Autor Thema: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein  (Gelesen 53570 mal)

Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #75 am: 10:56:52 Do. 29.April 2021 »
Dieser Arbeitskampf ist absolut bemerkenswert.

Anfang 2020 organisierte Verdi Proteste und Warnstreiks am UKSH. Die Streikbereitschaft und -beteiligung waren beeindruckend. Die Kolleg:innen waren bereit in einen unbefristeten Streik zu treten. Es gab ein Verhandlungsergebnis aus den Gesprächen zwischen Verdi und dem Management, doch es wurde nie über dieses Ergebnis einen Urabstimmung durchgeführt. Die gerade aufgetauchte Coronapandemie mußte dafür herhalten. Es löste sich alles in Wohlgefallen auf, die Streikbereitschaft wurde nicht genutzt, es wurde über das Thema einfach nicht mehr geredet. Klinikalltag und Ausbeutung gehen weiter wie gehabt.

Jetzt schießen die prekären Servicebeschäftigten und die GDS quer. Sie beweisen, daß man während der Pandemie (sogar während einer Welle) demonstrieren und kämpfen kann. Und Urabstimmungen lassen sich sowieso durchführen.


Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #76 am: 13:58:40 Di. 04.Mai 2021 »
Zitat
31.3.21
UKSH und ver.di unterzeichnen Vereinbarung für mehr Personal und Entlastung

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di informiert darüber, dass die Vereinbarung für mehr Personal und Entlastung am UKSH am 30.3.2021 vom UKSH und ver.di unterzeichnet wurde. Am 13.3.2020 hatten sich Landesregierung, UKSH und ver.di - unter Federführung von Finanzministerin Heinold - auf gemeinsame Eckpunkte geeinigt. Die Eckpunkte wurden im Rahmen von konstruktiven Redaktionsverhandlungen in eine Vereinbarung gewandelt. Das bedeutet, die vereinbarten Maßnahmen für mehr Personal und Belastungsabbau für die Beschäftigten des UKSH können nun umgesetzt werden.
(...)
https://nord.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++77271f60-9203-11eb-ab17-001a4a160119

Zitat
3.5.21
Lübeck: Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di Nord) fordert für die mehr als 2000 Beschäftigten der UKSH-Tochtergesellschaft Service Stern Nord die Anbindung an den bundesweiten Flächentarifvertrag der Länder (TV-L).

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wendet seit dem 1. August 2014 den Tarifvertrag der Länder an, ebenso für die eigene Tochtergesellschaft Zentrum für integrative Psychiatrie.

„Die Corona-Pandemie hat deutlich aufgezeigt, dass für eine gute medizinische Versorgung die Servicebereiche unabdingbar und wichtig sind. Vor diesem Hintergrund fordern wir für alle Beschäftigten am UKSH und in den UKSH Tochtergesellschaften den gleichen Tarifvertrag mit gleichen Arbeitsbedingungen und Vergütungen. Die Zeit der Zwei-Klassen-Gesellschaft am Uniklinikum muss endlich vorbei sein. Im Sinne der Tarifeinheit und vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie fordern wir das Land auf, die TV-L-Bindung für die UKSH-Servicetochter ordnungspolitisch herzustellen und damit das Versprechen von 2014 einzulösen: Ein UKSH – ein Tarifvertrag. Keine Spaltung der Beschäftigten mehr“, fordert Steffen Kühhirt, verantwortlich für Gesundheit und Soziales bei ver.di Nord.
https://www.hl-live.de/text.php?id=144701

Nicht unwahrscheinlich, dass verdi ganz schön viel Mitgliedsbeiträge durch die Konkurrenzgewerkschaft flöten gehen.

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #77 am: 01:22:17 Di. 08.Juni 2021 »
Man hat sich geeinigt am UKSH:

Zitat
Am 7. Juni 2021 wurde der neue Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) UKSH und Service Stern Nord GmbH (SSN) unterzeichnet. Dieser tritt rückwirkend zum 1. April 2021 in Kraft. In den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Streiks gegeben. Nach Gewerkschaftsangaben steigen die Löhne innerhalb von drei Jahren um 14 bis 29,6 Prozent.
blabla (...)
https://www.hl-live.de/text.php?id=145390

Der Kram hat eine Laufzeit von drei Jahren, was ja anscheinend der neue heiße Scheiß ist. Laut eigenem Video gab es auch eine Abstimmung zur Annahme. Die dort dargestellte sanftväterliche Art ist zum Kotzen:



Die Gewerkschaft der Servicekräfte ist noch relativ jung, hatte nun ihre ersten Streiks, die ziemlich geil waren, viele Mitglieder sind engagiert und es gibt mal wieder ein Ergebnis. Es ist schwierig, das alles für Außenstehende einzuordnen.

Wenn die DGB-Gewerkschaften auch nur als Co-Manager und eigene Wirtschaftsunternehmen agieren, dann sollte es nicht verwundern, dass neue Gewerkschaften ebenfalls diese Schiene fahren oder fahren könnten. Daher hier ein Eindruck von der GdS aus einer Broschüre von 2012:



"Köpfe, Lenker und Macher" könnte auch bei verdi stehen. Es mag im Moment anders sein, aber man sollte die Entwicklung schon genauer betrachten. Trotzdem erstmal Glückwunsch zum Tarifvertrag!
Am 10.6.21 gibt es eine von verdi unterwanderte Kundgebung für die Servicekräfte am Städtischen Krankenhaus:

Zitat
Gleicher Lohn für alle Krankenhaus-Beschäftigten – Tariflohn auch für den Service

Kundgebung 10.06.21 15:30 Schlossplatz (Kieler Schloss)
https://solidarischdurchdiekrise.de/2021/06/06/die-kosten-der-krise-fair-und-gerecht-verteilen/

Es wäre schön, wenn auch die Servicekräfte des UKSH daran teilnehmen, ist schließlich alles eine Suppe.

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #78 am: 12:54:23 Do. 22.Juli 2021 »
Es gibt nun einen neuen Tarifvertrag mit der Service Stern Nord:
https://gewerkschaft-der-servicekräfte.de/images/2021/07/tarifvertraege_ssn.pdf

Allzu groß scheinen die Unterschiede zu dem lange umkämpften Tarifvertrag der CFM in Berlin nicht zu sein, der Berliner Mindestlohn für die Einstiegsgruppe ist allerdings wesentlich höher.

Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #79 am: 09:56:13 Mo. 08.November 2021 »
Zitat
Mehr Geld gefordert: Der Warnstreik am UKSH in Lübeck läuft

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten des UKSH in Lübeck zu einem Warnstreik aufgerufen. Der Ausstand habe wie geplant mit Beginn der ersten Frühschichten gegen 5 Uhr begonnen, sagte eine Sprecherin.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Warnstreik-am-UKSH-in-Luebeck-laeuft-mehr-Geld-gefordert

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #80 am: 22:14:59 Mi. 10.November 2021 »
Zitat
10.11.21
Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) beteiligt sich ab 1. Januar 2022 am ÖPNV-Jobticket der NAH.SH. Damit können die rund 15.000 Mitarbeiter vergünstigt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Das UKSH bezuschusst das Jobticket mit einem steuer- und sozialversicherungsfreien Arbeitgeberzuschuss in Höhe von monatlich 30 Euro – der höchsten Rabattstufe, die hier möglich ist. Die NAH.SH gewährt einen zusätzlichen Rabatt von 20 Euro monatlich.
https://www.hl-live.de/text.php?id=148009

Angenehmes Greenwashing und gut für das Image. Verkehrswendeaktivisten freuen sich, dass das Gegenargument vom notwendigen Privat-PKW für Pflegekräfte nun wegfällt.

Trotzdem wird nun auch am UKSH Kiel gewarnstreikt und am 16.11., 10:00 Uhr Gewerkschaftshaus, gibt es Demo zum Landtag.

Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #81 am: 20:19:44 Sa. 25.Dezember 2021 »
Ich habe von Intensivbettenschwindel im großen Stil am UKSH gehört.
Ich habe bisher eher windige Quellen dazu gefunden.
Weiß jemand mehr?



Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #82 am: 20:46:19 Sa. 25.Dezember 2021 »
Ich halte das für Blödsinn, passt aber natürlich so schön.

Zitat
6.7.21
(...)
Die meisten Zuschüsse bundesweit erhielten das Klinikum Stuttgart und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), die beide jeweils 11,7 Millionen Euro für den Aufbau von 234 Intensivbetten erhielten. Tatsächlich gab es vor der Pandemie am UKSH 172 Intensivbetten, derzeit werden 240 Betten betrieben, wie das Klinikum mitteilt. Die übrigen 166 Betten seien als "Reserve" zu verstehen. Allerdings sei man in der Lage, die hohe Zahl "notfalls innerhalb weniger Tage zu betreiben".
(...)
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/intensivbetten-113.html

Scholz persönlich:

Zitat
7.12.21
UKSH-Chef Jens Scholz: Manche Corona-Patienten lügen uns an

Ungeimpfte Schwerstkranke auf der Intensivstation des Uniklinikums, eine hohe Dauerbelastung für Ärzte und Pflegekräfte und finanzielle Verluste: Die Pandemie hat das UKSH auch am Ende von Jahr zwei fest im Griff. Warum es trotzdem auch Lichtblicke gibt, erklärt Prof. Jens Scholz im KN-Interview.

(...)

Wie steht das UKSH derzeit finanziell da, sind die Einbußen durch die Pandemie so groß wie befürchtet?

Jein. Zunächst hat Jens Spahn ja jedem Krankenhaus pauschal 560 Euro für ein Bett gezahlt, das für Corona-Patienten freigehalten wird. Das war falsch, und manche Krankenhäuser haben dadurch richtig Geld verdient, weil dort der Leerstand lukrativer war, als Patienten zu behandeln. Dann wurde das System modifiziert, und es gab je nach Umständen 360 bis 760 Euro. Das war schon besser, aber für Unikliniken müssten es 800 bis 900 Euro sein, denn es geht ja nicht nur um die leer stehenden Betten, sondern auch um wegbleibende ambulante Patienten, leere Parkhäuser und vieles mehr. Nehmen Sie nur unseren Sicherheitsdienst, der kostet zehn Millionen Euro im Jahr. Darum gab es für das vergangene Jahr 46,8 Millionen Euro vom Land für die Corona-Verluste, und es ist besprochen, dass auch für dieses und nächstes Jahr das Land einspringt, wenn es nötig wird.

(...)
(Schranke)
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/UKSH-Chef-Jens-Scholz-Manche-Corona-Patienten-luegen-uns-an

Es bleibt das Problem, die Reserve an Intensivbetten überhaupt betreiben zu können. Das funktioniert nur mit Schulungen des Personals und Freihaltung von normalen Betten. Vetternwirtschaft beim UKSH sehe ich eher bei anderen Sachen, als dass der Olaf seinem kleinen Bruder heimlich etwas zusteckt.

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #83 am: 16:42:37 Fr. 06.Mai 2022 »
Zitat
Kundgebung und Demonstration_UKSH-Tochtergesellschaft Service Stern Nord am 07.05.2022 in Kiel

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ruft am 07.Mai 2022 zu einer Kundgebung und Demonstration in Kiel unter dem Motto: „Ein Betrieb - eine Belegschaft- ein Tarifvertrag - Schluss mit der ‚Zwei-Klassen-Gesellschaft‘ am UKSH“ auf.

Die Kundgebung findet um 11.00 Uhr in Kiel, Platz der Kieler Matrosen, statt. Die Demonstration verläuft durch die Kieler Innenstadt.
Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der UKSH-Tochtergesellschaft Service Stern Nord die Anwendung des Tarifvertrags der Länder (TVL) und damit die Gleichstellung aller UKSH-Beschäftigten im UKSH-Konzern. ver.di hatte das UKSH bereits 2020 zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Die Gewerkschaft sieht die Landespolitik gefordert, denn das UKSH ist in der öffentlichen Hand des Landes Schleswig-Holstein.

(…)
https://kiel-ploen.verdi.de/branchen-und-berufe/fachbereich-c-gesundheit-soziale-dienste-bildung-und-wissenschaft/++co++0460eeb8-cd15-11ec-8b18-001a4a160100

Kann man machen, wirkt aber etwas überraschend. Letztes Jahr hatten die Beschäftigten schließlich recht laut und lebendig mit der Gewerkschaft der Servicekräfte (GdS) gestreikt.