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Industrie & Handwerk & Agrar => Leiharbeit, bzw. moderner Sklavenhandel => Thema gestartet von: Fritz Linow am 22:59:17 Mi. 23.August 2017

Titel: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 22:59:17 Mi. 23.August 2017
Weil wegen der desolaten Arbeitsbedingungen in der Pflege die Leiharbeit als tolle Alternative von der Sklavenhändlerlobby propagiert wird, ist es Zeit, diesen Thread zu starten, um mal die ganze Verlogenheit der "Branche" und die Probleme dahinter genauer zu betrachten.

Zum Einstieg ein Erfahrungsbericht aus der Altenpflege:
Zitat
Ein Arbeitstag aus dem Leben einer Leasing-Kraft: „Ach, Multilind?“
„Ihr seid richtig faul. Wollt nicht arbeiten. Deshalb seid Ihr auch in der Zeitarbeit, weil Ihr so arbeitet, wie Ihr wollt.“ (...) Ich desinfizierte die Stellen und versorgte sie, soweit ich dazu berechtigt war. Und ich dokumentierte! Das war meine Rache. Und ich informierte die zuständigen Stellen im Haus. Denn ihre Aussage, dass wir Leasingkräfte nur faul seien, hingen mir immer noch im Ohr.(...)
https://frausofa.wordpress.com/2017/08/21/ein-arbeitstag-aus-dem-leben-einer-leasing-kraft-ach-multilind/

Ob dieser Blog von Frau Sofa nicht vielleicht selber nur Propaganda für Leiharbeit ist, möge sich später herausstellen.

Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 20:29:18 Do. 24.August 2017
2011:
In gleich zwei Fällen wurden zu viele Altenpfleger über Zeitarbeitsfirmen rekrutiert. Damit aber ist die regelmäßige Bezugspflege nicht unbedingt gewährleistet, schließlich wünscht sich jeder Pflegebedürftige einen festen Ansprechpartner.
http://www.bergedorfer-zeitung.de/archiv/titel/article112589982/Immer-mehr-Beschwerden-ueber-Pflegedienste.html (http://www.bergedorfer-zeitung.de/archiv/titel/article112589982/Immer-mehr-Beschwerden-ueber-Pflegedienste.html)

2014:
„Wir haben schon über das Arbeitsamt und Zeitarbeitsfirmen gesucht. Auch per Ebay und Facebook. Das hat alles nichts gebracht“, sagt Melzer.
https://www.hna.de/lokales/frankenberg/hatzfeld-eder-ort305263/diakoniestation-sucht-haenderingend-qualifiziertes-personal-4449372.html (https://www.hna.de/lokales/frankenberg/hatzfeld-eder-ort305263/diakoniestation-sucht-haenderingend-qualifiziertes-personal-4449372.html)

2014:
„Es gibt zu wenige und darunter zu viele schlechte Pfleger für so viele Bewohner!“ Oft seien vorübergehend Angestellte von Zeitarbeitsfirmen dagewesen, die gar nichts mit der Branche zu tun hatten.
https://www.tz.de/muenchen/stadt/sendling-ort43335/ehefrau-bewohner-klagt-nach-skandal-muenchenstift-heim-3537469.html (https://www.tz.de/muenchen/stadt/sendling-ort43335/ehefrau-bewohner-klagt-nach-skandal-muenchenstift-heim-3537469.html)

2015:
„Vor allem im OP- und Intensivbereich tun die Kliniken viel, um die Lücken zu stopfen, gegenbenfalls mit Zeitarbeit“, bestätigt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe – Bundesverband (DBfK) gegenüber Medscape Deutschland.
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4903803 (http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4903803)

2016:
Um Pflegekräfte zu finden, bieten Zeitarbeitsfirmen und Einrichtungen allerlei Extras – vom nagelneuen iPhone über Antrittsprämien und Kita-Plätzen bis zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Nach Angaben von Verdi sind sogar schon Schweizer Zeitarbeitsfirmen im Norden aktiv, um Kräfte abzuwerben.
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Pflegekraefte-am-Ende-Sogar-zum-Demonstrieren-fehlt-die-Kraft (http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/Pflegekraefte-am-Ende-Sogar-zum-Demonstrieren-fehlt-die-Kraft)

2017:
"Zeitarbeit gehört in der Pflegebranche verboten", sagt Katrin Dähn-Erler vom Travedomizil. Solche Pflegekräfte verdienten wesentlich besser, hätten zudem weniger Verantwortung für Bewohner und Betrieb, sagt Christine Berg, Chefin des Tobias-Hauses in Ahrensburg. "Wir müssen immer mal wieder auf Zeitarbeitskräfte zurückgreifen, dabei kosten sie uns das Doppelte und bringen weniger.“
https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article211506871/So-kaempfen-Stormarner-gegen-Pflegenotstand.html (https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article211506871/So-kaempfen-Stormarner-gegen-Pflegenotstand.html)

(https://abload.de/img/fachkraftemangel_altepqjt1.png) (http://abload.de/image.php?img=fachkraftemangel_altepqjt1.png)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 08:57:34 Mo. 28.August 2017
Aus einem Pflegeblog. Leiharbeiter pflegen nicht nur schlecht, sondern können bekanntlich auch hervorragend Belegschaften spalten:

Zitat
13.8.17
#Pflege: Aushilfen von Zeitarbeitsfirmen

(…) Was mich sehr ärgert und was ich auch nicht verstehen kann, dass auch Leute bei Zeitarbeitsfirmen eingestellt werden, die keine oder nur eine unzureichende Pflegeerfahrung haben. Und die sollen dann eine ganze Pflegekraft ersetzen. Es ist schließlich nicht unsere Aufgabe, die Aushilfen in den Basics der Pflege einzuarbeiten. Das haben die Firmen selbst zu leisten.(…)
Bewohner sind schlecht oder gar nicht versorgt, Betten schmutzig und nicht auf den Boden runtergefahren, Formulare wie Lagerungs- oder Trinkpläne nicht geführt, Vorlagen nicht gewechselt, Essen nur hingestellt und nicht angereicht, Urinbeutel nicht geleert, Müll nicht entsorgt, wichtige Auffälligkeiten wie Hautveränderungen, Wunden, Essens- und Trinkverweigerungen, Schmerzäußerungen, Durchfälle, Fieber etc… nicht an die verantwortliche Fachkraft weitergegeben.(…)
Sprich: unzuverlässige Aushilfen können uU lebensgefährlich für die Bewohner sein.(…)
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen. Wenn ich mir die Zeit nehmen muß, hinter denen herzuarbeiten, kann man sie sich auch sparen, dann kann ich gleich alles allein machen.(…)
Der Markt an verlässlichen guten Pflegekräften schwankt von knapp bis leergefegt. Aber kann das eine Rechtfertigung dafür sein, dass Zeitarbeitsfirmen jeden nehmen und in die Heime zu schwerkranken Menschen schicken, der einen Waschlappen gerade halten kann, aber der arbeitet wie er Lust hat und nicht wie er soll?(…)
https://onyxgedankensalat.wordpress.com/2017/08/13/pflege-aushilfen-von-zeitarbeitsfirmen/
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: dejavu am 13:49:38 Mo. 28.August 2017
Zitat
Die verdienen ihr Geld, und das nicht schlechter als wir, also haben die ihre Arbeit auch vernünftig zu erledigen.
Bah, wenn ich das schon höre...
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Rudolf Rocker am 14:24:40 Mo. 28.August 2017
Genau das hab ich auch gedacht!
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 09:05:56 Do. 31.August 2017
(http://fs5.directupload.net/images/170831/temp/c8qh8hhc.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4831/c8qh8hhc_jpg.htm)(http://)

(http://fs5.directupload.net/images/170831/temp/68sdgvdz.jpg) (http://www.directupload.net/file/d/4831/68sdgvdz_jpg.htm)(http://)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Rudolf Rocker am 09:58:32 Do. 31.August 2017
Können wir die Wahlwerbung mal im dafür vorgesehenen Thread lassen, Rappelkistenrebell?
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 16:44:24 Fr. 05.Januar 2018
Zitat
5.1.18
Zeitarbeiter - resigniert und gehetzt

Auf den ersten Blick hat Zeitarbeit viele Vorteile. Auf den zweiten Blick tun sich Abgründe auf, meint die Krankenschwester und Pflegepäddagogin Silke Doppelfeld.

Geschmack von Söldnertum...
Zeitarbeiter landen oft in problematischen Häusern...
Lonesome Cowboy...
Zeitarbeit macht das Leben hektischer...
Flucht in die Bindungslosigkeit...
Ständig müssen sich die "Gastarbeitenden" neu einfinden...
Zeitarbeiter kritisieren nicht...
Was ist moralischer Stress?...
https://www.pflegen-online.de/zeitarbeiter-resigniert-und-gehetzt (https://www.pflegen-online.de/zeitarbeiter-resigniert-und-gehetzt)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Kuddel am 19:48:13 Sa. 13.Januar 2018
Zitat
Kreis Lörrach
Abschied von der Leiharbeit


Kreis Lörrach. Mit der gestrigen Vertragsunterzeichnung zwischen Klinikengeschäftsführer Armin Müller und Gewerkschafter Reiner Geis endete ein Jahrzehnt lang schwelender Konflikt zwischen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, wie Geis sagte. „Wir schaffen Rechtssicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem bundesweit einmaligen Tarifbeispiel“, kommentierte er den Einstieg in den Branchentarif für bisherige Leiharbeiter von Data-Med. „Für uns ist Data-Med ein rotes Tuch gewesen“, so Geis weiter.

Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte. Außerdem entschieden sich die Kreiskliniken für die Schaffung des Gemeinschaftsbetriebs, weil man das Auslagern einzelner Arbeitsbereiche vermeiden wollte, sagte Müller vor den Medien. Und: Mit diesem Schritt habe man auch die Akquise von Arbeitskräften im Blick. „Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben“, sagte der Klinikengeschäftsführer, der trotz Lohn-Mehrkosten in Höhe 491 000 Euro in diesem Jahr die Wettbewerbsfähigkeit der Kreiskliniken betonte.

Laut Verdi bedeutet die Neuregelung für die ehemaligen Data-Med-Beschäftigte aus Küche, Reinigung, Service Empfang, Hauswirtschaft, Logistik und Administration eine finanzielle Verbesserung von rund fünf bis zehn Prozent und ein Einstieg in den branchenüblichen Tarifvertrag.

Im einzelnen wechseln Arbeitnehmer mit einer dreijährigen Ausbildung in drei Jahresschritten von der Service Gesellschaft zu den Kliniken des Landkreises. Konkret handelt es sich um 120 Mitarbeiter, darunter Informatiker, Kodierfachkräfte, Sozialarbeiter, Techniker und Physiotherapeuten, wie Aenne Hildemann-Groß, Leiterin Personal der Kreiskliniken, erklärte.

240 an- und ungelernte Mitarbeiter der Data-Med erhalten in der Kliniken Lörrach Service GmbH einen neuen Arbeitsvertrag, der sich nicht mehr am Tarif der Zeitarbeit orientiert. Betroffene erhalten unter anderem vier zusätzliche Urlaubstage, außerdem erfolgt ab Juli eine Zusatzversorgung in der Betriebsrente mit einem Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 20 Euro. Und: Reinigungskräfte werden vom Gebäudereinigertarif in den Service-Haustarif überführt. Eine dritte Gruppe betrifft die kreiseigenen Heime: Diese werden allen bei ihnen eingesetzten Pflegehelfern sowie Pflege- und Betreuungshilfskräften einschließlich Präsenzkräften ein volles Übernahmeangebot machen –­ebenfalls nach den Regelungen des Tarifvertrags des öffentlichen Diensts (TVöD). Betroffen von der Neuregelung sind insgesamt 600 Mitarbeiter.

Die Beschäftigten sollen an regulären Gehaltserhöhungen turnusmäßig teilnehmen, sieht der neue Tarifvertrag vor, Zuschläge für Erschwernisse und ungünstige Arbeitszeiten werden ebenfalls ermöglicht, wie Geis erläuterte. Die Gewerkschaft verstehe den neuen Vertrag als Hilfestellung für die Belegschaft, der ausbaufähig sei, wenn sich die Mitarbeiter dafür engagieren würden, hieß es weiter.

„Der Tarifvertrag ist durch alle Gremien gegangen und für gut befunden worden“, sagte Müller. Er betonte aus Arbeitgeberperspektive, dass man an die Grenze der Belastbarkeit gegangen sei. Fast alle Mitarbeiter hätten die neuen Arbeitsverträge bereits unterzeichnet. Damit konnte ein Schlussstrich unter die Diskussion um Data-Med gezogen werden. „Nun können wir uns auf das konzentrieren, was vor uns liegt“, verwies Müller auf den Bau des Zentralklinikums.

Die Mehrausgaben bei den Personalkosten bedeuten nicht, dass bei den Kliniken an anderer Stelle der Betrag eingespart werden muss: Insgesamt verbucht das kreiseigene Unternehmen Mehreinnahmen, sagte Müller. Entscheidend wird sein, wie sich die Umsatzsteigerungen in den nächsten Jahren entwickeln werden, verwies er auf die Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik. Hier sieht der Klinikengeschäftsführer bei der nächsten Bundesregierung Handlungsbedarf in Sachen Klinikenfinanzierung. „Wir haben uns gut behauptet, aber das System passt nicht mehr“, zeigte sich Müller kritisch. Er hofft auf die volle Refinanzierung der Tarifkosten.
https://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.kreis-loerrach-abschied-von-der-leiharbeit.2cae8d36-0c0b-4171-bf8a-eb226af702a3.html (https://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.kreis-loerrach-abschied-von-der-leiharbeit.2cae8d36-0c0b-4171-bf8a-eb226af702a3.html)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 23:34:32 Sa. 13.Januar 2018
Zitat
„Data-Med hatte einen negativen Touch, zudem sei es ein gutes Zeichen, keine Leiharbeit mehr zu haben“, sagte der Klinikengeschäftsführer (Armin Müller).
Sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, aber auch skeptisch sein, wenn ein Geschäftsführer so etwas faselt.

Armin Müller, Fuzzi der Sklavenbude Data-Med 2012:
Zitat
Dass neue Mitarbeiter der Kreiskliniken bei der Dienstleistungsgesellschaft Data-Med angestellt werden, sorgt schon länger für Unmut bei Beschäftigten. Denn die gleichzeitige direkte Beschäftigung von Kollegen durch die Kliniken kann als Etablierung eines Zwei-Klassen-Systems gesehen werden, das längerfristig mit kostengünstigeren Arbeitskräften die Stammbelegschaft verdrängt.
http://www.badische-zeitung.de/kreis-loerrach/erstmals-klagt-ein-ex-mitarbeiter-gegen-data-med--56178437.html (http://www.badische-zeitung.de/kreis-loerrach/erstmals-klagt-ein-ex-mitarbeiter-gegen-data-med--56178437.html)

Armin Müller ist iGZ-Sklavenhändler bei Data-Med und gleichzeitig Klinikengeschäftsführer? Was geht denn da ab?

Zitat
Nötig wurde das neue Konstrukt, weil der Gesetzgeber zum 1. April vergangenen Jahres die Dauer der Leiharbeit auf 18 aufeinanderfolgende Monate verkürzt hatte.

Ach so...
(https://abload.de/img/arminmuellerloerrachmqo1f.png) (http://abload.de/image.php?img=arminmuellerloerrachmqo1f.png)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 13:53:54 Mo. 05.März 2018
Die lieben Kosten, achherje:

Zitat
4.3.18
Klinikverbund Gesundheit Nord

Leiharbeit treibt die Kosten in die Höhe

Arbeiten an der Belastungsgrenze, Extra-Schichten und Unterbesetzung: Immer häufiger wechseln Ärzte oder Gesundheits- und Krankenpfleger freiwillig von der Festanstellung im Krankenhaus in die Leiharbeit. Entsprechende Meldungen gibt es bundesweit immer wieder. In Bremen ist die Leiharbeit ein großes Thema durch die Krise des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno). Die angeschlagene städtische Krankenhausgesellschaft hat das Beschäftigungsverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Zeitarbeitsfirmen, auch Arbeitnehmerüberlassung genannt, als einen der Hauptfaktoren ausgemacht, der die Bilanz ins Minus trieb. Die allgemeine Zahl der Leiharbeiter in ganz Deutschland steigt. Aber wie stellt sich die Situation in Bremen tatsächlich dar? Und was bedeutet sie für den Gesundheitsbereich?
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-leiharbeit-treibt-die-kosten-in-die-hoehe-_arid,1706707.html (https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-leiharbeit-treibt-die-kosten-in-die-hoehe-_arid,1706707.html)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 21:50:51 Mo. 26.März 2018
Kleiner Propagandaartikel für Leiharbeit in der Pflege beim MDR:

Zitat
25.3.18
Immer mehr Pfleger flüchten in Leiharbeit

Immer mehr Krankenpfleger entscheiden sich für einen Wechsel in die Leiharbeit. Die Zeitarbeitsfirmen werben mit weniger Arbeitsstress bei gleichem Lohn. Das lassen sich viele nicht zweimal sagen.
(...)
Der Chef des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP), Sebastian Lazay, sagte MDR AKTUELL: "Wir sehen uns auch ein wenig als Anwälte der Beschäftigten. Wenn die Pflegeeinrichtung Doppelschichten verlangt, sagen wir Nein." Denn wenn man keine glücklichen Mitarbeiter habe, dann seien sie weg, sagt Lazay.
(...)
In vielen Krankenhäusern sei die Not inzwischen so groß und die Stammbelegschaft so knapp ausgestattet, meint die Sprecherin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK), Johanna Knüppel, "dass sie bei kurzfristigen Personalausfällen gar nicht mehr anders können, als auf Leiharbeit zurückzugreifen, auch wenn sie viel Geld kostet." Das sei in der Gesamtrechnung dennoch billiger, als Betten oder Plätze unbelegt lassen zu müssen, so Knüppel.
(...)
https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/pflege-pflegekraft-leiharbeit-zeitarbeit-100.html (https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/pflege-pflegekraft-leiharbeit-zeitarbeit-100.html)

Die Verlogenheit der Sklavenhändler ("Anwälte der Beschäftigten") und der Kostendruck der Krankenhäuser ("immer noch billiger als leere Betten") wird wenigstens dokumentiert.

(https://abload.de/img/bap_luegfixz8uc4.png) (http://abload.de/image.php?img=bap_luegfixz8uc4.png)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 08:48:38 Di. 27.März 2018
Eine Bekannte hat auch vorletztes Jahr ihren Festvertrag gekündigt gehabt und arbeitet nun als Altenpflegerin über Zeitarbeit.Besseres Geld und keine 60-70 Stundenwochen mehr.Sie macht nur noch den vereinbarten Stundendienst und fährt damit besser.
Das Problem ist auch,daß sich keiner wehrt,kaum jemand in der Gewerkschaft ist,ständig Personal unterbesetzt ist und die Bosse die Ersteller von Überlastungsanzeigen unter Druck setzen oder unter fadenscheinigen und konstruierten Vorwänden wie zB ein fingierter Diebstahl,kündigen.Auch werden diese Leute als "Nestbeschmutzer" von der Geschäftsführung dargestellt und von anderen Kollegen gemobbt.
Diese sind es gewohnt bei Krankheit deren Arbeit mitzumachen und bis in de Puppen Überstunden zu schieben.Auch werden diese teilweise falsch aufgeschrieben.Anders ist es nicht möglich und von der Heimleitung auch so gewollt.
Scheiß Arbeitsbedingungen!
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Rappelkistenrebell am 08:33:33 Do. 29.März 2018
Dazu gibt es bei Labournet ein Dossier

Überlastung treibt Krankenpflegekräfte in die Leiharbeit

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeit/ueberlastung-treibt-krankenpflegekraefte-die-leiharbeit/ (http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeit/ueberlastung-treibt-krankenpflegekraefte-die-leiharbeit/)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 12:47:27 Sa. 31.März 2018
Zitat
...und arbeitet nun als Altenpflegerin über Zeitarbeit.Besseres Geld und keine 60-70 Stundenwochen mehr.

Das ist dann wohl ein Ausreißer nach oben vom Gehalt her. Insgesamt verdienen Leiharbeiter im Pflegebereich weniger.

Zitat
31.3.18
(...)
Im Pflegebereich wird immer häufiger auf Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter zurückgegriffen, um die Personallücken zu schließen. Im vergangenen Jahr waren bundesweit 10.181 Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege, bei Rettungsdiensten und der Geburtshilfe als Leiharbeitskräfte tätig. 2014 waren es erst 7374 und damit 2800 weniger als 2017 gewesen. Im Bereich der Altenpflege gab es im Jahr 2017 mehr als 7500 Leiharbeitskräfte, drei Jahre zuvor waren es erst 5850 gewesen. Dies geht aus der Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die der PNP vorliegt.

Leiharbeitskräfte verdienen deutlich weniger als regulär Beschäftigte. Bei Vollzeit lag deren Bruttolohn in den Bereichen Pflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe Ende 2016 bei 3203 Euro monatlich. Bei Leiharbeitskräften waren es nur 2579 Euro, wie aus den Zahlen der Bundesarbeitsagentur weiter hervorgeht. 28,9 Prozent der Leiharbeitskräfte in Pflegeberufen lagen sogar unterhalb der bundeseinheitlichen Niedriglohnschwelle von 2088 Euro. Bei den Stammbeschäftigten waren es nur elf Prozent.

Besonders wenig wird in der Altenpflege verdient. Der Bruttomonatsverdienst für Vollzeitbeschäftigte lag Ende 2016 bei 2436 Euro. Leiharbeitskraft in Vollzeit erhalten im Durchschnitt nur 2131 Euro brutto im Monat. Fast die Hälfte von ihnen (47,8 Prozent) lag damit im Niedriglohnanteil.
(...)
http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2891984_Linksfraktion-kritisiert-Immer-mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege.html (http://www.pnp.de/nachrichten/politik/2891984_Linksfraktion-kritisiert-Immer-mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege.html)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 15:09:31 Di. 03.April 2018
Zitat
3.4.18
Wie Leiharbeitsfirmen den Markt für Pflegekräfte aufmischen

Leiharbeitsfirmen rollen den Markt für Pflegekräfte auf, weil sie besser zahlen. Die Heime geraten dadurch in einen Teufelskreis.

(...)
Eine besondere Rolle spielen die Zeitarbeitsagenturen. „Wenn uns Mitarbeiter wegbrechen, kaufen wir dort für sehr viel Geld die Pflegekräfte ein, um die strengen Personalvorgaben zu erfüllen“, sagt Härtel-Lenssen. Bis vor etwas mehr als einem Jahr war das noch anders. Da standen die Zeitarbeitnehmerinnen auf der Matte, weil sie sich um eine Festanstellung im Wohnpark bewerben wollten. Inzwischen läuft es andersrum.
(...)
Ein wichtiger Grund ist, dass die Zeitarbeitsfirmen deutlich besser bezahlen. Während etwa in der Metall-Industrie Leiharbeitnehmer eher mit weniger Geld nach Hause gehen als die Stammbelegschaft, läuft es bei der Pflege inzwischen umgekehrt.
(...)
Sylvia Bühler, für die Pflege zuständiges Vorstandsmitglied bei der Gewerkschaft Verdi, kann den neuen Trend bestätigen. „Aktuell werden nach einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit 21.484 Pflegekräfte über Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt.“ Ein Plus von 20 Prozent innerhalb eines Jahres.
(...)
http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/konkurrenz-im-altenheim-wie-leiharbeitsfirmen-den-markt-fuer-pflegekraefte-aufmischen/21135384.html (http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/konkurrenz-im-altenheim-wie-leiharbeitsfirmen-den-markt-fuer-pflegekraefte-aufmischen/21135384.html)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 14:59:54 Fr. 06.April 2018
Der VDAB ist der Lobbyverband für gut 1.600 Mitgliedsunternehmen der ambulanten und stationären Alten- und Behindertenhilfe.

Zitat
5.4.
VDAB: Kostenträger sind verantwortlich für stark ansteigende Leiharbeit in der Langzeitpflege
(…)
Die Verantwortung für das Anwachsen der Leiharbeit liegt eindeutig bei den Kostenträgern.
(…)
https://www.vdab.de/presse/pressemitteilungen/news/vdab-kostentraeger-sind-verantwortlich-fuer-stark-ansteigende-leiharbeit-in-der-langzeitpflege/ (https://www.vdab.de/presse/pressemitteilungen/news/vdab-kostentraeger-sind-verantwortlich-fuer-stark-ansteigende-leiharbeit-in-der-langzeitpflege/)


Zitat
Der VDAB vertritt bundesweit konsequent die Interessen der Unternehmen in der Privaten Professionellen Pflege.

Da die Interessen der Unternehmen darin bestehen, Gewinn zu machen und möglichst wenig an die Beschäftigten abzugeben, ist es irgendwie billig, die alleinige Schuld auf die Kostenträger/Krankenkassen zu schieben. Die Betreiber geizen mit jedem Scheiß herum, und jetzt, wo sie feststellen, dass Leiharbeit doch teurer ist, soll gefälligst mehr Geld fließen, damit der Gewinn stimmt.
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 10:15:54 Do. 18.Oktober 2018
Zitat
18.10.18
Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu
(...)
Insidern zufolge war insbesondere der Monat September für die Geno ein Schlag ins Kontor, nicht zuletzt infolge schlechter Personalsteuerung. Auf Betreiben der Geschäftsführung sei die vergleichsweise teure Leiharbeit in diesem Monat drastisch zusammengestrichen worden. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Häuser. An mehreren Standorten mussten zeitweise Stationen geschlossen werden, auf denen dann in der Folge auch keine Erträge erwirtschaftet werden konnten.
(...)
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremer-kliniken-steuern-auf-rekorddefizit-zu-_arid,1776645.html (https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremer-kliniken-steuern-auf-rekorddefizit-zu-_arid,1776645.html)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 22:01:58 Sa. 10.November 2018
Zitat
29.10.18
Zeitarbeit lohnt sich nicht wirklich!
(...)
Es liegt allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber und den dahinter stehenden Heuschrecken, diese Situation zu ändern. Denn, wenn die maßgeblichen Akteure sich dieser Situation fügen, die Rahmenbedingungen ändern, dann werden sie so ihre Pflegekräfte halten und neue hinzu gewinnen können. Maßgeblich sind hier die Zahlen: Gehalt, Dienstplan, Sicherheit.

Solange das Argument der Pflegekräfte in der Zeitarbeit lautet: „Ich habe Freiheiten über meinen Dienstplan!“ in Kombination „Ich habe mehr Netto als Ihr auf dem Konto“ bei den Leasingkräften als Argumente vorherrschen, wird die Zeitarbeit in der Pflege weiterhin immense Gewinne abschöpfen. Gewinne, die die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen viel besser für das eigene Personal verwenden könnten, wenn nicht die Dividende um die Ecke schaut.
https://frausofa.wordpress.com/2018/10/29/zeitarbeit-lohnt-sich-nicht-wirklich/

Es liegt natürlich nicht allein in der Hand der Einrichtungsbetreiber, aber immerhin wird die Pest der Leiharbeit nun auch von den Pflegenden selber kritisch gesehen.
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 20:41:06 Di. 13.November 2018
Zitat
Fluch oder Segen der Zeitarbeit im Gesundheitssektor und der daraus resultierende Pflegenotstand

Der in der Bevölkerung stellenweise diskutierte Pflegenotstand hat nach Ansicht des Autors nicht nur die Ursache in der demographischen Bevölkerungsentwicklung, sondern auch im massiven Anstieg der Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) der letzten Jahre.
(...)
Sitzt man im Jahr 2018 zusammen um zu beratschlagen, wie man denn den Pflegenotstand zu lösen gedenkt, ist niemand auch nur im Ansatz in der Lage, auch nur zu erkennen, dass wir uns unser Problem selbstmachen.
Es sind nicht nur die renditeorientierten Träger, es sind auch die renditeorientierten Unternehmen, die sich fleissig am Topf der Solidargemeinschaft bedienen.
Deshalb muss die Konsequenz lauten, dass – ähnlich wie in der Baubranche – es ein Verbot der ANÜ und der Werkverträge geben muss.
http://www.labournet.de/?p=139953 (http://www.labournet.de/?p=139953)

Die Leiharbeitsbranche (die eigentlich keine Branche ist) versucht sich im Gesundheitswesen als die bessere Alternative darzustellen. Der Schuss geht nach hinten los, wenn noch viel mehr deutlich gemacht wird, dass die Sklavenhändler die Situation schamlos ausnutzen. Gerade beim emotionalen Thema "Pflegenotstand" müsste das eigentlich möglich sein. Ob jetzt ein Verbot der ANÜ in der Pflege sinnvoll ist? Schwierig. Wer will es einem verdenken, wenn er anderswo mehr verdient und bessere Bedingungen hat.
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 08:55:46 Mo. 19.November 2018
Zitat
19.11.18
Trier. Die Besetzung von offenen Stellen in der Pflege stellt die Kliniken in der Region vor große Herausforderungen.
(...)
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. „Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann.“ Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

„Wir stehen erst am Anfang des Mangels, aber schon mitten in der Katastrophe“, lautet das ernüchternde Fazit von Jogerst-Ratzka.
https://www.volksfreund.de/region/die-besetzung-von-offenen-stellen-in-der-pflege-stellt-die-kliniken-in-der-region-vor-grosse-herausforderungen_aid-34569519 (https://www.volksfreund.de/region/die-besetzung-von-offenen-stellen-in-der-pflege-stellt-die-kliniken-in-der-region-vor-grosse-herausforderungen_aid-34569519)
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: dejavu am 20:32:53 Mo. 19.November 2018
Zitat
Dringend notwendig sei zudem, die Leiharbeit in der Pflege zu verbieten. „Dieser Sektor wirbt inzwischen mit Gehältern, bei denen kein Unternehmen mithalten kann.“ Gelder die dort ausgegeben würden, fehlten für das fest angestellte Personal. Und ein fester Arbeitsplatz könne mit den dort aufgerufenen Preisen im Moment gar nicht mithalten.

Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 20:54:20 Mo. 19.November 2018
Ist doch in sich widersprüchlich. Ein fester Arbeitsplatz kann nicht konkurrieren, womit? Mit Leihpersonal das wegen der Gewinne für die Leihbuden zwangsläufig noch mehr kostet als die Festen, die den gleichen Bruttolohn bekommen? Versteh ich nicht, bin ich zu dumm für.
Die Leihbuden kaufen sozusagen den Markt auf in dem Wissen, dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss. Dass Betreiber und Krankenhäuser auch nur die Kohle im Sinn haben, wird stillschweigend übergangen.
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: dejavu am 21:31:11 Mo. 19.November 2018
Zitat
dass ihre Ware auch überteuert abgenommen werden muss.
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
So nach dem Motto: Gehen sie doch zur Leihbude xy und schauen sie mal was sie da bezahlen.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 21:46:21 Mo. 19.November 2018
Ja? Und warum machen sich die AN das nicht zunutze und lassen sich gleich für Leiharbeitslohn plus X anstellen? der Gewinn der Leihbude ist ja als Luft nach oben noch da.
Wer die Ware überteuert ist doch im Prinzip egel, oder täusche ich mich da?
Das ganze müsste sich im Markt ja rumsprechen...
In weiten Teilen der Gesundheitsberufe bekommen sie doch auch als Leiharbeiter mehr. Und ja, es spricht sich am Markt rum. Da man aber in der Pflege nicht so einfach die Patienten liegen lassen kann, nutzen die Sklavenhändler diese Situation (noch) aus und verlangen absurde Summen für ihre Ware. Dieses Geld fehlt den Betreibern dann wiederum, um selber bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sagen sie zumindest. Dass sie sich jahrzehntelang einen Dreck darum geschert haben, steht auf einem anderen Blatt.
Titel: Re:Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 20:30:46 Di. 27.November 2018
Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben:
Zitat
27.11.18
Sind die Tage der Zeitarbeit in der Pflege gezählt?

Pflegekräfte und Klinikleitung – alle regen sich über die teure Leiharbeit auf. Nun gibt es erstmals eine Alternative: GigWork, eine digitale Plattform, die ähnlich wie Airbnb funktioniert. (...)
https://www.pflegen-online.de/sind-die-tage-der-zeitarbeit-in-der-pflege-gezaehlt (https://www.pflegen-online.de/sind-die-tage-der-zeitarbeit-in-der-pflege-gezaehlt)
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 00:10:33 Mi. 13.März 2019
Zitat
12.3.19
Piening-Fachbereich Incare wächst – Gesamtumsatz 2018 leicht im Plus

Mehr Leiharbeit in der Pflege

(blablabla…alles toll)

Gegründet wurde die Firma 1979 von Agnes und Jürgen Piening. Zum 40. Geburtstag werden 40.000 Euro an eine soziale Einrichtung gespendet – an wen, darüber stimmen die Kunden ab.
https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Bielefeld/Bielefeld/3700249-Piening-Fachbereich-Incare-waechst-Gesamtumsatz-2018-leicht-im-Plus-Mehr-Leiharbeit-in-der-Pflege

Piening war für den Streikbrechereinsatz bei Neupack mitverantwortlich und ist mit den „Gewerkschaften“ auf einer Wellenlänge.

Bewertung aus dem Internet:

Zitat
2012
Ich selber war 4 Jahre Personaldisponent bei der Piening Gmbh.

Unser Dienststellenleiter hat uns gelegentlich aufgefordert auf verschienen testberichtsseiten gute Testberichte mit 5 sterne bewertungen abzugeben. Deswegen sind die guten bewertungen bei Piening immer so kurz. Die Disponenten wissen wie schlecht die mitarbeiter bezahlt werden und wie schlecht es ihnen geht können dagegen aber nichts machen.
http://www.igmetall-zoom.de/Forum/viewtopic.php?f=7&t=4830&hilit=piening#p33169

Kurz darauf kommt dann übrigens auch der absurde Werner Stolz zu Wort.

Auf jeden Fall wird deutlich, wie krampfhaft die Sklavenhändler einen Imagewandel erzwingen wollen, und wie lustlos viele Journalisten mittlerweile sind.
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: tleary am 06:30:24 Di. 09.April 2019
Von all den *momentanen*, weil absoluter Personalmangel im Pflegebereich herrscht, ist die Qualität eines Leiharbeiters in der Pflege mit Sicherheit schlechter, weil es immer einige Monate dauert, bis einem die Abläufe im jeweiligen Pflegeheim/Krankenhaus geläufig sind ("Einlernzeit"). Danach sind die LA-Pfleger dann nur noch kurz da oder schon wieder weg, und müssen dann an anderem Ort wieder neu eingelernt werden.

Dieser ständige Personalwechsel geht auf Kosten der Qualität der Pflege, worunter letztenendes die Patienten und Pflegeheimbewohner leiden.

Außerdem ist die ganze Pflegemisere doch der von der Politik gewollten Führung von Krankenhäusern und Pflegeheimen als Wirtschaftsbetrieb geschuldet. Die Quittung kommt nun als zusätzlicher Kostenerhöher in Form von Leiharbeit, schon allein weil die Leihklitschen einen erklecklichen Teil des Leiharbeiterlohns in Form von (unnötigen) Verwaltungskosten und Profit für sich einbehalten.
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 15:42:10 Di. 28.Mai 2019
Zitat
28.5.19
Privater Pflegeverband: Steigende Pflegekosten durch Leiharbeit

Alterswissenschaftlerin befürchtet höhere Eigenanteile für Pflegebedürftige

(...) Es entstünden zusätzliche Kosten von bis zu 89 Prozent durch den Einsatz von Leiharbeitern.
(...) Sie verdienen vielfach mehr Geld als festangestellte Heimmitarbeiter und haben bessere Arbeitsbedingungen.
(...) Hohe Wechselprämien im vierstelligen Bereich für Werber und geworbene Pfleger könnten diesen Trend verstärken.
https://www.swr.de/report/privater-pflegeverband-steigende-pflegekosten-durch-leiharbeit-alterswissenschaftlerin-befuerchtet-hoehere-eigenanteile-fuer-pflegebeduerftige/-/id=233454/did=23867146/nid=233454/cxtj6c/index.html
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 12:13:23 So. 25.August 2019
Zitat
21.8.19
Zeitarbeit vom Problemlöser zum Problem

Dass immer mehr Pflegekräfte lieber bei Personaldienstleistern als in Festanstellung in einem Team arbeiten, bringt die Kliniken nicht nur finanziell in Schwierigkeiten: Auf den Stationen rumort es. Nun soll es (auch) die Politik richten.

Der Schulterschluss ist ein Novum und wäre noch vor kurzem undenkbar gewesen. Bei der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern will eine große Mehrheit der Berliner Krankenhäuser künftig einheitliche Regelungen in ihre Verträge mit den Verleihern übernehmen. Die Kontrakte sollen neben einer Preisbindung unter anderem vorschreiben, dass Zeitarbeiter alle drei Schichten abzudecken haben und dass die Anbieter Unterweisungen und Fortbildungen nachweisen müssen. (...)
https://www.kma-online.de/aktuelles/pflege/detail/zeitarbeit-vom-problemloeser-zum-problem-a-41748
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 17:29:54 Mo. 23.September 2019
Zitat
23.9.19
Gesetzgeber will Leiharbeit in der Pflege weitgehend verhindern

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will bei der geplanten besseren Vergütung der Pflege in den Krankenhäusern ein Ausweichen auf Leiharbeiter verhindern.

„Leiharbeit in der Pflege soll die Ausnahme sein und nicht die Regel werden“, sagte er heute. Pflegekräfte in Krankenhäusern bräuchten Kollegen, auf die sie sich verlassen könnten und die sie auch bei Wochenend- und Nachtdiensten entlasteten. „Deswegen schaffen wir Anreize, Pflegekräfte fest anzustellen, statt auf Leiharbeit auszuweichen.“

Konkret sollen höhere Kosten, die bei Leiharbeitskräften anfallen können, nicht von den Krankenkassen refinanziert werden, wie Spahn erläuterte. Dafür soll ein Änderungsantrag an einem anderen Gesetz angehängt werden, das in dieser Woche in den Bundestag ein­ge­bracht wird. (...)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106210/Gesetzgeber-will-Leiharbeit-in-der-Pflege-weitgehend-verhindern?
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 10:30:44 Di. 29.Oktober 2019
Zitat
28.10.19
Senatorin Kalayci will Leiharbeit in der Pflege verbieten

In Pflegeheimen und Kliniken fehlt Stammpersonal - auch, weil Fachkräfte von Leiharbeitsfirmen abgeworben werden. Berlin will im Bundesrat dagegen vorgehen.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) will Leiharbeit in der Pflege verbieten lassen. Anfang 2020 soll Berlin dazu eine Bundesratsinitiative starten; ein solcher Arbeitsmarkt-Eingriff ist Bundessache. „Wir werden dazu auf Bundesebene aktiv werden, Genaueres stellen Akteure und ich aus der Pflegebranche demnächst vor“, sagte Kalayci dem Tagesspiegel am Montag.

Heim- und Klinikleiter berichten seit Jahren, dass Pflegekräfte zunehmend Betriebe verließen und sich von Leasing-Firmen anstellen lassen. Diese zahlen höhere Löhne, um die knapper werdenden Pflegekräfte in den Betrieben zu ersetzen. Zudem versuchen Leiharbeiter, den Nacht- und Wochenendschichten zu entgehen.

Darunter, dass die Belegschaften öfter wechselten, leide die Pflegequalität, sagte Kalayci. Damit es ausreichend Stammpersonal gebe, müsse besser entlohnt und öfter ausgebildet werden. Der Bundestag hatte deshalb am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet: Es schafft die Grundlage für einen allgemeinverbindlich erklärten, also flächendeckenden Tarifvertrag in der Branche.
https://www.tagesspiegel.de/berlin/leasing-firmen-werben-fachkraefte-senatorin-kalayci-will-leiharbeit-in-der-pflege-verbieten/25162724.html
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 12:42:08 Do. 23.Januar 2020
Zitat
23.1.20
Online-Plattform InSitu legt Preisobergrenze für Zeitarbeit in der Pflege fest
Berliner Anbieter will Preisspirale in der Pflege stoppen


Das Berliner Unternehmen InSitu gibt heute bekannt, eine Preisobergrenze für die mit ihm kooperierenden Zeitarbeitsunternehmen im Bereich Pflege einzuführen. Ziel der Deckelung ist es, die in Teilen überhöhten Preise für Leiharbeit auf ein adäquates Maß zu reduzieren. (...)
Als Digital-Plattform kooperiert InSitu mit über 300 Zeitarbeitsfirmen, die Pflegepersonal an Kliniken, Pflegeheime oder Seniorenheime vermitteln. Aktuell erhält InSitu ein monatliches Volumen von 55.000 Personalanfragen, die das Unternehmen mit einer Buchungsquote von 87% erfolgreich beantwortet. (...)
https://www.presseportal.de/pm/140625/4499891
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Tiefrot am 22:51:26 Do. 23.Januar 2020
Zitat
Online-Plattform InSitu legt Preisobergrenze für Zeitarbeit in der Pflege fest
Berliner Anbieter will Preisspirale in der Pflege stoppen
Es ist eine Binse, das in Berufen mit wenig Leuten die Löhne steigen.
Was wollen die denn ? Examinierte Krankenpfleger für 'nen Euro die Stunde ?  >:(
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 22:57:24 Do. 23.Januar 2020
(...)
Was wollen die denn ? Examinierte Krankenpfleger für 'nen Euro die Stunde ?  >:(

Die wollen ihren Arsch retten. Lesenswert dazu:

Zitat
23.1.20
Aus der mal nicht eindeutigen Welt der Leiharbeit. In der Pflege. Oder: Wenn ausnahmsweise Arbeitgeber vor Leiharbeitern geschützt werden sollen
(...)
https://aktuelle-sozialpolitik.de/2020/01/23/aus-der-mal-nicht-eindeutigen-welt-der-leiharbeit/
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Tiefrot am 00:15:46 Sa. 25.Januar 2020
Danke für den Artikel, Fritz.

Zitat
Daher überbieten sich viele Verleiher mit vielversprechenden Zusagen. Von übertariflicher Bezahlung, Weihnachts- und Urlaubsgeld, verbindlicher Dienstplangestaltung weit im Voraus und steuerfreien Zulagen ist in den Stellenanzeigen die Rede. Manche locken auch mit einem Willkommensbonus in Höhe von mehreren Hundert Euro. Das treibt die Preise hoch.
Davon glaube ich kein Wort. Es ist ja bei Sklavenhändlern schon länger üblich,
Leute mit solchen Goodies zu ködern und dann nichts folgen zu lassen.
Kann mir nicht vorstellen, das die Spekulanten (Sklavenhändler sind durchgängig Spekulantenhappen)
sich das bieten lassen.

Zitat
Aber selbst wenn man eine Vollbremsung der Leiharbeit in der Pflege befürwortet, stellt sich eine gewichtige praktische Frage, die in dem Beitrag Der Gesetzgeber will Leiharbeit in der Pflege „weitgehend verhindern“. Selbst wenn er wollte – wie will er das machen?
Hmmmm - Wie wäre es mit einem ersatzlosen Totalverbot von (u.a.) Leiharbeit ?
Ach nee, wäre ja zu einfach und für die Arbeiter zu gut...  >:(

Zitat
Nun berichtet Rainer Woratschka unter der Überschrift Lohnbegrenzung für Pflege-Leiharbeiter in Berlin: »Die Drohung der Berliner Gesundheitssenatorin wirkt: Um ein Verbot für die Pflege zu verhindern, will der größte Vermittler Löhne von Leasingkräften begrenzen.«
Wieso dieses ? Pflege ist ein absoluter Knochenjob, was ist dagegen einzuwenden,
in dem Beruf anständig zu verdienen ?

Zitat
Deutschlands größte Vermittlungs-Plattform für Pflegekräfte plant nun eine Preisobergrenze für alle mit ihr kooperierenden Zeitarbeitsunternehmen, berichtet Woratschka und meint damit die Firma InSitu. Es handelt sich dabei also nicht um eine „klassische“ Verleihfirma, sondern um eine dieser Plattformen: InSitu ist eine digitale Plattform, die Pflegekräfte an Entleiher wie Kliniken oder Pflegeheime vermittelt. Dazu kooperiert InSitu mit über 300 Verleihern.
Latürnich, so läßt sich die Rendite hoch halten.

Zitat
Ziel der Deckelung ist es, die in Teilen überhöhten Preise für Leiharbeit auf ein adäquates Maß zu reduzieren. Der Einsatz von Zeitarbeit in der Pflege wird zunehmend problematisch, da sich die Arbeitsbedingungen des Stammpersonals im Verhältnis zum Zeitarbeitspersonal dramatisch verschlechtern.
Aha. Die Pflegeeinrichtungen sehen es also in keinem Falle ein, ihre Leute ordentlich zu bezahlen.
Und dann wundern die sich, das die keine Leute kriegen, bzw. auch für Leihkeulen immer mehr
bezahlen müssen ? Leute, für euch wird es so oder so teurer. Also zahlt gleich anständig.
Sich Mitarbeiter aus dem Ausland zu holen, scheint denen auch nicht mehr billig genug zu sein. Gut so !
Ist schon Scheiße, wenn Leute berichten, nech ?  ;D

Zitat
Durch die Tarifbindung sind Krankenhäuser und Pflegeheime nur sehr eingeschränkt wettbewerbsfähig in diesen beiden Feldern.
Krankenhäuser und Pflegeheime sind soziale Einrichtungen, verdammt noch mal !
Werft die Spekulanten endlich da raus !  >:(

Prof. Dr. Sell hat hier ganz gut wiedergegeben, das die Lohnwelt aus den Fugen ist.
Also Leiharbeit generell verbieten und anständige Löhne für die Arbeiter.
Und wie gesagt, Spekulanten raus aus der Daseinsvorsorge. Dann klappts auch wieder.  ;)
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 23:21:07 Di. 04.Februar 2020
Ein weiterer Bericht zur Leiharbeit in der Pflege:

Zitat
4.2.20
Weshalb immer mehr Bremer Pflegekräfte in die Leiharbeit fliehen

Bremens Kliniken verlieren zunehmend Personal, das sie anschließend über Zeitarbeitsfirmen auf Station zurückholen. Darum verzichten viele auf die sichere Festanstellung. (...)
https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/leiharbeit-pflegebranche-100.html

Bei der gesamten Berichterstattung kommt immer rüber, dass die Sklavenhändler in größter Not für die Beschäftigten eingesprungen sind und die Sklavenhändlerbranche nur von dem Pflegenotstand profitiert. Nebenbei ist es so, dass es schon seit Jahren Strategiepapiere von einigen IGZ- und BAP-Pfeifen gibt, in denen ganz genau die Marktlage analysiert wurde. Da ist dann die Rede davon, wo man präsent sein könnte, um das eigene Image aufzupolieren. Konsequenterweise wurde der Pflegesektor ausgewählt, der sich am wenigsten wehren kann, da er immer noch unter die allgemeine Daseinsfürsorge fällt.
Leiharbeit als Alternative in der Pflege wurde langfristig geplant und ist ein großartiges Projekt der "Köpfe der Zeitarbeit":
https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,28830.0.html

Die ganze Absurdität der jetzigen Situation lässt sich mMn tatsächlich nur dadurch lösen, indem man Leiharbeit in der Pflege verbietet, auf dass die Spaltung endlich aufhört und ein schöner Dominoeffekt auch in anderen Branchen entsteht. 

Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 21:53:36 So. 08.März 2020
Zitat
8.3.20
Zeitarbeit in der Pflege

Der Pflegenotstand hat sich in den letzten zwei Jahren immer weiter zugespitzt. Nicht nur der deutsche Markt ist leergefegt, auch im europäischen Ausland gibt es kaum noch Pflegekräfte, die in Deutschland arbeiten könnten. Die Not der Kliniken ist für Zeitarbeiter eine gute Nachricht: Weil sie die Lücken füllen, können sie die Bedingungen fast nach Belieben diktieren: Mehr Gehalt als das Stammpersonal, freie Wahl der Arbeitszeiten und Schichten. Arbeitsbedingungen von denen das Stammpersonal nur träumen kann. Die Kliniken fürchten jetzt einen Dominoeffekt: Immer mehr Pflegekräfte könnten sich für die attraktivere Zeitarbeit entscheiden und die Lage weiter verschärfen.
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/video-zeitarbeit-in-der-pflege-100.html

Entweder die Profiteure der Gesundheitsindustrie gewinnen lassen oder kämpfen. Der DGB mit seinem vorauseilenden Gehorsam ist da wohl eher ein schlechter Berater. Musss auch ohne gehen...
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 15:13:55 Do. 02.April 2020
Klitzekleines Argument gegen Leiharbeit ist wohl neuerdings auch der ständig wechselnde Arbeitsplatz und die damit verbundene Durchseuchung von Stationen und ganzer Pflegeheime.
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 11:11:47 Di. 14.April 2020
Zitat
14.4.20
Pfleger positiv: 15 Klinikmitarbeiter in Quarantäne
(...)
Warum er sie verschwieg, ist bisher nicht bekannt. Der Pfleger war als Leiharbeitskraft eingesetzt.
(...)
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Pfleger-positiv-15-Klinikmitarbeiter-in-Quarantaene,coronavirus1374.html

Das kann natürlich auch ohne Leiharbeit in der Pflege passieren, das Werbeargument der spannenden wechselnden Arbeitsorte gildet aber nun nicht mehr.
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Schildhorster am 05:59:46 Di. 21.April 2020
Die ganze Absurdität der jetzigen Situation lässt sich mMn tatsächlich nur dadurch lösen, indem man Leiharbeit in der Pflege verbietet, auf dass die Spaltung endlich aufhört und ein schöner Dominoeffekt auch in anderen Branchen entsteht.
Ich habe gelesen und inzwischen auch auf Nachfrage aus meinem privaten Umfeld erfahren, dass immer mehr Pflegekräfte bei ihrem Arbeitgeber kündigen und in die Leiharbeit wechseln. Gründe sind die bessere Bezahlung und vor allen Dingen bessere Arbeits(zeit)bedingungen (als Leiharbeiter sind sie nicht so schnell erpressbar).
Das würde bedeuten, dass ein Verbot der Leiharbeit in diesem Bereich die Situation verschlechtert.... 
Mir ist klar, dass das so nicht stimmt, es soll aber zeigen, dass das Problem vielschichtiger ist. Das sehen wir ja gerade jetzt in der Corona-Krise.
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 16:37:20 Do. 30.April 2020
Zitat
30.4.20 (komplett wegen "Registrierungszwang")

Weniger Leih-Pflegekräfte in der Coronakrise

Zeitarbeitsfirmen haben in der Coronakrise eigentlich eine wachsende Nachfrage von Pflegekräften erwartet und rechneten bereits mit steigenden Entgelten. Einige Zeitarbeitsfirmen verzeichnen nun jedoch Nachfragerückgänge bei Pflegehelfern von 70 Prozent und müssen selbst Kurzarbeit anmelden.

Viele Krankenhäuser haben wie von der Politik gefordert in der Coronavirus-Krise ihre Behandlungskapazitäten hochgefahren. Dafür haben sie auch in großen Aufrufen Medizinstudenten in höheren Semestern, pensionierte Pflegekräfte und Berufswechsler mit einem medizinischen Abschluss reaktiviert, um für den vermuteten Ansturm von Covid-19-Patienten gerüstet zu sein. Das Potenzial von Leih-Pflegekräften bleibt jedoch weitgehend ungenutzt, zeigen Recherchen von Tagesspiegel Background. Und das obwohl die Zahl von Pflegekräften in Kliniken und Pflegeheimen wächst, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben und deshalb unter Quarantäne stehen.

Allein in Berlin sind derzeit knapp 100 Mitarbeiter in den stationären Pflegeheimen nachgewiesenermaßen infiziert. Vor diesem Hintergrund hatten noch im März Zeitarbeitsfirmen, die auf die Überlassung von Pflegekräften spezialisiert sind, eine stark wachsende Nachfrage nach ihrer Dienstleistung erwartet. Man rechnete bereits mit steigenden Entgelten dafür. Laut einer 2019 veröffentlichten Detailanalyse der Bundesagentur für Arbeit gibt es in der Krankenpflege in Deutschland rund 22.000 Leiharbeitnehmer, in der Altenpflege 12.000. Mit steigender Tendenz.

Doch ausgerechnet in einer Zeit, in der zum einen durch den Ausbau von Behandlungskapazitäten in den Krankenhäusern und zum anderen durch eine immer größere Zahl von infizierten Pflegekräften die Lücken größer werden, bleibt diese Personalreserve zum großen Teil ungenutzt. Tagesspiegel Background hat sich bei Vermittlungsagenturen und Zeitarbeitsfirmen umgehört. Das Ergebnis: Der erwartete große Nachfragesprung bei den Leasingkräften in der Pflege blieb aus. Der Bedarf fällt derzeit sogar geringer aus als im Vorjahr. „Wir registrieren aktuell eine Halbierung der Nachfrage zum Vorjahr“, sagt Alexander Muschalle, Geschäftsführer der Berliner Firma InSitu, dem nach eigenen Angaben größten Vermittlungsportal in Deutschland, das Auftraggeber und Leiharbeitsfirmen in der Pflege zusammenbringt.

Sinkende Preise

Mit 70 Prozent weniger sei der Nachfragerückgang bei den Pflegehelfern „dramatisch“. Auch die Nachfrage nach Fachkräften sei deutlich zurückgegangen. Das Ergebnis des Einbruchs sei, dass bereits einige Zeitarbeitsunternehmen Kurzarbeit anmelden mussten. Und der Nachfragerückgang wirkt sich auch auf die Honorare aus: „Die Preise der Verleiher sinken“, sagt Muschalle. Ähnliche Erfahrungen macht die Berliner Zeitarbeitsfirma Anbosa, die auf die Überlassung von Pflegekräften in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern und Pflegeheimen spezialisiert ist. „Im Vorjahresvergleich erleben wir gerade eine stark rückläufige Nachfrage sowohl nach Leasingkräften, als auch nach Freelancern“, sagt Anbosa-Geschäftsführer Andreas Worch. „Wir haben grob geschätzt etwa zehn Prozent weniger Anfragen.“

Einen rückläufigen Bedarf bestätigt auch die auf Pflege spezialisierte Berliner Zeitarbeitsfirma Flexxicare, „sowohl in den Kliniken als auch in den Pflegeeinrichtungen“, sagt Ulrike Müller, stellvertretende Geschäftsführerin von Flexxicare. Die Gründe lägen auf der Hand, meint Worch. „Krankenhäuser haben viele Stationen geschlossen, um die Intensivbetten und die personellen Kapazitäten dafür bereitzustellen.“ Weil die übrigen Stationen nicht belegt seien, könnten die „Kundenbetriebe“ in der Regel den Bedarf aus eigenen Reihen sicherstellen. Das zeige sich schon daran, dass einige Krankenhäuser in Deutschland Kurzarbeit angemeldet hätten.

Und auch in den Pflegeheimen wachse der Personalbedarf nicht, denn dort habe „ein stilles Sterben begonnen“. Etwa ein Drittel aller Corona-Toten lebte in Heimen. Ein weiterer Grund sei, dass Pflegeheime Leasingpersonal mit größter Achtsamkeit buchen, um das Eintragen von Infektionen ins Haus zu vermeiden, sagt Flexxicare-Vizechefin Müller. Und auch die Leasingfirmen selbst leiden unter einem hohen Krankenstand. „Wir hatten in den schlimmsten Zeiten der Pandemie einen coronabedingten Personalausfall in Höhe von 20 Prozent“, sagt Anbosa-Geschäftsführer Worch. „Es ist anderes gekommen, als wir alle dachten“, sagt InSitu-Chef Muschalle. „Der Markt ist extrem zurückgegangen, da die Einrichtungen sehr hohe Kapazitäten geschaffen haben und wir in Deutschland keine Überforderung des Gesundheitssystems haben.“

Und vielleicht ist genau das ein weiteres Argument für die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), die daran festhält, das Verbot von Leasing in der Pflege vorantreiben zu wollen. Die Bundesratsinitiative zur Eindämmung der Leiharbeit in der Pflege wurde am 13. März in den Bundesrat eingebracht und in die Ausschüsse überwiesen, die wegen der Coronakrise derzeit pausieren. Das Thema wird also wiederkommen.
https://background.tagesspiegel.de/gesundheit/weniger-leih-pflegekraefte-in-der-coronakrise

Zitat
30.4.20
Corona im Vitanas-Seniorenheim in Wankendorf: Ein als Leiharbeiter eingesetzter Pfleger ist mit dem Virus infiziert, er wurde positiv getestet. Ein Wohnbereich mit 40 Menschen ist isoliert.
(...)
Der infizierte Mitarbeiter einer Leasingfirma sei nur an einem Tag für eine einzige Schicht im Einsatz gewesen.
(...)
https://www.kn-online.de/Lokales/Ploen/Corona-Fall-in-Wankendorf-Vitanas-Pflegeheim-sieht-keinen-Grund-zur-Sorge
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 10:14:17 Mi. 19.August 2020
Zitat
19.8.20
„Vor uns sitzen weinende Kolleg*innen“

taz: Herr Fabian, in Ihrem Aufruf zu der Kundgebung heute heißt es, „die Situation der Pflegenden in den Krankenhäusern und Altenheimen wird immer unerträglicher“. Gilt das nicht schon lange?

Roman Fabian: Ja, wir hatten schon vor Corona einen gravierenden Fachkräftemangel. (...)

Ich habe gehört, dass die Altenheime jetzt Pflegepersonal an die Kliniken verlieren, weil die Arbeitsbedingungen dort noch unerträglicher sind. Stimmt das?

Jein. Es wandern aus den Altenheimen gerade viele in die Leiharbeitsfirmen ab und werden dann von diesen an die Kliniken ausgeliehen. Das Problem ist dann, dass sie dort nicht nur für Hilfstätigkeiten eingesetzt werden, sondern ganz regulär in der Krankenpflege. Dabei sehen die meisten ein Krankenhaus zum ersten Mal von innen. Das führt dazu, dass die Kolleg*innen in den Kliniken deren Arbeit kontrollieren müssen, damit keine Patient*innen gefährdet werden. (...)
https://taz.de/Vor-uns-sitzen-weinende-Kolleginnen/!5702673/

Zitat
Kundgebung: „Mehr Personal und mehr Geld für die Beschäftigten in den Krankenhäusern und in der Altenpflege“, 14 Uhr, Haltestelle Klinikum Links der Weser
Titel: Re: Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie
Beitrag von: Fritz Linow am 13:15:28 Di. 25.August 2020
Zitat
24.8.20
Angestellte Pflegekräfte sehen Zusammenarbeit mit Zeitarbeitenden kritisch

Das geht aus einer Online-Umfrage her­vor, die die Pflegekammer Niedersachsen zwi­schen September und November 2019 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) durch­geführt hat. Von den 2.662 Mitgliedern der Kammer, deren Antworten ausgewertet wurden, arbeiteten 86 Prozent als Angestellte und vier Prozent als Zeitarbeiter. (...)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/115888/Angestellte-Pflegekraefte-sehen-Zusammenarbeit-mit-Zeitarbeitenden-kritisch