Autor Thema: Heimkinder....  (Gelesen 1067678 mal)

Martin Mitchell

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Noch so eine evangelische Fürsorgehölle – "Voccawind" mit Steinbruch.
« Antwort #1455 am: 00:14:38 Di. 14.Januar 2020 »
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● Noch so eine evangelische Fürsorgehölle – "Voccawind" mit Steinbruch für die jugendlichen Zwangsarbeiter.

Bezüglich dem Basaltsteinbruch auf dem Zeilberg in Voccawind bei Maroldsweisach, in Unterfranken, Bayern, Bundesrepublik Deutschland und dem dort von 1948 bis 1979 bestehenden bundesrepublikanischen Arbeitserziehungslager betrieben von der Inneren Mission / Diakonie / Evangelischen Kirche.

Bundesregierung und Kirche wissen genau um was es hier geht :
[ Siehe SEITE 3 @
https://www.veh-ev.eu/wp-content/uploads/2019/09/archiv4.pdf (Umfang dieses Vereinsarchivs insgesamt 33 Seiten) : ]

» [ VEH e.V.: ] Tatsächlich: Man darf in der DDR erzwungene Arbeit "Zwangsarbeit" nennen
Sun, 25 Dec 2016 14:38:45, admin,
Martin Mitchell hat dies für uns aufgespürt: «

Er selbst gab dies ebenso schon wieder in seinem eigenen Forum, dem
EHEMALIGE-HEIMKINDER-TATSACHEN.COM-Forum, am Montag, 12. Dezember 2016, 02:59 Uhr :


Zitat
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[ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?p=1258#p1258 : ]

Die Bundesrepublik zeigt anklagend mit dem Finger auf die DDR

Das Leben der Heimkinder in der Deutschen Demokratischen Republik

QUELLE: Berliner Morgenpost @ http://www.morgenpost.de/politik/article208927127/Zwangsarbeit-im-Kinderheim.html :

Zitat
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BERLIN

Zwangsarbeit im Kinderheim

Eine neue Studie der Bundesregierung zeigt, wie die DDR Kinder und Jugendliche ausbeuten ließ

Von Christian Kerl

09.12.2016, 03:00

Berlin. Sie wurden schikaniert, geschlagen, eingesperrt und gedemütigt:
Hunderttausende Heimkinder in der DDR haben zum Teil gravierendes Unrecht erlebt. Vor allem in Einrichtungen der Jugendhilfe zur "sozialistischen Umerziehung" herrschten rabiate Methoden, unter denen viele Opfer bis heute leiden. Jetzt belegt eine neue Studie im Auftrag der Bundesregierung besonders schlimme Auswüchse: In den Heimen wurden Kinder und Jugendliche teilweise systematisch zur Zwangsarbeit herangezogenunter Strafandrohung und ohne ausreichende Rücksicht auf Alter und Gesundheit.


Sogar als Leiharbeiter in der Industrie wurden Heimkinder eingesetzt: Wenn Betriebe die Leistungen des Fünfjahresplans nicht erfüllen konnten oder für den Westexport produzierten, "wurden Jugendliche von ihren Heimeinrichtungen regelrecht verliehen". Den erschütternden Bericht hat [ das evangelische ] Deutsche Institut für Heimerziehungsforschung [ an der Evangelischen Hochschule Berlin ] erarbeitet, er wird am Sonnabend bei einer Fachtagung in Berlin vorgestellt. Dieser Zeitung liegt die Studie "Zwangsarbeit/erzwungene Arbeit in den Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe" in Auszügen bereits vor. Auftraggeber sind das Bundeswirtschaftsministerium und die dort angesiedelte Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke. Die Thüringer SPD-Bundestagsabgeordnete sagt: "Die Studie zeigt ganz deutlich: Die DDR hat es zugelassen, dass Kinder und Jugendliche ausgebeutet wurden."

[ ……… ]
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Martin Mitchell

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.
« Antwort #1456 am: 10:38:06 Sa. 18.Januar 2020 »
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● Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND (klassifiziert als "Menschenrechtsverletzungen").

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Jetzt hier vorwiegend in Bezug auf das Bundesland Schleswig-Holstein.

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„Unfassbar und schockierend“ Heimkinder für Medikamenten-Tests missbraucht! ( 10.01.2020, 15:13 Uhr ) @ https://www.mopo.de/im-norden/schleswig-holstein/-unfassbar-und-schockierend--heimkinder-fuer-medikamenten-tests-missbraucht--33720990

NDR 1 Welle Nord
Medikamententests an Kindern: Weil es billiger war ( Stand: 09.01.2020, 07:00 Uhr )
von Carsten Janz, Christian Schepsmeier @
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamententests-an-Kindern-Weil-es-billiger-war,medikamentenversuche170.html


NDR 1 Welle Nord
Medikamentenversuche: "Erschreckend" bis "unfassbar" ( Stand: 09.01.2020, 21:08 Uhr )
von Constantin Gill @
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Medikamententests-Erschreckend-bis-Unfassbar,medikamentenversuch102.html


Die Story im Ersten: Versuchskaninchen Heimkind -
[
Montag in 2 Wochen ! ] Mo. 03.02.2020 - ARD: 23.30 Uhr


Die Story im Ersten: Versuchskaninchen Heimkind

Missbrauchsskandal unter deutschen Dächern

Rupert Sommer - 10.01.2020

Wie die neue, vom SWR für das ARD-Hauptprogramm erstellte Dokumentation zeigt, wurden bis in die 1970er-Jahre Kinder und Jugendliche in deutschen Heimen und psychiatrischen Anstalten ungewollt Opfer von Medikamententests.

https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-vermischtes_artikel,-missbrauchsskandal-unter-deutschen-daechern-_arid,1888495.html

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Noch so eine evangelische Fürsorgehölle – "Voccawind" mit Steinbruch.
« Antwort #1457 am: 09:15:50 Mo. 20.Januar 2020 »
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● Noch so eine evangelische Fürsorgehölle – "Voccawind" mit Steinbruch für die jugendlichen Zwangsarbeiter.

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VEH e.V. – wir *aufdecken* was andere versuchen zu verstecken!

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Dank mir – dem Australier Martin Mitchell –

eine Textsuche – also eine Suche nach gedruckter Information – mit folgendem SUCHSTRANG
»"Voccawind"+"Arbeitserziehungslager"+"Steinbruch"+"Loren"« fördert jetzt alle diesbezügliche über GOOGLE im Internet zugängliche Information zu Tage :

TEXT-SUCHE – RESULTATE:

https://www.google.com/search?sxsrf=ACYBGNRcZeuWgQkBDd9qrwOlwIISGSgafw%3A1579211807000&source=hp&ei=HtwgXtmnO6WR4-EPl4WTqAk&q=%22Voccawind%22%2B%22Arbeitserziehungslager%22%2B%22Steinbruch%22%2B%22Loren%22&oq=%22Voccawind%22%2B%22Arbeitserziehungslager%22%2B%22Steinbruch%22%2B%22Loren%22&gs_l=psy-ab.3..33i160l4.34802.34802..36655...2.0..0.240.240.2-1......0....2j1..gws-wiz.6xCEvZgM73s&ved=0ahUKEwjZrp62jonnAhWlyDgGHZfCBJUQ4dUDCAY&uact=5 .

Dank mir – dem Australier Martin Mitchell –

eine Bildersuche – also fotografische Abbildungen – mit folgendem SUCHSTRANG
»"Voccawind"+"Arbeitserziehungslager"+"Steinbruch"+"Loren"« fördert jetzt alle diesbezüglichen über GOOGLE im Internet zugänglichen Fotos zu Tage :

BILDER-SUCHE – RESULTATE:

https://www.google.com/search?q=%22Voccawind%22%2B%22Arbeitserziehungslager%22%2B%22Steinbruch%22%2B%22Loren%22&sxsrf=ACYBGNSukYzQbN_FRH2iT5sF2PrykAumHA:1579211844769&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwi-hKHIjonnAhXXzTgGHTekCDYQ_AUoAnoECAsQBA&biw=1023&bih=589 .

Und, soweit es mir möglich ist, werde ich jetzt persönlich unaufhaltsam dafür sorgen, daß sich diese TEXT- und BILD- DATENBANKEN im Internet bezüglich dem Thema
»"Voccawind"+"Arbeitserziehungslager"+"Steinbruch"+"Loren"« dieses Ortes, und auch anderen ähnlichen solchen *Orten bundesrepublikanischer Zwangsarbeit*, immer mehr erweitern.
 

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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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Martin Mitchell

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Noch so eine evangelische Fürsorgehölle – "Voccawind" mit Steinbruch.
« Antwort #1458 am: 01:16:01 Do. 23.Januar 2020 »
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● Noch so eine evangelische Fürsorgehölle – "Voccawind" mit Steinbruch für die jugendlichen Zwangsarbeiter.

Das bundesrepublikanische Arbeitserziehungslager "VOCCAWIND" in Bayern (DORT betrieben von der Inneren Mission / Diakonie / Evangelischen Kirche, von 1948 bis 1979), orientierte sich wohl auch "first and foremost" am Muster und Vorbild des Arbeitshauses / Landesfürsorgeheims "BREITENAU" in Hessen (DORT auch nach dem Krieg staatlicherseits weiterhin betrieben (von 1945 bis 1968/1969)), worüber im Nachfolgenden hauptsächlich die Rede ist :

Das Gedankengut und die Denkweise der NSDAP nach 1945 herrschte lange Zeit fort in den Köpfen des deutschen Beamtentums und vielen Politikern sowohl wie auch in den Köpfen vieler Kirchenoberen und Betreibern und Betreiberinnen von Heimerziehungseinrichtungen deutschlandweit!, so scheint es mir.

Jeder kann es für sich selbst überprüfen :


QUELLE: https://d-nb.info/991735595/34 (ingesamt 401 Seiten) :

Zitat
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[ SEITE 1: ]

Ayaß --- Das Arbeitshaus Breitenau

[ SEITE 2: ]

Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde, Heft 23
Hrsg.: Verein für hessische Geschichte und Landeskunde e. V. Kassel 1834
Schriftleitung: Helmut Burmeister, Arensberg 8, 3520 Hofgeismar

Nationalsozialismus in Nordhessen - Schriften zur regionalen Zeitgeschichte, Heft 14
Hrsg.: Gesamthochschule Kassel, Fachbereich 1
Redaktion: Dietfrid Krause-Vilmar


Dr. phil. Wolfgang Ayaß, geb. 1954 in Marbach/N., 1976-1981 Studium der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik in Kassel, 1982-1985 Sozialarbeiter in einem Heim für Wohnungslose in Karlsruhe, 1985-1988 Studium der Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft in Kassel, Magister Artium, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Gesamthochschule Kassel, Promotion mit vorliegender Arbeit am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Gesamthochschule Kassel.

Umschlag: Stephan von Borstel
Vertrieb: Jenior & Pressier, Lassallestr. 15, 3500 Kassel

1. Auflage 1992
ISBN: 3-88122-670-2
ISSN: 0175-1840


Copyright Gesamthochschule Kassel, Fachbereich 1, Gesamthochschulbibliothek

[ SEITE 3: ]

Wolfgang Ayaß

Das Arbeitshaus Breitenau

Bettler, Landstreicher, Prostituierte,
Zuhälter und Fürsorgeempfänger
in der Korrektions- und Landarmenanstalt
Breitenau (1874-1949)


Gesamthochschule Kassel
Verein für hessische Geschichte und Landeskunde e.V.
Kassel 1992

[
NOCHMALIGER HINWEIS AUF DIE QUELLE: https://d-nb.info/991735595/34 (ingesamt 401 Seiten) : ]

[ SEITE 338: ]

[ MM - Vorhergehendes Textmaterial in dieser Veröffentlichung ist, m.E., ebenso höchst relevant zu dieser meiner Argumentation! ]

Schließung des Arbeitshauses Breitenau durch die Militärregierung

[ ……… ]

[ SEITE 341: ]

[] Damit war sowohl der strafrechtlichen wie auch der fürsorgerechtlichen Arbeitshausunterbringung die Rechtsgrundlage entzogen. 74 Jahre nach seiner Gründung mußte das Arbeitshaus Breitenau [in Hessen] geschlossen werden.

In den letzten Märztagen entließ die Direktion [des Arbeitshauses Breitenau] nach und nach die Korrigendinnen und Korrigenden. Am 31. März 1949 verließen die letzten Breitenauer Korrigenden, 25 Frauen und 15 Männer, die Anstalt.
50 Insgesamt sollen in der Amerikanischen Besatzungszone durch die Schließung der Arbeitshäuser über zweitausend Personen freigekommen sein.51

Das Arbeitshaus Breitenau wurde geschlossen. Die Anstalt Breitenau bestand jedoch weiter, denn das Gesetz der Militärregierung hatte nur die Zwangseinweisung von Korrigenden und Fürsorgeempfängern verboten, die Trägerschaft und die Besitzverhältnisse der Anstalt jedoch nicht angetastet. In der Anstalt befand sich weiterhin das [hessische] Geschlechtskrankenhospital und das [hessische] Landesfürsorgeheim. Bereits am Tag der Schließung des Arbeitshauses meldete die Direktion, die Anstalt führe in Zukunft die Bezeichnung [hessisches] Landesfürsorgeheim Breitenau und diene der Unterbringung von Fürsorgepfleglingen.52 Den weiteren Arbeitsschwerpunkt sah man in der Unterbringung "gefährdeter" bzw. "asozialer" Frauen. Breitenau solle als [hessisches] Fürsorgeheim und als [hessische] Bewahranstalt dienen. "Wenn später einmal ein Bewahrungsgesetz erlassen werden sollte, dann ist in dieser Beziehung schon eine gewisse Vorarbeit geleistet."53

Im Oktober 1949 erhielt die Anstalt die Bezeichnung Landesfürsorgeheim Fuldatal, Guxhagen bei Kassel.54 Über diese Namensänderung entbrannte schnell eine öffentliche Kontroverse. Die Gemeinde Guxhagen sprach sich gegen die Änderung aus.55 Auch die Tageszeitung Kasseler Post kritisierte die Umbenennung. Die Begründung, "es ist in den letzten Jahren so viel Häßliches, ja Unrecht in Breitenau geschehen, daß dieser Name verschwinden muß",

[ SEITE 342: ]

sei zu dürftig. Innerhalb des Bezirksverbands bemerkte man zu diesem Artikel, man habe nichts dagegen, die Anstalt in einigen Jahren, "wenn Gras über die Sache gewachsen ist", wieder nach ihrem historischen Namen zu benennen.
56 Jahrzehntelang war die Kasseler Bezirkskommunalverwaltung stolz auf den abschreckenden Namen Breitenau gewesen. Jetzt, nach den Verbrechen des Nationalsozialismus, wollte man lieber verdrängen und vergessen.

[ MM - Siehe diesbezüglich auch
"Gedenkstätte Breitenau" @ http://www.gedenkstaette-breitenau.de/1940.htm und "Jugendliche und Kinder als Gefangene" @ http://www.gedenkstaette-breitenau.de/jugendliche.htm ]

Das Ende der Arbeitshausunterbringung 1967/74

Die Arbeitshäuser der französischen, der britischen und der sowjetischen Besatzungszone blieben nach dem Verbot der Arbeitshäuser der amerikanischen Zone unverändert bestehen. Erst das dritte Strafrechtsänderungsgesetz von 1953 schuf für die Bundesrepublik Deutschland wieder einen einheitlichen Rechtszustand.
57

Rechtsgrundlage blieb bis in Einzelheiten hinein der 1934 geschaffene § 42 d StGB. Die maximale Unterbringungszeit legte der Gesetzgeber auf zwei Jahre bei erstmaliger Unterbringung und, als einzige Änderung gegenüber der Regelung von 1934, auf vier Jahre bei wiederholter Unterbringung fest. Die von den US-Stellen bei der Schließung der Arbeitshäuser in der amerikanischen Zone kritisierte unbestimmte Unterbringungsdauer wurde abgeschafft.58 Mit vier Jahren war die Höchstdauer der bundesrepublikanischen Arbeitshausunterbringung allerdings doppelt so lang wie die des Reichsstrafgesetzbuchs von 1871 und ein Jahr länger als die des preußischen Strafgesetzbuchs von 1851.

Die Arbeitshauseinweisungen blieben in der Bundesrepublik Deutschland vergleichsweise unbedeutend. Von 1954 bis 1969 verurteilten die Richter insgesamt 8351 Menschen zu Arbeitshaushaft, eine Größenordnung die im Kaiserreich bei geringerer Bevölkerungszahl Jahr für Jahr erreicht wurde.

[ SEITE 343: ]

Die Einweisungsziffern fielen kontinuierlich von 908 Personen im Jahre 1954 auf 233 Personen im Jahre 1968.
59 1961 fungierten nur noch Brauweiler und Benninghausen als selbständige Arbeitshäuser, ansonsten wurde die Arbeitshaushaft in besonderen Abteilungen der Strafgefängnisse vollstreckt.60 Die alten Arbeitshäuser der Amerikanischen Besatzungzone – und mit ihnen Breitenau – blieben geschlossen; die hessische Justiz vollstreckte die Arbeitshaushaft im Arbeitshaus Brauweiler bei Köln.61 Im Jahre 1968 fungierte nur noch Brauweiler als selbständiges Arbeitshaus, vierzehn weitere 'Arbeitshäuser' waren in Sonderabteilungen von Justizvollzugsanstalten untergebracht.62

Trotz der quantitativen Bedeutungslosigkeit der Arbeitshäuser wollte die Bundesregierung noch im Entwurf für ein Strafgesetzbuch von 1962 weiter an ihnen festhalten. Laut diesem Entwurf war sogar geplant, Arbeitshaushaft im Zusammenhang mit sämtlichen Delikten des Strafgesetzbuchs möglich zu machen, sofern die Tat "aus Arbeitsscheu oder aus Hang zu einem unsteten oder ungeordneten Leben" begangen wurde.63

Mit dem Bundessozialhilfegesetz von 1961 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die fürsorgerechtliche Arbeitshausunterbringung wieder gesetzlich etabliert. § 26 BSHG ermöglichte die Zwangsunterbringung von Sozialhilfeempängern in geschlossenen Arbeitseinrichtungen, wenn die Betreffenden sich trotz wiederholter Aufforderung weigerten, zumutbare Arbeit zu leisten. Die Unterbringung war zeitlich nicht befristet, mußte jedoch, im Gegensatz zur Regelung in der Reichsfürsorgepflichtverordnung von 1924, von einem Richter angeordnet werden.64

[ SEITE 344: ]

Zusätzlich zu dieser in ihren Grundzügen nicht neuen Arbeitshausunterbringung von "arbeitsscheuen" Fürsorgeempfängern war im Bundessozialhilfegesetz von 1961
die zwangsweise "Bewahrung" weitgehend verwirklicht. § 73 BSHG sah im Rahmen der 'Hilfe für Gefährdete' Zwangsunterbringung in einer "geeigneten Anstalt, in einem geeigneten Heim oder in einer geeigneten gleichartigen Einrichtung" vor. Sie sollte verhängt werden, "wenn 1. der Gefährdete besonders willensschwach oder in seinem Triebleben besonders hemmungslos ist, 2. der Gefährdete verwahrlost oder der Gefahr der Verwahrlosung ausgesetzt ist und 3. die Hilfe nur in einer Anstalt, in einem Heim oder einer gleichartigen Einrichtung wirksam gewährt werden kann".65

[ MM - Siehe diesbezüglich auch folgendes Fachbuch: "Das Bewahrungsgesetz (1918-1967) - Beiträge zur Rechtsgeschichte des 20. Jahrhunderts 42" ( ISBN , 3-16-148204-2 ), von Matthias Willing, erstmalig erschienen 31. Dezember 2003 (umfasst insgesamt 447 Seiten) ]

Unter Umgehung des Reizwortes 'Bewahrung' hatte damit der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge seine
seit Jahrzehnten propagierten Bewahrungsvorstellungen endlich gesetzlich verankert. Die Kriterien waren weit genug gefaßt, um die Zwangsunterbringung den sozialpolitischen Erfordernissen jeweils anpassen zu können. Doch bereits nach sechs Jahren mußte die Zwangsunterbringung von 'Gefährdeten' aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wieder aus dem Bundessozialhilfegesetz gestrichen werden. Auf Antrag der hessischen Landesregierung und des Hamburger Senats erklärte das höchste deutsche Gericht 1967 die gemäß § 73 Abs. 2 und Abs. 3 BSHG durchgeführte Zwangsunterbringung von "Gefährdeten" für verfassungswidrig. Das Grundrecht der persönlichen Freiheit sei durch diese Regelung unverhältnismäßig eingeschränkt. Der Staat habe nicht die Aufgabe, seine Bürger zu bessern und habe deswegen auch nicht das Recht, ihnen die Freiheit zu entziehen, nur um sie zu bessern, solange sie sich nicht selbst oder andere gefährdeten.66 Zähneknirschend mußte die öffentliche und private Fürsorge sechs Jahre nach Inkrafttreten des Bundessozialhilfegesetzes zur Kenntnis nehmen, daß der dort umgesetzte Bewahrungsgedanke mit den Grundrechten nicht vereinbar war. Mit dem Paukenschlag der Karlsruher Verfassungsrichter fand die jahrzehntelange Diskussion über ein Bewahrungsgesetz ihr unrühmliches Ende.

[ MMmeinerseitiger HINWEIS (schon am 15.06.2004) auf dieses Bundesverfassungsgerichtsurteil @ http://www.heimkinder-ueberlebende.org/1961_Bewahrungsgesetz_1918-1967_verfassungswidrig.html ]

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts bezog sich explizit nur auf die Zwangsunterbringung von 'Gefährdeten' im Sinn von § 73 BSHG und ließ die fürsorgerechtliche Arbeitshausunterbringung nach § 26 Bundessozialhilfegesetz und die strafrechtliche Arbeitshausunterbringung nach Paragraph 

[ SEITE 345: ]

42 d StGB unerwähnt.
67 Doch mit der Feststellung, der Staat habe kein Recht, seine Bürger zu bessern, war inhaltlich auch das Todesurteil über die Arbeitshausunterbringung insgesamt gesprochen, die ja genau diese Besserung zum Ziel hatte. Der Gesetzgeber zog die Konsequenzen, und der Bundestag beschloß im Rahmen des 1. Gesetzes zur Reform des Strafrechts einstimmig mit Wirkung vom 1. September 1969 die Abschaffung der Arbeitshaushaft. Die lange Agonie der strafrechtlichen Arbeitshausunterbringung hatte ihr Ende gefunden.68 1974 wurde schließlich der Paragraph 26 aus dem Bundessozialhilfegesetz gestrichen und damit auch die zwangsweise Arbeitshausunterbringung von "arbeitsscheuen" Sozialhilfeempfängern abgeschafft.69 Bereits ein Jahr zuvor hatte die Große Strafrechtsreform die ersatzlose Streichung des Übertretungsparagraphen 361 StGB gebracht. Seitdem verbietet es das deutsche Strafgesetzbuch nicht mehr, unter Brücken zu schlafen und um Brot zu betteln.

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Für alle relevanten Fußnoten siehe das
ORIGINAL @ https://d-nb.info/991735595/34 .


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Warum aber dauerte es weitere 10 Jahre bevor
das von der Inneren Mission / Diakonie / Evangelischen Kirche betriebene Arbeiterziehungslager "VOCCAWIND" mit dem ihm angeschlossenen Basaltsteinruch auf dem Zeilberg im vorwiegend katholischen Bayern geschlossen wurde ? ? ?

Und dies auch trotz des seither weiteren vom 30. Januar 1963 gesprochenen Urteils des Bundessozialgerichts
im Fall der Revision des Klägers [ DIE INNERE MISSION / DIE DIAKONIE / DIE EVANGELISCHE KIRCHE ] gegen das Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts vom 3. Dezember 1958, in einem Urteil in dem das Bundessozialgericht diese Revision (am 30.01.1963) eindeutig zurückwies ? ? ?

Ein von mir gefertigter uneditierter diesbezüglicher Bericht,
in Bezug auf die bayerische evangelische Erziehungseinrichtung "HERZOGSÄGMÜHLE", über dieses Revisionsverfahren, ist, seit Anfang Februar 2015, u.a., hier im Internet zu finden @ http://www.ehemalige-heimkinder-tatsachen.com/viewtopic.php?p=820#p820 ! ! !

Wie konnte es trotzdem dazu kommen, dass
das Arbeitserziehungslager "VOCCAWIND" so lange bis Ende 1979 weiter bestehen blieb und weiter in Betrieb bleiben konnte ? ? ?


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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.
« Antwort #1459 am: 10:57:09 Mo. 27.Januar 2020 »
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Die Pharmazeutin und Forscherin Dr. Sylvia Wagner gibt ein langes und detailliertes INTERVIEW am Samstag, 25. Januar 2020. Das INTERVIEW ist hier aufgezeichnet und archiviert

@
https://www.youtube.com/watch?reload=9&v=0TMcX_aj978 (Länge: eine Stunde) :


Das Video des INTERVIEWS wurde bei YouTube eingestelt von CORRECTIV.ORG mit folgendem Begleittext:

Zitat
.
Versuchslabor Kinderheim – Sylvia Wagner #Live aus dem Buchladen

CORRECTIV
[ Recherchen für die Gesellschaft und mit der Gesellschaft
Investigativ. Unabhängig. Gemeinnützig. ]

7.09K subscribers

Jahrzehntelang wurden Kinder in Heimen systematisch für Medikamententests missbraucht. Vor allem Psychopharmaka, triebhemmende Präparate und Substanzen, die heute gegen Demenz eingesetzt werden, mussten die Kinder unter Zwang nehmen – damit sie ruhig gestellt werden. Die verordnenden Ärzte verloren dabei kein Wort darüber, dass die Mittel teilweise zu Studien noch unerforschter Medikamente gehörten. Mit verheerender Wirkung: aus gesunden Kindern wurden kranke Erwachsene.

Wir sprechen mit der Sylvia Wagner. Die Pharmazeutin hat aufgedeckt, dass von den 50er bis in die 70er Jahre hinein Pharmakonzern wie Merck große Mengen Arzneimittel an Mediziner in Kinderheimen weiterreichten, um dort Wirkungen von neuen Präperaten zu testen. Teilweise waren an den Testreihen Ärzte beteiligt, die wenige Jahre zuvor noch an den Mordprogrammen (Euthanasieaktion T4) der Nazis im Dritten Reich beteiligt waren.

Bis heute schieben die Konzerne ihre Verantwortung von sich. Die Geschädigten wurden damals wie heute mit den Folgen allein gelassen.

Sylvia Wagner hat den Skandal 2016 öffentlich gemacht. Sie hat bewiesen, wie tausende Kinder als Versuchskaninchen herhalten mussten. Wie konnte es zu dem organisierten Missbrauch kommen? Und wer trägt die Verantwortung für die Schäden, die die Kinder erlitten haben? Wer hat davon profitiert? Und was kann man jetzt tun? Wir reden darüber.

Sylvia Wagner ist gebürtige Essenerin. Nach dem Pharmaziestudium an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster erfolgte 1995 die Approbation als Apothekerin. Seit 2015 widmet sie sich wissenschaftlich dem Thema der Arzneimittelprüfungen an Heimkindern im Rahmen ihrer Promotion, die sie 2019 erfolgreich abschloß.

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Mehr zum Thema:

Doktorarbeit Sylvia Wagner:
https://docserv.uni-duesseldorf.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-54600/Diss%20Sylvia%20Wagner-1.pdf

[ Auszug von insgesamt 54 Seiten aus einem MANUSKRIPT
Sozial.Geschichte Online 19 (2016) - Seite 61 bis 113
betitelt "Ein unterdrücktes und verdrängtes Kapitel der Heimgeschichte"
Dies ist eine Veröffentlichung der Sozial.Geschichte Online
lizenziert nach [Creative Commons – CC BY-NC-ND 3.0]
Hintergrundreport von Sylvia Wagner:

https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00042079/04_Wagner_Heime.pdf ]

Bericht Deutschlandfunk Kultur:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/medikamentenversuche-an-heimkindern-das-war-die-hoelle.976.de.html?dram:article_id=435708

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Menschen die Kontakt zu Hilforganisationen suchen, können hier fündig werden:

Selbstorganisation der ehemaligen Heimkinder:
https://www.deutschlands-heimkinder.de/

Verein ehemaliger Heimkinder: https://www.veh-ev.eu/

Staatliche Stiftung Anerkennung und Hilfe: http://www.stiftung-anerkennung-und-hilfe.de/DE/Startseite/start.html

Staatliche Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder: https://www.lvr.de/de/nav_main/derlvr/organisation/anlauf__und_beratungsstelle_fuer_ehemalige_heimkinder/anlauf__und_beratungsstelle.jsp

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.
« Antwort #1460 am: 12:29:36 Di. 28.Januar 2020 »
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ERSTSENDUNG
"Versuchskaninchen Heimkind"+"Ein Film von Daniela Schmidt-Langels"

QUELLE: https://programm.ard.de/TV/daserste/versuchskaninchen-heimkind/eid_281062620465414 :


Zitat
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Programm.ARD.de

Montag, 03.02.2020
23:30 - 00:15 Uhr
45 Min.

Das Erste

Es ist ein Skandal, der lange verschwiegen wurde: Seit Beginn der Bundesrepublik bis in die 1970er Jahre werden Kinder und Jugendliche in Heimen und Psychiatrien Opfer von Ärzten und Pharmakonzernen: Sie werden mit Medikamenten ruhiggestellt, für medizinische Versuchsreihen missbraucht sowie schmerzhaften und schon damals umstrittenen Diagnoseverfahren unterzogen. Bis heute leiden viele von ihnen unter den Folgen.

Heime, Ärzte und Pharmakonzerne

In den Wirtschaftswunderjahren wird die glückliche Kleinfamilie zum gesellschaftlichen Idealbild. Verhaltensauffällige Kinder sowie Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen dagegen werden oft in völlig überfüllte Heime und Psychiatrien abgeschoben, wo sie weitgehend von der Außenwelt abgeschottet und oft einer autoritären Erziehung ausgeliefert sind. In vielen Heimen werden Kinder mit Medikamenten vollgepumpt, damit sie ruhiggestellt werden. Doch damit nicht genug: In Zusammenarbeit mit Pharmakonzernen nutzen Ärzte die Situation in solchen Einrichtungen aus, um auch neue Medikamente und Behandlungsmethoden auszuprobieren - und verstoßen dabei gegen schon damals geltende fachliche und ethische Standards. Nicht wenige der Ärzte sind in die Verbrechen der Nationalsozialisten wie den Mord an körperlich und geistig behinderten Kindern verstrickt gewesen.

Spurensuche mit Opfern

Gemeinsam mit der Tochter und Enkelin von beteiligten Ärzten und drei ehemaligen Heimkindern begibt sich der Film auf Spurensuche. Durch die sehr persönlichen Schilderungen von ihren Qualen und den Folgen der Behandlungsmethoden öffnet der Film immer wieder neue Türen in die Geschichte der Heimerziehung und der Kinder- und Jugendpsychiatrie und deckt die Verflechtungen zwischen Ärzten und Pharmakonzernen im Nachkriegsdeutschland auf. Historiker und Experten erklären, warum es möglich war, dass Ärzte auch um ihrer Karriere und ihrer finanziellen Vorteile willen an wehrlosen Opfern forschen konnten.

"Versuchskaninchen Heimkind" ist eine Produktion der Bildersturm Filmproduktion im Auftrag des SWR.

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ERSTSENDUNG
"Versuchskaninchen Heimkind"+"Ein Film von Daniela Schmidt-Langels"

WEITERE QUELLE: https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/versuchskaninchen-heimkind-100.html .


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#endlichEntschaedigung
#Schadensersatz
#compensationnow
#AlmosenNeinDanke
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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND GESCHIEHT VIELFACH BEIDES NICHT.

Martin Mitchell

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.
« Antwort #1461 am: 07:59:24 Do. 12.März 2020 »
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Verein ehemaliger Heimkinder e.V.

Zitat
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Homepage VEH e.V.

VERÖFFENTLICHT AM MÄRZ 8, 2020 VON ADMIN


[ QUELLE: https://blog.veh-ev.eu/2020/03/08/erklaerung-ehemaliger-heimkinder-zum-medikamentenmissbrauch/ ]

Erklärung Ehemaliger Heimkinder zum Medikamentenmissbrauch

Wie ja sicher alle mitbekommen haben, konnte durch die Forschung von Dr. Sylvia Wagner bewiesen werden, dass Medikamentenversuche an Heimkindern durchgeführt wurden. Die Forschungen von Frau Dr. Wagner sind inzwischen veröffentlicht worden und der VEH hat hierzu eine Erklärung verfasst, die Sie hier lesen können:

Erklärung Ehemaliger Heimkinder zum Medikamentenmissbrauch
Seit mehr als 200 Jahren werden Heimkinder für medizinische und pharmazeutische Versuche missbraucht. Im 18. Jahrhundert wurde das Verfahren der Pockenschutzimpfung entwickelt, an Heimkindern. Seitdem mussten sie immer wieder zur Entwicklung und Prüfung von Impfstoffen und Arzneimitteln herhalten. Sie waren verfügbar, konnten keine Gegenwehr leisten und Eltern, die sie hätten beschützen können, waren nicht vor Ort. Als in den 1950er bis 1970er Jahren Arzneimittel im großen Maßstab erforscht und entwickelt wurden, die BRD galt als „Apotheke der Welt“, mussten wieder Heimkinder für die Prüfung von Substanzen herhalten.

Wir Heimkinder wurden nicht gefragt, aber jetzt antworten wir!
Als Säuglinge konnten wir uns nicht äußern, als Heranwachsende wurden wir nicht gefragt. Wehrten wir uns, die Pillen zu schlucken, wurden wir gezwungen. Auch unsere Eltern wurden nicht gefragt. Dies war gängige Praxis. Dabei gilt bereits seit über hundert Jahren, dass eine Verabreichung von Arzneimitteln ohne Einwilligung den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. Im Jahre 1900 gab es zudem erstmals eine Anweisung, dass Versuche am Menschen nur mit einer eindeutigen Zustimmung der betreffenden Person durchgeführt werden durften. Seitdem wurden weitere rechtliche und ethische Vorschriften erlassen, die ebenfalls u. a. eine Zustimmung zu Versuchen forderten. Eine solche Zustimmung hat es von Heimkindern jedoch nie gegeben!

Wir wurden benutzt, allein gelassen, wir waren sogar billiger als Versuchstiere.
Man hat gut an uns verdient. Nachdem die Mittel an uns getestet wurden, mussten wir sie, v. a. Psychopharmaka und triebhemmende Mittel, zum Teil sogar über Jahre schlucken. Meistens wussten wir selbst nicht, was mit uns geschah. Entweder weil wir zu klein waren oder weil wir unwissend gehalten wurden. Äußerten wir doch einmal die Vermutung, dass an uns Medikamente erprobt wurden, schenkte man uns keinen Glauben (s. Abschlussbericht RTH 2010).

Aber jetzt werdet Ihr nicht mehr weghören können! Und heute erklären wir:
Wir haben den Versuchen niemals zugestimmt, wir hätten den Versuchen niemals zugestimmt und wir stimmen den Versuchen auch rückblickend nicht zu! Wir verurteilen die Versuche! Hört auf, Kinder, die keinen Nutzen davon haben, die keine Eltern haben, die in stationären Einrichtungen untergebracht sind, für Eure Zwecke zu missbrauchen! Weder in Deutschland, noch in Europa, noch in „Entwicklungs- oder Schwellenländern“, noch sonstwo! Nie wieder!

Nicht einmal habt Ihr Euch bei uns entschuldigt, uns an Eurem Gewinn beteiligt, uns für das Leid entschädigt. Monate- und jahrelang mussten wir Eure Pillen schlucken. Wie konntet Ihr es wagen?

Wir haben es satt! Kommt uns nicht mit unaufrichtigen Mitleidsbekundungen! Wir verlangen eine ernsthafte, unabhängige Aufarbeitung, eine angemessene Entschädigung unter Beteiligung aller verantwortlichen Institutionen und Organisationen, die Anerkennung der Praktiken als Menschenrechtsverletzungen sowie den Schutz Heranwachsender vor derartigen Praktiken.


Wir werden es nicht mehr zulassen, wir sind hier!
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Kuddel

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Re: Heimkinder....
« Antwort #1462 am: 12:12:18 Mo. 10.August 2020 »
Keine Kinderheime, sondern Kinderkurheime...

Zitat
Ranghohe NS-Funktionäre leiteten Kinderkurheime

In den 60er- und 70er-Jahren sind nach SWR-Recherchen mehrere Kinderkurheime von ehemaligen NS-Funktionären geleitet worden.


Ein verurteilter Kriegsverbrecher, der einst an der Erschießung von 220 Juden beteiligt war, führte demnach jahrelang eine Unterkunft auf Borkum. Dort wurden Kinder drangsaliert und gequält. Für ein Heim in St. Peter Ording war ein früherer General der Waffen-SS verantwortlich. Der ärztliche Leiter eines Kinderkurheims in Berchtesgaden, wo es ebenfalls zu schweren Misshandlungen kam, war in der NS-Zeit an den Euthanasie-Verbrechen beteiligt.

Deutschlandweit wurden bis in die 80er-Jahre Millionen Kinder zur Erholung in eine Kur geschickt. Tatsächlich wurden dort aber viele systematisch gequält und misshandelt. Eine Initiative von Betroffenen fordert die Aufarbeitung der Geschehnisse. Die Sozialministerkonferenz der Länder hatte dies vor wenigen Monaten zugesichert.
https://www.deutschlandfunk.de/bericht-ranghohe-ns-funktionaere-leiteten-kinderkurheime.2932.de.html?drn:news_id=1160290