihren Beitrag zu den Ankündigungen der französischen Regierung vom gestrigen 31. August 17. (Vgl. http://www.eurotopics.net/de/185307/macrons-reform-kommt-der-widerstand (http://www.eurotopics.net/de/185307/macrons-reform-kommt-der-widerstand) externer Link) Diese betreffen die, seit längerem für dieses Datum angekündigte, Vorstellung der Inhalte der erwarteten „Reform“ im Arbeitsrecht. Letztere soll das so genannte „Arbeitsgesetz“, das am 08. August 2016 nach der Unterschrift des damaligen Staatspräsidenten François Hollande in Kraft trat, vervollständigen.

Insbesondere soll es Bestimmungen, deren Durchsetzung damals scheiterte, doch noch einzuführen. Das Kernstück ist dabei die – künftig durch die Arbeitsgerichte verbindliche – Deckelung der Abfindungszahlungen im Falle einer „ungerechtfertigen“, also rechtswidrigen, Kündigung. Bislang war diese Abfindung zunächst durch die Arbeitsgerichte in Abhängigkeit vom Ausmass des Schadens für den oder die betroffene/n Lohnabängige/n festgelegt worden (unter Berücksichtigung u.a. der Schwierigkeiten, erneut einen halbwegs vergleichbaren Arbeitsplatz zu finden, sowie der Schwere des Unrechtscharakters im Verhalten des Arbeitgebers); dabei kam es zu Abweichungen in einer Größenordnung in etwa von Eins zu Drei. Seit dem Inkrafttreten des „Arbeitsgesetzes“ vom 08.08.2016 sorgte dieses dafür, dass es bereits zum Einziehen einer Obergrenze für solche Abfindungszahlungen kamen. Diese stellte jedoch, gemäß der letzten Fassung des Gesetzes von 2016 (und anders als im Vorentwurf vom 17. Februar 16, in welchem sie ebenfalls verbindlich ausfiel) einen Richtwert für die Arbeitsgerichte, jedoch keine fest verbindliche Grenze vor. Nunmehr wird sie verpflichtend vorgeschrieben werden.

Ebenfalls „bereinigt“ wurde eine andere Bestimmung im „Arbeitsgesetz“ von 2016, welche infolge der zahlreichen inneren und äußern Konflikte – im damaligen sozialdemokratischen Regierungslager und auf den Straßen – im Laufe der Gesetzesdebatte abgeändert und abgeschwächt worden war. Ursprünglich sollte bereits das damalige „Arbeitsgesetz“ klarstellen, dass im Falle eins multinationalen Unternehmens/Konzerns, das oder der in Frankreich Lohnabhängige beschäftigt, dieses/r im Falle betriebsbedingter Kündigungen nur die wirtschaftliche und finanzielle Situation seiner Filiale in Frankreich darlegen muss. Geht es also anderen „Ablegern“ des multinationalen Unternehmens/Konzerns in Nachbarländern wie bspw. Belgien blendend, ja hat die Direktion/Konzernzentrale lediglich finanzielle Mittel zwischen ihren verschiedenen nationalen Filialen verschoben – um etwa eine von ihnen „auszutrocknen“-, so soll dies die französische Arbeitsgerichtsbarkeit nichts angehen. 2016 scheiterte die Umsetzung dieses Vorhabens jedoch noch. Nun erfolgt sie mit den neuen Bestimmungen dennoch.

Inhaltlich verteilen sich die künftigen Bestimmungen, die nun durch die Regierung vorgelegt wurden und am 22. September im Kabinett beschlossen worden sollen – um kurzfristig danach in Kraft treten zu können – auf fünf Verordnungen oder ordonnances. Es handelt sich dabei um Texte, die durch die Exekutive ausgearbeitet wurden und deren Inhalt nicht im Parlament debattiert wurden oder werden. Dennoch werden diese Verordnungen Gesetzeskraft aufweisen, da die Regierung auf das Rechtsinstrument der ordonnances zurückgriff, welche genau dies erlaubt. Es erfordert die Verabschiedung eines „Ermächtigungs“- respektive „Befähigungsgesetzes“ durch das Parlament, welche der Regierung grundsätzlich das Recht dazu (auf einem Regelungsgebiet) erteilt – es wurde am 13. Juli d.J. durch die Nationalversammlung angenommen -, die Ausarbeitung der Verordnungen sowie am Schluss die Verabschiedung eines generellen Annahme-Gesetzes. Letzteres steht nun noch aus, dürfte jedoch bereits in den Tagen nach der Kabinettssitzung vom 22. September 17 ins Parlament eingereicht werden. Das Inkrafttreten der Verordnungen mit Gesetzeskraft wird kurz danach erfolgen können.

Inhaltlich handelt es sich um fünf Texte, deren Inhalt insgesamt 150 Seiten umfasst und hier im Original eingelesen werden kann:

    http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_1_-_31_08_2017.pdf (http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_1_-_31_08_2017.pdf) externer Link pdf
    http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_2_-_31_08_2017.pdf (http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_2_-_31_08_2017.pdf) externer Link pdf
    http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_3_-_31_08_2017.pdf (http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_3_-_31_08_2017.pdf) externer Link pdf
    http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_4_-_31_08_2017.pdf (http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_4_-_31_08_2017.pdf) externer Link pdf
    http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_5_-_31_08_2017.pdf (http://www.gouvernement.fr/sites/default/files/contenu/piece-jointe/2017/08/ordonnance_5_-_31_08_2017.pdf) externer Link pdf

In der Kürze der seit gestern punkt Mittag – dem Zeitpunkt der Vorstellung der „Reform“inhalte – verstrichenen Zeit war uns eine inhaltliche Analyse möglich, die hier jedoch nur kurz vorgestellt werden kann. Es seien folgende „Highlights“ herausgestrichen:

    Bei Kündigungen gilt künftig die verbindliche Obergrenze von Abfindungs-/Entschädigungszahlungen für ungerechtfertigte, d.h. rechtswidrige Kündigungen. Diese greift jedoch nicht in Fällen nachweisbarer gesetzeswidriger Diskriminierungen oder bei Kündigungen im Zusammenhang mit Schwangerschaftsfällen/Mutterschaft.

Diese Obergrenze ist gestaffelt und beginnt bei drei Monatslöhnen bei bis zu zweijähriger Betriebzugehörigkeit (anciennté); danach erfolgt eine Anhebung bis auf zwanzig Monatslöhne bei dreißigjähriger Betriebszugehörigkeit. Bislang bestand – vor dem „Arbeitsgesetz“ von 2016 – keinerlei Ober-, sondern eine gesetzliche Untergrenze. Diese betrug mindestens sechs Monate ab zweijähriger Betriebszugehörigkeit; darunter legten die Arbeitsgerichte eine „angemessene“ Entschädigung fest.

Auch künftig soll es eine Untergrenze geben.. diese liegt allerdings bei nur 14 Tagen (Lohnzahlung) in kleinen und mittleren Unternehmen, und bei einem Monat darüber.

Als „Zuckerl“ wird im Gegenzug die gesetzliche Abfindungszahlung, die bei „wirtschaftlich begründeten“ (d.h. bei betriebsbedingten) Entlassungen fällig werden, um 25 Prozent angehoben. Dabei handelt es sich allerdings wirklich um Kleinkram, ja Pippifax. Die gesetzlich vorgeschriebene Abfindungszahlungen in diesen Fällen beträgt ein Zehntel eines Monatslohns (vor 2001 war es noch ein zwanzigstel Monatslohn) pro Jahr verstrichener Betriebszugehörigkeit.

    Zusätzlich, und dies war nicht zuvor angekündigt, wird die Anfechtungsfrist – also die Frist für das Einreichen einer Kündigungsschutzklage – für ALLE Entlassungen von bislang zwei Jahren auf nun noch ein Jahr verkürzt. (Vor einem Gesetz vom 14. Juni 2013 war es noch möglich, bis zu fünf Jahren nach einer Kündigung die Arbeitsgerichte anzurufen.)

Vorsicht, in Deutschland klingt das nach einem sehr langen Zeitraum. Doch dieser Eindruck täuscht vollkommen. Denn in Deutschland – wo eine Kündigungsschutzklage innerhalb von drei Wochen zu erheben ist – lautet das Ziel des Verfahrens, den Job zurückzubekommen. Dies ist in Frankreich durch die Gesetzgebung im Prinzip ohnehin ausgeschlossen. Im französischen Arbeitsrecht geht es von vornherein nur und ausschließlich um finanzielle Abfindung.

    In Unternehmen mit bis zu fünfzig Lohnabhängigen soll der Arbeit„geber“ künftig mit nicht gewerkschaftlich organisierten Ansprechsparter/inne/n verhandeln können. Und zwar in Unternehmen mit bis zu zwanzig abhängig Beschäftigten mit einem/r Lohnabhängigen, der oder die weder „gewählt“ noch gewerkschaftsgebunden ist. Und zwischen 21 und 50 Lohnabhängigen mit gewählten Vertrauensleuten, die jedoch nicht – wie es bislang rechtlich erforderlich war – ein „Mandat“ (einen Verhandlungsauftrag) durch eine extern bleibende Gewerkschaftsorganisation erhielten.

In Unternehmen ab fünfzig Beschäftigten bleibt es dabei, dass dort délégués syndicaux – also die Gewerkschaften vertretende, und durch diese mit einem permanenten Mandat ausgestattete – Vertrauensleute verhandeln. Es kam jedoch für Regierung/Kapital nicht in Frage, diese Schwelle herunterzusetzen, während sie sich über das „Fehlen von Diskussionspartnern vor allem in kleineren Unternehmen“ beklagten.

    Drei von bislang vier bestehenden Instanzen der Personalvertretung in den Unternehmen – die Comités d’entreprise (CE, „Unternehmensausschüsse“) als SEHR ungefähre Entsprechung zu den deutschen Betriebsräten mit gewichtigen Unterschieden, die délégués du personnel oder DP als gewählte Vertrauensleute in den Betrieben und die CHSCT als fachliche Ausschüsse für Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und Arbeitsbedingungen – werden künftig zusammengelegt. Sie bilden dann einen so genannten „Wirtschafts- und Sozialrat“. (Per definitionem in größeren Unternehmen, denn CE und CHSCT sind ohnehin erst ab einer Betriebsgröße von fünfzig Beschäftigten vorgesehen/vorgeschrieben; DP gibt es ab einer Betriebs- oder Unternehmensgröße von elf Beschäftigten auf der jeweiligen Ebene.)

Die große Gefahr dabei liegt darin, dass dann insbesondere die spezifischen Themen von Gesundheits- und Umweltschutz, für welche bislang das CHSCT (als durch DP und CE per indirektem Wahlrecht gewählte Instanz) zuständig war, völlig unter den Tisch fallen werden. Denn dieselbe Instanz wird künftig etwa auch über die „Rettung von bedrohten Arbeitsplätzen“ debattieren, wie bislang das CE.

Der mit Abstand dickste Klops ist jedoch folgender: Wie auch bislang das CE oder das CHSCT (auf ihren jeweiligen Zuständigkeitsgebieten) wird diese Instanz das Recht haben, eine Expertise einzuholen. Nur wird sie dieselbe in Zukunft… aus ihren eigenen Mitteln finanzieren müssen, also aus ihrem jährlichen Haushalt. Bislang gilt noch, dass der Arbeitgeber die Expertise bezahlen muss, sofern der Rückgriff auf den Experten oder die Expertin rechtmäßig – d.h. aus einem sachlichen Grund und im Rahmen der gegebenen fachlichen Zuständigkeiten – erfolgt.

    Auch auf Branchenebene erfolgt eine wichtige Änderung: Dort kann der „Branchen-Kollektivertrag“ (d.h. in der deutschen Entsprechung: der Flächentarifvertrag) künftig neue, über die gesetzlichen Befristungsgründe hinausgehende oder von ihnen – zu Lasten der Beschäftigten – abweichende Rechtfertigungsgründe für befristete Verträge oder CDD (Contrats à durée indéterminée) vorsehen.

    Ferner entfällt die bisherige Regel, wonach maximal ein Abschluss eines CDD plus eine Verlängerung desselben zulässig waren und danach eine Frist – von einem Drittel der ursprünglichen Laufperiode des Vertrags – eingehalten werden muss, bevor ein neuer befristeter Vertrag mit dem oder derselben Lohnabhängigen eingegangen werden darf. Dadurch entfällt ein wichtiger Schutz gegen Kettenbefristungen.

Zu den Reaktionen darauf (vgl. ausführlich: http://www.lefigaro.fr/social/2017/08/31/20011-20170831LIVWWW00030-en-direct-code-du-travail-syndicats-Muriel-Penicaud-Macron-patronat-medef-ordonnances-accords-entreprises.php (http://www.lefigaro.fr/social/2017/08/31/20011-20170831LIVWWW00030-en-direct-code-du-travail-syndicats-Muriel-Penicaud-Macron-patronat-medef-ordonnances-accords-entreprises.php) externer Link) nur in aller Kürze: Die Arbeitgeberverbände erklärten sich „befriedigt“, ob es sich um den zentralen Kapitalverband MEDEF, den Verband mittelständischer Unternehmer CPME oder jenen der Handwerker und Kleinunternehmer (U2P) handele.

Während der historisch älteste Gewerkschaftsdachverband in Frankreich – die CGT – erklärte: „Alle unsere Befürchtungen wurden bestätigt“, fallen sonstige gewerkschafliche Reaktionen weitaus weniger kritisch aus.

Im Namen des (rechts)sozialdemokratisch geführten Dachverbands CFDT – ungefähr so stark wie die CGT – erklärte ihr Generalsekretär Laurent Berger sich zunächst „in einigen Punkten enttäuscht“. Allerdings versicherte der Dachverband ebenfalls schnell, er werde bei den am 12. September d.J. vorgesehenen, seit längerem durch die CGT angekündigten Protesten „nicht auf der Straße sein“. (Vgl. http://www.francetvinfo.fr/economie/emploi/carriere/vie-professionnelle/droit-du-travail/direct-reforme-du-travail-le-gouvernement-devoile-ses-ordonnances_2350165.html (http://www.francetvinfo.fr/economie/emploi/carriere/vie-professionnelle/droit-du-travail/direct-reforme-du-travail-le-gouvernement-devoile-ses-ordonnances_2350165.html) externer Link)

Noch sehr viel flacher vor dem Regierungslager auf dem Bauch liegt jedoch die Führung des drittstärksten, und politisch sehr schillernden, Dachverbands FO (Force Ouvrière, ungefähr: „Arbeiterkraft“). Dessen Generalsekretär Jean-Claude Mailly wollte sich offiziell zunächst keinerlei Urteil erlauben; ein solches sei leider gar nicht möglich, da die Reform in einigen Punkten gut sei, in anderen hingegen Verschlechterungen bringe. Zum Glück jedoch sei man dagewesen, um in den „Konzertationen“ – den Beratungsrunden mit der Regierung, insgesamt 43 an der Zahl (für alle Verbände zusammen), bei denen jedoch nichts beschlossen wurde, sondern lediglich angehört, bevor insgesamt rund zehn Personen die Verordnungstexte verfassten – Schlimmeres zu verhindern. In der Gesamtschau sei jedoch vor allem festzustellen, dass es eine „echte Konzertierung“ gegeben habe, was alles Andere wohl positiv überstrahlen soll. Das soll bedeuten: Da Emmanuel Macron den FO-Apparat mit Gefälligkeiten bedacht hat (und i.Ü. einige seiner Führungskräfte im Arbeitsministerium eingestellt wurden), ist die Welt doch in Ordnung.

Noch im vorigen Jahr hatte FO sich, neben der CGT und Solidaires (den linken Basisgewerkschaften vom Typus SUD), an den damaligen Protesten gegen das „Arbeitsgesetz“ teilgenommen. Deswegen wird das vordergründige radikale Umschwenken der FO-Bürokratie nun in den Medien besonders als Signal gegen starke Sozialproteste dargestellt.

Einzelne FO-Bereiche, die dennoch zu den Protesten am 12. September aufrufen, bezeichnete Mailly höhnisch als – sinngemäß – ewig unzufriedene „Brummer und Nörlger“. (Vgl. http://www.lefigaro.fr/flash-eco/2017/08/31/97002-20170831FILWWW00202-mailly-se-moque-des-grognons-raleurs-de-fo-qui-manifesteront-le-12.php (http://www.lefigaro.fr/flash-eco/2017/08/31/97002-20170831FILWWW00202-mailly-se-moque-des-grognons-raleurs-de-fo-qui-manifesteront-le-12.php) externer Link) Und fiel ihnen natürlich dadurch gegenüber der öffentlichen Meinung gehörig in den Rücken.

Die CGT und Solidaires rufen nun für den 12. September d.J. zu Straßendemonstrationen auf. Allerdings gehen diese Aufrufe bislang kaum mit Streikankündigungen einher. Und ferner spricht der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon – dieser frühere Präsidentschaftskandidat (2012 und 2017) steht derzeit an der Spitze der lautstärksten parlamentarischen Opposition mit seiner linksnationalistischen Plattform/Bewegung “La France insoumise” – zwar verbalradikal von einem „sozialen Staatsstreich“. Ruft jedoch gleichzeitig dazu auf, neben den (von ihm verbal unterstützen) Protesten am 12. September auch an einem von ihm organisierten zweiten Protesttag am 23. September teilzunehmen. Also am Tag NACH der anstehenden Absegnung der Verordnungen zum Arbeitsrecht im Ministerrat (Kabinett). De facto drohen sich die beiden Termine derzeit eher Konkurrenz zu bereiten. Zwar kann es sinnvoll sein, nach einem angekündigten ersten Protesttermin bereits einen nächsten, einige Zeit später, anzukündigen; doch bietet sich das an, wenn es irgendwo eine ansteigende Protestdynamik gibt und man dieser Zeitmarken bieten will. In einer Situation, wo eine Protestmobilisierung allenfalls schleppend zustande kommt und wo in den meisten Medien des Landes “La France insoumise” quasi als „die“ Opposition widergespiegelt wird, drohen sich die getrennten Termine jedoch eher gegenseitig zu schwächen.

Alles in allem wird man wohl feststellen müssen, dass es – auch in Anbetracht der erheblichen Niederlage im Frühjahr/Sommer 2016 – nicht nach einer durchschlagenden Protestdynamik aussieht. Gerne würde sich der Verfasser dieser Zeilen darin täuschen. Allerdings wird er nicht der Versuchung erliegen, unsere Leser/innen durch täuschende Triumphberichte wie im vorigen Jahr beispielsweise in der jungen Welt (wo die zu Frankreich angegebenen Demonstrant/inn/enzahl mitunter drei mal höher lagen als die Wirklichkeit) über die realen Probleme hinwegzutäuschen. Denn was soll es dem Sozialprotest in Frankreich bringen, deutsche Leser/innen mit falschen Zahlen und aufgeblasenen Triumphmeldungen zu belügen?
http://www.labournet.de/?p=120850 (http://www.labournet.de/?p=120850)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 10:22:26 Mo. 11.September 2017
Zitat
Reedereien fahren andere Häfen an

Der von den Gewerkschaften in Frankreich für Dienstag ausgerufene Generalstreik soll auch die Häfen des Landes lahmlegen. Containerterminals, Fährhäfen und Kreuzfahrtanlagen sollen bestreikt werden. Deshalb reagierten am Montag bereits Reedereien und änderten Fahrpläne.

Mit der Aktion soll gegen die angekündigten Arbeitsmarktreformen  der neuen französischen Regierung unter Emmanuel Marcon protestiert werden.

Von dem Ausstand sind nach Berichten der Gewerkschaften auch alle öffentlichen Einrichtungen im Land  betroffen, darunter auch Busse, Bahnen und Flughäfen. Als Reaktion auf den Streik hat die Reederei Aida Cruises am Wochenende bereits reagiert. Nach dem Auslaufen von den „Hamburg Cruise Days“ hat die „Aidaprima“ deshalb ihre Route geändert und direkt Kurs auf Le Havre in Frankreich genommen.

"Mein Schiff" und "Aidaprima" in Le Havre

Am Montag machte das Schiff "Aidaprima" um 8 Uhr am Kreuzfahrtterminal der französischen Hafenstadt fest. Damit zog Aida Cruises den Anlauf in La Havre kurzerhand um 24 Stunden vor. Gemäß der ursprünglichen Reiseplanung wäre das 300 Meter lange Schiff eigentlich am Montag in Southampton und am Dienstag in Le Havre gewesen. Die Reederei tauschte kurzerhand beide Häfen im Laufe der einwöchigen Kreuzfahrt.

In Le Havre traf am Montag zwei Stunden nach „Aidaprima“ auch die „Mein Schiff 3“ mit deutschen Passagieren ein. Sie sollte planmäßig um 7 Uhr festmachen. Dieser Anlauf war geplant und erfolgt im Rahmen einer siebentägigen Westeuropa-Reise. Beide Schiffe sind am kommenden Sonnabend wieder planmäßig in Hamburg.  Auf der „Aidaprima“ und der „Mein Schiff 3“ sind rund 5000 überwiegend  deutsche Urlauber unterwegs. Beide Schiffe gehörten am Sonnabend bei den Cruise Days in Hamburg zu den Höhepunkten.
http://www.kn-online.de/News/Aus-der-Welt/Nachrichten-Aus-der-Welt/Generalstreik-in-Frankreich-Aida-faehrt-andere-Haefen-an (http://www.kn-online.de/News/Aus-der-Welt/Nachrichten-Aus-der-Welt/Generalstreik-in-Frankreich-Aida-faehrt-andere-Haefen-an)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:47:51 Mi. 13.September 2017
Zitat
Der erste Streik- und Protesttag gegen Loi Travail 2 in Frankreich:
Polizeiangriff (nicht nur) in Lyon, und viele Gewerkschaften trotzen ihren Vorständen


(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/09/bs120917arbeitsrecht.jpg)
Bisschen düster: "Nachruf auf das Arbeitsrecht".
Foto von Bernard Schmid vom 12.9.2017

Die Bilanz des ersten Aktionstages gegen Macrons Gesetz am 12. September, wie sie der Gewerkschaftsbund CGT zieht, ist in Zahlen zusammengefasst so: 200 Orte, an denen Aktionen statt fanden, insgesamt etwa 500.000 Menschen, die sich daran beteiligten. In der Pressemitteilung auf ihrer Webseite unterstreicht die Föderation, dass solche großen Zahlen nur möglich waren aufgrund der zahlreichen Streiks, die im öffentlichen Dienst, wie in der Privatwirtschaft stattgefunden hätten. Bereits in einer vorherigen Stellungnahme hatte P. Martinez, Generalsekretär der CGT unterstrichen, es gebe mehr als 4.000 betriebliche Streikbeschlüsse für diesen Tag. Hervorgehoben wird auch die Teilnahme von Rentnern und Jugendlichen – sowie die Absicht, weiterhin noch stärker an der Mobilisierung zu arbeiten, zunächst am 21. September, vor der parlamentarischen (Schnell) Behandlung der Verordnungen.

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/09/bs120917frontsocial.jpg)
Paris gestern: Abordnung des “Front social”
 (Zusammenschluss linker bis linksradikaler Gewerkschaftsflügel).
Foto von Bernard Schmid vom 12.9.2017

Meldung in letzter Minute: Im Protest gegen die Arbeitsrechts-“Reform” rufen nun an diesem Mittwoch die Transport-Branchenverbände der beiden Gewerkschaftsdachverbände CGT und FO die LKW-Fahrer/innen dazu auf, ab dem Montag, 25. September unbefristet die Arbeit niederzulegen.

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2017/09/bs120917sud.jpg)
Paris gestern: Union syndicale Solidaires.
Foto von Bernard Schmid vom 12.9.2017
http://www.labournet.de/?p=121386 (http://www.labournet.de/?p=121386)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:27:28 Mi. 11.Oktober 2017
Zitat
Hunderttausende demonstrieren gegen Regierungspolitik

Die geplante Arbeitsmarktreform treibt in Frankreich tausende Menschen auf die Straße. Präsident Macron plant massive Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst – und sieht sich mit offenem Widerstand konfrontiert.


(http://www.handelsblatt.com/images/proteste-gegen-arbeitsmarktreformen/20440316/3-format2010.jpg)

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes haben in Frankreich aus Protest gegen die Regierungspolitik gestreikt und damit auch den Flugverkehr beeinträchtigt. Die Gewerkschaft CGT sprach am Dienstag von 400.000 Teilnehmern an Demonstrationen im ganzen Land - es hätten aber noch deutlich mehr Menschen gestreikt, ohne auf die Straße zu gehen, sagte eine Sprecherin. Das Innenministerium berichtete am Abend hingegen von 209 000 Demonstranten. Für Paris sprach die CGT von 45.000 Menschen, während die Polizei 26.000 Teilnehmer meldete.

Wegen streikender Fluglotsen rechnete die Fluggesellschaft Air France mit dem Ausfall von etwa 25 Prozent ihrer Kurz- und Mittelstreckenflüge. Auch Verbindungen deutscher Airlines nach Frankreich wurden gestrichen. Neben der Flugsicherung waren etwa auch Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungen von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Nach Angaben des Bildungsministeriums folgten rund 17,5 Prozent der Lehrer dem Streikaufruf von neun Gewerkschaften.
http://www.handelsblatt.com/politik/international/frankreich-hunderttausende-demonstrieren-gegen-regierungspolitik/20440312.html (http://www.handelsblatt.com/politik/international/frankreich-hunderttausende-demonstrieren-gegen-regierungspolitik/20440312.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:01:45 So. 15.Oktober 2017
(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2015/12/cop21.jpg)

Der Streiktag im öffentlichen Dienst Frankreichs am 10. Oktober 2017 war eine erfolgreiche Mobilisierung – und weitere stehen bevor. Nachdem der Ausnahmezustand in Frankreich durch einen “Normalzustand” mit wesentlich erweiterten Unterdrückungsmechanismen ersetzt wurde, gilt das Land nun wieder als richtige Demokratie. Man darf ja wählen, zwischen Rechtsradikalen und Rechten im konkreten Fall. Als Alternative zu rechtsradikal wurde ein teuer geschminkter Banker gewählt, der sich darin gefällt, Klassenhass zu predigen, GewerkschafterInnen zu verleumden – in einer Sprache, die bei weitem nicht so fein ist, wie sein Getue. Dieser Stil wird auch auf die Polizeiarbeit übertragen – oder eher, diese fühlt sich nunmehr bestätigt. Was dazu geführt hat, dass an den bisherigen Protesttagen, die seit dem Sommer gegen die Arbeitsgesetz-Diktate des Herrn Macron stattfanden, soviel Festnahmen vorgenommen wurden, wie lange nicht mehr. Derweil die französische Justiz die Abrechnung des Kapitals mit den Protesten des letzten Jahres vollzieht… Siehe drei aktuelle Beiträge zum Zustand gewerkschaftlich-demokratischer Rechte in Frankreich:

http://www.labournet.de/?p=122644 (http://www.labournet.de/?p=122644)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 15:29:58 Do. 30.November 2017
Wenn ich das richtig verstehe, hat die CGT heute den Fernsehsendern den Strom gekappt:
http://www.leparisien.fr/boulogne-billancourt-92100/hauts-de-seine-tf-1-et-canal-prives-de-courant-par-la-cgt-30-11-2017-7424349.php (http://www.leparisien.fr/boulogne-billancourt-92100/hauts-de-seine-tf-1-et-canal-prives-de-courant-par-la-cgt-30-11-2017-7424349.php)

https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=fr&u=http://www.leparisien.fr/boulogne-billancourt-92100/hauts-de-seine-tf-1-et-canal-prives-de-courant-par-la-cgt-30-11-2017-7424349.php&prev=search (https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=fr&u=http://www.leparisien.fr/boulogne-billancourt-92100/hauts-de-seine-tf-1-et-canal-prives-de-courant-par-la-cgt-30-11-2017-7424349.php&prev=search)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:28:32 Do. 11.Januar 2018
Zitat
Hoffnungsträger und Alleinherrscher

Mit seiner Parlamentsmehrheit ließ sich Macron das Regieren per „ordonnance“, per Anweisung, genehmigen – was für erhebliche Aufregung sorgte, bei der radikallinken Oppositionspartei La France Insoumise machte das Wort vom „sozialen Staatsstreich“ die Runde. Das „Regieren per Anweisung“ ist in der französischen Verfassung ein für Notfälle vorgesehenes Mittel, das aber bisher eher selten angewandt wurde. Es kürzt parlamentarische Gesetzgebungsverfahren extrem ab – und ermöglichte Macron, in kurzer Zeit tief greifende Veränderungen einzuleiten. Alexis Corbière, Sprecher von La France Insoumise:
„Macron hat sich extrem große Machtbefugnisse gegeben, er hat sich die Institutionen der V. Republik regelrecht untertan gemacht. Wir wollen eine VI. Republik, die mehr Macht dem Parlament und dem Volk gibt – er will das nicht. In seiner Partei duldet er keine Opposition, er konzentriert die Macht ganz auf sich – und warum? Weil er sein politisches und sehr unsoziales Projekt durchsetzen will. Doch die Franzosen haben ihn nicht wegen seines Programms gewählt, sondern um die extreme Rechte zu verhindern. Für seine Arbeitsrechtsreform hat Macron in der Bevölkerung keine Mehrheit, deshalb greift er zu diesem autoritären Regieren per „ordonnance“. Und deshalb sind auch seine Umfragewerte so gesunken.“
Quelle: Deutschlandfunk (http://www.deutschlandfunk.de/frankreich-unter-emmanuel-macron-hoffnungstraeger-und.724.de.html?dram:article_id=407961) via NDS (http://www.nachdenkseiten.de/?p=41872#h02)

Anmerkung JK: Wann hört man endlich auf die Marionette der französischen Oligarchie und ihre Agenda 2010 à la francaise als „Hoffnungsträger“ zu titulieren? Mit Macron und seinem „Regieren per Anweisung“ zeigt sich, dass die herrschenden Eliten die neoliberale Agenda auch ohne Rücksicht auf den demokratischen Rechtsstaat durchsetzen wollen. Wobei Macrons Gerede über seine Idee einer großen Europareform, die der SPD-Vorsitzende Schulz fleißig nachplappert, nichts anders bedeutet als eine forcierte neoliberale Ausrichtung der EU. Wie sich sowieso die Frage stellt, wie eine Politik, deren Konsequenz die Verschlechterung der Lebensumstände der Mehrheit der Bürger ist, überhaupt demokratisch Legitimation für sich beanspruchen kann.

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/01/10/hoffnunstraeger_und_alleinherrscher_frankreich_unter_dlf_20180110_1840_2c900fc5.mp3 (http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/01/10/hoffnunstraeger_und_alleinherrscher_frankreich_unter_dlf_20180110_1840_2c900fc5.mp3)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18:43:07 Fr. 23.März 2018
Zitat
Proteste gegen Reformen werden zum Risiko für Macron
Die scharfen Proteste gegen die Reformen der Bahn und des öffentlichen Dienstes zeigen: Macrons Reformpolitik birgt hohe Risiken.


(http://www.handelsblatt.com/images/proteste-in-marseille/21104082/3-format2020.jpg)

Die Kampfansage könnte klarer nicht sein: „Wir werden die Proteste ausweiten und zusammenführen“, sagte Philippe Martinez, der Vorsitzende der linken Gewerkschaft CGT am Donnerstag in Paris. Eine Mehrheit der Arbeitnehmerorganisationen im öffentlichen Dienst und alle großen Gewerkschaften der Bahngesellschaft SNCF hatten zu Streiks und Demonstrationen im ganzen Land aufgerufen.

In Paris demonstrieren 46.000 Menschen. Im öffentlichen Dienst liegt die Beteiligung am Streik bei 12,8 Prozent – 2017 waren es 14 Prozent. Bei der Bahn fallen 60 Prozent aller TGV und die Hälfte der Regionalzüge aus. Bei den „Cheminots“, den Bahnarbeitern, sind zum ersten Mal seit langer Zeit auch die Mitglieder der reformorientierten CFDT dabei.

Anlass der Proteste sind die Reformbemühungen von Staatspräsident Emmanuel Macron. Der will 120.000 Stellen in Frankreichs öffentlichem Dienst – in Bezug auf die Bevölkerung der größte Europas – abbauen und eine leistungsbezogene Entlohnung einführen. Bei der SNCF will er für neue Beschäftigte das bisherige Statut der Eisenbahner abschaffen, das Privilegien wie eine Pensionierung mit Mitte 50 sichert. Macron will die Bahn auf den Wettbewerb vorbereiten.

Beide Vorhaben sind sicher die bislang riskantesten Reformen des jungen Präsidenten. Im öffentlichen Dienst sind die ansonsten schwachen Gewerkschaften besser verankert als in der Wirtschaft. Die CGT ist hier vor der CFDT die stärkste Kraft. In den privaten Unternehmen hat sie bei den Sozialwahlen des vergangenen Jahres die Führung an die reformbereite Gewerkschaft verloren.

Ende des Jahres wird bei Wahlen wieder entschieden, wie die Kräfteverhältnisse zwischen den einzelnen Organisationen im öffentlichen Dienst aussehen – und darauf will sich die CGT mit großen Protesten vorbereiten.

Doch der Widerstand gegen die Arbeitsmarktreform im vergangenen Jahr, die Macron im Schnellgang über Verordnungen vollzogen hat, wurde zu einer Niederlage für die CGT und die radikale Gewerkschaft SUD. Die Mobilisierung war ausgesprochen schwach, nur wenige Arbeitnehmer ließen sich zur Teilnahme an Protesten bewegen. CFDT und Force Ouvrière riefen nicht dazu auf.
Nur Spitzenverdiener profitieren von Reformen

Zumindest bei der Bahn ist das diesmal anders, alle ziehen derzeit an einem Strang. Das und die neuartige Taktik schaffen ein Risiko für Macron und seinen Premier Edouard Philippe. Am 3. April beginnt ein Streik bei der SNCF, der bis Ende Juni andauern soll, aber jeweils nur an zwei von fünf Tagen, um die Kräfte der Organisatoren zu schonen.
http://www.handelsblatt.com/my/politik/international/streik-im-oeffentlichen-dienst-proteste-gegen-reformen-werden-zum-risiko-fuer-macron/21101628.html?ticket=ST-159617-loIr2d3NlTgNRlLgh5cm-ap4 (http://www.handelsblatt.com/my/politik/international/streik-im-oeffentlichen-dienst-proteste-gegen-reformen-werden-zum-risiko-fuer-macron/21101628.html?ticket=ST-159617-loIr2d3NlTgNRlLgh5cm-ap4)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:11:46 Sa. 24.März 2018
Zitat
Air France kündigt weitere Streiks an

Bei der französischen Fluggesellschaft Air France wird erneut gestreikt. Deswegen ist der Luftverkehr von und nach Frankreich extrem beeinträchtigt. Neben den bereits streikenden französischen Fluglotsen, wollen nun auch das Kabinen- und Bodenpersonal von Air France in den Streik treten.

Auch nächste Woche - an dem reiseintensiven Karfreitag – soll gestreikt werden. Bei dem letzten Streik Ende Februar, mussten die Hälfte der Langstreckenflüge und zahlreiche Kurzstreckenflüge ab Paris gestrichen werden.
http://de.euronews.com/2018/03/23/air-france-kundigt-weitere-streiks-an (http://de.euronews.com/2018/03/23/air-france-kundigt-weitere-streiks-an)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:17:50 Fr. 30.März 2018
Zitat
SNCF-Streik: Frankreichs Schienengüterverkehr vor dem Aus

Der aktuelle, auf drei Monate befristete Streik bei der französischen Staatsbahn SNCF bedeutet laut den Privatunternehmen im Schienengüterverkehr und den Verlader das Aus für das französische Bahnfrachtgewerbe. Schon zwei Tage Ausstand würden den Betrieb um eine Woche zurückwerfen.

Die Association française du Rail, ein Zusammenschluss aller derzeit in Frankreich aktiven privaten Bahnfrachtanbieter, kritisiert, dass diese ihre geplanten Züge nicht fahren lassen können und auch die Planung der Verlader über den Haufen geworfen wird. Die Folgen seien nicht nur Gewinneinbußen und höhere Tarife, sondern auch ein weiteres Umschwenken einiger Auftraggeber auf Lkw oder auf Binnenschiffe. Der Vereinigung gehören acht Unternehmen an: Colas Rail, ETF Services, Euro Cargot Rail, Getlink, ETMF, LINEAS, RegioRail und T3M.
https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/sncf-streik-frankreichs-schienengueterverkehr-vor-dem-aus-2147209.html (https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/sncf-streik-frankreichs-schienengueterverkehr-vor-dem-aus-2147209.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: dagobert am 19:04:42 Fr. 30.März 2018
Zitat
Die Folgen seien nicht nur Gewinneinbußen und höhere Tarife, sondern auch ein weiteres Umschwenken einiger Auftraggeber auf Lkw oder auf Binnenschiffe.
Dann müssten die dort Beschäftigten jetzt einfach mal mitstreiken, so aus Solidarität und so ...  :evil:
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 18:39:51 Fr. 06.April 2018
FRANKREICH
Massenstreiks gegen Macrons Rechtsruck
Am 3. April begann eine auf Monate angelegte Streikbewegung gegen die geplante „Bahnreform“ der Macron-Regierung in Frankreich.

Von dr/Korrespondenz Paris
Freitag,  06.04.2018,  14:07 Uhr

(http://up.picr.de/32321991sy.jpg)(http://)
Wie hier im September letzten Jahres war die Gewerkschaft CGT in Sachen Solidarität mit den Eisenbahnern auf der Straße (foto: cgt)

(http://up.picr.de/32322010yt.jpg)(http://)
(foto: cgt)

Staatspräsident Emmanuel Macron will die „Reform“-Pläne am 28. Juni durch das Parlament bringen, notfalls auch per Dekret durchsetzen. Bis dahin organisieren die SNCF-Gewerkschaften SUD, CGT, CFDT und Unsa immer abwechselnd zwei Streiktage mit drei folgenden Arbeitstagen. Diese Festlegung stößt bei einem Teil der Gewerkschaftsbasis auf Widerspruch: sie fordern einen unbefristeten Streik und den Einsatz der vollen Kampfkraft.

 Denn die Eisenbahner sind sich im Klaren, dass sie es mit einem knallharten Gegner zu tun haben. Die Macron-Regierung will mit der Reform den Status der Bahnbeschäftigten abschaffen, der bisher betriebsbedingte Kündigungen unmöglich machte und gleichzeitig 50 Urlaubstage und eine Rente ab 51 bis 57 Jahren garantierte. Viele Lokführer können im Schnitt mit 54 Jahren in Rente gehen - was nicht zuletzt für die Sicherheit der Fahrgäste wichtig ist. Das Rentenalter in Frankreich liegt generell bei 62 Jahren.

Umwandlung in Aktiengesellschaft geplant
Die Marcon-Regierung will außerdem die Umwandlung der SNCF in eine Aktiengesellschaft vorantreiben. Sie plant dazu die Stilllegung Tausender Bahnkilometer - ein ökologischer Widersinn, der außerdem die ländlichen Gebiete noch weiter ins Abseits stellt.

 Mit der Diffamierung der sozialen Rechte der Eisenbahner als „Privilegien“ versucht die Regierung zu spalten und die Spirale nach unten zum breiten Abbau sozialer Rechte zu beschleunigen. Doch mit ihren Plänen legt sich die Regierung mit einer der stärksten Bastionen des rebellischen französischen Proletariats an: für vollständige Rücknahme der Regierungspläne – keine Verhandlungen!

 „Die Streikversammlungen sind kämpferisch und manche Kollegen erinnern an die großen Kämpfe von 1995 und – vor 50 Jahren – den Mai 1968. Die Eisenbahner fassen diesen Streik sehr politisch auf und sehen deutlich: 'Wir kämpfen für viele andere Schichten, die nicht solche Kampfbedingungen haben!“ Deshalb ist die Unterstützung unter der Bevölkerung breit und weitere Bereiche schließen sich dem Streik an ...", schreibt eine Korrespondentin aus Paris.

Flächenbrand an vielen Fronten
Die volksfeindliche Politik der französischen Regierung attackiert jede Woche mit neuen „Reformen“. Am 3. April streikten Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal der Fluggesellschaft Air France für sechs Prozent mehr Lohn. Am Ostersamstag legten über 20.000 Beschäftigte von Carrefour in 450 Niederlassungen in Frankreich gegen die Vernichtung von 2.400 Arbeitsplätzen und die Kürzung des Jahresbonus von rund 600 Euro auf 50 Euro die Arbeit nieder.

 Carrefour ist als einer der größten Einzelhandels-Weltkonzerne mit 400.000 Beschäftigten in 30 Ländern vertreten, allein in Frankreich mit 5.600 Niederlassungen und 120.000 Beschäftigten. Weitere Streiks sind angekündigt gegen den geplanten Abbau von 120.000 Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst, Personalmangel in Krankenhäusern und Pflegebereich sowie die Einführung eines unbezahlten Krankheitstages („Karenztag“).

Eine Kraftprobe hat begonnen
Einzelne Gewerkschaften, wie SUD und CGT rufen auf, eine gemeinsame Front gegen die antisozialen Reformen der Macron-Regierung und der Kapitalistenverbände zu bilden. Das gewerkschaftliche Bewusstsein der Arbeiter und Angestellten wächst wieder auf breiter Front.

Kleine Scheinzugeständnisse der Verkehrsministerin stimmten die Eisenbahner nicht um. Damit entwickelt sich eine breite gesellschaftliche Kraftprobe bis hin zum Potenzial eines Generalstreiks gegen die nach rechts rückende Macron-Regierung und die Politik der Monopole.

Internationale Solidarität und Zusammenarbeit notwendig
Die MLPD fördert das internationalistische Denken und gemeinsame Handeln gegen die von den Herrschenden verbreitete nationalistische und sozialchauvinistische Denkweise - für länderübergreifende Solidarität.

 Organisiert die Solidarität mit den Kämpfen in Frankreich! Schickt Solidaritätsbotschaften oder -delegationen zu den Streikenden. Perspektive hat insbesondere die Stärkung der marxistisch-leninistischen Organisationen und Parteien, der ICOR und des Internationalistischen Bündnisses in diesen Kämpfen.

Quelle

https://www.rf-news.de/2018/kw14/massenstreiks-gegen-macrons-rechtsruck (https://www.rf-news.de/2018/kw14/massenstreiks-gegen-macrons-rechtsruck)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 12:54:46 Mi. 18.April 2018
Zitat
18.4.18
PARIS (dpa-AFX) – Ein neuer Streiktag gegen die Reform der französischen Staatsbahn hat am Mittwoch wieder große Teile des Zugverkehrs in Frankreich lahmgelegt. Zudem könnte es nun auch Protestaktionen im Energiebereich geben. Die Gewerkschaft CGT Mines-Énergie drohte für die kommenden Tage an, einzelnen Unternehmen den Strom abzustellen.
https://financeplus-concept.net/?p=32587
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 19:54:17 Sa. 21.April 2018
Zitat
Paris - „Tous ensemble, tous ensemble, on va gagner!“

Alle zusammen, alle zusammen, dann wird man siegen – das war das Motto des 19. April in Paris.

Während der französische Ministerpräsident Emmanuel Macron in Berlin bei Frau Merkel weilte, um mit ihr seine imperialistischen Europapläne abzustimmen, zeigten die französischen Arbeiter und Arbeiterinnen, Studierende und Angestellte des Öffentlichen Dienstes in den Straßen von Paris, dass sie Macrons reaktionäre Pläne für ein "modernes Frankreich" ablehnen. Es sind Privatisierungspläne, u.a. der Bahn, weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Lohn- und Gehaltskürzungen, ein neues Hochschulgesetz, das Arbeiterkindern den Zugang zum Studium noch weiter erschwert und anderes mehr, wogegen die Menschen Sturm laufen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw16/tous-ensemble-tous-ensemble-on-va-gagner (https://www.rf-news.de/2018/kw16/tous-ensemble-tous-ensemble-on-va-gagner)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:32:21 So. 22.April 2018
Zitat
Teilnahme am ersten berufsgruppenübergreifenden Protesttag (19. April): durchwachsen – Die CGT-Eisenbahner überlegt, nun andere Saiten aufzuziehen und das bisherige Korsett des Streikkalenders zu durchbrechen – Bahngewerkschaften brechen Gespräche mit der Transportministerin ab und verlangen, eine Etage höher empfangen zu werden – Die CGT im Energiesektor droht mit gezielten Stromsperren – Mobilisierungsversuch auch in den Pariser Nahverkehrsbetrieben (RATP); doch am gestrigen Tag ohne spürbare Auswirkungen auf den Verkehr – Studierendenprotest: Examina in Nanterre mussten verschoben werden, Fakultät von Tolbiac wurde am Freitag früh geräumt – Nächste berufsgruppenübergreifende Termine: 1. Mai und Samstag, der 05. Mai – Unterdessen sorgt die CFDT sich vor allem um Eines: dass der Transportstreik nur ja nicht ihren anstehenden Gewerkschaftstag beeinträchtigt…
http://www.labournet.de/?p=130859 (http://www.labournet.de/?p=130859)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:25:40 So. 06.Mai 2018
Zitat
Unmut gegen Macron wächst

Viele trugen Schilder mit "Stop Macron". Denn die Party für den Präsidenten ist nicht nett gemeint. Anlässlich des ersten Jahrestags der Wahl Emmanuel Macrons sehen viele nur einen Weg, ihren Unmut über seine Politik loszuwerden: indem sie auf die Straße gehen. "Was hat er beschlossen? Dass die Entscheidung, den Anteil am Atomstrom zu halbieren, rückgängig gemacht wird", hieß es auf der Demo.

Geschützt von 2000 Sicherheitskräften marschierten 40.000 Teilnehmer, darunter Studierende, die die Studienreform ablehnen, medizinisches Personal und viele, die im öffentlichen Dienst arbeiten. Sie werfen Macron einen Sozialstaats-Streich vor. Das Hauptargument gegen den Präsidenten lautet jedoch: Er mache Politik für Reiche, ja Superreiche. Das hatte jüngst sogar Macrons Amtsvorgänger Hollande gestichelt.

Die Anhänger des Unbeugsamen Frankreich befürchten, Macron, den sie als "Président des Riches", Präsident der Reichen, schmähen, wolle Frankreich um jeden Preis privatisieren und den Sozialstaat zerschlagen, unter anderem mit seiner Eisenbahnreform. Die nächste Demo der Macron-Gegner ist auch schon geplant. Am 26. Mai wollen dann auch die Gewerkschaften mit dem Unbeugsamen Frankreich gemeinsam in einem "großen Marsch" auf die Straße gehen.
https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-gegen-macron-101.html (https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-gegen-macron-101.html)

Es gibt wohl unterschiedliche Techniken Demonstranten zu zählen:
Zitat
Nach Angaben der Polizei nahmen an dem Protestmarsch am Samstag 40.000 Menschen teil. Die Linkspartei La France Insoumise ("Das unbeugsame Frankreich"), die die Demonstration unterstützte, sprach sogar von 160.000 Teilnehmern.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/tausende-franzosen-demonstrieren-gegen-macron-100.html (https://www.zdf.de/nachrichten/heute/tausende-franzosen-demonstrieren-gegen-macron-100.html)

Die Tagesschau zog es vor, allein die Polizeiangaben zu nennen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Hartzhetzer am 05:51:44 Di. 08.Mai 2018
Auch viele kleine Brennpunkte können ein Feuer entfachen

«Convergences des luttes» in Frankreich

Pünktlich zum 147. Jubiläum der Pariser Kommune und 50 Jahre nach den legendären Mairevolten wird der französische Staat von kleinen, oft noch eher unorganisierten, aber trotzdem schmerzhaften Angriffen heimgesucht.

(http://www.untergrund-blättle.ch/fotos/Manif_1er_mai_2018_(26964165827)_1.jpg)

Zitat
Dieser Artikel wird keine gewagten Zukunftsszenarien über den Verlauf der unterschiedlichen Proteste und Bewegungen aufstellen. Die kommenden Zeilen sollen einen Überblick über die Vielfalt der Brennpunkte verschaffen und aufzeigen, wo und wie sie zusammenhängen:

Sie finden wieder vermehrt statt, jene Aktionen, welche die Medien gerne als Saubannerzüge bezeichnen, aber für die freiheitlichen Kräfte Momente des Ausbruchs und Mittel für Ausdruck und Mobilisierung sind. So zum Beispiel am 18. März, als eine kleine Sauvage laut und unbequem durch die Strassen von Paris zog und «Vive la Commune!» durch die Strassen Ménilmontants hallte. Ähnliches ereignete sich am 20. April, als rund tausend wütende Menschen als Reaktion auf die gewaltsame Räumung der besetzten Pariser Universität Tolbiac durch das 13. Arrondissement von Paris zogen, Barrikaden bauten und Container anzündeten.

Weiterlesen:
http://www.untergrund-blättle.ch/politik/europa/frankreich_reformen_widerstand_4747.html (http://www.untergrund-blättle.ch/politik/europa/frankreich_reformen_widerstand_4747.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 18:13:57 Di. 15.Mai 2018
Zitat
Frankreich - Seit über fünf Wochen anhaltende Massenkämpfe

Über einen Monat dauern Massenkämpfe und Massenstreiks in Frankreich nun schon an: Mit Verbissenheit streiken die Beschäftigten gegen die von der Macron-Regierung geplante Zerschlagung des Beamtenstatus im Zusammenhang mit der weitere Privatisierung der Bahn.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw20/frankreich-seit-ueber-fuenf-wochen-anhaltende-massenkaempfe (https://www.rf-news.de/2018/kw20/frankreich-seit-ueber-fuenf-wochen-anhaltende-massenkaempfe)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 06:29:24 Mi. 04.Juli 2018
Zitat
Polizei erschießt jungen Mann :
Schwere Unruhen in Nantes

(https://media1.faz.net/ppmedia/aktuell/2917603003/1.5673677/format_top1_breit/feuerwehrleute-versuchen-die.jpg)

Molotowcocktails, brennende Autos und Gewalt. Die Lage in der französischen Stadt Nantes ist laut zuständigem Staatsanwalt „sehr unruhig und unübersichtlich“. Auslöser war eine Routinekontrolle.

In der westfranzösischen Stadt Nantes ist es am Dienstagabend nach der Tötung eines jungen Mannes durch die Polizei zu Zusammenstößen gekommen. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, gab es Auseinandersetzungen zwischen Beamten und mit Molotowcocktails bewaffneten Jugendlichen. Die Unruhen betrafen mehrere als Brennpunkte geltende Stadtteile. Autos wurden angezündet und ein Einkaufszentrum teilweise in Brand gesteckt.

Der Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennès, beschrieb die Lage am späten Abend als „sehr unruhig und unübersichtlich“. Zur Verstärkung wurden weitere Polizeikräfte erwartet. Ein Bewohner von Nantes sagte AFP, er habe „Detonationen“ gehört. „Es hat überall gebrannt, sie waren dabei, alles kaputt zu machen.“

Zuvor am Abend war laut Polizei ein junger Mann im Alter von 22 Jahren wegen einer Ordnungswidrigkeit bei einer Fahrzeugkontrolle gestoppt worden. Bei der Kontrolle habe er „so getan, als wolle er aus dem Fahrzeug aussteigen“, und sei dann „gegen einen Polizeibeamten gefahren“, sagte der örtliche Polizeidirektor Jean-Christophe Bertrand. Der Beamte sei leicht am Knie verletzt worden, ein weiterer Beamter habe daraufhin geschossen und den jungen Mann getroffen, der „leider gestorben“ sei.

Aus Polizeikreisen verlautete, der junge Mann sei an der Halsschlagader getroffen worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Laut Staatsanwaltschaft werden derzeit die „Umstände untersucht, unter denen der Polizist Gebrauch von seiner Schusswaffe machte“.
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/unruhen-in-nantes-franzoesische-polizei-erschiesst-jungen-mann-15673675.html (http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/unruhen-in-nantes-franzoesische-polizei-erschiesst-jungen-mann-15673675.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 07:26:54 Do. 05.Juli 2018
Zitat
Explosives Gemisch in Frankreich

Der Fall des erschossenen Autofahrers in Nantes erinnert an andere Vorfälle in Frankreich und damit an ungelöste Probleme des Landes.  


(http://static2.fr.de/storage/image/1/5/1/5/1115151_928x522-1392w_1rfiuz_evi6LZ.jpg)

Zunächst ist der gewaltsame Tot eines Autofahrers im westfranzösischen Nantes tragisch. Die trauernden und wütenden Angehörige fordern zurecht, dass die Verantwortlichen den Vorgang bei einer Kontrolle lückenlos aufklären, so wie es Bürgermeisterin Johanna Rollandes versprochen hat.
Doch das wird nicht genügen. Die Krawalle erinnern an andere Fälle in Frankreich.

Seit Ende der Siebzigerjahre kommt es in Frankreich vor allem in Vorstädten immer wieder zu Ausschreitungen, die 2005 eskalierten und lange andauerten. Keine Regierung hat es bislang geschafft, die sozialen Konflikte dahinter zu lösen, das explosive Gemisch aus Arbeitslosigkeit, Ausgrenzung, fehlender Integration und Rassismus zu entschärfen.

Präsident Emmanuel Macron versucht es derzeit mit Prämien für Arbeitgeber, die Menschen aus benachteiligten Stadtteilen unbefristet einstellt. Außerdem will Macron eine „Polizei der alltäglichen Sicherheit“ aufbauen, die sich in schwierigen Vierteln besser um die Sorgen der Bürger kümmert. Mehr Polizei hat aber bislang nicht geholfen.  
http://www.fr.de/politik/meinung/kommentare/nantes-explosives-gemisch-in-frankreich-a-1538512 (http://www.fr.de/politik/meinung/kommentare/nantes-explosives-gemisch-in-frankreich-a-1538512)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 17:30:15 So. 14.Oktober 2018
Streikende Beschäftigte beim Hotel ParkHyatt werden von Sicherheitsleuten angegriffen und von der Polizei gewaltsam vertrieben (mit kleinem Video):
https://twitter.com/contre_capital/status/1051020549953114112

Seit dem 25. Sept befinden sich die teilweise bei Subunternehmen angestellten Reinigungs- und Servicekräfte des Luxushotels #ParkHyatt in #Paris im Streik. Sie fordern mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Die Streikenden beim #ParkHyatt in #Paris erklärten sich entschlossen, den Streik wenn notwendig, auch bis zum Ende des Jahres fortzusetzen. Sie fordern auch eine direkte Anstellung bei der Luxushotelkette.

https://twitter.com/sebastianlotzer/status/1051423713034465281
Titel: Re:Frankreich/Belgien aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 22:27:53 Mi. 14.November 2018
Zitat
Belgien und Frankreich: Protestaktion mit Straßenblockaden – 17. November 2018
In Belgien und Frankreich manifestiert sich die Empörung der Bevölkerung über die seit Wochen steigenden Benzinpreise in einer Protestaktion am Samstag, 17.November 2018.
Die Bewegung „gilets jaunes“ (gelbe Warnwesten) ruft dazu auf, an diesem Tag zahlreiche Straßen in Belgien und Frankreich zu blockieren. Bislang sind mehr als 500 Straßensperren geplant.
Eine Übersichtskarte ist hier (externer Link; Quelle: The Local) abrufbar.
https://www.derbusinesstravel.com/belgien-und-frankreich-protestaktion-mit-strassenblockaden-17-november-2018/ (https://www.derbusinesstravel.com/belgien-und-frankreich-protestaktion-mit-strassenblockaden-17-november-2018/)

„gilets jaunes“: Noch nie gehört davon.
Nur hier:
Zitat
Die Regierung will mit der höheren Besteuerung von Kraftstoff gegen die Luftverschmutzung im Land ankämpfen. Präsident Emmanuel Macron zufolge gehen die höheren Preise an der Tankstelle zum größten Teil auf den gestiegenen Ölpreis zurück. Gegen die Steuererhöhung hat sich unter dem Obergriff «Gilets Jaunes» (dt.:«Gelbe Westen») ein landesweiter Protest formiert. Der Begriff geht auf die gelben Warnwesten zurück, die französische Autofahrer immer dabeihaben müssen. Die «Gelben Westen» haben Autofahrer zu landesweiten Straßenblockaden am Samstag aufgerufen.
https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/franzoesische-regierung-haelt-steuererhoehungen-fest-protest (https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/franzoesische-regierung-haelt-steuererhoehungen-fest-protest)
Zitat
Proteste gegen massiven Preisanstieg bei Diesel in Frankreich

In ganz Frankreich planen Autofahrer Straßenblockaden für das kommende Wochenende, um gegen den starken Anstieg bei Spritpreisen zu protestieren. Nächstes Jahr will Paris die Steuern auf Diesel und Benzin angleichen. (...)
https://industriemagazin.at/a/proteste-gegen-massiven-preisanstieg-bei-diesel-in-frankreich (https://industriemagazin.at/a/proteste-gegen-massiven-preisanstieg-bei-diesel-in-frankreich)

Irgend so ein "Freie Fahrt für freie Bürger" Kram oder mehr?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:41:28 Do. 15.November 2018
Zitat
Irgend so ein "Freie Fahrt für freie Bürger" Kram oder mehr?

Klar, mich nervt sowas erst einmal auch.
Aber die Menschen organisieren sich oftmals anders als Linke es erwarten.
Und ich denke, sie haben hier auch guten Grund dazu. Der Arbeitsmarkt ist heute voll flexiblilisiert. Die Malocher müssen mobil sein. Heerscharen von Pendlern. Leiharbeiter ohne Ende. Berufskraftfahrer sind in Frankreich mehrheitlich selbstfahrende Unternehmer. Die Spritkosten gehen von ihren Löhnen, bzw. Einnahmen gleich wieder ab. Sie empfinden es als Lohnraub. Das ist erst einmal ein eindeutiger Sozialer Protest.
In wie weit die interne Diskussion der Beteiligten, deren Flugblätter und Stellungnahmen weitere politische Zusammenhänge thematisieren, kann ich nicht beurteilen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 10:07:18 Fr. 16.November 2018
Zitat
16.11.18
Proteste in Frankreich Zwei Euro pro Liter Benzin - Wut über Macrons C02-Abgabe

Sie nennen es "Operation Schnecke": In Frankreich wollen wütende Autofahrer den Verkehr lahmlegen, aus Protest gegen steigende Steuern auf Diesel und Benzin.(...)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-zwei-euro-fuer-den-liter-benzin-co2-abgabe-loest-proteste-aus-a-1238749.html (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/frankreich-zwei-euro-fuer-den-liter-benzin-co2-abgabe-loest-proteste-aus-a-1238749.html)

Zitat
16.11.18
Frankreich: Soziale Proteste diesmal eher von Rechts

Unser Frankreichkorrespondent Bernard Schmid berichtet über die Protestbewegung gegen höhere Steuern auf Benzin und vorallem Diesel. Am Samstag sind Demonstrationen und Blockaden geplant.
https://www.freie-radios.net/92098 (https://www.freie-radios.net/92098)

Zitat
16.11.18
Macron und sein Problem mit den „gelben Westen“ – Frankreich am Scheideweg
https://www.nachdenkseiten.de/?p=47247 (https://www.nachdenkseiten.de/?p=47247)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:30:16 Fr. 16.November 2018
Ich habe auch mitgekriegt, daß es bei den Protesten einen unangenehmen Beigeschmack gibt.
Das ist wohl die Folge, wenn Linke nicht dort vor Ort sind, wo es aus sozialen Gründen politisch gährt.

Es erinnert mich an die "Protestbewegung der Mistgabeln" in Italien. Er begann auch als Basisbewegung gegen die Kraftstoffpreise. Es waren LKW Fahrer, Fischer und Bauern, die gemeinsam auf die Straße gingen. Es schwappte vom äußersten Süden über das ganze Land, andere Berufsgruppen schlossen sich an, Autobahnkreuze wurden blockiert und Fiat mußt die Produktion für einige Zeit einstellen.

Es war eine spontane Basisbewegung, die jenseits linker Strukturen entstand. In ihr gab es auch befrememdliche und unangenehme Momente. Es gab in Süditalien vereinzelt Zusammenarbeit mit der Mafia und es wurde beobachtet, wie Nazis sich unter die Protestierenden gemischt haben. Die Linken kamen nicht darüber hinweg, daß sie nicht gefragt worden sind und daß sie kaum eine Rolle in diesem Protest spielten. Sie schossen sich auf die Ausrutscher in den Protesten ein und distanzierten sich dann insgesamt von dem Basisprotest.

Später erkannte man das als großen Fehler. Etwa ein Jahr danach rollte die nächste Protestwelle der Mitgabeln übers Land. Da distanzierte man sich nicht mehr. Die Faschos waren aber weitaus besser vorbereitet. Ihnen gelang es an vielen Orten, den Protesten ihren Stempel aufzudrücken. Demozüge voller Nationalflaggen. Vereinzelt wirkte es gar wie eine faschistische Erhebung. Es war gruselig.

Das wiederum erinnert mich an die Maidan Proteste in der Ukraine. Die begannen auch als soziale Protest, an dem sich auch Linke beteiligten. Die Faschisten waren jedoch wirklich vorbereitet und ihnen gelang es mit aller Gewalt, auch mit Waffengewalt, den Sozialen Protest in eine rechte Erhebung umzumünzen.

Wir sollten uns auch einmal Gedanken darüber machen, wenn sich irgendwo soziale Unruhen entwickeln, wie wir ihnen mit den besseren Argumenten eine brauchbare Richtung geben, bevor die Rechten das Ruder an sich reißen können. Wir sollten uns überlegen, wie es möglich ist, daß verzweifelte Menschen machmal den Rechten mehr Vertrauen entgegenbringen als den Linken. Es könnte an der herablassenden Art liegen, mit der sie von Linken behandelt worden sind.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 14:45:34 Fr. 16.November 2018
An die Mistgabeln hatte ich auch gedacht. Bleibt abzuwarten, wie es sich in Frankreich entwickelt. Es beteiligen sich ja auch welche aus dem linken Spektrum daran.
Zitat
Wir sollten uns überlegen, wie es möglich ist, daß verzweifelte Menschen machmal den Rechten mehr Vertrauen entgegenbringen als den Linken. Es könnte an der herablassenden Art liegen, mit der sie von Linken behandelt worden sind.
Es liegt an der herablassenden Art, es liegt.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:42:49 So. 18.November 2018
Es greift sicherlich zu kurz, wenn man die Proteste auf "freie Fahrt für freie Bürger" und "Proteste gegen Umweltmaßnahmen" reduziert.
Gestern gab es eine gute Radipeortage. Sie beschrieb die Voraussetzung etwa so: Die Mieten sind in den Städten derart explodiert, daß die nicht so wohlhabenden aufs Land flüchten mußten. Die neoliberale Poltik hat jedoch die Infrastruktur auf dem Land zerstört. Er fahren kaum noch Busse. Die Tante Emma-Läden sind ebenso verschwunden, wie Postfilialen, Büchereien,Schulen, Ärzte. All das kann man nur mit dem eigenen PKW erreichen. So ist es völlig normal täglich 50km zu fahren. Die finanziell gebeutelten Menschen sehen jetzt, daß ihnen wieder in die Tasche gegriffen werden soll.

Es wurde auch gesagt, es sei ungewöhnlich, daß ein Massenprotest nicht von den Gewerkschaften oder politischen Parteien oder Organisationen organisiert worden ist.

SPON schreibt heute:
Zitat
Die Unterschicht in Frankreich begehrt auf gegen die Politik von Emmanuel Macron, den sie für einen Präsidenten der Reichen halten. Ihre Wut ist unorganisiert, radikal - und ein unkalkulierbarer politischer Gegner.

Mehr als 280.000 Menschen, meldet am Abend das französische Innenministerium, haben den ganzen Tag lang an Straßenkreuzungen, Autobahnzahlstellen und anderen Verkehrsknotenpunkten demonstriert.

Ihr häufigster Ruf an diesem Tag: "Macron, tritt zurück!" Doch damit ist die neue Bürgerbewegung nicht exakt beschrieben. Das hier ist etwas anderes. Auf den Straßen scheint sich ein neues Bewusstsein der Unterschichten und der unteren Mittelschicht zu spiegeln. Eines, das noch unerprobte demokratische Organisationsformen sucht. Wogegen genau protestiert wird, ist nicht ganz klar. Doch es geht um weit mehr als um eine höhere Spritsteuer.

Etwa 3000 Straßenblockaden fanden statt. Dabei rauchte man viel, zündete Feuer an oder sonnte sich - wie auf der Autobahn von Nizza.

Doch die Gelbwesten sind ihm von nun an auf den Fersen, sie können zu seinem entscheidenden politischen Gegner heranwachsen. Schon hängt Macron der Spitzname "Präsident der Reichen" an, seitdem er nicht nur die Benzinsteuern erhöhte, sondern auch Vermögensteuern und Gewinnsteuern für Unternehmen beschnitt. Was vor allem Wohlhabende begünstigt.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-emmanuel-macrons-soll-wegen-benzinsteuer-zuruecktreten-a-1239052.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-emmanuel-macrons-soll-wegen-benzinsteuer-zuruecktreten-a-1239052.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:51:53 Mo. 19.November 2018
Es ist scheinbar recht heftig, was in Frankreich abgeht.
Es ist ekelig, mit welcher Selbstverständlichkeit das Schmierblatt taz links und rechts in einem Atemzug nennt.

Zitat
Linke wie Rechte instrumentalisieren den Protest

Marine Le Pens Partei ist ebenso wie andere, auch die linke „France insoumise“ von Jean-Luc Mélenchon, auf den Protestzug aufgesprungen. Die SprecherInnen der Opposition von rechts und links versuchen, diesen „Volkszorn“ gegen die derzeitige Staatsführung zu instrumentalisieren. Die Ini­tiatoren der Bewegung sind sie nicht.
https://www.taz.de/Archiv-Suche/ (https://www.taz.de/Archiv-Suche/)!5548507&s=frankreich/

Zitat
Eine Tote, viele Verletzte und Festnahmen - die Proteste in Frankreich gegen höhere Benzinsteuern waren heftig. Die Regierung Macron zeigt sich aber unbeeindruckt: An den geplanten Steuererhöhungen hält sie fest.

(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/proteste-frankreich-123~_v-videowebl.jpg)

Mit Straßenblockaden legten die Gelbwesten mancherorts den Verkehr lahm. Es kam zu vielen Unfällen, als Autofahrer versuchten, ihre Wagen durch die Sperrungen zu steuern. Eine Frau starb. Die Zahl der Verletzten stieg auf 409. 14 von ihnen erlitten nach Angaben des Ministers schwere Verletzungen.

Die Proteste waren ungewöhnlich, weil sie weder von Gewerkschaften noch von Parteien offiziell unterstützt worden waren.

Innenminister Christophe Castaner beschrieb die Lage als unruhig. Während der Demonstrationen sei es zu Aggressionen, körperlichen Auseinandersetzungen und Messerstechereien gekommen, einige davon unter den Demonstrierenden. 157 Menschen wurden festgenommen.
https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-frankreich-121.html (https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-frankreich-121.html)

Ein Toter, überfahren von einer Frau, die sich von den Blockierern nicht aufhalten lassen wollte. Messerstechereien unter den Demonstrierenden?
Ich muß an einen LKW Streik vor einigen Jahren in Italien denken. Auf den Parkplätzen wurde deutschen LKW die Luft aus den Reifen gelassen, da deutsche Fahrer die Bedeutung eines Streiks meist nicht verstehen.  Eine Deutsche Fahrerin wollte einen solchen Parkplatz noch schnell verlassen und überrollte dabei einen Streikposten. Er starb.

Es ist extrem wichtig, daß die Linken sich nicht distanzieren, daß sie mit vor Ort sind und sich an den Diskussionen beteiligen!

Ich muß auch an die Dieseldemos denken, die vor 10 Jahren in Süddeutschland stattfinden. Es war zur Wirtschaftskrise 2008, als dann die Dieselpreise anzogen, kam es zu den seit dem nicht mehr errichten Truckerprotesten mit bis zu 800 teilnehmenden Trucks. Die Stimmung war nicht schlecht. Es solidarisierten sich Taxifahrer und Landwirte. Es entstand in Selbstorganisation. Zentral in der Geschichte das offene Micro, wo jeder sich zu Wort melden konnte. Da spiegelte sich die Wut der Fahrer wieder, wie ihre politische Unerfahrenheit. Einige äußerten sich auch rassistisch. Insgesamt war es aber nicht schlecht. Die Trucker wußten mit ihrer Macht nichts anzufangen und legten dann die Zügel in die Hand eines pensionierten Autobahnbullen, der ein guter Redner war und organisatorisches Geschick bewies. Er kümmerte sich um die Pressearbeit, er übernahm die politische Führung und versuchte unliebsamen Stimmen das Maul zu verbieten und ging dann auch juristisch gegen jeden vor, der ihm nicht in den Kram paßte. Es gab vor Ort keine politisch erfahrenen Menschen, die die Machübernahme (Machtübergabe) von (an) den/m Bullen hätte verhindern können. Das war das Ende der Protestbewegung.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: tleary am 22:20:17 Mo. 19.November 2018
Das ist halt der Unterschied zwischen deutscher und framzösischer Arbeiterklasse: In FR wird wegen 10 Cent Steuererhöhung auf den Sprit das Land in Flammen gesetzt. In D wurde der halbe Sozialstaat vor 10 Jahren nahezu geräuschlos (nur lauer Protest über ein paar Wochen hinweg) demontiert.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 02:35:16 Di. 20.November 2018
Was mich bei den Franzosen bewundert, das sie irgendwie "anders" mit ihren
Ängsten umgehen, die bei solch Situationen auftauchen. Ob sie sich anbei mit
den Erfahrungen ihrer Revolution stärken ? Ich kann es nicht bewerten, woher
sie ihren Mum schöpfen.
Bei dieser Auseinandersetzung sind ja die meisten Einwohner betroffen und
meines Erachten die "kritische Masse" überschritten. Macron hat die Büchse
der Pandorra geöffnet..

Ob in D bei so einer Spritsteuererhöhung so relativ ruhig bleiben würde, wie
es gegen H4 war, glaube ich weniger. Betroffenne warten darauf, das andere
die Steine ins Rollen bringen und wenn die Steine "endlich" rollen, schließen
sich andere an, die sich die Verantwortung von Organisatoren nicht zutrauen.

Fängt in D ja schon beim einfachen Infotisch an, wo der Anmelder für alles
haftbar gemacht wird, falls es anders kommt wie "staatlich vorgesehen".

Nu hat das in Frankreich eine Eigendynamik angenommen, die beweißt, das
die Gemeinsamkeit stärker ist. Ich nehme an, das Macron die Spritsteuer-
erhöhung zurück nimmt (muss).

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: dagobert am 05:21:25 Di. 20.November 2018
Ob in D bei so einer Spritsteuererhöhung so relativ ruhig bleiben würde, wie es gegen H4 war, glaube ich weniger.
Denk mal an die Einführung der "Ökosteuer" von 20 Jahren, dann weißt du was passiert.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: tleary am 05:51:26 Di. 20.November 2018
Denk mal an die Einführung der "Ökosteuer" von 20 Jahren, dann weißt du was passiert.
Eben! Es passierte damals rein gar nix, weil es den Leuten damals als "gute Tat" und nötig in Sachen Umweltschutz von Rot-Grün verkauft wurde.
Genauso war es dann ein paar Jahre später mit Hartz-IV, das auch als wirtschaftliche Notwendigkeit verkauft wurde. Eine CDU-Regierung hätte das auch nie so leicht nach unten durchsetzen können, wie eine mit noch linkem Anstrich. - Die SPD hat nun aus Sicht des Kapitals ihren Zweck erfüllt, und kann in der politischen Bedeutungslosigkeit verschwinden. Was ihre Protagonisten wie Nahles, Scholz & Co. die nächsten Jahre auch noch vollziehen werden.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 06:04:20 Di. 20.November 2018
Das Problem in D ist der Individualismus gepaart mit Fatalismus. Man sieht alle Probleme als persönliche Probleme, sucht den individuellen Ausweg und denkt "Da kann man eh nichts ändern, die machen was sie wollen."
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10:00:07 Di. 20.November 2018
Das ist halt der Unterschied zwischen deutscher und framzösischer Arbeiterklasse: In FR wird wegen 10 Cent Steuererhöhung auf den Sprit das Land in Flammen gesetzt. In D wurde der halbe Sozialstaat vor 10 Jahren nahezu geräuschlos (nur lauer Protest über ein paar Wochen hinweg) demontiert.
Du wohnst schon länger in einem Erdloch irgendwo im Wald, oder? Lauer Protest über ein paar Wochen? Nee, ist klar!
Außerdem gab es in Frankreich ebenfalls einen massiven Sozialabbau, der anfangs auch zu Protesten führte. Ich sehe da also keinen Unterschied zu Deutschland.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 11:19:47 Di. 20.November 2018
In D wurde der halbe Sozialstaat vor 10 Jahren nahezu geräuschlos (nur lauer Protest über ein paar Wochen hinweg) demontiert.
Wobei damals Großdemos mit bis zu 250000 Teilnehmern stattfanden.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:18:04 Di. 20.November 2018
Das mediale Begleitorchester übertönt/verschweigt 250000 Demoteilnehmer locker, der "alternativlose" politische Kurs wurde in die Köpfe gehämmert, Schröder ist bis heute der Retter Deutschlands, Kritik gibt es nur aus Richtung, "es ist nicht alles Perfekt, aber wir justieren nach".

Schröder bekommt nur deshalb keine wöchentliche Ehrung/Preisverleihung/Ordensverleihung weil er in Putins Hintern umgezogen ist, für die Neoliberalen ist er trotzdem ein Heiliger.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 13:16:08 Di. 20.November 2018
Jo Troll, besser konntest Du es nicht ausdrücken, wie der Hase bezüglich
Verslimmbesserungen und dessen Protest in D liefen.
Und Wolfgang Clemend, der die Leiharbeit "salonfähig" machte, sitzt sich
heute bei Adeco einen goldenen Arsch.. Zwei Politiker, die nicht nur ihr
Autogramm auf die Erstausgabe der H4-Änderungen 2005 hinterließen.

Kurze Zeit später waren sie weg und machten in der Wirtschaft ihr eigenes
profitables Ding.. Fazit: Korrupte Politiker, das deutlich sichtbar.

Ja, anfänglich lief das mit den Anti-H4-Protesten noch ganz gut, bis die
erste große Spaltung der "Gemeinschaft" kam. Ein einzelner, ich glaube
aus Berlin wollte sich zum Redelsführer aufpimpen, hatte jedoch nicht das
Zeugs, sich entsprechend artikullieren zu können.

Dann kam der Unmut darüber auf, das bei den Montagsdemonstrannten die
MLPD die Zügel in der Hand hält. Nachdem ich nach 2 Jahren bemerkte, wie
ein doofer Mitläufer behandelt zu werden, weil ich nicht Parteimitglied war,
suchte ich mir eine andere Protestgemeinschaft auf, die nix mit Partei am
Hut hatte.

2008 war es in HH dann soweit, das nur noch kleinere Gruppen gegen H4
aktiv waren. Um überhaupt noch was zu organisieren, bin ich dann von
Gruppe zu Gruppe gereist, habe Ideen vorgestellt und bei Aktionen gegen
Jobmessen kamen dann vereinzelte aus diversen Gruppen zusammen.

Diese Machart wurde im Laufe der Zeit immer anspruchsvoller und schwieriger
das das sogenannte Missionieren sohon allein gut einen danzen Monat
Vorbereitungszeit bedurfte.. Erschöpfung und die Frage nach "welchen Sinn
soll das haben" wurden immer stärker..

Mir blieb dann noch über, nur noch Dinge zu wuppen, die ich auch notfalls
alleine erledigen könnte. Doch soweit kam es nicht.. Wir fanden uns dann
doch wieder in kleinen Gruppen zusammen, um Jobmessen etc. aufs Korn
zu nehmen..

Meine Meinung ist, das Gemeinsamkeit auch in D noch vorhanden ist, jedoch
auf Meinungsverschiedenheiten empfindlich leidet. Wenn anbei jeder sich
damit zufrieden geben würde an einer Schnittmenge von Interessen teil zu
haben, wäre das alles schon etwas leichter.

Leider kommt es immer wieder vor, das einige ihr Interessensfeld als
Ganzes zur Aktion durchsetzen beziehungsweise umsetzen wollen.
Da ist dann Krach vorprogramiert, der dann zur Spaltung von
Gemeinsamkeiten führen kann.

Dieses "Alles oder garnichts" oder "Das bringt ja eh nix" geht den Politikern,
die uns nicht wohlgesonnen sind, runter wie Öl  :P

Hiermit beziehe ich mich alleinig auf H4-Proteste, die ich in HH miterlebte.
Die Bundesdemos in Berlin wie "Die rote Karte zeigen 2006 ?" lief natürlich
so ab, wie es sich Anti-H4-Gegner_innen wünschten.

Gibt also m.E. keinen Grund, gegen H4 zu agieren auf zu geben..  ;)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:24:44 Di. 20.November 2018
Ich glaube, die Ereignisse in Frankreich sind ein guter Anlaß, einige liebgewonnene Vorstellungen über Bord zu werfen.

Erstmal ist es wohl nicht so einfach zu sagen, wie das Klima bei den Protesten einzuschätzen ist. Den Berichten zufolge, die ich gelesen habe, ist der rechte Einfluß größer, als der linke.

Auch bei der Einschätzung, daß so etwas in Deutschland unmöglich sei, teile ich nicht. Wir haben zu wenig Phantasie und glauben, daß alles ewig so bleibt, wie es ist. Mir sagt Counselors Signatur eher zu: "Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!"

Wir brauchen uns nur ein wenig in der Welt und in der Geschichte umzublicken.

Im Iran ahnte man noch ein Jahr vor der Revolution nicht, daß es überhaupt zu Protesten kommen könnte. Plötzlich waren die Massen auf der Straße in so gewaltiger Zahl, daß sie das alte System wegfegten, ohne größeres Blutvergießen.

(https://www.workersliberty.org/system/files/pictures/mottahedeh-03.jpg)

In der Türkei gab es 2013, auch wie aus heiterem Himmel, gewaltige Proteste gegen Erdogan:

(http://abload.de/img/968839_589413247758397afv5.jpg)
(https://cdn.turkmedya.com.tr/aksam/imgsdisk/2013/06/09/090620132022362856679_2.jpg)

Und es dauerte nicht lange, da hatte Erdogan mit seinem faschistoiden Kurs wieder die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.
Wenn es wirtschaftlich aber weiter im Land kriselt, kann es sich mit der Mehrheit auch schnell wieder erledigt haben.

In Frankreich hat es bisher stets in den Städten geknallt. Auf dem Land kämpften nur die Bauern. Niemand hätte damit gerechnet, daß es auch in der Pampa Unruhen geben könnte. Die Situation erscheint unberechenbar.  Die französichen Proteste sind über die Grenze geschwappt:
Zitat
Belgien
Bewegung „Gelbe Westen“ blockiert Autobahn

Nach den massiven Protesten in Frankreich hat die Bewegung „Gelbe Westen“ heute auch eine Autobahn in Belgien blockiert.


Nach Rundfunkberichten ist die Strecke von Mons nach Brüssel teilweise in beiden Richtungen abgeriegelt. Die Lage sei chaotisch. Ein Lastwagen habe Feuer gefangen, Bäume seien gefällt und über die Fahrbahn gelegt worden. Der Protest richtete sich ursprünglich gegen die Erhöhung der Kraftstoffpreise in Frankreich. Dort hatten sich am Wochenende Zehntausende an Aktionen beteiligt. Am Samstag wollen die Demonstranten die Hauptstadt Paris lahmlegen.
https://www.deutschlandfunk.de/belgien-bewegung-gelbe-westen-blockiert-autobahn.2932.de.html?drn:news_id=947900 (https://www.deutschlandfunk.de/belgien-bewegung-gelbe-westen-blockiert-autobahn.2932.de.html?drn:news_id=947900)

Auch hierzulande kann es überraschende Proteste und Uruhen geben. Auch unter schlechten Vorzeichen, unter rechter Dominanz. Das wäre zu einem großen Teil unserem eigenen Versagen geschuldet. Gerade die Regionen und die Bevölkerungsgruppen, die wir für unangenehm oder "egal" halten, könnten sich auf den Weg machen. In welche Richtung, ist noch nicht entschieden.


Eines ärgert mich immer: Wenn man Proteste und Kämpfe, die zu keinem Sieg geführt haben, anführt als Beweis dafür, daß Proteste sowieso nix bringen.

Dann erschießt euch doch, ihr Heulsusen!

Einen Kampf kann man verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
Wir werden noch viele Kämpfe verlieren, bevor es besser werden kann.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 14:01:56 Di. 20.November 2018
Auf jeden Fall gehen die Proteste gegen H4 weiter. Ich sehe diese auch nicht als erfolglos an. Sie haben dazu beigetragen, dass H4 als eines der verhasstesten Gesetze der Republik heute noch im Gespräch ist und SPD und Grüne sich heute ihren H4-Makel vom Pelz waschen müssen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:11:00 Di. 20.November 2018
In Bulgarien gab es vor einer Woche wohl bereits ähnliches. "Autofahrer, die gegen hohe Kraftstoffpreise und niedrige Löhne protestierten..." Aber die Medien interessieren sich einen Scheißdreck für Osteuropa.

Das spuckt jedenfalls Google Translate aus:
Zitat
Der Protest kam aus der Stadt! Die Autobahn in der Nähe von Plovdiv wurde blockiert
11.11.2018
Nachdem sie eine Tour durch die Boulevards und Straßen von Plovdiv gemacht hatten, gingen einige Demonstranten aus der Stadt. Autofahrer, die gegen hohe Kraftstoffpreise und niedrige Löhne protestierten, fuhren zur Autobahn Trakia in Richtung Sofia, Plovdiv24.bg. Viele Lastwagen und Autos blockierten das Grundstück.

Andere Abschnitte der Autobahn werden ebenfalls von Demonstranten blockiert. Eines davon ist Stara Zagora.

Einige der Demonstranten sind sogar eingeladen, in die Gemeinde Plovdiv zu gehen. Solche Anrufe werden in sozialen Netzwerken gefunden.
https://www.plovdiv24.bg/novini/plovdiv/Protestut-izleze-i-izvun-grada-Blokiraha-i-magistralata-krai-Plovdiv-827451 (https://www.plovdiv24.bg/novini/plovdiv/Protestut-izleze-i-izvun-grada-Blokiraha-i-magistralata-krai-Plovdiv-827451)

(https://www.mediapool.bg/gal/75/orig_677512a0b02c9fcda05f8765487ee40d.jpg)

(https://www.mediapool.bg/gal/75/orig_a86109d653ed2408c5b13fc2348d6188.jpg)

(https://www.mediapool.bg/gal/75/orig_4aaa1aeabbadbe2066241bc8a0de4f87.jpg)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 16:57:53 Sa. 24.November 2018
Zitat
Gelbe Westen
: Schwere Ausschreitungen bei Protest in Paris

In Paris demonstrieren Tausende gegen hohe Spritpreise und Lebenshaltungskosten. Einige errichteten Barrikaden, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

... . Vermummte zerstörten Stadtmöbel und errichteten auf den Champs-Élysées Barrikaden. Über der Prachtstraße stand eine Rauchwolke. Die Polizei reagierte auf die Randale mit Tränengas und Wasserwerfern.

Laut Innenminister Christophe Castaner versammelten sich in Paris rund 8.000 Personen, darunter auch Mitglieder rechts- und linksextremer Gruppen, zu den Protesten. Auf den Champs-Élysées demonstrierten diesen Angaben zufolge bis zu 5.000 Menschen, im ganzen Land seien es 23.000 gewesen. In Bordeaux im Südwesten Frankreichs erteilten die Behörden keine Erlaubnis für eine Kundgebung.
... .
In Paris kam es zu Unruhen, als in gelbe Warnwesten gekleidete Demonstranten versuchten, Sicherheitsbarrieren zu durchbrechen, um zum Élysée-Palast, dem Amtssitz des Präsidenten Emmanuel Macron, vorzudringen.
... .


Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-11/gelbe-westen-paris-polizei-demonstration (https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-11/gelbe-westen-paris-polizei-demonstration)

MfG

BGS
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:42:40 Sa. 01.Dezember 2018
Zitat
Protest der "Gelbwesten" Eskalation in Paris

In Frankreich demonstrieren die "Gelbwesten" erneut gegen Präsident Macrons Politik. In Paris kam es zu heftigen Ausschreitungen. Zum Ärger derer, die friedlich demonstrieren wollen.

Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-polizei-103.html (https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-polizei-103.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16:45:04 Sa. 01.Dezember 2018
Geht ganz schön die Sau ab in Paris! ;D
https://www.youtube.com/watch?v=obMM00CCKSY (https://www.youtube.com/watch?v=obMM00CCKSY)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 17:11:00 Sa. 01.Dezember 2018
Zitat
Zum Ärger derer, die friedlich demonstrieren wollen (https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-polizei-103.html).

Menno!

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 12:52:35 So. 02.Dezember 2018
Die Bewegung schwappt über Grenzen.

Zitat
"Gelbwesten" zünden in Brüssel Polizeiautos an

Wasserwerfer, und Pfefferspray und Dutzende Festnahmen


(https://images.derstandard.at/img/2018/11/30/yellow-jackets-Brussels.jpg?tc=2000&s=65637568)

Brüssel – Am Rande von Protesten der sogenannten Gelbwesten sind am Freitag im Brüsseler Europaviertel zwei Polizeiautos ausgebrannt. Die Polizei sperrte den Umkreis nur wenige hundert Meter von der Europäischen Kommission entfernt mit Stacheldraht ab, wie ein dpa-Reporter vor Ort beobachtete. Fotos vom Demonstrationsort zeigten zudem den Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray.

Die Polizei nahm nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Belga mehrere Dutzend Menschen fest. Belgiens Premierminister Charles Michel sicherte den Sicherheitskräften auf Twitter seine Unterstützung zu. Die Täter müssten bestraft werden. Sein Stellvertreter Jan Jambon bezeichnete die Gewalt als skandalös.

Seit Mitte des Monats gehen in Frankreich immer wieder Zehntausende Menschen aus Protest gegen steigende Spritkosten und die Reformpolitik der Regierung auf die Straße. Wenig später sprangen die Gelbwesten-Proteste auf Belgien über.
https://derstandard.at/2000092843507/Gelbwesten-zuenden-in-Bruessel-Polizeiautos-an (https://derstandard.at/2000092843507/Gelbwesten-zuenden-in-Bruessel-Polizeiautos-an)

Zitat
Krawall in gelber Weste

(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/gelbe-westen-belgien-101~_v-modPremium.jpg)

Bei Protesten gegen hohe Steuern und Lebenshaltungskosten in Belgien ist es zu Straßenschlachten gekommen. Die Demonstranten trugen gelbe Warnwesten - in Anlehnung an die Protestierenden in Frankreich
.
https://www.tagesschau.de/ausland/belgien-gelbwesten-101.html (https://www.tagesschau.de/ausland/belgien-gelbwesten-101.html)

In Frankreich ging es auch wieder richtig rund und es ist nicht das Ende der Proteste.

(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/paris-671~_v-videowebl.jpg)
(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/paris-673~_v-videowebl.jpg)
(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/paris-677~_v-videowebl.jpg)
(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/paris-683~_v-videowebl.jpg)
(https://static5.suedkurier.de/storage/image/1/8/5/6/12306581_shift-966x593-1449w_1r_mKw_bqvjpA.jpg)
(https://assets.jungefreiheit.de/2018/11/Gelbwesten-Protest-860x360-1543406845.jpg)
(https://i0.web.de/image/916/33433916,pd=2/protest-hohe-spritpreise-frankreich.jpg)
Macron - entlassen
Regierung - zurücktreten
System - abschaffen

Es ist ordentlich Druck auf dem Kessel.
Die Regierung überlegt den Ausnahmzustand auszurufen.
Soziale Kämpfe sind politische Kämpfe, bzw. Klassenkämpfe. Die Forderungen nach höhreren Renten und einem höheren Mindestlohn sind super. Steuersenkung ist nicht so mein Ding. Die Rechten organisieren keine sozialen Proteste. Sie springen jedoch auf und stellen sich an die Spitze.

Das Volk ist wirr und politisch planlos. Die Nationalflaggen in den Kämpfen nerven wie Sau. Wie kann man damit umgehen?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 19:08:37 So. 02.Dezember 2018
Zitat
Frankreich: Die gelben Westen und die vorrevolutionären Elemente der Situation

Seit dem 17. November hat sich die Situation in Frankreich abrupt geändert. Am Anfang stand der spontane Aufstand eines beträchtlichen Teils der Massen, wie er bisher selten zu beobachten war.

Quelle: https://www.klassegegenklasse.org/frankreich-die-gelben-westen-und-die-vorrevolutionaeren-elemente-der-situation/ (https://www.klassegegenklasse.org/frankreich-die-gelben-westen-und-die-vorrevolutionaeren-elemente-der-situation/)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 14:04:31 Mo. 03.Dezember 2018
@all

Die Sache läßt mir auch keine Ruhe zumal wir ja dieselben Probleme in Deutschland haben und wo ist bei uns der Protest? Ja, ich weis wir haben keine Protestkultur und man merkt es hier sogar in Grenznähe - ich wohne nicht weit vom elsässischen Frankreich, und dort ist Protest? Wo? Das Elsass tickt auch hier fast wie Deutschland. 

Zu den Protesten in Paris das ist wahr, aber nur eine Hälfte der Wahrheit die uns unsere Alpha-Journalisten verschweigen - es ist in ganz Frankreich (ausser eben vielleicht Elsass) Gelbwesten-Protest:

https://www.bzbasel.ch/ausland/seit-mai-68-nicht-mehr-erlebt-franzoesische-regierung-denkt-ueber-ausnahmezustand-nach-133796446 (https://www.bzbasel.ch/ausland/seit-mai-68-nicht-mehr-erlebt-franzoesische-regierung-denkt-ueber-ausnahmezustand-nach-133796446)

Hier er entsprechende Textauszug:

Zitat
Die Gewalt weitet sich langsam auf das ganze Land aus und richtet sich immer direkter gegen Macron. Erstmals kam es auch in Provinzstädten wie Toulouse, Bordeaux, Marseille sowie im frankophonen Belgien zu Krawallen mit grossen Materialschäden. In Arles starb ein Autofahrer, als er in eine Staukolonne vor einer der zahllosen Autosperren fuhr. Es ist das dritte Todesopfer seit Beginn der Proteste.

Ja ja ....auch die Schweizer Alpha-Journalisten berichten nur über gewalttätige Proteste, aber hier wird die Lüge unserer Alpha-Journalisten enttarnt - es ist nicht nur in Paris sondern überall in Frankreich Gelbwesten-Protest.

Wegen der Lügen unserer Medien habe ich mir schon lange angewöhnt auch Schweizer Medien zu verfolgen was kein Fehler ist, wie ich gestern Nacht gesehen habe, und heute auch wieder.

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:30:13 Mo. 03.Dezember 2018
Soziale Unruhen sind in Frankreich nichts neues oder außergewöhnliches und gegen die Riots von 2005 (https://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Frankreich_2005) sind die Gelbwesten wohl eher ein Fliegenschiss.
Es gibt jedoch einen bedeutenden Unterschied: Die sozialen Unruhen begrenzten sich bisher darauf die eigenen Vororte und die eigene Infrastruktur in Schutt und Asche zu legen.  Jetzt finden die Riots direkt an der Avenue des Champs-Élysées statt, wohl das teuerste Pflaster in Paris. Und genau das lässt der Bourgeoisie jetzt den Arsch auf Grundeis gehen!
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 23:19:47 Mo. 03.Dezember 2018
Zitat
Montag, 03. Dezember 2018, 20:00 Uhr
~5 Minuten Lesezeit

Tage des Zorns

Den französischen „Gelbwesten" ist der Kragen geplatzt.

von Rubikons Weltredaktion
Foto: Guenter Albers/Shutterstock.com


Die Forderungen der „Gelbwesten“ gehen nun offiziell über die bloße Frage der Treibstoffpreise hinaus. In einem langen, der Presse und den Abgeordneten übermittelten Kommuniqué, das in den französischen Medien breite Beachtung fand und das Rubikon hier abdruckt, listen sie eine Reihe von Forderungen auf, die sie erfüllt haben möchten.


Abgeordnete Frankreichs, wir übermitteln Ihnen die Direktiven des Volkes, damit Sie diese in Gesetze umsetzen.

Abgeordnete, verschaffen Sie unserer Stimme Gehör in der Nationalversammlung!

Folgen Sie dem Willen des Volkes! Setzen Sie diese Direktiven durch:

- Null Obdachlosigkeit: DRINGEND.

- Mehr Progression bei der Einkommenssteuer, das heißt, mehr Stufen.

- Mindestlohn von 1.300 Euro netto.

- Förderung der kleinen Geschäfte in den Dörfern und Stadtzentren. Einstellung des Baus von großen Einkaufszentren um die Großstädte herum, die den Einzelhandel abwürgen, und mehr kostenlose Parkplätze in den Stadtzentren.

- Isolierung von Wohnungen im großen Maßstab, um die Ökologie mit Einsparungen in den Haushalten voranzubringen.

- Steuern: die GROSSEN (McDonald´s, Google, Amazon, Carrefour ...) sollen GROSS zahlen und die Kleinen (Handwerker, Klein- und Mittelbetriebe) zahlen KLEIN.

- Ein einheitliches System der Sozialversicherung für alle (Handwerker und kleine Selbständige eingeschlossen). Abschaffung der Selbständigen-Sozialversicherung (RSI).

- Das Rentensystem muss solidarisch bleiben und demzufolge vergesellschaftet werden. Keine Rente nach Punkten.
- Schluss mit der Erhöhung der Treibstoffsteuer.

- Keine Rente unter 1.200 Euro.

- Jeder gewählte Abgeordnete hat das Recht auf den Medianlohn. Seine Reisekosten werden überwacht und, soweit begründet, erstattet. Recht auf Restaurant- und Urlaubsgutscheine.

- Die Löhne aller Franzosen sowie die Renten und Leistungen sind entsprechend der Inflation zu indexieren.

- Schutz der französischen Industrie: Verbot von Verlagerungen. Schutz unserer Industrie bedeutet Schutz unseres Know-hows und unserer Arbeitsplätze.
- Schluss mit der Arbeitnehmerentsendung. Es ist nicht normal, dass jemand, der auf französischem Territorium arbeitet, nicht den gleichen Lohn und die gleichen Rechte erhält. Jede Person, die autorisiert ist, auf französischem Territorium zu arbeiten, ist einem französischen Staatsbürger gleichzustellen und ihr Arbeitgeber muss für sie die gleichen Abgaben entrichten wie ein französischer Arbeitgeber.

- Zur Sicherung der Beschäftigung: Befristete Arbeitsverträge in großen Unternehmen stärker begrenzen. Wir wollen mehr unbefristete Verträge.

- Abschaffung der „Steuergutschrift für die Förderung des Wettbewerbs und der Beschäftigung“, CICE (1). Nutzung dieser Gelder zur Förderung einer französischen Wasserstoffauto-Industrie (wirklich ökologisch, anders als Elektroautos).

- Ende der Austeritätspolitik. Einstellung von Zinszahlungen auf illegitim eingeschätzte Schulden und Beginn der Schuldentilgung – ohne auf das Geld der Armen und weniger Armen zurückzugreifen, sondern durch Aufspüren der 80 Milliarden an Steuerhinterziehungen.

- Abstellung der Ursachen für erzwungene Migration.

- Korrekte Behandlung von Asylbewerbern. Wir schulden ihnen Wohnraum, Sicherheit, Ernährung sowie Bildung für die Minderjährigen. Zusammenarbeit mit der UNO zur Einrichtung von Empfangslagern in zahlreichen Ländern der Welt in Erwartung des Ergebnisses des Asylverfahrens.

- Rückführung abgelehnter Asylbewerber in ihr Ursprungsland. Umsetzung einer tatsächlichen Integrationspolitik. In Frankreich zu leben heißt, Franzose/Französin zu werden – Französisch-Kurse, Kurse in französischer Geschichte und in staatsbürgerlicher Bildung mit Abschlusszeugnis am Ende der Kurse.

- Festlegung eines Maximallohns von 15.000 Euro.

- Schaffung von Arbeitsplätzen für Arbeitslose.

- Erhöhung der Leistungen für Personen mit Behinderungen.

- Begrenzung der Mieten. Mehr Wohnungen mit gemäßigten Mieten – insbesondere für Studenten und prekär Beschäftigte.

- Verbot des Verkaufs von Grundstücken und Einrichtungen, die sich im Eigentum Frankreichs befinden – Talsperren, Flughäfen und so weiter.
 
- Konsequente zur Verfügung Stellung von Mitteln für Justiz, Polizei, Gendarmerie und Armee. Bezahlung oder Freizeitausgleich von Überstunden der Ordnungskräfte.

- Einsatz aller Mauteinnahmen für den Unterhalt der Autobahnen und Landstraßen Frankreichs sowie für die Straßenverkehrssicherheit.

- Da die Gas- und Strompreise seit der Privatisierung gestiegen sind, wünschen wir, dass beides wieder in die öffentliche Hand kommt und die Preise entsprechend gesenkt werden.

- Sofortiger Stopp der Einstellung kleiner Bahnstrecken, der Abschaffung von Postämtern und der Schließung von Schulen und Entbindungsstationen.

- Wohlergehen für ältere Menschen. Verbot der Gewinnerzielung auf Kosten älterer Menschen. Statt „Graues Gold“ „Graues Wohlergehen“.

- Maximal 25 Schüler pro Klasse von der Vorschule bis zur Abschlussstufe.

- Bereitstellung notwendiger Mittel für die Psychiatrie.

- Volksentscheide sind in die Verfassung aufzunehmen. Schaffung einer lesbaren und effizienten Website, überwacht durch ein unabhängiges Kontrollorgan, auf der Menschen Gesetzesvorschläge einbringen können. Wenn ein solcher Vorschlag 700.000 Unterschriften erhält, ist er von der Nationalversammlung zu diskutieren, zu ergänzen und gegebenenfalls mit Änderungsvorschlägen zu versehen. Die Nationalversammlung ist zu verpflichten, ihn – ein Jahr nach dem Stichtag der Erlangung der 700.000 Unterschriften – der Gesamtheit der Franzosen zur Abstimmung vorzulegen.

- Rückkehr zu einem 7-Jahres-Mandat für den Präsidenten der Republik. Die Wahl der Abgeordneten zwei Jahre nach der Wahl des Präsidenten wird dem Präsidenten der Republik ein positives oder negatives Signal hinsichtlich seiner Politik übermitteln. Dies wird dazu beitragen, der Stimme des Volkes Gehör zu verschaffen.

- Rente mit 60 Jahren. Recht auf Rente mit 55 Jahren für alle Personen, die schwer körperlich arbeiten – beispielsweise Maurer oder Schlachthausarbeiter.

- Verlängerung des Systems der Zuschüsse für Kinderbetreuung (Pajemploi) über das 6. Lebensjahr hinaus bis zum 10. Lebensjahr des Kindes.

- Förderung des Schienengütertransports.

- Kein Quellensteuerabzug.

- Schluss mit den lebenslangen Bezügen für Altpräsidenten.

- Verbot der Erhebung einer Gebühr von Händlern für die Zahlung per Kreditkarte durch deren Kunden.

- Besteuerung von Schiffsdiesel und Kerosin


https://de.ambafrance.org/Der-Pakt-fur-Wachstum](1) [url]https://de.ambafrance.org/Der-Pakt-fur-Wachstum (http://(1) [url)[/url]

Quelle: https://www.rubikon.news/artikel/tage-des-zorns (https://www.rubikon.news/artikel/tage-des-zorns)

MfG

BGS
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 05:30:18 Di. 04.Dezember 2018
Und während in Frankreich das Volk geschlossen auf die Straße geht wird bei uns die mediale Welt von unseren Eliten bestimmt und der Mitbürger/die Mitbürgerin muss denen den Stuss auch noch glauben denn die Zeitungen aus Eliten-Sicht abdrucken.

Glaubt ihr nicht? Guckt heute in die Meldungen der Lücken-Presse zur sozialen Lage in Deutschland.

Weis jemand was Hartz IV und Agenda 2010 mit den Gelbwesten-Protesten in Frankreich, und mit Emmanuel Macron und einem seiner Berater namens Dr. Peter Hartz (man kann es nicht oft genug erwähnen Herr Hartz ist sogar vorbestraft und von  einem gerichtlich verurteilten Kriminellen ohne Unrechtsbewußtsein und Moral sind die Hartz-Gesetze gestaltet und benannt - Dr. Peter Hartz, allein das ist schon Grund genug die Hartz-Gesetze abzuschaffen) zu tun hat? Bis heute Morgen wußte ich es auch nicht aber in einem Buch des renommierten Eliten-Forschers Michael Hartmann kann der/die Interessierte es erfahren.

Hier mehr zum Michael Hartmann:

Zitat
"Sie leben in einer völlig anderen Welt" Die Eliten entfernen sich immer weiter von der normalen Bevölkerung, sagt der Soziologe Michael Hartmann. Das verändere ihr Denken und nütze Rechtspopulisten. Sommer- Interview mit der Zeit-Journalistin Laura Cwiertnia

Quelle und kompletter Text:

https://www.zeit.de/2018/33/michael-hartmann-eliten-soziologie-soziale-gerechtigkeit (https://www.zeit.de/2018/33/michael-hartmann-eliten-soziologie-soziale-gerechtigkeit)

Und hier ein aktueller Artikel samt Kommentar wer Macron 2017 als Berater aufsuchte:

https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-nachbarn-verstehen-9 (https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-nachbarn-verstehen-9)

Der Kommentar, eines Piranha, dazu - ein Auszug:

Zitat
Gewerkschaften schwächen – dazu gab es hier auch mind. einen Artikel -, Arbeitsgesetze zugunsten der Industrie umgestalten, Sozialausgaben senken – Peter Hartz war 2017 zur internen Beratung in Paris -, Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte (1) abschaffen, Spitzensteuersatz senken(2) usw. (3)

...interessant auch der Artikel hinsichtlich der mangelnden Mobilität vieler Franzosen weil kaum Öffentlicher Nahverkehr besteht, aus Privatisierungsgründen wegreformiert - Woher ich das nun wieder kenne der ich selbst ohne Auto total aufgeschmissen wäre und der auf dem Land lebt, woher wohl? >:D

Da tut sich mir, wie weiter unten erwähnt, bei all den Parallelen zur deutschen Situation die Frage auf warum es in Deutschland so ruhig bleibt, auch in grenznahen Regionen, wo naturgemäß schon früher jeder Protest überschwappte - aus Frankreich.

Liegt es an der Protestfaulheit meiner Landsleute in Deutschland? Oder an der Lücken-Presse die die offensichtlichen Parallelen zu Deutschland, und die deutschen Berater des Herrn Emmanuel Macron, einfach totschweigt?

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 05:49:51 Di. 04.Dezember 2018
Jetzt finden die Riots direkt an der Avenue des Champs-Élysées statt, wohl das teuerste Pflaster in Paris. Und genau das lässt der Bourgeoisie jetzt den Arsch auf Grundeis gehen!

Mag schon sein, aber auch die Lügen in der medialen Welt der Nachbarländer Frankreichs, oder Frankreichs selber, werden immer offensichtlicher.
Zum Glück gibt es Alternative Medien - dank an BGS für den Hinweis auf Rubikon und an die Schweiz für die neutrale Berichterstattung (siehe mein Hinweis auf die Basler Zeitung) - die zeigen was die Gelben Westen fordern sonst wüßten wir gar nichts über Parallelen zu unserer Situation in Deutschland Herbst/Winter 2018.

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 12:44:44 Di. 04.Dezember 2018
Viele Informationen und auch eine Einschätzung zu den Forderungen:
http://www.labournet.de/internationales/frankreich/soziale_konflikte-frankreich/frankreich-zur-bewertung-der-laufenden-protestbewegung-der-gelben-westen-jenseits-ihrer-z-t-militanten-form/ (http://www.labournet.de/internationales/frankreich/soziale_konflikte-frankreich/frankreich-zur-bewertung-der-laufenden-protestbewegung-der-gelben-westen-jenseits-ihrer-z-t-militanten-form/)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:18:19 Di. 04.Dezember 2018
Zitat
Und während in Frankreich das Volk geschlossen auf die Straße geht wird bei uns die mediale Welt von unseren Eliten bestimmt und der Mitbürger/die Mitbürgerin muss denen den Stuss auch noch glauben denn die Zeitungen aus Eliten-Sicht abdrucken.
Hab ich was verpasst? Frankreich hat so um die 67 Millionen Einwohner. Auf der Demo am Samstag waren so um die 150.000. Ich sehe da kein Volk, das geschlossen auf die Straße geht.



Zitat
Die Forderungen der "Gelbwesten" gingen sehr schnell über die Streichung der Ökosteuer-Erhöhung hinaus. Eine Unzufriedenheit von vielen Millionen Franzosen mit ihren prekären Lebensverhältnissen bricht sich Bahn. Was man daher vor allem wolle, seien Maßnahmen zur Verbesserung der Kaufkraft, so der in den Medien präsente Sprecher Jean-Francois Barnabas: "Sowohl durch eine Senkung der Steuern als auch durch die Erhöhung der Löhne."

Vergangene Woche listeten die "Gelbwesten" in einer Mitteilung 42 Forderungen auf. Vieles zielt auf eine Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen. Aber es gibt auch eine eindeutige politische Stoßrichtung. Barnabas verlangt eine radikale Demokratisierung. Das politische System müsse rundum erneuert werden. Das Volk sei derzeit nicht genug vertreten, sagte er. Unter anderem müsse eine Bürgerversammlung eingerichtet werden und zu allen Gesetzesvorhaben müsse es Volksabstimmungen geben können.

Im Prinzip geht es den "Gelbwesten" um ein anderes Frankreich. Politik müsse im Interesse der einfachen Bürger und auch direkt durch die einfachen Bürger gemacht werden. Es ist eine umfassende Kampfansage an die Eliten.
https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-faq-101~_origin-f9e103f0-5e15-481f-81d2-54ed83f48eca.html (https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-faq-101~_origin-f9e103f0-5e15-481f-81d2-54ed83f48eca.html)

LÜGENPRESSE! LÜGENPRESSE! ::)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 18:30:34 Di. 04.Dezember 2018
Zitat
Hab ich was verpasst? Frankreich hat so um die 67 Millionen Einwohner. Auf der Demo am Samstag waren so um die 150.000. Ich sehe da kein Volk, das geschlossen auf die Straße geht.

Gut, aber das ist doch anders als bei uns die Mehrheit der Bevölkerung (wenn dich der Begriff Volk stört nehm ich halt einen andere weniger vorbelastete Wortschöpfung) steht hinter den Protesten, 84 % habe ich gehört - Frankreich eben, da gibt es keine Spalter und alle protestieren - was Scheiße für Le Pen ist und das ist gut so. >:D ;)


Zitat
LÜGENPRESSE! LÜGENPRESSE! ::)

LÜCKENPRESSE! ;), dass ist etwas völlig anderes als LÜGENPRESSE ::)  und die Tagesschau beweist immer wieder das sie Teil der Lückenpresse 8o  ist  - Ich brauch wohl keine der unzähligen Beispiele für deutsche Lückenpresse aufzählen? Oder? ::)

Etwas absichtlich verschweigen - das nennen manche Lückenpresse und die Beispiele dafür sind mittlerweile Legion.

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 19:27:00 Di. 04.Dezember 2018
Zitat
Frankreich eben, da gibt es keine Spalter und alle protestieren - was Scheiße für Le Pen ist und das ist gut so.
Du hast den Bericht von Labournet, den Fritz verlinkt hat nicht gelesen, oder?
Ich weiß nicht, wie du zu deinen Einschätzungen kommst, aber sie gehen an den realen politischen Verhältnissen in Frankreich Lichtjahre vorbei! (Vielleicht liegt es an einer Filterblase oder sowas?)
Erstens gibt es in Frankreich jede Menge Spaltung und zweitens verstehe ich nicht, wie du auf die Idee kommst, das da alle protestieren? Auf der letzten großen Demo waren nur noch halb soviele Menschen, wie auf der Demo davor. Das spricht eher dafür, das die "Gelbwesten" ihren Zenit überschritten haben und das Pulver quasi schon verschossen wurde.
Kann sich noch jemand an Nuit debout (https://de.wikipedia.org/wiki/Nuit_debout) erinnern? Oder an die Rotmützen (http://www.taz.de/!5397635/)? Nein? Ist doch erst ein bzw. zwei Jahre her?
Die sind alle wieder in der Versenkung verschwunden und genauso wird sich nächstes Jahr keiner mehr an die Gelbwesten erinnern und eine neue Sau wird durch Paris getrieben.
Vielleicht diesmal mit einer Flasche und einer Sandale als Symbol? ;D

Und wie kommst du darauf, das das Scheiße für Le Pen ist? So wie es aussieht, profitiert von dem Protest niemand so sehr wie Le Pen!
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 20:32:55 Di. 04.Dezember 2018
Zitat
Die sind alle wieder in der Versenkung verschwunden und genauso wird sich nächstes Jahr keiner mehr an die Gelbwesten erinnern und eine neue Sau wird durch Paris getrieben.
Vielleicht diesmal mit einer Flasche und einer Sandale als Symbol? ;D

Warum versuchst du mich partout in eine Ecke zu stellen aus der ich nicht komme? Ich wähle weder AfD noch sympatisiere ich mit Nazis oder Faschisten. ::)

Was deine anderen Ausführungen angeht da erlaube ich mir nach wie vor mein eigenes Bild zu machen und zu meiner eigenen Meinung zu kommen - Oder ist das neuerdings wieder ein Verbrechen in Merkel-Deutschland?

Sagen wir es mal so Regel 1 Rudolf Rocker hat immer recht und Regel 2 wenn nein gilt Regel 1 - sehr demokratische Einstellung ::)  mein Lieber wirklich  ::) *Sarkasmus*

Deine Ablehung von Sozialprotesten, und den direkten Angriff auf meine Person mit einem Begriff den ich weiter unten zum Thema Nahles (SPD) Gängelung durch die Jobcenter von BA bestritten zuerst benutzt habe - die Filterblase oder der eigene Kosmos - könnte mich zum Schluss kommen lassen, dass du dich direkt getroffen fühlst, weil entweder 1. Journalist bist oder 2. Mitarbeiter eines Jobcenters/der BA/oder einer Arbeitsagentur

Sollte  ich hier einen Trugschluss ziehen entschuldige ich mich selbstverständlich dafür, aber bei mir entsteht der Eindruck, dass dein Einschiessen auf meine Person mit diesem Verdacht erhärten würde.

Und im Unterschied zu dir lasse ich mich gerne korrigieren wenn ich Unrecht habe, und respektiere andere Meinungen, die nicht meiner entsprechen.

Übrigens die Zeit wird zeigen wer von uns beiden bei der Einschätzung der Gelbwesten-Proteste richtig liegt, du oder ich, also abwarten und Tee trinken. ;D

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 21:06:09 Di. 04.Dezember 2018
Zitat
Warum versuchst du mich partout in eine Ecke zu stellen aus der ich nicht komme? Ich wähle weder AfD noch sympatisiere ich mit Nazis oder Faschisten.
Wo steht das?

Zitat
Deine Ablehung von Sozialprotesten, und den direkten Angriff auf meine Person...
Wo steht das?


Zitat
...könnte mich zum Schluss kommen lassen, dass du dich direkt getroffen fühlst, weil entweder 1. Journalist bist oder 2. Mitarbeiter eines Jobcenters/der BA/oder einer Arbeitsagentur
Warum sollte ich mich dann hier im Forum aufhalten?

Zitat
Und im Unterschied zu dir lasse ich mich gerne korrigieren wenn ich Unrecht habe, und respektiere andere Meinungen, die nicht meiner entsprechen.
Ja, mach das doch mal!


Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 21:49:41 Di. 04.Dezember 2018
Die unterschiedlichen Bewertungen der Proteste in Frankreich sollten keinen Anlass für persönlichen Zwist und Hader liefern, denke ich. Dafür ist es noch zu früh und auch das, was auf labournet steht, ist letztendlich nur eine, gleichwohl wichtige Beschreibung der Situation. Abwarten, aber auch Nachdenktee trinken...
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 22:06:35 Di. 04.Dezember 2018
@Rudolf Rocker

Wieder ein Angriff statt Antworten auf meine Fragen?  ;D

 Wo bitte mach ich denn etwas was meiner  Meinung nicht passt und wo ich autoritär andere Meinungen unterbuttere?  ::)

Wo denn? Sag es. ;D

Bin lernfähig, und wäre dafür dankbar als vernunftbegabter und aufgeklärter Mensch. ;)

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 22:10:07 Di. 04.Dezember 2018
Die unterschiedlichen Bewertungen der Proteste in Frankreich sollten keinen Anlass für persönlichen Zwist und Hader liefern, denke ich. Dafür ist es noch zu früh und auch das, was auf labournet steht, ist letztendlich nur eine, gleichwohl wichtige Beschreibung der Situation. Abwarten, aber auch Nachdenktee trinken...

Hast recht, und nichts anderes wollte ich auch Rudolf Rocker sagen. Danke für die Unterstützung ;)

Übrigens die Basler Zeitung berichtet über ein interessantes Detail der Gelbwesten-Bewegung - sie agiert angeblich überwiegend über das Internet und organisiert den Widerstand gegen Emmanuel Macron von dort aus. Außerdem gibt es keine zentrale Protestanführung.

Woher ich das kenne?

Jeremy Corbyn aus Großbritanninen läßt grüßen, und die Aufstehen-Bewegung in Deutschland (=unsere angeblichen Gelbwesten, aber Hasenfüße)

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09:53:02 Mi. 05.Dezember 2018
@Kunta: Du hast meine Fragen aus meinem letzten Beitrag noch nicht beantwortet.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 10:22:10 Mi. 05.Dezember 2018
Könnte auch im Amazonthread stehen, passt aber gerade so schön:
Zitat
Nahe Marseille streiken #Amazon-Mitarbeiter*innen - die #Gelbwesten sind dazugestoßen und haben geholfen, das Lagerhaus zu blockieren. Die Gewerkschaften CGT und Force Ouvrière rufen ab Sonntag Fernfahrer*innen zum unbefristeten Streik auf.
https://twitter.com/ElsaKoester/status/1070244525526933509
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 16:46:35 Mi. 05.Dezember 2018
@Kunta: Du hast meine Fragen aus meinem letzten Beitrag noch nicht beantwortet.

Welche denn? Und wo sind die Antworten auf meine Fragen an dich? ;D
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 16:52:03 Mi. 05.Dezember 2018
@Fritz Linow


Zitat
Anmerkung Marco Wenzel: “Abgeordnete Frankreichs, wir übermitteln Ihnen die Direktiven des Volkes, damit Sie diese in Gesetze umsetzen:“, so ein Brief der Gelbwesten an das französische Parlament.

Es folgt eine Liste mit insgesamt 42 (!) Forderungen der „Gelbwesten“ an die Abgeordneten. Diese Forderungen reichen weit über die Senkung des Benzinpreises hinaus, der spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Die Forderungen der Gelbwesten sind klassische Forderungen der Arbeiterbewegung, sozialdemokratische, linke Forderungen: Schluss mit der Austeritätspolitik ist der Tenor, Mindestlohn, Renten, Arbeitslosigkeit, Mietpreise, Steuern, Demokratie, Bildung Obdachlosigkeit und Armut sind die Themen.

Studenten und Betriebsräte landesweit solidarisieren sich spontan und haben auch bereits erste Streiks ausgerufen und durchgeführt. Es riecht nach Klassenkampf.

Die Bewegung selber ist praktisch aus dem Nichts entstanden. Ohne Aufruf der Gewerkschaften, ohne Unterstützung linker Parteien, an ihnen vorbei. Umso unverständlicher und auch entlarvend, wenn die sich jetzt naserümpfend hinstellen und die Bewegung in die rechte Ecke stellen wollen. Gerade die Gewerkschaften und die Parteien der Arbeiterbewegung müssten sich freuen über den unerwarteten Zuspruch zu ihren Forderungen von Seiten einer Massenbewegung und sich ihnen unverzüglich anschließen. Oder sind die Forderungen der Sozialdemokraten und etablierten Gewerkschaften nur Lippenbekenntnis? Stört die Bewegung ihre Politik der Sozialpartnerschaft und Mauscheleien mit den Bossen? Da wird dann auch schnell klar, wer sich schon wie weit von den Arbeitern entfernt hat.

Quelle:

https://www.nachdenkseiten.de/?p=47628#h02 (https://www.nachdenkseiten.de/?p=47628#h02)

Sorry, heute gelesen und sofort hier verlinkt - ohne weiteren Kommentar. ;D

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16:53:27 Mi. 05.Dezember 2018
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=328767.msg343198#msg343198 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=328767.msg343198#msg343198)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 16:55:19 Mi. 05.Dezember 2018
http://www.chefduzen.de/index.php?topic=328767.msg343198#msg343198 (http://www.chefduzen.de/index.php?topic=328767.msg343198#msg343198)

Lassen wir unseren Streit beerdigen? Wie schon erwähnt du hast deine Meinung und ich meine und dabei lassen wir es bewenden.

Gruß und Danke
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 18:26:31 Mi. 05.Dezember 2018
Zitat
Gelbwesten-Anführer: Wir wollen nicht nur Krümel, wir wollen das ganze Baguette

Das sechsmonatige Moratorium der französischen Regierung für die Erhöhung der Kraftstoffsteuer war nicht wirklich das, was die Gelben Westen wollten, erklärt einer der Initiatoren der Proteste. Die Leute wollen "das ganze Baguette, und nicht nur Krümel".

Quelle und kompletter Text:

https://deutsch.rt.com/europa/80476-gelbwesten-anfuhrer-moratorium-fur-kraftstoffsteuer

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 18:44:05 Mi. 05.Dezember 2018
Huhu.. Das war kein Anführer..

Bei den Gelbwesten gibt es noch keine Anführer, sondern nur Leute, die
auch dazu bereit sind Jornalisten Antworten zu geben..
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 18:50:57 Mi. 05.Dezember 2018
Huhu.. Das war kein Anführer..

Bei den Gelbwesten gibt es noch keine Anführer, sondern nur Leute, die
auch dazu bereit sind Jornalisten Antworten zu geben..


Musst RT Deutsch sagen nicht mir - ich sehs wie du. Gruß Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 18:54:41 Mi. 05.Dezember 2018
Dank dem Thinktank aus den USA Atlantic Council erlaube ich mir einen kleinen sarkastischen Scherz:

Doch es gibt einen Anführer den Teufel (=heute auch Putin genannt).

Oops....mir ist gerade eine Gabel heruntergefallen Teufel....äh, Putin aber auch.... ;D

Und wenn mich jetzt jemand ärgert sage ich soll ihn der Putin (altdeutsch Teufel genannt) holen!

hi,hi.... ;D

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 19:16:16 Mi. 05.Dezember 2018
(Vielleicht liegt es an einer Filterblase oder sowas?)

Manchmal sind mir meine Vorahnungen fast schon ein bißchen unheimlich! :o
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 19:30:25 Mi. 05.Dezember 2018
Kunta könnte das ganze mal besser überschlafen und sein Frust mit
Dingen abbauen, die er/sie auch wuppen kann, wie z.B.

https://www.chefduzen.de/index.php?topic=329635.msg343250#msg343250 (https://www.chefduzen.de/index.php?topic=329635.msg343250#msg343250)

Besser sowas, als sich selbst zu verbruzzeln..
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 22:52:55 Mi. 05.Dezember 2018
Zitat
Frankreich - Erfolge der "Gelben Westen" - Ermutigung für Kampf gegen Rechtsentwicklung der Regierungen

Die Bewegung der „Gelben Westen“ in Frankreich - so genannt wegen ihren gelben Warnwesten als Erkennungszeichen - hat einen bedeutenden Erfolg erreicht. Der folgende Bericht stützt sich auf eine Korrespondentin aus Frankreich.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw49/gelbwestenbewegung-stuerzt-macron-regierung-in-offene-politische-krise-jetzt-spricht-das-volk (https://www.rf-news.de/2018/kw49/gelbwestenbewegung-stuerzt-macron-regierung-in-offene-politische-krise-jetzt-spricht-das-volk)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 23:06:34 Mi. 05.Dezember 2018
Zitat
Frankreich - Erfolge der "Gelben Westen" - Ermutigung für Kampf gegen Rechtsentwicklung der Regierungen

Die Bewegung der „Gelben Westen“ in Frankreich - so genannt wegen ihren gelben Warnwesten als Erkennungszeichen - hat einen bedeutenden Erfolg erreicht. Der folgende Bericht stützt sich auf eine Korrespondentin aus Frankreich.

Quelle: https://www.rf-news.de/2018/kw49/gelbwestenbewegung-stuerzt-macron-regierung-in-offene-politische-krise-jetzt-spricht-das-volk (https://www.rf-news.de/2018/kw49/gelbwestenbewegung-stuerzt-macron-regierung-in-offene-politische-krise-jetzt-spricht-das-volk)

Propagandistischer Schwallertext. Problem erkannt, Lösung verfehlt.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 00:13:19 Do. 06.Dezember 2018
... .
Propagandistischer Schwallertext. Problem erkannt, Lösung verfehlt.

Wer hat die "Lösung", wann, wie? Habe dank des Kommentars nix vom Artikel gelesen, dennoch suche ich schon seit langem nach umsetzbaren  Widerstandsmöglichkeiten in Skandinavien.

Weg mit dem "Neoliberalismus"!

MfG

BGS
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 08:59:27 Do. 06.Dezember 2018
Propagandistischer Schwallertext. Problem erkannt, Lösung verfehlt.
Na dann raus mit der Sprache: Was ist denn die Fritz-Linow-Lösung des Problems?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 09:16:49 Do. 06.Dezember 2018
Es gibt keine Fritz-Linow-Lösung, so wenig wie einzig und allein der Aufbau einer revolutionären Partei Perspektiven gibt. Dass sich die ICOR und UPML dann auch noch in die Tradition der Pariser Kommune stellen, halte ich für fragwürdig. Aber wem es gefällt, bittesehr.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 22:48:40 Do. 06.Dezember 2018
Zunächst wäre die Frage zu stellen, mit wem solch eine Transformation zu machen wäre.
Mensch hat nun mal die Eigenheit, bei Macht- oder Geldzuwachs abzudrehen.
Wie soll sowas vermieden werden ? ???
Schon an dieser Frage hängen 98% des Gelingens.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Schluepferstuermer am 10:19:16 Fr. 07.Dezember 2018
Ich glaube sowas wie in Frankreich ist bei uns nicht möglich.

1. Die Medien sind voll des Lobes an Macron. Wer dadeden ist, wird abgestempelt.
2. Politik geht den Meisten, wo vorbei. Es wird nur an Konsum gedacht.

Bsp. Winterschmuck: Auf Mex gesehen, wie Leute preisgeben 50-100€ dafür auszugeben. Eine war dabei und sagte 300€ auszugeben.
Ein Händler wurde gefragt. Er sagte ihn freut dies zwar, aber er stellt sich die Frage, wo ist das Zeug vom letzten Jahr.
Am WE im Xxxlutz gewesen. Eine große Halle mit Schmuck war mit Leuten voll. Die kaufte auch. Was ich am vorbeilaufen an der Kasse sah.

Möbel sind zwar extrem teuer, aber werden von Leuten mit Energielevelaufkleber (wie bei Kühlschränken) auf dem Hirn gekauft. Sonst würde er einen Tischaufsatz (bestehend aus 3 lackierten Sperrholzbretter) für 80€ anbieten. Oder ein minderwertiges Sideboard für 2300€.

Im Saturn (zur Info über ein Kabel am BlackFriday - das vergaß ich ganz) staunte nicht schlecht, wie ca. 100 Leute an der Kasse standen.
Um nicht an der Kasse anzusehen, probiert in Hamburg der Saturn kassenloses bezahlen.


Bei uns haben sie ganz andere Interessen, als auf eine Demo zu stellen. Denn es muß wachsen. Denn nur was wächst, ist lebendig.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11:53:59 Fr. 07.Dezember 2018
Zitat
Ich glaube sowas wie in Frankreich ist bei uns nicht möglich.

1. Die Medien sind voll des Lobes an Macron. Wer dadeden ist, wird abgestempelt.
2. Politik geht den Meisten, wo vorbei. Es wird nur an Konsum gedacht.

Zu 1.: Ja, ich wüsste jetzt auch nicht warum ich gegen Macron in Deutschland auf die Straße gehen sollte ::)
Zu 2.: Würde ich jetzt nicht so pauschal beurteilen wollen, ob Leute die was kaufen kein interesse an Politik haben.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 13:23:30 Fr. 07.Dezember 2018
Zitat
Zu 1.: Ja, ich wüsste jetzt auch nicht warum ich gegen Macron in Deutschland auf die Straße gehen sollte ::)

In Deutschland wurde auch gegen Donald Trump demonstriert/protestiert, warum nicht auch gegen Macron, eines hat diese globalisierte Politik gemein, es trifft keinen falschen. Aber stimmt schon, gegen Presse geschaffene Legenden wie Macron oder Obama wird nicht ernsthaft demonstriert.
Achja, man konsumiert z.B. auch politische Literatur.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13:39:53 Fr. 07.Dezember 2018
Zitat
In Deutschland wurde auch gegen Donald Trump demonstriert/protestiert,...
Weil er in den USA die Steuern erhöhen wollte? Kann ich mich nicht daran erinnern!
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 15:00:56 Fr. 07.Dezember 2018
Zitat
Demonstration gegen Hass und gegen Trump

In Berlin sind am Tag von Donald Trumps Amtseinführung tausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu demonstrieren. Bei der Endkundgebung am Brandenburger Tor versammelten sich vor allem Amerikaner, die mit ihrem neuen Staatsoberhaupt alles andere als zufrieden sind.

https://www.faz.net/aktuell/politik/berlin-demonstration-gegen-hass-und-gegen-trump-14715095.html (https://www.faz.net/aktuell/politik/berlin-demonstration-gegen-hass-und-gegen-trump-14715095.html)

Ok, waren wohl haupsächlich Amerikaner, dennoch, eine Demo in Deutschland gegen Trump.
Die Mineralölsteuerhöhungen waren der Zündfunke, sind aber nicht der alleinige Grund für die Proteste, man sollte das nicht mit aller Gewalt klein machen nur weil der Protest auch unschöne Seiten hat.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 15:04:56 Fr. 07.Dezember 2018
Stimmt! Es gab kleinere Aktionen gegen das TRUMPeltier.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:53:27 Fr. 07.Dezember 2018
...ich wüsste jetzt auch nicht warum ich gegen Macron in Deutschland auf die Straße gehen sollte...

Vielleicht weil das Kapital global operiert und wir uns nicht national spalten lassen sollten.
Bremer Daimlerarbeiter haben bei der letzten französischen Streikwelle mit einem riesigen Transparent vor der Bremer Bürgerschaft ihre Solidarität demonstriert.
Der Kampf gegen's Kapital ist international!
Wenn die französischen Proteste und Aufstände die Pläne des Kapitals erfolgreich durchkreuzen, wird die Politik in Deutschland ihre Selbstherrlichkeit verlieren. Wir werden es zu spüren kriegen. So lange uns in globalisierten Zeiten grenzüberschreitende Kämpfe nicht gelingen, bleiben wir weitgehend wehrlos.

Was die Troika bzw. EU in Griechenland probiert, ist ein Testversuch für ganz Europa. Wenn es uns nicht gelingt, den griechischen Widerstand solidarisch zu unterstützen, wird das griechische Schicksal die Zukunft von uns allen bestimmen.

Internationale Solidarität
sollte keine hohle Floskel sein.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Schluepferstuermer am 18:06:24 Fr. 07.Dezember 2018
Ich meinte so Leute hier, wie den Macron in Frankreich.

Es sind unheimlich Viele, die politische Literatur kaufen. Auch nützt es wenig, wenn diese nicht kpl. gelesen wird. Meistens sind es über 500 Seiten.
Die Meisten lesen gerade 3 Seiten und sind überfordert.
Es wird die Überschrift gelesen und schon meinen Viele alles zu wissen. Je kürzer, umso Bild.
Verstehen ist auch so eine Sache.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: admin am 18:55:10 Fr. 07.Dezember 2018
Können wir mal wieder über Frankreich reden?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 20:03:24 Fr. 07.Dezember 2018
Zitat
Frankreich: Die gelben Westen und die vorrevolutionären Elemente der Situation

Seit dem 17. November hat sich die Situation in Frankreich abrupt geändert. Am Anfang stand der spontane Aufstand eines beträchtlichen Teils der Massen, wie er bisher selten zu beobachten war.

Quelle: https://www.klassegegenklasse.org/frankreich-die-gelben-westen-und-die-vorrevolutionaeren-elemente-der-situation/ (https://www.klassegegenklasse.org/frankreich-die-gelben-westen-und-die-vorrevolutionaeren-elemente-der-situation/)

Danke für die lesenswerten Einschätzungen.

Es gibt scheinbar auch Bewegung bei der angeblichen politischen Richtungslosigkeit.
Zitat
Generell ist die Protestbewegung daran, ihre politische Couleur zu ändern: Gaben am Anfang autofahrende und eher rechtsstehende Gegner hoher Steuern den Ton unter den Gelbwesten an, nehmen heute soziale Forderungen, etwa nach Erhöhung des Mindestlohnes, überhand. Vereinzelt spricht man bereits von „Rotwesten“. Die konservative Zeitung Le Figaro, die am Anfang Feuer und Flamme für die „Steuerrevolte“ gewesen war, berichtet heute einiges distanzierter über die Proteste und hebt die Gewaltexzesse hervor.

So sind es auch politisch eher links stehende Kräfte, die sich den Gelbwesten neu anschließen. Hunderten von Mittelschulen waren am Montag bestreikt. Die Schüler protestieren gegen eine Reform des Universitätseintritts und äußern ihre Solidarität mit den Gelbwesten. Die einst kommunistische Gewerkschaft CGT ruft für den 14. Dezember zu einem Aktionstag auf, um ähnlich wie die Gelbwesten höhere Löhne zu verlangen. Raphaël Glucksmann, Sohn des verstorbenen Philosophen gleichen Namens und Gründer einer neuen Links- und Ökoformation namens „place publique“, meinte in Frankreich mische sich eine soziale und eine Regimekrise. Emmanuel Macron habe die Politik seiner Vorgänger weitergeführt: „Ganze Teile der Bevölkerung wurden ins Elend abgestuft, während sich andere fröhlich bereicherten. Das macht die Lage in Frankreich äußerst gefährlich, weil die Wut heute unkontrollierbar ist.“

Im Internet zirkulieren zum Wochenbeginn gleich drei Aufrufe zum „vierten Akt“, nachdem die drei letzten Samstag in Paris zu Krawallen und landesweit zu Verkehrssperren geführt hatte. Ein Appell ruft zum „Sturm auf die Bastille“ auf. Im Elysée-Palast – der unter Insidern auch „Château“ (Schloss) genannt wird, gerät Macron deshalb unter Zugzwang: Wenn er die Benzinsteuererhöhung bis am Samstag nicht auf Eis gelegt hat, könnte die Lage vollends eskalieren. Elf Treibstofflager waren in Frankreich am Montag blockiert. In der Bretagne wurde Benzin rationiert.
http://www.fr.de/politik/frankreich-macron-sucht-einen-ausweg-aus-der-krise-a-1631964 (http://www.fr.de/politik/frankreich-macron-sucht-einen-ausweg-aus-der-krise-a-1631964)

Beonders erfreulich ist, daß es nicht die Distanzierungen von linker Seite gegeben hat, weil sie von der Bewegung überrascht wurden und sie wenig verstehen.

Ein NDR Journalist kommentierte die momentane Entwicklung damit, daß es Le Pen nicht gelungen sei, den Aufstand für sich zu instrumentalisieren, dazu sei diese Bewegung zu abwehrend allen Stellvertretern, Politikern und Gewerkschaften gegenüber. Die Ablehnung von Stellvertretern und die Führerlosigkeit ist das genaue Gegenteil der #Aufstehen "Bewegung" von Wagenknecht/Lafontaine.

Daß nun weitere soziale Unzufriedenheit, Schülerproteste und Arbeitsniederlegungen und Proteste sich dieser Welle der Sozialen Unruhe anzuschließen, ist eine positive Entwicklung.

In Deutschland ist man scheinbar zu blöd, statt etwas eigenes auf die Beine zu stellen, jammert man lieber herum. Allein die Faschos haben die Gunst der Stunde erkannt, versuchen ihr Süppchen auf den Feuern der Gelbwesten zu kochen. Sie laufen plötzlich mit gelben Westen durch die Gegend.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 22:35:30 Fr. 07.Dezember 2018
Zitat
Vielleicht weil das Kapital global operiert und wir uns nicht national spalten lassen sollten.
Deshalb gehe ich gegen den Kapitalismus auf die Straße, aber nicht gegen einzelne, austauschbare Vertreter. (Macht die Sache einfacher, weil man nicht ständig neue Transpis schreiben muss!)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:34:55 Sa. 08.Dezember 2018
Na, dann hast Du ja nicht viel zu demonstrieren ;), pauschal gegen das System Kapitalismus wird selten demonstriert, es geht meistens um dessen Zähmung und kaum dagegen, leider, oft nur um Vertreter des Elends, deshalb nicht weniger wichtig, es ist der angreifbare Punkt in der Nähe eben die Vertretung, in deren Sinn eine Niederlassung.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:19:35 Sa. 08.Dezember 2018
Zitat
Frankreich mobilisiert 89.000 Polizisten gegen die "Gelbwesten"
http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-proteste-in-frankreich-89-000-polizisten-im-einsatz-a-1242644.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-proteste-in-frankreich-89-000-polizisten-im-einsatz-a-1242644.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 12:09:29 Sa. 08.Dezember 2018
Das letzte Aufgebot?

MfG

BGS
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12:39:51 Sa. 08.Dezember 2018
Zitat
Heftige Zusammenstöße in Paris
https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-frankreich-107.html (https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-frankreich-107.html)


Zitat
Das letzte Aufgebot?
Mal zum Vergleich: Beim G20 in Hamburg waren ca. 30.000 Cops.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 12:48:20 Sa. 08.Dezember 2018
Ich hoffe, dass es den Gelbwesten gelingt, Macron zum Rücktritt zu zwingen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:57:40 Sa. 08.Dezember 2018
Hat schon etwas von Occupy, der Protest ist  nicht durch "Prominente" Vertreter greifbar, die globale neoliberale Macht benutzt diese Un(a)greifbarkeit seit vielen Jahren und der Widerstand verpufft daher regelmäßig, jetzt mal anders herum, großartig.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13:04:11 Sa. 08.Dezember 2018
Hat schon etwas von Occupy, der Protest ist  nicht durch "Prominente" Vertreter greifbar, die globale neoliberale Macht benutzt diese Un(a)greifbarkeit seit vielen Jahren und der Widerstand verpufft daher regelmäßig, jetzt mal anders herum, großartig.


Damit hat man auch niemanden, den man bestechen, verhaften oder unter Druck setzen kann. Also zumindest nicht mit Auswirkungen auf die Aktionsfähigkeit der restlichen Bewegung.

Attac ist ja auch so ein Beispiel. Die haben den Protest kanalisiert und ins leere laufen lassen!

PS:
Livebilder vom Protest:
https://www.rt.com/on-air/445920-yellow-vest-protest-paris/ (https://www.rt.com/on-air/445920-yellow-vest-protest-paris/)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:38:18 Sa. 08.Dezember 2018
Genau! Attac spaltet Proteste und läßt sie ins Leere laufen. Wie aktuell bei den #unteilbar-Protesten geschehen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:39:05 Sa. 08.Dezember 2018
Damit hat man auch niemanden, den man bestechen, verhaften oder unter Druck setzen kann. Also zumindest nicht mit Auswirkungen auf die Aktionsfähigkeit der restlichen Bewegung.

Deshalb war die hieriarchische Struktur der KPD in den frühen 30ern so verheerend. Die Nazis brauchten nur die Köpfe der Organisation zu inhaftieren und machte die Organisation damit handlungsunfähig, denn die Basis hatte es nicht gelernt selbstständig zu kämpfen.

Basisdemokratische Strukturen sind keine Glaubensfrage, sondern in Auseinandersetzungen oftmals entscheidend. Als vor zwei Jahren beim Truckerstreik in Rußland die Vorsitzenden der Fahrerorganisation verhaftet worden sind, hatte es keinerlei Auswirkungen auf den Streik. Die Streikenden brauchten keine Führer.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 21:03:14 Sa. 08.Dezember 2018
Damit hat man auch niemanden, den man bestechen, verhaften oder unter Druck setzen kann. Also zumindest nicht mit Auswirkungen auf die Aktionsfähigkeit der restlichen Bewegung.

Deshalb war die hieriarchische Struktur der KPD in den frühen 30ern so verheerend. Die Nazis brauchten nur die Köpfe der Organisation zu inhaftieren und machte die Organisation damit handlungsunfähig, denn die Basis hatte es nicht gelernt selbstständig zu kämpfen.

Basisdemokratische Strukturen sind keine Glaubensfrage, sondern in Auseinandersetzungen oftmals entscheidend. Als vor zwei Jahren beim Truckerstreik in Rußland die Vorsitzenden der Fahrerorganisation verhaftet worden sind, hatte es keinerlei Auswirkungen auf den Streik. Die Streikenden brauchten keine Führer.

Stimmt. Aber von der KPD wurden nicht nur die Köpfe verhaftet, sondern auch einfache Mitglieder. Was dann übrig war, kämpfte dann unter schwierigsten Bedingungen in tiefer Illegalität ohne Verbindung zur restlichen Partei. Das Buch "So wars damals" handelt von diesem Kampf:
https://neuerweg.de/bucher/so-wars-damals

In D gibt es zwei Probleme:

1. Fehlender Kampfwille der Bevölkerung
2. Fehlende Kampferfahrung

Kämpfen muß man wollen. Dazu muß in D der Individualismus zugunsten eines Geistes der kollektiven Gegenwehr überwunden werden. Kämpfen muß man lernen. Man muß sich anderen kampfwilligen Menschen anschließen, Demokratie lernen und die demokratisch gefällten Kampfentscheidungen dann auf der Straße umsetzen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:22:02 So. 09.Dezember 2018
Kämpfen muß man wollen. Dazu muß in D der Individualismus zugunsten eines Geistes der kollektiven Gegenwehr überwunden werden. Kämpfen muß man lernen.

Danke für deine Einschätzung.

Ich ärgere mich regelmäßig über Beiträge im Forum, die die Möglichkeit zu kämpfen verleugnen.
Man versteckt die eigene Passivität immer hinter den Anderen. Dann ist es "der deutsche Michel", der sich alles gefallen läßt, immer werden Pegida und AfD vorgeschoben, man quatscht von dem Konsum, den die anderen immer nur wollen und daß es uns doch noch viel zu gut gehe.

Blabla. Alles nur Ausreden. Wenn man kämpfen will, findet man auch einen Weg. Man findet auch andere, die die herrschenden Zustände nicht ertragen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10:52:49 So. 09.Dezember 2018
Ich hab mal irgendwo gelesen, das es die Nazis 1933 ziemlich einfach hatten, weil die Polizei in der Weihmarer Republik schon Akten über ihre politischen Gegner angelegt hatte. Klingt für mich plausibel und erinnert mich daran, das es heute auch nicht anders wäre.
Generell dürfte der kommunistische Widerstand durch die Verhaftung ihrer Anfüher doch deutlich geschwächt worden sein.

Ein weiterer Punkt, der auch in der Gegenwart wichtig ist: Ein hierarchies System, wie es ein Staat nunmal ist, weiß, wie er mit anderen hierarchischen Systemen umgehen muss.
Bei basisdemokratischen, füherlosen Strukturen kommen sie da gewaltig ins schwimmen. Man sieht das immer wieder, wenn sie versuchen irgendwelchen Leuten krampfhaft eine "Rädelsführerschaft" vorzuwerfen.

Ich denke das es für eine erfolgreiche Bewegung einige wichtige Aspekte gibt. Völlig unabhängig in welchem Land und ob die jetzt gelbe Westen tragen, rote Fahnen oder schwarze Hoodies:

1. Man braucht einen langen Atem.
Man muss eine Protestbewegung über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten können. Das können Monate oder Jahre sein. (Die Anti- Atomkraft- Bewegung in Deutschland ist 30 Jahre auf die Straße gegangen und hatte das "Glück" das zwei Katasptrophen ihren Forderungen Nachdruck verliehen haben. Und selbt da kam nur ein fauler Kompromiss bei rum und die Dinger laufen immer noch!)

2. Hohe Mobilisationsfähigkeit
Die Zahl der Teilnehmer bei Protesten muss kontinuierlich ansteigen. Wenn der Regierung merkt, das der Widerstand abflaut, sitzen sie es einfach aus.

3. Druck erhöhen
Man muss die Möglichkeit haben, seinen Forderungen noch mehr Nachdruck verleihen zu können. Zum Beispiel indem zu Protesten noch ein Generalstreik kommt.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 10:59:46 So. 09.Dezember 2018
Zitat
Blabla. Alles nur Ausreden. Wenn man kämpfen will, findet man auch einen Weg. Man findet auch andere, die die herrschenden Zustände nicht ertragen.

Kuddel haben mir mit #Aufstehen doch schon, wobei mich wundert warum die ihrem Namen nicht alle Ehre machen? Die Gelbwesten in Frankreich, Belgien (EU-Parlament und Viertel dort von EU-Eliten war angeblich von Gelbwesten belagert)  und Holland (!!!! - der Protest kommt näher) machen es uns doch vor und stehen auf - daher kommt doch der Name #Aufstehen und was macht unser #Aufstehen? ::)  Liegenbleiben?  ::)

Zynischer Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 11:05:42 So. 09.Dezember 2018
Ein Twitter-Spalter und Populist namens Donald Trump - seines Zeichens US-Präsident - hat sich auch schon stolz zu Wort gemeldet und lügt der globalen, medialen Öffentlichkeit etwas vor - Sie haben meinen Namen gerufen die Gelbwesten - We love Donald Trump :o....ja, ja....so geht Spaltung und auch so kann man Gelbwesten- oder auch sonstige Proteste tot machen.

Ich hoffe mal das dieser Spaltungsversuch aus den USA - und von dort ganz Oben - glatt daneben geht.

Dummes TRUMPELtier....

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11:09:56 So. 09.Dezember 2018
"Aufstehen" ist das komplette Gegenteil der "Gelbwesten" in Frankreich. Aber das nur mal am Rande! Also jetzt nicht nur, weil die einen liegenbleiben und die anderen nicht sondern auch, weil "Aufstehen" nicht basisdemokratisch organisiert ist und Anfüher hat.
Und auch, weil "Aufstehen" fast ausschließlich im Internet stattfindet und die "Gelbwesten" im Reallive!
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 11:30:12 So. 09.Dezember 2018
Zitat
"Aufstehen" ist das komplette Gegenteil der "Gelbwesten" in Frankreich. Aber das nur mal am Rande! Also jetzt nicht nur, weil die einen liegenbleiben und die anderen nicht sondern auch, weil "Aufstehen" nicht basisdemokratisch organisiert ist und Anfüher hat.
Und auch, weil "Aufstehen" fast ausschließlich im Internet stattfindet und die "Gelbwesten" im Reallive!

Hast recht - leider. ;) :'(

Zitat
Und auch, weil "Aufstehen" fast ausschließlich im Internet stattfindet und die "Gelbwesten" im Reallive!

#Aufstehen dir Recht geb, aber was "Gelbwesten" angeht nicht ganz - die organisierten sich im Internet und im Reallive - davon könnte #Aufstehen (=Schlafstehen? ;D) noch was lernen.....ansonsten hast völlig recht, und ich bin traurig darüber - zumal der Protest ja näher kommt Frankreich, Belgien und Hollland (?!!!Holland. Die angeblich glücklichen Niederlande? 8o, ja hast richtig gelesen....)

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: tleary am 11:37:06 So. 09.Dezember 2018
Steuersenkung ist nicht so mein Ding.
Diese Forderung nach Steuersenkungen sind dann gerechtfertigt, wenn sie die indirekten Steuern (wie die Mineralöl-, Tabak- und Mehrwertsteuer) meinen. Denn das sind Steuerarten, die vor allem die unteren Einkommensschichten überproportional hart treffen, und diese gezielt finanziell ausbluten lassen. Ganz einfach weil keine Rücksicht darauf genommen wird, ob derjenige überhaupt in der Lage ist, sie zu zahlen. Ein Armer z.B. müsste komplett von den indirekten Steuern befreit sein. - Natürlich Wunschdenken und nicht praktikabel. => Deshalb gleich Abschaffung der indirekten Steuern fordern! Und im Gegenzug (und das ist ein Muß!) die direkten Steuersätze (Einkommen- und Körperschaftsteuer) radikal hochsetzen, wie das auch schon in den 70er Jahren teilweise so war (mit 56 % Steuersatz, heute nur noch 40 %). Oder meinetwegen gleich 70 %. Denn die, die ein solch hohes Einkommen haben, erwirtschaften es sowieso zum größten Teil über die Ausbeutung der Arbeitskraft der anderen.

Aber gut, die ganzen Forderungen nach Steuersenkungen sind Realpolitik, und dürfen nur der Anfang sein. Letztenendes geht es um die Befreiung von Unterdrückung und Ausbeutung durch Staat & Kapital, und da helfen Forderungen auf Nichterhöhung der Steuern, also nur daß es nicht noch schlimmer wird, auch nicht viel. Wobei es natürlich ein wichtiger erster Schritt ist, zum einen weil er konkret ist, und bei Erfolg wie in Frankreich der Protestbewegung auch weiteren Auftrieb gibt.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 11:43:16 So. 09.Dezember 2018
Vielleicht sollte hier mal jemand die Forderungen der Gelbwesten posten (insofern bereits geschehen und ich überlesen sorry für)?

 Ich habe gestern mal kurz davon gehört, und was die ganz konkret fordern kannst tatsächlich 1:1 auf Deutschland (oder jedes andere Land der EU - deswegen greift der Protest jetzt über Belgien auf Holland über) übertragen und ich denke die basisdemokratisch entstandenen Forderungen sind nicht in Stein gemeißelt da gibt es bestimmt noch Änderungen an den Forderungen von denen alle (auch Migranten, soviel zur Behauptung der angeblchen Rechtslastigkeit der Gelbwesten) profitieren würden.

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11:55:08 So. 09.Dezember 2018
Zitat
Steuersenkung ist nicht so mein Ding.
Die Forderung nach Steuersenkungen ist eher so ein wirtschaftsliberales Ding. Da hätte man dann auch schnell die FDP und den Merz auf seiner Seite.
Da sollte man lieber "Steuergerechtigkeit" fordern.
Es ist schon schwer zu vermitteln, wenn der Staat die Vermögenssteuer abschafft und dann eine "Ökosteuer" auf Mineralöl einführt! (Das war in D übrigens auch so).

@Kunta: Du wohnst doch da in Grenznähe, wenn ich das richtig gelesen habe. Kannst du französich?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 12:48:20 So. 09.Dezember 2018
Kleiner Bericht, wie die Proteste Auswirkungen auf die anfälligen Lieferketten und die Produktion in England haben:
Zitat
3.12.18
The Yellow Vests’ protests cause traffic jams in west-London warehouses
(...)
Only when things (or workers!) don’t work, we realise how we are all connected...
http://libcom.org/blog/yellow-vests-protests-cause-traffic-jams-west-london-warehouses-03122018 (http://libcom.org/blog/yellow-vests-protests-cause-traffic-jams-west-london-warehouses-03122018)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 13:43:14 So. 09.Dezember 2018
Zitat
@Kunta: Du wohnst doch da in Grenznähe, wenn ich das richtig gelesen habe. Kannst du französich?

@Rudolf Rocker

1. Ja, aber südliches Elsass (Protest? Wo?) ::)

2. Nein nie gelernt, trotz grenznähe - wir haben hier auf meiner Schulform Hauptschule lieber jahrelang Englisch gelernt wie überall sonst auch *fremdschäm*

Einziges was mir hier auffällt die Fabrikschlote im direkt benachbarten Rhein-Seiten-Kanal (der Kanal zieht sich von Basel/Schweiz bis Breisach am Rhein/Nef Brisach in Frankreich) schloten heute nicht (Streik?) und - was auch interessant wäre zumal ich in eine deutsch-französischen Fabrik in 3er-Schicht gearbeitet habe, vor ein paar Jahren, wie ticken die Leute dort oder überhaupt in deutsch-französischen Unternehmen beiderseits der Grenze?

Hört kein Elsässer gerne, weil sie sich heute als Franzosen sehen und der leidvollen wechselhaften Geschichte des Elsass, aber etwas von der deutschen Mentalität scheint hängen geblieben zu sein  :( :o

 :rolleyes: Sorry mir ist gerade noch eingefallen bevor ich mich aus dem virtuellen Leben verabschiede für heute das dies auch eine interessante Frage überhaupt wäre - wie sieht die Lage an der deutsch-französischen Grenze aus, oder in deutsch-französischen Unternehmen? Wenn der Protest von Belgien auf die Niederlande überspringt hat das doch sicher auch etwas damit zu tun das beide Länder Nachbarn von Frankreich sind - oder sich mit Franzosen austauschen (egal wo).

Gruß und schönen 2ten Adventsfeiertag noch
Kunta

PS: Gerade habe ich gelesen, dass der französische Innenminster verbreitete 1.700 Gelbwesten sind in Polizeigewahrsam (dazu zwei Anmerkungen - die französische Polizei gliedert sich in Gendarmerie - ohne Streikrecht - und andere Polizei, die ja streiken soll....tja, die Gendarmerie hat also voll zugeschlagen - in Paris und andernorts in Frankreich).
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 14:55:23 So. 09.Dezember 2018
Zitat
Sorry mir ist gerade noch eingefallen bevor ich mich aus dem virtuellen Leben verabschiede für heute das dies auch eine interessante Frage überhaupt wäre - wie sieht die Lage an der deutsch-französischen Grenze aus, oder in deutsch-französischen Unternehmen?
Das war eigentlich der Hintergedanke meiner Frage, das du vielleicht mal über die Grenze hüpfst und mal nachfragst, wie die Menschen dort die Lage sehen.
Wird aber ohne Französisch schwierig, weil erfahrungsgemäß die meisten Franzosen nur französich sprechen (wollen). Vielleicht sieht das im Grenzgebiet etwas besser aus?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 15:00:57 So. 09.Dezember 2018
Zitat
Das war eigentlich der Hintergedanke meiner Frage, das du vielleicht mal über die Grenze hüpfst und mal nachfragst, wie die Menschen dort die Lage sehen.
Wird aber ohne Französisch schwierig, weil erfahrungsgemäß die meisten Franzosen nur französich sprechen. (wollen)

Auf den Gedanken bin ich auch schon gekommen aber hast recht ohne Sprachkenntnisse wird das schwierig. Und was die Franzosen angeht, die Alteingesessenen werden auch im Elsass seltener (oft hatten die alten Leute den selben allemannischen Dialekt wie wir hier), dazu kommt noch, wegen der Industrie, es gibt immer mehr Zugezogene (auf deutscher Seite selbes Problem, aber in Frankreich geht eben gleich eine ganz eigene Dialektform und Sprache verloren - das Elsässerdeutsch wird zu Französisch)

Zitat
Vielleicht sieht das im Grenzgebiet etwas besser aus?

Nein, leider nein. :'(

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 15:47:18 So. 09.Dezember 2018
Zitat
Zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 06. Dezember 2018 12:55
Veröffentlicht: Donnerstag, 06. Dezember 2018 12:55
Geschrieben von Jürgen Meyer

Manifest: Die Forderungen der Gelbwesten im Wortlaut

Quelle und ganzer, sehr aufschlussreicher Text hier:

http://internetz-zeitung.eu/index.php/5030-manifest-die-forderungen-der-gelbwesten-im-wortlaut (http://internetz-zeitung.eu/index.php/5030-manifest-die-forderungen-der-gelbwesten-im-wortlaut)

Hier hat sich jemand die Mühe der Übersetzung gemacht und ist ein Zufallsfund von etwas, dass ich schon auf Youtube im Wortlaut gehört habe, die Übersetzung ist also korrekt und sonst kein weiterer Kommentar dazu.

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 15:58:55 So. 09.Dezember 2018
Ich wußte es doch *Sarkasmus* der Russe steckt hinter den Gelbwesten ::)

Nein, glaubt ihr nicht - Guckt selber:

https://de.sputniknews.com/politik/20181209323230074-russland-paris-proteste

Ich selber sehe sputnik.news auch kritisch, aber dem ukrainischen Geheimdienst, der einmal sogar einen Mord vorgetäuscht hat (lange vor dem Fall Kashoggi), und auch sonst sehr einseitig und dilettantisch, agiert glaube ich kein Wort.

Das ist übrigens ein anderer Artikel wo Trump bzw. die Amis dahinter stecken soll:

https://de.sputniknews.com/politik/20181209323229749-proteste-aussenminister-le-drian-frankreich-trump-einmischung

Verrückte Sache das ;D

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 19:26:57 So. 09.Dezember 2018
Die Gelben Westen von Saint-Nazaire, die seit dem 17. November die Werft von Saint-Nazaire blockieren, haben am 20. November einen Aufruf lanciert. Mit dem Aufruf mobilisieren sie für eine Bürger_innenversammlung bei der zusammen die "ökologischen, menschlichen und sozialen Probleme" diskutiert werden sollen und dafür in ganz Frankreich die Wirtschaft zu blockieren.

Die Gruppe, die die Blockade organisiert besteht zum Teil aus Werftarbeiter_innen. Mit ihrem Aufruf gaben sie ein politisches Statement ab, das weit über Saint-Nazaire hinaus gehört wurde (das Video hatte über 1 MIllion Views bei Facebook) und in dem sie ihre Sicht auf die Bewegung klar machten: "Die Lösung liegt in uns selbst. In uns Arbeiter_innen, Erwerbslosen, Rentner_innen jeglicher Herkunft und Hautfarbe."

Diese Gruppe wird seit kurzem von CGT-Mitgliedern in der Werft unterstützt.

Die Bewegung der Gelben Westen gehört keiner bestimmten politischen Strömung an und ist extrem vielfältig. Manche Elemente der extremen Rechten sind in der Bewegung präsent. Seit die Bewegung gewachsen ist, wurden sie jedoch zu einer klaren Minderheit. (Das gilt zumindest für Frankreich. - In den angrenzenden Ländern, besonders in der BRD, mag das ganz anders aussehen). Nachdem die Regierug am 5. Dezember angekündigt hatte, dass die Erhöhung der Mineralölsteuer zurücknehmen werde, zogen sich die neoliberalen Teile der Bewegung, denen es v.a. um Steuern und eine flexiblere Wirtschaft gegangen war, langsam zurück. Die meisten Forderungen beziehen sich jetzt auf die Erhöhung des MIndestlohnes, den Rücktritt von Prösident Macron und die Demokratisierung der Institutionen.

Zum Video: https://de.labournet.tv/aufruf-der-gelben-westen-von-saint-nazaire​
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 20:01:46 So. 09.Dezember 2018
Gleich 2 Meldungen die sogar mir neu waren *fremdschäm*:

Zitat
Arbeiter gegen Orban - Ungarn: Großkundgebung der Gewerkschaften gegen »Sklavengesetz«. Straßensperren im ganzen Land geplant

Ungarns Gewerkschaften machen Stimmung gegen eine von der Regierung vorgesehene Novelle des Arbeitsgesetzes: Am Samstag haben sich laut Veranstaltern mehr als zehntausend Menschen am Jaszai-Platz versammelt und sind dann bis zur Alkotmany-Straße in der Nähe des Parlaments gezogen, um gegen das sogenannte Sklavengesetz zu demons­trieren. In Anlehnung an die Proteste in Frankreich trugen einige der Demonstranten gelbe Westen.

Quelle und ganzer Text:

https://www.jungewelt.de/artikel/345098.ungarn-arbeiter-gegen-orban.html (https://www.jungewelt.de/artikel/345098.ungarn-arbeiter-gegen-orban.html)

und das - aus dem nahen Elsass *doppelfremdschäm* - doch Protest Gelbwesten an deutsch-französischer Grenze, sogar in Colmar und in Straßburg:

http://www.badische-zeitung.de/der-protest-der-gelbwesten-geht-auch-im-elsass-in-die-vierte-runde (http://www.badische-zeitung.de/der-protest-der-gelbwesten-geht-auch-im-elsass-in-die-vierte-runde)

Tja, so kann Kunta sich irren  ::)

Gruß
Kunta


Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 20:02:33 So. 09.Dezember 2018
Zum Video: https://de.labournet.tv/aufruf-der-gelben-westen-von-saint-nazaire​

Das Video scheint nicht mehr online zu sein:

"labournet tv
The requested page "/aufruf-der-gelben-westen-von-saint-nazaire%E2%80%8B" could not be found."
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 20:17:17 So. 09.Dezember 2018
Der Link in MOCS Beitrag ist kaputt, wenn man nur den Linktext kopiert geht es.
https://de.labournet.tv/aufruf-der-gelben-westen-von-saint-nazaire
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 20:24:36 So. 09.Dezember 2018
Hier sind nochmal die Forderungen der Gelbwesten:
Zitat
Montag, 03. Dezember 2018, 20:00 Uhr
~5 Minuten Lesezeit

Tage des Zorns

Den französischen „Gelbwesten" ist der Kragen geplatzt.

von Rubikons Weltredaktion
Foto: Guenter Albers/Shutterstock.com


Die Forderungen der „Gelbwesten“ gehen nun offiziell über die bloße Frage der Treibstoffpreise hinaus. In einem langen, der Presse und den Abgeordneten übermittelten Kommuniqué, das in den französischen Medien breite Beachtung fand und das Rubikon hier abdruckt, listen sie eine Reihe von Forderungen auf, die sie erfüllt haben möchten.


Abgeordnete Frankreichs, wir übermitteln Ihnen die Direktiven des Volkes, damit Sie diese in Gesetze umsetzen.

Abgeordnete, verschaffen Sie unserer Stimme Gehör in der Nationalversammlung!

Folgen Sie dem Willen des Volkes! Setzen Sie diese Direktiven durch:

- Null Obdachlosigkeit: DRINGEND.

- Mehr Progression bei der Einkommenssteuer, das heißt, mehr Stufen.

- Mindestlohn von 1.300 Euro netto.

- Förderung der kleinen Geschäfte in den Dörfern und Stadtzentren. Einstellung des Baus von großen Einkaufszentren um die Großstädte herum, die den Einzelhandel abwürgen, und mehr kostenlose Parkplätze in den Stadtzentren.

- Isolierung von Wohnungen im großen Maßstab, um die Ökologie mit Einsparungen in den Haushalten voranzubringen.

- Steuern: die GROSSEN (McDonald´s, Google, Amazon, Carrefour ...) sollen GROSS zahlen und die Kleinen (Handwerker, Klein- und Mittelbetriebe) zahlen KLEIN.

- Ein einheitliches System der Sozialversicherung für alle (Handwerker und kleine Selbständige eingeschlossen). Abschaffung der Selbständigen-Sozialversicherung (RSI).

- Das Rentensystem muss solidarisch bleiben und demzufolge vergesellschaftet werden. Keine Rente nach Punkten.
- Schluss mit der Erhöhung der Treibstoffsteuer.

- Keine Rente unter 1.200 Euro.

- Jeder gewählte Abgeordnete hat das Recht auf den Medianlohn. Seine Reisekosten werden überwacht und, soweit begründet, erstattet. Recht auf Restaurant- und Urlaubsgutscheine.

- Die Löhne aller Franzosen sowie die Renten und Leistungen sind entsprechend der Inflation zu indexieren.

- Schutz der französischen Industrie: Verbot von Verlagerungen. Schutz unserer Industrie bedeutet Schutz unseres Know-hows und unserer Arbeitsplätze.
- Schluss mit der Arbeitnehmerentsendung. Es ist nicht normal, dass jemand, der auf französischem Territorium arbeitet, nicht den gleichen Lohn und die gleichen Rechte erhält. Jede Person, die autorisiert ist, auf französischem Territorium zu arbeiten, ist einem französischen Staatsbürger gleichzustellen und ihr Arbeitgeber muss für sie die gleichen Abgaben entrichten wie ein französischer Arbeitgeber.

- Zur Sicherung der Beschäftigung: Befristete Arbeitsverträge in großen Unternehmen stärker begrenzen. Wir wollen mehr unbefristete Verträge.

- Abschaffung der „Steuergutschrift für die Förderung des Wettbewerbs und der Beschäftigung“, CICE (1). Nutzung dieser Gelder zur Förderung einer französischen Wasserstoffauto-Industrie (wirklich ökologisch, anders als Elektroautos).

- Ende der Austeritätspolitik. Einstellung von Zinszahlungen auf illegitim eingeschätzte Schulden und Beginn der Schuldentilgung – ohne auf das Geld der Armen und weniger Armen zurückzugreifen, sondern durch Aufspüren der 80 Milliarden an Steuerhinterziehungen.

- Abstellung der Ursachen für erzwungene Migration.

- Korrekte Behandlung von Asylbewerbern. Wir schulden ihnen Wohnraum, Sicherheit, Ernährung sowie Bildung für die Minderjährigen. Zusammenarbeit mit der UNO zur Einrichtung von Empfangslagern in zahlreichen Ländern der Welt in Erwartung des Ergebnisses des Asylverfahrens.

- Rückführung abgelehnter Asylbewerber in ihr Ursprungsland. Umsetzung einer tatsächlichen Integrationspolitik. In Frankreich zu leben heißt, Franzose/Französin zu werden – Französisch-Kurse, Kurse in französischer Geschichte und in staatsbürgerlicher Bildung mit Abschlusszeugnis am Ende der Kurse.

- Festlegung eines Maximallohns von 15.000 Euro.

- Schaffung von Arbeitsplätzen für Arbeitslose.

- Erhöhung der Leistungen für Personen mit Behinderungen.

- Begrenzung der Mieten. Mehr Wohnungen mit gemäßigten Mieten – insbesondere für Studenten und prekär Beschäftigte.

- Verbot des Verkaufs von Grundstücken und Einrichtungen, die sich im Eigentum Frankreichs befinden – Talsperren, Flughäfen und so weiter.
 
- Konsequente zur Verfügung Stellung von Mitteln für Justiz, Polizei, Gendarmerie und Armee. Bezahlung oder Freizeitausgleich von Überstunden der Ordnungskräfte.

- Einsatz aller Mauteinnahmen für den Unterhalt der Autobahnen und Landstraßen Frankreichs sowie für die Straßenverkehrssicherheit.

- Da die Gas- und Strompreise seit der Privatisierung gestiegen sind, wünschen wir, dass beides wieder in die öffentliche Hand kommt und die Preise entsprechend gesenkt werden.

- Sofortiger Stopp der Einstellung kleiner Bahnstrecken, der Abschaffung von Postämtern und der Schließung von Schulen und Entbindungsstationen.

- Wohlergehen für ältere Menschen. Verbot der Gewinnerzielung auf Kosten älterer Menschen. Statt „Graues Gold“ „Graues Wohlergehen“.

- Maximal 25 Schüler pro Klasse von der Vorschule bis zur Abschlussstufe.

- Bereitstellung notwendiger Mittel für die Psychiatrie.

- Volksentscheide sind in die Verfassung aufzunehmen. Schaffung einer lesbaren und effizienten Website, überwacht durch ein unabhängiges Kontrollorgan, auf der Menschen Gesetzesvorschläge einbringen können. Wenn ein solcher Vorschlag 700.000 Unterschriften erhält, ist er von der Nationalversammlung zu diskutieren, zu ergänzen und gegebenenfalls mit Änderungsvorschlägen zu versehen. Die Nationalversammlung ist zu verpflichten, ihn – ein Jahr nach dem Stichtag der Erlangung der 700.000 Unterschriften – der Gesamtheit der Franzosen zur Abstimmung vorzulegen.

- Rückkehr zu einem 7-Jahres-Mandat für den Präsidenten der Republik. Die Wahl der Abgeordneten zwei Jahre nach der Wahl des Präsidenten wird dem Präsidenten der Republik ein positives oder negatives Signal hinsichtlich seiner Politik übermitteln. Dies wird dazu beitragen, der Stimme des Volkes Gehör zu verschaffen.

- Rente mit 60 Jahren. Recht auf Rente mit 55 Jahren für alle Personen, die schwer körperlich arbeiten – beispielsweise Maurer oder Schlachthausarbeiter.

- Verlängerung des Systems der Zuschüsse für Kinderbetreuung (Pajemploi) über das 6. Lebensjahr hinaus bis zum 10. Lebensjahr des Kindes.

- Förderung des Schienengütertransports.

- Kein Quellensteuerabzug.

- Schluss mit den lebenslangen Bezügen für Altpräsidenten.

- Verbot der Erhebung einer Gebühr von Händlern für die Zahlung per Kreditkarte durch deren Kunden.

- Besteuerung von Schiffsdiesel und Kerosin


(1) [url]https://de.ambafrance.org/Der-Pakt-fur-Wachstum]https://de.ambafrance.org/Der-Pakt-fur-Wachstum](1) [url]https://de.ambafrance.org/Der-Pakt-fur-Wachstum (http://(1) [url=https://de.ambafrance.org/Der-Pakt-fur-Wachstum)[/url]

Quelle: https://www.rubikon.news/artikel/tage-des-zorns (https://www.rubikon.news/artikel/tage-des-zorns)


MfG + friedlichen Abend noch

BGS
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 12:52:39 Mo. 10.Dezember 2018
Zitat
Thomas Ostermeier zu Gelbwesten - „Wir als Linke haben uns das selber zuzuschreiben“

Thomas Ostermeier im Gespräch mit Vladimir Balzer

Trotz Chaos und Gewalt erfährt die Gelbwesten-Protestbewegung viel Unterstützung in Frankreich – auch von Intellektuellen. Der Theaterregisseur Thomas Ostermeier beobachtet die Proteste derzeit aus nächster Nähe und hat Verständnis für den Unmut.

Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/thomas-ostermeier-zu-gelbwesten-wir-als-linke-haben-uns-das.1013.de.html?dram%3Aarticle_id=435279 (https://www.deutschlandfunkkultur.de/thomas-ostermeier-zu-gelbwesten-wir-als-linke-haben-uns-das.1013.de.html?dram%3Aarticle_id=435279)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:56:42 Di. 11.Dezember 2018
Frankreich:
Erhöhung der Mindestlohns – Macrons Nepp / Streiktag am 15.12.2018 / Demos am 16.12.2018


Macrons Ankündigung der Erhöhung des Mindestlohns um 100 EUR pro Monat ohne Mehrkosten für den Arbeitgeber ist eine bewußte Täuschung und verbirgt eine ganz andere Wirklichkeit. Der Mindestlohn erfährt keinen Anschub: Die vorgesehene gesetzliche Aufwertung von 1,8% (ca. 20 EUR) erlaubt die angekündigte Erhöhung um 100 EUR. Die Lohnzulage ist eine Sozialleistung, finanziert von den Beitragszahlern und erfährt eine Aufwertung von lediglich 3% in 2019 und 2020. Sie wird bei den Sozialversicherungsbeiträgen nicht berücksichtigt und trägt, anders als bei echten Lohnerhöhungen, nicht zur Berechnung des Rentenniveaus bei. Macrons Antworten sind nichts weiter als Krümel und Sand in die Augen. Keine überraschende Feststellung. Die Mobilisierungen müssen also verstärkt und zielgerichtet auf soziale und steuerliche Gerechtigkeit gelenkt werden. Deshalb unterstützt die Gewerkschaft die Mobilisierung der Jugend und ruft dazu auf, den Freitag, 14. Dezember zum berufsübergreifenden Streiktag zu machen, und der Mobilmachung der Gelbwesten am Samstag, 15. Dezember zu folgen.

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/12/sud_151218.jpg)

http://www.labournet.de/?p=141387 (http://www.labournet.de/?p=141387)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:20:21 Di. 11.Dezember 2018
Ich hoffe das sich die Leute nicht von diesen lächerlichen "Zugeständnissen" verarschen lassen!
Und in Deutschland kann man dann so einen Schwachsinn lesen wie:
Zitat
Macron ist mit seinen Zugeständnissen bis an die Schmerzgrenze gegangen
Jetzt schon?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:32:55 Di. 11.Dezember 2018
"Aufstehen" ruft für den 15.12.18 nach München zu einer Soli-Demo:
https://jetzt.aufstehen.de/page/-/Bayern/Flyer_Demo_Muenchen_15_12.pdf
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 17:25:39 Di. 11.Dezember 2018
Danke für den Hinweis, aber ich frage mich ob da Leute kommen denn die #Aufstehen macht den Fehler nicht alle Forderungen der Gelbwesten 1:1 auf Deutschland zu übertragen - als selbst betroffener Angehöriger einer schwerstkranken - mit Demenz und Parkinson - pflegebedürftigen Mutter -  vermisse ich insbesonders diese Forderung - neben anderen die nicht übernommen worden sind von #Aufstehen - schmerzlich:

Zitat
Wohlergehen für ältere Menschen. Verbot der Gewinnerzielung auf Kosten älterer Menschen. Statt „Graues Gold“ „Graues Wohlergehen“.

z.B. wäre schon ein Anfang damit gemacht zu fordern, dass niemand Privatinsolvenz anmelden muss, oder Grund und Besitz oder Haus und Hof verkaufen muss nur um die Pflege seiner alt, und schwerst krank gewordenen Angehörigen, damit zu finanzieren: Niemand ist schuld daran alt und krank zu werden und gehört dafür auch nicht bestraft und es kann jedem einmal so gehen, die Einsicht fehlt vielen Leuten in .de.

Und osteuropäische Pflegehilfskräfte sollten denselben Lohn erhalten wie deutsche Pflegekräfte in Privathaushalten....und die volle Finanzierung sollte gesichert sein, und die Anerkennung der Leute die sich 24-h voll  in der Schwerstpflege einsetzen sollte auch da sein, ebenso wie psychische Hilfe sollte es seelische Probleme geben (denn die 24stündige Pflege ist nervenaufreibend für Angehörige und Helfer und man ist oft damit ganz alleine gelassen, weil Egozombies bestimmen und nicht solidarische Leute).

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 17:57:11 Di. 11.Dezember 2018
Ich hoffe das sich die Leute nicht von diesen lächerlichen "Zugeständnissen" verarschen lassen!
Und in Deutschland kann man dann so einen Schwachsinn lesen wie:
Zitat
Macron ist mit seinen Zugeständnissen bis an die Schmerzgrenze gegangen
Jetzt schon?

Vielleicht sollten eventuelle deutsche Gelbwesten erst einmal die Medien belagern und übernehmen - für korrekte und ideolgiefreie Berichterstattung - da könnte man ja noch was von den Ostdeutschen lernen, die die DDR vom SED-Regime befreit haben. Obwohl? Grübel, denk: Eigentlich sogar von allen Aufstandsbewegungen damals in der UDSSR bzw. dem Warschauer Pakt - erst die Medien übernehmen und dann die Macht - Übrigens mir ist die geschichtliche Ironie in meinen Gedanken schon klar ;D
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 09:50:52 Mi. 12.Dezember 2018
Liebe Forengemeinde,

ich verabschiede mich jetzt für einige Zeit hier, als Beobachter werde ich wohl ab und an vorbeischauen, für eurer Unterstützung und Hilfe bedanke ich mich noch einmal sehr, und wünsche meinen Unterstützern hier, egal bei welchen Problemen, wo sie mir sehr hilfreich beistanden, alles Gute.

Man unterstellt mir etwas was ich nicht bin, und diesen Leuten sage ich fasst euch erst mal an eure eigene Nase bevor ihr fremden Leuten, die ihr nicht im richtigen Leben kennt, und die antifaschistisch eingestellt sind, wie ihr hier, mit an den Haare herbeigezogenen Queerfront-Vorwürfen bzw. -Verdächtigungen kommt, und diese so tief verletzt, dass diese nun aus diesem Forum, nicht für immer, aber für eine gewisse Zeit, ins Real Life verschinden, dennoch auch meinen Schädigern hier alles Gute.

Mit freundlichen, basisdemokratischen Grüßen und euch noch schöne Weihnachtsfeiertage und einen Guten, friedlichen Rutsch ins neue Jahr 2019 wünschend
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:53:06 Mi. 12.Dezember 2018
Zitat
Frankreich demonstriert, Deutschland lamentiert

Frankreich wird von den größten Sozialprotesten seit Jahren überrollt und Deutschlands Linke ist zutiefst verunsichert, wie man nun darauf reagieren sollte. Parteichef Riexinger macht sich vor allem Sorgen um das „Potenzial Ultrarechter in den Reihen der Bewegung“ und wittert eine Querfront, die in Deutschland „so nicht denkbar wäre“. Die Linke sollte aufpassen, dass sie vor lauter Lamentieren und Distanzieren das Demonstrieren nicht vergisst. Denn ansonsten werden die kommenden Sozialproteste ohne sie stattfinden. Von Jens Berger.
...

Zitat von: Pamela Anderson
Ich verachte Gewalt … aber was ist die Gewalt all dieser Menschen, was sind die verbrannten Luxusautos, verglichen mit der strukturellen Gewalt der französischen und globalen Eliten? Anstatt sich von den Bildern der Brände hypnotisieren zu lassen, müssen wir fragen, wo das alles herkommt.
Und die Antwort lautet: Es kommt von der wachsenden Kluft zwischen der städtischen Elite und den ländlichen Armen, zwischen der von Macron repräsentierten Politik und den 99 Prozent, welche unter der Ungleichheit leiden – nicht nur in Frankreich, sondern überall auf der Welt.

Audio: https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/181206_Frankreich_demonstriert_Deutschland_lamentiert_NDS.mp3 (https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/181206_Frankreich_demonstriert_Deutschland_lamentiert_NDS.mp3)
Quelle: NDS (https://www.nachdenkseiten.de/?p=47676)

Ich sehe Wagenknecht/Lafontaine nicht so ablehnend wie einige hier bei CD, aber dieser komplett kritiklose Umgang einer angelich kritischen Seite ist befremdlich, alles wird penibel kritisch beleuchtet, bei Wagenknecht/Lafontaine sind die Lampen aus oder kaputt.
Aber egal, die französischen Proteste aus deutsch politischer Sicht betrachtet finde ich treffend, bei uns verderben viel zu viele Köche, all diejenigen die die absolute Wahrheit pepachtet haben, jeden Brei.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:26:37 Mi. 12.Dezember 2018
Zitat
Die Linke sollte aufpassen, dass sie vor lauter Lamentieren und Distanzieren...
Ich habe die ganze Zeit davor gewarnt, sich von der Bewegung zu distanzieren, trotz offensichtlicher Widersprüche unter Teilnehmern und Forderungen.

Zitat
Parteichef Riexinger macht sich vor allem Sorgen um das „Potenzial Ultrarechter in den Reihen der Bewegung“...
Es ist ein guter Grund, sich Sorgen zu machen und es muß diskutiert werden.
Ich halte es für einen Fehler, dieses Thema unter den Teppich zu kehren.

Ich fand die Diskussion in diesem Thread vor Kuntas Ergüssen recht differenziert und hilfreich.

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12:01:11 Mi. 12.Dezember 2018
Zitat
Parteichef Riexinger macht sich vor allem Sorgen um das „Potenzial Ultrarechter in den Reihen der Bewegung“...
Sich Sorgen zu machen heißt ja nicht, das er die "Gelbwesten" ablehnt. Ich mache mir auch Sorgen darüber und lehne die Bewegung trotzdem nicht ab.
Zu behaupten, die Faschisten würden nicht versuchen einen Fuss in die Bewegung zu bekommen wäre einfach gelogen. Das versuchen die bei nahezu jeder Bewegung.
Meine Aufgabe als Antifaschist ist es, dagegen zu intervenieren! Und das auch mit der notwendigen Kritik an den Bewegungen (nicht nur die Gewlbwesten) wenn sie sich rechtsoffen zeigen oder das Problem nicht erkennen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:19:59 Fr. 14.Dezember 2018
Die Bewegung der Gelbwesten hat erstaunliche Folgen. Der Kampf wird mit ungewöhnlicher Heftigkeit geführt, die Auseinandersetzung berührt die Wirtschaft und hat scheinbar Auswirkungen rund um den Globus...

Zitat
Mehr als 1.700 Festnahmen am Samstag

Den vierten Samstag in Folge hatte es in Frankreich schwere Ausschreitungen gegeben. Die Polizei setzte in mehreren Städten Tränengas ein. In Paris zündeten Randalierer einzelne Autos an und versuchten, Barrikaden zu errichten. Die Sicherheitskräfte setzten zum Teil Wasserwerfer gegen sie ein. In der Hauptstadt waren auch gepanzerte Fahrzeuge unterwegs.
https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_84917008/-gelbwesten-proteste-in-frankreich-emmanuel-macron-kuendigt-erklaerung-an.html (https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_84917008/-gelbwesten-proteste-in-frankreich-emmanuel-macron-kuendigt-erklaerung-an.html)

Zitat
Sechster Toter bei Gelbwesten-Protesten

Ein 23 Jahre alter Aktivist wurde in der Nähe von Avignon an einem Kreisverkehr von einem Laster erfasst.


Es handelt sich um den sechsten Toten seit Beginn der Gelbwesten-Proteste vor rund einem Monat. Vier Aktivisten kamen ebenfalls bei Verkehrsunfällen ums Leben, eine weitere Aktivistin wurde in Marseille von einer Tränengasgranate verletzt und starb später im Krankenhaus.
https://www.welt.de/politik/ausland/article185450848/Gelbwesten-Sechster-Toter-bei-Protesten.html (https://www.welt.de/politik/ausland/article185450848/Gelbwesten-Sechster-Toter-bei-Protesten.html)

Zitat
"Eine Katastrophe für unsere Wirtschaft"

Die Gewalt sei "eine Katastrophe für den Handel und für unsere Wirtschaft", sagte er.

Es war bereits der vierte Protest-Samstag in Folge. Frankreichs Einzelhändler beklagen schon jetzt Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe. Viele Geschäfte hatten geschlossen und ihre Schaufenster aus Angst vor Plünderungen verrammelt.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/gelbwesten-frankreich-121.html (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/gelbwesten-frankreich-121.html)

Zitat
Gelbe Westen wollen am 3. Advent weiter protestieren

Der Misstrauensantrag gegen die französische Regierung hatte von vornherein keine Chance. Doch die linken Parteien - Sozialisten, Kommunisten und "La France Insoumise" ("Das unbeugsame Frankreich") machten dadurch ihre Kritik am Umgang mit der Protestbewegung der Gelben Westen deutlich.

Die Gelben Westen wollen ihre Proteste nicht aufgeben - und sie wollen auch am 3. Adventswochenende weiter in vielen Städten auf die Straße gehen.

Die französische Zentralbank hat den negativen Einfluss der Proteste auf die Wirtschaft des Landes bestätigt.
https://de.euronews.com/2018/12/14/auch-in-paris-gelbe-westen-wollen-am-3-advent-weiter-protestieren (https://de.euronews.com/2018/12/14/auch-in-paris-gelbe-westen-wollen-am-3-advent-weiter-protestieren)

Zitat
Gelbwesten inspirieren Proteste in Nahost

Frankreichs Protestbewegung wird in der arabischen Welt genau beobachtet. In einigen Ländern haben sich junge Menschen zu ähnlichen Kundgebungen motivieren lassen. Die Regierungen der Region sind nervös.


(https://www.dw.com/image/46703139_303.jpg)
Paris? Marseille? Lyon? Nein, das ist Basra im Südirak am 4. Dezember 2018

Gegen Steuererhöhungen: Protest in Amman, 6. Dezember 2018

Umgekehrt füllen sich zumindest einige der französischen Demonstranten ihrerseits an das arabische Protestjahr 2011 erinnert. "Das Volk will den Sturz der Regierung", ist auf Arabisch auf einem Graffiti an einer Hauswand in Paris zu lesen. Hinter dieser Parole versammelten sich 2011 die Demonstranten in verschiedenen arabischen Ländern.

Proteste in Tunesien, Jordanien und im Irak


Diesen Schritt haben Demonstranten in Tunesien bereits getan. Nicht in gelbe, wohl aber in rote Jacken gekleidet haben sie für Mitte dieser Woche zu einer Kundgebung in Tunis aufgerufen. Der Unmut richtet sich auch dort gegen die hohen Lebenskosten - allerdings nicht nur. Die Demonstranten wenden sich auch Arbeitslosigkeit, Korruption sowie die Ineffizienz der Behörden: "Wir sind eine Gruppe junger Tunesier, die sich gegen mangelnde Glaubwürdigkeit und die Ideenlosigkeit der politischen Klasse wenden", erklärt ein junger Demonstrant dem Sender "Sky News Arabyia".

Auch im südirakischen Basra, seit Monaten Schauplatz immer wieder aufflammender Sozialproteste, ziehen sich die Demonstranten seit einigen Tagen gelbe Westen über. Wie die Tunesier wenden auch sie sich gegen Korruption und die Verschlechterung städtischer Dienstleistungen und fordern mehr Arbeitsmöglichkeiten. Auch in Jordanien kam es bereits zu Protestkundgebungen.

Die Forderungen der arabischen Demonstranten mögen denen der französischen ähneln, räumt Politologe Ali Hassan ein. Die staatlichen Reaktionen unterschieden sich aber gründlich: "Trotz aller Gewalt, die die französische Polizei einsetze, wurde dort nicht geschossen."...
https://www.dw.com/de/gelbwesten-inspirieren-proteste-in-nahost/a-46703160 (https://www.dw.com/de/gelbwesten-inspirieren-proteste-in-nahost/a-46703160)

Auch in Kanada gibt es Gelbwestenproteste. Klingt aber eher nach rechten Wirrköpfen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 13:32:31 Fr. 14.Dezember 2018
Tel Aviv auch: https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5425996,00.html (https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5425996,00.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Hartzhetzer am 16:22:47 Fr. 14.Dezember 2018
Kapitulation vor dem Kampf

Mit weisser Weste in den Untergang

Die ablehnende Reaktion von Teilen der deutschen Linken auf die Sozialproteste der »gilets jaunes« ist nicht nur falsch – sie ist gefährlich


Zitat
Seit dem 17. November brennt Frankreich. Zehntausende Demonstrant*innen, oft in gelben Signalwesten, legen das Land lahm. Der Protest, der sich zunächst gegen eine angekündigte Benzinpreiserhöhung richtete, wurde bald zu einer allgemeinen Revolte gegen die neoliberale Regierung Emmanuel Macrons.

Die Bewegung der »gilets jaunes« begann als eine spontanes Aufbegehren gegen ein ungerechtes Steuersystem: »Massenabgaben werden erhöht, die Reichen müssen kaum irgendwas zahlen« – der simple Grund der Empörung. Es kamen weitere Forderungen – etwa die nach einem Mindestlohn, der zum Leben reicht – hinzu. Eine Million Menschen unterzeichneten innerhalb kürzester Zeit die Online-Petition der Gelbwesten, viele tausend liefern sich Strassenschlachten mit der brutal vorgehenden Staatsmacht.

Eigentlich – so könnte man meinen – ein fixer Bezugspunkt für innereuropäische, linke Solidarität. Und vor wenigen Jahren hätten wir, wie bei den Krisenprotesten in Griechenland oder Spanien, sicher noch linke Soli-Demos in Berlin gesehen – wie klein und wirkungslos auch immer. Doch das Koordinatensystem vor allem der liberalen Linken in Deutschland hat sich verschoben. Aus dem Gefühl der eigenen Ohnmacht folgt die Angst vor Veränderung. Man traut sich nichts zu, also hängt man an der Illusion, der bürgerliche Staat möge wenigstens die dünne zivilisatorische Eisdecke nicht brechen lassen, die einem veganes Essen in der Uni-Mensa oder den Job als Redenschreiber im Bundestag ermöglicht.

Weiterlesen (http://www.untergrund-blättle.ch/politik/europa/frankreich_gelbwesten_gilets_jaunes_deutsche_linke_5208.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:25:39 Fr. 14.Dezember 2018
Die Ablehnung der Gelbwesten ist dämlich.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 16:42:56 Fr. 14.Dezember 2018
Zitat
Sich Sorgen zu machen heißt ja nicht, das er die "Gelbwesten" ablehnt. Ich mache mir auch Sorgen darüber und lehne die Bewegung trotzdem nicht ab.

Das machen wirklich alle, Politiker, Medien, Gewerkschaften begleiten den Protest mit vollen Hosen, alle äußern ihre Bedenken wegen den Rechten, und jetzt, bleibt lieber gleich zu hause denn dort könnten Ultrarechte protestieren, wäre es nicht ganz besonders dringend das nicht-Rechte zum protestieren gehen statt zitternd vor Rechten lieber nicht protestieren. Ggf. müssen sich die Protestierenden selbst von den Rechten distanzieren.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:17:59 Fr. 14.Dezember 2018
Mein Reden! Wir sind da einer Meinung Herr Troll! ;)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 17:48:49 Fr. 14.Dezember 2018
Ach menno, lass mich doch rummeckern.  :baby:
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 21:23:44 Fr. 14.Dezember 2018
Der Protest der Gelbwesten wird auch hierher schwappen.
Ist nur eine Zeitfrage. Und die "Politik" hat die Windeln völlig zu Recht voll.  ;D
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09:35:57 Sa. 15.Dezember 2018
Sind in Frankreich für heute eigentlich wieder Demos geplant? Ist so verdächtig ruhig im Pressewald!
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:54:15 Sa. 15.Dezember 2018
Zitat
„Gelbe Westen“ in Frankreich
Wild, wütend und entschlossen

Den fünften Samstag in Folge wollen die „Gelben Westen“ heute in Paris gegen die Regierung protestieren.
https://www.deutschlandfunk.de/gelbe-westen-in-frankreich-wild-wuetend-und-entschlossen.1773.de.html?dram:article_id=436040 (https://www.deutschlandfunk.de/gelbe-westen-in-frankreich-wild-wuetend-und-entschlossen.1773.de.html?dram:article_id=436040)

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 13:49:32 Sa. 15.Dezember 2018
Rudi meißelte:
Zitat
Sind in Frankreich für heute eigentlich wieder Demos geplant? Ist so verdächtig ruhig im Pressewald!

Würde mich nicht wundern, wenn die Gelbwesten totgeschwiegen werden sollen.  :rolleyes:
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:20:04 Sa. 15.Dezember 2018
Guter Kommentar im Freitag:
Zitat
Macrons forsches Auftreten schwankte zwischen dem eines Konkursverwalters der Fünften Republik und dem eines quasi-monarchischen Wiedergängers Napoleons III. Es weckte hohe Erwartungen und verschaffte ihm einen Wahlsieg im Frühsommer 2017. Bei Licht besehen, beruhte der auf einer optischen Täuschung: Der Nichtwähleranteil betrug am 7. Mai 2017, im zweiten Wahlgang, 57 Prozent. Bezieht man die Zahl der Macron-Wähler allein aus der Gesamtheit der Wahlberechtigten, lag Macrons Anteil unter 15 Prozent – also auf einem dürftigen Legitimationsniveau.

Macron steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Image als „Präsident der Reichen“ wird er wohl nicht mehr los, was seine Chance auf eine Wiederwahl schmälert.

Ob Macrons Partei LRM die Krise überlebt, ist offen. Nur Berufsmacronisten, wie sie sich vorrangig in der deutschen Presse tummeln, nehmen Macrons Credo des „Ni-ni“, des Weder-rechts-noch-links, ernst. Sie glauben, der Staatschef könne scheinbar unvereinbare Gegensätze versöhnen, in denen sich Klassenfragen und -widersprüche spiegeln. Darauf setzte schon der ehemalige Präsident Charles de Gaulle vergeblich. Voran ging es seit Mai 2017 nur mit der Spaltung der Gesellschaft in Reiche und Arme, Gewinner und Verlierer, Privilegierte und Deklassierte.
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/effizient-nachgeben (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/effizient-nachgeben)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:27:34 Sa. 15.Dezember 2018
Aktuelle Bilder: https://www.youtube.com/watch?v=JHVmkyfr0K4 (https://www.youtube.com/watch?v=JHVmkyfr0K4)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: dejavu am 21:42:07 Sa. 15.Dezember 2018
Von hier, war schon in Kuddels Post:
https://www.deutschlandfunk.de/gelbe-westen-in-frankreich-wild-wuetend-und-entschlossen.1773.de.html?dram:article_id=436040 (https://www.deutschlandfunk.de/gelbe-westen-in-frankreich-wild-wuetend-und-entschlossen.1773.de.html?dram:article_id=436040)
Zitat
Uns Franzosen, uns hilft man nicht, aber den Migranten schon, das ist nicht normal
Das ist nun genau das Problem, ein typischer Pegidistenspruch. Sowas führt nun wahrlich nicht weiter. Das mal in Richtung Frankreich.
Beteiligen sich auch Migranten?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 23:17:43 Sa. 15.Dezember 2018
Zitat
"Uns Franzosen, uns hilft man nicht, aber den Migranten schon, das ist nicht normal"
...sagt Yvette. Ob man deswegen jetzt gleich verallgemeinern kann, dass es nur so eine Art Pegida ist, ...keine Ahnung. Die Forderungen und auch die gemeinsamen Blockaden vor Fabriken und Logistiklagern sind schon eine andere Liga als der Pegidakram.

Zitat
Beteiligen sich auch Migranten?
Interessante Frage. Wer hat die Deutungshoheit?

Aus einem Interview in einem Debattenlabermagazin:
Zitat
Es findet ein sehr intensiver Kampf zwischen der Rechten und der Linken darüber statt, was die Bewegung bedeutet. So wie die Bewegung entstanden ist, außerhalb der politischen Apparate, war die Bewegung zunächst politisch unbestimmt. Sie hätte sich nach rechts oder links wenden können. Und es gab dann einen starken Kampf diese Bewegung in eine linke Bewegung  für soziale Gerechtigkeit zu transformieren und nicht in eine potentiell faschistische Bewegung gegen den Sozialstaat und die Migranten, wie es die extreme Rechte wollte. Die gute Nachricht ist, dass die Linke diesen Kampf gewonnen hat. Es ist das erste Mal seit 30 Jahren, dass die Linke einen kulturellen Kampf gewonnen hat. Als wir am ersten Dezember auf die Straße gegangen sind und uns die gelben Westen angezogen haben, haben wir auch dafür gekämpft sie als progressive Kraft zu besetzen.
https://www.prager-fruehling-magazin.de/de/article/1451.es-war-klar-dass-es-irgendwann-explodiert.html (https://www.prager-fruehling-magazin.de/de/article/1451.es-war-klar-dass-es-irgendwann-explodiert.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09:57:26 So. 16.Dezember 2018
Wenn mir erlaubt sei, meine persönliche Einschätzung abzugeben:
So richtig scheint der Funke in Frankreich nicht überzuspringen. Der Zunder brennt ab, aber das dickere Holz fängt kein Feuer.
Dafür scheint es jetzt in anderen Ländern mehr Proteste zu geben, die durchaus durch die Gilets jaunes inspiriert zu sein scheinen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:14:44 So. 16.Dezember 2018
Zitat
Uns Franzosen, uns hilft man nicht, aber den Migranten schon, das ist nicht normal

Vorsicht, es kann ein plumper Spruch sein ohne den Migranten ans Leder zu wollen, Migranten sind Dauerthema und da kommt bei allen politisch Vernachlässigten eine Art Neidgefühl auf, im Gegensatz zu den Nationalisten die in erster Linie das Fremde weg haben wollen das angeblich an allem Übel Schuld hat.
Der Deutschlandfunk würde nicht zu ersten mal Mitversuchen zu spalten, in der Regel ist der DLF auf Linie und Proteste gegen eine konservative Regierung löst dort keine Begeisterung aus.

@Rudolf Rocker
Habe heute auch von weniger Protestierenden gehört, in Frankreich werden die Hauptmedien gezielt gegen die Gelbwesten anschreiben, was die großen EU-Medien von Anfang an getan haben, vielleicht eine kleine Erholungspause. Die Qualitätsmedien sind ein unterschätzter Feind solcher Bewegungen.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: dejavu am 10:40:36 So. 16.Dezember 2018
Zitat
da kommt bei allen politisch Vernachlässigten eine Art Neidgefühl auf
Ja? Ich sehe eigentlich keinen echten Grund für Neidgefühle.

Zitat
Uns Franzosen (nicht) ... den Migranten schon
Beinhaltet eine klare Nationalistische Abgrenzung wie sie typisch ist für Pegidisten. Auch das "Hilfe" geneidet wird, spricht Bände. Hilfe zu erwarten ist hier gewissermassen eine Demutsgeste, die an eine Autorität gerichtet ist. Autoritätsverliebtheit ist ebenfalls  Merkmal des Pegidismus-Nationalismus. Die weiteren typischen Merkmale Feigheit und Hinterhältigkeit treffen im vorliegenden Falle zum Glück wohl nicht zu, sind aber vielleicht auch spezifisch für Deutschland.

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11:31:41 So. 16.Dezember 2018
Zitat
Habe heute auch von weniger Protestierenden gehört, in Frankreich werden die Hauptmedien gezielt gegen die Gelbwesten anschreiben, was die großen EU-Medien von Anfang an getan haben, vielleicht eine kleine Erholungspause. Die Qualitätsmedien sind ein unterschätzter Feind solcher Bewegungen.
Das ist natürlich nicht einfach, da an konkrete Zahlen zu kommen, weil es ja auch außerhalb von Paris Proteste und Demos gab. Aber in den Live- Übertragungen aus Paris konnte man schon deutlich sehen, das es weniger Menschen sind als zuvor.

Zitat
Beinhaltet eine klare Nationalistische Abgrenzung wie sie typisch ist für Pegidisten. Auch das "Hilfe" geneidet wird, spricht Bände. Hilfe zu erwarten ist hier gewissermassen eine Demutsgeste, die an eine Autorität gerichtet ist. Autoritätsverliebtheit ist ebenfalls  Merkmal des Pegidismus-Nationalismus. Die weiteren typischen Merkmale Feigheit und Hinterhältigkeit treffen im vorliegenden Falle zum Glück wohl nicht zu, sind aber vielleicht auch spezifisch für Deutschland.
Du schließt jetzt nicht ernsthaft, aufgrund der Aussage einer einzelnen Person, auf die Ideologie einer gesamten Gruppe, oder?
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 11:41:08 So. 16.Dezember 2018
Zitat
Uns Franzosen, uns hilft man nicht, aber den Migranten schon, das ist nicht normal

Vorsicht, es kann ein plumper Spruch sein ohne den Migranten ans Leder zu wollen, Migranten sind Dauerthema und da kommt bei allen politisch Vernachlässigten eine Art Neidgefühl auf, im Gegensatz zu den Nationalisten die in erster Linie das Fremde weg haben wollen das angeblich an allem Übel Schuld hat.
Solche Sprüche kommen auch von Leuten, die sonst eher links stehen. Da wirkt das migrantenfeindliche mediale Trommelfeuer. Frägt man näher nach, dann sind diese Leute für eine Änderung der Politik gegenüber der Herkunftsländer, so dass diese Länder nicht mehr ausgebeutet werden.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: dejavu am 11:48:11 So. 16.Dezember 2018
Zitat
Du schließt jetzt nicht ernsthaft, aufgrund der Aussage einer einzelnen Person, auf die Ideologie einer gesamten Gruppe, oder?
Nein, natürlich nicht. Hätte ich besser gleich schreiben sollen. Im verlinkten Artikel wird eine einzelne Person mit dieser Äußerung zitiert, das lässt ja auch nicht wirklich Rückschlüsse zu.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:27:20 So. 16.Dezember 2018
(http://cdn1.spiegel.de/images/image-1374780-900_breitwand_180x67-coiv-1374780.jpg)

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:09:51 Mo. 17.Dezember 2018
Zitat
Prognose für 2019
Frankreichs Schulden wohl doch höher

Frankreich könnte 2019 mit seinem Haushaltsdefizit die EU-Obergrenze reißen. Das Defizit wird laut Premier Philippe voraussichtlich rund 3,2 Prozent betragen. Grund für die Verschuldung sind Zugeständnisse an die "Gelbwesten".

Frankreich wird wegen der Zugeständnisse von Präsident Emmanuel Macron an die "Gelbwesten" voraussichtlich die europäische Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr reißen.
...

Quelle: tagesschau (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/frankreich-haushalt-eu-obergrenze-101.html)

Super, nicht die Protestierenden angreifen sondern deren Forderungen gleich mal in ein absurdes Abseits stellen, nichts geht über die schwarze Null, weiß doch jedes Kind wie Europas Austerität alles verbessert. Ganz davon abgesehen, eine popelige Prognose um Stimmung zu machen, hatten wir noch nie außer bei Sozialschmarotzern, faulen Arbeitslosen, Sozialstaatsfressende Asylanten, Luxusrenten, Hochlohnland, .........................n  kotz
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 20:24:32 Mo. 17.Dezember 2018
Zitat
Prognose für 2019
Frankreichs Schulden wohl doch höher

Frankreich könnte 2019 mit seinem Haushaltsdefizit die EU-Obergrenze reißen. Das Defizit wird laut Premier Philippe voraussichtlich rund 3,2 Prozent betragen. Grund für die Verschuldung sind Zugeständnisse an die "Gelbwesten".

Frankreich wird wegen der Zugeständnisse von Präsident Emmanuel Macron an die "Gelbwesten" voraussichtlich die europäische Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts im kommenden Jahr reißen.
...

Quelle: tagesschau (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/frankreich-haushalt-eu-obergrenze-101.html)

...

Schlicht und einfach peinlich, was die Tagessau da an mutwilliger Desinformation versucht zu verbreiten.

MfG

BGS
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:20:42 Do. 20.Dezember 2018
Solidarität mit den Gelbwesten in Frankreich! – Manifestation am 20. Dez in Berlin

Solidarität mit den Gelbwesten in Frankreich!

Auf die Straße für unsere Rechte – Gegen Lohndrückerei, Verdrängung und Spaltung!



(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/12/gelbwesten_antirassistisch.jpg)


Weitrerer Aufruf für die Kundgebung am 20. Dezember
Kundgebung in Berlin:


Solidarität mit dem Kampf der Gelbwesten in Frankreich!
Schluss mit der Repression!
Mindestlöhne rauf! Weg mit Hartz IV!


https://gelbwesten.home.blog/ (https://gelbwesten.home.blog/)

Do. 20. Dezember 2018 / 18:00 Uhr / Pariser Platz
(Brandenburger Tor / Französische Botschaft)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:08:08 Fr. 21.Dezember 2018
(https://adamag.de/wp-content/uploads/2018/12/45980720302_feab0ed7d0_o-1500x680.jpg)

Warum Macrons Zugeständnisse an die Gelbwesten nicht genug sind, wie die Gewerkschaften versagen und welche Fragen sich jetzt stellen. Der Schriftsteller Guillaume Paoli im Gespräch mit Clemens Melzer.

Werden die Proteste weitergehen?

Guillaume Paoli: Das weiß selbstverständlich niemand. Sollten die Proteste allerdings abebben, dann nicht aufgrund der angekündigten Zugeständnisse. Die sind doch minimal: eine leichte Anhebung des Mindestlohns, eine kleine Erleichterung für die ärmsten Rentner. In seiner Ansprache hat Macron bestätigt, dass er von seinem Kurs nicht abweichen will. Zum Beispiel wird die Vermögenssteuer nicht wiedereingeführt, wie es die meisten «Gelbwesten» fordern.

 Da es keine zentrale Organisation gibt, fehlt auch ein einheitlicher Forderungskatalog. Nach einer Online-Umfrage wurden 42 Forderungen veröffentlicht, doch auf lokaler Ebene werden andere gestellt. Generell würden die Leute vermutlich sagen: Mehr Kaufkraft, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Respekt. Und dass Macron zurücktritt.

Die Bewegung ist deswegen untypisch, weil mehrheitlich von Menschen getragen, die politisch unerfahren und schwer einzuordnen sind. Wenn sie eines gemeinsam haben, dann allerdings die tiefe Abneigung gegen sämtliche Parteien und repräsentative Instanzen. Sicher gibt es unter ihnen Leute, die Le Pen gewählt haben, andere Mélenchon, wobei wahrscheinlich die meisten zu den 16 Millionen gehören, die sich bei der Stichwahl 2017 der Stimme enthalten haben. Doch alle wollen mit der etablierten Politik nichts zu tun haben, zu der auch Le Pen längst gehört. Schließlich entscheidet sich die rechte Klientel immer für Ordnung und Autorität, und nicht für Krawall und direkte Aktion.

Da es ursprünglich um Benzinpreiserhöhung ging, war die Idee naheliegend, Verkehrskreisel zu besetzen, um mit Autofahrern zu reden. Dann sind die Leute von alleine auf die im Grunde anarchistische Idee gekommen, die Flüsse der Wirtschaft zu unterbrechen, um Druck auszuüben und auf Steuerungerechtigkeit zu drängen. Zugänge zu Einkaufszentren werden blockiert, sowie von Großkonzernen wie Amazon oder Monsanto.

Das vollständige Interview ist lesenswert: https://adamag.de/gilets-jaunes-macron-paoli-gelbwesten (https://adamag.de/gilets-jaunes-macron-paoli-gelbwesten)


Zitat
Weiß-blaue Gelbwesten

Vorbild Frankreich: Der deutschlandweit erste Gelbwesten-Protest fand in München statt – der Beginn einer sozialen Revolte?

(https://www.bayerische-staatszeitung.de/fileadmin/_processed_/e/4/csm_113926004_b5c56bfa51.jpg)
Laut den Organisatoren kamen rund 200 Menschen zur Gelbwesten-Demo in München.

Die erste Gelbwesten-Demonstration in Deutschland fand zwar noch recht wenig Anklang. Nach München sind aber weitere Proteste in anderen Städten bereits geplant. Wie groß ist das Potenzial des von der Sahra-Wagenknecht-Bewegung „Aufstehen“ organisierten Protests hierzulande? Die Staatszeitung hat sich bei Demonstranten, Aktivisten und Experten umgehört.


Die alte Frau friert offensichtlich. Doch ihr Zorn über die aus ihrer Sicht unfairen Verhältnisse ist größer als der Wunsch nach Wärme. „Ständig wird uns erzählt, dass es uns allen in Deutschland so gut geht. Aber warum merken viele davon nichts?“, fragt die 67-jährige Augsburgerin.
https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/leben-in-bayern/detailansicht-leben-in-bayern/artikel/weiss-blaue-gelbwesten.html (https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/leben-in-bayern/detailansicht-leben-in-bayern/artikel/weiss-blaue-gelbwesten.html)

Berlin:
Zitat
In Redebeiträgen fordern die Berliner*innen in ihren gelben Warnwesten ein gerechteres Sozialsystem, die Angleichung der Löhne im Osten und »nieder mit Macron und seiner Fünften Republik«.

»Frankreich ist eigentlich das Musterbeispiel für soziale Proteste. Dort gibt es alle zwei Jahre Sozialreformen, weshalb die Bevölkerung auf die Straße geht, aus Deutschland kommt überhaupt nichts«, sagt Martin Peters, der den Berliner Gelbwesten-Ableger gemeinsam mit anderen initiiert hat. Deswegen wollen sie jetzt in Berlin loslegen, explizit links und antifaschistisch. Rechte Meinungen von Teilnehmenden lehnen sie klar ab, anders als in Frankreich, wo Anhänger*innen vom linken und rechten Spektrum mit den gleichen gelben Hemdchen auf die Straße gehen.

Die an diesem Abend anwesenden Gelbwesten halten meist rote Fahnen, solche der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), der Gewerkschaft ver.di und »socialistworld«, einem Blog über Gerechtigkeitskämpfe vom Iran bis Brasilien, in den Händen. Viele junge Leute, aber auch ältere sind zum Pariser Platz gekommen. 124 Teilnehmende sind es, schätzt die Polizei, 150 sagt der Veranstalter. Angemeldet hat die Kundgebung das »Klasse gegen Klasse«-Bündnis, das sich mit dem »Gelbwestenblock«, wie sie es nennen, und anderen Initiativen für die Kundgebung zusammengetan hat.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1108584.gelbwesten-in-berlin-aktivisten-gruenden-berliner-gelbwesten-ableger.html (https://www.neues-deutschland.de/artikel/1108584.gelbwesten-in-berlin-aktivisten-gruenden-berliner-gelbwesten-ableger.html)

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:31:43 Fr. 21.Dezember 2018
Zitat
«Gelbwesten»-Protest à la portugaise

Wie die Franzosen proben die Portugiesen den Aufstand in Gelb. Auch sie sind mit ihrer ökonomischen Lage unzufrieden.


Die «Coletes Amarelos» in Portugal fordern höhere Löhnne, bessere Sozialleistungen, billigeres Benzin oder höhere Renten – ähnliche Forderungen also wie die französischen «Gelbwesten». «Manchmal tönen die Forderungen wie eine Kopie der Bewegung in Frankreich», sagt dazu der Journalist Tilo Wagner in Lissabon.

Zitat
«Gelbwesten»-Proteste im ganzen Land

(https://www.srf.ch/static/cms/images/960w/b24855.jpg)

Bislang verläuft der Aktionstag der «Coletes Amarelos» friedlich, es wurden erst einige Strassen in und um Lissabon und Porto blockiert. Andernorts sind Sympathisanten in ihren Autos besonders langsam gefahren, um den Verkehr so aufzuhalten. Allerdings soll der Protest den ganzen Tag über laufen, deshalb könnten die Störungen noch zunehmen. Die sozialistische Regierung hat 20'000 Einsatzkräfte mobilisiert, um die Demonstranten im Zaum zu halten.

Heterogenes Feld Unzufriedener


Laut Wagner handelt es sich bei den «‹Coletes Amarelos› vor allem um Portugiesinnen und Portugiesen, die sich bislang politisch wenig engagiert haben. «Die meisten von ihnen kommen aus dem Kreis der Nichtwähler.» In den sozialen Medien habe es von den Unzufriedenen oft geheissen, man wehre sich gegen korrupte Politiker, die in die eigene Tasche wirtschafteten.

«Seit Jahren gibt es in Portugal eine verbreitete Unzufriedenheit», konstatiert der in Lissabon lebende Journalist. So stagniert das Land seit der Jahrtausendwende wirtschaftlich. Die Löhne sind kaum gestiegen, die Leistungen des Staates liegen entsprechend unter dem Niveau anderer westeuropäischer Staaten. Dies komme nun in den «Gelbwesten»-Protesten zum Ausdruck. In der Tat beträgt der Mindestlohn in Portugal bloss rund 600 Euro.

Lehrer streiken ebenfalls


Auch Lehrer, Krankenschwestern oder Juristen gehen seit Wochen immer wieder auf die Strasse, um ihrer ökonomischen Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen. Das alles könnte für die sozialistische Regierung langsam aber sicher zu einem Problem werden. «Das hat sich die Regierung aber teilweise selber zuzuschreiben», sagt Wagner. So hätten die Sozialisten vor drei Jahren mit dem Wahlversprechen gewonnen, der Sparpolitik ein Ende bereiten zu wollen.
https://www.srf.ch/news/international/proteste-in-portugal-gelbwesten-protest-a-la-portugaise (https://www.srf.ch/news/international/proteste-in-portugal-gelbwesten-protest-a-la-portugaise)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:13:42 Sa. 22.Dezember 2018
Zitat
Les Misérables
Enttäuscht von rechts, enttäuscht von links, enttäuscht vom Staat

...
Von Schichten und Klassen ist häufig die Rede in diesen Tagen, wenn Politologen, Soziologen, Journalisten oder Kulturwissenschaftler versuchen, das Phänomen Gelbwesten zu erklären.
...
 „Es sind Menschen, die zuvor nicht auf die Straße gegangen sind, daher haben wir alle den Widerstand nicht kommen sehen“, sagt er. „Mit der Zeit konnte jeder in der Bewegung etwas sehen und eigene Forderungen mit ihr verbinden. Erst hieß es: Wir kommen nicht über die Runden. Später wurde Macrons Rücktritt gefordert und zur Stürmung des Élysée-Palasts aufgerufen.“
...
Dass eine linke Regierung in Frankreich langfristig für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen wird, ist seit der zweiten Amtszeit Mitterrands und spätestens seit François Hollande nur noch ein Mythos.
...
Der charismatische, unprätentiöse Philippe Poutou, der als Präsidentschaftskandidat 2017 zwar wenige Stimmen, aber viel Sympathie erfahren hat und selbst aus dem Arbeitermilieu stammt, ist einer der wenigen, die auch die gewalttätigen Ausschreitungen gutheißen: „Die Gewalt der aktuellen sozialen Bewegung ist normal, vollkommen legitim. Natürlich, wenn sich die Wut ihren Weg bahnt, explodiert sie in alle möglichen Richtungen. Das schlimme sind heute nicht zerschlagene Fensterscheiben oder Barrikaden, das Schlimme und Angsteinflößende sind die staatliche Brutalität und die Repression“, schreibt Poutou in einer Botschaft an seine Anhänger.
https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/les-miserables (https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/les-miserables)

"Enttäuscht von rechts, enttäuscht von links, enttäuscht vom Staat" ist doch eine wunderbare Voraussetzung für einen wirkungsvollen Kampf gegen die kapitalistische Normalität. Die Gewerkschaften haben versagt. Auch die französichen Basisgewerkschaften haben nicht die Hoffnungen erfüllt, die man is sie gesetzt hat. Die Linke beschäftigt sich weitgehend mit sich selbst und hat den Kontakt zu den einfachen Leuten, den Abgehängten, verloren.

Linken-Parteichef Bernd Riexinger hat den Flirt mit der Bewegung heftig angegriffen. "Das Potenzial Ultrarechter in den Reihen der Bewegung ist besorgniserregend", sagte Riexinger den RND-Zeitungen. Die Zusammensetzung der "Gelbwesten" sei bedenklich.

Zitat
Worte des Präsidenten: „Niemand kann sich den harten Gesetzen des Wettbewerbs entziehen.“ „Alle Franzosen müssen sich dringend zum Geist des Marktes bekehren.“
...
Und wer noch meint, es sei das Wichtigste, zunächst zweifelsfrei zu klären, wo die Protestierenden politisch stehen, wer einen sauberen Protest will oder sonst keinen, der hat die Krise nicht verstanden, in der sich Frankreich befindet.
https://www.freitag.de/autoren/mladen-gladic/paris-c2019est-fini (https://www.freitag.de/autoren/mladen-gladic/paris-c2019est-fini)

Zitat
"Gelbwesten"-Proteste: ein weiterer Toter

Die "Gelbwesten" demonstrieren in Frankreich auch am Samstag wieder: Im Süden des Landes kam ein Mensch ums Leben. Damit steigt die Zahl derer, die am Rande der Demonstrationen starben auf zehn.


Bei erneuten Protesten gegen die Regierung von Präsident Emmanuel Macron ist in Südfrankreich ein Mensch ums Leben gekommen. An einem von "Gelbwesten"-Demonstranten blockierten Kreisverkehr in der Nähe von Perpignan sei ein Auto mit einem Lastwagen zusammengestoßen, teilten die Behörden am Samstag mit. Dabei sei der 36-jähriger Autofahrer gestorben.

Damit stieg die Zahl der Todesopfer bei den seit Mitte November anhaltenden Protesten auf zehn. Auch in Paris kam es wieder zu Protesten. Hier versammelten sich Demonstranten in gelben Warnwesten auf den Stufen der Basilika Sacre Coeur. Zudem haben die "Gelbwesten" einen Protestmarsch im nahe gelegenen Versailles geplant. Das Schloss von Versailles – ein Symbol der französischen Staatsmacht – blieb daher am Samstag geschlossen.
https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_84987716/-gelbwesten-proteste-in-frankreich-ein-weiterer-toter-.html (https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_84987716/-gelbwesten-proteste-in-frankreich-ein-weiterer-toter-.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 20:15:14 Sa. 22.Dezember 2018
Zitat
Weniger Menschen auf der Straße - "Gelbwesten"-Proteste verlieren an Zulauf

Am Wochenende vor Weihnachten und nach den Zugeständnissen der Regierung beteiligen sich weniger Menschen als zuvor an den "Gelbwesten"-Protesten. In Paris bleibt es dabei vergleichsweise ruhig, im Süden Frankreichs kommt es zu größeren Ausschreitungen.

Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Gelbwesten-Proteste-verlieren-an-Zulauf-article20786322.html (https://www.n-tv.de/politik/Gelbwesten-Proteste-verlieren-an-Zulauf-article20786322.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:07:35 So. 23.Dezember 2018
Zitat
Gelbwesten in Frankreich
Die Revolte ist vorbei
http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-und-die-gelbwesten-die-revolte-ist-vorbei-a-1245145.html (http://www.spiegel.de/politik/ausland/frankreich-und-die-gelbwesten-die-revolte-ist-vorbei-a-1245145.html)

Der Spiegel ist mal wieder oberschlau.

Ja, die Teilnehmerzahlen gehen zurück, doch es wird weiterdemonstriert:
Zitat
Bei Protesten der „Gelbwesten“ sind in Frankreich wieder Zehntausende auf die Straße gegangen. Es hätten sich aber weniger Menschen beteiligt als an den vergangenen Wochenenden, berichtete der Radionachrichtensender Franceinfo am Samstag. Insgesamt seien im Land über 200 Menschen festgenommen worden.
https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/1616780/wieder-zehntausende-bei-gelbwesten-protesten-in-frankreich#gallery&0&0&1616780 (https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/1616780/wieder-zehntausende-bei-gelbwesten-protesten-in-frankreich#gallery&0&0&1616780)

Die Folgen der Protestwelle sind enorm. Die Herrschende Klasse hat zu spüren bekommen, daß ihre Macht nicht unbegrenzt ist.
Der spontane Aufstand der Bevölkerung war eine Inspiration für die Menschen weltweit.

Aktuell:
Zitat
In Istanbul haben am Samstag tausende Menschen gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und die hohe Inflationsrate in der Türkei demonstriert. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, hielten die Demonstranten Transparente mit Anspielungen auf die Bewegung der "Gelben Westen" in Frankreich in die Höhe, die sich als Protest gegen hohe Treibstoffpreise formiert hatte. Sie riefen "Arbeit, Brot, Freiheit".
https://www.stern.de/news/tausende-in-istanbul-demonstrieren-gegen-hohe-lebenshaltungskosten-8503854.html (https://www.stern.de/news/tausende-in-istanbul-demonstrieren-gegen-hohe-lebenshaltungskosten-8503854.html)

Auch innerhalb Frankreichs haben die Proteste noch nicht absehbare Folgen. Es wurden wichtige Diskussionen in den Teilen der Bevölkerung entfacht, die als "politikfern" galten.

Ein Diskussionsbeitrag:
Zitat
(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2018/12/femmes-en-lutte.jpg)

Für einen Feminismus der proletarischen Viertel!


Als Kollektiv, das für einen proletarischen Feminismus eintritt, ergreifen wir im Rahmen der Gilets-Jaunes-Bewegung das Wort, um ins Bewusstsein zu rufen, dass wir an all diesen Kämpfen teilnehmen. Wir nehmen deswegen an all diesen Kämpfen teil, weil die proletarischen Frauen bei jeder Form von Gewalt und jeder Form von Widerstand an vorderster Front stehen.

Wir wohnen, arbeiten und kämpfen im 93. Département, vor allem in Saint-Ouen-sur-Seine und in Saint-Denis. Seit langem schon ist diese Arbeiterbörse unser Hauptquartier! Wir arbeiten im Krankenhaus Delafontaine, in den Schulen St Ouens, bei der Post, am Angela-Davis-Gymnasium in St Denis und an anderen berufsbildenden Schulen, in der Sozialarbeit des Viertels … haben wir keine Papiere, sind wir gezwungen, schwarz zu arbeiten, oder wir sind von Arbeitslosigkeit betroffen, leben prekär.

Überall um uns herum sehen wir die gesellschaftliche Gewalt, die sich über den Vierteln des einfachen Volks niederschlägt. Wir sagen: In jeder sozialen oder wirtschaftlichen Krise widerfährt Frauen größte Gewalt, und noch härter trifft es die ausgebeuteten Frauen, die Frauen ohne Papiere, die Frauen aus den proletarischen Vierteln. 80% derer, die trotz Lohnarbeit arm sind, sind Frauen!

Die Regierung und ihre Medien wollen uns entmenschlichen, wir aber erinnern daran, dass wir dafür eintreten, Solidarität zu schaffen und etwas Würde zurückzugewinnen.

    
  • Genug damit, ausgebeutet zu werden – Jobs zu haben, die unsere Leben und unsere Körper zugrunderichten! Genug mit der Prekarität, die uns der Gnade unserer Chefs und Vorgesetzten ausliefert!
  • Genug mit der Arbeitslosigkeit! Genug damit, dass die Reichen sich auf unserem Rücken fettfressen und auf dem unserer Familien! Genug damit, dass sie unser Recht auf Gesundheit und Unterkunft verramschen!
  • Genug mit dem Mangel an anständigen Sozialwohnungen! Genug damit, drei Jahre warten zu müssen, um in einem Sozialbau unterzukommen! Genug mit ihrem Grand Paris und ihren olympischen Spielen, die unsere Viertel zerstören!
  • Genug mit ihren zweitklassigen Schulen und ihren fauligen Reformen! Man wird keine Ungleichheit dadurch bekämpfen, dass man wieder Bullen in unsere Schulen bringt! Am Schulversagen sind nicht unsere Kinder schuld – das Problem ist ihr System!
  • Die Jagd auf Arme, die rassistische und die Polizeigewalt, die mit unseresgleichen vollgestopften Gefängnisse, den Hass auf Muslime, den Sexismus, die Homophobie, all das wollen wir nicht mehr!
   
Wir wollen daran erinnern, dass sich der Kampf ohne die Frauen nicht führen lässt! Der Platz der Frauen ist im politischen Kampf!

Homophobe, häusliche und sexistische Gewalt nehmen zu. Überall befinden wir uns in Gefahr: zuhause, auf der Straße, auf der Arbeit, und selbst in unseren politischen Kollektiven.

Wir setzen uns an allen Tagen des Jahres in unseren Vierteln, an unseren Arbeitsplätzen ein. Soll die Bewegung der Gilets Jaunes ein wahrhaftiger gesellschaftlicher Protest werden, so wird der Kampf nicht ohne uns vonstatten gehen können.

Doch der gemeinsame Kampf kann nur unter einer einzigen Bedingung Wirklichkeit werden: Alle Frauen müssen für die Sache in Sicherheit eintreten können. Kein einziger Aggressor in unseren Reihen. Darauf müssen wir uns verpflichten, in unseren Kollektiven, in dieser Versammlung und in den kommenden Kämpfen!

Wir werden keinerlei Zugeständnisse machen: weder in unserem Lager, noch im Lager der Medien und der Politik. Wir werden nicht zulassen, dass die Frauenrechte benutzt werden, um Viertel und Einwanderer zu kriminalisieren.

Proletarischer Feminismus ist in dieser Bewegung, die wir aufbauen, keine bloße Option.
Ganz im Gegenteil sind Frauen und Lesben, die Schwulen, die Bi- und Transsexuellen an vorderster Front der Gewalt. Aber wir stehen auch an vorderster Front im Widerstand.

Wir, Femmes en lutte 93, rufen alle Frauen in den proletarischen Vierteln dazu auf, am Samstag auf die Straße zu gehen
https://designing-history.world/theory/feminismus-proletarische-viertel (https://designing-history.world/theory/feminismus-proletarische-viertel)
 
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:57:10 So. 23.Dezember 2018
Jaja, die Revolte ist vorbei und der IS in Syrien war auch kurz besiegt, alles gut.
Beachtlich finde ich vom Spiegel die Bezeichnung "Revolte", echt, nicht nur ein paar gewalttätige Idioten sondern Revolte.

Zur Zeit wäre ich gerne Mäuschen in vielen Hinterzimmern, wo die Bewegung seziert und der Umgang damit beraten wird. Die Medien versuchen zu marginalisieren und/oder diskreditieren, der Protest steht bei vielen Regierungen derzeit wohl ganz oben in der Beachtung, ihr Schweigen ist Ohrenbetäubend.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 12:06:49 So. 23.Dezember 2018
Zitat
"Gelbwesten"-Proteste in Paris
Polizist richtet Pistole auf Demonstranten

23.12.2018, 11:33 Uhr - Drei Polizisten fühlen sich bei den Demonstrationen so bedroht, dass einer seine Waffe zieht...

...so bedroht von einer Revolte, die vorbei ist.

Mit Video: http://www.spiegel.de/video/paris-polizist-richtet-pistole-auf-gelbwesten-demonstranten-video-99023762.html (http://www.spiegel.de/video/paris-polizist-richtet-pistole-auf-gelbwesten-demonstranten-video-99023762.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13:34:00 So. 23.Dezember 2018
Zitat
...so bedroht von einer Revolte, die vorbei ist.

Für sowas braucht man keine Revolte, da reicht schon ein G 20 in Hamburg:

https://www.stern.de/politik/deutschland/warnschuss-bei-g20--deswegen-feuerte-ein-polizist-in-der-schanze-7529640.html (https://www.stern.de/politik/deutschland/warnschuss-bei-g20--deswegen-feuerte-ein-polizist-in-der-schanze-7529640.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:17:11 Mo. 24.Dezember 2018
Zur Zeit wäre ich gerne Mäuschen in vielen Hinterzimmern, wo die Bewegung seziert und der Umgang damit beraten wird. Die Medien versuchen zu marginalisieren und/oder diskreditieren, der Protest steht bei vielen Regierungen derzeit wohl ganz oben in der Beachtung, ihr Schweigen ist Ohrenbetäubend.


Zitat
Strassenprotest gegen Korruption in Libanon

In Libanons Hauptstadt Beirut haben am Sonntag hunderte Menschen gegen die Korruption im Land und die schwierige Versorgungslage demonstriert. Die Demonstranten marschierten zum Sitz von Regierungschef Saad Hariri im Zentrum von Beirut.


(https://www.vaterland.li/storage/image/6/2/5/3/1953526_artdetail_1s7-dl_1D542N.jpg)
Sie forderten unter anderem eine bessere gesundheitliche Betreuung sowie eine bessere Trinkwasser- und Stromversorgung. Die Kundgebung wurde von einem Grossaufgebot libanesischer Sicherheitskräfte begleitet.



In Anspielung an die Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten in Frankreich trugen einige der Demonstranten gelbe Westen, allerdings mit einer Zeder, dem libanesischen Nationalsymbol, versehen.


"Wir werden regiert von einer politischen Klasse von korrupten Dieben, die mit sektiererischem Fanatismus herrschen", sagte eine Demonstrantin der Nachrichtenagentur AFP. Während staatliche Gelder verschwendet würden, stürben "vor den Türen der Spitäler" Menschen ohne Krankenversicherung. In der Vorwoche hatte der Tod eines Kindes wegen fehlender medizinischer Behandlung die Menschen im Libanon empört.

In den Städten Tripoli im Norden und Nabatijeh im Süden des Landes beteiligten sich einige Dutzend Menschen an ähnlichen Kundgebungen wie in Beirut. Bereits eine Woche zuvor hatten hunderte Menschen an Protesten teilgenommen, zu denen die Kommunistische Partei aufgerufen hatte.

Ministerpräsident Hariri war bei der Parlamentswahl im Mai im Amt bestätigt worden. Die Diskussionen über die Verteilung von Ministerposten sind aber sieben Monate später immer noch nicht abgeschlossen. Derweil droht Libanon der wirtschaftliche Zusammenbruch.
https://www.vaterland.li/region/international/strassenprotest-gegen-korruption-in-libanon;art102,364268 (https://www.vaterland.li/region/international/strassenprotest-gegen-korruption-in-libanon;art102,364268)

Zitat
Ankaras Angst vor den Gelbwesten
...
Die Wirtschaftskrise lähmt das Land auf Schritt und Tritt, auch wenn die Regierung alles tut, um sie zu verheimlichen. Die vergangene Woche veröffentlichten Wachstumszahlen für das dritte Quartal 2018 steigerten drei Monate vor den Kommunalwahlen den Pessimismus in der Wirtschaft weiter. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres wies die türkische Wirtschaft ein Rekordwachstum von 11,1 Prozent auf, jetzt sind es nur noch 1,6 Prozent. Saisonbereinigt erwies sich sogar, dass die Wirtschaft gar nicht wuchs, sondern um 1,1 Prozent schrumpfte. Die Produktivität der Wirtschaft brach um 5,7 Prozent ein. Die Arbeitslosigkeit kletterte auf die bislang höchste Marke des Jahres.

Erdogan, dem es nicht gelang, diese Entwicklung zu ändern, indem er seinen Schwiegersohn an die Kasse setzte, klammerte sich drei Monate vor den Wahlen an eine bekannte Formel. Damit das Grummeln der unter der Wirtschaftskrise leidenden Bürger nicht in einen Aufstand mündet, setzte er die Waffen Drohung und Spaltung ein. Mit Verweis auf die Gelbwestenbewegung in Frankreich kündigte er an, dass man gegen Proteste gewaltsam vorgehen würde: „Ist hier etwa Paris? Jeder hat seine Lehre aus den Gezi-Protesten gezogen. Wer so etwas unternehmen sollte, wird teuer dafür bezahlen.“ Und gegen den Vorsitzenden der größten Oppositionspartei CHP, der die Arbeiterschaft aufforderte, ihre Rechte auf der Straße zu suchen, sprach Erdogan vor laufender Kamera folgende Drohung aus: „Wir werden euch die Straßen eng machen, ihr werdet keine Chance zur Flucht haben!“

Wie verkaufen sich denn gelbe Westen?

Fatih Portakal, prominenter Moderator bei dem Sender Fox TV, auf den Erdogan keinen Zugriff hat, weil sein Inhaber ein Bürger der Vereinigten Staaten ist, sagte kürzlich am Bildschirm: „Protestieren wir doch gegen die Erdgas-Preiserhöhung. Schaffen wir das? Wie viele Leute würden trotz der Angst auf die Straße gehen? Es wird versucht, Opposition von Einzelpersonen und von der Gesellschaft zu unterdrücken und einzuschüchtern.“ Die Worte brachten Erdogan in Rage. Er drohte Portakal und gab der Justiz Weisung, Ermittlungen einzuleiten: „Unverschämter, der nicht weiß, was ihm zusteht, der seine Grenzen nicht kennt! Was für ein sittenloser Kerl! Die Justiz wird ihm die nötige Antwort verpassen. Wisse, wo dein Platz ist! Weißt du das nicht, bekommst du von der Nation eins in den Nacken!“ Den Fox-Moderator putzte Erdogan herunter, Moderator Erkan Tan dagegen, der bei einem Propagandasender der Regierung arbeitet, ließ er die Worte: „Die Gezi-Protestierer sollte man köpfen!“ durchgehen.

Der Palast und sein Umfeld beließen es nicht bei Drohungen und Beschimpfungen der Opposition. Proteste aufgrund der Wirtschaftskrise könnten vor den Kommunalwahlen alles verderben. Noch ein Detail, das zeigt, wie weit diese Sorge gediehen ist: Das Innenministerium ermittelte, ob in der Türkei Produktion und Absatz der „gelben Westen“ gestiegen seien, wie die Protestierenden sie in Frankreich tragen. Als sich herausstellte, dass „keine Gefahr“ drohe, atmete man im Palast erleichtert auf.
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/brief-aus-istanbul/brief-aus-istanbul-ankaras-angst-vor-den-gelbwesten-15949894-p3.html (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/brief-aus-istanbul/brief-aus-istanbul-ankaras-angst-vor-den-gelbwesten-15949894-p3.html)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 09:28:58 Mo. 24.Dezember 2018
Zitat
Blockaden
Proteste der «Gelbwesten» verpassen der französischen Wirtschaft einen Dämpfer

(https://static.az-cdn.ch/__ip/Vq8GRzNnv6-Nmc2CNzC6X1gC4JY/b46f109412a3bc13b421be9a6388835562538e69/remote.adjust.rotate=0&remote.size.w=3200&remote.size.h=2133&local.crop.h=1800&local.crop.w=3200&local.crop.x=0&local.crop.y=245&r=1,n-medium-16x9-far)

Allein im Pariser Stadtzentrum gehen die Schäden der Gelbwesten-Proteste in die Millionen. Landesweit leiden 62 Prozent der Klein- und mittleren Unternehmen unter den – teils anhaltenden – Blockaden auf den Verkehrskreiseln und vor Einkaufszentren.


Die Apotheke L’Etoile: verwüstet. Die Brasserie de La Belle Armée: ausgebrannt. Die Bankagentur LCL: zertrümmert. So ist es im Viertel um den Pariser Triumphbogen während der bewegten Samstage dieses Monats vielen Geschäften ergangen. Ausgerechnet während der Weihnachtszeit mussten sich die Boutiquen und Cafés der Champs-Élysées hinter Bretterwänden verschanzen, statt die wichtigsten Umsätze des Jahres zu erzielen.

Allein im Pariser Stadtzentrum gehen die Schäden der Gelbwesten-Proteste in die Millionen. Sind sie bezifferbar, zahlt der Staat: Bei ihm können sich die Versicherungen laut einem sehr französischen Gesetz schadlos halten, wenn «durch bewaffnete oder unbewaffnete Massenaufläufe offene Gewalt gegen Personen oder Güter ausgeübt wird».

In der Nationalversammlung liegt zwar seit langem ein Gesetzesvorschlag, der die Organisatoren solcher Veranstaltungen zivilrechtlich zur Verantwortung ziehen will. Doch niemand beeilt sich, ihn in Kraft zu setzen; es wäre praktisch unmöglich, gerade die schlecht verdienenden «gilets jaunes» zu millionenfacher Entschädigung anzuhalten.

Oft sind die Schäden nur schwer festzumachen. So etwa, wenn die grossen Einkaufhäuser wie Galeries Lafayette oder Printemps auch am Samstagnachmittag entweder geschlossen oder leer bleiben. Oder wenn verängstigte Touristen ihre Paris-Reisen absagen.

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Vor allem die Vier- und Fünfsternhotels in der Nähe der Pariser Prachtavenue verzeichneten an gewissen Tagen bis zu 50 Prozent Annullierungen. In Montmartre verzeichneten die Bistros hingegen einen Grossandrang: Offenbar wichen viele Pariserinnen und Pariser am Samstagabend auf den Stadthügel aus, der vor dem Furor der «Gelbwesten» relativ sicher war.

Mautgebühr «entfällt»

Ausserhalb von Paris wurden auch Provinzstädte wie Bordeaux oder Toulouse heimgesucht. Laut dem Branchenverband CPME leiden landesweit 62 Prozent der Klein- und mittleren Unternehmen unter den – teils anhaltenden – Blockaden auf den Verkehrskreiseln und vor Einkaufszentren.

Im Languedoc-Roussillon am Mittelmeer bleiben die Sperren sehr wirksam. Früchte- und Gemüse-Lieferungen aus Spanien werden auf der Autobahn A9 immer wieder aufgehalten. Sowohl die französische Bahn SNCF wie der Autobahnbetreiber Vinci schätzen ihre eigenen Schäden auf «mehrere Dutzend Millionen Euro».

Bei Vinci kommen dazu auch grosse Schäden an den Mautstationen. Einige wurden in Brand gesteckt. Die Automobilisten beklagten sich nicht und fuhren wochenlang durch die verkohlten Schranken, ohne die Mautgebühr zu entrichten.

Und die Wirtschaft als Ganzes? Die Banque de France und das Statistikamt Insee schätzen den protestbedingten Rückgang der Wirtschaftsleistung auf 0,2 Prozent im vierten Quartal. Ein klarer Dämpfer. Wirtschaftsminister Bruno Lemaire übertrieb wohl, als er die Konsequenzen der Gelbwesten-Proteste als «Katastrophe» für Handel und Wirtschaft bezeichnete, um Stimmung gegen die Gelbwesten zu machen.

Viele Franzosen verlegten ihre Weihnachtskäufe einfach ins Internet, um die unsicheren Stadtzentren meiden zu können. Die digitalen Anbieter von Konsumprodukten verzeichnen daher Rekordbestellungen.

Katastrophal sind die Folgen der Krise hingegen für Präsident Emmanuel Macron: Sein entschlossener Reformkurs wurde ausgebremst. Statt die Staatsausgaben zu senken, musste er tief ins Portemonnaie greifen, um die Aufständischen zu beruhigen. Der Verzicht auf die Benzinsteuererhöhung kostet 4 Milliarden Euro, die Erhöhung des Mindestlohnes und die Steuerbefreiung für Überstunden und Kleinpensionen mindestens 10 Milliarden Euro.

In der Schuldenfalle


Das Haushaltsdefizit dürfte die EU-Vorgaben sprengen und laut divergierender Regierungsangaben auf 3,2 oder 3,4 Prozent steigen. EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici hat zwar bereits grünes Licht dafür gegeben. Die Staatsschuld von über 2300 Milliarden könnte allerdings die psychologisch wichtige 100-Prozent-Schwelle des Bruttoinlandproduktes übersteigen.

Die Zinsen für französische Anleihen steigen bereits leicht. Das könnte den Staat noch tiefer in die Schuldenfalle treiben – und Macron bald zu neuen Steuererhöhungen zwingen. Also genau das, was die Gelbwesten erst auf die Strasse getrieben hatte. Ein Teufelskreis.
https://www.aargauerzeitung.ch/ausland/proteste-der-gelbwesten-verpassen-der-franzoesischen-wirtschaft-einen-daempfer-133883226# (https://www.aargauerzeitung.ch/ausland/proteste-der-gelbwesten-verpassen-der-franzoesischen-wirtschaft-einen-daempfer-133883226#)
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 17:34:09 Mi. 26.Dezember 2018
Zitat
Frankfurter Allgemeine - Proteste in Frankreich -  „Gelbwesten“ demonstrieren an den Feiertagen weiter

AKTUALISIERT AM 25.12.2018  15:56 Uhr

Auch an Weihnachten haben sich „Gelbwesten“ auf den Straßen Frankreichs versammelt, um ihren Unmut über die Politik der Regierung auszudrücken. Für Silvester sind größere Proteste angekündigt – auf den Champs-Elysées in Paris.

Quelle und kompletter Text aus der FAZ:

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gelbwesten-proteste-in-frankreich-auch-an-feiertagen-15958955.html (https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gelbwesten-proteste-in-frankreich-auch-an-feiertagen-15958955.html)

und das hier ist auch interessant:

Zitat
Kein Weihnachtsfrieden - Antisemitismus-Vorwürfe gegen die "Gelbwesten"

Kein Weihnachtsfrieden in Frankreich: Auch während der Feiertage gehen in zahlreichen Teilen des Landes die „Gelbwesten“-Proteste weiter - wenn auch die Zahl der Teilnehmer sinkt. Während die Regierung in Paris nach den wochenlangen Aufständen nun eine „Rückkehr zur Ordnung“ fordert, sieht sich die von einer breiten Bevölkerungsschicht getragene Bewegung gegen die sozialen Missstände nun mit Antisemtisimus-Vorwürfen konfrontiert. So verurteilte der Dachverband der jüdischen Organisationen in Frankreich Gewalt gegen jüdische Mitbürger durch Personen in gelben Westen.

Der Verband bezog sich unter anderem auf einen Vorfall in der Pariser Metro vom vergangenen Wochenende. Nach Darstellung der Tageszeitung „Le Monde“ fielen dort drei Männer in gelben Westen mit dem sogenannten Quenelle-Gruß auf, der - linke Hand auf dem durchgestreckten rechten Arm - an den Hitlergruß erinnert. Eine ältere Frau, die gesagt habe, sie sei Jüdin, sei von den Männern daraufhin beschimpft worden, berichtete die angesehene Zeitung unter Berufung auf den Journalisten und Augenzeugen Thibaut Chevillard. Der Verband äußerte sich nicht im Detail zu dem Vorfall.

Quelle und kompletter Text:

https://www.krone.at/1832810 (https://www.krone.at/1832810)

Ja, sorry ich weis ich wollte mich nicht mehr so oft melden, aber das halte ich für wichtig und diesmal ist es nicht RT Deutsch, na sowas aber auch  ;D

Übrigens, auch wegen solchen Lügen und Diffamierungen seitens der Gegner der Gelbwesten wünsche ich Frankreichs Gelbwesten einen langen Atem.

Was meint der israelische Autor Moshe Zuckermann zu dieser gefährlichen Strategie Protestbewegungen oder kritische Stimmen (auch in seiner Heimat Israel) mit diesem Vorwurf mundtot zu machen:

https://weltnetz.tv/video/1633-antisemitismus-als-ideologie (https://weltnetz.tv/video/1633-antisemitismus-als-ideologie)

Gruß Kunta


Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 20:20:05 Mi. 26.Dezember 2018
Zitat
Antisemitismus-Vorwürfe gegen die „Gelbwesten“

Nur weiter so, die gefährlichen Antisemiten können sich ein Loch in den Bauch freuen wenn alles politisch Unbeliebte als Antisemitisch beschimpft wird, irgend wann ist alles Antisemitisch, juckt nicht mehr weil es zu einer Floskel verkommen ist, Glückwunsch.
Und den Antisemiten kommt man damit eh nicht bei, für die ist es keine Beleidigung oder Rückzugsgrund, es soll nur vom mitmachen abhalten, ist ja schon ein Standard des diskreditierens, Rechte, Antisemiten, Trump-Symphatisant, usw. usf., wenn du dich da beteiligdt bist du wahrscheinlich ein ............
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 20:30:07 Mi. 26.Dezember 2018
@Troll

Seh ich ganz genauso, und wirklich abartig wird es wenn israelische Autoren wie Moshe Zuckermann

Zitat
Güte und Freundlichkeit

Als er berichtete, wie Abkömmlinge des Tätervolks, vom CDU-Bürgermeister bis Jutta Ditfurth, ausgerechnet ihm das Wort verbieten wollten in seiner alten Frankfurter Heimatstadt, weil er nämlich „Antisemit“ sei, blitzte dann doch eine gewisse Bitterkeit und Verachtung, eine stille Wut in diesem Menschen auf. Aber nur für einen Moment

Quelle und ganzer Text:

https://kenfm.de/rubikon-im-gespraech-der-allgegenwaertige-antisemit-moshe-zuckermann

Sorry ja Kenfm ::), aber Moshe Zuckermanns Meinung kann man sicher auch andernorts auch nachlesen ;)

@all - Mal so in die Runde hier gestellt:

Was die Gelbwesten iin Frankreich angeht da ist aus obigem Text folgender Satz wohl sehr aufschlußreich
Zitat
Der Verband äußerte sich nicht im Detail zu dem Vorfall
- Warum nicht? Was hat der Verband zu verbergen? Stimmt die Geschichte vielleicht gar nicht oder ist ist so geringfügig, dass der Verband darauf nicht eingehen will - 3 antisemitische Dummköpfe in einer Massenbewegung und man macht gleich aus einer Maus einen Elefanten?

Interessante Fragen, gell?

Gruß
Kunta
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kunta am 20:55:34 Mi. 26.Dezember 2018
Zitat
Gelbwesten und Medien: France 3 macht aus Anti-Macron- ein Pro-Macron-Plakat

Die Forderungen der “Gelbwesten” wurden an Zuschauer auf der ganzen Welt übertragen. Ein Teil der Berichterstattung innerhalb Frankreichs ist jedoch in die Kritik geraten, nachdem der französische Sender France 3 in einem Bericht das Plakat eines Demonstranten abgeändert hat. Gerade jetzt, wenn sich die Polizei immer weiter mit den Gelbwesten solidarisiert, kann das Land derartige Zensurvorwürfe gegen die Medien am wenigsten gebrauchen.

Link zum Video von RT Deutsch (ja, ich weis  :o RT Deutsch  ;D ::):

https://www.youtube.com/watch?v=MrX6dcYFi14 (https://www.youtube.com/watch?v=MrX6dcYFi14)

Und die Macron nahen französischen Mainstream-Medien berichten ja neutral über die Gelbwesten, und lügen nie, oder manipulieren Bilder, und agent provocateurs gibt es in Frankreich keine, ebensowenig wie Zivilpolizisten, die sich in zivil unter die Demonstranten mischen um sie zu Gewalttaten anzustiften...alles nur VTen... :o.... ::) *Vorsicht, Sarkasmus!* ;D ;D ;D ;D

Gruß Kunta

Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:30:58 Do. 27.Dezember 2018
Und wieder eine Diskussion geschreddert.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:56:40 Do. 27.Dezember 2018
Sorry, habe mich hinreißen lassen, Kunta ist sehr quirlig, zu sehr.
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:20:17 Do. 27.Dezember 2018
Zitat
(https://non.copyriot.com/wp-content/uploads/2018/12/tumblr_pj6uqh5cfj1tvr0q1o1_1280-700x432.jpg)

“Wir sind alle Kinder von Marseille”
By Alèssi Dell’Umbria

25 Dez , 2018 

„Während die Zuschauer vor den Bildschirmen nur Bilder der Zerstörung sehen, wirkt der Aufstand als kollektive Regeneration: Die bisher atomisierte Menge erlebt sich als eine Macht, die nur sich selbst gehört.“

“Mit unserem Hundeleben

Das genug ist, um Geschichten ohne Ende zu schreiben

Im Rücken die Straße, mehr Wahrheit als die Nachrichten, am Ende nur die eigene Erfahrung

Du kennst den Refrain, wir haben Hunger…”

Fonky Family

Warum sind es immer die anderen, die auf La Plaine mit dem Finger zeigen? In Folge des Aufstands am Samstag, dem 1. Dezember, trat der Präfekt vor die Presse: “Es waren 100 bis 150 Menschen, die sich gegen die Baustelle auf La Plaine stellten, und die diese Vorfälle verursachten”[1]. Als ob ein Aufstand so beginnen könnte, wie auf Befehl… In Wahrheit war es vielmehr so, dass der Protestmarsch gegen unwürdige Wohnungen, sobald er das Rathaus erreichte, von einem Regen aus Gasgranaten begrüßt wurde, was dann wirklich den Aufstand auslöste, auf den alle Welt gehofft hatte. Die Behörden sind völlig besessen von der Vorstellung, dass wir eines Tages ins Rathaus kommen könnten. Aber wir verstehen… In Paris sind es die Elysées, die streng bewacht werden, in Marseille ist es das Rathaus.

Montag, der 3. Dezember, und die Oberschulen von Marseille nehmen ihrerseits am Tanz teil… Etwa dreißig sind im Streik, ungefähr zehn sind blockiert. Die Kinder sind ganz heiß auf die ganze Sache, bei der Schule Victor Hugo, einer Ghetto-Schule hinter dem Bahnhof brennen nicht nur Mülltonnen, sondern auch ein Auto, das herumstand. In der Stadt wird der ganze Tag rhythmisch durch das hin und her der gepanzerten Bullenwagen gebrochen…

Nach diesem schönen Samstag liegt eine besondere Atmosphäre über der Stadt. Die BAC [Brigades anti-criminalité ] beginnen direkt mit Gummigeschossen zu ballern, sie verstecken sich nicht einmal. Von hohen Stellen gab es Anweisungen, und die Brutalität mit der gegen 15-jährige vorgegangen wird, zeigt, dass die Schläge Spuren hinterlassen sollen. Die meisten Lehrer*innen schauen derweil weg … Am Mittwoch interveniert dann eine Gruppe Hafenarbeiter*innen und stellt sich zwischen die Schüler*innen und die Polizei und erfüllt so das Versprechen, dass die Verantwortlichen der CGT am Samstag, dem 1.Dezember, gegeben haben. Mit einer Gruppe Hafenarbeiter*innen auf der Straße konfrontiert bellen die BAC’s zwar noch, beißen aber nicht mehr.

Am Donnerstag, dem 6. Dezember, nehmen dann die Schüler*innen an einem Protestzug teil, der von den CGT- Hafenarbeiter*innen und einigen SNES-Lehrer*innen angeführt wird, der St. Charles erst verlässt und dann wieder zurückkehrt; bei der Ankunft provozieren die Kinder, vielleicht ein bisschen von der recht stillen Demonstration frustriert, einen Zusammenstoß mit den Bullen am Bahnhof. Die Bewegung der Schüler*innen, noch nicht von Repräsentanten eingefangen, ist immer etwas fröhlicher und lebendiger als die Proteste der Gewerkschaften…

Und immer der Gestank des Tränengas, der weiterhin über der Stadt schwebt. Da wünschen wir uns doch einen schönen Mistral [Wind aus Nordosten, der alles aufs Meer treibt]. Am Freitag, dem 7. Dezember, gegen Abend, treffen wir uns zu Ehren von Zineb Redouane vor ihrem Haus, Nummer 12 in der Rue des Feuillants. Am Samstag, dem 1. Dezember, bekam die 80-jährige Frau eine Gasgranate, ohne Zweifel in einer Situation der Spannungen abgefeuert, ins Gesicht, als sie die Fensterläden ihrer Wohnung im vierten Stock schloss. In ein Krankenhaus gebracht, starb sie während der Operation. Mit Zineb musste der Bezirk Noailles den Herrschenden nun schon neun Tote als Tribut zollen. Ihre Ermordung wird noch gewalttätiger dadurch, dass sie direkt gegenüber des zukünftigen Luxushotels (im Häuserblock Feuillants-Canebière-Longue des Capucins) wohnte, und es sehr wahrscheinlich ist, dass die tödliche Granate von Polizisten abgefeuert wurde, die das Soleam- Gelände [Société Locale d’Equipement et d’Aménagement de l’Aire Marseillaise] auf der anderen Seite der Canebière [zentrale Strasse des alten Quartiers] schützen wollten. Zwei- bis dreihundert Menschen sind gekommen, um ihr die Ehre zu erweisen, zwei Bewohner*innen des Quartiers ergriffen das Wort, um diese zusätzliche Gewalt gegen die Bewohner von Noailles anzuprangern, dann wird von einigen das Salat al- Janazah gesprochen, das Totengebet. Intensive Emotionen, die erst in den nächsten Tagen voll zum Ausdruck kommen werden.

Am Samstag, den 8. Dezember, gibt es mehrere Aufrufe in der Stadt zu erscheinen. 2000 Gilets Jaunes fließen am späten Morgen in den Alten Hafen und versuchen dann vergeblich zu den Hafenterrassen in La Joliette zu marschieren. Die Rue der la République wird ihnen durch Gasgranatenhagel versperrt. Zeitgleich beginnt die Klima-Demo um 15.00 an selbiger Stelle, marschiert die Canebière hinauf, um dann in den Cours Lieutaud einzubiegen. Viele Gilets Jaunes nehmen an dieser Demonstration teil. Hinter der Brücke [welche die Rue d’Aubagne über den Cours Lieutaud führt] taucht eine von zwei Piratenflaggen angeführte zweite Demonstration auf, vom Cours Julien kommend, die sich unter Applaus mit der Demonstration vereint. Auch Gangs von Jugendlichen aus den Vierteln sind gekommen, einige haben bereits die Woche über vor ihren Schulen mit den Polizei gekämpft.

Es sind also fast zehntausend Menschen, die in dem vielfältigen Zug zum Place Castellane, das “Marseille, steh auf, erhebe dich” direkt neben dem “Marseille, friedlich”, anstimmen, was ein allgemeines Lächeln verursacht, denn alle wissen, wie das enden wird… Ein verstärktes Banner “Friss deine Mauern”, direkt neben Transparenten die Vögel verteidigen , während ein Lied aus dem zweckentfremdeten Stadion ertönt: “Auf zu den Bäumen!!! Wir sind die Marseillianer, und wir werden kämpfen…”

Die Bäume, die in Marseille die ersten Opfer der städtischen Politik wurden, in La Plaine mussten wir für dieses Wissen bezahlen…. In Castellane, am Rand der südlichen Viertel angekommen und nach einer Viertelstunde herumstehen, drehten sich all diese schönen Menschen um und wanderten, der Ankündigung der Auflösung zum Trotz, wieder die Rue de Rome zurück. Als wir die Canebière erreichen, ist die Spitze des Demonstrationszuges nur zweihundert Meter vom Alten Hafen entfernt, den die Bullen an diesem Tag ganz sicher nicht verlassen wollen… Zwei Panzerwagen der Gendarmerie warten hier. Die Allee wurde vorsichtshalber aufgeräumt: Die Baustellen, die am vorherigen Samstag die Barrikaden mit Material versorgten sind weggeräumt worden. Ein Elektroauto und Mülltonnen dienen als brennende Barrikade.

Für eine gute Stunde lang hielt die Menge die Kreuzung Belsunce-Canebière. Einige Jugendliche versuchen die Schaufenster des OM-Ladens mit Vauban- Barrieren [Hamburger Gitter] einzuschlagen, doch sie halten Stand, andere werfen sich mit vollem Gewicht gegen die Rolladen aus Metall – der Präfekt wird von “professionellen Randalierern” sprechen, doch sind wir weit davon entfernt; die Burschen haben offensichtlich keine Werkzeuge mitgebracht, nicht einmal ein oder zwei Brechstangen, um sich Eintritt zu erzwingen. Es ist nur ihre reine Energie … Die erste Abteilung der Bullen, die CSI (Compagnies de sécurisation et d’intervention) und die GM (Mobile Gendarmerie) manövrieren … In den benachbarten Straßen wird es heller, die Panzerwagen kommen voran, aber sie werden den ganzen Abend nur die Canebière auf- und abfahren, in den Gassen von Noailles und Belsunce können sie nicht manövrieren.

Nach und nach erlangt die Menge die Kontrolle über die Kreuzung zurück, und die Jugendlichen können das beenden, was sie begonnen haben, nämlich den OM-Laden zu öffnen, und von seinem Inhalt zu reinigen. Die BAC versucht die letzten Plünderer aufzuhalten, aber ein Vorstoß schlägt sie in die Flucht … Auf einer Parallelstraße der Canebière verfolgt eine Gruppe von Jugendlichen jeden Panzerwagen, nachdem sie auf dem Cours Belsunce mit Steinen beschmissen wurden.Sechs Polizist*innen auf Motorrädern kommen in hoher Geschwindigkeit angeprescht und der Erste überholt, um ihnen kurz vor der Rue Longue des Capucins den Weg abzuschneiden, aber „la Bonne mère“ [die Basilika Notre-Dame-de-la-Garde] wacht über ihre Kinder…. In der Tat, der zweite Motorradfahrer rammt den Ersten mit voller Kraft, von einem weiteren gefolgt, die drei rappeln sich auf, während die Jugendlichen es schaffen die Rue Longue zu verlassen … Die, welche die Szene von der anderen Straßenseite aus beobachten, tanzen vor Freude. Andere arbeiten gewissenhaft an einer öffentlichen Aufgabe, direkt gegenüber dem OM-Laden: Alle Fenster und Schaukästen des Soleam einzuschlagen, dann die des Rathauses des 1. und 7. Arrondissements, das direkt nebenan liegt, während die begeisterte Menge daran erinnert: “Die ganze Welt hasst das Soleam”. In dieser Nachbarschaft dürfen auch Banken und Händler nicht vergessen werden; das Western Union auf der Canebière, welche bereits am vorherigen Samstag verwüstet wurde, erhält eine bevorzugte Behandlung, und auch die Sparkasse auf dem Boulevard Longchamp, wo sich Vandalen Zugriff zum Gebäude verschaffen…

Die Polizeiautos vor der Polizeiwache Noailles werden präventiv weggefahren, und die Kreuzung Canebière-Garibaldi wird schnell zum Zentrum der polizeilichen Besetzung. Die Aufständischen zünden keine Autos an, die Menschen die um Canebière herum wohnen, gehören nicht zur Klasse der Bourgeoisie im 8. Arrondissement von Paris … Wagen, die in unseren Vierteln geparkt sind, sind sehr alte Karren, die schwerlich über den TÜV kommen, aber die Müllcontainer tun es auch, und es brennt überall … in Noailles, zur Plaine hin, in Belsunce, der Boulevard Longchamp … Für mehrere Stunden werden die mobilen Gruppen der Bullen auf beiden Seiten des Canèbe bedrängt …

Mindestens acht Geschäfte werden geplündert, sorgfältig ausgewählt: Neben dem Laden von OM sind speziell zwei Juweliere in der Rue d’Aix erwähnenswert. Auf dem Boulevard Longchamp nehmen sich mehrere Dutzend Aufständische der Gitter der Filiale von Saint-Honoré Paris (SHP) an, einer unauffälligen Adresse für Luxusmarken wie Dior, Zadig & Voltaire und Hermés.

“Es gab eine ‘Flatrate’ für alle. Sogar die Menschen von der Terrasse nebenan kamen um sich zu bedienen! (…) Sie begannen zu plündern und zerschlugen die Ladeneinrichtung. Die Wände haben gewackelt, man konnte sie von oben hören.”, berichtet der Manager, der Schäden durch Vandalismus und Plünderungen in Höhe von 1.6 Millionen Euro zu beklagen hat.

Aus unseren Reihen kann keine Bilanz gezogen werden… Es gab viele Verletzte, vor allem aber durch die Schlägern der BAC. Eine Notärztin aus Timone, ehemals gewähltes Mitglied der regierenden Stadtratsfraktion, Vertraute von Gérard Chenoz, kündigte in einem Tweet an, die Verwundeten dieser Nacht zu denunzieren. Diese kommunale Clique lässt keine Chance aus ihre Ablehnung zu zeigen. Darüber hinaus wurden etwa 40 Personen in Gewahrsam genommen, etwa 20 wurden angeklagt. Und bekanntermaßen finden die Verhandlungen seit dem ersten Schwung am 3. Dezember unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. In der speziell eine Person, der vorgeworfen wurde an der Plünderung eines Geschäftes von Orange [Mobilfunkanbieter] teilgenommen zu haben, zwei Jahre Haft bekam. Was diesen zweiten Tag der Unruhen betrifft, so werden die Strafmaße die gleichen sein und eine Person wird für den Besitz einer Rauchfackel 6 Monate bekommen..

Am Montag, den 10. Dezember, gab es einen Aufruf, in dem das ‘Kollektiv des 5. November’ aufrief, sich anlässlich der letzten Stadtratssitzung des Jahres vor dem Rathaus zu treffen. Jedoch erfahren wir Sonntag abends, dass Gaudin angesichts der Ereignisse des Vortages beschlossen hat, diesen Ratstermin auf später zu verschieben! Eine gute Idee, Gaudin! Der Aufstand terrorisiere das Rathaus, das dann von einer Staffel des CRS [Compagnies républicaines de sécurité] geschützt wird. Doch der Aufruf bleibt bestehen und wir sind fünfhundert, die an diesem kühlen Wintermorgen den verschiedenen Redner*innen zuhören, aus Noailles, von La Plaine und aus den nördlichen Stadtteilen. Per Telefon wird gemeldet, dass gerade Gaudin in den Räumen des Rathauses des 1. und 7. Arrondissements gesichtet wurde. Derjenige, der sich nicht zu einem Besuch der Rue d’Aubagne herabgelassen hat, während das ‘Kollektiv des 5. November’ für ein paar zerbrochene Fenster bei ihm vorbeikam. Wir fahren sofort Richtung Canebière, aber bei unserer Ankunft ist der traurige Herr schon wieder weg… Darauf beschränkt durch seine eigene Stadt zu schleichen, was für ein Ende seiner Herrschaft!

sNach diesen beiden rastlosen Samstagen kam bei den Aktionen am 15. Dezember der Eindruck eines Machtverlustes auf – weniger Demonstrierende und am Abend nur wenige Zusammenstöße oben auf der Canebière… Auch in Paris scheinen die Tage des 1. und 8. den Höhepunkt zu markieren. Bemerkenswert war in diesen drei Wochen, das mit dem Aufruhr der Gilets Jaunes in Paris sich die Beschränkungen der Demonstrationen endgültig auflöste, so dass die Unruhen des 1. und 8. Dezember möglich wurden. Das einzige Mal, dass die bourgeoisen Stadtviertel von Paris wirklich die soziale Wut der Massen spürten, die ohne definierte Routen, in viele Gruppen zersplittert, agierten und so die Kontrolle der Polizei über dieses Gebiet in Frage stellten. In ganz anderem Kontext verliefen die Tage in Marseille ähnlich für die Behörden, die die Massen zu verwalten haben und dafür sorgen sollen, dass die Ordnung der Demonstrationen wirklich zu ihrer Kontrolle wird: Die Polizei erklärte, dass die Bewegung erneut viele Formen angenommen habe: „’Gelbe Westen’, der Klimamarsch, die Protestierer aus der rue d’Aubagne’, die ‘Randalierer’ und ‘Plünderer’. Trotz eines Polizeiapparats. der den spontanen Bewegung der Demonstranten folgend verschoben wurde, sei es schwierig geblieben, die Ausschreitungen dieser Bewegung mit ihren vielfältigen Komponenten einzudämmen.“ [2]

Der Aufstand ist immer eine Überraschung… Sein Charakter als unerwartetes Ereignis ist wesentlich, er kann nach einer Demonstration, einem Konzert, einer simplen Polizeikontrolle in der Nachbarschaft ausbrechen, das ist nicht wichtig, aber er ist immer spontan – auch wenn einige Teilnehmer*innen so etwas erwartet und sich ausgerüstet haben, so liegt es nicht in ihrer Macht dies zu entscheiden. Einen Aufstand kann man nicht anordnen. Und während die Zuschauer vor den Bildschirmen nur Bilder der Zerstörung sehen, wirkt der Aufstand als kollektive Regeneration: Die bisher atomisierte Menge erlebt sich als eine Macht, die nur sich selbst gehört. Aber wie wird die so wiederbelebte politische Energie verwendet? Wie können wir auf andere Formen zurückgreifen, die auch improvisiert und auch überraschend sind? Die Seite, die sich wiederholt, unterzeichnet das Todesurteil, das der Bewegung bevorsteht. Und in diesem Sinne war der Tag des 15. Dezembers, sowohl in Paris als auch in Marseille, eine Warnung.

In Marseille greifen die Märsche ineinander (eine Kundgebung ist am Donnerstagmorgen um 8 Uhr vor dem Rathaus geplant, wo der Stadtrat endlich tagen wird). Aber es ist nicht klar, wie die Aussichten sind, und so wie auch auf dem “Niveau hexagonal” [auf Gesamt-Frankreich bezogen] viele Gilets Jaunes jetzt vom RIC [référendum d’initiative citoyenne, Volksabstimmung] begeistert sind, fordern hier einige, dass der Staat die Kontrolle über die Stadt übernimmt, mit dem Argument, dass wir Gaudin um jeden Preis loswerden müssen – es wäre ganz wundervoll, jetzt von einem Macron’schen Präfekten regiert zu werden, bestimmt! Unsere Stadt hat im letzten Jahrhundert erlebt was eine staatliche Aufsicht bedeutet, mit den tragischen Folgen die wir 1943 gesehen haben, aber historisches Bewusstsein und Demagogie vermischen sich nicht sehr gut. [3]

,Es ist wahr, wir alle haben auf jedem Marsch seit dem 5. November “Gaudin démission” [Gaudin Rücktritt] gerufen. Und zu sehen wie diese alte verächtliche Person ihre Karriere mit einem schandhaften Rücktritt unter Zwang beenden muss, würde uns große Freude bereiten. Wir würden dies auch würdig feiern. Aber die Katerstimmung danach wäre wohl schlimm, wenn am nächsten Tag an seiner Stelle eine Martine Vassal [Stellvertretende Bürgermeisterin von Marseille] oder ein anderer Politiker der gleichen Art stünde, mit demselben kommunalen Apparat und der intakten FO- Mafia, mit den Gewohnheiten der Klientelpolitik, die schon so lange die Unterwerfung der Marseiller sichert… wenn uns nicht sogar einen Kolonialgouverneur, so wie 1939, aufgezwungen würde.

Mit anderen Worten: Die Forderung nach einem Rücktritt ist nicht genug. Und wir haben keine Lust eine Menschenansammlung abzugeben, die vor dem Tor drängelt, um in die Wählerlisten 2020 aufgenommen zu werden. Es ist höchste Zeit unsere eigenen politischen Formen zu reflektieren. Und deshalb können wir uns nur der Erklärung des “Syndicat des Quartiers Populaires” vom 2. Dezember anschliessen. Die Genossen aus den nördlichen Vierteln haben nach ihrer Forderung des geschlossenen Rücktritts des Stadtrats das i-Tüpfelchen gesetzt: “Wir wenden uns an die Menschen von Marseille, die Kollektive, die Gewerkschaften, die Verbände, um erneut das Schicksal dieser zersplitterten Stadt in die Hand zu nehmen, die von Verachtung und Jahrzehnten notdürftiger und klar unfähiger Kommunalpolitik erschüttert ist. Es gilt eine SELBSTORGANISIERTE Gemeindeordnung zu schaffen, die fähig ist relevante Arbeitsbereiche zu definieren und Lösungen für die Gesamtheit der Menschen in Marseille zu entwickeln!“

Diese Perspektive mag beängstigend wirken, aber sie verbindet sich mit der glorreichen Geschichte unserer Stadt; es sollte genügen an die Charta der Republik Marseille von 1214 zu erinnern, um zu verstehen, dass die für unsere kommunale DNA entscheidend ist.”

Nach der Katastrophe vom 5. November (4) kümmerten sich Kollektive und Verbände in den populären Vierteln um die, die alles in ihren geräumten Häusern zurückgelassen hatten (bisher 1596 Menschen). Das gewöhnliche Volk von Marseille kann so großzügig sein, es gab Solidaritätskonzerte in verschiedenen Cafés in La Plaine und in Noailles, die gut besucht waren und bei denen man Geld einsammelte. Aber dann? Solch humanitäre Hilfe für die Verdrängten wird vom Zeitdruck bestimmt; das hindert uns aber nicht darüber hinaus zu denken. Es ist an der Zeit über Besetzungen nachzudenken, ein Begriff der sowohl als Inbesitznahme als auch als eine langfristige Tätigkeit verstanden werden sollte.

Wenn eine große Masse die Straße einnimmt, wird es möglich, in ein leeres Gebäude einzudringen, es zu übernehmen, um darin Verdrängte unterzubringen. Und wir wissen alle, wo sich in Marseille leere Gebäude in gutem Zustand zu finden sind. Die einzige Übernahme, die bisher stattgefunden hat, war die des ehemaligen städtischen Kulturbüros, an der Kreuzung Canebière- Belsunce auf der südlichen Spitze von Noailles, mit nur wenigen Menschen und sie hielt auch keine 24 Stunden.

Und das ist schade, denn eine dauernde Besetzung an diesem Ort, direkt vor dem Soleam und nur 20m vom Haus von Zineb Redouane entfernt, hätte selbst den Wert eines Manifestes! Und am Ende eines Marsches von mehreren tausend Menschen durch Marseille, von denen es bestimmt ein Dutzend gab, wäre eine Besetzung, die von Anfang an bekannt und anerkannt wäre, in einer Situation des Kräftegleichgewicht möglicherweise durchgesetzt worden.

Die Frage stellt sich vor allem, da die Ausquartierten oft so weit wie möglich von ihren Häusern entfernt untergebracht werden. Im gegenwärtigen Kontext wären Hausbesetzungen in den Augen vieler Menschen völlig legitim und würden die Fähigkeit eröffnen, zur Verteidigung des Ortes zu mobilisieren. Und auch an diesem Montag, dem 17. Dezember, wurden im Viertel Corot die 96 Wohnungen des Gebäude A geräumt, nur 21 Familien wurden nach den Plänen des Rathauses umgesiedelt, was alle anderen Bewohner ohne Perspektiven auf der Straße zurückließ. Es sollte auch bemerkt werden, dass nach der Mamba- Episode [5] jede Besetzung in Marseille unmöglich wurde – jeder Versuch hielt nicht länger als ein paar Stunden, die BAC greift sofort mit extremer Gewalt ein, um einzuschüchtern. Hier wäre nun eine Gelegenheit die Zeit der Mobilisierung zu nutzen, um den Trend umzukehren – bevor der Legalismus wieder arbeitet und sich so Energien zerstreuen.

Versammlung am Donnerstagmorgen um 8:00 Uhr vor dem Rathaus. Das Wetter wird kühl aber sonnig. Die Clique von Gaudin aber wird nie wieder das Tageslicht erblicken.

Alèssi DELL’UMBRIA

[1] Vgl. “Marseille, debout, soulève-toi!” LundiMatin, 3. Dezember 2018.

[2] La Provence, 10. Dezember 2018.

[3] Vgl. “Une ville coloniale”, Histoire Universelle de Marseille, 2006

(4) Drei baufällige Häuser in der Altstadt von Marseille stürzen ein und und begraben mehrere Menschen unter sich. Nach den Todesfällen gibt es wochenlang wütende Proteste und Ausschreitungen, die sich gegen eine unfähige Bürokratie richten. Zahlreiche weitere baufällige Häuser in der Innenstadt mussten von ihren Bewohner*innen verlassen werden.

[5] Mamba war ein Gebäude unterhalb von La Plaine, das im Winter 2015 von Genossen besetzt wurde, um mehrere Dutzend Geflüchtete, darunter Sudanesen, aufzunehmen. Der Ort wurde im Laufe des Jahres 2016 geräumt, aber das Kollektiv ist weiterhin im Bezirk aktiv.

Anmerkungen:

Dieser Text erschien am 19. Dezember auf Lundi Matin:
http://lundi.am/NOUS-SOMMES-TOUS-DES-ENFANTS-DE-MARSEILLE (http://lundi.am/NOUS-SOMMES-TOUS-DES-ENFANTS-DE-MARSEILLE)
https://non.copyriot.com/wir-sind-alle-kinder-von-marseille/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:22:37 Mo. 31.Dezember 2018
Zitat
Gestern hatten die Demonstranten in den gelben Warnwesten das siebte Wochenende in Folge ihrem Unmut über hohe Lebenshaltungskosten und die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung Ausdruck verliehen. Zu Protesten kam es in Paris, Marseille, Lyon, Toulouse und Bordeaux. Auch Straßensperren wurden wieder errichtet.
https://www.deutschlandfunk.de/proteste-der-gelbwesten-journalisten-im-visier.1939.de.html?drn:news_id=961158

Zitat
So zogen zahlreiche Menschen in Paris in die Nähe der Sender BFMTV und France Télévisions und riefen dort „Journalistes collabos“. Das steht für Kollaborateure. Die Demonstranten warfen den Medien vor, falsch zu berichten und mit der Regierung zu „kollaborieren“ – also auch mit Präsident Macron, der seit Wochen in der Kritik steht. Der freie Journalist Clément Lanot etwa postete bei Twitter ein Video, das die Rufe der Gelbwesten dokumentiert. Weitere Reporter bestätigen das, so etwa Vivien Vergnaud vom „Journal du Dimanche“. Er zitiert in seinem Tweet die Demonstranten mit den Worten: „Schämt ihr euch nicht, für einen Oligarchen zu arbeiten? Ihr belügt die Franzosen.“
https://www.deutschlandfunk.de/proteste-der-gelbwesten-journalisten-im-visier.1939.de.html?drn:news_id=961158

Zitat
"Wenn's knallt, werden es keine Böller sein" - Gelbwesten kündigen massive Proteste zu Silvester an
https://deutsch.rt.com/europa/81760-wenns-knallt-werden-es-keine-boeller-sein-gelbwesten-kuendigen-proteste-zu-silvester-an/

Zitat
Proteste zu Silvester
Werden die Champs-Elysées gelb?

Zwischen den Jahren ist es ein bisschen ruhiger um die "Gelbwesten" geworden. An Silvester aber wollen sich viele Protestler auf der berühmten Prachtstraße in Paris versammeln und friedlich demonstrieren.
https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-gelbwesten-105.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:27:37 Sa. 05.Januar 2019
Zitat
Die Gelbwesten schreiben einen empörten Brief an Präsident Emmanuel Macron und rufen zu weiteren Protesten gegen die Regierung auf.

Der Ton ist harsch, der brodelnde Zorn in jeder Zeile spürbar. In einem Brief an Präsident Emmanuel Macron persönlich, den einige Vertreter der französischen „Gelbwesten“-Bewegung in den sozialen Netzwerken veröffentlicht haben, werfen sie diesem „hemmungslose Repression“ vor.

„Wieso halten Sie es für notwendig, präventiv Tausende Bürger festzunehmen, die in Paris, der Hauptstadt der freien Welt und der Menschenrechte, unterwegs sind, einfach nur um friedlich die Missbilligung Ihrer Politik zu zeigen?“, fragen die Autoren des Schriftstücks. Sie reagieren damit auf die Silvesteransprache Macrons, in der er einerseits Verständnis für die Verzweiflung mancher Menschen über ihre soziale Not äußerte, andererseits die Gewalt scharf verurteilte, die die Protestaktionen der „Gelbwesten“ zu Jahresende begleitet hatten.
http://www.fr.de/politik/gelbwesten-in-frankreich-wut-auf-dem-papier-und-auf-der-strasse-a-1648624
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 13:12:28 Sa. 05.Januar 2019
Hier im Norden erfährt man schlicht nichts über die Auseinandersetzungen in Frankreich, das sagt schon viel aus.

"... die Reform der Arbeitslosenversicherung, mit der die Regierung innerhalb von drei Jahren bis zu 3,9 Milliarden Euro einsparen will. ... " zeigt eindeutig, dass auf den Knochen der schon jetzt Ausgebeuteten mal wieder "gespart" werden soll. Für wen denn?!

Hoffentlich gelingt es den "Gelbwesten", der dortigen "Regierung Einhalt zu gebieten, höchste Zeit, dass endlich etwas zu Gunsten der arbeiten müssenden Menschen sich ändert!

"Neoliberalismus" und "Digitalisierung" sind dauerhaft schädlich. Gab es eigentlich eine Antwort der französischen Journalisten auf: „Schämt ihr euch nicht, für einen Oligarchen zu arbeiten? Ihr belügt die Franzosen.“

Die Frage kann an alle "Journalisten in allen Ländern gestellt werden!

MfG

BGS

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 10:08:12 So. 06.Januar 2019
Zitat
Bei den ersten Protesten im neuen Jahr waren landesweit rund 50.000 Demonstranten auf die Straße gegangen, wie Innenminister Christophe Castaner dem Sender LCI sagte. Das sind mehr als am Wochenende vor Weihnachten, als etwa 39.000 Menschen demonstrierten.
https://www.zeit.de/news/2019-01/06/goering-eckardt-kritisiert-gelbwesten-protest-in-frankreich-20190106-doc-1c018z

Zitat
Regierungssprecher flieht vor Angriff der „Gelbwesten“
Auch im neuen Jahr gehen die Proteste der Gelbwesten gegen die französische Regierung weiter.


In Paris flogen aus den Reihen der Demonstranten Wurfgeschosse auf die Polizei.
Und in Rouen in der Normandie brannten Mülltonnen und Sperrmüll.

Bei Protesten zehntausender Anhänger der „Gelbwesten“-Bewegung ist es in mehreren Städten Frankreichs erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, griffen Demonstranten am Samstag in Paris nahe dem Rathaus Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen an.

Regierungssprecher Benjamin Griveaux musste wegen randalierender Demonstranten sein Büro verlasen. Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt bei den Protesten, an denen sich landesweit 50.000 Menschen beteiligten.
...
Angriff auf Ministeriumsgebäude


Mehrere Aktivisten brachen am Nachmittag die Tür zum Innenhof eines Ministeriumsgebäudes auf, in dem Regierungssprecher Griveaux sein Büro hat. Der Angriff habe „nicht mir, sondern der Republik gegolten“, sagte er zu AFP. Nach seinen Angaben waren „Gelbwesten“ und schwarz gekleidete Demonstranten daran beteiligt. Zwei Autos im Innenhof seien zerstört worden. Griveaux wurde in Sicherheit gebracht.
...
In Bordeaux beteiligten sich 4600 und in Toulouse 2000 Menschen an den Protesten. In Bordeaux wurden bei Krawallen am Abend fünf Polizisten verletzt und elf Demonstranten festgenommen. Tausende „Gelbwesten“ blockierten zudem die Autobahn A7 in Lyon.
https://www.welt.de/politik/ausland/article186592086/Frankreich-Gelbwesten-setzen-Proteste-gewaltsam-fort.html

(https://www.welt.de/img/politik/ausland/mobile186596472/0371624197-ci23x11-w780/FRANCE-POLITICS-SOCIAL-PROTEST-2.jpg)

Zitat
Neue „Gelbwesten“-Krawalle: Schiff auf der Seine angezündet

In Paris ist es erneut zu Gewalt bei Protesten der „Gelbwesten“ gekommen. Präsident Macron sprach von einem Angriff auf Frankreich.


(https://img.morgenpost.de/img/politik/crop216144097/580260418-w820-cv16_9-q85/doc73im9x65t76921p213df-MASTER.jpg)

Demonstranten setzten nach Augenzeugenberichten in Paris Barrikaden und ein Restaurantschiff auf der Seine in Brand. Ein Polizist erlitt Verletzungen, als ein Fahrrad auf ihn geworfen wurde.

Nahe der Nationalversammlung und des Musée d’Orsay setzte die Polizei Tränengas ein. Touristen rannten in Scharen davon. Spezialeinheiten der Polizei blockierten einige Brücken über die Seine.


Macrons Zugeständnisse reichten offenbar nicht

Die Massenproteste der „Gelbwesten“ hatten die französische Regierung in den vergangenen zwei Monaten erheblich unter Druck gesetzt. Im Dezember brachte Macron eilends ein milliardenschweres Paket mit Sozialmaßnahmen auf den Weg, um den Konflikt zu entschärfen.

Da die Proteste jedoch anhielten, schlug die französische Regierung zuletzt eine härtere Gangart gegen die „Gelbwesten“ ein. Die Protestbewegung sei „eine Sache von Agitatoren geworden, die den Aufstand vorantreiben, um die Regierung zu stürzen“, sagte Regierungssprecher Benjamin Griveaux am Freitag.
https://www.morgenpost.de/politik/article216144101/Neue-Gelbwesten-Krawalle-Schiff-auf-der-Seine-angezuendet.html

Zitat
Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat die Protestbewegung der "Gelbwesten" in Frankreich kritisiert. Sie habe zwar Verständnis für die Proteste vieler Menschen auf dem Land, "die in der Politik aus Paris eine Ignoranz gegenüber ihren existenziellen Problemen sehen", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagsausgaben). "Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass die Proteste mit extrem viel Gewalt einhergehen. Man muss nichts anzünden, um Forderungen durchzusetzen."
 
http://www.taz.de/Gelbwesten-Proteste-in-Frankreich/!5562918/

Muß man nicht, kann man aber.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 10:49:21 So. 06.Januar 2019
Es wäre gut, wenn die Gelbwesten Macron zum Teufel jagen! Denn das wäre die passende Niederlage für das Kapital.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 17:18:46 So. 06.Januar 2019
Es wäre gut, wenn die Gelbwesten Macron zum Teufel jagen! Denn das wäre die passende Niederlage für das Kapital.

Genau. Hoffentlich gibt es viele Nachahmer in anderen Ländern. Wir haben uns lange genug verarschen lassen.

Katrin Göring-Eckard sollte ihre Klappe halten, sich was schämen und zuruecktreten.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:37:54 So. 06.Januar 2019
Ein schweizer Käseblatt spürt bereits den Wind der Revolution.
In meinen Augen arg übertrieben, doch schön zu sehen, wie einigen der Arsch auf Grundeis geht.

Zitat
Revolutionäre Züge
Die Proteste der Gelbwesten ebben nicht ab. Das ist beunruhigend, denn Frankreich ist wichtig für Europas Stabilität.


Wer geglaubt hat, die Gelbwestenproteste würden abflauen, der hat sich getäuscht. Auch im neuen Jahr gehen in Frankreich Zehntausende Menschen auf die Strassen und lassen ihrem Unmut freien Lauf – vielfach mit dem Mittel der rohen Gewalt. Die Lage in Frankreich droht zu eskalieren. Der Regierungssprecher musste am Samstag sein Büro in Paris fluchtartig verlassen, weil Demonstranten mit einer Baumaschine das Tor zu seinem Amtssitz eingedrückt hatten. Die Gelbwestenproteste nehmen zunehmend revolutionäre Züge an.

Der Zustand der «Grande Nation» ist beunruhigend. Gerade in einer Zeit, in der auf der europäischen Bühne mit dem Brexit und den Europawahlen im Mai grosse Herausforderungen anstehen. Ein destabilisiertes Frankreich ist ein grosses Hindernis für die von Präsident Emmanuel Macron angestrebten Reformen der Europäischen Union. Macron kämpft in seiner Heimat um sein politisches Überleben. Flauen die Proteste in Frankreich nicht ab, ist sein Verbleib im Amt ungewiss.

Macrons Versuche, die Proteste mit politischen Zugeständnissen und Dialogangeboten einzudämmen, fruchten offensichtlich nicht. Zu gross ist die Wut, die sich in vielen Franzosen aufgestaut hat und die sich seit Wochen entlädt. Der als Reformator angetretene Präsident hat es verpasst, einen echten Wandel in Frankreich einzuläuten. Macron hat zwar das Parteiensystem des Landes auf den Kopf gestellt. Das politische System ist jedoch dasselbe geblieben. Noch immer regiert der französische Präsident fast wie ein gewählter König. Das akzeptieren viele Bürger nicht mehr. Es ist auch nicht mehr zeitgemäss.
https://www.tagblatt.ch/international/revolutionare-zustande-ld.1083019
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:37:02 Mo. 07.Januar 2019
Europas Stabilität, wo, was, für wenn, legalisierte kriminelle Umverteilung im großen Stil?
Menno, unsere Qualitätspresse beendet die Proteste doch regelmäßig, "heute sind es weniger", auch die Gewalttätigkeit macht ihnen ganz große Sorgen, die Blätter die gerne jubeln wenn wir Freiheit und Demokratie mit Bomben über die Welt streuen, jetzt verantwortungsvoll mit deutscher Beteiligung, mit deutschen Waffen eh schon lange.

Ich wünsche den Gelbwesten viel Durchhaltevermögen, ich habe derzeit das ungute Gefühl es soll ausgesessen werden, denn gewinnen dürfen sie auf keinen Fall, alle erschießen scheint auch eher kontraproduktiv, also zermürben
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: dagobert am 17:23:02 Mo. 07.Januar 2019
Zitat
In Frankreich gab es zum Jahreswechsel eine Überraschung, die der Regierung wahrscheinlich weitere Minuspunkte einbringt. Es geht um eine Verordnung, die Verpflichtungen und Rechte von Arbeitssuchenden neu regelt. Verabschiedet wurde das übergeordnete Gesetz zur “Wahlfreiheit bei der beruflichen Zukunft” Anfang August vergangenen Jahres im Parlament nach zwei Monate lang andauernden Debatten mit der Mehrheit der Regierungspartei gegen die Stimmen der rechten und linken Opposition. Seit dem 30. Dezember 2018 ist das dazugehörige Dekret über Verpflichtungen und Rechte von Arbeitssuchenden im Gesetzesblatt Journal Officiel veröffentlicht, womit es in Kraft getreten ist. Nun zeigt sich zur Überraschung der Öffentlichkeit, dass in der nun erlassenen Verordnung härtere und drastischere Sanktionen für Arbeitssuchende aufgeführt werden, als sie die Regierung bei den Debatten zu ihrem Gesetzesentwurf vorgestellt hatte.
http://www.labournet.de/internationales/frankreich/lebensbedingungen-frankreich/die-deutsche-weihnachtsueberraschung-der-franzoesischen-regierung-verschaerfte-jagd-auf-erwerbslose/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 21:13:38 Mo. 07.Januar 2019
Hat der Macron keinen Bock mehr ?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 06:30:22 Di. 08.Januar 2019
Hat der Macron keinen Bock mehr ?

Der fliegt irgendwann. Wird schon irgendwo fürstlich entlohnt unterkommen bei Seinesgleichen.

Es gilt, den nächsten Schurken zu verhindern, der ins Neoliberalismushorn bläst.

Auch in Skandinavien stellen nun manche erstaunt fest, dass sie als Arbeitende, falls kein Job mehr, für sie unerwartet jeden Scheissdreck sofort annehmen oder sich bei Leihbuden andienen müssen.

2019 sind in meinem Umfeld drei Leute unter 30 davon betroffen. Eine tolle Zukunft erwartet sie.

Das kommt davon, wenn man sich nicht informiert, alles hinnimmt und alles unterschreibt.

Muss zur Schicht am eisigen Polarhafen und das freut mich, da wohl den Rest des Monats (unbezahlt) frei.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:06:31 Di. 08.Januar 2019
Der nächste Schritt wäre interessanter, ob Macron. Merkel oder wer auch immer, was kommt/passiert danach? Wird nur die jeweilige Pappnase ausgetauscht oder geopfert für die Alternativlosigkeit, den Status quo?
Die wichtigen Forderungen der Gelbwesten, was ist damit, Macrons Abtritt wäre m.M.n. der kleinste Schritt, wenn sich sonst nichts bewegt ist er am Ende ein Bauernopfer, ein Märtyrer.
Wäre der gleiche Mist wie "Mekel muss weg" Forderung, es bedeutet nichts außer ein Tapetenwechsel für die Ruine.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:04:35 Di. 08.Januar 2019
Theoretisch magst du Recht haben.
Im Fall Frankreich sehe ich es anders.
Es gab und gibt die soziale Unruhe als Reaktion auf die voranschreitende Verarmung.
Zitat
Um die Situation zu beruhigen, die Ende des Jahres zu eskalieren drohte, hatte die Regierung nicht nur eine geplante Erhöhung der Ökosteuer auf Kraftstoff ausgesetzt. Macron kündigte zudem an, den Mindestlohn spürbar zu erhöhen, Rentner mit einer Pension von bis zu 2000 Euro von der Erhöhung der Sozialsteuer zu befreien und Bürger-Dialoge im ganzen Land zu organisieren, um die Menschen stärker miteinzubeziehen. Die Maßnahmen kosten rund zehn Milliarden Euro und erhöhen Frankreichs Defizit deutlich. Viele Vertreter der „Gelbwesten“ halten die Zugeständnisse dennoch für nicht ausreichend.
https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Bei-den-Gelbwesten-geht-die-Radikalisierung-weiter-id53100491.html

Macron ist aber zu einer Symbolfigur geworden. Er symbolisiert die Arroganz der Macht. Von den deutschen Qualitätsmedien wurde er stets als Sympathieträger und Lichtgestalt jugendlicher Politikerneuerung beschrieben, in Frankreich hingegen sieht man in ihm den Präsidenten der Reichen. Sein Auftreten in Spiegelsälen voller Goldprunk mit historisch uniformierten Wachen, seine Vorliebe für thronähnliche Sitzmöbel, seine Gehabe als Sonnenkönig mit "Der Staat bin ich" Attitüde, haben das Faß zum Überlaufen gebracht. Der Pöbel will diesen König nun fallen sehen. Ich bin da ganz auf der Seite des Pöbels.

Den Gelbwesten reicht aber keineswegs ein "Macron muß weg!", sie wollen eine weitergehende Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum, sie wollen eine weitere Demokratisierung der Gesellschaft und sie richten ihre Wut auf die Rolle, die die Schweinemedien in dem Staat und im Umgang mit den Gelbwesten spielen. All das befürworte ich voll und ganz.

Ich halte es keinesfalls für vergleichbar mit der "Merkel muß weg!"-Faschoparole.
Von mir aus kann Merkel gerne weg, denn sie vertritt die Interessen des Kapitals und nicht meine.
Die Kampagne baut jedoch darauf, daß Merkel eben nicht hochherrschaftlich daherkommt, sondern verbal relativ humanistisch bis linksalternativ (was nichts mit ihrer Politik zu tun hat) auftritt. Die Rechten haben Merkel deshalb als kommunistisches FDJ U-Boot beschrieben, das mit ihrer "Nomenklatura" und "ihren Flüchtlingen" unseren schönen deutschen Kapitalismus kaputtmachen will. Das Ziel der Merkel-muss-weg-Rechten ist keineswegs eine Verbesserung der sozialen Bedingungen, noch eine Demokratisierung der Gesellschaft. Sie wollen die "Volksverräter" zur Rechenschaft ziehen, die "Lügenpresse" in ihrem Sinne gleichschalten und den Ausbeutern freie Bahn erkämpfen, indem man jegliche Opposition, Kritik oder Proteste unmöglich macht.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 16:03:27 Di. 08.Januar 2019
Weitgehend sehe ich es wie "Kuddel". Doch warum wollen ausgerechnet die häufig dummbatzigen, beschränkten. ... Rechten "Ausbeutern freie Bahn erkämpfen" (Klar gibt es auch verstreut Faschisten, welche durchtrieben und eher klug sind) wollen?

Da wären sie doch selbst unter den ersten noch stärker Benachteiligten (wäre m.M.n. schon OK).

Ferner sieht es leider derzeit stark danach aus, dass die Drecksausbeuter sich in einer Situation zu  wähnen scheinen, in denen sie sich quasi alles erlauben können. Man bedenke, dass fuer den Profit aktuell Generation nach Generation einer auch nur halbwegs gesicherten Zukunft beraubt werden. Versklavung und Verarschung allerorten.

Dies könnten die Gelbwesten korrigieren, den meisten ihrer Fordrungen stimme ich persönlich uneingeschränkt zu, sie sind ueberfällig.

Mein Traum ist, dass sich in allen Ländern aus allen Bevölkerungsteilen ähnliche Bewegungen gruenden. Die nicht nachgeben, bis alle Forderungen erfuellt sind.

MfG

BGS.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:03:54 Di. 08.Januar 2019
...Doch warum wollen ausgerechnet die häufig dummbatzigen, beschränkten. ... Rechten "Ausbeutern freie Bahn erkämpfen"(...) wollen?

Deine Beschreibung von "dummbatzigen, beschränkten Rechten" trifft die Vorstellung sehr gut, die viele Menschen von den Rechten haben, weil dieses Bild von unseren Drecksmedien auch aufrechterhalten wird.

Dieses Bild ist grundfalsch. Die Faschisten sind keine Basisbewegung der Unterschichten. Der Faschismus ist in Italien gegründet worden, als Industrielle Schlägertrupps brauchten, um Streikende in der Autoindustrie anzugreifen. Es handelt sich um eine eher elitäre Bewegung, die den militanten Arm im Auftrag des Kapitals bildet.

So ist auch Hitler mit aktiver und massiver Unterstützung deutscher Industrieller an die Macht gehievt worden. Die prügelnden Prolls der SA mußten erst einmal die Drecksarbeit machen und wurden dann abserviert. Die Arbeitertümelei Hitlers war durchsichtige Propaganda, schöne Worte bei gleichzeiger Zerschlagung der Arbeitermacht.

Und auch jetzt ist es wieder so, die Köpfe der Rechtsradikalen sind elititäre Intellektuelle. Sie werden wieder massiv finanziell und organisatorisch gefördert. In ihrer politischen Praxis sind sie gefährlich erfolgreich. Sie haben sich zu den Abgehängten der Gesellschaft hinabbegeben, haben das Sprechen derer Sprache gelernt und spielen die Rolle der "Stimme der Abgehängten". Bei Pegida wurde den Teilnehmern das Wort verboten (nicht mit der Lügenpresse reden!) und auf dem Podium befinden sich handverlesene Redner. Den Rechten ist es gelungen, die Unzufriedenen für ihre Zwecke auf die Straße zu bringen und einige lassen sich sogar als saufende, pöbelnde und prügelnde SA Schläger einspannen.

Die Linken waren/sind meist Bürgerkinder mit Verachtung für den gemeinen Proll. Sie haben ihre Modethemen, Genderpolitik, Migration, Lebensstil (Konsumverzicht, Veganismus), doch sie kümmern sich nicht um die Grundprobleme der Mehrheit der Menschen. Ihr nasenrümpfendes Auftreten, ihre befremdliche Sprache, schrecken die meisten einfachen Leute nur ab. Sie finden sich eher wieder in der wuterfüllten Sprache der Rechten.

Wenn inzwischen viele Abgehängte zum Fußvolk der Rechten gehören, ist es nicht eine von ihnen geschaffene Bewegung und sie kämpfen nicht für ihre eigenen Interessen.
Zitat
Da wären sie doch selbst unter den ersten noch stärker Benachteiligten

Genauso wird es kommen. Wenn das Fußvolk sich hat erfolgreich einspannen lassen für die Zerschlagung von Kritik und Opposition, werden sie selbst abserviert und den Kürzeren ziehen. Vom Faschismus profitieren nur wenige, die Eliten. Der Pöbel kann so oft "wir sind das Volk!" gröhlen wie er will, er wird auch der Verlierer in einem autoritären völkischen Staat sein.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 18:41:15 Di. 08.Januar 2019
Es gibt antiquarisch ein gutes Buch über den Faschismus:

Faschismusforschung - Positionen, Probleme, Polemik
Akademie-Verlag Berlin, 1980
Herausgeber: Dietrich Eichholtz und Kurt Gossweiler

https://www.amazon.de/Faschismusforschung-Positionen-Probleme-Dietrich-Eichholtz/dp/3760904882
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 19:10:51 Di. 08.Januar 2019
Zitat
Theoretisch magst du Recht haben.
Im Fall Frankreich sehe ich es anders.
Es gab und gibt die soziale Unruhe als Reaktion auf die voranschreitende Verarmung.
...

Klar, die Verhältnisse sind unterschiedlich, das Protestpotential ist in Frankreich wesentlich größer, die Franzosen sind grundsätzlich selbstbewusster was Proteste anbelangt, Deutschland ist darin Entwicklungsland, die großen erfolgreichen Proteste von "unten" gab es, du weist immer wieder darauf hin, ist in unserer Gesellschaft aber gar kein Thema, in Medien Null beachtet bzw. verschwiegen (Ist schon wieder ein bißchen Verschwörungstheorie) es darf und soll nicht sein!
Aber selbstbewusst und stolz in den Krieg ziehen geht bald wieder.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 19:33:59 Di. 08.Januar 2019
Es gibt antiquarisch ein gutes Buch über den Faschismus:

Faschismusforschung - Positionen, Probleme, Polemik
Akademie-Verlag Berlin, 1980
Herausgeber: Dietrich Eichholtz und Kurt Gossweiler

https://www.amazon.de/Faschismusforschung-Positionen-Probleme-Dietrich-Eichholtz/dp/3760904882

Besten Dank für den Hinweis, habe ich nun gekauft. Aber nicht bei "Amazon", denn die boykottiere ich :)

Und natürlich auch herzlichen Dank für "Kuddels" vertiefte Erläuterungen zum Faschismus.

Das naserümpfende Auftreten vieler Linker geht auch mir absolut gegen den Strich. Eine gute Medizin wäre, wenn diese Leute z. B. dreckige, gefährliche und körperlich sehr anstrengende Arbeit tun müssten, z. B. ein Jahr. Da wäre wohl keine Energie mehr zum Naserümpfen.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:15:43 Mi. 09.Januar 2019
Eine gute Medizin wäre, wenn diese Leute z. B. dreckige, gefährliche und körperlich sehr anstrengende Arbeit tun müssten.
Viele von ihnen arbeiten bereits zu prekärsten Bedingungen, egal ob im Co-Working Space, im Start-up, im Home Office, als Clickworker, als Scheinselbstständiger, unter Fristvertägen und ähnlichen "modernen" Ausbeutungsmodellen. Doch das halten sie nicht für politisch und sie wehren sich nicht.

Man hält sich für "politisch", weil man eine klare Haltung hat gegen Rassismus, für Frauenrechte, LGBT, Umweltschutz und Mülltrennung. Damit fühlt man sich überlegen den anderen einfachen Leuten gegenüber, die man als prollig und rechts abtut.

Die Soziale Frage und die Ausbeutung sind dort kein Thema. Die eigene Ausbeutung ist kein Kampffeld. Der schwer angesagte Begriff "Klassenkampf" ist nur ein Modewort: Heiße Luft, die nichts mit dem eigenen Leben zu tun hat. So lange diese Leute nicht merken, daß sie nicht besser sind als diejenigen, die weniger Bildung haben, oder "z. B. dreckige, gefährliche und körperlich sehr anstrengende Arbeit tun", sich nichts aus den gleichen subkulturellen Codes machen, werden wir weiter hilflos gegenüber wachsender Verarmung und Entrechtung sein.

Das ist der Grund, warum sich die Gelbwesten jenseits der traditionellen linken Strukturen organisiert haben. Dieses moralinsaure Klima der Linken ist nicht ihr Ding. Sie kennen ihre Probleme, brauchen keinen, der ihnen sagt, was sie wie machen sollen. Sie können für sich selbst sprechen und selbst kämpfen.

Und natürlich hat sich Linken-Politiker Riexinger (und Verdi-Sekretär) von den Gelbwestenprotesten distanziert. Die französichen linken Organisationen waren erst einmal sprachlos und verstanden nicht, warum alles an ihnen vorbei geschah. Für viele französische Linke an der Basis ist Klassenkampf kein Modewort, sondern schon immer Teil ihres Lebens. Sie waren bei den Protesten mit an vorderster Front dabei, obwohl dort auch Rechte zu finden waren. Diese Linken waren Teil des Kampfes, verdienten sich darin Respekt und wurden deshalb in internen Diskussionen ernst genommen. So konnte der Einfluß der Rechten weiter zurückgedrängt werden.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 19:48:38 Mi. 09.Januar 2019
Danke für die Erläuterungen.

Ich möchte keine Haarspalterei betreiben, doch  bin ich sicher, dass weniger Bildung und z. B. dreckige, gefährliche und körperlich sehr anstrengende Arbeit nicht unbedingt automatisch zusammengehören in diesen für arbeitende Menschen sehr nachteiligen Zeiten.

Es hat seit Jahrzehnten m. E. eine gezielte, massive Verblödung stattgefunden, gerade bei den Leuten, die "studiert" haben. Mit Grausen erinnere ich mich an Meine Jahre an der Uni angesichts der Masse der dortigen pseudointellektuellen Hohlbirnen und Phrasendrescher, auch wenn das lange her ist. Sie hielten sich ausnahmslos für etwas Besonderes, die sich grundlos überlegen fühlenden studierenden Nullen, je mehr Papa zahlte, desto schlimmer.

Seit dem "Bachelor" ist es noch katastrophaler. Was soll man von den übers Handy wischenden noch erwarten? Sich selbst überwachende Konsumidioten ohne Bewusstsein oder Initiative.

Wir sind nicht hilflos gegenüber wachsender Verarmung und Entrechtung, wir sind bislang nur zu Wenige, die sich dagegen wehren.

Was ein "Co-Working Space" oder "LGBT" sein soll (=Lange Gesessen im Bundestag?) entzieht sich meiner Kenntnis. Wird wohl nix dolles sein :)

MfG

BGS

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 20:18:01 Mi. 09.Januar 2019
LGBT = Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 15:19:15 Sa. 12.Januar 2019
LIVE: #Gelbwesten-Protest Nr. IX gegen Macrons Politik unter dem Motto "Paris gehört uns"

https://www.youtube.com/watch?v=X8MNV5h91MA
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:44:20 So. 13.Januar 2019
Sehr lustig, Totgesagte leben länger!
Die Presse hat ja alles versucht, die Bewegung kaputtzuschreiben. Erstmal die Gewalttäter, die sich unter die Protestierenden gemischt haben ohne sich für ihre Forderungen zu interessieren, so wie man regelmäßig sagt, Hooligans würden sich nicht für den Sport interessieren. Auf die Idee, daß einfache Leute die Schnauze derart voll haben, daß sie Barrikaden bauen, kommt man bei den Medien scheinbar nicht.

Und irgendwie funzte die Strategie auch nicht recht, zu behaupten, die Luft sei raus, die Leute hätten keine Lust mehr auf die Proteste, entweder, weil Macron ihnen schon so weit entgegengekommen ist oder weil sie abgestoßen von der Gewalt sind. Stimmt scheinbar alles nicht...

Zitat
"Gelbwesten" in Frankreich
Widerstand gegen Macron wächst wieder


(https://www.tagesschau.de/paris-gelbwesten-proteste-103~_v-modPremium.jpg)

Bei Protesten der "Gelbwesten"-Bewegung ist es in Paris erneut zu Zusammenstößen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Landesweit protestierten mehr als 80.000 Menschen.

Zehntausende Anhänger der "Gelbwesten"-Bewegung haben das neunte Wochenende in Folge gegen die französische Regierungspolitik demonstriert. Landesweit beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums rund 84.000 Menschen an den Demonstrationen, es gab 244 Festnahmen. Allein 8000 Menschen versammelten sich in Paris für den Protestmarsch über die Prachtstraße Champs-Élysées. Nachdem die Proteste der "Gelbwesten" zum Ende des vergangenen Jahres abgeebbt waren, erhalten sie seit Jahresbeginn wieder mehr Zulauf.

Auf den Champs-Elysées und in der Nähe des Triumphbogens kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein.

(https://www.tagesschau.de/paris-gelbwesten-proteste-wasserwerfer-101~_v-videowebl.jpg)

Größere Demos auch in Bourges und Straßburg


Eine der größten Demonstrationen fand in Bourges statt, wo nach Angaben der Behörden mehr als 5000 "Gelbwesten" einem über soziale Netzwerke verbreiteten Protestaufruf folgten. Ansonsten blieb es aber weitgehend friedlich. In Straßburg gingen zwischen 1500 und 2000 Demonstranten auf die Straße und zogen vom Europaparlament Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof.

Landesweit hatte die Polizei ein Großaufgebot von 80.000 Polizisten im Einsatz, davon 5000 allein in Paris, weil die Behörden eine Eskalation der Gewalt befürchteten.

(https://www.tagesschau.de/paris-proteste-gelbwestern-101~_v-videowebl.jpg)

Härtere Gangart, aber auch "Bürgerdialog"

Am vergangenen Samstag war es nach anfänglich friedlichen Protesten in Paris erneut zu Gewaltausbrüchen gekommen. Demonstranten setzten dabei Barrikaden in Brand und warfen Gegenstände auf Polizisten. Ein Restaurantschiff auf der Seine wurde in Brand gesetzt.

Nach Zugeständnissen hatte die französische Regierung zuletzt eine härtere Gangart gegen die "Gelbwesten" eingeschlagen. Aber Staatschef Emmanuel Macron versucht auch, die Protestbewegung durch einen "Bürgerdialog" zu besänftigen, der kommenden Dienstag beginnen soll. Der Vorschlag stößt jedoch weitgehend auf Skepsis.
https://www.tagesschau.de/ausland/proteste-paris-gelbwesten-105.html

Nun versucht der Spiegel es mal wieder die Sache zu entpolitisieren und eine Führerfigur aufzubauen:
Zitat
Gelbwesten-Aktivistin Ingrid Levavasseur
Auf in den Kampf, Madame

Die Gelbwesten in Frankreich haben Ziele und Macht - aber noch keine Führungsfigur. Ingrid Levavasseur könnte es werden: Wagt die 31-jährige Krankenpflegerin aus Rouen den Sprung an die Spitze der Bewegung?
http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-in-frankreich-krankenpflegerin-ingrid-levavasseur-ist-der-star-der-bewegung-a-1247784.html

"...aber noch keine Führungsfigur", dann heult doch, ihr Spiegelschreiberlinge!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 15:15:09 So. 13.Januar 2019
Gut, dass die Wut Menschen derart gross ist. Sie wird nicht nachlassen. In Paris sah es gestern wie im Bürgerkrieg aus.

Den "Speigel" kann man seit lange komplett vergessen, eine "Bild" für Pseudoleistungsträger.

Auch die "Zeit" hatte schon versucht, Frau Levavasseur zur Führungsfigur der Gelbwesten hochzuschreiben.

Quelle: https://www.zeit.de/2019/02/ingrid-levavasseur-gelbwesten-frankreich-protest?page=15#comments (https://www.zeit.de/2019/02/ingrid-levavasseur-gelbwesten-frankreich-protest?page=15#comments)

Dasselbe Käseblatt schrieb am 21. November 2018:

"Ihren Anfang nahmen die Demonstrationen wohl Ende Mai 2018 mit einer Petition im Internet. Priscillia Ludosky, 33, schwarz, die in einem Vorort von Paris wohnt und einen Onlineshop für Naturkosmetik betreibt, rief die Franzosen auf, sich gegen den teurer werdenden Sprit aufzubäumen. ... ."

Quelle: https://www.zeit.de/2018/48/gilets-jaunes-frankreich-proteste-spritpreise-bewegung-wut-warnweste
 (https://www.zeit.de/2018/48/gilets-jaunes-frankreich-proteste-spritpreise-bewegung-wut-warnweste)

Ich wittere bei den Schreibern neben anderen unlauteren Motiven Rassismus.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 20:56:37 So. 13.Januar 2019
Zitat
... .

Wie das üblich ist, melden andere Quellen mehr Teilnehmer als das Ministerium unter Leitung von Christophe Castaner, der nicht daran interessiert ist, den Gelbwesten über solche Zahlen größeres Gewicht zuzuschreiben als nötig. Gar von 360.000 Teilnehmern liest man bei der Gewerkschaft Syndicat France Police-Policiers en Colère als Schätzung für 17 Uhr.
... .

Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Gelbwesten-Insistierende-Mobilisierung-4272707.html (https://www.heise.de/tp/features/Gelbwesten-Insistierende-Mobilisierung-4272707.html)

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 01:35:31 Mo. 14.Januar 2019
Zitat
In Paris sah es gestern wie im Bürgerkrieg aus.
Das lag aber an der Gasexplosion in einer Bäckerei an der die Gelbwesten unschuldig sind!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:55:07 Mo. 14.Januar 2019
Kein rein symbolischer Protest, sondern massiver wirtschaftlicher Druck von unten. Beeindruckend.

Zitat
Die Demonstrationen kommen Frankreich teuer zu stehen. Einzelhändler klagen über Umsatzeinbußen, das Verbrauchervertrauen und die Industrieproduktion haben deutliche Dämpfer erlitten. Für den Staat könnte das ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Ausgebrannte Autos, zerstörte Bankautomaten und eingeschlagene Schaufensterscheiben: Allein die durch Ausschreitungen am Rande der Gelbwesten-Demonstrationen entstandenen Schäden in französischen Innenstädten gehen in die Millionen.

Nach Angaben von Insee hat die französische Industrie im November einen deutlichen Dämpfer erhalten – genau in dem Monat, als die Gelbwesten-Proteste begannen und zusätzlich Raffinerien von Total über eine Woche hinweg bestreikt wurden.

Der Rückgang der Industrieproduktion fiel mit minus 1,3 Prozent sogar deutlich stärker aus, als Ökonomen erwartet hatten.
https://www.welt.de/wirtschaft/article186902860/Proteste-Frankreichs-Wirtschaft-leidet-unter-Gelbwesten-Demonstrationen.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:51:01 Mo. 14.Januar 2019
Ich finde die Bilderstrecke (Kurzvideos) wirklich beeindruckend.

https://twitter.com/Steph_Roy_
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:34:50 Di. 15.Januar 2019
Die FAZ, hinter der doch immer ein kluger Kopf steckt...

Zitat
Proteste der „Gelbwesten“ :
Gewalttäter, keine Demokraten

Die Gewalt der radikalen „Gelbwesten“ gegen Reporter und die Versuche der Einschüchterung rühren an Grundfesten des freiheitlichen Staates. Es ist ein Skandal, dass politische Profiteure sie verharmlosen oder gar rechtfertigen.


... die Versuche der Einschüchterung rühren an Grundfesten des freiheitlichen Staates. Sie dürfen nicht hingenommen werden...

...Das ist die illiberale, freiheitsfeindliche Krux mit dem Aufstand...
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/proteste-der-gelbwesten-gewalttaeter-keine-demokraten-15987725.html

Hahaha. Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie die Herrschende Klasse Muffensausen kriegt.
Wenn sie von "Freiheit" reden, meinen sie die Freiheit der Kapitalisten.
Wird deren Freiheit eingeschränkt, fangen sie an sich einzupissen!

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 14:39:00 Di. 15.Januar 2019
Es ist ein Skandal, allen Gelbwesten pauschal zu unterstellen, sie seien Gewalttäter. Das Mass ist schlicht voll, nicht nur in Frankreich.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14:30:54 Mi. 16.Januar 2019
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich bisher die Herrschenden so panisch und hysterisch gesehen habe...

Zitat
Insgesamt waren etwa 700 Lokalpolitikerinnen und Lokalpolitiker aus der Normandie in eine schmucklose Mehrzweckhalle 30 Kilometer südwestlich der Stadt Rouen gekommen. Macron braucht sie als Vermittler, um die Wut zu kanalisieren, die Demonstranten in gelben Warnwesten in den vergangenen Wochen auf die Straße trugen und die an seiner Autorität nagt.
...
Nach draußen zu den Bürgern wagte sich Macron allerdings nicht. Zu groß ist der Frust der Franzosen über ihren Staatschef, der sich im Wahlkampf vor zwei Jahren volksnah gab, sich aber nach seinem Einzug in den Pariser Élysée-Palast mit ein paar wenigen Getreuen abkapselte und nach Überzeugung seiner Kritiker Politik nur zugunsten von Unternehmern und Wohlhabenden macht. Mehrere Hundert schwer bewaffnete Polizisten sperrten Zufahrten ab und kontrollierten schon viele Kilometer vor der Veranstaltungshalle die Kofferräume von Privatautos.
...
Trotzdem hatten einige Geschäfte vorsorglich geschlossen und ihre Eingänge verbarrikadiert. Die Sicherheitsmaßnahmen verstärkten den Eindruck einer gefesselten Staatsmacht: Präsident Macron kann sich nicht mehr aus seinem Palast wagen, ohne den geballten Zorn seiner Bürger zu fürchten.
...
Deshalb mutet es wie besonders schwarzer Humor an, dass Frankreichs Bürger nun in Rathäusern und Präfekturen sogenannte Cahiers de Doléances mit ihren Beschwerden und Verbesserungsvorschlägen füllen und damit die nationale Debatte bestücken sollen. Solche Klagebücher hatte 1789 auch der damalige König Ludwig XVI. initiiert. Wie die anschließende Französische Revolution ausging, weiß jedes Schulkind.
...
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-01/frankreich-emmanuel-macron-debatte-gelbwesten
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:36:46 Fr. 18.Januar 2019
Die politischen Dynamiken und die Diskussionen in der Bewegung sind inspirierend.

Zitat
300 Leute, die sich der Polizei entegenstellen, um einen Kreisverkehr zu verteidigen, das ist proletarische Selbstverteidigung. 3.000 Leute, die Banken oder Ministerien angreifen, das ist der Aufstand eines Volkes, das zornig ist.
Zitat
Weder die Hautfarbe, noch der Geburtsort, noch das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder die Religion werden einen Vorwand bieten uns zu spalten. Wir müssen vereint sein in unserer Unterschiedlichkeit, wenn wir eine gerechtere und schönere Welt aufbauen wollen.

Zudem rufen sie zur Gründung von Bildungsclubs auf:
Zitat
In Montreuil gründen wir einen "Club der Gelben Westen", nach dem Vorbild der Französischen Revolution, als man sich in Clubs für die Volksbildung getroffen hat. Uns Wissen anzueignen macht uns weniger manipulierbar und ermöglicht es uns,
unsere kollektive Intelligenz in den Dienst konkreter Handlungen zu stellen, um unseren Alltag zu verbessern.

Zum Video: https://de.labournet.tv/antwort-der-versammlung-von-montreuil
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 18:37:32 Fr. 18.Januar 2019
Ich bin begeistert, großartig!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 12:58:43 Sa. 19.Januar 2019
Zitat
Polizeigewalt gegen Proteste der Gelbwesten: "Reihenweise Verstümmelungen"

Gummigeschosse zur Verteidigung gegen "Lynchmobs"? Die Regierung bestreitet Angriffe von Polizisten

"Gummigeschosse" klingt relativ harmlos, ist es aber nicht; auch "Flashball" suggeriert der Öffentlichkeit, dass die Polizei zwar mit schmerzhaften Mitteln vorgeht, aber doch innerhalb von Grenzen, die Schlimmes verhindern. Manche assoziieren "Flashball" vielleicht sogar mit einem der martialischen Schieß-Spiele, wo mit Farbstoffpatronen aufeinander gezielt wird.

Dass der Einsatz der vermeintlich harmlosen Geschosse zu brutalen Verletzungen führen und lebensgefährliche Folgen haben kann, wurde vergangene Woche ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Libération, Le Monde, Le Point, France Inter, France Culture, Le Figaro, Nouvel Observateur, AFP und andere etablierte Medien haben das Thema "Polizeigewalt" aufgenommen.
Augen verloren, Hand verstümmelt, Zähne verloren ......

Und nicht nur das, in den Kommentaren findet man auch diesen Todesfall: 2-fache Mutter wird in Paris mit einem Kopfschuss von der Polizei getötet Im verlinktem Video sieht man ein erschütterndes Video vom Ehemann, leider verstehe ich kein französisch ... geht aber trotzdem unter die Haut, auch wenn man kein Wort versteht ...
https://www.youtube.com/watch?v=d2_mgUrGHGw&feature=youtu.be


Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:55:17 Sa. 19.Januar 2019
Ja, die bürgerliche Presse, die Macron zur Lichtgestalt junger, moderner Politik und zum Hoffnungsträger aller Europäer hochgejubelt hat, hält jetzt schön die Fresse.

Telepolis hat aber durchaus berichtet:

Zitat
Polizeigewalt gegen Proteste der Gelbwesten: "Reihenweise Verstümmelungen"
...
Augen verloren, Hand verstümmelt, Zähne verloren

Es ist nicht nur der engagierte Journalist David Dufresne, der dem Innenministerium seit Wochen "Zwischenfälle" signalisiert - am Donnerstagabend war es Nummer 312. Oder die aktivistische Webseite "Désarmons-les" ("Lasst sie uns entwaffnen"), die seit dem 17. November 2018, dem ersten Akt der Gilets jaunes, bis zum 12. Januar 2019, 97 Verletzte auflistet, mit Fotos, die unmittelbar jeder Verharmlosung widersprechen. Einige haben ein Auge verloren, manche eine Hand, viele ihre Zähne.

Auch traditionelle Medien wie France Soir berichteten von der Gewalt und dass die Polizei unter Druck gerät. Anlass zum Alarm seien die "reihenweisen Verstümmelungen", die es in dieser Abfolge seit Jahrzehnten nicht mehr in Frankreich gegeben habe.

2.000 Demonstranten sollen nach Regierungsangaben seit Mitte November verletzt worden sein, 1.000 Verletzte werden aufseiten der Ordnungskräfte gezählt. Doch werden dazu keine genaueren Angaben gemacht.
...
...als die französische Regierung 2005 nach den großen Unruhen in den Vorstädten die Polizei mit nicht-tödlichen Waffen mit kurzer Reichweite aufrüsten wollte. Zuständig ist das Bureau des Armements et des Matériels Techniques (BAMT). Um die Dimension anzudeuten:
Zitat
Ende 2008 hat das BAMT eine Ausschreibung für die Lieferung von 212.000 bis zu 1.204.500 Verteidigungskugeln (LBDR 40x46mm) lanciert. Sie sollten auf die Polizei, die Gendarmerie und die Gefängnisverwaltung aufgeteilt werden. Ende 2015 wurde eine neue Ausschreibung vom BAMT lanciert, für 115.000 neue balles de défense. Im Februar 2016 beschafften sich die Spezialeinheiten BAC (Brigade Anti-Criminalité, Einf. d.V.) und PSIG (Gendarmerie-Einheiten; Einf. d.V.) 134 neue Waffen für diese Munition. Die Waffe hat einen guten Käufer gefunden.
Désarmons-les

Allerdings, so warnt die Webseite der Aktivisten: "Ihre Eigentümlichkeiten machen sie zu einer gefährlichen Waffe, sprich: tödlich auf einer Entfernung unter 25 Meter."
...
Regelrecht hingestreckt

Ein Mitglied der Feuerwehr und Familienvater, also nicht gerade ein Schwarzer-Block-Typ, wurde am vergangenen Samstag in Bordeaux allen Anzeichen nach von der Polizei mit einem Schuss aus einer LBD regelrecht hingestreckt. Er lief vor der Polizei davon, die auf den Flüchtenden schoss und ihn am Kopf traf. Im Krankenhaus wurde er ins Koma versetzt. Seine Familie bangte um sein Leben.
...
https://www.heise.de/tp/features/Polizeigewalt-gegen-Proteste-der-Gelbwesten-Reihenweise-Verstuemmelungen-4281441.html?seite=all

Die Eliten führen einen Krieg gegen die einfachen Menschen.


Kleiner Hinweis: Du hast auf "Journalistenwatch" verlinkt. Das ist eine hardcore Faschoseite.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 14:22:24 Sa. 19.Januar 2019
Sry, hab ich von einem Telepolis-Kommentar übernommen. Habs gelöscht. Vielleicht findet sich ein seriöser Link zum schwerverletztem Demonstrantem, der im Koma liegt :(
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 14:37:15 Sa. 19.Januar 2019
Ja, man merkt, dass die "Vorzeigedemokratien" nichts weiter sind, als kriminelle Drecksstaaten zur Bereicherung einiger weniger!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:44:29 Sa. 19.Januar 2019
https://www.deutschlandfunk.de/gelbwesten-kritik-an-einsatz-von-gummikugeln-bei-protesten.2932.de.html?drn:news_id=967931


Zitat
Unsere vorläufige Zählung endgültiger Verstümmelungen führt daher zu folgender Bilanz:

     1 Person wurde getötet (Tränengasgranate)
     4 Personen wurden die Hände abgerissen (Granaten GLI F4)
     17 Personen haben Augen verloren (40 LBD Geschosse)
     1 Person hat definitiv das Gehör (Granate) verloren
https://desarmons.net/index.php/2019/01/04/recensement-provisoire-des-blesses-graves-des-manifestations-du-mois-de-decembre-2018/

P.S.: Die Qualitätspresse mal wieder:
Zitat
Ingrid Levavasseur ist das Gesicht der Gelbwesten-Bewegung.
Ingrid Levavasseur, 31, Krankenpflegerin. Binnen kurzer Zeit ist sie zu einer Wortführerin der Gelbwesten geworden. In Talkshows und den sozialen Netzwerken vertritt sie...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-anfuehrerin-ingrid-levavasseur-im-interview-a-1247902.html

Ohne Führer kommt der Spiegel nicht klar...
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 15:08:00 Sa. 19.Januar 2019
Im Radio hieß es gerade, dass die Gelbwesten heute alleine in Paris eine Million Leute auf die Straße bringen wollen.

LIVE: ‘Yellow Vest’ protests hit Paris for the tenth week in a row
https://www.youtube.com/watch?v=xHZ-14qGfE4
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:13:20 Sa. 19.Januar 2019
Schönes Stimmungsbild:

Zitat
...das war so ein jüngerer Revolutionär, der also den ganzen Kapitalismus abschaffen will, das war eine Supermarktverkäuferin, die sagt, sie will mehr Geld haben, sie weiß gar nicht mehr, wie sie ihren Kühlschrank füllen soll, aber andererseits will sie auch mehr Respekt und eben nicht so kleine Bemerkungen vom Präsidenten der Republik hören. Das war ein Rentner, der einfach gesagt hat, er will seinen Enkeln eine bessere Welt hinterlassen, das ist alles so auf dem Abstieg, das geht so nicht weiter. Was sie alle vereint, ist der Eindruck, sie müssen jetzt etwas tun, und sie tun es auch für andere, die nicht mit ihnen demonstrieren, und wenn sie es jetzt nicht tun und jetzt nicht durchhalten, dann ist alles zu spät. Also so in der Ablehnung des Bestehenden sind sie sich einig...
https://www.deutschlandfunkkultur.de/gelbwesten-protest-in-frankreich-die-radikalen-wollen-den.1008.de.html?dram:article_id=438779
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:09:42 Sa. 19.Januar 2019
In Berlin scheint es auch einen Gelbwestenversuch zu geben.
Sieht aber nach einem hohen Faschoanteil aus...

https://www.youtube.com/watch?v=B9gYdhbOQsI

(Zurückscrollen. Sehr lustig. Live stream von sächsisch quatschenden Faschos. Die fühlen sich vertrieben "von 3-400 Oandifoas, die von der Merkl nur benudsd wörden.)

Live Stream abgebrochen?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tabaluga am 17:02:03 Sa. 19.Januar 2019
https://www.deutschlandfunk.de/gelbwesten-kritik-an-einsatz-von-gummikugeln-bei-protesten.2932.de.html?drn:news_id=967931


Zitat
Unsere vorläufige Zählung endgültiger Verstümmelungen führt daher zu folgender Bilanz:

     1 Person wurde getötet (Tränengasgranate)
     4 Personen wurden die Hände abgerissen (Granaten GLI F4)
     17 Personen haben Augen verloren (40 LBD Geschosse)
     1 Person hat definitiv das Gehör (Granate) verloren
https://desarmons.net/index.php/2019/01/04/recensement-provisoire-des-blesses-graves-des-manifestations-du-mois-de-decembre-2018/

P.S.: Die Qualitätspresse mal wieder:
Zitat
Ingrid Levavasseur ist das Gesicht der Gelbwesten-Bewegung.
Ingrid Levavasseur, 31, Krankenpflegerin. Binnen kurzer Zeit ist sie zu einer Wortführerin der Gelbwesten geworden. In Talkshows und den sozialen Netzwerken vertritt sie...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-anfuehrerin-ingrid-levavasseur-im-interview-a-1247902.html

Ohne Führer kommt der Spiegel nicht klar...

Man braucht keine Führer sondern ehrliche und anständige Politiker - es braucht weder einen Kommunismus , den habe ich in Polen erlebt Nein Danke und ich will auch keinen Kapitalismus sondern etwas was dazwischen liegt und sich an den Werten der Gesellschaft und Bürger ortientiert...also echter Humanismus halt.

Vermögenssteuer einführen - Lohnsteuer bei Löhnen abschaffen wenn man schon in die Krankenkasse, Rentenkasse , Arbeitslosenhilfekass einzahlt, Zeitarbeitsfirmen verbieten , Post , Bahn,Wasserwerke, Stromversorger, Schulen und Krankenhäuser gehören in die Hand des Staates unter der Kontrolle der jeweiligen Ministerien und anständiger Verwaltung eines Kontrollgreminums von Schule bis Krankenhaus , Bahn usw usw.

Mindestlohn einführen, Mietpreisbremse nach einem staatlichen Tarifsystem einführen - Wohnraum für alle und in einem Rahmen der auch bezahlbar ist für die Bürger,

Militär und anderen Dreck abschaffen was der Kriegsindustrie von nutzen ist - Banken und Konzerne zrschlagen !!!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:23:17 Sa. 19.Januar 2019
Zitat
In Berlin scheint es auch einen Gelbwestenversuch zu geben.
Sieht aber nach einem hohen Faschoanteil aus...
Yupp! Mit schwarz, weiß, roten Reichsfahnen!

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 18:41:30 Sa. 19.Januar 2019
Man braucht keine Führer sondern ehrliche und anständige Politiker
Letztlich müssen wir selbst die Staatsgeschäfte in die Hand nehmen.
es braucht weder einen Kommunismus , den habe ich in Polen erlebt Nein Danke
Polen unter Wojciech Jaruzelski war meiner Meinung nach faschistisch.
und ich will auch keinen Kapitalismus sondern etwas was dazwischen liegt und sich an den Werten der Gesellschaft und Bürger ortientiert...also echter Humanismus halt.
Also eine Gesellschaft, in der der Mensch im Mittelpunkt steht?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: tleary am 18:47:54 Sa. 19.Januar 2019
Vermögenssteuer einführen - Lohnsteuer bei Löhnen abschaffen wenn man schon in die Krankenkasse, Rentenkasse , Arbeitslosenhilfekass einzahlt, Zeitarbeitsfirmen verbieten , Post , Bahn,Wasserwerke, Stromversorger, Schulen und Krankenhäuser gehören in die Hand des Staates unter der Kontrolle der jeweiligen Ministerien und anständiger Verwaltung eines Kontrollgreminums von Schule bis Krankenhaus , Bahn usw usw.
Mindestlohn einführen, Mietpreisbremse nach einem staatlichen Tarifsystem einführen - Wohnraum für alle und in einem Rahmen der auch bezahlbar ist für die Bürger,
Militär und anderen Dreck abschaffen was der Kriegsindustrie von nutzen ist - Banken und Konzerne zrschlagen !!!
Was du da schilderst würde Merkel & die größte Zahl der Bundestagsmitglieder u.U. doch als "Kommunismus" bezeichnen. - Zumindest würde man es als "utopisch", "träumerisch" und vor allem "nicht realisierbar" sofort beiseite schieben.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tabaluga am 20:42:08 Sa. 19.Januar 2019
Vermögenssteuer einführen - Lohnsteuer bei Löhnen abschaffen wenn man schon in die Krankenkasse, Rentenkasse , Arbeitslosenhilfekass einzahlt, Zeitarbeitsfirmen verbieten , Post , Bahn,Wasserwerke, Stromversorger, Schulen und Krankenhäuser gehören in die Hand des Staates unter der Kontrolle der jeweiligen Ministerien und anständiger Verwaltung eines Kontrollgreminums von Schule bis Krankenhaus , Bahn usw usw.
Mindestlohn einführen, Mietpreisbremse nach einem staatlichen Tarifsystem einführen - Wohnraum für alle und in einem Rahmen der auch bezahlbar ist für die Bürger,
Militär und anderen Dreck abschaffen was der Kriegsindustrie von nutzen ist - Banken und Konzerne zrschlagen !!!
Was du da schilderst würde Merkel & die größte Zahl der Bundestagsmitglieder u.U. doch als "Kommunismus" bezeichnen. - Zumindest würde man es als "utopisch", "träumerisch" und vor allem "nicht realisierbar" sofort beiseite schieben.

Ähem - sowas ähnliches hatten wir in den 80er Jahren in Westeuropa und Westdeutschland bis die Wende gekommen ist...bis auf Banken und Konzerne zerschlagen...aber genau damit meine ich was mich hier teilweise bei den pseudolinken ankotzt einen auf sozial alternativ machen und wenn man in die reale Verantwortung kommt - absolute Realo neoliberale Politik machen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 13:40:03 So. 20.Januar 2019
Zitat
Gelbwestenproteste - Demonstranten lehnen Macrons Bürgerdialog ab

Erneute Rücktrittsforderungen an Emmanuel Macron und Zehntausende Demonstranten auf den Straßen. Die Proteste in Frankreich reißen nicht ab. Wieder setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein.

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-proteste-demonstranten-lehnen-emmanuel-macrons-buergerdialog-ab-a-1248927.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 15:51:22 So. 20.Januar 2019
Der "Speigel"-Artikel ist derart oberflächlich, dass das Lesen nicht lohnt. Bis dato gab es erst fuenf Kommentare, seltsam.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:10:46 Do. 24.Januar 2019
Der Versuch von außen, die Gelbwesten zu kontrollieren, kanalisieren, in politisch geordente Verhältnisse zu führen und damit bedeutungslos zu machen, scheint voranzuschreiten.

Es geht darum, politische Führer zu etablieren und sie in die parlamentarische Sackgasse zu führen:

Zitat
„Gelbwesten“ wollen an Europawahlen teilnehmen

Die Protestbewegung legte eine Liste mit zehn Namen vor, die bis Februar auf 79 erweitert werden soll. An der Spitze steht eine 31 Jahre alte Krankenpflegerin aus der Normandie.
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gelbwesten-wollen-liste-fuer-europawahlen-aufstellen-16005453.html

Das ist aber wahrscheinlich nicht so einfach durchzusetzen, wie unsere Medien behaupten...

Zitat
Gelbwesten in Frankreich
„Wir sind unsere eigenen Medien“

Journalisten sind bei den Demonstrationen der Gelbwesten zunehmend unerwünscht, Sprecher will die Bewegung keine haben.


„Wir vertrauen den traditionellen Medien nicht. Vor allem sind die Bilder nicht richtig gedreht. Man filmt eher jemanden, der einen Mülleimer in Brand setzt, als die daneben, die einer in den Nebelschwaden verlorenen Dame helfen. Wir sind dabei, wir erleben, was die Gelbwesten erleben, wir sind selbst Gelbwesten. Wir können Antworten geben und die Wahrheit zeigen, das, was wirklich mittendrin passiert.“

Es gibt zig solcher Facebook-Seiten und -Gruppen für die Gelbwesten; eine Zentralisierung hält Lilly weder für nötig nach für richtig. Sie hat schon zwei Facebook-Gruppen verlassen, weil sich darin ein paar zu sehr als Leader aufgespielt hätten; das entspricht nicht ihrem Verständnis der Bewegung. Außerdem hätten einzelne Personen, die sich zu Sprechern gemacht hätten, inzwischen große Probleme mit der Justiz, warnt sie. Das Argument, dass die Gelbwesten ohne Führungspersonen auch für die Medien schwer zu fassen sind, zählt für sie nicht. „Wir sind unsere eigenen Medien“.
https://www.deutschlandfunk.de/gelbwesten-in-frankreich-wir-sind-unsere-eigenen-medien.2907.de.html?dram:article_id=438902

Zitat
Abseits der von Gewalt begleiteten Proteste treffen sich viele Gilets Jaunes bereits von Beginn an jede Woche zu sogenannten Generalversammlungen, in Hinterzimmern von Cafés und Bistros, in alternativen Buchläden – wo immer sie Unterschlupf finden. Der Begriff "Generalversammlung" erinnert nicht zufällig an die assemblées primaires, die den "Generalständen" von 1789 vorausgingen, jener nationalen Versammlung, mit der die Französische Revolution begann. Die Gelbwesten wollen den Bruch mit dem System. In Montreuil, im Osten von Paris, nennen sie sich sogar "Club" – wie seinerzeit der Club der Jakobiner.
https://www.zeit.de/2019/04/gelbwesten-opposition-partei-formlosigkeit-frankreich

Zitat
Viel Anlass für Zuversicht gibt es im Augenblick allerdings nicht. Erste Umfragen zeigen, dass sich die Franzosen nicht viel von der landesweiten Debatte versprechen, für die Macrons Brief an die Franzosen der Startschuss war. 70 Prozent der Befragten glauben nicht, dass die Debatte zu „nützlichen Maßnahmen“ führen werde. Knapp 80 Prozent sind der Auffassung, dass sie nicht auf unabhängige Weise geführt werden wird. Und nur ein Drittel hat überhaupt vor, sich zu beteiligen.

Prominente Vertreter der Gelbwesten, die zum Brief und zur Idee der Debatte befragt wurden, zeigen sich ungewohnt einhellig: Von einem „Täuschungsmanöver“ ist die Rede. Von einem nationalen „Blablabla“. Viele behaupten sogar, Macrons Brief nicht einmal gelesen zu haben, weil man eigentlich „sein Rücktrittsschreiben“ erwartet habe.
https://www.welt.de/politik/ausland/article187064224/Gelbwesten-in-Frankreich-Warum-Macron-scheitern-wird.html

Zitat
„Schluss mit der Ära der Könige“

Das Volk spielt nicht mit, als der französische Präsident Macron die Debatte über die Anliegen der Gelbwesten eröffnet.


Die nationale Debatte hält Bürgermeister Beuriot für eine „Maskerade“.
http://www.fr.de/politik/gelbwesten-in-frankreich-schluss-mit-der-aera-der-koenige-a-1654376,0#artpager-1654376-1

Zitat
Die Teilnehmerzahlen in den Provinzstädten erreichten ein Rekordniveau: 4.000 in Bordeaux, 2.500 in Marseille und Grenoble, 3.000 in Caen. Auch in Tolouse erreichte die Zahl der Demonstranten mit 10.000 einen Rekordwert für eine Provinzstadt. Dort trugen die Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift: „Macron, wir wollen Ihre Debatte nicht, verschwinden Sie.“

(https://www.wsws.org/asset/f687c8a8-bc7d-49aa-be06-5a04120d05dN/image.jpg?rendition=image480)
„Das Volk will den Sturz des Regimes“

In Paris skandierten die Gelbwesten „Paris, steh auf“, „Macron ist ein Diktator“, „Macron gehört ins Gefängnis, [Innenminister] Castaner in die Hölle“ oder „Nationale Debatte, Schall und Rauch“.
https://www.wsws.org/de/articles/2019/01/24/yell-j24.html

Zitat
Als sich im November ein paar Leute in der Provinz gelbe Warnwesten überzogen, da mag er gedacht haben: Ach je, das Übliche, sie schreien und jammern, sie spielen Revolte wegen ein paar Cent mehr für den Diesel, sie legen den Verkehr lahm, schütten uns Gülle vor die Tür und das war’s dann. Bald kann ich das Land weiter reformieren, wie ich es will und wie es nötig ist.

In Frankreich rufen sie schnell Revolution

Doch es war nicht gleich wieder vorbei. Es wuchs an. Verschaffte sich Gehör. Bekam Auftrieb. Wurde unbequem und der Präsident musste sich besinnen. Nun erwies sich als ein großer Fehler, dass er den Arbeitslosen empfohlen hatte, sie sollten sich kümmern, sie sollten sich gefälligst Arbeit suchen. Ist nicht notwendigerweise falsch, klingt aber herzlos.

Im Grunde passiert in der Provinz, was zuvor in Paris passiert war. Emmanuel Macron hatte das Establishment ignoriert und an der Linken und den Konservativen vorbei seine Bewegung "En Marche" gegründet, die ihn in den Élysée trug. Die Gelbwesten protestierten zuerst gegen die Diesel-Verteuerung und jetzt verlangen sie höhere Renten und mehr Mindestlohn und außerdem noch mehr direkte Demokratie. Sie missachten die Gewerkschaften, auch die große, linke CGT, die beleidigt ist und es sich anmerken lässt. Die linke Partei, deren Kopf Jean-Luc Mélenchon ist, ist genauso wenig amüsiert, dass sie übergangen wird, erklärt die Gelbwesten aber zu einer revolutionären Kraft und hängt sich an sie.
https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_85120258/proteste-in-frankreich-die-gelbwesten-haben-macron-entzaubert.html

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:36:07 Do. 24.Januar 2019
Zitat
„Gelbwesten“ wollen an Europawahlen teilnehmen
Als ich das gelesen habe, war mein erster Gedanke: "Na, dann hat sich das ja bald erledigt!"
Wie war das nochmal mit Syriza und Podemos?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 15:49:01 Do. 24.Januar 2019
Wenn die zur Eurowahl antreten, haben die sich damit in die Bedeutungslosigkeit gekickt.
Das ist nicht gut........  :o
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 21:03:13 Sa. 26.Januar 2019
Zitat
Proteste in Frankreich - Frankreichs "Gelbwesten" wieder auf der Straße

Paris  Milliardenschwere Sozialmaßnahmen der Regierung und ein breit angelegter Bürgerdialog hindern die "Gelbwesten" nicht an ihren Protesten. In mehreren Städten kommt es wieder zu Zusammenstößen.

Quelle: https://www.waz.de/politik/frankreichs-gelbwesten-wieder-auf-der-strasse-id216300533.html

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 22:00:10 So. 27.Januar 2019
Jetzt gab es eine "Gegendemo".
Macronanhänger, eklige bürgerliche Schmierlappen, wie bei "Pulse of Europe".

(http://www.taz.de/picture/3209024/948/22317040.jpeg)

Und genauso eine eine inszenierte Fake-Bewegung.

Zitat
Sie demonstrierten gegen die Gewalt bei den Protesten der „Gelbwesten“-Bewegung und skandierten unter anderem „Ja zur Demokratie, Nein zur Revolution“.
https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-demonstration-der-roten-schals.2932.de.html?drn:news_id=970879

Vive la Revolution!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 23:00:23 So. 27.Januar 2019
Fuck them. And fuck EC.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 23:10:14 So. 27.Januar 2019
Gelbwesten: Zorn über Polizeigewalt | ARTE Journal
https://www.youtube.com/watch?v=T3mOgcApUvU
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:46:45 Mo. 28.Januar 2019
Zitat
… Die deutschen Intellektuellen sprechen ungern von Wirtschaft, sondern lieber von Moral. Sie können die Aktionen der Gelbwesten nachvollziehen, sagen sie, einige zumindest. Im selben Atemzug verurteilen sie deren Gewalt. Dabei sind sie blind für die Tatsache, dass die Gewalt der Gelbwesten eine Notwehr der Geschlagenen gegen die Klassengewalt der Bürgerlichen ist. Ist nicht Sozialhilfe gewaltsamer als das Anzünden eines Autos, unbezahlbarer Wohnraum oder Zwangsräumung aggressiver als die Blockade einer Straße? Arbeitslosigkeit trotz Studienabschluss viel mehr ein Gewaltakt als das Standhalten im Angesicht eines Polizeiknüppels – und Drei-Schicht-Arbeit im Kriegslärm der Maschinen im Vergleich zum Werfen von Pflastersteinen? Was ist die Besetzung einer Schule gegen die schleichende, stille Gewalt der Ausgrenzung im Bildungswesen? Wenn die 500 reichsten Personen in Frankreich seit 2008 ihr Vermögen verdreifacht haben und gemeinsam 650 Milliarden Euro besitzen, während 21,5 Prozent der Jungen ihr Brot nicht verdienen können, wenn Millionen schon die Miete über den Kopf wächst und ihnen die Hochkultur die Türen vor der Nase zuschlägt – wer ist dann der extreme Gewalttäter? (…) Im Nachbarland findet eine Revolte der Vergessenen gegen das Klassensystem statt...
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1110848.gelbwesten-und-gewalt-du-musst-dich-nicht-schaemen.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:51:56 Mo. 28.Januar 2019
Oja, die Gewalt ist zu verurteilen!
https://desarmons.net/index.php/2019/01/04/recensement-provisoire-des-blesses-graves-des-manifestations-du-mois-de-decembre-2018/

Folgenden Artikel etwas nach unten scrollen für "Übersetzung der Vorläufigen Aufzählung der Verletzten bei den Demonstrationen von November-Dezember 2018"
4. Januar 2019
https://www.nachdenkseiten.de/?p=48643
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 11:12:07 Di. 29.Januar 2019
Zitat
... der Aufruf der ersten Generalversammlung der gelben Westen

Sonntag, 27. Januar 2019

Wir, die Gelben Westen von den Kreisverkehren, Parkplätzen, den Demonstrationen und aus den Versammlungen, haben uns am 26. und 27. Januar 2019 zu einer Versammlung der Versammlungen getroffen. Etwa hundert Delegationen sind so dem Aufruf der Gelben Westen aus Commercy gefolgt.

Seit dem 17. November haben wir uns vom kleinsten Dorf, vom ländlichen Raum bis zur größten Stadt, gegen diese zutiefst gewalttätige, ungerechte und unerträgliche Gesellschaft erhoben. Wir lassen das nicht weiter so geschehen! Wir lehnen uns gegen die hohen Lebenshaltungskosten, die Unsicherheit und die Armut auf. Wir wollen in Würde für unsere Lieben, unsere Familien und unsere Kinder leben. 26 Milliardäre besitzen so viel wie die Hälfte der Menschheit, das ist inakzeptabel. Teilen wir den Reichtum anstatt das Elend! Lasst uns der sozialen Ungleichheit ein Ende setzen! Wir fordern eine sofortige Erhöhung der Löhne, der sozialen Mindeststandards, der Zulagen und Renten, ein bedingungsloses Recht auf Wohnung und Gesundheit, Bildung und kostenlose öffentliche Dienste für Alle.

Dafür besetzen wir täglich den Kreisverkehr und organisieren Aktionen, Demonstrationen und Debatten überall. Mit unseren gelben Westen melden wir uns wieder zu Wort, wir, die das Wort sonst nie haben.

Und was ist die Antwort der Regierung darauf? Unterdrückung, Verachtung, Verunglimpfung, Tote und Tausende von Verwundeten, der massive Einsatz von Waffen, Schüsse die uns verstümmeln und erblinden lassen, uns verwunden und traumatisieren. Mehr als 1000 Menschen wurden bereits willkürlich verurteilt und inhaftiert. Und jetzt soll das neue so genannte “Anti-Cracker”-Gesetz uns auch noch darin hindern, dass wir weiterhin demonstrieren. Wir verurteilen jede Gewalt gegen Demonstranten, sowohl durch die Polizei als auch von kleinen gewalttätigen Gruppen. Nichts von Allem davon wird uns aber aufhalten! Demonstrieren ist ein Grundrecht. Schluss mit der Straflosigkeit für die Ordnungskräfte! Amnestie für alle Opfer der Unterdrückung!


Und was für eine Schande, diese große nationale Debatte, die in Wirklichkeit nichts anders ist als eine Kampagne der Regierung, unseren Willen und unsere Entscheidungen für sich zu instrumentalisieren! Wahre Demokratie wird in unseren Versammlungen, in unseren Kreisverkehren praktiziert, weder im Fernsehen noch in den von Macron organisierten Pseudo- Rundtischgesprächen gibt es sie.

Nachdem er uns beleidigt und uns wie Dreck behandelt hat, präsentiert Macron uns nun als eine faszinierende und fremdenfeindliche Menge aus Hassgefühlen. Aber wir sind genau das Gegenteil: wir sind weder rassistisch, sexistisch noch homophob, wir sind stolz darauf, trotz und mit all unseren Unterschieden untereinander zusammengekommen zu sein um eine Gesellschaft der Solidarität aufzubauen.

Wir sind stolz auf die Vielfalt in unseren Diskussionen, hunderte von Versammlungen erstellen ihre Vorschläge und stellen ihre eigenen Forderungen auf. Es geht um echte Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Steuergerechtigkeit, um die Arbeitsbedingungen, um ökologische und klimatische Fragen und um ein Ende der Diskriminierung. Zu den am häufigsten diskutierten strategischen Forderungen und Vorschlägen gehören: die Beseitigung der Armut in all ihren Formen, die Transformation der Institutionen (RIC, Verfassung, Ende der Privilegien der Abgeordneten….), der ökologische Wandel (Energiesicherheit, industrielle Umweltverschmutzung….), die Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von ihrer Nationalität (Menschen mit Behinderungen, Geschlechtergleichstellung, Ende der Benachteiligung von Arbeitervierteln, ländlichen Gebieten und Überseegebieten…).

Wir Gelbwesten laden jeden ein, sich uns anzuschließen, entsprechend seinen Möglichkeiten und unabhängig von seiner finanziellen Lage. Wir rufen zur Fortsetzung der Aktionen auf (Akt 12 gegen polizeiliche Gewalt vor den Polizeistationen, Akt 13, 14….), zur Fortsetzung der Besetzung von Kreisverkehren und der Blockade der Wirtschaft. Wir rufen ab dem 5. Februar zu einem massiven und verlängerbaren Streik auf. Wir fordern die Bildung von Arbeiterausschüssen in den Betrieben, an den Schulen und überall sonst, wo es notwendig ist, damit unser Streik an der Basis von den Streikenden selbst geführt werden kann. Lasst uns unsere Geschäfte selber in die Hand nehmen! Bleibt nicht allein, schließt euch uns an!

Wir wollen uns demokratisch, autonom und unabhängig organisieren! Diese Versammlung aller Versammlungen ist ein wichtiger Schritt, der es uns ermöglicht, unsere Forderungen und unsere Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren. Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, diese Gesellschaft zu verändern!

Wir schlagen allen gelben Westen vor, diesen Aufruf weiter zu verbreiten. Wenn eine Gruppe von Gelbwesten mit uns einverstanden ist, so schicke sie ihre Unterschrift an Commercy. Zögern Sie nicht, Vorschläge für die nächsten Versammlungen der Versammlungen, die wir bereits vorbereiten, zu machen und zu diskutieren.

Rücktritt von Macron!

Es lebe die Macht des Volkes, für das Volk und durch das Volk.

Aufruf vorgeschlagen von der Versammlung der Versammlungen in Commercy.

Er wird dann jeder Lokalversammlung vorgelegt werden

Quelle: Humanité (https://www.humanite.fr/appel-de-la-premiere-assemblee-des-assemblees-des-gilets-jaunes-666918?fbclid=IwAR1Ee7-nfCXwOAOzufLjc3aGC5Ljnv0UXVCsP2LYxJZbnILICsodQYvE16k#xtor=RSS-1)

Freie Übersetzung aus dem Französischen von Marco Wenzel
29. Januar 2019

Via NDS (https://www.nachdenkseiten.de/?p=48777)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:46:41 Di. 29.Januar 2019
Beeindruckend, wie die Diskussionen in Frankreich geführt werden.

Klappt wohl doch nicht so toll mit den "Gesichtern", "Sprechern" und "Anführern" der Bewegung, wie unsere Presse sie herbeizuschreiben versucht...
Zitat
Die Reala der Gelbwesten
Ingrid Levavasseur will für die Gelbwesten ins europäische Parlament einziehen. Ihre Mitstreiterinnen an den Kreisverkehren beschimpfen sie dafür.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-01/gelbwesten-europawahlen-ric-ingrid-levavasseur

Zitat aus obigem (von Troll geposteten) Aufruf:
Zitat
Wir Gelbwesten laden jeden ein, sich uns anzuschließen, entsprechend seinen Möglichkeiten und unabhängig von seiner finanziellen Lage. Wir rufen zur Fortsetzung der Aktionen auf (Akt 12 gegen polizeiliche Gewalt vor den Polizeistationen, Akt 13, 14….), zur Fortsetzung der Besetzung von Kreisverkehren und der Blockade der Wirtschaft. Wir rufen ab dem 5. Februar zu einem massiven und verlängerbaren Streik auf. Wir fordern die Bildung von Arbeiterausschüssen in den Betrieben, an den Schulen und überall sonst, wo es notwendig ist, damit unser Streik an der Basis von den Streikenden selbst geführt werden kann. Lasst uns unsere Geschäfte selber in die Hand nehmen! Bleibt nicht allein, schließt euch uns an!

Wir wollen uns demokratisch, autonom und unabhängig organisieren!

Wow.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 19:47:03 Di. 29.Januar 2019
Das hört sich gut an!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 20:30:16 Di. 29.Januar 2019
Hier entwickelt sich eine vorbildliche demokratische Volksbewegung.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 20:30:33 Di. 29.Januar 2019
Das hört sich gut an!

Ja.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 15:11:46 Mi. 30.Januar 2019
Beeindruckend.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:08:39 Do. 31.Januar 2019
Zitat
«Die Herrschenden haben Angst – und das ist wundervoll»

Ein langes, lesenswertes Interview:
https://www.republik.ch/2019/01/12/die-herrschenden-haben-angst-und-das-ist-wundervoll
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13:35:44 Fr. 01.Februar 2019
Zitat
Rebellion in Frankreich

Die Proteste kamen überraschend und mit Wucht: In Frankreich demonstrieren Hunderttausende gegen die Reformpolitik der Regierung Macron. Sie halten ihn für einen Präsidenten der Reichen, fordern niedrigere Steuern und höhere Renten.
https://www.zdf.de/gesellschaft/re/arte-re-rebellion-in-frankreich-100.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14:45:02 Fr. 01.Februar 2019
Zitat
Im Moment organisieren sich überall im Land hunderte lokaler Gruppen mit ganz unterschiedlichen Herangehensweisen. Hier in Commercy an der Maas organisierten wir uns von Anfang an mit täglichen Volksversammlungen, in denen jeder und jede gleichberechtigt teilnimmt. Wir haben Blockaden in der Stadt, vor Tankstellen und auf Landstraßen organisiert. Inmitten einer Menschenmenge haben wir eine Hütte auf dem zentralen Platz errichtet. Wir finden uns hier tagtäglich ein, um uns zu organisieren, über kommende Aktionen zu entscheiden, mit Leuten zu diskutieren und diejenigen aufzunehmen, die sich der Bewegung anschließen. (...) Aber nun schlagen uns die Regierung und gewisse Fraktionen der Bewegung vor, Repräsentant*innen für jede Region zu ernennen! Soll heißen, Leute, die dann die einzigen „Ansprechpartner*innen“ der Behörden wären und die unsere Diversität verschwinden lassen würden. Aber wir wollen keine „Repräsentant*innen“, die zwangsläufig damit enden, an unserer Stelle zu sprechen! (...) Die Regierung möchte keine „Repräsentant*innen“, um unsere Wut und unsere Forderungen besser zu verstehen: Sie möchte uns eingrenzen und beerdigen! Wie bei den Gewerkschaftsführungen, sucht sie nach Leuten, mit denen sie verhandeln kann. Auf die sie Druck ausüben kann, um den Ausbruch zu beruhigen.
http://www.trend.infopartisan.net/trd1218/t321218.html

Weiteres:
http://www.labournet.de/?p=142070
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:10:12 Fr. 01.Februar 2019
Zitat
Aber nun schlagen uns die Regierung und gewisse Fraktionen der Bewegung vor, Repräsentant*innen für jede Region zu ernennen!
Das kommt in der Doku oben ja auch rüber, mit dieser selbsternannten Pressesprecherin, die unbedingt eine Partei gründen will!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:33:59 Fr. 01.Februar 2019
Ah ja, die Gelbe Westen Dortmund!
siehe hier: https://robert-rutkowski.de/gelbe-westen-dortmund-teil-iii/#more-3644
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:53:12 Fr. 01.Februar 2019
Gelbwesten in Deutschland?

Soweit ich es beurteilen kann, ein eher trauriges Spektakel.
Einmal ist es das #Aufstehen und Linkspartei-Umfeld, das da in gelber Weste auftaucht, aber eher nachmachend und gutgemeint und weniger aus einer vergleichbaren Motivation von Wut und Verzweiflung geboren.

Die Mehrheit der Gelbwesten in D sind stramm rechts organisiert. Die benutzen die Maskerade aus politischem Kalkül.

Außen Gelbweste, innen Reichsbürger
https://www.tagesspiegel.de/berlin/gekaperte-proteste-in-berlin-aussen-gelbweste-innen-reichsbuerger/23911796.html

„Gelbwesten“-Kopien von rechts
https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/gelbwesten-kopien-von-rechts
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 17:20:48 Fr. 01.Februar 2019
Sich mit angemeldeten teutschen Demos im gleichen Dunstkreis der französischen Gelbwestenproteste zu sehen sagt schon viel über die Beteiligten aus.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:30:06 Fr. 01.Februar 2019
Zitat
Soweit ich es beurteilen kann, ein eher trauriges Spektakel.
Ja, das ist auch meine Einschätzung. Das sind überwiegend rechte Gruppen oder so ein merkwürdiger Querfrontmischmasch aus Rechten, Reichsbürgern und Wagenknecht- Sekte, wie er auch schon bei den Montagswahnmachen..äh - Montagsmahnwachen zu finden war.

Hier nochmal was zu den Gelben Westen in Frankreich:
Versuchte Vereinnahmung durch die extreme Rechte  (http://www.lotta-magazin.de/ausgabe/online/versuchte-vereinnahmung-durch-die-extreme-rechte)

Zitat
Die nicht zutreffende Darstellung der Proteste als insgesamt extrem rechts entwickelte sich unterdessen, vor allem seit dem Jahreswechsel 2018/19, zum Argument für einen Teil der gesellschaftlichen Eliten (etwa in bürgerlichen Medien) und das Regierungslager, um die „Gelbe Westen“-Bewegung insgesamt zu diskreditieren. Ein weiterer, mit Bestimmtheit negativer Nebenaspekt dieser Polarisierungsstrategie besteht darin, dass die extreme Rechte in vieler Menschen Augen zur „wichtigen und für die Regierung gefährlichen Oppositionskraft“ aufgewertet wird.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 11:09:01 Sa. 02.Februar 2019
Nur die Vernunft(!) kann siegen, eine Parteigründung (vernünftig?!)!
Genau, sich dem etablierten System unterordnen bzw. mitspielen funktioniert ja so gut bisher, noch eine, die Vernunftspartei schlechthin, bringt das Heil, genau, wäre nur schon mal jemand vorher darauf gekommen.
Arte hat schon mal eine Fr. Medienprofi ausfindig gemacht, eine Gelbweste ohne gelbe Weste.

https://youtu.be/GeMb_XchnwE

Wer sich direkt auf die Schuhe kotzen lassen will, "Jacline Mouraud" (Fr. Medienprofi) persönlich.
https://youtu.be/GeMb_XchnwE?t=1623
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:02:10 Sa. 02.Februar 2019
@ Troll. Gucke mal Antwort #252 ;)
Die Tante fand ich auch ziemlich gruselig.
Die Doku zeigt aber wie breit das Bündnis tatsächlich ist. Vom ländlichen Raum erfährt man sonst relativ wenig. So ein breites Bündnis kenne ich hier nur aus dem Wendland.

In Paris ist übrigens wieder Demo- Time:
https://www.rt.com/on-air/450400-yellow-vest-paris-protest/
Titel: Re:Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 15:30:56 Sa. 02.Februar 2019
Du hast recht.

Ich bin nicht (mehr) links. Ich mache mich auch nicht mehr stark für linke Positionen oder linke Politik. Ein angeblich!! Linker Ramelow ist mir absolut zuwider. Vllt. gibt es in diesem Zusammenhang bezgl. Ramelow/ Thüringen ja einen Thread?
 
Es macht für mich jedoch definitiv keinen Unterschied mehr ob Schwarz-Gelb oder Rot-Grün. Rot-Grün und Schwarz-Gelb sind austauschbar in meinem Denken!! ...

Ich verorte mich trotz eines "linken" Ramelow, einer angeblich aus dem "linken" SPD-Flügel stammenden Nahles und vielem anderen denen Linkes angedichtet wird, links.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:39:57 Sa. 02.Februar 2019
Ja, wir sind dann eben Linksradikal!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:44:49 Sa. 02.Februar 2019
Es sind bisher 2000 Menschen festgenommen worden, 11 kamen ums Leben, es wurden mehr als 9.200 Gummigeschosse auf die Demonstranten verschossen, ca. 1900 Demonstranten wurden verletzt,

(https://pbs.twimg.com/media/DyXD82YXQAEuSoR.jpg)

100 davon schwer, 4 Menschen wurde die Hand abgerissen, 17 verloren ein Auge.

Trotz allem kriegt man die Gelbwesten nicht von der Straße.
Mich berührt diese Wut und das Durchhaltevermögen der Menschen dieser Bewegung ungemein.
Ihre Diskussionen sind inspirierend.
Was interessieren da die albernen Zahlen, die die Medien über die Beteiligung bringen, stets mit dem Tenor, es werden weniger, die Zeit der Gelbwesten ist vorbei.



@troll, aber shitux war auch ein schwieriger Orientierungspunkt, der wußte nie wo links, rechts, oben oder unten ist.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:00:18 Sa. 02.Februar 2019
@troll, aber shitux war auch ein schwieriger Orientierungspunkt, der wußte nie wo links, rechts, oben oder unten ist.
Viele Menschen wissen das -infolge des Geschwafels von der "Mitte"- nicht mehr. Sie müssen erst wieder begreifen, dass rechts ist, wer sich auf die Seite der Kapitalisten schlägt, und links ist, wer eine von Ausbeutung und Unterdrückung befreite Gesellschaft will.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:32:45 Sa. 02.Februar 2019
Die gleiche Taktik der Bullen wie in Deutschland: Die Leute solange provozieren bis sie sich wehren und dann irgendwas von gewaltätigen Demonstranten faseln!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:36:07 Di. 05.Februar 2019
Zitat
In Frankreich haben sich zehntausende Menschen am heutigen Aktionstag gegen „Soziale Not“ beteiligt.

Sie folgten einem Aufruf der Gewerkschaft CGT und forderten höhere Löhne und Gehälter sowie die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Den Protesten der Gewerkschafter schlossen sich viele Vertreter der Gelbwesten-Bewegung an. In Paris blieb der Eiffelturm geschlossen, weil sich die Mitarbeiter an der Kundgebung beteiligten. Größere Protestaktionen gab es auch in Marseille, Straßburg, Le Havre und anderen französischen Städten.

Angesichts der Gelbwesten-Proteste, die seit mehreren Wochen jeweils samstags vor allem in Paris stattfinden, brachte das französische Parlament ein Gesetz gegen Randalierer auf den Weg. Der von der Regierung eingebrachte Entwurf verbietet es Demonstranten, sich zu vermummen und räumt Polizei und Behörden mehr Befugnisse ein. Kritiker befürchten eine Einschränkung von Bürgerrechten. Dem Gesetz muss nun noch der Senat zustimmen.
https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-zehntausende-protestieren-gegen-soziale-not.2932.de.html?drn:news_id=973826

"In Paris blieb der Eiffelturm geschlossen, weil sich die Mitarbeiter an der Kundgebung beteiligten."

Haha! Endlich mal eine vernünftige Haltung. Man kann nicht arbeiten, weil man demonstrieren muß!

Es gibt sicherlich wieder Leute im Forum, die zu bedenken geben, daß so ein Verhalten nicht legal ist.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:15:56 Mi. 06.Februar 2019
Die Herrschenden schieben Panik.

Zitat
„Anti-Randalierer-Gesetz“ in Frankreich
Volle Kanne gegen das Demo-Recht

Das Parlament will gegen „notorische Unruhestifter“ vorgehen und verschärft Demoverbote. Das ist selbst in der Regierungspartei umstritten.


(http://www.taz.de/picture/3227465/624/0135_web.jpeg)

Die Abgeordneten der französischen Nationalversammlung wollen – wie vor ihnen bereits die Senatoren – mit verschärften Gesetzen gegen gewalttätige „Casseurs“ (Randalierer) am Rande von Demontrationen vorgehen. Eine entsprechende Vorlage ist am Dienstagnachmittag verabschiedet worden. Der Anlass dafür sind die Krawalle mit Plünderungen und Sachbeschädigungen bei Kundgebungen der Gilets jaunes, der sogenannten Gelbwesten, in den vergangenen Wochen. Sowie gewaltsame Konfrontationen zwischen „Black blocks“, den Schwarzen Blöcken, und der Polizei.

Dahinter steckt die Absicht, „notorische“ Unruhestifter, die der Polizei bereits bekannt sind, daran zu hindern, an öffentlichen Kundgebungen teilzunehmen. Auch soll die Möglichkeit präventiver Kontrollen und legaler Durchsuchungen von potenziellen Demonstranten erweitert werden. Und schließlich sollen Teilnehmende für eventuelle Schäden bei ausartenden Demonstrationen persönlich haften.
...
Vorbelastete „Unruhestifter“ sollen aber mit einem Demonstrationsverbot belegt werden, wenn „ausreichende Gründe vorliegen“ für den Verdacht, dass diese Person „mit ihrem Verhalten eine schwere Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt“. Bei Zuwiderhandlung droht eine Haftstrafe von sechs Monaten.

Die jetzt erweiterten Kompetenzen der Polizei erinnern an die Ausnahmebestimmungen des Notstands anlässlich der islamistischen Attentatswelle nach 2015. Der Senat wollte zudem, dass selbst in der weiteren Umgebung, Autos und Gepäck durchsucht werden dürfen. Die bereits geltende Vermummungsverbot bei Kundgebungen stellt künftig ein Strafdelikt dar, das im Höchstfall mit einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Geldbuße geahndet werden kann.
...
http://www.taz.de/Anti-Randalierer-Gesetz-in-Frankreich/!5570644/

Jaja, dieser freiheitliche Freie Westen® .
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 12:01:07 Mi. 06.Februar 2019
Kommt mir bekannt vor! Hört sich so an, wie das Gesetz das in Deutschland vor 2 (?) Jahren verabschiedet wurde.
Die Auswirkungen konnte man auf dem G20 gut beobachten.
Dazu dann noch Bullen, die machen können was sie wollen ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.
Ungute Mischung!

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 12:14:58 Mi. 06.Februar 2019
Ja, echt ätzend. Scheinbar ist man darauf aus, die absolut berechtigten,  überfälligen Proteste eskalieren lassen zu wollen. Damit die "Gelbwesten" einfacher in Misskredit gebracht werden können.

Die notorischen Unruhestifter sitzen im Parlament und Senat und in der Sesseln der Ausbeuter!

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 13:01:11 Mi. 06.Februar 2019
Wie ich gestern darüber erfuhr, schauerte es mir auch kalt den Rücken herunter..
Wie ein Geistesblitz schossen mir die Erfahrungen vom G20 durch den Kopf..

Wütend darüber, das dieses "Realtraining für Schergen und Co" als "Exportartikel"
a la "Toolbox gegen Bürgerbegehren" in Frankreich noch eine Steigerung zu
"Staatsgewalten" Anwendung findet ?..

Klingt echt böse, Protest nun zu verkrimminallisieren.  :(

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:14:38 Mi. 06.Februar 2019
Mal eine etwas andere Meinung:

Zitat
Ich bin der Meinung, daß es für uns - sei es für den einzelnen, für eine Partei, eine Armee oder eine Schule - schlecht ist, wenn der Feind nicht gegen uns Front macht, denn in diesem Fall würde es doch bedeuten, daß wir mit dem Feind unter einer Decke steckten. Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn uns der Feind energisch entgegentritt, uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten läßt, dann ist das noch besser; denn es zeugt davon, daß wir nicht nur zwischen uns und dem Feind eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern daß unsere Arbeit auch glänzende Erfolge gezeitigt hat.
(Mao Tse Tung, 26. Mai 1939)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:29:27 Mi. 06.Februar 2019
Zitat
„Gilets jaunes“ proben den Generalstreik

Gelbwesten und Gewerkschafter gehen in Frankreich gemeinsam auf die Straße - Macron steht unter Druck von links.


Gut, dass sie Leuchtwesten trugen: Schon mitten in der schwarzen Nacht blockierten 300 „gilets jaunes“ und Gewerkschafter die Zufahrt zum Pariser Frischmarkt Rungis, dem größten Umschlagplatz Europas für Früchte, Fleisch und Gemüse. Obwohl die Polizei die Sperren immer wieder zu räumen versuchte, bildeten die Sattelschlepper an den Eingangsportalen lange Warteschlangen.

„Generalstreik – Frankreich pausiert“, twitterte Eric Drouet, ein prominenter Vertreter der Gelbwesten. Der Appell des 33-jährigen Fernfahrers paarte sich mit dem gleichlautenden Appell der wichtigsten französischen Gewerkschaft, der CGT. Viele Schulen und Ämter blieben am Dienstag geschlossen. Der öffentliche Verkehr kam regional und national teilweise zum Erliegen, während der internationale Bahn- und Flugverkehr kaum gestört wurde. Die gemäßigteren Gewerkschaften CFDT und Force Ouvrière hatten sich dem Aufruf nicht angeschlossen; einzelne Sektionen und Mitglieder beteiligten sich allerdings an dem Ausstand.
https://www.fr.de/politik/frankreich-gilets-jaunes-proben-generalstreik-11735452.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 19:01:57 Mi. 06.Februar 2019
Die Ausweitung der Demonstrationen zum (General)streik ist ein wichtiger und richtiger Schritt, um Macron zu stürzen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:08:00 Do. 07.Februar 2019
Über diesen Protesttag hatten unsere Mainstreammedien bestenfalls eine Kurzmeldung übrig. Dabei handelt es sich um eine neue Dimension des Protests, nicht nur zahlenmäßig. Es war auch ein Schritt, Belegschaften mit in den Kampf einzubeziehen.

Zitat
Auf der nördlichen Seite der Seine fand zugleich eine Demonstration relativer Stärke der Protestbewegung statt. Laut Angaben der linken Gewerkschaft CGT gingen am Dienstag rund 300 000 Menschen frankreichweit auf die Straße, um gegen die Regierungspolitik zu protestieren. Dies entspricht einer erheblichen Steigerung der Teilnehmerzahlen gegenüber den Protesttagen der Gelbwesten an den Samstagen zuvor mit jeweils mehreren Zehntausend Menschen. Das Vorliegen mehrerer paralleler Protestaufrufe seitens der CGT, von Vertretern der Gelbwesten, aber auch von Exponenten der unterschiedlichen Linkskräfte wie Jean-Luc Mélenchon und Olivier Besancenot, hatten dafür gesorgt, dass die unterschiedlichen Protestfronten sich gegenseitig verstärkten. Das französische Innenministerium seinerseits sprach am Abend von 137 000 Demonstrierenden.
(...)
In anderen Städten wie dem ostfranzösischen Grenoble hingegen war der Personennahverkehr infolge von Arbeitsniederlegungen verlangsamt. Hingegen schlossen auch in Paris manche Postämter ihre Türen am Spätnachmittag früher als vorgesehen. Manche Zugverbindungen auf Fernstrecken entfielen. In Le Havre oder am Flughafen von Nantes fanden Blockaden statt, an denen Gewerkschaftsaktive und Anhänger*innen der Gelbwesten gemeinsam teilnahmen. In der Nacht von Montag auf Dienstag hatten mehrere Hundert Protestierende aus den Reihen von CGT und Gelbwesten die Großmarkthallen in Rungis, südlich von Paris, zeitweilig blockiert.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1111694.parlament-in-frankreich-proteste-von-linker-cgt-und-gelbwesten.html

Mich ärgert aber die Einschätzung des Neuen Deutschland, die CGT sei "links". Nur weil sie weniger weit im Arsch der Wirtschaft steckt, ist sie noch längst nicht links.



Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13:19:11 Do. 07.Februar 2019
Naja, bei der CGT sind schon ein paar echte Haudegen dabei! Ich hatte mit denen eine tolle Zeit in Strasbourg!
So langsam scheint der Funke überzuspringen. Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Studenten und die Soldaten und dann gehts los!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:24:07 Do. 07.Februar 2019
Wir sollten nicht vorschnell euphorisch werden.
Laut Bernard Schmid war es durchwachsen...
Zitat
Es handelte sich um eine relative Stärkedemonstration...auf [der] Straße...
Allerdings hinkt bislang die Auswirkung des Protests, was die Beteiligung an Streiks und Arbeitsniederlegungen betrifft, dahinter zurück...
http://www.labournet.de/?p=143906
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 20:53:25 Do. 07.Februar 2019
Also weiterhin nur ein Schwelbrand!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 13:31:30 Sa. 09.Februar 2019
Bisher scheint mir der Protest nicht blind geführt, die Reaktionen waren durchdacht, daher würde ich nicht vorschnell ein Urteil abgeben, derartige Proteste sind Beispiellos.
Sie werden ganz sicher nicht stellvertretend das Heil über die gesamte Welt bringen!

Bisher haben sie eigentlich nichts erreicht, es ist bloßes Durchhaltevermögen gefragt, sich nicht aussitzen oder durch billige Kompromisse abspeisen lassen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 13:51:49 Sa. 09.Februar 2019
Naja, man kann schon davon ausgehen, das Proteste erst dann einen Erfolg erzielen, wenn sich möglichst viele Menschen diesen Protesten anschließen.
Ein gutes Beispiel ist Ägypten unter dem damaligen Mubarak- Regime. Da sind jede Woche mehr Menschen auf die Straße gegangen, bis es am Ende hunderttausende waren.
Genau diese Dynamik gibt es in Frankreich nicht bzw. noch nicht.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 14:03:21 Sa. 09.Februar 2019
Die Gelbwesten sind mehr als nur eine Protestbewegung. Sie sind eigentlich eine Volksbewegung, weil Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Schüler und Studierende, Kleinbauern, Kleinhändler gemeinsam für eine echte Verbesserung ihrer sozialen Lage auf die Straße  gehen. Erreicht haben sie Zugeständnisse; der Sturz von Macron steht noch aus.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:00:10 Sa. 09.Februar 2019
Zitat
Bei erneuten "Gelbwesten"-Protesten in Frankreich ist ein Demonstrant schwer verletzt worden. Die Bewegung ging zum 13. Mal in Folge auf die Straße - diesmal auch gegen neue Demonstrationsgesetze.

Bei den "Gelbwesten"-Protesten in Paris ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit mindestens einem Schwerverletzten gekommen. Einem Mann wurde bei einem Zwischenfall nahe des Parlamentsgebäudes die Hand zerstört. Mindestens ein weiterer Demonstrant wurde am Kopf verletzt Die Hintergründe sind bisher unklar.
https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-179.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 17:45:29 Sa. 09.Februar 2019
Die Gelbwesten sind mehr als nur eine Protestbewegung. Sie sind eigentlich eine Volksbewegung, weil Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Schüler und Studierende, Kleinbauern, Kleinhändler gemeinsam für eine echte Verbesserung ihrer sozialen Lage auf die Straße  gehen. Erreicht haben sie Zugeständnisse; der Sturz von Macron steht noch aus.

Ganz meine Meinung.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18:57:58 Sa. 09.Februar 2019
Zitat
(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/gelbwesten-189~_v-modPremium.jpg)

Demonstrant in Paris schwer verletzt

Stand: 09.02.2019 16:13 Uhr

Bei erneuten "Gelbwesten"-Protesten in Frankreich ist ein Demonstrant schwer verletzt worden. Die Bewegung ging zum 13. Mal in Folge auf die Straße - diesmal auch gegen neue Demonstrationsgesetze.

Bei den "Gelbwesten"-Protesten in Paris ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit mindestens einem Schwerverletzten gekommen. Einem Mann wurde bei einem Zwischenfall nahe des Parlamentsgebäudes die Hand zerstört. Mindestens ein weiterer Demonstrant wurde am Kopf verletzt Die Hintergründe sind bisher unklar.

(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/gelbwesten-183~_v-videowebl.jpg)

Ein Augenzeuge sagte der Agentur AFP, bei dem Verletzten handle es sich um einen Fotografen der "Gelbwesten". Er habe eine heranfliegende Granate mit der Hand abwehren wollen, "daraufhin ist sie explodiert, als er sie berührte". Aus Polizeikreisen verlautete, der Mann habe eine Blendgranate der Polizei zurückwerfen wollen. Eine unabhängige Bestätigung gibt es bisher nicht. Ein Polizeisprecher sagte lediglich, dass ein Mensch an der Hand verletzt worden sei.

(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/gelbwesten-187~_v-videowebl.jpg)

Mehrere Tausend Menschen waren zum 13. Protesttag der "Gelbwesten" in der Hauptstadt zusammengekommen. Dieses Mal richteten sich die Proteste auch gegen ein geplantes Gesetz, das erleichterte Demonstrationsverbote und harte Strafen für Vermummte vorsieht. Einige Aktivisten hatten dazu aufgerufen, sich gezielt zu vermummen. Weitere Kundgebungen waren unter anderem in Bordeaux, Toulouse und Nantes angekündigt.

(https://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/sendungsbild-459207~_v-videowebl.jpg)

Die Beteiligung an den seit fast drei Monaten anhaltenden Protesten war zuletzt zurückgegangen. Am vorangegangenen Samstag gingen nach Angaben des französischen Innenministeriums 58.600 Menschen gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron auf die Straße. Die "Gelbwesten" selbst sprachen allerdings von 116.000 Demonstranten.
https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-179.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:57:05 Di. 12.Februar 2019
Zitat
Joshua Clover ist Literaturprofessor an der University of California Davis. Die deutsche Übersetzung seines Buchs Riot. Strike. Riot erscheint im Frühjahr im Laika-Verlag. Dieser Essay wurde zuerst bei Verso Books veröffentlicht.

Der amerikanische Intellektuelle Joshua Clover hat sich lesenswerte Gedanken zu dne Gelbwesten gemacht. Ich habe ein paar davon herausgepickt.

Zitat
Der Brotaufstand ist zurück

Frankreich Der Protest der Gelbwesten dreht sich nicht um Arbeit, sondern um hohe Preise. So wie 1789. Nur eben mit Gabelstaplern

...
Die Bewegung der Gelbwesten ist ein Aufstand wie aus dem Lehrbuch. Es ist kein Arbeiterprotest. Jener kreist, selbstredend, um arbeitsbezogene Forderungen. Arbeiterinnen kämpfen – in ihrer Rolle als Arbeiterinnen – um den Preis und die Bedingungen ihrer Arbeit. Ein Arbeitskampf spielt sich im Bereich der Produktion von Gütern und Dienstleistungen, im Bereich der Wertschöpfung ab.

Dagegen ist der klassische Aufruhr, wie er im Europa des Mittelalters und der Frühen Neuzeit entstanden ist, ein kollektives Handeln, das 1. darum kämpft, die Preise von Marktgütern zu beeinflussen; 2. Menschen zusammenbringt, die nichts verbindet als ihre Enteignung; und 3. sich in der Sphäre der Konsumption entfaltet und auf die Störung der Warenzirkulation setzt.

Vom 14. bis 18. Jahrhundert ging es dabei oft darum, das Gemeinwesen gegen einen Bäcker oder Getreidehändler zu mobilisieren. Der „Brotaufruhr“ in Frankreich gipfelte im „Mehlkrieg“ von 1775, der schon an die nationale Krise erinnert, die der Monarchie ein Ende setzen sollte: Ein Aufstand der Marktfrauen gegen die Lebensmittelpreise führte 1789 zum heugabelschwingenden Frauenmarsch auf Versailles. Bis zu den Arbeitskämpfen im 19. Jahrhundert waren Aufstände gegen die Preisgestaltung die häufigste Form kollektiven Handelns.
...
Der Zirkulationskampf beschreibt somit die soziale Auseinandersetzung derer, die aus der Sphäre der Produktion gedrängt wurden. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Produktion selbst zurückgeht und das Kapital sich auf der Suche nach Profit vermehrt Strategien zuwendet, die in der von Marx beschriebenen „geräuschvollen Sphäre der Zirkulation“ verortet sind. Bei den Gelbwesten treffen sich Lagerarbeiter, arbeitslose Elektroinstallateure, Nachtschwestern, ehemalige Teppichleger – die nun freiberuflich auf Haustiere aufpassen – und Fahrer von Betonmischern. Sie verkörpern ein bestimmtes Spektrum: die Überreste des Bauwesens, den stagnierenden Dienstleistungsbereich, die Prekären und Aussortierten.

Weil sie nicht in einer Arbeiterbewegung organisiert sind, ist es für manch orthodoxen Denker fraglich, ob es sich hier überhaupt um einen Klassenkampf handelt. Doch keine Kritik könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Was wir beobachten, ist das Schicksal der Klassenorganisation heute. Nicht, dass diese Leute nicht arbeiten würden – einige tun es, andere nicht. Man kann sich schwerlich den Arbeitskampf vorstellen, der diese grundverschiedenen Typen vereint. Doch die steigenden Lebenshaltungskosten machen sie alle zu Bettlern. Die Preisgestaltung sorgt dafür.
...
 Ein Aufruhr ist von Anfang geprägt durch einen Kampf um seine Richtung. Während wir mit Straßenprotesten vertraut sind, die nach rechts abdriften – wie das desaströse Beispiel in Brasilien etwa –, haben es die Gilets Jaunes vermocht, diesen Kurs in bestimmten Momenten umzukehren. Dies gelang auch, weil die allwöchentliche Mobilisierung am Samstag eine gewisse Urbanisierung der Bewegung mit sich brachte und sie einer breiteren proletarischen Basis zugänglich machte, zu der Akteure wie das Adama Komitee zählen. Das Komitee „Aufklärung und Gerechtigkeit für Adama Traoré“ gründete sich 2016 nach Traorés Tod in Polizeigewahrsam, der ähnliche, wenn auch nicht ganz so heftige Riots hervorrief wie die, die 2005 von Clichy-sous-Bois auf andere Viertel von Paris und schließlich auf andere französische Vorstädte übergriffen.
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Die Schwäche von Randale, die durch staatliche Gewalt ausgelöst wird, besteht oft darin, dass sie genau an dieser Stelle steckenbleibt. Allzu oft wird ihr durch kosmetische Modifikationen des Staatsapparates beigekommen: Ein Amtsträger tritt zurück, eine Expertengruppe tritt zusammen. Dagegen besteht die Stärke des Preis-Aufstands darin, dass er direkt bei der Wirtschaft ansetzt. Das kann jedoch zugleich auch seine Schwäche sein: wenn sich die Gelbwesten nur allzu leicht revanchistischen Sehnsüchten nach dem Klassenkompromiss der „goldenen Nachkriegsjahrzehnte“ öffnen und dessen beschränkter Vision davon, für wen dieser Deal gilt.
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Die Schwäche von Randale, die durch staatliche Gewalt ausgelöst wird, besteht oft darin, dass sie genau an dieser Stelle steckenbleibt. Allzu oft wird ihr durch kosmetische Modifikationen des Staatsapparates beigekommen: Ein Amtsträger tritt zurück, eine Expertengruppe tritt zusammen. Dagegen besteht die Stärke des Preis-Aufstands darin, dass er direkt bei der Wirtschaft ansetzt. Das kann jedoch zugleich auch seine Schwäche sein: wenn sich die Gelbwesten nur allzu leicht revanchistischen Sehnsüchten nach dem Klassenkompromiss der „goldenen Nachkriegsjahrzehnte“ öffnen und dessen beschränkter Vision davon, für wen dieser Deal gilt. Dieses Denken samt seinen Ausschlüssen ist gemeint, wenn die Menge die „Marseillaise“ anstimmt – und nicht 1792.

Doch die aktuellen Proteste zeigen gerade, dass diese Zeit nicht zurückkommt, nicht für Linke und nicht für Nationalisten. „Die Wirtschaft“ in ihrer heutigen Ausformung muss in Wahrheit durch den Staat vertreten werden. Man kann plündernd über die Champs-Élysées ziehen – quasi Einkauf zum Nulltarif –, doch ist allen bewusst, dass Macrons Regierungspalast der Winterpalais des Geldes ist. Trotzdem wollen die Leute nicht mit ihm sprechen. Am 5. Januar schlugen die Demonstranten mit einem Gabelstapler ihren Weg in ein Ministerium in Paris. Dieses Fahrzeug, das im Allgemeinen nur für den Transport von Handelswaren verwendet wird, ist zu einem Totem geworden. Wo früher Heugabeln waren, sind heute Gabelstapler.

Der Sprung ins Politische hat bereits einen nachhaltigeren Kampf ermöglicht, als man es sich vorgestellt hat. Die Gelbwesten haben begonnen, die Einheit von Politik und Wirtschaft wiederzuentdecken, jene grundlegende Wahrheit der sozialen Existenz, die der bürgerliche Fetisch zu verbergen trachtet.
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/der-brotaufstand-ist-zurueck
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 16:22:16 Sa. 16.Februar 2019
11.Februar 2019
Zitat
Frankreich: Polizeigranate reisst einem Gelbwesten-Demonstranten die Hand ab

Erneut haben in ganz Frankreich mehrere zehntausend Menschen in gelben Westen gegen Präsident Macron und die Politik der Regierung demonstriert. Nach offiziellen Angaben des Staates gingen am 13. Gelbwesten-Aktionstag 51.400 Menschen auf die Straßen. Besonders zahlreich versammelten sich die DemonstrantInnen in der Hauptstadt Paris sowie in Bordeaux, Toulouse und Lyon.

In Paris beteiligten sich nach Behördenangaben etwa 4.000 Personen an den Protesten. Videos in den sozialen Medien lassen dabei eine deutlich höhere TeilnehmerInnenzahl vermuten. Hier kam es erneut zu schweren Auseinandersetzungen zwischen DemonstrantInnen und der Polizei. Besonders heftig waren diese vor der Nationalversammlung, dem französischen Parlament. Dort sollen einige AktivistInnen nach Angaben des Senders franceinfo versucht haben, Zäune zu durchbrechen. Bei den darauf folgenden Kämpfen mit der Polizei wurde ein Demonstrant schwer an der Hand verletzt. Offenbar explodierte eine Blendgranate der Polizei, als er versuchte, sie abzuwehren. Medienberichten zufolgehabe der Mann mindestens vier Finger verloren. Es soll sich um einen Fotografen der Gelbwesten handeln.

Seit geraumer Zeit steht die französische Polizei wegen ihres brutalen Vorgehens gegen die Gelbwesten-Proteste in der Kritik. Das betrifft vor allem den Einsatz von Tränengas, Gummigeschossen und mit dem Sprengstoff TNT gefüllte Granaten. Berichten zufolge sollen Polizisten bei verschiedenen Gelegenheiten in den letzten Wochen Gummigeschosse gezielt auf Unbewaffnete abgefeuert und damit schwerste Verletzungen in Kauf genommen haben. Auch an diesem Samstag setzten die Sicherheitskräfte wieder Tränengas ein.

Am Nachmittag zogen die DemonstrantInnen in der Hauptstadt auf der linken Seine-Seite in Richtung  Eiffelturm. Dort ging am frühen Abend ein Auto der Anti-Terror-Einheit Sentinelle in Flammen auf. Ansonsten seien die Proteste an diesem Wochenende weitgehend friedlich verlaufen

Quelle: https://perspektive-online.net/2019/02/frankreich-polizeigranate-reisst-gelbwesten-demonstrant-die-hand-ab/ (https://perspektive-online.net/2019/02/frankreich-polizeigranate-reisst-gelbwesten-demonstrant-die-hand-ab/)

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:19:50 Sa. 16.Februar 2019
Liveübertragung aus Frankreich mit mehreren Kameras.
Als ich dachte, das war's für heute, ist nochmal Leben in die Bude gekommen.

https://www.youtube.com/watch?v=BFz0yBL_Ino

Unten links ist die Übertragung aus Bordeaux-
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 08:34:19 Mo. 18.Februar 2019
In Frankreich thematisieren die Gelbwesten immer wieder, daß sie es mit Medien zu tun haben, die gegen sie arbeiten.

In Deutschland ist es nicht besser.
Auch die deutschen Medien wissen, daß die Bevölkerung hier voller Neid nach Frankreich blickt.
Deshalb tun sie alles, um die Bewegung zu schwächen und zu diskrediteren.
Die Stärke der Bewegung liegt in ihrer Autonomie und Führerlosigkeit. Deshalb werden jetzt angebliche Führer gehypt. Ansonsten geht es stets um Gewalt, Rechtsradikale und Antisemitismus.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09:58:33 Mo. 18.Februar 2019
Zitat
Ansonsten geht es stets um Gewalt, Rechtsradikale und Antisemitismus.
Ich halte die Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen in der Gelbwestenbewegung für einen zentralen Punkt. Es ist von absoluter Bedeutung, den Einfluss von Rechtsradikalen zurückzudrängen, wenn man nicht so enden will, wie in der Ukraine.
Der antifaschistische, linke Teil der Gelbwesten hat das aber erkannt und wirkt dem entgegen.
Zu den antisemitischen Übergriffen, die von Teilen der Gelbwesten ausgegangen sind wird sich die Bewegung ebenfalls positionieren müssen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:19:59 Mo. 18.Februar 2019
Damit hast du völlig recht.
Wir haben das bisher wenig diskutiert.
Wir sollten aber kritisch mit den Quellen umgehen, ihre Glaubwürdigkeit prüfen. Wir könnten allzuleicht Zerrbilder diskutieren, statt die wirklichen Verhältnisse.

Zitat
Die Berichterstattung im deutschsprachigen Raum ist oftmals lückenhaft. Oftmals werden die Proteste rechtslastig dargestellt. Wie sehen denn aktuell die groben Gewichtsverhältnisse der politischen Lager innerhalb der Gilets Jaunes aus?

Die empirische Forschung durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des politikwissenschaftlichen Instituts in Bordeaux hat schon im Dezember gezeigt, dass die Gilets Jaunes in ihrer Breite viel weiter links stehen, als medial vermittelt wird. Intern ist es ein Hin und Her, aber insgesamt stimmt mich die Entwicklung hoffnungsfroh. Der 5. Februar war ein wichtiger Schritt.

Wie verhalten sich die antifaschistischen Gruppen? Sie waren anfangs vermutlich überrumpelt durch die Ausmaße, inzwischen gibt es diverse Videos von handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Ich habe einen riesigen Respekt vor den Genossinnen und Genossen, die seit bald vier Monaten nahezu ununterbrochen antifaschistisch intervenieren, oft eben auch handgreiflich. Die Auseinandersetzungen werden auch nicht weniger, im Gegenteil. Seit sich herausgestellt hat, dass die Vereinnahmung der Bewegung nicht wie erhofft funktioniert, werden die Rechten aggressiver. Während es in der Vergangenheit vor allem einzelne organisierte Rechte waren, die die lokalen Antifa-Gruppen recherchiert und aus den Demozügen geschmissen haben, kommt es jetzt vermehrt zu Blockkonfrontationen. Vorletzten Samstag hatten Faschos in Paris sowohl den Block der linken Kleinpartei NPA gezielt als auch »unpolitische« Gilets Jaunes eher random angegriffen. Auch in anderen Städten kam es Angriffen, dort konnten die Faschos aber verjagt werden. Letzten Samstag ist dann in Lyon eine größere Gruppe Rechter, die zuvor bereits kleinere Überfälle auf migrantische und antirassistische Gilets Jaunes verübt hatte, in einer Gasse mit einer größeren Gruppe Antifas aufeinandergetroffen. Den Genossen und Genossinnen ist es dann mit geschlossenem Vorgehen gelungen, die Faschos in die Flucht zu schlagen. Das war aber sicher nicht das letzte Mal.

Wie versuchen rechte Gruppierungen Einfluss zu gewinnen?

Da gibt es zum einen die rechten Trolle online, von denen manche Bots sein mögen und manche authentische Spinner, die ihre antisemitischen Verschwörungstheorien mit beträchtlicher Energie in die Timelines der großen Facebookgruppen spammen. Auf der Ebene der Parteipolitik versucht der Rassemblement National (der frühere Front National) unter Marine Le Pen, den Volkszorn in Stimmgewinne für sich zu verwandeln, nachdem das Vereinnahmen der Bewegung selbst nicht funktioniert. Auffällig ist, dass die Rechten auf mehreren Ebenen mit der Staatsgewalt kollaborieren, um gegen die antifaschistischen Kräfte vorzugehen. An vorderster Front dieser Taktik stehen selbsternannte »Sicherheitsdienste«, die in den letzten Wochen plötzlich aufgetaucht sind, für sich autoritäre Kompetenzen einfordern und auch schon Gilets Jaunes an die Polizei ausgeliefert haben. Oft handelt es sich dabei um Soldaten oder Polizisten. Ihr Kopf in Paris ist der Soldat Victor Lenta, der auch schon aufseiten rechter pro-russischer Milizen in der Ukraine gekämpft hat.

Der ideologische Gegensatz von Rechten und Linken spiegelt sich hier auch auf taktischer Ebene als Unterschied von Militarismus und Militanz wieder. In der Pariser Antifa will man den Demonstrationszügen nun nach Möglichkeit schwarze Blöcke voranstellen, um den Einfluss dieser »Sicherheitsdienste« zurückzudrängen. Vorletzten Samstag ist es dann in Paris auch zu einer offenen Auseinandersetzung zwischen »Sicherheitsdienst« und Antifas gekommen. Die Rechten haben dann versucht, die antifaschistische Intervention als Angriff der Antifa auf Jérôme Rodriguez auszugeben, der in der Bewegung zur Symbolfigur für die Opfer der brutalen Repression geworden ist. Die Admins der großen Facebookgruppen sind kaum hinterher gekommen damit, diese Fake News zu löschen. Letztlich ging der Schuss für die Faschos aber nach hinten los, da Rodriguez nach einem ersten Anflug von Panik in der unübersichtlichen Situation vor Ort sehr wohl verstanden hat, was da vorgeht, und sich öffentlich von den rechten Fake News ziemlich angepisst gezeigt und die Darstellung der Antifa Paris-Banlieue bestätigt hat.
https://rambazamba.blackblogs.org/2019/02/11/interview-zum-stand-der-gilets-jaunes/


Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 14:21:26 Mo. 18.Februar 2019
Zitat
In der Pariser Antifa will man den Demonstrationszügen nun nach Möglichkeit schwarze Blöcke voranstellen, um den Einfluss dieser »Sicherheitsdienste« zurückzudrängen. Vorletzten Samstag ist es dann in Paris auch zu einer offenen Auseinandersetzung zwischen »Sicherheitsdienst« und Antifas gekommen.
Das sind interessante News, weil ich mir schon mit mit dem Auftauchen dieses "Sicherheitsdienstes" die Frage gestellt habe, wie die Gelbwesten damit umgehen.

Zitat
Wir sollten aber kritisch mit den Quellen umgehen, ihre Glaubwürdigkeit prüfen. Wir könnten allzuleicht Zerrbilder diskutieren, statt die wirklichen Verhältnisse.
Da haben wir das Problem, das hier keiner französich kann und wir somit nicht auf Originalquellen zurückgreifen können, sondern uns auf Übersetzungen und Informationen aus zweiter oder dritter Hand verlassen müssen.
Wir haben ja hier im Thread auch schon eine ganze Menge an Informationen zusammengetragen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:49:06 Mo. 18.Februar 2019
Jaja, es macht mich wirklich irre, wie der Spiegel mit seinen Wahrheiten um sich schmeißt:

"für mehr Kaufkraft für die untere Mittelschicht"
"Eine der bekanntesten Gelbwesten-Führerinnen, die Krankenschwester Ingrid Levavasseur"
"die Stimmung gegen die Gelbwesten kippen könnte"
"nur eine Bewegung von Rechts- und Linksextremisten"
"scheinen in ein linkes und ein rechtes Lager zu zerfallen"
"Könnte dies das Ende der Bewegung werden"

In anderen Medien sieht es kaum besser aus.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:24:18 Sa. 23.Februar 2019
Die Medien sind mal wieder arg bemüht, die Gelbwestenbewegung in Grund und Boden zu schreiben.
Die Bullern ballern erneut jede Menge Tränengas in die Proteste, die es laut Medien eigentlich nicht mehr gibt. Man geht mit allen Mittel gegen sie vor. Bereits 1.796 Protestler wurden verurteilt, weitere 1.422 warten noch auf ein Gerichtsverfahren. Über 1.300 Menschen wurden bisher festgenommen, gegen 316 wurde ein Haftbefehl erlassen. Julien Terrier, angeblicher "Anführer" der Gelbwesten-Bewegung in Grenoble ist in Gewahrsam. Ihm wird die Durchführung einer nicht angemeldeten Demonstration vorgeworfen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:56:41 So. 24.Februar 2019
Zahlenpoker um die Gelbwestenproteste:

https://www.heise.de/tp/features/Gelbwesten-Demonstranten-zeigen-Durchhaltevermoegen-4316884.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Frauenpower am 13:28:21 Mi. 27.Februar 2019
Der Europarat fordert Frankreich auf, die Gummimunition bei Demos wegzulassen! https://www.tagesschau.de/ausland/gelbwesten-199.html
Zitat
Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatovic, hat das Vorgehen der französischen Sicherheitskräfte gegen "Gelbwesten"-Demonstranten scharf kritisiert. Angesichts vieler Verletzter forderte sie ein vorläufiges Verbot von Hartgummigeschossen.
ich bin dafür!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: admin am 16:39:01 Mi. 27.Februar 2019
Wir haben nun einen direkten Draht nach Paris.
Es gibt die Möglichkeit etwas jenseits der offiziellen Berichterstattung zu erfahren.
Ich werde in den nächsten Tagen ein wenig davon zu veröffentlichen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 19:30:41 Mi. 27.Februar 2019
Wir haben nun einen direkten Draht nach Paris.
Es gibt die Möglichkeit etwas jenseits der offiziellen Berichterstattung zu erfahren.
Ich werde in den nächsten Tagen ein wenig davon zu veröffentlichen.

Hört sich gut am.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 21:23:13 Mi. 27.Februar 2019
Wäre auch neugierig. Die unkommentierten Bilder von RT &Co. sagen ja auch nicht viel.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:53:32 Sa. 02.März 2019
Zitat
Für den Nachmittag wurden Demonstrationen in weiteren Landesteilen erwartet, unter anderem in Montpellier, Straßburg und Nantes.
Im Norden riefen die Organisatoren Gelbwesten aus der Region und den Nachbarländern Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland dazu auf, in Lille zusammenzukommen. "Der Kampf ist international", hieß es in einem auf englisch und deutsch übersetzten Demonstrationsaufruf
https://www.derstandard.de/story/2000098865451/gelbwesten-demonstrierten-den-16-samstag-in-folge-in-frankreich
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:03:07 Sa. 02.März 2019
Wir bekmmen normalerweise nur Berichte aus der Hauptstadt.

Hier ist ein zweiminütger Zusammenschnitt von den Protesten anderswo im Land, teilweise in der tiefsten Provinz:
https://www.youtube.com/watch?v=MMxkF5Oy_U4
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:13:22 So. 03.März 2019
Klasse!
Ich würde immer noch gerne hören was hinter verschlossenen Türen der Politik dazu gesprochen wird, mit Demokratie hat das ganz sicher nichts zu tun, eher mit möglichen Schießbefehlen weil die französischen Proteste den gesamten westlichen Wohlstand in Frage stellen, man riecht die vollen Hosen förmlich.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: admin am 21:08:46 So. 03.März 2019
Ich hatte ja einen "direkten Draht nach Paris" angekündigt.
Es handelt sich um eine Deutsche, die in Paris lebt, sich an den Aktionen und Treffen der "Gilets Jaunes" beteiligt und dazu ihre Gedanken verfaßt. Sie ist nicht hier im Forum angemeldet. Sie freute sich über unser Interesse und sagte, ich könne Ausschnitte aus ihren Textentwürfen zum Thema veröffentlichen.  Das habe ich gemacht und ihr nochmal zugemailt, sie hat es überarbeitet und aktualisiert. Dies ist das Ergebnis:

Zitat
Auszüge aus „meinem gelben Tagebuch“ (Dez. 2018, Jan., Feb. 2019)
(aus einer Mail an Karsten:)
„Ich hab mir inzw. euer Forum angesehen und mich über die Beiträge zu den Gilets Jaunes gefreut. Bin morgen wieder den ganzen Tag mit ihnen unterwegs. Von meinem Pariser Viertel aus gehen wir zusammen los zu den Demos und Aktionen, die diesmal wieder ohne offizielle Anmeldung, wild und spontan ablaufen. Am Nachmittag wird in Montreuil (Vorstadt v. Paris) eine Versammlungshütte der GJ eingeweiht und am Abend findet in der Nähe eine wichtige Debatte darüber statt, wie wir der Repression begegnen können.

Seit Mitte Dez. schreibe ich an einer Reportage über die Bewegung, ihre Akteur*innen (soweit ich ihnen begegne), meine Eindrücke und die Debatten, die mit der Bewegung, wie befreit, zwischen ganz unterschiedlichen Menschen im Land losgegangen sind.
Hier passiert und entwickelt sich grad so viel gleichzeitig, dass ich mit der Verarbeitung gedanklich und über die Tasten kaum nachkomme. Ist aber sehr spannend und inspirierend. Bin inzw. (Jan. 2019) auch regelmäßig bei den Versammlungen, Debatten, Aktionen meiner örtlichen Gilets Jaunes (Paris Belleville, ein traditionelles Arbeiter*innen-, Handwerker*innen-, Immigrant*innen-Viertel, heute natürlich schwer angeschlagen durch die von der Stadt gnadenlos geförderte Gentrifizeirung und Touristifizierung, aber die aufständische Tradition - Commune, breiter Wiederstand – mit zahlreichen Opfern - gegen die deutsche Besatzung - bleibt wach). Außerdem bin ich oft draußen in der Banlieue, wo sich ebenfalls viel tut, die Kämpfe zusammenfließen.

Nehme auch die bedeutenden Streik- & Blockadeaktionen der Logistikknotenpunkte & des Lebensmittelgroßmarkts Rongis wahr, ohne direkt teilzunehmen.

Wie gesagt, ich schreibe laufend darüber (auf Dt.), wann immer ich Zeit habe, aus meiner Perspektive, sprunghaft, wobei auch die Reflexionen anderer einfließen. Ist keineswegs abgeschlossen, bisher auch noch Passagen auf Franz. Reinkopiert, damit sie mir nicht verloren gehen. Alles im Fluß - wie draußen unter meinem Fenster : )

Ich häng Dir das mal an. Wenn Du magst, kannst Du ja einen Ausschnitt, der Dir interessant erscheint, rausgreifen..."


Zitat
Vielleicht bin ich zu optimistisch, aber ich denke, wir sollten uns vertrauen.
(ein anonymer Gilet Jaune)


(…) Wenn die Regierung “Repräsentanten” empfangen will, dann nicht um unsere Wut und unsere Forderungen besser zu verstehen – sie will uns eingrenzen und unterkriegen! Genau wie sie es mit den Gewerkschaftsführungen macht, sucht sie Vermittler, Leute, mit denen sie verhandeln kann. Auf die sie Druck ausüben kann, um den Aufstand zu befrieden. Leute, die sie dann vereinnahmen und dazu bringen kann, die Bewegung zu spalten, um sie schließlich ad Acta legen zu können.
Bei all dem rechnet sie aber nicht mit der Kraft und der Intelligenz unserer Bewegung. Sie kapiert nicht, dass wir uns sehr wohl was überlegen, uns organisieren, unsere Aktionen weiterentwickeln, so dass sie ihr den Arsch ganz schön auf Grundeis gehen lassen und die Bewegung immer weiter wächst!(…)
Wir aus Commercy rufen euch daher auf, überall in Frankreich Basiskomitees zu bilden, die als regelmäßige Generalversammlungen funktionieren. Orte, an denen das Wort sich befreit, wo wir es wagen, uns auszudrücken, uns gegenseitig auszubilden und zu unterstützen. (...)
(aus dem ersten Aufruf der Gilets Jaunes von Commercy, einer 6000-Einwohner zählenden Kleinstadt, die bisher kaum jemand kannte)

„Damals“, Anfang Dezember, hatte ich keine Ahnung und vor allem, keine Ahnung, dass ich keine Ahnung hatte.
Meine herablassenden Vermutungen und Fragen z.B.: Warum sind diese Leute nicht längst organisiert, in Parteien, in Gewerkschaften oder Initiativen, um ihre sozialen Anliegen und Forderungen voranzubringen? Sind das Reaktionäre, die den Klimawandel für eine Fiktion halten? Womöglich Nationalist*innen, Rassist*innen, worauf einiges hindeutet: Berichte von rassistischen Übergriffen der Gilets Jaunes, in ihrer Mehrheit weiße Französinnen und Franzosen. Werden sie sich im Handumdrehen von Marine Le Pen oder Jean-Luc Melenchon vereinnahmen lassen?
Ich sah mir die u-tubes von den rassistischen Übergriffen durch GJ an und las die Berichte. Einzelfälle, aber sicher gibt’s mehr davon, die nicht dokumentiert sind. Doch - es ist nichts Neues: Unter einigen hunderttausend Durchschnitts-Französinnen und -Franzosen (wie unter einer solchen Anzahl von Durchschnitts-Deutschen …) hegt leider ein gewisser Prozentsatz rassistische Einstellungen. Das ist überhaupt nicht lustig, egal ob der Prozentsatz höher oder niedriger ist. Aber warum sollte es bei den Gilets Jaunes anders sein als bei allen anderen? Und was bei ihnen übrigens auch nicht anders ist: Ein gewisser Prozentsatz griff sofort zum Schutz der Angegriffenen ein und verurteilte den Rassismus. Laut einer Mitte Dezember von Le Monde veröffentlichten soziologischen Studie auf der Grundlage der Befragung von – allerdings nur – 166 Gilets Jaunes (mittels Fragebögen und Gesprächen bei deren Blockadeaktionen und Demos) zählen sich 5% von ihnen zur extremen Rechten, über die Hälfte zur Linken oder extremen Linken. (...)

Als ich am 8.12. ein paar Gelbwesten treffe, von denen eine die Trikolore dabei hat, frage ich sie, warum, in diesem Kontext. Sie und die anderen um sie herum antworten bereitwillig, ihr Protest richte sich nicht gegen Frankreich, es gehe ihnen um gleiche Rechte für alle in Frankreich. Dieser Bezug auf die Nation – er bleibt mir fremd, obwohl ich ihn natürlich ansatzweise kenne, weiß, dass er in Frankreich grundsätzlich ein anderer ist als z.B. in Deutschland. Eine französische Freundin, L., die schon lange in Berlin lebt, geht darauf in einer Mail ein, mit der eine Mail von mir an verschiedenen linke internationalistische Berliner Gruppen (s.u.) beantwortet. Letztere planten eine Kundgebung in Solidarität mit den Gilets Jaunes planten:
Ich spreche hier mal vor allem aus meiner Erfahrung als im Ausland-lebende-linke-wannabe-dekolonial-priotisierende-Französin. (…) Ich finde internationale Solidarität und Internationalität wichtig. Aber oft verlieren Bewegungen, aus dem "Ausland" gesehen, ihre Komplexität, werden auf ein paar plakative Parolen reduziert. (...)

(An einem der gelben Demo- und Aktions-Samstage in Paris scheint wenig los zu sein:)
Erleichtert gewahre ich unweit der alles überblickenden „Republik“ (auf der Place de la République) einen Mann nebst Fahrrad, der eine gelbe Weste trägt und an dessen Rad ein T-shirt mit message angebracht ist. Strebe dorthin, begrüße ihn, frage, ob er hier demonstriere. Ja, tut er. Von dem Großen Spiel (auf demosphère angekündigt) weiß er nichts. Aber Leute seien vorhin aufgebrochen in Richtung … da lang, deutet er an … Er wartet auf andere, die demnächst mit der Metro eintreffen. Auf dem t-shirt steht in aufgenähten Lettern: Ich bin mittel. (?) Er meint, lächelt mit charmanten Grübchen, ich sei nicht die Erste, die das nicht kapiert. Er muss es alle Nase lang erklären: Also … Charlie Hebdo … je suis …? – Ahh…: Ich bin Mittelschicht! Verstehe … Ja, erläutert er, ich bin ganz normale Mittelschicht. Hab – noch – meinen Job. Meine Frau arbeitet auch, wir haben drei Kinder. Ganz normal. Aber, alles immer knapper, immer prekärer. Wir haben die Nase voll, es reicht! Und wir sind keine Rassisten, meine Frau ist schwarz. Er sagt das alles leichthin, weiterhin lächelnd. Das Wasser steht ihm nicht bis zum Hals, er ist nicht verbittert. Wir plaudern, ganz normal. Aber es ist überhaupt nicht normal, dass jemand wie er, der knapp 40-jährige Familienvater aus einem Vorort von Paris, und ich, die ich eigentlich nichts mit ihm zu tun habe, auf der Place de la République aufeinander zugehen, um uns politisch auszutauschen, um uns zu verständigen: Was ist los, was steht an? Warum bist du hier?
Unterdessen sind einige weitere Gilets Jaunes eingetroffen, wir verabschieden uns vorläufig, er fährt zu einer Gruppe, die sich am Sockel der „Republik“, niedergelassen hat. Sie hören einer jüngeren Frau zu, die immer wieder auf ihr Smartphone schaut, während sie redet. Vermutlich verschafft sie sich und den anderen gerade einen Überblick darüber, was an anderen Orten in der Stadt läuft. Sie beraten sich, wo sie sich anschließen wollen.
(...)
Die Regierung, und nicht nur sie, fühlt sich bedroht: Wenn erst einmal, wie an diesem Tag ein junger Typ ganz in Schwarz (plus neongelbe Weste) und mit viel Demo- und Aktionserfahrung, eine Mutter aus einem der Übersee-Départements, die anderer (weißer) Leute Kinder hütet, während ihr Mann beim Mülllrecycling-Unternehmen schuftet, eine elegante Rentnerin, Ex-Lehrerin, ein Eisenbahner, Gewerkschafter von Sud-Solidaire – wenn die zusammen die Straße eingenommen haben (selbstverständlich ohne Genehmigung)!, wenn die dann auch noch lachend rufen: Steh auf, Belleville, erhebe dich! Und: Wem gehört die Straße? Wem? Wem? Wem? Uns! Uns! Uns! Und: Re-vo-lu-tion!!! Dann, ja dann ist durch all die Blockaden der GJ etwas in Fluss geraten, etwas entfesselt, etwas endlich durchbrochen, was uns alle bisher hat zögern und zaudern lassen. Was uns bisher trennte. Wir sind nur knapp hundert, immerhin hundert ganz Verschiedene, die wir die Rue de Belleville runter schlendern, mitten auf der Fahrbahn, und selbstbewusst den Verkehr stauen!
(...)
Am Abend treffen sich Gelbwesten (und andere) aus Montreuil und viele aus Paris, die von den Demos zurückkommen, um sich in La Parole Errante, einem selbstverwalteten und von Schließung bedrohten Zentrum, darüber zu beraten, wie wir der Polizeigewalt begegnen können.
In der großen Halle der Parole Errante, die ab 18 Uhr geöffnet ist, probiert einer die Anlage aus, andere machen sich an der Bar zu schaffen, und jemand hat ein großes Banner hinter der Bühne angebracht: in der Mitte das verschmitzt lächelnde Gesicht einer alten Bäuerin – so meine spontane Deutung, für die auch das Stichwort ländliche Welt spricht. Doch allmählich setze ich zusammen, worum es hier geht: Die Quartiers Populaires und die ländliche Welt – soziale und fiskale Gerechtigkeit. Und: Amnestie für alle, die revoltieren (Komitee Adama). Das Gesicht ist das von Zineb Redouane, 80 Jahre, getötet durch eine von der Polizei abgeschossene Granate. Gerechtigkeit für alle Opfer der Polizeigewalt. Auf einem kleineren Banner daneben: Gegen den Rassismus und die Polizeigewalt – Selbstverteidigung des Volkes, Paris – Banlieue.

Dieses Banner sehe ich seither immer wieder. Sicher wird es auch am 16.3. dabei sein bei der großen Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt, ein Samstag, an dem auch die GJ wieder demonstrieren werden – falls Macron nicht bis dahin abgetreten ist und die Forderungen der GJ erfüllt sind… Außerdem wird in Paris gleichzeitig eine Demonstration der ökologischen Bewegungen stattfinden. Derzeit (Ende Feb./Anf. März) sind die Organisator*innen der drei Demos dabei, den Protest zusammenzuführen.

(An jenem Abend in Montreuil erfuhren wir von einem weiteren verletzten Demonstranten, Sebastien, einem Klempner aus der Banlieue, dem an diesem Tag in Paris drei Finger durch ein Polizeigeschoss weggerissen worden waren. Aus dem Aufruf zu einer Solidaritäts-Demo für Sébastien und seine Familie: )

Die zahlreichen Verletzten seit Beginn November und die Toten wie Zineb Redouane zeugen von der desaströsen Verbohrtheit der Regierung, die unbedingt daran festhält, die sozialen Ungleichheiten weiter zu verschärfen und die militarisierte Polizei gegen diejenigen einsetzt, die sich dagegen erheben.

In dem Aufruf wird an die Revolten der Banlieue von 2005 erinnert, die sich daran entzündet hatten, dass dort – wieder einmal – Jugendliche durch die Polizei zu Tode gekommen waren. Ich erinnere mich an die Berichterstattung damals, besonders in Deutschland: verständnislos bis verächtlich, garniert mit pseudo-wissenschaftlichem Bla-Bla über ‚den Islam‘ … ‚kulturelle Unvereinbarkeiten‘ … ‚westliche Werte‘ etc. Ich erinnere mich, damals gelegentlich in der Banlieue gewesen zu sein – selbstverständlich nicht, um mich dieser urbane Wüste und ihren gefährlichen! Bewohner*innen auszusetzen oder sie zu besichtigen. Ich war mit anderen eingeladen, weil es um Palästina ging. Und ich erlebte damals, was ein Artikel von einem der Aktivisten des MRAP vor ein paar Jahren unter der Überschrift zutreffend beschrieb: Unsere Viertel sind keine politische Wüste.

Alle Regierungen, heißt es in dem Aufruf für Sébastien weiter, haben aus den Quartiers Populaires rechtlose Gebiete gemacht, nicht, weil das Recht dort nicht respektiert würde, sondern weil die, die dort leben, immer weniger Zugang zu den elementarsten Rechten haben.
Und, wie es seit ein paar Wochen für uns alle immer evidenter wird: Es ist der Regierung Macron – durch ihre unerbittliche Repression gegenüber den GJ – gelungen, erstmals in der Geschichte Frankreichs (wage ich mal zu behaupten) die Bewohner*innen der Banlieue, der ländlichen oder halb-ländlichen Regionen und auch die des Pariser Nordostens zusammenzuführen.
(...)“

Zum Aktuellen, wonach Du fragst (Anfang März):

Zitat
Nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich weist die Berichterstattung gerne darauf hin, dass die Bewegung „abflaue“. Sicher schaffen es weniger Menschen, jeden Samstag in Paris oder anderen größeren Städten in so großer Zahl auf die Straße zu gehen wie im November und Dezember letzten Jahres an manchen Samstagen. Immer weniger Menschen können es mit ihrem Alltag vereinbaren, jeden Samstag von außerhalb nach Paris zu fahren. Trotzdem war auch heute (2.3.) viel Gelb in Paris zu sehen. Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass hier in Paris und vielleicht auch anderswo, die GJ lokal wachsen, neue Leute dazukommen, die sich auf einen dauerhaften Diskussions- und Mobilisierungsprozess einlassen. Das ist naturgemäß für ein gewisses oberflächliches Medieninteresse weniger von Belang. Ich weiß nicht, woher man so eine Aussage über die französische Bevölkerungsmehrheit nimmt, sie wolle ein Ende der Gelbwestenproteste. Mag sein, mag nicht sein.

Eine Freundin aus Marseille (linke Aktivistin und auch mit den GJ auf der Straße) erzählte mir, dass die Besetzung der Kreisverkehre, die sie Wochen lang zu Treffpunkten gemacht hatten, während sie den Verkehr blockierten oder verlangsamten, längst von der Polizei zerschlagen worden sind, desgleichen ihre Versammlungshütte in Marseille. Auch das registrieren die Medien als „Abflauen“.

Zum Stichwort „Antisemitismus“, das wiederum für die Medien und die Regierung sehr interessant ist: Am 16.2. (Akt XIV der GJ) wurde der bekannte französische Intellektuelle Alain Finkielkraut vor seiner Haustür von GJ, deren Demo gerade vorüberzog, als er auf die Straße trat, wüst beschimpft. Einzelne hatten ihn erkannt, und, soweit ich auf y-tubes nachvollziehen konnte, wurde ihm einerseits an den Kopf geworfen, dass er ein mieser Zionist sei, und Gott werde ihn bestrafen, anderseits, wörtlich: „Frankreich gehört uns!“ (Ich war auch auf dieser Demo, allerdings nicht Zeugin dieses Vorfalls. Statt dessen fiel mir an jenem Samstag im Demo-Zug ein Mann mit Kipa auf, der eine gelbe Weste trug und die Trikolore.)

Es gibt nun viele in Frankreich, auch Jüdinnen und Juden, die die Wandlung Finkielkrauts von einem linken, universalistisch eingestellten Intellektuellen zu einem national-konservativen Verfechter der laicité (als Kampfbegriff gegen die französischen Muslime und den Islam) und der Politik Israels gegenüber den Palästinenser*innen – scharf kritisieren.

Ich habe bei den Filmaufnahmen deutlich die Rufe verschiedener Demonstrant*innen gehört, über die sich Finkielkraut in den Medien zu Recht empört und entsetzt äußerte. Es ist eindeutig antisemitisch, einem Juden zu sagen, dieses Land, welches auch immer, dessen Staatsbürger er ist, „gehört uns“, (implizit) nicht ihm, und er soll abhauen. Es ehrt Finkielkraut, dass er kein Verfahren gegen diejenigen anstellen wollte, die ihn angegriffen haben. Doch der Staat hat ein solches eröffnet. Dabei geht es um das strafbare Vergehen der „öffentlichen Beschimpfung einer Person aufgrund ihrer Rasse oder Religion“.

In den vergangenen Wochen gab es weitere eindeutige antisemitische Vorfälle, die aber nicht mit GJ in Verbindung zu bringen waren.
Die Regierung Macron und der CRIF (franz. Entsprechung zum dt. Zentralrat der Juden) nahmen den Vorfall Finkielkraut zum Anlass, die GJ pauschal als antisemitisch (rechtsradikal, faschistoid etc.) zu brandmarken und heuchelten öffentlich Empörung, die sie mit einer Demo auf der Place de la République inszenierten.

Michèle Sibony von der UJFP (franz. Schwesterorganisation der dt. Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost) schrieb dazu u.a.: Der Antisemitismus (und der Kampf dagegen) ist eine zu ernste Angelegenheit, als dass man sie denen überlassen könnte, die sich Tag für Tag damit beschäftigen, die Minoritäten zu stigmatisieren und zu unterdrücken. Damit meint sie die politischen Eliten, die Regierung, die rassistisch agierende Polizei. Sie wirft der Regierung Macron eine gefährliche Instrumentalisierung des tatsächlich vorhandenen Antisemitismus vor, um die eigene politische Agenda zu befördern. Weiter: Wir stellen uns all jenen entgegen, die den Raum mit dem Thema Antisemitismus ausfüllen. Die Disproportionalität, die er im Vergleich zu anderen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit einnimmt, ist empörend. Beispielsweise die Berichterstattung über die Anwürfe gegen Finkielkraut nehmen in den Medien einen Raum ein, wie er in keinem Vergleich zu der minimalen Aufmerksamkeit steht, die man beispielsweise den allzu häufigen gewaltsamen rassistischen Übergriffen widmet. Den Juden in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte zu stellen, sei gefährlich und immer schon die rechte antisemitische Agenda gewesen.

Die UJFP rief parallel zu der offiziellen Demonstration gegen Antisemitismus zusammen mit zahlreichen anderen antirassistischen und linken Organisationen zu einer eigenen Demo gegen Antisemitismus und seine Instrumentalisierung auf. Ein paar hundert Teilnehmer*innen kamen zusammen, darunter auch einige GJ. Einer von ihnen hatte sich den Button der UJFP an die gelbe Weste gesteckt.
       

Ich hatte ganz konkrete Fragen gestellt, da ich bei der in Deutschland herrschenden Berichterstattung Probleme habe, mir ein nur annähernd realistisches Bild von der Situation in Frankreich zu machen.

Hier haben wir zwar auch nur winzige Ausschnitte vom Geschehen und persönliche Einschätzungen, doch die sind von jemandem, der weiß, daß bessere Verhältnisse nur dann möglich sind, wenn die einfachen Menschen aufstehen und sie erkämpfen. Wir werden damit zu Zeugen einer Situation, in der genau das versucht wird.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:02:18 Mo. 04.März 2019
Riesiges Dankeschön von mir!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 21:44:55 Di. 05.März 2019
Hänge auch ein dickes Danke drunter.
Hilft schon etwas, das Bild abzurunden.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:27:06 Fr. 08.März 2019
Zitat
Frankreich muss die Polizeigewalt gegen die «Gelbwesten» untersuchen lassen
Die Uno ist ob des Ausmasses der «Gelbwesten»-Proteste besorgt. Sie fordert Frankreich auf, Fälle von übermässiger Gewalt von Sicherheitskräften gegenüber Demonstranten untersuchen zu lassen.
https://www.nzz.ch/international/gelbwesten-proteste-uno-will-untersuchung-von-polizeigewalt-ld.1465067
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 12:21:12 So. 10.März 2019
DIRECT - Acte 17 des Gilets Jaunes c'est parti !!!
https://www.youtube.com/watch?v=qdUZltCWtkE
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 12:37:09 So. 10.März 2019
Ein Gelbwestenprotest auch am Sonntag?
Cool. In welcher Stadt ist das?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 13:34:55 So. 10.März 2019
Gerade aus dem Chat gefischt:

À Besançon
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:28:27 So. 10.März 2019
Zitat
Besançon

Wow. Erinnere das Nest aus meiner Teenagerzeit als Hochburg des Arbeiterwiderstands. Da war die Uhrenfabrik LIP, die von den Arbeitern besetzt und militant verteidigt wurde. Sie haben vor der erwarteten Schließung viele Uhren für die Finanzierung ihres kommenden Widerstandes produziert und beiseite geschafft. Sie haben sich in der verbarrikadierten Fabrik damit eine weiteres Jahr Löhne auszahlen können. 

(https://i.ebayimg.com/00/s/MTAyNFg3NTI=/z/Q3kAAOSwPYRcS22K/$_72.PNG)

Die Kämpfe hinterlassen lange Schatten.

https://www.mao-projekt.de/INT/EU/F/Frankreich_Besancon_Lip.shtml

Ich halte die Gelbwestenbewegung für irre interessant und unglaublich bedeutend. Wir können viel davon lernen. Deshalb haben unsere Medien nichts anderes zu tun, als die Gilets Jaunes niederzumachen und stets von sinkender Beteiliigung zu berichten.

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:05:58 So. 10.März 2019
Ich hatte vorhin einen Teil des Gelbwestenprotests mit Algerischen Flaggen gesehen.
Bestandteil des Protests in Nordafrika.
Vorbildlich!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 17:21:20 So. 10.März 2019
Bisher ist auch in Frankreich der Widerstand gegen die Ausbeuterordnung nach wenigen Wochen teils härterer Auseinandersetzung immer wieder zusammengebrochen. Bei den Gilet Jaunes ist das offensichtlich anders. Die kommen wieder, bis sich was ändert. Das ist ein Lernprozess, dass das Erkämpfen von Verbesserungen im Kapitalismus einen langen Atem und Beharrlichkeit braucht. Auch die Jugendbewegung "Fridays for Future" will demonstrieren, bis die Forderungen erfüllt sind. Das ist etwas Neues und in der Tat spannend.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 17:22:18 So. 10.März 2019
Zitat
Teilnehmerzahl bei „Gelbwesten“-Protesten auf Tiefststand
Welt und Spiegel
Zitat
Zahl der protestierenden Gelbwesten sinkt auf Tiefstand

Immerhin genug sind es noch für Tränengaseinsatz, vorhin Paris.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 19:25:31 So. 10.März 2019
Deshalb haben unsere Medien nichts anderes zu tun, als die Gilets Jaunes niederzumachen und stets von sinkender Beteiliigung zu berichten.
Die staatstragende Millionärspresse wird solch eine Basisbewegung niemals bejubeln; sie werden alles tun, um die Bewegung kleinzuschreiben. Inklusive Lügen, Halbwahrheiten und Diffamierungen.

Aber es ist gut, dass es in Frankreich gärt!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 20:07:34 So. 10.März 2019
Deshalb haben unsere Medien nichts anderes zu tun, als die Gilets Jaunes niederzumachen und stets von sinkender Beteiliigung zu berichten.
Die staatstragende Millionärspresse wird solch eine Basisbewegung niemals bejubeln; sie werden alles tun, um die Bewegung kleinzuschreiben. Inklusive Lügen, Halbwahrheiten und Diffamierungen.

Aber es ist gut, dass es in Frankreich gärt!

Sehr gut. In Skandinavien werden die "Gilets Jaunes" eher totgeschwiegen.

Man erfährt so gut wie nix. Uebrigens trat letzten Freitag die finnische Regierung zurueck (off topic).

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:50:12 So. 10.März 2019
Es ist aber noch ordentlich Dampf in der Bewegung.
https://www.youtube.com/watch?v=Lh9H0eL1bOw
Selbst in Tourinestern wie Montpellier werden McDonaldsfilialen und Banken angegriffen.
Sehr schön.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:59:56 So. 10.März 2019
Schwerpunkt: feministische Forderungen der Gelbwesten.

https://www.youtube.com/watch?v=asJJwY_-4ek
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 21:20:58 So. 10.März 2019
Selbst in Tourinestern wie Montpellier werden McDonaldsfilialen und Banken angegriffen.
Da entlädt sich ordentlich die Wut der Ausgebeuteten auf das Großkapital.

Bevor man das Kapital enteignen kann, muß man den es schützenden Staatsapparat (Polizei, Militär und Geheimdienste) ausschalten. Soweit sind wir aber noch nicht.

Die Gilets Jaunes greifen zurecht die französische Regierung an. Ich hoffe, die Bewegung erreicht ihre Ziele.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 22:53:00 So. 10.März 2019
Jo, sogar ein kleiner Hund in einer gelben Weste rebelliert mit.  ;)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 17:11:50 Mo. 11.März 2019
Tourinestern? WTF? Aber ich glaube du meinst Touristenzentren, also da wo auch die High Society zu Hause ist?! Ich hoffe auch, dass die Erfolgreich sind. Aber meine Befürchtungen sind, dass dann sowas als Reaktion auch noch kommen wird, zB. man die alten EUROGENDFOR Pläne hervorholt. Deswegen träumt Macron auch von einer Demokratie-Polizei ... (nichts weiter als eine EU Gestapo).

https://www.heise.de/tp/features/Bald-EU-Aufstandsbekaempfung-bei-Generalstreiks-und-Schweinegrippe-3397546.html

Offtopic - warum finde ich nicht mehr alle alten CD Beiträge?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:26:11 Di. 12.März 2019
Ich meinte das, was ich sagte.
Frankreich ist total zentralistisch und die Politik scheint nur in der Hauptstadt stattzufinden.
Auch die deutsche Presse berichtet nahezu auschließlich aus Paris, was gerade in Bezug auf die Gelbwesten völlig idiotisch ist. Die Gelbwestenbewegung hat erstmals die Menschen in der Provinz politisiert und Kämpfe in den Banlieus, Kleinstädten und auf dem Land zusammengebracht. Ich finde deshalb die Orte, die man hierzulande nicht aus der politischen Berichterstattung, sondern aus eher aus Reiseführern kennt, weitaus wichtiger, als die Berichte der Mainstreampresse aus der Hauptstadt, wie "Zahl der protestierenden Gelbwesten sinkt auf Tiefstand" (Spiegel).
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:40:56 Di. 12.März 2019
Die Millionärspresse hebt immer einseitig auf die Quantität, also die Beteiligungszahlen, von sozialen Bewegungen ab und läßt die Qualität völlig außen vor. Dabei ist Qualität, also das politische Bewußtsein der Teilnehmer, mindestens genauso wichtig. Und ich denke, dass das politische Bewußtsein der Gelbwesten in punkto Antikapitalismus relativ hoch ist. Und das macht die Gelbwesten für die herrschende Klasse gefährlich.

Und was die Quantität der Teilnehmer angeht: Nicht jeder, der die Ziele der Bewegung teilt, geht auch auf die Straße.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 17:19:10 Di. 12.März 2019
Zitat
Auch die deutsche Presse berichtet nahezu auschließlich aus Paris, was gerade in Bezug auf die Gelbwesten völlig idiotisch ist
Die ganzen Medienagenturen und Fernsehsender haben ihren Sitz in Paris und berichten über das, was da vor der Haustür los ist. Mal einen Praktikanten auf´s Land schicken ist wohl nicht mehr drinn! Budget zu klein, keine Zeit? Ich weiß es nicht!
Den Protest zu dezentralisieren macht Sinn. Alleine schon, weil es mit hohen Kosten verbunden ist, jedes Wochenende nach Paris zu gurken. Wer von uns könnte sich das leisten, jedes Wochenende zu einer Demo nach Berlin zu fahren? Da würden wir die Proteste auch besser auf mehrere Städte verteilen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 17:28:56 Di. 12.März 2019
Ich halte wiederkehrende dezentrale Demos für viel wirkungsvoller, als einmal eine riesige zentrale Demo (die dann nie wieder stattfindet) durchzuführen. Widerstand muss überall, also auch kleinen Städten, koordiniert und langfristig stattfinden, um wirkungsvoll zu sein.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 17:49:43 Di. 12.März 2019
Ich finde die Gelbwestenproteste superspannend, egal was unsere Drecksmedien dazu sagen mögen.

Ich hoffe, die Bewegung erreicht ihre Ziele.

Klar hoffe ich das auch, aber ich zweifle daran.
Das finde ich aber auch nicht so wild. Das zentrale Ziel der Gelbwesten ist der Rücktritt Macrons. Das dürfte zur Zeit schwer hinzukriegen sein.

Aber selbst wenn die Bewegung zerfallen und das neoliberale Arschloch Präsident bleiben sollte, haben die Gilets Jaunes die Karten im Spiel der Kräfte neu gemischt und die Koordinaten der politischen Verhältnisse verschoben. Macron hat nun gefordert, eine soziale Grundsicherung einzuführen, die Arbeitnehmern "gleiche Bezahlung am gleichen Arbeitsplatz und einen an jedes Land angepassten und jedes Jahr gemeinsam neu verhandelten europaweiten Mindestlohn gewährleistet". Das gehörte nicht zu seinen ursrpünglichen politischen Plänen, ganz im Gegenteil. Es ist sein Versuch, den schwelenden Flächenbrand im Land zu befrieden. Da sieht man, wieviel Macht auch die politisch unerfahren Menschen haben, wenn sie zusammenkommen, ihrer Wut Ausdruck verleihen, Banken angreifen, Verkehrswege, Handelsknotenpunkte und Produktionstätten blockieren und trotz aller Polizeigewalt und Diffamierungen durch die Medien nicht klein beigeben, sondern wiederkommen. Sie haben damit massiv Einfluß auf die politische Diskussion Europas gernommen. Deutschland und Österreich gehen politisch gerade völlig ab, weil Macron sich zu den Forderungen nach einem europäischen Mindestlohn und gleichem Lohn für gleiche Arbeit hat zwingen lassen. Das haben die Gelbwesten bewirkt ohne eine politische Partei gegründet zu haben, ohne jemanden im Parlament sitzen zu haben, ohne Führer, zentrale Sprecher und Stars. Medienliebling Ingrid Levavasseur hat nach ausgiebiger Kritik aus der Bewegung ihre Kanditatur zurückgezogen.

Wir können noch viel von der Bewegung lernen.

Ein der größten Überraschungen war wohl die, daß die politisch nie wahrgenommene Menschen auf dem Lande, in der tiefsten Provinz sich politisieren und aktiv werden konnten. Es gab viele neue Schulterschlüsse, die Abgehängten vom Lande, die Migranten der Vorstädte und die durch Mietpreisexplosion verarmten Bewohner der Innenstädte tragen gemeinsam ihre Wut auf die Straße.



Mir fällt auf, daß hierzulande die Menschen fast noch mehr an ihrer Vereinzelung und Vereinsamung leiden, als an der Verarmung. Die Verhältnisse lösen die menschlichen Gemeinschaften und Verbindungen auf und hinterlassen Individuen als psychische Wracks.

Ein paar Gedanken aus einem ZEIT-Artikel sind für mich zitierenswert:
Zitat
Als jugendlicher Schulabbrecher tingelte er ein paar Monate durch Indien, arbeitete auf Baustellen und kaufte schließlich ein Bergrestaurant in den französischen Alpen. "Damals konnten wir alles ausprobieren. Die heutigen Jugendlichen sind nur noch gestresst."(...)
Sie seien an den "Quatsch in den Supermärkten" gewöhnt worden, deshalb komme er gerade eben so über die Runden. Dieses Gefühl, von der Gesellschaft enttäuscht und vom Staat verlassen worden zu sein, ist ein typisch französisches. "Ich bin ein Einzelgänger, der andere Menschen braucht", sagt er. 
Zitat
"Früher wurde mehr gefeiert", sagt Giardina und stimmt ein viel gesungenes Lied an: darüber, wie früher karaffenweise Wein in jeder Mittagskantine getrunken wurde, die Menschen mehr zusammenhielten, mehr zusammensaßen.
Zitat
Sie meint, die Aufständischen seien vor allem einsam. "Vorher saßen sie traurig zu Hause, jetzt stehen sie zusammen am Kreisverkehr und trinken Kaffee", sagt sie. (...)Tatsächlich gibt es seit Ausbruch der Proteste ein Thema, das im Reden mit und über die Gelbwesten immer wiederkehrt: das neue Gemeinschaftsgefühl. Viele Demonstrierende erzählen, wie sehr sie ihre neuen Freunde am Kreisverkehr oder auf der Samstagsdemo schätzen. Sie entwickeln Gruppentänze am Kreisel, chatten nächtelang über Facebook und nicken allen Menschen mit Warnweste freundlich zu. Die Bewegung ist für viele das Erleben von Solidarität.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-03/gelbwesten-frankreich-wut-demonstranten-sexologin-einsamkeit/komplettansicht


Besonders beeindruckend finde ich weiterhin, daß es sich um eine führerlose Bewegung handelt. Ähnlich scheint es bei den momentanen Massenprotesten in Osteuropa und Nordafrika zu sein. Ich hörte in mehreren Medien Kommentaren, man halte das für besonders bedrohlich.
Das will ich auch hoffen!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:09:25 Di. 12.März 2019
Zitat
Ich halte wiederkehrende dezentrale Demos für viel wirkungsvoller, als einmal eine riesige zentrale Demo (die dann nie wieder stattfindet) durchzuführen. Widerstand muss überall, also auch kleinen Städten, koordiniert und langfristig stattfinden, um wirkungsvoll zu sein.

Ganz deiner Meinung!

Das hatten Aktivisten bereits in den 80er Jahren in die Diskussion gebracht und auch belegt, daß die wöchentlichen "Sonntagsspaziergänge" zum Bauzaun der Startbahn West (Flughafen Frankfurt) mit wenigen hundert Teilnehmern mehr bewirken, als zentrale Großdemos mit mehreren Zehntausend Demonstranten, denn diese Großereignisse hinterlassen erschöpfte Organisatoren, die die Kontinuität ihrer Arbeit nicht aufrecht erhalten können. Das bewahrheitete sich wieder und wieder, doch diese Diskussion wurde nicht weiterverfolgt.

Hamburg G20. Anti Acta Proteste. Riesendemos. Danach der große Katzenjammer. Bestenfalls noch kontinuierliche Antirepressionsarbeit, zu der man gezwungen wurde.

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10:37:22 Mi. 13.März 2019
Zitat
Hamburg G20. Anti Acta Proteste. Riesendemos. Danach der große Katzenjammer. Bestenfalls noch kontinuierliche Antirepressionsarbeit, zu der man gezwungen wurde.
 
Ich halte dezentrale Aktionen auch für wirkungsvoller. Andererseits gibt es Demos, die nunmal an den Orten stattfinden, an denen sie besonderen Symbolcharakter haben.
Der G20 Protest in HH fand in HH statt, weil das der Ort war, an dem das Treffen stattfand. Die Proteste am Hambacher Forst fanden dort statt, weil es um den Hambacher Forst ging.

Beim Protest der GJ geht es ja nicht um bestimmte Orte oder Projekte, sondern um grundlegende Fragen. Kann man nicht so wirklich vergleichen das Ganze.
Nebenbei: Ohne die "Scherbendemos" in Paris hätten die GJ wohl nie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie heute haben, wenn sie von Anfang an nur in der Provinz agiert hätten.
Die Mischung macht´s eben!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:42:52 Mi. 13.März 2019
Die Bewegung in Frankreich ist nicht einheitlich. Wir sollten nicht alles glorifizieren, einiges ist widersprüchlich, anderes auch scheiße. Insgesamt finde ich die Bewegung der Gilets Jaunes sehr inspirierend. Es ist eine soziale Erhebung, die dort entstanden ist, wo man sie am wenigsten erwartet hat. Es sind die rechten Tendenzen in der Bewegung zurückgedrängt worden, doch nicht verschwunden.

Zitat
Auch die „Gelbwesten“ sind vom Thema Polizeigewalt betroffen. Seit Jahren wird dieses Thema in der Öffentlichkeit allerdings besonders durch Einwohner/inne/n von Trabantenstädten mit „sozialen Brennpunkten“ sowie Migrantenfamilien in der französischen Öffentlichkeit aufgegriffen.

Die „Gelben Westen“ selbst sind drei Monaten selbst mit massiver Polizeigewalt konfrontiert. Ausschlaggebend dafür sind sicherlich drei Faktoren: Erstens sind alle sozialen Bewegungen seit dem Herbst 2015/Frühjahr 2016 in Frankreich damit konfrontiert, dass der infolge der mörderischen djihadistischen Attentate vom 13. November 2015 verhängte (und in der damaligen Form noch bis November 2017 geltende) Ausnahmezustand die Polizeipraktiken und polizeilichen Mentalitäten verändert hat. Die „Ordnungskräfte“ fühlen sich seitdem mit einer nie dagewesenen Legitimität „im Namen der Nation“ und ihres Schutzbedürfnisses ausgestattet, während zugleich auch Stress und Druck auf viele Polizeibedienstete selbst zugenommen haben – die ersten Monate nach dem 13. November 15 waren bei der Polizei durch massenhafte Urlaubssperren geprägt. „Als Ausgleich“ (sozusagen) hat die Regierungspolitik den Polizeikräfte weitgehend carte blanche gewährt, was Übergriffe und Exzesse im Dienst betrifft. Dadurch wurden etwa die Klimapolitik-Demonstrationen Ende November 2015 und die ersten Proteste gegen die damals angekündigte, inzwischen in Kraft getretene Arbeitsrecht-Novelle (la Loi Travail) mit einem sehr offensiven Vorgehen der Polizei konfrontiert. Deren Apparat begann damals, Proteste mit repressiven Mitteln als „ordnungspolitisches Problem“ zu händeln, während zuvor bei Demonstrationen mit Unterstützung etwa durch etablierte Gewerkschaften starke Zurückhaltung geübt wurde.

Nach neuesten vorliegenden Zahlen wurden seit Beginn der „Gelbwesten“-Proteste am 17. November 18 und bis vor kurzem über 13.000 Hartgummigeschosse abgefeuert. Dies bedeutet, dass im Durchschnitt pro Protest-Samstag rund 900 mal aus dieser „Defensivwaffe“ geschossen wurde.

Dennoch stellt sich nunmehr die – bislang offene – Frage, ob die Mobilisierung am kommenden Samstag (16. März 19) zum Erfolg werden kann.

Politisch Irre am Werk


Ein leider nötiges Schlusswort: Nach wie vor mangelt es auch nicht an Quartalsirren, Vollverstrahlten und politisch Verrückten, welche in dieser Bewegung mitschwimmen. So hielten einige Leute es am Rande einer in der Nacht stattfindenden Demonstration von „Gelbwesten“ im südwestfranzösischen Tarbes in der Nacht vom 09. zum 10. März d.J. für angezeigt, einen „Tempel“ – eine Kultstätte – von Freimaurern zu attackieren und dort Sachbeschädigungen anzurichten.
http://www.labournet.de/?p=145649
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18:56:24 Fr. 15.März 2019
Die Gedanken der Wildcat über die Gilets Jaunes haben mich beeindruckt.
Ein langer Text, aber auch die beste Einschätzung, die ich kenne.

https://www.wildcat-www.de/wildcat/103/w103_gilets.html

 
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:33:36 Sa. 16.März 2019
Der heutige Tag gilt als entscheidender Tag, wie es mit der Gelbwestenbewegung weitergeht.

(http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2019/03/fr160319.jpg)

Die Gelbwesten haben den Mund recht voll genommen:
Für den heutigen Samstag, den 16. März wurde eine „frankreichweiten Mobilmachung“ zu einem Zentralprotest in Paris aufgerufen. Selbiger steht unter dem Motto „Ultimatum an Macron“. Funktioniert die Mobilmachung?

Youtube zeigt reichtlich zertrümmerte Schaufenster an der Champs Elysee. Im Youtube Chat von RT Deutsch tobt der deutsche faschistische Mob.
https://www.youtube.com/watch?v=jo9EFkB4Vjw

Der Staat wütet mit seinen "Odnungshütern" gegen die aufgebrachte Bevölkerung.

(https://www.welt.de/img/newsticker/news1/mobile190392269/6201627647-ci23x11-w1600/Wasserwerfer-gegen-Demonstranten-in-Paris.jpg)

Die Bilder der zertrümmerten Luxusläden in der so symbolischen Prachtstraße der französichen Hauptstadt erschrecken mich nicht. Sie geben mir Hoffnung.

Sie zeigen, daß die Treffpunkte der Reichschweine und die Tempel des Konsums nicht länger sicher sind.

Wunderbar!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:57:00 Sa. 16.März 2019
RT Deutsch ist ziemlich widerlich.
In den letzten Wochen wurde im Chat stets dazu aufgerufen Juden zu töten.

Jetzt wird es selbst den Kacksender zuviel.
Der Chat wurde gerade geschlossen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:55:45 Sa. 16.März 2019
Zitat
Am Vormittag hatte [der franzsösiche Innenminster] Castaner erklärt, dass sich professionelle Randalierer unter die Demonstranten gemischt hätten.

Frage: Wo kann man diesen Beruf erlernen? Woher kriegt man den Lohn?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 16:20:31 Sa. 16.März 2019
Zitat
Am Vormittag hatte [der franzsösiche Innenminster] Castaner erklärt, dass sich professionelle Randalierer unter die Demonstranten gemischt hätten.

Frage: Wo kann man diesen Beruf erlernen? Woher kriegt man den Lohn?

Der redet wahrscheinlich von Typen wie sich selbst, den Typus Mensch kennt er mitsamt seiner Widerwärtigkeit.

Zu vorigem Beitrag:
RT-deutsch ist mir in letzter Zeit häufiger negativ aufgefallen, die spielen zu sehr den "Lügenpressen" -Schreihälsen von rechts zu, ihr Livestream über die Gelbwestenproteste ist aber klasse., 100% mehr als unsere Qualitätsmedien Live berichten.

Die Rechten kapern mittlerweile so ziemlich alle Chats und Kommentare im Internet, die sind da sehr erfolgreich, so erfolgreich das oft nur das abschalten bleibt.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 16:24:10 Sa. 16.März 2019
Hi, ja  ist mir leider schon vor 2-3 Jahren aufgefallen - viele rechte Kommentare auf RT oder Sputnik. Aber das ist mehr ein gesamtdeutsches, ernstes Problem - hat mit Frankreich nichts zu tun - aber schaut mal hier rein, was für faschistoide/menschenfeindliche Töne gegen ein ALGII Opfer auf youtube gepostet werden:

https://www.youtube.com/watch?v=SYZ7xu3P1jM&feature=youtu.be&fbclid=IwAR0do9aJAdrQxi9fTo24NE9fvrgPaWm9f1un3F-aF1VI6w-mIBd3VsKwEJs

Armut(!) + schlechte Bildung + Frust + Angst => und die meisten Deutschen die darunter leiden, die driften in den faschistoiden Bereich und werden selber Täter.... Wobei man auch sagen muss, die meisten AFD Politiker haben eine Hochschulausbildung, also Armut nicht unbedingt, daher ein (!) hinter dem Wort Armut.

Und wenn man sich die Kommentare im obigen Video durchließt - dann glaube ich nicht, dass in Deutschland eine ähnliche Bewegung wie in Frankreich entstehen wird, eine schlecht gemachte braune Gelbwestenkopie schon eher  :(

Also Youtube => findet man auch viele rechstradikale Kommentare. Selbst in Zeitungen wie dem (F)Locus ... und selbst bei Telepolis, dachte ich vor einiger Zeit, ich wäre im falschen Film - und war erstaunt, da ich Telepolis noch für einigermaßen seriös halte.

zum obigen Video, wollte ich keinen eignen Thread machen, oder sollte man? :(

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 16:42:21 Sa. 16.März 2019
Sorry Cuban, ich will es gar nicht mehr lesen, den Mist kannst du rund du die Uhr im Internet lesen, ich mag nicht mehr.

Die Aktivität der Rechten in Deutschland ist bedrückend, vielleicht weil doch akzeptierter als viele andere Meinungen (auch bei den Regierungsbeteiligten). Keiner will sich letztlich dazu bekennen, außer den Ultrarechten selbst, aber nach dem Motto "Es war/ist ja nicht alles schlecht" wird es über weite Strecken akzeptiert, da passiert schon mal ein oder viele Häckchen bei der AfD, im Zweifel wird es schon nicht so schlimm werden.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:52:42 Sa. 16.März 2019
zum obigen Video, wollte ich keinen eignen Thread machen, oder sollte man? :(

Nein. sollte man auf keinen Fall!
Wir sollten uns grundsätzlich Gedanken machen zu den Entwicklungen in den Medien und der Wirkung/Auswirkungen.

Wir sollten uns auch über Alternativen und eigene Kommunikationswege und Öffentlichkeitsarbeit Gedanken machen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 22:40:05 Sa. 16.März 2019
Wir sollten aber auch nicht so tun, als ob ganz Deutschland faschistisch wäre. Die Faschos klappern laut auf FB und YT, aber in der Mehrheit sind sie nicht. Und ihre Hetze wirkt auf die meisten Leute abstoßend. Andererseits müssen wir die Rechtsentwicklung in D ernst nehmen, denn sie geht vom Großkapital aus und ist politisch gewollt.

Faschisten werden heute von der Bourgeoisie benutzt, um fortschrittliche Menschen einzuschüchtern, zu belästigen und zu bedrohen. Teilweise entwickeln sie persönliche Pläne, um diejenigen, die sie als rassische oder religiöse Feinde bezeichnen, durch Gewalt zu beseitigen. Breivik und jetzt Tarrant beweisen das. Und insoweit sind Faschisten gefährlich und wir müssen uns vor ihnen schützen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 06:08:45 So. 17.März 2019
Zitat
Nach Verwüstungen in Paris - Macron will noch härter durchgreifen

Plünderungen, Brandstiftungen und eingeschlagene Scheiben: Der Protest der "Gelbwesten"-Bewegung artet erneut in massive Gewalt aus, Präsident Macron steht unter Druck. Seine Reaktion auf die jüngsten Ausschreitungen dürfte den Demonstranten aber kaum gefallen.

Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Macron-will-noch-haerter-durchgreifen-article20911729.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:49:46 So. 17.März 2019
Ich schließe mich der Einschätzung von couselor in Bezug auf die Faschos an.
Möchte auch noch hinzufügen, daß das, das bei facebook und youtube tonangebend ist, keinesfalls das wiederspiegelt, was die meisten Leute denken. Es sind künstlich aufgeblähte Wahnwelten.

Zu den Gilets Jaunes: Sie haben es in Paris ordentlich krachen lassen. Ich denke, das ist kaum zu toppen.
Jetzt bleibt die Frage, wie es weitergeht.
Einer der "führenden" Gelbwesten sagte gestern in einem Interview in etwa: Ich habe keine Lust mehr, so weiterzumachen. Wir sollten nicht 150 Jahre weiterdemonstrieren. Wir sollten jetzt woanders anfangen und beginnen zu blockieren. Die Wirtschaft lahmlegen.

Klingt gut. Jetzt bleibt abzuwarten, wie die Bewegung ohne Führer und ohne Zentralkommitee das diskutiert und sich entscheidet.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:23:30 So. 17.März 2019
Offizielle Zahlen:

Landesweit protestierten nach Angaben des Innenministeriums am Samstag mehr als 32.000 Gelbwesten. Das waren mehr als die 28.000 Protestierenden der vergangenen Woche.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 00:03:15 Mo. 18.März 2019
Zur Berichterstattung hierzulande (und auch anderswo):

Zitat
13.3.19
Revolution ist großartig, bürgerlicher Journalismus ist Quark!

Wenn linke Ideen von rechts attackiert werden, etwa von reaktionären Organen wie FAZ oder Spiegel, kann das nicht überraschen. Man weiß, von wem es kommt. Gefährlicher wird es, wenn pseudolinke Journalist*innen und Autor*innen dasselbe tun. Unter dem Deckmantel der Verteidigung der Zivilisation hintertreiben sie den Klassenkampf, verwirren Diskurse.

Geradezu ein Prototyp ist der taz-Redakteur Martin Kaul, wie sich an einem Beitrag zeigen lässt, den er am 19. Februar zur Bewegung der Gelbwesten in Frankreich geschrieben hat.
(...)
Und was bitte ist die Grundregel des Kapitalismus, wenn nicht das Recht des Stärkeren?! Was ist bitte eine Pressefreiheit wert, wenn die Mehrheit der Medien Konzernen gehört und die Masse mit „Brot und Spielen“ bei Laune gehalten wird? Und wer in aller Welt hat denn behauptet, dass Revolutionen romantisch sind?! Im Gegenteil, alle Linken, die es damit ernst meinen, sind sich darüber im Klaren, dass eine Überwindung der Verhältnisse ohne Gewalt und ohne persönliches Risiko nicht zu machen ist. Martin Kaul entpuppt sich als typischer Vertreter des sich links und aufgeklärt gebenden Teils der deutschen Journaille, die tatsächlich im Kern erzreaktionär ist. Leute, die sich an die Medien der Konzerne verkauft haben.
(...)
https://lowerclassmag.com/2019/03/13/revolution-ist-grossartig-burgerlicher-journalismus-ist-quark-kaul-revolutionsromantik/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 06:25:45 Mo. 18.März 2019
Vielen Dank fürs Einstellen. Den Nagel auf den Kopf getroffen. Aus dem Artikel ueber den taz-Schmierlappen:

Zitat
... . Sie sitzen warm und trocken auf ihren gut bezahlten Stellen und das Elend der Leute geht ihnen am Arsch vorbei.
... .

Muss zur Schicht im eiskalten Polarhafen, fuer mein Überleben kämpfen. Vermutlich "freiwillig".

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 18:31:42 Mo. 18.März 2019
Bilder vom 18. Protesttag:

https://twitter.com/Gerrrty/status/1106937407679672320
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: tleary am 19:39:11 Mo. 18.März 2019
Gerade in den Nachrichten: Es sollen in den größten Städten Frankreichs die Gelbwesen-Demos künftig verboten werden.

Nach ARTE-Lesart war "Macron unter Druck geraten" und "mußte darauf reagieren".

Diese Medien gehören a) abgeschafft und danach b) nach dem Zufallsprinzip durch Hobby-Redakteuere aus dem Volk besetzt. Da käme dann wenigstens eine objektivere Sichtweise dabei heraus. Und nicht die der Herrschenden. Die geben sich nur neutral, sind aber nur Sprachrohre der herrschenden Klasse.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 20:44:28 Mo. 18.März 2019
Gerade in den Nachrichten: Es sollen in den größten Städten Frankreichs die Gelbwesen-Demos künftig verboten werden.
War irgendwie klar: Zuerst werden die Proteste durch Zugeständnisse gespalten und dann unterdrückt.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 10:55:04 Di. 19.März 2019
Zitat
Am Vormittag hatte [der franzsösiche Innenminster] Castaner erklärt, dass sich professionelle Randalierer unter die Demonstranten gemischt hätten.

Frage: Wo kann man diesen Beruf erlernen? Woher kriegt man den Lohn?

Bei der Antifa GmbH.
Der Stundenlohn liegt bei 16,10 plus Spesen und Gefahrenzulage! :D
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 11:04:20 Di. 19.März 2019
Zitat
RT-deutsch ist mir in letzter Zeit häufiger negativ aufgefallen, die spielen zu sehr den "Lügenpressen" -Schreihälsen von rechts zu, ihr Livestream über die Gelbwestenproteste ist aber klasse., 100% mehr als unsere Qualitätsmedien Live berichten

Zu RTdeutsch hatte ich hier vor langer Zeit schon entsprechendes geschrieben und bin dafür schräg angeguckt worden. Die fallen nicht erst seit kurzem negativ auf sondern schon von Anfang an.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:16:55 Di. 19.März 2019
Auch wenn es in den OT Bereich führt:
Wir haben das Problem überhaupt noch an brauchbare Informationen zu kommen. Wir befinden uns im Zustand der Selbstauflösung des seriösen Journalismus.
Ich zitiere hier im Forum ja auch aus Spiegel, taz, Zeit, in Ausnahmefällen sogar aus Bild und Focus (obwohl ich sie verachte), wenn mir die Infos als richtig, wichtig und hilfreich erscheinen. Ich habe sogar bei Ken FM interessante, wichtige Interviews gesehen, aber zu diesem Arsch nie verlinkt.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Wampel am 13:05:52 Di. 19.März 2019
Zitat
Am Vormittag hatte [der franzsösiche Innenminster] Castaner erklärt, dass sich professionelle Randalierer unter die Demonstranten gemischt hätten.

Frage: Wo kann man diesen Beruf erlernen? Woher kriegt man den Lohn?
Bei der Antifa GmbH.
Der Stundenlohn liegt bei 16,10 plus Spesen und Gefahrenzulage! :D
Ich dachte immer, Zivilbullen würden besser bezahlt … ?
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 14:32:18 Di. 19.März 2019
Einschätzung von Bernard Schmid aus Paris:

Zitat
Verbreiterung der Massenbasis der „Gelben Westen“ ist gescheitert, doch eine Glasbruchorgie soll es kompensieren..; ein Teil der „Gelbwesten“-Bewegung schwelgt in besoffener strategischer Selbstüberschätzung – Neue Ausweitung der Repressionsmaßnahmen kündigt sich an, mit Unterstützung eines breiten Publikums – „Konvergenz“ mit anderen Protestbewegungen, insbesondere jener für’s Klima, ist zum Teil gut gelungen – Insbesondere die Klimaschutzbewegung kann einen guten Mobilisierungserfolg für sich reklamieren – Am heutigen Dienstag rufen mehrere Gewerkschaften zum Streik auf. (…) Am heutigen Dienstag, den 19. März 19 rufen nun Gewerkschaften (CGT, FO, Solidaires) zu Streiks auf, die zumindest in Teilen der öffentlichen Dienste im Ansatz befolgt werden dürften. Aufgrund sektorenspezifischer Anliegen im Bildungswesen scheint der Arbeitskampf vor allem im Bildungswesen erfolgreich zu werden. Bei den Pariser Nahverkehrsbetrieben der RATP ruft die dortige CGT zu Arbeitsniederlegungen der Busfahrer/innen auf, um gegen die angekündigte Öffnung der RATP-Buslinien für private Konkurrenzunternehmen zu protestieren. Am Dienstag früh war hingegen der Métro-Verkehr der RATP normal, von den üblichen technischen Störungen vielleicht einmal abgesehen. Zu diesem Zeitpunkt ist es für eine Auswertung des Streikerfolgs auf den Hunderten von Buslinien hingegen noch zu früh…
http://www.labournet.de/?p=146019
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:37:15 Di. 19.März 2019
Zitat
Am Vormittag hatte [der franzsösiche Innenminster] Castaner erklärt, dass sich professionelle Randalierer unter die Demonstranten gemischt hätten.

Frage: Wo kann man diesen Beruf erlernen? Woher kriegt man den Lohn?
Bei der Antifa GmbH.
Der Stundenlohn liegt bei 16,10 plus Spesen und Gefahrenzulage! :D
Ich dachte immer, Zivilbullen würden besser bezahlt … ?

Nee, das sind ja Beamte.
Soros und die FED zahlen deutlich besser. Obendrein darf man noch umsonst beim Reichflugscheibendienst mitfliegen!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16:02:23 Di. 19.März 2019
Einschätzung von Bernard Schmid aus Paris:

Zitat
Verbreiterung der Massenbasis der „Gelben Westen“ ist gescheitert, doch eine Glasbruchorgie soll es kompensieren..; ein Teil der „Gelbwesten“-Bewegung schwelgt in besoffener strategischer Selbstüberschätzung – Neue Ausweitung der Repressionsmaßnahmen kündigt sich an, mit Unterstützung eines breiten Publikums – „Konvergenz“ mit anderen Protestbewegungen, insbesondere jener für’s Klima, ist zum Teil gut gelungen – Insbesondere die Klimaschutzbewegung kann einen guten Mobilisierungserfolg für sich reklamieren – Am heutigen Dienstag rufen mehrere Gewerkschaften zum Streik auf. (…) Am heutigen Dienstag, den 19. März 19 rufen nun Gewerkschaften (CGT, FO, Solidaires) zu Streiks auf, die zumindest in Teilen der öffentlichen Dienste im Ansatz befolgt werden dürften. Aufgrund sektorenspezifischer Anliegen im Bildungswesen scheint der Arbeitskampf vor allem im Bildungswesen erfolgreich zu werden. Bei den Pariser Nahverkehrsbetrieben der RATP ruft die dortige CGT zu Arbeitsniederlegungen der Busfahrer/innen auf, um gegen die angekündigte Öffnung der RATP-Buslinien für private Konkurrenzunternehmen zu protestieren. Am Dienstag früh war hingegen der Métro-Verkehr der RATP normal, von den üblichen technischen Störungen vielleicht einmal abgesehen. Zu diesem Zeitpunkt ist es für eine Auswertung des Streikerfolgs auf den Hunderten von Buslinien hingegen noch zu früh…
http://www.labournet.de/?p=146019

Der Artikel trifft es ganz gut!
Ich hatte am Anfang schon mal zu bedenken gegeben, das der Funke nicht überspringt und es keine Massenbewegung ist. Mittlerweile dreht sich die Protestbewegung im Kreis und läuft sich mehr und mehr Tod.

Und für irgendwelche Scheißwichser, die bewohnte Häuser anstecken habe ich überhaupt kein Verständnis!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:05:03 Di. 19.März 2019
...irgendwelche Scheißwichser, die bewohnte Häuser anstecken ...

Gab es auch in Athen...
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 16:24:45 Di. 19.März 2019
...irgendwelche Scheißwichser, die bewohnte Häuser anstecken ...

Gab es auch in Athen...

Stimmt, das fiel mir beim schreiben auch ein. Wenn ich mich richtig erinnere sind da auch Menschen ums Leben gekommen und die Protestbewegung ist danach fast zusammengebrochen.
Beim G20 in Hamburg wurden solche Aktionen von anderen Demoteilnehmern verhindert. Das sind nur eine handvoll Psychopathen, aber die schaffen es eine komplette Bewegung zu diskreditieren.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:35:53 Di. 19.März 2019
Und für irgendwelche Scheißwichser, die bewohnte Häuser anstecken habe ich überhaupt kein Verständnis!
Ich auch nicht!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:16:07 Do. 21.März 2019
Zitat
In Frankreich sind Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um für soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren.

Die Demonstranten fordern, dass die Regierung darauf verzichtet, wie geplant 120.000 Stellen im öffentlichen Dienst zu streichen. Außerdem forderten sie höhere Löhne und Renten. Auch Anhänger der „Gelbwesten“-Bewegung schlossen sich den Kundgebungen an. Sie demonstrieren seit gut vier Monaten gegen die Reformpolitik von Präsident Macron.
https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-proteste-gegen-sparpolitik.2932.de.html?drn:news_id=988410

Zitat
Frankreich:
Die Regierung zieht die Gangart an


Neue Verschärfungen des Ordnungsrechts im Zusammenhang mit Demonstrationen – Innenminister Christoph Castaner knöpft sich zwei „Gelbwesten“-Exponenten persönlich vor – Gewerkschaften: Streik- & Demoteilnahme leicht über dem Niveau vom 05. Februar; vor allem im Schulwesen wurde der Arbeitskampf gut befolgt

Schicken wir die guten Nachrichten voraus; auch wenn sie nicht gerade eine Revolution ankündigen, so bleiben sie doch positiv. Der Aktions- und Streiktag mehrerer französischer Gewerkschaften (v.a. der Verbände CGT, FO und Solidaires) am gestrigen Dienstag, den 19. März erreichte – und überschritt mutmaßlich leicht – das Niveau des vorausgehenden Mobilisierungsdatum am 05. Februar 19. (…) Nein, um fantasiegefüllten Gerüchten vorzubeugen – es hat keinen „Generalstreik“ gegeben, auch wenn dieser Begriff in manchen Aufrufen zum gestrigen Aktionstag auftauchte. (Und auch wenn man es aus manchen deutschsprachigen Internetmedien gewohnt ist, dass bei jedem mittleren gewerkschaftlichen Protesttag in Frankreich „Generalstreik!“ krakeelt wird; liebe Leute, der letzte wirkliche Generalstreik in Frankreich ging im Juni 1968 zu Ende!) Aber es hat Arbeitsniederlegungen in manchen Sektoren gegeben, von denen jener im staatlichen Bildungswesen am stärksten befolgt wurde. Um die Mittagszeit befanden sich, laut ministeriellen Zahlen, 24 Prozent der Lehrkräfte im Grundschulwesen im Ausstand…”
http://www.labournet.de/?p=146135

Zitat
Nach Angaben der CGT sollen es mehr als 300.000 Menschen gewesen sein, die sich an dem Protesttag 19. März an den Aktionen der vier aufrufenden Gewerkschaften und der beteiligten beiden SchülerInnen- beziehungsweise Studierendenorganisationen überall in Frankreich beteiligt haben, was grundsätzliche Opposition zur Politik der Regierung Macron deutlich machen sollte. Wie überall, aber insbesondere in Frankreich in jüngster Zeit üblich, werden von der Seite der Polizei viel niedrigere Zahlen veröffentlicht (die sich allerdings am Wochenende beim Akt 18 mit der Zahl 4.500 außerhalb von Paris endgültig lächerlich gemacht hat), und wie meist, muss man selbst dazwischen etwas finden. Wie auch immer: Es war eine Mobilisierung – und es war vor allen Dingen eine Art „Grundsatz-Mobilisierung“ gegen den französischen Präsidenten, seine Regierung und seine Politik. Woraus sich die naheliegende Frage ergeben muss, ob dies der Anfang von mehr sein kann, oder eine Aktion unter vielen bleibt.
http://www.labournet.de/?p=146078
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:10:41 Do. 21.März 2019
Zitat
Macron setzt Elitesoldaten gegen Gelbwesten ein
Frankreichs Präsident Macron schickt Anti-Terror-Kräfte zu den Gelbwesten-Protesten am kommenden Samstag. Elitesoldaten sollen Barrikaden gegen Randalierer errichten.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/gelbwesten-proteste-in-paris-emmanuel-macron-schickt-elite-soldaten-a-1258871.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:31:56 Fr. 22.März 2019
Eine Einschätzung von Romy Straßenburg. Sie lebt als freie Journalistin in Paris.

Zitat
(...)
Heftiger als je zuvor wurden auf den Champs-Élysées am letzten Samstag Symbole des französischen Luxus wie das Restaurant Le Fouquet’soder die Boutique der Marke Longchamps angegriffen. Eindringlich, verzweifelt, mit Tränen in den Augen verteidigte am Abend eine bekannte Anhängerin der Bewegung, Sophie Tissier, im Fernsehen den Ausbruch der Gewalt: „Millionen Menschen haben keinen Zugang zum Luxus, für den die Champs-Élysées stehen. (...) Was kümmert es uns, wenn das Fouquet’s in Flammen aufgeht? Ich denke an die 15.000 Menschen, die jährlich an den Folgen ihrer Arbeitslosigkeit, ihrer Prekarität sterben. (...) Ich heule hier vor Ihnen, ist Ihnen das klar? Monsieur Macron ist unverantwortlich. Er ist inkompetent und gehört ins Gefängnis.“

Man erinnert sich in diesen Tagen oft an die geradezu prophetischen Worte von François Ruffin, Abgeordneter der Bewegung La France Insoumise („Das unbeugsame Frankreich“), der im Mai 2017, zwischen erster und zweiter Wahlrunde, in einem offenen Brief an Macron schrieb: „Sie werden gehasst, sie werden gehasst. Sie werden gehasst.“ Macron, so prophezeite er, trage den sozialen Krieg in sich, wie eine Wolke den Regen. Er schrieb: „Ich sorge mich um mein Land. Weniger über den anstehenden Wahlsonntag, aber über später, in fünf Jahren oder bereits früher: Es steht wirklich auf der Kippe, die „soziale Spaltung“ wird es zerreißen.“ Die Klassenkampf-Rhetorik von Seiten der radikal Linken schien damals nur das Heraufbeschwören einer längst vergangenen Zeit, unpassend für die Start-up-Nation, die Macron vorschwebte.

Doch seit vier Monaten wissen wir: Der Klassenkampf ist echt. Die Menschen in den gelben Westen blockieren weiter jeden Samstag zusammen Straßen und Plätze. Sie kommen auf die Champs-Elysées , wo die Gewalt, wie Untersuchungen von Soziologen zeigen, nicht nur vom Schwarzen Block oder rechtsextremen Schlägern ausgeht, sondern auch von Menschen ohne ausgeprägte politische Präferenz. Diese Menschen haben in der Gemeinschaft gespürt, dass sie nicht die einzigen Abgehängten sind, haben ihre Scham überwunden. Sie haben Solidarität untereinander erfahren, haben neue Bekanntschaften, Freundschaften geschlossen, haben gemeinsam etwas geschafft, denn Macrons Regierung hat ja Zugeständnisse gemacht. Und alle anderen? Fast hatte man sich schon an das samstägliche Treiben, an ein paar gesperrte Metrostationen und die Bilder im Fernsehen gewöhnt. Aber die Angst vor dem Ende des Elans, das Frustgefühl, mit den Protesten nichts mehr erreichen zu können, hat die Gelbwesten nochmals angeheizt und die Gewalt eskalieren lassen (von der offensichtlich falschen Polizeistrategie ganz zu schweigen).

Die Gelbwesten scheinen zu merken, dass sich eine erste Phase dem Ende neigt. Sehen wir also dabei zu, wie sie sich ein letztes Mal aufbäumen, weil ihnen die Sympathien und die politischen Forderungen abhanden kommen? Oder ist es im Gegenteil der Anfang einer neuen Phase, die nur umso gewalttätiger wird, umso repressiver die Regierung auf Ausschreitungen reagiert? Hat das System die Revolte überlebt oder zwingt die Revolte das System in die Knie? Frankreich wirkt im Frühjahr 2019 weiter wie ein Versuchsfeld, in dem ausgefochten wird, was der einzelne Mensch innerhalb der Gesellschaft von morgen zählt, und das geht uns alle an.

Das war nur ein Ausschnitt aus folgendem Artikel: https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/sie-werden-gehasst
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:17:40 Fr. 22.März 2019
Zitat
Im Zentrum von Paris sind an diesem Samstag Demonstrationen der Gelbwesten-Protestbewegung verboten, das hat die zuständige Präfektur bekanntgegeben. Die Sperrzone gilt demnach für die Champs-Elysées samt Umgebung, Place de l'Etoile, einschließlich des Elysée-Palastes und der Nationalversammlung.(...)
Christophe Castaner, Innenminister: "Wir müssen noch weiter gehen. Das zeigen uns die Szenen vom Samstag, die Gewalt hat noch zugenommen, unsere Antwort muss entschlossen sein, noch mehr Entschlossenheit."
https://de.euronews.com/2019/03/22/paris-sperrzone-fur-gelbwesten

Zitat
Zuvor hatten die Behörden bereits Demonstrationen in den Großstädten Nizza und Toulouse im Süden und Südwesten des Landes untersagt.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-03/frankreich-gelbwesten-proteste-paris-polizei-demonstrationsverbot

Zitat
Frankreichs Regierung verteidigt nach heftiger Kritik den Einsatz von Soldaten einer eigentlich zur Terror-Abwehr gedachten Mission bei den erwarteten Gelbwesten-Protesten am Samstag. Verteidigungsministerin Florence Parly versicherte, dass sich die Soldaten aus dem „Sentinelle“ genannten Einsatz nicht unter die Demonstranten mischen würden.
„Ihre Mission ist die Bekämpfung des Terrorismus, nicht die Wiederherstellung von Recht und Ordnung“(...)Das Vorhaben wird in Frankreich parteiübergreifend kritisiert. „Wenn wir das Militär mit der Verantwortung für die Sicherheit der Gebäude vor den Demonstranten betrauen, was ist dann der nächste Schritt? Schießen sie?“, fragte Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon.
https://www.handelsblatt.com/politik/international/gelbwesten-proteste-regierung-verteidigt-militaereinsatz-bei-demonstrationen/24133874.html?ticket=ST-3881451-SOhJeSDrqtVhW3dSILY4-ap6

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 14:12:30 Sa. 23.März 2019
Neue Gelbwesten-Proteste in Paris trotz Demo-Verbote an wichtigen Plätzen
https://www.youtube.com/watch?v=IsciYZkG4Ao
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 16:10:11 Sa. 23.März 2019
Bilder aus Toulouse

https://www.youtube.com/watch?v=uOXbxHiKiP4
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 21:11:39 Sa. 23.März 2019
Zitat
„Gelbwesten“ - Mehr als 40.000 demonstrieren trotz Verbot

Trotz eines Demonstrationsverbots der französischen Regierung sind wieder zehntausende Anhänger der „Gelbwesten“-Bewegung auf die Straße gegangen.

Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/gelbwesten-mehr-als-40-000-demonstrieren-trotz-verbot.1939.de.html?drn:news_id=989713
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:23:59 Sa. 23.März 2019
Alle Achtung!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 22:16:23 Sa. 23.März 2019
Hut ab!

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 07:15:05 So. 24.März 2019
Zitat
Wo stehen die «Gilets Jaunes»?

Ein Gespräch, vier Monate nach Beginn der Bewegung

Bernard Schmid lebt in Paris, arbeitet als Anwalt und freier Autor für verschiedene deutschsprachige Medien. Mit ihm sprach Nelli Tügel, Redakteurin der Tageszeitung neues deutschland. Im Dezember 2018 war sie in Frankreich, in Paris wie auch in der Provinz, um über die Gilets Jaunes zu berichten.

Quelle: https://www.rosalux.de/news/id/40151/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 14:11:11 Mo. 25.März 2019
Kann leider kein französisch, aber diese Videos/Bilder ähneln mehr und mehr einem Bürgerkrieg. Man sieht hier u.a. einen schwerverletzten Mann, dessen Fuss abgetrennt wurde oder eine auf der Straße liegenden ältere Frau am Boden liegend (ü 70) und Drecksbullen drum rum.
https://www.facebook.com/99Citoyens/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Rudolf Rocker am 15:24:17 Mo. 25.März 2019
Zitat
Kann leider kein französisch, aber diese Videos/Bilder ähneln mehr und mehr einem Bürgerkrieg
Bürgerkrieg? Bei CADUS würden sie das einen entspannten Tag nennen!
PS: Sehr unterstützenswerte Organisation!
https://www.cadus.org/de/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tina74 am 16:56:11 Mo. 25.März 2019
die GELBWESTEN haben keine Zukunft

die sind schon von den rechten unterwandert und ausserdem zeigt Demonstrationsverbot deutlich, was man von den Demonstranten hält
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 17:09:57 Mo. 25.März 2019
Ja, da gibts leider auch rechte Spinner - aber ich denke, dass ist nur eine kleine Minderheit - diese Gruppe ist sehr heterogen / vielschichtig

Zitat
Die heterogene Widersprüchlichkeit und Vielschichtigkeit der Gilets jaunes reicht von witzigen und intelligenten Protestformen über eine bitternotwendige Kritik am neoliberalen Plünderungsfeldzug einer solipsistischen Oligarchie und an der rasanten ökologischen Zerstörung des Planeten bis zu fragwürdigen Demo-Gewaltexzessen.

https://www.heise.de/tp/features/Worum-geht-es-eigentlich-den-Gelbwesten-4341302.html?seite=all&fbclid=IwAR1BXohiPKkqG1orekM0CpDmlJHlslPEWZr-7xUCR-hU6vgnawCDfyPsRsg

"...Sicher ist: Eine Gesellschaft aus verrohten, ignoranten Untertanen wird sich niemals ihrer Ketten entledigen. Im Gegenteil, eines Tages werden sie so fest ihre Hälse umschlingen, dass auch die heute noch besser Verdienenden nicht mehr atmen werden können...."
von Susan Bonath
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 12:03:59 Di. 26.März 2019
die GELBWESTEN haben keine Zukunft

die sind schon von den rechten unterwandert und ausserdem zeigt Demonstrationsverbot deutlich, was man von den Demonstranten hält
Die Gelbwesten lassen sich weder durch die Hetze der französischen Regierung, noch durch Verbote oder den Einsatz des Militärs einschüchtern. Und von Rechten "unterwandert" sind sie nicht. Es nehmen Rechte an den Protesten teil, aber die stellen nicht die Mehrheit.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 18:47:04 Di. 26.März 2019
Schätze, da hat Tina was mit den teutschen Gelbwesten-Imitaten verwechselt...
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 23:10:19 Di. 26.März 2019
https://www.youtube.com/watch?v=WGnXKqxZLuI
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:05:39 Fr. 29.März 2019
Zitat
Die französische Regierung hat für Samstag erneut ein Demonstrationsverbot für "Gelbwesten" auf dem Pariser Boulevard Champs-Elysées verhängt.

Innenminister Christophe Castaner sagte am Mittwochabend bei einer Parlamentsanhörung, die geplanten Proteste seien ein Aufruf "zu neuer Gewalt". Er habe die Polizeipräfektur angewiesen, ein Versammlungsverbot auszusprechen.
https://www.n-tv.de/ticker/Regierung-verbietet-erneut-Gelbwesten-Proteste-auf-Champs-Elysees-article20933912.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 12:20:40 Sa. 30.März 2019
Die lassen sich nicht oder nur wenig einschüchtern - so meine Hoffnung - gerade überträgt Sputnik wieder eine Protestkundgebung.

Apropos RT und auch Sputnik, gibts noch eine andere Quelle (die weniger rechtsgerichtete Kommentatoren hat)? Unsere Medien schweigen mehrheitlich.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:34:30 Sa. 30.März 2019
Mehrere Perspektiven gleichzeitig:
https://youtu.be/diUiDKQEYPc

Toulouse:
https://youtu.be/jI1Pm37pNe4

Bordeaux:
https://youtu.be/jq8jVaHkupE

Paris, RT France, da hat man es nicht so mit den deutschen und Amifaschos zu tun:
https://youtu.be/-rHY_Phuyoc
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:20:45 Sa. 30.März 2019
An den Protesten dieses 20. Protest-Samstags in Folge nahmen 33 700 Menschen teil, davon 4000 in Paris, wie die AFP unter Berufung auf das französische Innenministerium mitteilte.

https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_85497836/protest-gegen-reformpolitik-anhaenger-der-gelbwesten-protestieren-wieder-in-frankreich.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 12:26:21 So. 31.März 2019
Bilder von gestern aus Lyon:
https://www.youtube.com/watch?v=hiPZGLEB04E
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: admin am 17:24:15 So. 31.März 2019
Ich habe gerade eine Mail aus Paris bekommen:

Zitat
...diesmal hat es einen semi-prominenten schwarzen Franzosen getroffen

... und daher wird darüber auch ziemlich prominent berichtet.

Ange wurde am Mittwoch von der Polizei angehalten, die glaubte, seine Personalien überprüfen zu müssen - wie es halt so üblich ist bei schwarzen oder arabischen Franzosen. Er wurde auf die Wache mitgenommen - und musste anschl. ins Krankenhaus eingeliegefert werden - how come -?, wo er am Fr. oder Sa starb. Seine Familie wusste tagelang nichts über seinen Verbleib.

https://fr.news.yahoo.com/justice-ange-artistes-famille-veulent-085615837.html
Übersetzung der deepl-Software:
Zitat
(https://s.yimg.com/ny/api/res/1.2/bXN7EmGBk2bdzblVwyHGhA--~A/YXBwaWQ9aGlnaGxhbmRlcjtzbT0xO3c9Mzc4O2g9NTk4/http://media.zenfs.com/fr-FR/homerun/huffingtonpost/4a9a1e607dfa0655c28cfb12d700a75d)

Ein Tod und Fragen. Am Samstag, den 30. März, packte viele Internetnutzer die Emotionen bei der Nachricht vom Tod von Angel Dibenesha, einem jungen Mann in den dreißiger Jahren. Verhaftet nach einer Polizeikontrolle am Mittwoch, 27. März, nur zwei Tage später hörte seine Familie von ihm.

Am Freitag informierte das Krankenhaus von La Pitié Salpêtrière seine Familie darüber, dass der junge Mann nach einem Herzinfarkt hirntot war und dass Ärzte dafür waren, die Behandlung einzustellen. Eine Entscheidung, die schließlich am Samstag am Ende des Tages getroffen wurde.

Die Umstände der Verhaftung des jungen Mannes und die Ereignisse zwischen seiner Kontrolle durch die Polizei und der Meldung seines Krankenhausaufenthaltes sind jedoch äußerst unklar, wie die Gemeinschaftsmedien Negro News berichten. Eine Situation, über die Hélène Sy, die Frau des Schauspielers und Aktivistin in sozialen Netzwerken für Gleichheit und soziale Gerechtigkeit, informieren wollte. 

Wie sie hatten mehrere Künstler in sozialen Netzwerken mobilisiert, um den Fall bekanntzumachen und Erklärungen über die Umstände des Todes von Ange Dibenesha zu erhalten. Mokobé, Youssoupha, die Schauspielerin Amelle Chahbi, aber auch Jok'air und Kalash haben das Keyword #JusticePourAnge auf Twitter weitergegeben.

    #JusticeForAge noch ein weiteres Drama, noch ein weiteres Unrecht, wann wird es aufhören? Eine trauernde Familie, eine Mutter, die versucht zu verstehen, was wirklich passiert ist, kondoliert der Familie, dass ihre Seele in Frieden ruht und... unterstützt Angel 
Der tägliche Rassismus von oben im Land der Menschenrechte, von liberté, égalité und fraternité.

"Justice pour ..." - Es gibt zahlreiche Komitees von Angehörigen solcher - jedoch weniger prominenter - Opfer der rassistischen Polizeigewalt, die sich v.a. in der Banlieue austobt, weitgehend unbemerkt von der franz. Öffentlichkeit. Eine Aufklärung und Strafverfolgung findet kaum statt bzw. wird rasch zugunsten der Täter abgeschlossen.

Mit den Gilets Jaunes hat sich etwas verändert: Auf einmal sind auch weiße Französinnen und Franzosen bei den Demos Opfer der Polizeigewalt geworden - und erkennen sich in denen aus der Banlieue wieder und diese in ihnen, und solidarisieren sich. Sie entdecken darüber hinaus, dass sie in mehr als einer Hinsicht von der diskriminierenden, entrechtenden, demütigenden, verächtlichen Politik des Staates betroffen sind und leisten gemeinsam Widerstand, ziehen dabei die gelbe Weste über oder auch nicht.   

Traurig, wütend und auch ein bisschen zuversichtlich,

Sophia
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:25:06 Fr. 05.April 2019
Zitat
Proteste der Gelbwesten:
Der französische Verfassungsrat hält das Anti-Randalier-Gesetz für unzulässig


(dpa) Der französische Verfassungsrat hat einen bedeutenden Teil des neuen Anti-Randalier-Gesetzes einkassiert, mit dem die Regierung auf die Gewalt bei den «Gelbwesten»-Protesten reagiert hatte. Eine Bestimmung, die es Regierungsbeamten erlaubt, Menschen unter bestimmten Bedingungen von der Teilnahme an Demonstrationen auszuschliessen, sei unzulässig. Mit dem Anti-Randalierer-Gesetz wollte die französische Regierung die Ausschreitungen bei den Protesten der «Gelbwesten» in den Griff bekommen.

Das Gericht ist der Auffassung, dass die Bestimmung das Recht auf kollektive Meinungsäusserung in einer Weise verletzt, die «nicht angemessen, notwendig und verhältnismässig» ist. (...)
https://www.nzz.ch/international/proteste-der-gelbwesten-der-franzoesische-verfassungsrat-haelt-das-anti-randalier-gesetz-fuer-unzulaessig-ld.1472898
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:45:09 Sa. 06.April 2019
Zitat
In Frankreich sind erneut viele Anhänger der "Gelbwesten" auf die Straße gegangen. Offizielle Teilnehmerzahlen für diesen 21. Protest-Samstag in Folge lagen zunächst nicht vor. Nach schweren Ausschreitungen in Paris vor drei Wochen galten in der Hauptstadt erneut stellenweise Demonstrationsverbote.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/-gelbwesten--demos-wieder-proteste-in-frankreich-100.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:34:48 Do. 11.April 2019
Appell der 2. Versammlung der Versammlungen in Saint Nazaire vom 7. April 2019

Zitat
Wir, Gelbwesten aus lokalen Versammlungen, am 5., 6., und 7. April in Saint-Nazaire versammelt, appellieren an das gesamte Volk. Nach der ersten Versammlung der Versammlungen in Commercy führen etwa 200 anwesende Delegationen ihren Kampf gegen liberalen Extremismus, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit fort.

Trotz der repressiven Eskalation der Regierung, der Anhäufung von Gesetzen, die unsere Lebensbedingungen verschlechtern, unsere Rechte und Freiheiten zerstören, verwurzeln sich die Proteste, um das System, das von Macron verkörpert wird, zu verändern. Als einzige Antwort an die Gelbwesten-Bewegung und an die anderen kämpferischen Proteste gerät die Regierung in Panik und setzt eine autoritäre Wende entgegen. Seit fünf Monaten debattieren wir überall in Frankreich, auf den Kreisverkehren, Parkplätzen, Plätzen, Maut-Stationen, in den Demonstrationen und bei den Versammlungen, und wir kämpfen weiter gegen alle Formen der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, und für Solidarität und Würde.

Wir fordern die Erhöhung der Löhne, der Renten und der Sozialleistungen zur Sicherung des Mindesteinkommens, sowie öffentliche Dienste für alle. Unsere Solidaritäten in Kämpfen adressieren wir besonders an die neun Millionen Personen, die unter der Armutsgrenze leben. Des Klimanotstands bewusst behaupten wir: Ende der Welt, Ende des Monats, gleiche Logik, gleicher Kampf.

Der Farce der großen Debatten und einer nicht-repräsentativen Regierung im Dienst einer privilegierten Minderheit gegenüber setzen wir die neuen Formen einer direkten Demokratie ein.

Das heißt konkret, wir erkennen, dass die Versammlung der Versammlungen Vorschläge aus lokalen Versammlungen erhalten und Leitlinien abgeben kann, wie die erste Versammlung der Versammlungen in Commercy es gemacht hat. Diese Leitlinien werden dann systematisch in den Ortsgruppen abgestimmt. Die Versammlung der Versammlungen bekräftigt ihre Unabhängigkeit den politischen Parteien und Gewerkschaften gegenüber und erkennt keinen selbstproklamierten Anführer an.

Wir haben alle drei Tage lang im Plenum und in thematischen Gruppen debattiert, Vorschläge für unsere Forderungen, Aktionen, Kommunikations- und Koordinierungsmittel ausgearbeitet. Wir wollen von Dauer sein und beschließen, eine neue Versammlung der Versammlungen im Juni zu organisieren.

Um das Kräfteverhältnis zu verstärken und die Bürger in Schlachtordnung gegen dieses System aufzustellen, ruft die Versammlung der Versammlungen zu Aktionen auf, deren Kalender demnächst auf eine digitale Plattform veröffentlicht sein wird.

Die Versammlung der Versammlungen ruft dazu auf, die souveränen Bürgerversammlungen zu verstärken und zu verbreiten, und Neue zu schaffen. Wir fordern alle Gelbwesten dazu auf, diesen Aufruf und die Schlussfolgerungen unserer Vollversammlung zu verbreiten. Die Ergebnisse der Diskussionen, die im Plenum geführt wurden, werden zu den Aktionen und Überlegungen der Versammlungen beitragen.

Wir setzen mehrere Aufrufe in die Welt – zu den Europawahlen, zu den lokalen Bürgerversammlungen, gegen Repression, und für die Aufhebung der Strafen gegen gefangene und verurteilte Gelbwesten. Es scheint uns nötig, uns einen Zeitraum von drei Wochen zu nehmen, um die gesamten Gelbwesten zu mobilisieren und diejenigen zu überzeugen, die es noch nicht sind. Wir rufen zu einer gelben Aktionswoche ab den 1. Mai auf.

Wir laden all diejenigen, die der Inbeschlagnahme des Lebenden ein Ende setzen wollen, dazu ein, den Konflikt mit dem aktuellen System zu akzeptieren, um gemeinsam, mit allen nötigen Mitteln, eine neue soziale und umweltfreundliche Volksbewegung zu schaffen. Die Vermehrung der aktuellen Kämpfe fordert uns dazu auf, die Aktionseinheit zu suchen.

Wir rufen auf, gemeinsam auf allen Ebenen des Territoriums zu kämpfen, um die Erfüllung unserer sozialen, steuerlichen, ökologischen und demokratischen Forderungen zu erringen. Wir sind davon bewusst, dass wir ein globales System bekämpfen müssen, und gehen davon aus, dass wir aus dem Kapitalismus austreten müssen. So bauen wir dieses „alle zusammen“ auf – die Parole, die wir ausrufen, und die alles möglich macht. Wir bauen alle zusammen auf allen Ebenen des Territoriums. Schaut uns nicht zu, reiht euch ein. Die Macht des Volkes, von dem Volk, für das Volk.”
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 11:22:09 Do. 11.April 2019
Sehr gut!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:11:50 Sa. 13.April 2019
Zitat
Neue Gewalt bei "Gelbwesten"-Protesten

Bei neuen Protesten der "Gelbwesten"-Bewegung ist es in der südwestfranzösischen Stadt Toulouse zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Die Polizei setzte Tränengas ein, um ein Demonstrationszug am Betreten der Innenstadt zu hindern, wie AFP-Reporter berichteten. Ein Bauwagen und ein Kleinlaster wurden in Brand gesetzt. Es habe Festnahmen gegeben, teilte die Polizei mit.

In Paris und anderen Städten blieben die Proteste weitgehend ruhig, die Polizei meldete aber 15 vorübergehende Festnahmen und 5885 Personen- und Fahrzeugkontrollen in Paris. Die Proteste richteten sich auch gegen ein neues Gesetz, das der Polizei mehr Durchgriffsrechte im Umfeld von Demonstrationen verleiht. Es beinhaltet ein Vermummungsverbot mit Gefängnisstrafen von bis zu einem Jahr für Personen, die bei Demonstrationen ohne einen legitimen Grund ihrer Gesichter verhüllen.
https://www.tagesschau.de/ausland/frankreich-gelbwesten-129.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 08:52:10 So. 14.April 2019
https://www.youtube.com/watch?v=Oeom2AHCoQE
YELLOW VESTS ACTE 22 - LYON
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:20:38 So. 14.April 2019
Zitat
Wir fordern die Erhöhung der Löhne, der Renten und der Sozialleistungen zur Sicherung des Mindesteinkommens, sowie öffentliche Dienste für alle. Unsere Solidaritäten in Kämpfen adressieren wir besonders an die neun Millionen Personen, die unter der Armutsgrenze leben. Des Klimanotstands bewusst behaupten wir: Ende der Welt, Ende des Monats, gleiche Logik, gleicher Kampf.
...
Wir rufen auf, gemeinsam auf allen Ebenen des Territoriums zu kämpfen, um die Erfüllung unserer sozialen, steuerlichen, ökologischen und demokratischen Forderungen zu erringen. Wir sind davon bewusst, dass wir ein globales System bekämpfen müssen, und gehen davon aus, dass wir aus dem Kapitalismus austreten müssen. So bauen wir dieses „alle zusammen“ auf...

Ich bin beeindruckt. Es wird nicht nur über einen Mißstand geschimpft, es werden Zusammenhänge aufgezeigt.

Die Radikalität der Forderungen liegt darin, daß man nicht nur auf Probleme hinweist, sondern deren Lösung erreichen will und bereit ist, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen und den Kampf aufzunehmen. Es sind keine Forderungen aus einem (linken) Elfenbeinturm, sondern aus einer realen Bewegung mit einer breiten Basis heraus.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:22:27 Mo. 15.April 2019
Hierzulande versucht man sie einfach totzuschweigen.

Bestenfalls veröffentlicht man so etwas:
Zitat
Schwache Beteiligung an Gelbwesten-Protest
In ihrer 22. Woche haben die Demonstrationen der französischen Gelbwesten keinen großen Zulauf mehr. Toulouse war das Zentrum der Proteste – und der Gewalt.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-04/frankreich-gelbwesten-proteste-toulouse

In dem Bericht steht auch: "Landesweit waren es insgesamt 31.000 Demonstranten – etwas mehr als eine Woche zuvor".
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:51:10 Mo. 15.April 2019
P.S.: Mit "etwas mehr als eine Woche zuvor" ist ein Plus von rund 40% gemeint (22.300 letzte Woche).
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 17:07:02 Mo. 15.April 2019
Es soll ausgesessen werden, nicht angenommene Alibi-Zugeständnisse von Macron sollen die Unvernünftigkeit der Gelbwesten aufzeigen, nicht Kompromissfähig. Das es nicht um 1 % hoch oder runter von irgend etwas geht will man immer noch nicht wahrhaben bzw. akzeptieren, es kann gar keinen Kompromiss aus Macrons Gedankenwelt geben der für die Gelbwesten akzeptabel wäre.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 20:06:17 Mo. 15.April 2019
Auch 31000 sind zu wenig. Macron wird die Proteste aussitzen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Frieden2001 am 23:41:01 Mo. 15.April 2019
Macron wird wahrscheinlich durch den Brand von Notre Dame und seiner eben sehr emotional (und widerlich pathetisch) gehaltenen Ansprache wieder gewaltigen Zulauf bekommen. Ich finde die Kirche als Gebäude wunderschön, mit der Kirche als Institution halte ich es aber nicht. Mal schauen, ob er jetzt noch rigoroser gegen die Gelbwesten vorgeht, oder ob man jetzt - die breite Bevölkerung - erst recht müde wird, was das Thema betrifft.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 23:52:50 Mo. 15.April 2019
Das würde mich etwas wundern.
Auch in Frankreich sind Religion und Alltag zwei Sachen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Frieden2001 am 00:01:25 Di. 16.April 2019
Ich habe das Gefühl, Macron sitzt das Ganze nur aus. Bis jetzt scheinen ihn die Proteste nicht großartig zu jucken. Dieses Aussitzen ist ja mittlerweile groß in Mode, bei fast allen Politikern. Merkel hat das ja zur Perfektion getrieben. Macron führt das Gelernte nur fort.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:41:37 Di. 16.April 2019
Auch 31000 sind zu wenig. Macron wird die Proteste aussitzen.

Wir sollten uns zweimal überlegen, wie wir die Verhältnisse und die Bewegungen gegen den politischen Stillstand interpretieren. Es ist leicht, jeglichen Protest einfach abzutun mit einem "Das bringt doch sowieso alles nichts!", nur weil die Mächtigen mit aller Kraft an ihrer Macht festhalten und eine Protestbewegung nicht zum Umsturz der Verhältnisse geführt hat.

Man kann es auch anders sehen. Die Herrschende Klasse kontrolliert die Politik, die Medien und den Repressionsapparat mit Polizei, Militär und Knästen.

Es gab im Zusammenhang mit den Gelbwestenprotesten bisher 11 Tote, über 3000 Verletzte, davon über 150 Schwerverletzte. Die Junge Welt berichtete am 25.3.2019:
Zitat
Mehr als 70.000 bewaffnete Uniformierte haben nach Ansicht der französischen Regierung am Samstag in Paris »die Demokratie« vor dem Protest der »Gelbwesten« gerettet. Am 19. Wochenende in Folge demonstrierten in ganz Frankreich erneut rund 130.000 Menschen gegen die Sozial- und Finanzpolitik des Präsidenten Emmanuel Macron. Gegen die knapp 8.000 Demonstranten in der Hauptstadt hatte die Staatsmacht diesmal 65.000 Polizisten und 7.000 Soldaten der Antiterrortruppe »Sentinelle« (Schildwache) mobilisiert. Rund 30.000 Feuerwehrleute begleiteten den Einsatz, der nach den Worten des Innenministers Christophe Castaner »die republikanische Ordnung« wiederhergestellt habe.


Macron setzt sein "Anti-Randalierer-Gesetz" in Kraft und die Armee "zum Schutz von Gebäuden" bei den Protesten ein. Wer sein Gesicht bei einer Demonstration verhüllt, muss von nun an mit einem Jahr Haft und 15.000 Euro Geldstrafe rechnen. Insgesamt wurden bis Anfang Januar 2019 über 4500 Personen für Ausschreitungen vorübergehend festgehalten; knapp 700 Angeklagte wurden bis Anfang Januar dem Strafrichter (für Handlungen vor Mitte Dezember) vorgeführt mit 216 Verurteilungen zu Haftstrafen.

Die Gelbwestenbewegung setzt sich zu einem Großteil aus Menschen zusammen, die nicht aus politischen Zusammenhängen kommen, die zumeist noch noch nie zuvor demonstriert haben. Ihnen ist einfach die Hutschnur geplatzt, daß sie nicht nur verarmen und ausgegrenzt werden, sondern es gleichzeitig mit der Arroganz der Macht zu tun haben.  Der Präsident, ein Eliteschüler aus einer Ärztefamilie, früherer Investment-Banker wetterte, er werde den "Faulen" nicht nachgeben, sprach über "analphabetische Arbeiter" und unterschied zwischen denen, die Erfolg haben, und jenen, "die nichts sind". Er riet Protestierern, die auf seine teuren Anzüge anspielten: "Die beste Methode, um sich einen Anzug leisten zu können, ist es zu arbeiten."

Es wird der Gelbwestenbewegung wohl nicht gelingen, Macron zu stürzen. Die Wütenden und politisch Unerfahrenen mögen viele Fehler begangen haben, doch all die Gülle, die die Medien über die ausgeschüttet haben, die Demonstrationsverbote und die Repression des Staates haben sie nicht davon abhalten können, 22 Mal zu zehntausenden auf die Straße zu gehen.

Die Bewegung hat auch bewiesen, daß völlig neue Bevölkerungsteile auf der politischen Bühne erscheinen können, die eine Vereinnahmung durch traditionelle politische Organisationen und Führer verweigern. Selbst wenn es der letzte Gelbwestenprotest gewesen sein sollte, liegt diese Erfahrung als ständige Drohung gegen die herrschenden Verhältnisse in der Luft.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 11:55:15 Di. 16.April 2019
Auch 31000 sind zu wenig. Macron wird die Proteste aussitzen.

Wir sollten uns zweimal überlegen, wie wir die Verhältnisse und die Bewegungen gegen den politischen Stillstand interpretieren. Es ist leicht, jeglichen Protest einfach abzutun mit einem "Das bringt doch sowieso alles nichts!", nur weil die Mächtigen mit aller Kraft an ihrer Macht festhalten und eine Protestbewegung nicht zum Umsturz der Verhältnisse geführt hat.


Aussitzen bei maximaler Aktivität, jahaa, die sind so gut, orchestriert durch den medialen Erklärbär.
Notre Dame Brand, jetzt müssen die Gelbwesten sensibel bzw. sehr überlegt weiter machen, vielleicht sogar mit einbeziehen aber nicht ausschlachten.

Wobei das Aussitzen ein Wunsch Macrons und anderer gleich gearteter ist, ob er damit tatsächlich Erfolg hat liegt letztlich an den Gelbwesten, wenn sie sich aussitzen lassen, sie sind ggf. existenziell in Bedrängnis, daran könnte es am ehesten scheitern, aus einer Not heraus.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 16:17:32 Di. 16.April 2019
Auch 31000 sind zu wenig. Macron wird die Proteste aussitzen.

Wir sollten uns zweimal überlegen, wie wir die Verhältnisse und die Bewegungen gegen den politischen Stillstand interpretieren. Es ist leicht, jeglichen Protest einfach abzutun mit einem "Das bringt doch sowieso alles nichts!", nur weil die Mächtigen mit aller Kraft an ihrer Macht festhalten und eine Protestbewegung nicht zum Umsturz der Verhältnisse geführt hat.

Mir ist klar, dass die Gelbwesten schon einiges erreicht haben und dass langanhaltende Protestbewegungen, auch wenn sie klein sind, Erfolge haben. Was ich mit meinem Satz sagen wollte, ist, dass die Bewegung meiner Meinung nach zu klein ist, um den Sturz Macrons zu bewirken. Das hätte ich deutlicher ausdrücken müssen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Fritz Linow am 22:33:03 Di. 16.April 2019
In Windeseile öffnen Milliardäre und Millionäre ihre Spendenschatullen. Ein probates Mittel, um den Klassenhass zu schüren.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 10:00:32 Mi. 17.April 2019
Zitat
Wie man die Gelbwesten provoziert

Emmanuel Macron hat der Protestbewegung große Reformen versprochen. Nun legt er eine Liste kleiner Pläne vor. Sie könnte die Aufständischen wieder auf die Straße treiben.

(...)
Die Vermögenssteuer ISF hingegen will Macron nicht wieder einführen. Er will nur prüfen lassen, ob ihre Abschaffung wirkt, also die entlasteten Reichen tatsächlich die eingesparte Steuer in ihre Firmen und damit in Jobs investieren. Die Wiedereinführung der ISF war aber eine Kernforderung der Gelbwesten. An jedem Kreisverkehr prangte "ISF" auf den Flaggen, in hunderttausendfach auf Facebook-Seiten geteilten Ideenlisten kam die Reichensteuer immer auf dem ersten Platz: Millionäre und Milliardäre sollten mehr zahlen.   

Aber Macron denkt gar nicht daran, den ISF wieder einzuführen. Der Liberale ist tief davon überzeugt, dass die Elite, Millionäre und Firmenlenkerinnen die Gesellschaft insgesamt nach oben ziehen. "Der Erste am Seil befördert den Rest nach oben", ist einer seiner beliebtesten Leitsätze.

Macron und die Gelbwesten sind grundverschieden


Deshalb kann Macron beim Thema Vermögenssteuer nur verlieren: Entweder er räumt ein, mit der Abschaffung des ISF einen Fehler begangen zu haben und lässt Reiche wieder mehr Steuern zahlen. Oder er bleibt dabei – und provoziert unweigerlich die Gelbwesten. Macron versuchte einen dritten Weg: die Bedeutung der Vermögenssteuer für die Gelbwesten kleinzureden.

Vergangene Woche zog Premierminister Édouard Philippe eine erste Bilanz, die aber recht offensichtlich von der Regierung in die gewünschte Richtung gedrückt wurde: Philippe sprach von niedrigeren Steuern, die die Franzosen fordern würden und davon, dass sich die Vermögenssteuer ISF nicht mehr unter den wichtigsten Forderungen befinden würde. Zwei Annahmen, der Analysten vehement widersprachen.
(...)
Denn um den Forderungen der Gelbwesten nachzukommen, müsste sich Macron politisch verbiegen. Der Präsident hat mit den Gelbwesten, enttäuschte Geringverdiener aus der Provinz, kaum etwas gemein. Die Bewegung hatte von Anfang an Forderungen und Ideen, die dem politischen Weltbild des wirtschaftsliberalen Präsidenten diametral entgegenstehen.

Als die Gelbwesten noch 300.000 Menschen in Frankreich versammelten und nicht nur 30.000 wie an den letzten Wochenenden, hatte Macron schon eine erste Runde an neuen Gesetzen versprochen. Der Mindestlohn wurde für die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter angehoben. Das kostet den Staat rund 10 Milliarden Euro – und die Demonstrationen waren trotzdem nicht vorbei.

Deshalb wäre eine große Antwort auf die Gelbwesten noch immer notwendig. Ihre Wut und Enttäuschung über einen Staat, der sie im Stich lässt, der sie in schlecht bezahlten Job verharren lässt, ist noch lange nicht verraucht. Auch nach 22 Aktionssamstagen kamen immer noch Zehntausende Menschen auf die Straße. An vielen Straßen hängen weiterhin Warnwesten an Kreuzungen und auf dem Land legen viele Menschen die leuchtenden Westen auf ihr Armaturenbrett.

Für den 27. April haben sie wieder Proteste angekündigt. Dieses Mal wollen auch die Gewerkschaften und die linke Partei La France insoumise mitdemonstrieren. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle fordern die Reichensteuer.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-04/frankreich-gelbwesten-emmanuel-macron-reformen-protest/komplettansicht
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 11:32:00 Mi. 17.April 2019
In Windeseile öffnen Milliardäre und Millionäre ihre Spendenschatullen. Ein probates Mittel, um den Klassenhass zu schüren.

Der Ablasshandel blüht, die Gesellschaftsparasiten Selfmade Raffer kommen sonst nicht in den Himmel.
Und Spenden ist gesellschaftlich anerkanntes selbstverantwortliches Engagement, charity bringts.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 17:08:34 Fr. 19.April 2019
Naja, ein Selfmade Gierhals will gleich ganze 100 Millionen dafür locker machen..

Oh Gott, äh Gesellschaft. Was muss der wohl verbrochen haben, das sich so einer so verpflichtet fühlt ?

Nu sind sie sich ja sicher, das Notte Damme wieder auf Vordermann gebracht wird und damit wohl vom
Tisch der Medien gerät..
In Anbetracht dieser außergewöhnlichen Zwangspause der Gelbwesten, sowie den Erklärungsnöten von
Macron geht der Kampf weiter..

Zitat
...
Für den 27. April haben sie wieder Proteste angekündigt. Dieses Mal wollen auch die Gewerkschaften und die linke Partei La France insoumise mitdemonstrieren. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle fordern die Reichensteuer.
...

Reichensteuer ? Ja ! Worldwide und die Knete für die Armen dieser Welt !
In D auch schon längst überfällig.

 
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:06:19 Sa. 20.April 2019
Es brennt hier und da...

https://youtu.be/eNn9T56YaqA

https://youtu.be/R5iNZslNSSw

Toulouse
https://youtu.be/ydZJAuvcTFM

Montpellier
https://youtu.be/jOTu9GQ0gLg
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:17:31 Sa. 20.April 2019
Zitat
Das Schweigen über die Ziele der Gelbwesten und die Staatsgewalt gegen sie

(https://heise.cloudimg.io/width/700/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/tp/imgs/89/2/6/6/5/0/8/6/52702801_2196626700588428_7856240631792795648_n-5f822dd307b2d631.jpeg)
L'Assemblée des Assemblées des Gilets Jaunes am 21. 2. 2019.

Eine Veranstaltung in Berlin machte deutlich, wie selektiv die Medien in Deutschland über die französische Oppositionsbewegung berichten

Wenn es die Gelbwestenproteste, die mittlerweile mehr als 5 Monate andauern, in Deutschland in die Medien kommen, dann geht es meistens um militante Auseinandersetzungen und verletzte Polizisten. Über die verletzten Demonstrantinnen und Demonstranten auf Seiten der Gelbwestenbewegung wird hierzulande kaum berichtet. Dabei gibt es mehrere Demonstranten, die ein Auge verloren haben durch Waffen, die eigentlich geächtet sind.
(...)
 In Berlin konnte man sich Informationen über die aktuelle Entwicklung rund um die Gelbwesten auf einer von der "AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West/ Stiftung Haus der Demokratie" organisierten Veranstaltung unter dem Titel "Der Protest der Gelbwesten dauert an!" informieren.

Der in Marseille lebende gewerkschaftliche Aktivist Willy Hajek setzte den Fokus seines Vortrags auf die Staatsgewalt. Sie habe sich in den letzten Wochen verschärft. Die Polizei würde mittlerweile offensiv Versammlungen der Gelbwesten mit Gewalt auflösen. Dazu werden Polizeieinheiten eingesetzt, die seit Jahren in den Banlieus, den französischen Vorstädten, für Ruhe und Ordnung im Sinne des Staates sorgen. Dabei kommt es immer wieder zu Staatsgewalt gegen Jugendliche, die meistens in Frankreich geboren waren, aber oft auf ihre arabischen oder afrikanischen Vorfahren reduziert werden.

Seit Jahren engagieren sich zivilgesellschaftliche Organisationen gegen diese Staatsgewalt in den französischen Vorstädten. Viele dieser Aktivisten beteiligen sich nun auch regelmäßig an den Protesten der Gelbwesten. So hat die Staatsrepression dazu beigetragen, dass sich Proteste verbreitern.
(...)
 Das Treffen und die Ergebnisse wurden in kaum einer Zeitung in Deutschland auch nur erwähnt. Dann müsste man über Inhalte einer Bewegung reden, der man immer vorwirft, keine Inhalte zu haben und sie auf Gewalt reduziert.

Von Frankreich nach Algerien

Auf der Veranstaltung in Berlin sprach Lila Boutiba über den Umbruch in ihrem Heimatland Algerien, das sie schon lange verlassen hat. Dort hat eine Massenbewegung gerade einen senilen Präsidenten gestürzt. Doch noch bleibt offen, ob es nur um einen Elitentausch geht, worauf zurzeit führende Kreise der algerischen Bourgeoisie hinarbeiten, oder ob es dort politische Kräfte gibt, die sich an die Geschichte der algerischen Linken erinnert.(...)

...könnten auch für die aktuelle Protestbewegung Inspiration bieten. Dann würde der Ruf "Alle müssen verschwinden" nicht dazu führen, dass nur eine neue prokapitalistische Elite die Macht übernimmt. Die Veranstaltung zeigte auch, wie eng linke Kräfte in Frankreich und Algerien bereits im Kampf gegen den Kolonialismus verbunden waren und noch sind. So könnte eine erfolgreiche Bewegung in Algerien auch die Opposition in Frankreich ermutigen und umgekehrt.
https://www.heise.de/tp/features/Das-Schweigen-ueber-die-Ziele-der-Gelbwesten-und-die-Staatsgewalt-gegen-sie-4403752.html?seite=all
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 18:53:22 Sa. 20.April 2019
Zitat
Wir, die gelben Westen, die auf der Versammlung in Saint-Nazaire versammelt sind, verurteilen den antidemokratischen und ultraliberalen Charakter der europäischen Institutionen. Das von uns gewählte Europäische Parlament hat nicht einmal die Befugnis, ein Gesetz vorzuschlagen! Die Europäische Kommission entscheidet alles ohne demokratische Kontrolle. Die europäischen Institutionen stehen unter dem Druck von 25. 000 Lobbyisten allein in der europäischen Hauptstadt!

Im Gegensatz zum aktuellen Modell tragen gelbe Westen ein Modell der direkten Demokratie, bei dem das Allgemeininteresse Vorrang vor besonderen Interessen hat. Ein demokratisches Modell, bei dem sich unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen, Rechte, die Qualität unserer öffentlichen Dienste und unsere Umwelt endlich durchsetzen werden.

Unser Grundprinzip ist die Autonomie von Gruppen gelber Westen und Individuen im Allgemeinen. Deshalb haben wir uns entschieden, keine Empfehlungen zur Abstimmung oder gar zur Teilnahme an diesen Wahlen zu geben. Wir verurteilen alle Versuche, eine politische Liste im Namen der gelben Westen zu erstellen! Wir fordern gelbe Westen und Bürger auf, diese Wahlperiode zu einer wichtigen Mobilisierungsphase zu machen.

Wir schlagen vor:

Organisation einer Informations- und Sensibilisierungskampagne gegen die europäischen Institutionen und ihre liberale Politik, um diese Kurfürstenverkleidung zum Gespött zu machen. Wir setzen auf die Kreativität lokaler Gruppen, z. B. : Karneval, parallele Abstimmung in gelben Särgen, gelbe Beschilderung, gelbe Präsenz am Wahltag 26. Mai etc.

Wir schlagen den gelben Westen Belgiens vor, eine Konvergenz aller Völker in Brüssel mit zu organisieren. Denn wie auch immer das Ergebnis der Abstimmung ausfallen mag, man muss sich auf uns verlassen können! In diesem Kampf wird das Europa der Völker aufgebaut. Wir schlagen vor, dass alle Völker Europas diesen Aufruf annehmen, ihn in ihre eigene Sprache übersetzen oder als Inspiration für ihre eigene Arbeit nutzen. Indem wir einen koordinierten Kampf gegen unsere gemeinsamen Ausbeuter führen, werden wir die Grundlagen für ein brüderliches Verständnis zwischen den Völkern Europas und anderswo schaffen.

Quelle: https://www.rf-news.de/2019/kw16/aufruf-zum-handeln-und-zur-mobilisierung-fuer-den-zeitraum-der-europawahlen-gelbwesten-bewegung
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:50:52 So. 21.April 2019
Zitat
"Bringt Euch um" - Schock über Gelbwesten-Parole gegen Polizisten

Am Ostersamstag haben einige Protestierende bei der Gelbwesten-Demo in Paris den Sicherheitskräften, die ihnen Place de la République gegenüberstanden, zugerufen: "Bringt Euch um" ("Suicidez-vous"). Nicht nur Frankreichs Innenminister Christophe Castaner ist entsetzt. Er schreibt auf Twitter: "Schande über die, die sich zu etwas Beklagenswertem hinreißen lassen! Absolute Unterstützung für die eingesetzten Kräfte und ihre Familien. Die große Mehrheit der Franzosen, weiß, was sie ihnen schuldet."

Die französische Polizei bedankt sich aber auch auf Twitter für den Zuspruch, den sie im Internet nach der Gewalt an diesem Samstag in Paris bekommen hat. Es war am 23. Protestwochenende der Gelbwesten-Bewegung wieder zu Ausschreitungen gekommen.

28 Selbstmorde von ¨Polizisten in Frankreich seit Beginn des Jahres

Am Freitag hatten sich vor mehreren Polizeistationen in Frankreich Menschen versammelt, um der 28 Kollegen zu gedenken, die seit Anfang des Jahres Selbstmord begangen haben.

Euronews hat mit einem Vertreter der Polizeigewerkschaft über das Problem der Selbstmorde gesprochen. "2019 gab es 28 Selbstmorde, doppelt so viele wie im Vorjahr. Im vergangenen Jahr gab es an diesem Tag 14 Selbstmorde", sagte Frédéric Lagache, stellvertretender Generalsekretär der Gewerkschaft Alliance.

Am Donnerstag waren zwei weitere Selbstmorde publik gemacht worden.
...
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Quelle: euronews (https://de.euronews.com/2019/04/21/bringt-euch-um-schock-uber-gelbwesten-parole-gegen-polizisten)

Ohja, was ein Schock, die Polizei macht das Gegenteil dessen für was sie da sein sollte, sie bekämpft die Bevölkerung statt sie zu schützen!

Je suis Gilet Jaune
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 11:06:53 So. 21.April 2019
Ich hatte gestern hin und wieder in die Livestreams bei Youtbe geschaut.
Ich fand die Stimmung unter den Demonstranten wirklich gut. Mich nervt stets das Tragen der Trikolore. Natürlich singen sie die Marseillaise. Oft zu hören war aber auch "A! A! Anticapitalista!" und "Revolution! Revolution!".

Die Bullen haben Gummigeschosse und Tränengas verschossen wie die Weltmeister. Besonders brutal gingen Bullen in zivil, aber mit Polizeihelmen vor. Mir fiel auf, daß viele weibliche Beamte mit Gummigeschossen auf Demonstranten geballert haben.

Der kommende Samstag sollte ein ganz besonderer werden: Am 27. April wollen auch die Gewerkschaften und die linke Partei La France insoumise mitdemonstrieren.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 11:32:37 So. 21.April 2019
Heer, Polizei und Gefängnisse sind die hauptsächlichen Machtmittel der Staatsgewalt. So lernen die Gelbwesten den Feind kennen.

Wenn wir die Kapitalisten enteignen wollen, dann müssen wir Heer, Polizei und Knäste besiegen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 12:20:16 So. 21.April 2019
Das ist richtig.
Wir sollten aber nicht auf die militärische Konfrontation setzen. Ich stehe nicht auf Blutbäder.

Ich halte das Mittel der Subversion für geeigneter.
Man muß Bullen und Soldaten klar machen, daß die auch nur Teil der Bevölkerung, der einfachen Menschen sind. Sie tun da ihren Job, doch vertreten sie nicht ihre eigenen Interessen, sondern die der Herrschenden. Sie können diesen Job verweigern.

Als die Matrosen 1918 ihre Arbeit verweigerten, gelang ihnen im Zusammenschluß mit Arbeitern eine Revolution. Sie beendeten Monarchie und Krieg, sie führten Demokratie und Frauenrechte ein. Die Gewalt ging von reaktionären Kräften (unter Führung des Sozialdemokraten Noske) aus.

Bei der Revolution im Iran, die 1979 das Shah Regime stürzte, fiel kaum ein Schuß. Die Soldaten weigerten sich auf die Bevölkerung zu schießen.

Bei den momentanen Unruhen im Sudan fanden große Sitzblockaden vor einem Armeequartier statt. Die Armeeführung befürchtete die Befehlsgewalt über die Soldaten zu verlieren und gab Forderungen der Demonstranten nach und sorgte für die Absetzung des Staatschefs. Demonstranten umarmten die solidarischen Soldaten. Soldaten feierten gemeinsam mit den Demonstranten.

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: counselor am 13:21:54 So. 21.April 2019
Ich bin mir sicher, dass in einer revolutionären Situation Teile des staatlichen Gewaltapparats zur Revolution überlaufen werden.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:41:07 So. 21.April 2019
In den 60er und 70er Jahren sind viele Linke bewußt in die Bundeswehr gegangen um den Gebrauch der Waffe zu erlernen, aber auch um den Apparat, Untertanengeist und Gehorsam zu unterwandern.

Heute sind es nahezu nur die Rechten, die den direkten Kontakt mit Armee und Polizei pflegen.

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Frauenpower am 09:08:44 Mo. 22.April 2019
@Counselor: das könnte ich mir auch vorstellen, ähnlich geschah das ja jetzt aktuell in Algerien, wo gegen den ü80-Präsidenten Bouteflica demonstriert wurde:
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-03/abdelaziz-bouteflika-algerien-armee-militaer-putsch-demonstrationen-verfassung-neuwahl
Zitat
Algeriens Armee sieht sich auf der Seite des Volkes
Das algerische Militär fordert die Absetzung von Präsident Abdelaziz Bouteflika, ein Putsch soll das nicht sein. Das Potenzial für eine heikle Eskalation ist aber da.

Inzwischen ging die Gelbwesten-Bewegung zum 23. Mal auf die Straße! Passend war doch der Demospruch "Nous sommes toutes des cathédrales" ("Wir sind alle Kathedralen") weil ja schwups mehrere hundert Millionen Euro von Milliardären aus dem Ärmel geschüttelt werden konnten für den Aufbau von Notre Dame. Für Arme sei aber kein Geld da. Unter den Spendern sind  Millionärs / Milliardärs-Familien wie L´Oréal.

Zitat
Nach dem Feuer hatten französische Milliardärsfamilien immense Summen versprochen. "Was "Notre Dame" betrifft, so ist es gut, dass die Milliardäre 1 Milliarde Euro finden konnten, aber 140.000 Obdachlose, das interessiert niemanden!", heißt es in dem Facebook-Aufruf weiter. "Wieder einmal ist die Bedrohung ernst und erfordert verstärkte Maßnahmen", sagte Innenminister Christophe Castaner und kündigte ein großes Sicherheitaufgebot an.
https://web.de/magazine/panorama/grosser-regenschirm-notre-dame-33666716
Vielleicht können in Frankreich Spenden ja auch gewinnmindernd als Betriebskosten anerkannt werden, so dass sie weniger Umsatzsteuer zahlen müssen (bin nur Laiin was das  Thema Steuerrecht betrifft und was Frankreichs Steuerrecht betrifft sowieso).

Zitat
Der deutsche Filmemacher Wim Wenders sagte der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass er geweint habe, als er die Rauchsäule am Montagabend gesehen habe. "Ich war schon tausend Mal auf dem Platz", sagte der 73-jährige Regisseur. "Ich war schon hundert Mal drin", fügte er hinzu. Er habe gemerkt, wie sehr er einem Gebäude, das die Ideen von Frieden verkörpert, verbunden sei.
https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.aerger-ueber-millionenspenden-grosser-regenschirm-fuer-notre-dame.bc52a6c4-58bf-4095-83c7-9008120318bd.html
hab spaßeshalber mal gegooglet nach "Wim Wenders und Gelbwesten", aber nichts gefunden, vielleicht findet ihr was, ich will ja schließlich nicht selektiv erscheinen^^ und klar kann jede,r kommentieren, was er oder sie will, ich aber achte schon gern mal darauf wer was und ob überhaupt zu was kommentiert hihi

Schlagzeilen der diessamstägigen Gelbwesten - Demos:
Zitat
Staatsanwaltschaft ermittelt nach Suizid-Aufforderung an Polizisten
"Bringt euch um": Sprechchöre von "Gelbwesten" in Paris in Richtung Polizei rufen die Behörden auf den Plan. Auch Politiker und Gewerkschaften sind empört.
https://www.tagesspiegel.de/politik/slogans-bei-gelbwesten-protest-staatsanwaltschaft-ermittelt-nach-suizid-aufforderung-an-polizisten/24241732.html

zur Kathedrale: klar, ist es schade mit Notre-Dame, aber Menschen sind nicht unwichtiger als Gebäude



Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:05:43 Mi. 24.April 2019
In Windeseile öffnen Milliardäre und Millionäre ihre Spendenschatullen. Ein probates Mittel, um den Klassenhass zu schüren.

Das große Wir-Gefühl durch die Notre Dame wird nur von unseren Drecksmedien zusammengeschrieben. Real ist es nicht.

Zitat
Notre Dame und das schnelle Geld

(https://media1.faz.net/ppmedia/aktuell/politik/ausland/3732921619/1.6150279/format_top1_breit/du-hast-keine-100-steine-fragt.jpg)
„Du hast keine 100 Steine?“, fragt ein Teilnehmer der Gelbwesten-Proteste vor einer Polizeisperre. Die Bewegung will die Regierung daran erinnern, dass das Geld an wichtigeren Stellen als dem Wiederaufbau von Notre Dame gebraucht werde.

Einige der reichsten Franzosen finanzieren quasi über Nacht den Wiederaufbau der Kathedrale. Das passt vielen Franzosen nicht, ein „Wir“-Gefühl bleibt aus. Stattdessen heizt die Frage nach dem Geld die Gelbwesten-Proteste an.
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/gelbwesten-proteste-in-frankreich-notre-dame-und-das-geld-16150257.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:39:55 Mi. 24.April 2019
Schön daß die Spenden doch noch einem guten Zweck dienen.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: CubanNecktie am 11:12:19 Mi. 24.April 2019
Ist bei uns leider nicht besser, schaut man sich u.a. die Armut und Wohnungsnot an und auf der anderen Seite den Schwachsinn und Verschwenudung wie "Stuttgart 21", "Elbphilharmonie" .... "Mangergerhälter", "Polkitikerdiäten" und und und an ...
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:20:06 Mi. 24.April 2019
Haha! Das ist wohl nach hinten losgegangen.

Zitat
Umstrittene Großzügigkeit

(https://img.zeit.de/politik/ausland/2019-04/frankreich-proteste-gerechtigkeit/cinema__1000x428)
Wir sind auch entflammbar!

Millionen für die Kathedrale von Notre-Dame, aber nichts für Bedürftige? Das Spendenverhalten der Superreichen hat in Frankreich eine Gerechtigkeitsdebatte ausgelöst.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-04/frankreich-notre-dame-kathedrale-grossspenden-gerechtigkeit-debatte
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 07:40:39 Do. 25.April 2019
Zitat
Die Französinnen und Franzosen haben sich damit nicht abgefunden. Das wissen sicherlich auch die Familien Pinault und L'Oréal. Vielleicht haben sie daher, in dem Moment der nationalen, schichtübergreifenden Trauer um die Kathedrale, sich ganz bewusst großzügig gezeigt. Schließlich kündigten sie sogar an, ihre Spende ausnahmsweise nicht von der Steuer abzusetzen.
DAS halte ich für ein Gerücht !

Zitat
Auf eine dankende Plakette am historischen Bau werden sie aber voraussichtlich vergeblich warten.
Ne. Die kriegen ihre Plakette. Spätestens 2 Tage nach Fertigstellung.
Mein Wort drauf.  >:(
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Onkel Tom am 08:42:17 Do. 25.April 2019
Jaja, die Bonzen wieder im Wahn, sich irgendwie "unsterblich" machen zu wollen und wenn
es "nur um seinen Namenszug auf einer Messingplatte der Mäzen lesen zu können" geht"..
In dieser Richtung war die Kirche im allgemeinen schon immer gnädig a la:Von wo der Silberling
rollte, darf in unseren "geheilgten Hallen" ehrenhaft erwähnt werden..  :o

Mansche machen sich nun ein Namen und Macron geht schon fast so ab, wie Lui der 14.te,
bevor er sein Kopf verlor  ???
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 19:45:36 Sa. 27.April 2019
Heute war wohl u.a. in Paris und Strassbourg ordentlich was los und Makrone hat seinen Skiurlaub unterbrochen und ist nach Frankreich.

Auf einem Transparent stand: "Die Jugend auf der Galeere, die Alten in der Misere"

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 09:25:04 So. 28.April 2019
Ich habe mich gestern mit jemandem unterhalten, der gerade Besuch von einem Aktivisten aus Frankreich hatte. Es sind somit auch keine 1.Hand-Informationen, aber doch andere, als man sie aus den Medien bezieht.

Er sagte, die Beteiligung der Gewerkschaften und der französichen Linkspartei "La France insoumise“  (Unbeugsames Frankreich) käme daher, daß sie sich gezwungen sahen sich den Protesten anzuschließen, da sie sonst den Eindruck hinterließen, sie hätten den Anschluß zu den realen sozialen Auseinandersetzungen im Land verloren. Auch wenn die deutschen Medien versuchen einen anderen Eindruck zu vermitteln, bleiben die Gilets Jaunes eine feste Größe in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Die Gelbwesten ziehen es vor, ihre Proteste zwar abgesprochen, aber unangemeldet durchzuführen. Bei einem vorangegangenen Protest schloß sich auch die Gewerkschaft CGT an, jedoch mit einem angemeldeten Marsch. Vor Ort gestaltete es sich so, daß es zwei getrennte Protestmärsche gab. Sonderlich flexibel und spontan sind die traditionellen Organisationen scheinbar nicht.

In unseren Medien erfährt man auch nichts darüber, daß zahlreiche Mautstationen von Gelbwesten besetzt worden sind. Die sind zum Teil durch die Polizei geräumt worden, wurden dann aber erneut besetzt. Das kommt bei den Autofahrern wohl recht gut an. Man nimmt dafür auch Staus in Kauf, um Flugblätter von den Gelbwesten entgegenzunehmen und sich von ihnen vollabern zu lassen, dafür kommt man kostenlos über die Autobahn.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: ManOfConstantSorrow am 13:08:24 So. 28.April 2019
Zitat
Auch die Kommunistische Partei, die Neue Antikapitalistische Partei und die Linkspartei La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich/LFI) unterstützten den Protest.

"Es ist gut, dass wir heute zusammen mit dem Gewerkschaftsbund hier sind", sagte Benbassa und fügte hinzu, die politische Linke müsse zusammenhalten.

Für die nächsten Wochen sind weitere Demonstrationen geplant. Für den 1. Mai sind gemeinsame Großkundgebungen der Gewerkschaften geplant. Die 5,5 Millionen Mitglieder sind zudem am 9. Mai zu einem Aktions- und Streiktag aufgerufen.
https://derstandard.at/2000102155247/Gelbwesten-demonstrieren-mit-Gewerkschaftern-und-linken-Parteien
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:53:21 Mi. 01.Mai 2019
https://youtu.be/Vzl6m_2_YH8
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:01:29 Do. 02.Mai 2019
Zitat
Polizeigewalt in Frankreich
Über 30 Journalisten erstatten Anzeige

Frankreichs Journalistengewerkschaften kritisieren, dass die Polizei Journalisten bei Demonstrationen der Gelbwesten angreift und willkürlich festnimmt. Der Regierung werfen sie vor, solche Verstöße gegen die Pressefreiheit systematisch zu decken.
https://www.deutschlandfunk.de/polizeigewalt-in-frankreich-ueber-30-journalisten-erstatten.2907.de.html?dram:article_id=447619
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 12:37:17 Fr. 03.Mai 2019
Macrons Lieblingsrestaurant.

(http://img.over-blog-kiwi.com/1/04/43/04/20190502/ob_b6a1f3_media-xll-10862489.jpg)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:10:44 Sa. 04.Mai 2019
EINS:EINS Die Geschichte der Gelbwesten mit Peter Wahl (Attac)
https://youtu.be/UIL2pudNeu8
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 13:48:28 So. 05.Mai 2019
Ich bleibe oft bei den Livestreams von den Gelbwestenprotesten hängen.

Es gibt kein vertun: Die Teilnehmerzahlen sind gesunken.

Zitat
"Ein bisschen ist die Luft raus", sagte der 61-jährige José beim "Gelbwesten"-Protest in Bordeaux und attestierte sich und seinen Mitstreitern eine gewisse "Ermüdung". "Seit 25 Wochen haben wir unser Leben zwischenzeitlich auf Eis gelegt, um mindestens eine Art Würde wiederzuerlangen", sagte er weiter.
https://www.welt.de/newsticker/news1/article192954777/Wahlen-Teilnehmerzahl-bei-Gelbwesten-Protest-sinkt-auf-niedrigsten-Stand-seit-Beginn.html#

Anderseits finde ich die Stimmung und den Mut der Demonstrierenden immer wieder mitreißend.
Die Menschen haben mit dem System, zumindest aber mit der Regierung Macron, abgeschlossen. Sie lassen sich nicht weiter einbinden und mit leeren Versprechen um den Finger wickeln.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Frauenpower am 16:07:19 Fr. 10.Mai 2019
na, ob die Polizisten wohl das Restaurant selbst mal zum speisen besuchen können, womöglich mit ihrer Familie? Vielleicht einmal im Monat? Das sie jetzt in der etwas komisch aussehenden Vielzahl verteidigen?
Unmittelbar nach Notre Dame, soll es eine Demonstration von Obdachlosen davor gegeben haben. https://www.youtube.com/watch?v=7hZVQGodMuY
auf einem der Plakate: "Notre-Dame ist ohne Dach, wir auch"
Zitat
Obdachlose kritisieren Millionenspenden für zerstörte Kathedrale
In Paris haben Demonstranten das große Spendenaufkommen nach dem Brand der Kirche Notre-Dame angeprangert. Sie verlangten ein Dach auch für Menschen ohne Wohnung.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-04/notre-dame-kathedrale-schutz-notdach-obdachlose-demonstration-paris

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: dagobert am 17:45:28 Fr. 10.Mai 2019
Unmittelbar nach Notre Dame, soll es eine Demonstration von Obdachlosen davor gegeben haben. https://www.youtube.com/watch?v=7hZVQGodMuY
auf einem der Plakate: "Notre-Dame ist ohne Dach, wir auch"
Zitat
Obdachlose kritisieren Millionenspenden für zerstörte Kathedrale
In Paris haben Demonstranten das große Spendenaufkommen nach dem Brand der Kirche Notre-Dame angeprangert. Sie verlangten ein Dach auch für Menschen ohne Wohnung.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2019-04/notre-dame-kathedrale-schutz-notdach-obdachlose-demonstration-paris
Läuft doch hier in D nicht anders.
Da wurden hunderte Milliarden Euro für die "Bankenrettung" rausgeschmissen - aber wenn ein Bruchteil davon benötigt wird, um mal die Obdachlosen von der Straße zu holen, dann ist angeblich kein Geld da.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 22:03:20 Sa. 11.Mai 2019
Mal sehen, wann die Banken mal wieder "gerettet" werden.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:46:04 So. 12.Mai 2019
Niemalsnienicht, unsere erfolgreichste Regierung aller Zeiten hat die Banken Bombensicher solide gebastelt, da kann nichts mehr passieren, echt jetzt.
Oder ist das so eine unfaire Erwartung der Wähler an längst vergangen Versprochenes.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:30:11 Mo. 13.Mai 2019
https://youtu.be/zf_Mz-yeYs4

Jetzt auch mit deutschen Untertiteln:

https://de.labournet.tv/akzeptierend-ein-tropfen-zu-sein-wirst-du-ozean
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 15:25:37 Mo. 13.Mai 2019
Danke.

Die englischen UT sind schon sehr hilfreich, wenn man des Französischen nicht kundig ist.  ;)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:20:02 Mi. 15.Mai 2019
Zitat
Gelbwesten auf der Bühne

Anhänger der »Gelbwesten«-Bewegung haben die Verleihung des renommierten Molière-Theaterpreises in Paris empfindlich gestört. Sie seien über das Dach auf die Bühne vorgedrungen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Zeremonienmeister Jean-Marc Dumontet. Der Vorfall ereignete sich am Montag abend zu Beginn der Verleihung im Varietétheater »Folies Bergère«. Der »Molière der Schande« gehe an Macron und seine Regierung, erklärten Vertreter der Gelbwesten. Dem an der Verleihung beteiligten französischen Kulturminister Franck Riester warfen sie vor, landesweit das Kulturbudget zusammenzustreichen.
https://www.jungewelt.de/artikel/354857.gelbwesten-auf-der-b%C3%BChne.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:31:18 So. 19.Mai 2019
Gelbwesten demonstrieren in Frankreich, Proteste auch gegen Monsanto

In Frankreich sind erneut Tausende Anhänger der Gelbwesten-Bewegung auf die Straße gegangen. Proteste fanden in mehreren Städten statt, in Reims ist es nach Berichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frankreich zu Ausschreitungen gekommen.

In Paris, Toulouse und Bordeaux demonstrierten auch Hunderte Menschen gegen den Pestizidhersteller Monsanto, eine Tochter der deutschen Bayer AG. Kürzlich war bekanntgeworden, dass im Auftrag des Konzerns detaillierte Listen mit politischen Gegnern und Kritikern erstellt wurden.

https://youtu.be/qgmAlouWsPU
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Frauenpower am 19:06:28 Di. 21.Mai 2019
@ dagobert #423: ja, stimmt ! :(

@ Kuddel: das fand ich gut, dass die auch gegen Monsanto auf die Straße gingen. In Frankreich soll eine Liste entdeckt worden sein, in der Monsanto Konzern-Gegner- und Kritiker_innen geführt haben soll.

Für mich ist es sowieso unverständlich, dass Bayer Monsanto gekauft hat, denn Monsanto hatte davor doch schon massive Kritiker! Die Geldgier muss blind gemacht haben! Inzwischen haben sie Milliarden-Euro Strafen als Schadenersatz für erkrankte Kläger_innen zu zahlen.

Es gibt eine website, die sich gegen die Gefahr von Bayer einsetzt: http://www.cbgnetwork.org/

Etwas, dass laut wikipedia auch von dem Multitalent und Viel-Engagiertem Konstantin Wecker unterstützt wird:
Zitat
Er unterstützt auch die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG).
https://de.wikipedia.org/wiki/Konstantin_Wecker

war wohl eine weltweite anti-Monsanto-Demo an dem Tag - der "March against Bayer"

Die Gelbwesten gingen jetzt wohl inzwischen den sechsten Monat auf die Straße. Die Meldungen, dass die Zahl der Demonstrant_innen weniger würde ist meine ich lediglich Wunschdenken mancher Leute, die das gerne hätten.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:10:01 Fr. 31.Mai 2019
Unsere Medien bringen bestenfalls die Meldung: Beteiligung an den Protesten wieder gesunken.

Es ist hierzulande kaum möglich, sich ein Bild zu machen von der Situation in Frankreich.
Morgen steht der nächste Protest an. Ich haue hier ein paar Meldungen vom letzten Wochenende rein.

Zitat
Amiens war an diesem Samstag, 25. Mai 2019 das Zentrum der Gelbwesten-Proteste – und der Polizeirepression, die keinen Ausnahmezustand mehr darstellt, sondern polizeistaatlichen Alltag in ganz Frankreich. In Amiens versuchte die Polizei, die Demonstration erst gar nicht beginnen zu lassen, sondern agierte von Beginn an mit Festnahmen. Bei den über 70 vollzogenen Festnahmen waren nicht nur Minderjährige, sondern auch GewerkschafterInnen.
http://www.labournet.de/?p=149388

Überblick über die Städte in Frankreich, in denen die Polizei die Aktionen der Gelbwesten angegriffen hat. Die Dokumentation besteht sowohl aus einer Reihe von Videoberichten aus verschiedenen Orten, als auch einer Zusammenstellung diverser Medienberichte quer durchs Land: https://berthoalain.com/2019/05/26/gilets-jaunes-affrontements-25-mai-2019/
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:42:20 Sa. 01.Juni 2019
Ich habe eben mal kurz in die Youtube Übertragungen der Gilets Jaunes geschaut.
Bei den Straßenprotesten scheint die Luft ziemlich raus zu sein.

Ich war vor kurzem auf einer Gelbwestenveranstaltung. Werde dieser Tage mal davon berichten.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:09:23 So. 02.Juni 2019
Paris : Gilets jaunes se mobilisent pour le 29e acte de leur mouvement
https://youtu.be/B2CM0uptV7E

Schwer abzuschätzen wie viele, auf jeden Fall entspannt und ob das wiederum ein gutes Zeichen ist bezweifel ich leider.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 08:51:23 Di. 04.Juni 2019
In Frankreich gibt es nicht nur die Gelbwesten, es finden auch andere Kämpfe statt.

Zitat
Größte Nutella-Fabrik weltweit steht still

Die Mitarbeiter der größten Nutella-Fabrik der Welt fordern mehr Geld. Dort streiken seit knapp einer Woche etwa 160 Menschen. Nun werden die Zutaten knapp, sagte ein Gewerkschaftsführer.


Die größte Nutella-Fabrik der Welt steht wegen eines Streiks weitgehend still. Rund 160 Mitarbeiter des Werks im nordfranzösischen Villers-Ecalles seien im Ausstand, teilten Gewerkschaftsvertreter am Montag mit. Sie fordern rund 4,5 Prozent mehr Geld und eine Prämie von 900 Euro pro Mitarbeiter.

Die Nutella-Produktion sei weitgehend zum Erliegen gekommen, sagte Fabrice Canchel von der Gewerkschaft Force Ouvrière (FO). Die Mitarbeiter blockierten seit fast einer Woche die Zugänge zu dem Werk in der Normandie, und deshalb würden auch die Zutaten knapp.

"Kein Lieferwagen kommt mehr in die Firma"

"Kein Lieferwagen kommt mehr in die Firma oder verlässt sie", betonte Canchel. Betroffen sei nicht nur die Produktion der Nuss-Nougat-Creme, sondern auch die von Schokoriegeln der Marke Kinder Bueno. Die Geschäftsleitung nannte die Blockade in einer internen E-Mail "illegal".

Das Werk in Villers-Ecalles produziert normalerweise rund 600.000 Nutella-Gläser am Tag, das ist ein Viertel der weltweiten Produktion. Zuletzt hatte die Fabrik im Februar Schlagzeilen gemacht. Damals war von "Qualitätsproblemen" die Rede. Worum es sich handelte, wurde nicht mitgeteilt. Das Werk gehört zu dem italienischen Süßwarenkonzern Ferrero und beschäftigt rund 400 Menschen.
https://www.t-online.de/finanzen/id_85866426/frankreich-groesste-nutella-fabrik-der-welt-steht-still-wegen-streiks.html

Interessant ist auch, wie gestreikt wird. Auch wenn nur ein Teil der Belegschaft die Arbeit niedergelegt hat, wurde der Produktionsstillstand sichergestellt durch die Blockade der Zugänge. Das Management kräht irgendwas von "illegal", doch die Streikenden machen es einfach.

Das möchte ich hier so manchem aus der chefduzen Community unter die Nase reiben, der immer Argument, dies oder jenes ginge nicht, weil es ja nicht erlaubt sei.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:13:10 Sa. 15.Juni 2019
Es ist inzwischen ein paar Wochen her, daß ich die Gelbwestenveranstaltung besucht habe. Eine Veranstaltung über die Gelbwesten. Es war eine Aktivistin aus Paris da und ein deutscher Gewerkschafter, der sich seit Jahren um den solidarischen Austausch mit Frankreich verdient genacht hat.

Auch wenn beide mach unterschiedliche Einschätzung hatten, waren sie sich einig, daß man sich nicht im entferntesten ein realistisches Bild von der Bewegung machen könnte durch die Berichterstattung der deutschen Medien.

Ich habe im Hintergrund den youtube Stream laufen von dem 31. Marsch der Gelbwesen in Paris. Noch immer schieben sich Tausende durch die Straßen. Langsam ist es Sommer. In den Sommerferien sollte der Ofen aus sein. Den Franzosen sind ihre Sommerferrien heilig. Dafür würden sie alles ausfallen lassen. Im sommer kann man mit denen keine Revolution machen.

Die Frau aus Paris war absolut euphorisch. Für sie ist die Gelbwestenbewegung von ungeahnter Bedeutung. Der Gewerkschafter warf ein, daß die Forderungen aber nicht über die der SPD unter Willy Brandt hinauskämen. Mehr Soziales, mehr Kaufkraft, mehr Demokratie wagen.

Es war aber für alle eine Überraschung, daß die Bewegung aus dem Nichts entstanden ist. Hauptsächlich in der Pampa, wo sich werder Politiker noch linke Aktivisten um die Menschen kümmern. Die meisten von ihnen hatten sich nie politisch engagiert und noch nie an einer Demo teilgenommen. Und plötzlich wollten sie nicht weniger, als die Regierung stürzen.

Die Eliten machten sich ins Hemd. Sie bekamen Angst, daß es ihnen an den Kragen geht und das im Wortsinne. Marcron ließ sich einen Hubschrauber bereitstellen, um notfalls die Fliege machen zu können. Das Besondere war auch, daß die Gilets Jaunes Stellvertreter ablehnen. (Gerade in diesem Moment drehen die Bullen am Rad. Greifrupps rennen los und es wird wieder in die Menge geballert.) Sie lernen alles neu. sie lehnen das hochtrabende Gequatsche linker Poltitnics ab. Wollen alles in einfacher, normaler Sprache ausdrücken. Lernen zu diskutieren, Flugblätter und Plakate zu machen. Sie ließen sich nicht kaufen und nicht einschüchtern. Es reden Leute miteinander, die nie miteinander geredet haben.

Die Aktivistin aus Paris sagte, wenn man Verlautbarungen von den Gelbwesten hört, sollten man aufpassen bei dem Wort "peuple". Da würde man sich an das pegidamäßige "wir sind das Volk" erinnert fühlen, doch die Gilets jaunes haben nichts mit dieser nationalistisch ausgrenzenden völkischen Bewegung zu tun un man sollte den Begriff eher phonetisch übersetzen mit "Pöbel". Man meint mit "peuple" die einfachen Leute im Gegensatz zur Elite. Diesen Gegensatz leben sie als Bewegung mit aller Radikalität. Sie wollen für sich selbst sprechen und sich durch niemanden vertreten lassen.

Diese Erfahrung wird bleiben, auch wenn die regelmäßigen Märsche im Sommerloch ihr Ende finden sollten.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:39:42 Do. 20.Juni 2019
Jetzt, da die Gilets Jaunes langsam im Sommerloch verschwinden, schlägt Macron wieder zu:

Zitat
… Am gestrigen Dienstag, den 18. Juni 19 nun ließ selbiges Regierungslager die Katze aus dem Sack, was die seit mehreren Monaten erwartete „Reform“ der Arbeitslosenversicherung betrifft.
   
  • Es wird schwerer werden, überhaupt zum Kreis der Anspruchsberechtigten zu zählen. Bislang musste ein/e Lohnabhängige/r mindestens vier Monate lang während der letzten 28 Monate gearbeitet haben, um einen Anspruch auf Unterstützung (in diesem Falle für ebenfalls vier Monate) zu besitzen. Künftig werden es – ab dem 1. November 19 – mindestens sechs Monate innerhalb eines kürzeren Zeitraums, 24 Monate, sein. Diese Regel würde bei derzeitiger Anwendung rund eine Viertelmillion Lohnabhängige von ihrem derzeit bestehenden Anspruch ausschließen.
  • Bislang konnte eine Person, die anspruchsberechtigt war, jedoch einen Job fand (aber etwa als befristeten Vertrag oder in einer Probezeit, die vielleicht nicht weiterging) ihre Ansprüche behalten und durch die zwischenzeitliche Erwerbsarbeit zeitlich hinausschieben, wenn sie mindestens einen Monat lang arbeitet. In diesem Falle erhielten sie während des betreffenden Monats keine Unterstützung, da sie vom Lohn oder Gehalt leben konnten, verloren jedoch auch den Unterstützungsanspruch auch nicht, sondern konnten diesen in die Zukunft hinein verschieben. Dafür werden jedoch künftig sechs Monate Erwerbsarbeit am Stück STATT eines Monats erforderlich sein. Ansonsten entfällt eben das Recht auf Unterstützung für die Zeit, in welcher der/die Erwerbslose sich das Geld selbst erarbeitet, ersatzlos. Das Arbeitsamt dankt Ihnen, dass Sie sich selbst finanziert haben!
  • Die „Degressivität“, also die Abnahme der Höhe der Arbeitslosenunterstützung nach einem bestimmten Zeitraum, wird wieder eingeführt, jedoch (vorläufig?!?) nur für die cadres oder höheren Angestellten. Ihre Leistung wird nach sechsmonatiger Dauer um gleich dreißig Prozent reduziert
   
http://www.labournet.de/?p=150513
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 18:48:21 Do. 20.Juni 2019
Ist vielleicht gar nicht so schlecht das Macron sofort loslegt wenn es ruhiger wird.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:21:59 Mo. 24.Juni 2019
(https://www.deutschlandfunk.de/media/thumbs/1/1eb1d21da21beb321aa5881ceccb07dev1_max_720x405_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg?key=737c55)

Laut Innenministerium stieg die Zahl der Beteiligten nach einem Tiefstand am vergangenen Samstag wieder leicht an – auf rund 12.000 Protestierende. Die Bewegung selbst teilte auf Twitter mit, es seien mehr als 25.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewesen. Größere Kundgebungen wurden aus der Hauptstadt Paris und der Hafenstadt Marseille berichtet. In den französischen Ardennen wurde dem Fernsehsender France Info zufolge ein Polizist verletzt und mehrere Aktivisten in Gewahrsam genommen.

https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-wieder-etwas-mehr-zulauf-bei-den-gelbwesten.1939.de.html?drn:news_id=1020177
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 12:10:13 Di. 25.Juni 2019
Es scheint ein Fehler zu sein, vorschnell das Interesse an den Gilets Jaunes zu verlieren.

Der Konflikt schwelt weiter und ist von größerer politischer Bedeutung, als unsere Medien es je zugeben würden.

Das Video über eine Mautstationsbesetzung am letzten Samstag ist interessant.
https://youtu.be/EYB41cBHFbI
Das Kohlescheffeln mit privatiserten Autobahnen ist für einen Tag gestoppt. Man macht sich bei den Autofahrern beliebt, die so Geld sparen.

Ich weiß nicht, ob der Anzugträger ein Lokalpolitiker ist. Ich vermute, er ist ein Manager des Mautbetreibers. Er kommt vor Ort nicht gut an. Die Polizei hat Probleme ihn zu beschützen. Die Gelbwesten sind sehr bemüht Verhaftungen zu verhindern und Verhaftete wieder freizukriegen. Der Anzugträger kriegt ernsthaft Muffensausen. Solche Bilder geben Hoffnung.

Hier noch mehr, von dem man nichts in unseren Medien hört:

Ein paar Auszüge aus einem Twitterkanal, den ich nicht ganz koscher finde:

Zitat
Gesang statt Gebühr
Im Rahmen des Programms zur Mobilitätsverbesserung lohnte gestern in der Provence wieder die Autobahnfahrt. Stillegung von Mautstellen gehört zum Programm der Bürgerproteste in #Frankreich.

(https://pbs.twimg.com/media/D9Zq8ZaXoAEQQf-.png)

Der TV-Reporter wurde zuhause verhaftet, weil er einen Protest #Gelbwesten gefilmt hatte. Die gestohlene Ausrüstung erhält er nicht zurück: "Schlüssel nicht zu finden".

Inzwischen haben 34 Journalisten Strafanzeige erstattet gegen Polizei in #Frankreich, denen dort auch teure Ausrüstung gestohlen wurde. Die Vorfälle sind systematisch, so J. Assous, die Klagevertreterin.

Seit Dezember 2018 halten antifaschistische #GiletsJaunes ein Haus besetzt - das „Maison du Peuple“ ist seitdem ihr Social Center.

(https://pbs.twimg.com/media/D9xEtuKX4AEy3cv.jpg)

Zum Beginn der Bürgerproteste in #Frankreich waren in kurzer Zeit ein Dutzend Tote unter Demonstranten durch "Verkehrsunfall". In einem Fall wird jetzt erwiesen, daß der Fahrer des Wagens ein Polizist war.

(https://pbs.twimg.com/media/D9k49ePXYAAUqjK.png)

Eine Protestaktion im Euro-Disneyland #Paris sorgt heute für kostenlose Parkplätze.

(https://pbs.twimg.com/card_img/1142350571409723392/eG23fpAc?format=jpg&name=600x314)

Störaktion der Bürgerproteste in #Brive bei @Carrefour, zweitgrößte Marktkette der EU. Ein neuer Manager will seit Januar mit Kündigungen und Lohnsenkungen den Profit der Aktionäre steigern.

(https://pbs.twimg.com/media/D9wcdLbXUAIlObN.png)

In #Marseille waren heute noch einige Banken von der gestrigen #GiletsJaunes Großdemo verpackt, aber längst nicht so viele wie in Toulouse.

(https://pbs.twimg.com/media/D9xElpNWsAE_jXD.jpg)

In #Toulouse wird der britische Textildiscounter @Primark (Gruppe ABF) blockiert, das Geschäft schließt. Der Konzern, der aus verdoppeltem Umsatz verdreifachten Gewinn holt steht wegen Ausbeutung in der Kritik.

(https://pbs.twimg.com/media/D9q3KA7WsAE-jfN.png)



Nach 3 Toten bei einem Hausbrand in Paris drohen 40.000 Beschäftigte der kaputtgesparten Berufsfeuerwehr in #Frankreich mit baldigem Streik.

(https://pbs.twimg.com/card_img/1142512410777047040/TvKvRQMl?format=jpg&name=600x314)

Streikankündigung

Der Protest von Berufsfeuerwehr #Frankreich ist eskaliert. Bereits heute wurde der Streik beschlossen von 8 Gewerkschaften. Das Innenministerium wurde informiert. Beginn ab Mittwoch für über 2 Monate.



Der Neoliberalismus im Gewaltregime #Macron ist brutalst mögliche Form des Mißbrauchs von Erwerbstätigkeit. 84 Notfall-Ambulanzen in #Frankreich sind schon vor dem Wochenende in den Streik gegangen.

(https://pbs.twimg.com/card_img/1142112719556030464/cBuVVIll?format=jpg&name=600x314)

"Ein Hospital ist kein Geschäft, Patienten keine Ware" In #Bergerac hat sich Ambulanzpersonal dem Streik angeschlossen.

(https://pbs.twimg.com/card_img/1141430908236513281/ogdmN4__?format=jpg&name=600x314)


Am Samstag war ein Musikfest der Stadt, die angegriffene Techno-Gruppe eine private Alternativaktion. Der vermißte Canico konnte nicht schwimmen. In der Nacht wurde noch ein Körper im Wasser treibend gesehen.

(https://pbs.twimg.com/media/D92H4zHXsAA83F8.png)

Der nächtliche Überfall der CRS-Schlägerbande wird in der Regionalpresse gemeldet. Es sei ein Einsatz gegen eine "Techno-Party" gewesen. Lediglich "Ultra-Linke" würden jemanden davon vermissen.

(https://pbs.twimg.com/media/D91hz8EWkAEKKDB.png)


Der Präfekt von #Nantes hat zugegeben, daß Samstag nacht CRS-Polizei 14 Jugendliche einer Musik-Party in die Loire geworfen hat. Die Redaktion erwähnt ebenfalls, daß seitdem eines der Opfer vermißt wird.
https://twitter.com/hashtag/giletsjaunes?lang=de&lang=de&lang=de
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 13:08:19 Di. 25.Juni 2019
Der Groll ist nicht verschwunden nur weil die Presse seit Protestbeginn nicht müde wird die Totenglocke zu bimmeln.
Die Medien beeinflußen uns leider mehr als uns bewußt ist.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 16:40:08 Sa. 29.Juni 2019
Hat Russian Television seine Youtube Livestreams von den Gilets Jaunes aufgegeben?

Finde gerade nur etwas bei einem französischen Anbieter:

https://www.youtube.com/watch?v=pSBIq2pTH9c

Ansonsten nochmal ein paar Nachrichtenfetzen von Twitter:

Zitat
In der Uni-Klinik von #Besancon mit 6.000 Angestellten sind alle Beschäftigten der Notfall Ambulanz krankgeschrieben.
https://www.francetvinfo.fr/economie/greve/greve-aux-urgences/tous-les-infirmiers-des-urgences-de-nuit-de-l-hopital-de-besancon-places-en-arret-maladie-personne-ne-repond-aux-signaux-d-alerte_3506557.html?utm_medium=Social&utm_source=Facebook&Echobox=1561460495#xtor=CS1-746

Erste Ankünfte auf dem Boulevard Bessières. Die #GiletsJaunes demonstrieren gegen die Repression der Polizei, für das Verbot der LBD (Flashballwaffen), für die Amnestie von Gefangenen.

"Mörder, Mörder" Rufe auch in #Lille. Sie gelten den Bullen, nach dem nächtlichen Angriff auf eine Party am Tag der Fete de la musique in #Nantes wird immer noch ein Mensch vermisst, etliche Menschen waren in Panik in einen Fluss gesprungen.

(https://pbs.twimg.com/media/D-Ow51wWsAA3bSw.jpg)

Trotz Hitze sind die #giletsjaunes in Paris deutlich offensiver als die letzten Wochen.


Aus CANARY, einem britischen Portal für kritischen Journalismus:
Zitat
Mehr als sechs Monate nach Beginn der Proteste sind die Gilets Jaunes immer noch stark. Am 29. Juni werden erneut Proteste unter dem Namen "Acte XXXIII" stattfinden. Der Cananry fragte Cudenec, wie er die Bewegung derzeit sieht, und er sagte:

Die Proteste laufen immer noch, im ganzen Land. Offensichtlich ist nach all diesen Monaten ein Rückgang der Zahl der Beteiligten auf Wochenbasis zu verzeichnen, aber nicht in dem Maße, wie wir es bei früheren Protestbewegungen in Frankreich erlebt haben.

Das französische Innenministerium schätzte, dass am 1. Juni weniger als 10.000 Menschen zur Acte XXIX gekommen sind. Cudenec hatte The Canary zuvor mitgeteilt, dass viele an offiziellen Zahlen zweifeln. Allerdings ist die Zahl der Demonstranten auf der Straße heute in den ersten Wochen gesunken. Cudenec sagte, folgendes sei der Grund:

Der Hauptgrund für den Rückgang der Zahl der Proteste ist neben der Müdigkeit die Repression. Es gab Tausende von Verletzungen. Dutzende von Menschen haben wegen der Granaten, die von den Ordnungskräften benutzt werden, Augen und Hände verloren. Es gab Tausende von Verhaftungen. Die Menschen haben ihren Arbeitsplatz, ihre Ehen, ihre Häuser verloren. Aber nicht nur, dass einige Leute das Kommen verschieben, sondern auch, dass viele andere entschlossen sind, weiterzumachen. Sie haben so viel geopfert, dass sie sich nicht vorstellen können, aufzugeben.

Die staatliche Gewalt gegen die Demonstranten der Gilets Jaunes war besonders gewalttätig. Dies hat dazu geführt, dass einige Demonstranten schwer verletzt und sogar verstümmelt wurden. Infolgedessen waren die Demonstranten "gezwungen, sich zu verteidigen - oder einfach aufzugeben und nach Hause zu gehen", sagte Cudenec. Dies hat zu einigen spektakulären Szenen von Demonstranten geführt, die sich gegen die Polizei wehren. Aber es ist wichtig, dies als Selbstverteidigung gegen einen offen repressiven Staat zu sehen. "Die meisten Gilets Jaunes konnten die Notwendigkeit erkennen, fest gegen physische Unterdrückung zu bleiben", erklärte Cudenec.

Ich denke, dass die Massenbeteiligung an der XR (Extinction Rebellion) auf eine wachsende Ablehnung des industriellen Kapitalismus hindeutet, aber es scheint jetzt klar zu sein, dass die Zentralorganisation selbst durch ihre Verbindungen zum System stark beeinträchtigt wird.... Wenn es Klimaaktivisten gelingt, sich von dieser Kontrolle zu befreien und den Kapitalismus und seine industrielle Infrastruktur und sein Denken explizit in Frage stellt, dann wird ihr revolutionärer Weg sicherlich mit denen zusammenlaufen, die sich derzeit als Gilets Jaunes bezeichnen.

Die Gilets Jaunes stellen eine wahrhaft basisdemokratische Revolte dar, die von Freunden und Gemeinschaften organisiert wurde. Und dort ist die britische Linke zu oft ins Stocken geraten. "Ich würde sagen, dass die Menschen in Großbritannien aufhören müssen, in Form von sozialen Kämpfen zu denken, die Menschen organisieren", sagte Cudenec. "Der eigentliche soziale Kampf besteht darin, dass sich die Menschen organisieren."

Wahre Selbstorganisation kann beängstigend, schwierig und voller Unbekannter sein. Aber es ist auch ermächtigend, aufregend und - am Ende - wesentlich für das Überleben von uns selbst und allem, was wir lieben.

Jetzt ist es an der Zeit, dass der französische Geist des Widerstands und der Revolte uns alle inspiriert.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator
https://www.thecanary.co/feature/2019/06/28/amid-poor-media-coverage-one-activist-insists-french-protests-are-a-deep-critique-of-capitalism/


Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 17:53:08 Sa. 29.Juni 2019
Porte de Clichy
https://youtu.be/X0bMcY2Lc_0
Soll Live sein, läuft bei mir aber nicht.

Bei RT sieht es im Moment mau aus, es gab etwas Live, jetzt nur noch Aufzeichnungen.

Ich hasse es wenn "Jetzt live" dasteht und man bekommt eine Aufzeichnung, "Live VOR X STUNDEN", also ich weiß nicht, den Begriff live hatte ich wohl immer falsch interpretiert, mit der Bezeichnung "live vor *" ist ohne Ausnahme alles Live, auch wenn es vor 100000 Stunden war.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 20:29:21 Sa. 29.Juni 2019
@Troll, mit Firefox funktioniert es. Dauert nur ein wenig, bis die Übertragung startet.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 10:18:34 So. 30.Juni 2019
Mein Firefox war gestern zu fertig, heute angeklickt und läuft, er hat sich wohl über Nacht erholt. Ein Neustart gestern hat nichts gebracht. Wenigstens bekomme ich Konservenfutter!
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Tiefrot am 18:21:59 So. 30.Juni 2019
Immerhin hats geklappt. Hätte dir das Filmchen sonst gezogen und zukommen lassen.  ;)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:07:27 Sa. 06.Juli 2019
(https://www.humanite.fr/sites/default/files/styles/1048x350/public/images/gilets_1_hd1fran.jpg?itok=irHM4yoc)

https://youtu.be/hgxEdeOY_LU
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: BGS am 16:04:44 Sa. 06.Juli 2019
Danke fuers Einstellen.

MfG

BGS
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:36:45 Mi. 10.Juli 2019
Zitat
Frankreich:
Bildungsstreik, Krise in Krankenhäusern, Justizskandal um Polizeitote im Zusammenhang mit „Gelbwesten“-Protesten kocht hoch

Erstmals in der jüngeren Geschichte schlägt ein Lehrer/innen/streik spürbar auf das Abitur durch. Präsident Emmanuel Macron bezeichnet Streikende als „Geiselnehmer“. Die Krise im Gesundheitswesen bleibt ungelöst. Der Justizskandal um die einzige Tote im Zusammenhang mit polizeilicher Repression gegen die „Gelbwesten“ weitet sich unterdessen aus

Die Kommunikationsstrategie der französischen Regierung wird in jüngster Zeit nicht unbedingt besser, doch ihre Dementis wirken derzeit lustiger als gewohnt...
http://www.labournet.de/?p=151417
Titel: Schwarzwesten
Beitrag von: Kuddel am 20:39:01 Sa. 13.Juli 2019
(https://pbs.twimg.com/media/D_Ryo5-X4AEutyV.jpg)

Zitat
Papierlose besetzen Pariser Panthéon
Migrantische Aktivisten der »Gilets Noirs« fordern ein Treffen mit Premierminister Edward Philippe und eine bessere Behandlung


Mehrere Dutzend Aktivist*innen der Gruppe »Gilets Noirs« haben am Freitagmittag das Pariser Panthéon besetzt. Das Gebäude ist ein nationales Wahrzeichen und Begräbnisstätte berühmter französischer Persönlichkeiten und Touristenmagnet. Es liegt im Zentrum der Stadt. Via Twitter veröffentlichte die Gruppe außerdem eine Erklärung zu ihrer Aktion.

Videos französischer Journalist*innen auf Twitter zeigen Aktivist*innen, die in dem berühmten Gebäude mit Forderungspapieren wedeln und Parolen skandieren. Die Polizei umstellte das Pantheon kurz darauf. Unterstützer der Migant*innen versammelten sich außerhalb des Gebäudes.

Die »Gilets Noirs« fordern mit der Aktion »Papiere und Freiheit für alle«. Konkret will die Gruppe Aufenthaltsgenehmigungen erreichen, ein Ende der Repression gegen Menschen ohne Papier im Land und eine humane Unterbringung von Asylsuchenden und Migrant*innen in Frankreich.

Die Gruppe besteht aus Menschen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigungen. In Frankreich werden sie als »sans papiers« (Papierlose) bezeichnet. Sie wollen das Pantheon so lange besetzen, bis Premierminister Edward Philippe sie empfange, berichtet france.tv.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1122795.gilets-noirs-papierlose-besetzen-pariser-pantheon.html

    Das Communiqué der Gilets Noirs  und dessen dt. Übersetzung:

    “Aufstehn, ihr Toten!
    Heute besetzen wir das Panthéon, wir, die EinwandererInnen ohne Papiere, BewohnerInnen der (Not-) Unterkünfte, MieterInnen der Straße.
    Wir haben keine Papiere, keine Stimme, kein Gesicht für die französiche Republik. Wir kommen zusammen auf dem Grab eurer großen Männer um eure Schändungen anzuprangern, die der Erinnerung unserer Kameraden, unserer Väter und Mütter, unserer Brüder und Schwestern im Mittelmeer, in der Straßen von Paris, in den Lagern und Gefängnissen. Frankreich fährt fort mit der Skaverei auf andere Art. Unsere Väter sind für Frankreich gestorben. Und die Toten bleiben tot und sollen in Frieden ruhen.
    Vorgestern haben wir die Grenze angegriffen, indem wir den Air France Terminal im Flughafen Cherles de Gaulle bestzten. Es ist dort, wo die französische Polizei uns in die Flugzeuge nach Algier, Dakr, Khartum, Bamako oder Kabul verfrachtet hat. Von dort ist Djiby deportiert worden!
    Gestern haben wir  den Turm von Ellor in La Défence und die Hauptdirektion des Arbeitsamtes besetzt. Wir waren dort um den Chefs, die uns erniedrigen und das Rückgrat brechen, zu sagen: Die Angst hat das Lager gewechselt!
    Heute fahren wir fort, die Schläge zurückzugeben an den Staat und seinen Rassismus, in Frankreich und in Europa.
    Wir sind gekommen um unsere Würde zu verteidigen. Wir flehen niemanden mehr an und wir werden unsere Rechte mit der Kraft des Kampfes herausreißen!
    Wir sind gekommen um euch zu sagen, dass das Motto Frankreichs für die Fremden Erniedrigung, Ausbeutung, Deportation ist. Frankreich für dort Krieg, beutet unsere Ressourcen aus und entscheidet für und mit unseren korrupten Staaten. Frankreich für hier Krieg gegen uns.
    WIR BESETZEN,

        weil es 200 000 freie Wohnungen in Paris gibt, und dabei die Unseren unter den Auffahrten des Périphérique schlafen und das Rathaus gestern die Straßen des Camps Avenue Wilson in Saint Denis eingezäunt hat.
        Weil im Lager von Thiais, wie in allen anderen, die Polizei heute morgen die Bewohner bis in ihre Wohnungen verfolgt hat.
        Weil wir die Befreiung unserer Schwarzwesten-Kameraden verlangen, die in Verwahrzentren und anderswo gefangen sind.

Für die Abschaffung der Gefängnisse für Fremde!
Wir kämpfen nicht nur für Papiere, sonder gegen das System, das die Papierlosen erschafft.
Wir werden keinen Bullen oder Schalterbeamten mehr bezahlen um einen Termin zu bekommen.
Wir wollen nicht mehr mit dem Innenminister und seinen Präfenkturen verhandeln müssen
WIR WOLLEN JETZT MIT DEM MINISTERPÄSITENTEN EDOUARD PHILIIPE SPRECHEN!
Wir bleiben hier, bis der letzte von uns seien Papiere bekommt und damit diejenigen, die kommen werden, das Recht zu bleiben bekommen.
An alle, die revoltieren, hier, im Sudan oder in Algerien,
An unsere Kameraden, an alle, die gegen die Ausbeuter kämpfen,
An alle, die glauben, dass kein Mensch illegal ist,
An alle, die es leid sind, alle 5 Jahre der extremen Rechten den Riegel vorzuschieben und die überzeugt sind, dass der Kampf gegen den kommenden Rassismuns der Kampf gegen den existierenden Ressisum bedeutet.
Papiere und Wohnungen für alle! Bewegungs- und Niederlassungfreiheit! Es lebe der Kampf der Schwarzwesten! Schwarzwesten in den Kampf!“



Aus der Berichterstattung von Seebrücke Frankfurt bei Twitter (erste mit dt. Übersetzungen):
https://twitter.com/SeebrueckeFfm/status/1149674664030949376

Kurzvideo: https://twitter.com/i/status/1149644767224979459
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 11:50:49 So. 14.Juli 2019
https://youtu.be/Wm7wGXlrH48
https://youtu.be/azMbE5Tb0To
https://youtu.be/rSNye1idMEs

Live:
https://youtu.be/rXT6lp1Qwdc
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:22:01 Di. 16.Juli 2019
Zitat
Frankreich
Kriminalität steigt dank Gelbwesten

Seit Ende November vergeht in Frankreich kein Wochenende ohne Gelbwesten-Demo. Besonders oft und gewaltsam sind die Proteste in Paris, weshalb sie stets von Tausenden Polizisten begleitet werden. Weil die nun woanders fehlen, steigt in der Hauptstadt die Kriminalität.
...

HTML5: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2019/07/15/gelbwestendienst_statt_streife_kriminalitaet_in_frankreich_dlf_20190715_0917_c78a62f9.mp3
Quelle: DLF (https://www.deutschlandfunk.de/frankreich-kriminalitaet-steigt-dank-gelbwesten.795.de.html?dram:article_id=453886)

Via NDS (https://www.nachdenkseiten.de/?p=53419#h03)

Laut Qualitätspresse D. gibt es die Gelbwesten doch gar nicht mehr.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:49:56 Do. 01.August 2019
Zitat
Kein Freund, kein Helfer
Polizeigewalt Polizisten gehen in Frankreich immer brutaler vor. Nach dem Tod eines jungen Mannes muss man fragen, welches Maß an Gewalt in einer Demokratie noch hinnehmbar ist


Ertrunken, verwest und aufgefunden in der Loire. Auf die Gewissheit, dass der 24-jährige Steve Maia Caniço hier, bei Nantes, in den Tiefen des Flusses ums Leben gekommen ist, haben seine Angehörigen fünf Wochen lang gewartet. Nun, nachdem der Körper - oder das, was von ihm übrig blieb - gefunden und identifiziert wurde, herrscht Verzweiflung und Wut.

Lange kam das Geschehen in der Nacht des 21. Juni in der nordwestfranzösischen Stadt nur in den Regionalnachrichten vor. Oder aber in linken, alternativen Medien und in den sozialen Netzwerken, wo immer lauter die Frage gestellt wurde: "Wo ist Steve?" Aktivisten klebten landesweit Poster mit dieser Aufschrift und twittern unter dem Hashtag #justicepoursteve. Die Frage nach einem Schicksal, nach einem Menschenleben.

(https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/kein-freund-kein-helfer/1/@@images/688326d1-e6f6-4fa2-b97f-be698fe95e22.jpeg)

Lange hüllte sich die Politik in Schweigen, als sei das Verschwinden von Steve einfach ein tragisches Unglück, nicht aber "eine Staatsaffäre", wie es die Anwältin der Familie formuliert. Erst vor ein paar Tagen widmeten Le Monde und andere nationale Medien der Geschichte etwas mehr Aufmerksamkeit. Zu diesem Zeitpunkt war Steve schon lange tot. Bleibt die Frage danach, was Steve erlebt hat, bevor er sein Leben verlor.

Eigentlich war der junge Erzieher, mit seinem freundlich-schüchternen Blick und seiner Liebe Theater und elektronische Musik, zum Feiern an die Loire gekommen. In jener Nacht des 21. Juni, wo traditionell die Fête de la musique genau wie im ganzen Land bis in die frühen Morgenstunden zelebriert wird. Gegen 4h30 versucht ein Dutzend Polizisten die letzten Besucher der Fête de la musique von den Quais der Loire zu vertreiben.
(...)
Der Philosoph und Ökonom Frédéric Lordon schreibt in einem Artikel: "Der Macronismus ist die perfekte Emanation dieses gewaltsam antidemokratischen Hangs der "Demokraten", dieses "Zentrum", das die Presse seit Jahrzehnten feiert, mit denen sie sich gemein gemacht hat und über die man sich fragen muss, was noch geschehen muss, damit sie sich beginnt, sich loszulösen?" Wenn der Staat also sein Gewaltmonopol nicht mehr dazu nutzt, die bürgerlich demokratische Gesellschaft zu sichern, driftet er ins Autoriäte. Sind aber Gelbwesten, die allen voran gegen die ungerechte Verteilung des Reichtums in einem neoliberalen Wirtschaftssystem auf die Straße gehen, tatsächlich eine Gefahr oder auch eine Chance für die (Neu-) Gestaltung des Staatswesens?

Frankreichs Regierung kann sich nicht länger der Auseinandersetzung über die von ihr angewandte, ungeahndete und mittlerweile völlig unverhältnismäßige Polizeigewalt verweigern. Sonst wird es weitere Verletzte, weitere Tote geben. Wenigstens das ist Frankreich Steve schuldig. Auch wenn es für ihn selbst zu spät kommt.
https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/kein-freund-kein-helfer

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 09:21:16 Fr. 02.August 2019
Zitat
France’s Richest People Get Richer Faster Than Everyone Else

The first half of 2019 brought continued civil unrest to France, with throngs of protesters taking to the streets to demand higher wages and pensions amid widening wealth inequality. But for the nation’s richest citizens, the first six months have been filled with good fortune.
The 14 people from France on the 500-member Bloomberg Billionaires Index added a combined $78 billion to their collective net worth since Dec. 31, a 35% increase. That’s more than double the pace of China’s richest, at 17%, and the U.S.’s 15%. The best returns outside of France came mostly from Asia as Thailand’s wealthiest were a close second at 33%, followed by Singapore’s 31% and 24% for Japan.
Quelle: Bloomberg (https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-07-01/france-s-richest-people-get-richer-faster-than-everyone-else?fbclid=IwAR3yOi0ZwKI2-rcWe7bi6_wiugROnX5o875GCAdmOTcBkA7ku130q56U9JM)

Via NDS (https://www.nachdenkseiten.de/?p=53914#h05)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Bowie am 10:41:44 Fr. 02.August 2019
Das braucht Polizeischutz.
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 14:10:01 Sa. 03.August 2019
Auch in der Sommerpause geht man in Frankreich auf die Straße.
Paris:
https://youtu.be/2-Srd6sNTVo
Nantes:
https://youtu.be/ARnikpVbme4

Während man Frankreich in unseren Medien ignoriert, nennt man die Demonstranten in Moskau und Hongkong Kämpfer für Demokratie und Freiheit.

Moskau:
https://youtu.be/Y9HT4Bgd4TE

Hongkong:
https://youtu.be/If-coqMofAU
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 21:30:24 Sa. 03.August 2019
https://youtu.be/12kiXSI6TAE

(https://http2.mlstatic.com/nelson-simpsons-haha-placa-D_NQ_NP_604836-MLB26695472010_012018-F.jpg)
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:23:09 Mi. 21.August 2019
Wofür sich unsere Medien nicht interessieren:

Zitat
Nantes: Eine landesweite Versammlung der Gelbwesten ist für September angekündigt
https://france3-regions.francetvinfo.fr/pays-de-la-loire/loire-atlantique/nantes/nantes-rassemblement-national-gilets-jaunes-annonce-septembre-1712515.html

Zitat
Mâcon: Gelbwesten blockierten den Zugang zu einers Logistikzentrums der Carrefour-Gruppe.

Gelbwesten" blockierten am Dienstag, den 20. August 2019, die Ein- und Ausgänge für Lastwagen von der Logistikzentrums von Carrefour-Logidis nördlich des Ballungsraums Mâcon. Die Präfektur hat die Blockade aufgelöst.
 
Am Dienstag, den 20. August, gegen 1:30 Uhr morgens, versammelten sich etwa 20 Personen mit gelben Westen vor der Logistikzentrum Carrefour-Logidis in der Nähe des Kreisverkehrs in Eger und blockierten den Zugang der LKWs.

Polizeibeamte der Abteilung für öffentliche Sicherheit des Departements Saône-et-Loire, unterstützt von Soldaten der Abteilung für Gendarmerie, griffen ein, um den Standort freizugeben, sagte die Präfektur.

Die Feuerwehr wurde auch gerufen, um Palettenbrände zu löschen, die am Kreisverkehr von Eger angezündet worden waren.

Die Präfektur Saône-et-Loire verurteilt "Straftaten", die "ein schwerwiegendes Behinderung der Freizügigkeit von Personen und der Wirtschaftstätigkeit selbst" darstellen. "In diesem Kreisverkehr hatten Mitte Dezember 2018 "Gelbwesten" trotz Warnungen der Feuerwehr nicht gezögert, ihre Schuppen in unmittelbarer Nähe von Gasleitungen in Brand zu setzen", sagte die Präfektur.

Der staatliche Vertreter in Saône-et-Loire sagte, er habe die Polizei aufgefordert, "alles zu tun, um die Täter zu identifizieren". Er beabsichtigt auch, "so bald wie möglich den Direktor des Logistikcenters zu treffen, um mit ihm die Modalitäten der Standortsicherung besser zu regeln".
https://france3-regions.francetvinfo.fr/bourgogne-franche-comte/saone-et-loire/macon/macon-gilets-jaunes-ont-bloque-acces-plateforme-du-groupe-carrefour-1712525.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 19:52:29 Sa. 24.August 2019
Die Gelbwesten sind weiterhin gut drauf:

Zitat
Ancenis:
"Free Maut"-Betrieb der Gelbwesten auf der Autobahn A11
Rund zwanzig Gelbwesten organisieren eine kostenlose Mautaktion an der Ancenis-Mautstelle an der Autobahn A11.


Und wir sprechen wieder von den gelben Westen. An diesem Tag nach der Rückkehr aus den Ferien organisieren sie seit 9.30 Uhr am Samstagmorgen an der Ancenis-Mautstelle an der A11 eine "kostenlose Mautaktion". Die Barrieren wurden in Richtung Nantes-Angers abgebaut.

Die Atmosphäre war gutmütig. Es waren etwa zwanzig gelbe Westen, die von den Gendarmen umzingelt worden sind. Sie erklärten der Polizei, dass sie "da sie nicht nach Biarritz gehen können, wo die G7 stattfindet, sie eine kostenlose Mautaktion machen".
https://www.francebleu.fr/infos/transports/ancenis-operationpeage-gratuit-des-gilets-jaunes-sur-l-autoroute-a11-1566637178

Zitat
Anti-G7:
Die Demonstration in Hendaye bringt "Gelbwesten" und Globalisierungskritiker zusammen.

Gegengipfel-Aktivisten sind jetzt auf der Straße. Darunter sind "Gelbwesten", aber auch Globalisierungskritiker.


Alle werden aufgerufen, die "Ineffektivität der G7" zu verurteilen und "echte Aktionen" zum Handeln im Klimaschutz zu fordern. Der Gegengipfel beginnt unter der Flagge Frankreichs am Samstag, den 24. August in Hendaye, in den Pyrénées-Atlantiques. Globalisierungskritiker, Ökologen, Gewerkschaften und an der Spitze Demonstrationsspersönlichkeiten wie Cécile Duflot und eine Bekanntheit der "Gelbwesten". Trotz ihrer Genesung hätte Geneviève Legay, 73, diesen Anti-G7-Marsch unter keinen Umständen verpassen dürfen. "Ich folge allen Gipfeln seit Jahren und man kann sagen, dass für die Menschen noch nie etwas herausgekommen ist. Niemals, nie, nie, nie. Sie teilen den Reichtum der Welt untereinander auf", sagt die Aktivistin.
https://www.francetvinfo.fr/economie/transports/gilets-jaunes/anti-g7-la-manifestation-a-hendaye-reunit-gilets-jaunes-et-altermondialistes_3588999.html

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G-7-Gipfel in Biarritz
„Gelbwesten“ protestieren neben Antikapitalisten

Biarritz an der französischen Atlantikküste wurde für das Treffen der Staats- und Regierungschefs zur Festung ausgebaut. Am Samstag gingen mehrere Tausend auf die Straße. Freitag war es zu Ausschreitungen gekommen.


Wenige Stunden vor Beginn des G-7-Gipfels im südfranzösischen Biarritz sind mehrere tausend Globalisierungskritiker aus Protest auf die Straße gegangen. Die rund 9000 Gipfelgegner marschierten am Samstag ohne Zwischenfälle vom französischen Ort Hendaye über die spanische Grenze in die Ortschaft Irún. Die Behörden hatten Ausschreitungen befürchtet und ein massives Sicherheitsaufgebot mobilisiert. Nach einzelnen Zusammenstößen am Vorabend verlief der Protestmarsch aber friedlich.

Die Protestteilnehmer trugen Banner mit Aufschriften wie „Nein zu den G 7 – für eine andere Welt“ und „Zeit zum Handeln – der Amazonas brennt“. An dem Marsch beteiligten sich Antikapitalisten, Umweltschützer, Befürworter einer Autonomie des Baskenlandes und auch einige Anhänger der französischen Protestbewegung der „Gelbwesten“.

Kurz vor dem G-7-Gipfel waren am Freitagabend drei junge Deutsche zu Haftstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in Bayonne verurteilte die drei Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren wegen geplanter Gewalttaten zu zwei bis drei Monaten Haft. Vom Vorwurf des Waffenbesitzes wurden sie freigesprochen. Neben der Haftstrafe erließ das Gericht gegen die drei ein fünfjähriges Wiedereinreiseverbot für Frankreich.

(https://www.welt.de/img/politik/ausland/mobile199082379/5861621047-ci23x11-w780/France-G7-Summit.jpg)

Bereits am Nachmittag war es zu Spannungen gekommen, weil Demonstranten einen Kreisverkehr besetzen wollten. Schließlich hätten die G-7-Gegner den Weg zum Protestcamp blockiert und kleine Barrikaden errichtet. Die Polizei habe dann Gummigeschosse eingesetzt.

Der Badeort Biarritz, wo der G-7-Gipfel am Samstag beginnen wird, ist streng gesichert und für Demonstranten nicht zugänglich. Rund um Biarritz gibt es diverse Protestcamps. Frankreich rüstet sich mit mehr als 13.000 Sicherheitskräften gegen Krawalle während des Top-Ereignisses.
https://www.welt.de/politik/ausland/article199082369/G-7-Gipfel-Tausende-Gipfelgegner-protestieren-in-Biarritz.html

(https://heise.cloudimg.io/width/600/q75.png-lossy-75.webp-lossy-75.foil1/_www-heise-de_/tp/imgs/89/2/7/3/6/7/2/6/92bfa22d3132501f.jpeg)

Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Troll am 12:19:17 Fr. 06.September 2019
Zitat
42 Wochen – und kein bisschen leise

Die Gelbwesten in Frankreich marschieren weiter – wenn auch mit gebremster Kraft. Sie geben nicht auf, die gesellschaftliche Situation in Frankreich verändern zu wollen. Trotz allen Widerstandes, der ihnen vonseiten der Staatsmacht entgegengebracht wird. Andrea Drescher sprach für die NachDenkSeiten mit dem Politikwissenschaftler Sebastian Chwala, der als Experte für französische Politik die Bewegung fast von Anfang an beobachtet und dafür gesorgt hat, dass viele Informationen, die man in den Massenmedien nicht lesen konnte, den Weg in die Öffentlichkeit fanden.
...

Quelle: NDS (https://www.nachdenkseiten.de/?p=54605)

42 Wochen, mir kam es länger vor aber egal, Klasse.
Die Rechten vom Anfang waren offensichtlich "nur" ein sehr willkommener Angriffspunkt, jetzt wo er sich in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet hat ist bei der Presse Ruhe eigekehrt, nun liegt der Mantel des schweigens über der staatlichen Gewalt.
Den Widerstand findet man gut, aber er soll ggf. die andere Wange hin halten und schön kuschelig bleiben, so hab ich bei befragten Experten und/oder Kennern das Gefühl.


Faktenfinder: "Experte (https://youtu.be/upYlxx6aGVQ)"
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 20:28:49 Mo. 09.September 2019
Zitat
Frankreichweite Proteste
"Gelbwesten" gewinnen wieder an Zulauf


(https://apps-cloud.n-tv.de/img/21259189-1567886927000/16-9/750/118591993.jpg)

In den vergangenen Wochen wird es ruhiger um die Gelbwesten. Das ändert sich offenbar: Am Samstag gehen wieder Tausende Menschen in Frankreich auf die Straßen. Die Proteste verlaufen unruhig. Es kommt zu Festnahmen, teilweise setzt die Polizei Tränengas ein.

Nach einem Rückgang der Teilnehmerzahlen bei den "Gelbwesten"-Protesten in Frankreich hat die Bewegung wieder leicht an Zulauf gewonnen. Tausende Menschen demonstrierten Medienberichten zufolge in französischen Städten.

Es kam zu mehreren Zusammenstößen mit der Polizei. In Paris seien 89 Menschen vorläufig festgenommen worden, teilte die Polizei der Hauptstadt auf Twitter mit. Zudem habe es mehr als 60 Verwarnungen gegeben. In Paris seien mehr als 800 "Gelbwesten" versammelt gewesen, berichtete der Nachrichtensender BFMTV unter Berufung auf den Pariser Polizeipräsidenten, Didier Lallement. Damit sei die Teilnehmerzahl zwar niedrig, aber höher als in den vergangenen Wochen gewesen, so Lallement. Der große Teil der Demonstranten sei friedlich gewesen.

In der südfranzösischen Stadt Montpellier protestierten Berichten zufolge bis zu 3000 Menschen. Rund 500 der Demonstranten gehörten dem sogenannten Schwarzen Block an, wie BFMTV nach Angaben der zuständigen Präfektur Hérault berichtete. In der Innenstadt Montpelliers ging ein Polizeiwagen in Flammen auf, die Polizei setzte Tränengas ein. Zwei Menschen seien vorläufig festgenommen worden. Der Protest sei nicht friedlich gewesen, teilte die Präfektur auf Twitter mit. Die Gewaltakte seien nicht tolerierbar.

Mehrere Festnahmen und Verwarnungen

Auch in der nordfranzösischen Stadt Rouen protestierten mehrere Hundert Menschen, obwohl die Stadt Demonstrationen für Samstag zuvor per Dekret verboten hatte. Mehrere Demonstranten wurden vorläufig festgenommen und mehr als 100 verwarnt, berichtete die Zeitung "Le Parisien" unter Berufung auf die zuständige Präfektur.

Die "Gelbwesten" demonstrieren seit vergangenem November gegen die Reformpolitik der Mitte-Regierung; die Proteste entzündeten sich damals an der geplanten Erhöhung der Spritpreise.
https://www.n-tv.de/politik/Gelbwesten-gewinnen-wieder-an-Zulauf-article21259181.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 18:19:44 Fr. 13.September 2019
Zitat
Arbeitskampf in Frankreich: massiver Streik legt Paris lahm - immer mehr machen mit

Angestellte der Pariser Verkehrsbetriebe streiken gegen die von Präsident Macron avisierte Rentenreform. Weitere Berufsgruppen werden sich dem Arbeitskampf anschließen.

(...)
Anlass für den massivsten Streik seit mehr als zehn Jahren in Paris war allerdings noch ein anderer, nicht minder gewichtiger Reformpunkt: Macron will die 42 Sonderstatute einzelner Berufe abschaffen. Die Angestellten der RATP gehen zum Beispiel heute mit durchschnittlich 55,7 Jahren in Ruhestand, die Schaffner sogar schon ab 52. Ihre Pensionen werden zudem großzügiger berechnet als im Privatsektor.

Streiks in Frankreich: Anwälte, Pflegekräfte und Finanzbeamte sind dabei

Die Gewerkschaften sehen darin eine Kompensation für die harte Arbeit mit Frühschichten und Feiertagsdiensten. Sie kritisieren auch, dass die Macron-Reform die Bezieher mehrere Hundert Euro im Monat kosten würde. Und das gelte nicht nur bei Beamten, sondern für alle Berufe. Deshalb wollen in den nächsten zehn Tagen noch andere Berufsgruppen in den Ausstand treten. Am Montag beginnen die Anwälte, dann folgen Pflegekräfte, Stromwerker und Finanzbeamte.

Die Regierung versucht, einen Schulterschluss aller potenziellen Gegner – also einen Generalstreik – mit allen Mitteln zu verhindern, indem sie einzelnen Gewerkschaften Konzessionen macht. Indem Macron auf die Erhöhung des nominellen Rentenalters verzichtet, hält er die gemäßigte CFDT vorläufig im Reformlager.

Macron leidet unter den Nachwehen der Gelbwesten


Spalten bringt aber bisher nur wenig. Denn politisch leidet Macron weiterhin unter den Folgen der Gelbwestenkrise.
(...)
https://www.fr.de/politik/frankreich-freitag-nicht-pendler-13000436.html
Titel: Re: Frankreich aktuell
Beitrag von: Kuddel am 15:20:06 Sa. 14.September 2019
Kleine Meldung am Rande.
Bei Youtube läuft eine Liveübertragung der Gelbwestenproteste in Nantes.
Die Stimmung scheint super. Es gibt viele Bezüge zu den Protesten in Hongkong.
Die Bullen schießen gerade wieder Tränengas in die Menge.

Proteste, die in unseren Medien nicht stattfinden.