Zerschlagung der Frankfurter Rundschau

Begonnen von Kuddel, 13:21:00 Di. 15.April 2008

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Kuddel

Tarifflucht geplant - Personalabbau soll weitergehen

,,Der von der Geschäftsführung der Frankfurter Rundschau am Donnerstag, den 10. April 2008 öffentlich angekündigte Umbau des Unternehmens in so genannte moderne, zukunftsorientierte Strukturen und das Ausnutzen von Synergien bedeutet nichts anderes als Tarifflucht durch Abspaltung und weiteren Arbeitsplatzverlust. Betroffen von diesen Maßnahmen sind vorerst ca. 50 Kolleginnen und Kollegen..."


http://www.labournet.de/branchen/medien-it/fr110408.pdf
http://www.kress.de/cont/home.php

Kuddel

Weil Betriebsrat und gewerkschaftliche Vertrauensleute befürchten, dass ein von der Geschäftsführung der Frankfurter Rundschau angekündigter ,,Umbau des Unternehmens in so genannte moderne, zukunftsorientierte Strukturen" nichts anderes als die geplante Zerschlagung des Unternehmens, Tarifflucht und weitere Arbeitsplatzverluste bedeutet, beginnen Teile der Belegschaft Widerstand dagegen zu organisieren und zur Solidarität aufzurufen. Für Leser und Öffentlichkeit wurde dies anlässlich der DGB-Kundgebung am 1. Mai in Frankfurt deutlich...

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12371

Kuddel

Mit einer Postkarten-Aktion an den Kölner Verleger Alfred Neven DuMont und einer Aktion anlässlich des ,,68er-Abends" der Frankfurter Rundschau, heute ab 17 Uhr vor dem Historischen Museum, wollen Mitarbeiter der FR die Öffentlichkeit auf die beabsichtigte Tarifflucht der Verlagsgeschäftsführung aufmerksam machen (siehe auch den Artikel in der aktuellen NRhZ-Ausgabe). Unter dem Motto "Feuer und Flamme für die Frankfurter Rundschau" heißt es in der an den Mehrheitsgesellschafter M.DuMont Schauberg adressierten Postkarte: ,,Sehr geehrter Herr Prof. Alfred Neven DuMont, ich bin empört über weitere Angriffe auf die Belegschaft. Als Leser/in der Frankfurter Rundschau bzw. als Bürger unterstütze ich die Belegschaft und die Gewerkschaft ver.di im Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze. Ich verlange von Ihnen: Kein Outsourcing, Keine betriebsbedingte Kündigungen, Keine Tarifflucht, Weiterführung der Ausbildung!" Für das Podium der 68er Veranstaltung sind Iring Fetscher, Gerd Koenen, Dr. Wolfgang Kraushaar und Prof. Dr. Wolfrum angekündigt. Die NRhZ wird in ihrer nächsten Ausgabe über den Verlauf von Kundgebung und Veranstaltung berichten...

Kurzmeldung in der NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung vom 16.05.2008

Kuddel



Offener Brief an alle Mitglieder der Gewerkschaft ver.di z.H. der Vorstände und aller DGB – Gewerkschaftsmitglieder - Thema: Wie buchstabiert man den Inhalt der Solidarität?

,,Wenn unsere Informationen alle auch nur annähernd wahr sind, machen Frankfurter aus der Chefredaktion und der Taskforce die auch "Terstiege Truppe" genannt wird Streikbruch. MDS-Mitarbeiter in der Technik von Köln ebenso: Streikbruch. Diese leiten die Daten nach Hannover zu Madsack (und angeblich auch nach Belgien oder Luxenburg). In Hannover wird eine (intern sogenannte) Notausgabe von Verdi-Mitgliedern in einer Auflage von ca. 50.000 gedruckt. Alle Betriebsratsfürsten aus Köln und Hannover und auch die Hauptamtlichen aus diesen Streikbruch-Orten sind dummerweise angeblich nicht erreichbar und/oder müssen/möchten auf "Rechtslagen" etc. Rücksicht nehmen. Praktische S O L I D A R I T Ä T ist sowohl in Köln als auch in Hannover ein Fremdwort. Diese Duckmäuser lügen unsere streikende Belegschaft an und der ver.di-Apparat schaut tatenlos zu. So wie auch in anderen Städten lassen diesen Herren Funktionäre zu, dass kämpfende Belegschaften verbrannt statt unterstützt werden..."


Der gesamte Offene Brief von Rainer Maria Kalitzky , ver.di-vertrauensmann FB 08, Mitglied der betrieblichen Streikleitung bei der FR und seit 2006 Betriebsratmitglied bei der FR vom 12/13.06.2008

Kater

ZitatDie einen und die anderen
Bei der Frankfurter Rundschau sollen einzelne Redaktionsbereiche in ein neues Tochterunternehmen ausgelagert werden
Ralf Mielke

Ende der Neunzigerjahre beschloss der Verleger Walterpeter Twer, mit seinem Zeitungshaus mehr Geld zu verdienen. Er lagerte die Lokalredaktionen der in Koblenz erscheinenden Rhein-Zeitung in eigenständige Dienstleistungsgesellschaften aus, machte Redakteure zu deren Geschäftsführern, setzte andere gleich ganz vor die Tür und senkte, indem in den neuen Mini-Unternehmen kein Tarifgehalt gezahlt wurde, die Personalkosten um bis zu 20 Prozent. Ihm zur Seite stand damals der Geschäftsführer Karlheinz Kroke. Nach 16 Jahren in Diensten Twers wechselte Kroke im September 2005 zur Frankfurter Rundschau (FR).

Allem Anschein nach will er nun in Frankfurt da weiter machen, wo er einst in Koblenz aufgehört hat. Das befürchtet jedenfalls der Betriebsrat. Im Juli sollen rund 35 Mitarbeiter aus den Bereichen Layout, Grafik und Bild sowie Produktions- und technische Redakteure in ein Tochterunternehmen, die FR Design GmbH, ausgegliedert werden. Dort wird nicht mehr nach Redaktions- beziehungsweise Drucktarif gezahlt, sondern nach den geringeren Sätzen des hessischen Tarifverbundes "Großhandel, Außenhandel, Verlage und Dienstleistung". Etwa die Hälfte der künftigen Belegschaft der Design GmbH kommt direkt von der FR, der Rest ist bislang noch beim Pressedienst Frankfurt PDF beschäftigt, einem Unternehmen, das seine Mitarbeiter an die FR ausleiht - zu untertariflichen Bedingungen. Vorige Woche gab es einen Streik in der FR-Druckerei, deshalb konnte die Zeitung am vergangenen Freitag nur mit reduziertem Umfang erscheinen.

Uwe Vorkötter, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau seit 2006 und zuvor in gleicher Position bei der Berliner Zeitung, sagt: "In der FR Design GmbH wird niemand schlechter gestellt als zuvor". FR-Mitarbeiter, die in das Tochterunternehmen wechseln, behielten ihren Tarifstatus. PDF-Kollegen werde der Übertritt mit sogenannten Qualifikationszulagen versüßt. Für sie sei die neue Tochterfirma sogar eine Verbesserung und eher ein In- als ein Outsourcing, sagt Vorkötter, da die FR Design GmbH eine hundertprozentige Tochter des Zeitungshauses sei. Insgesamt hätten bereits 28 Betroffene die neuen Verträge unterschrieben.

Unter den Mitarbeitern herrscht dennoch Unruhe. Wen trifft es als nächstes, fragen sich viele. Für zusätzlichen Ärger sorgt die Tatsache, dass im Juli 16 Verlagsmitarbeiter den Job verlieren sollen. Ihre Aufgaben übernehmen dann Kollegen in Köln, wo das Mutterhaus der FR sitzt, der Verlag M. DuMont Schauberg. Der hatte 2006 gut die Hälfte der Anteile an der Zeitung übernommen. Der Rest liegt bei der SPD-Medienholding DDVG und der Karl-Gerold-Stiftung. "Jeder hat Angst um seinen Arbeitsplatz", sagte Betriebsratsvorsitzende Ingrid Eckert dem DJV-Magazin Journalist. Auf einer Betriebsversammlung in der vergangenen Woche kam es schließlich nach einer heftigen Debatte über die Zukunft der Zeitung zu einem Eklat. Geschäftsführung und Chefredaktion verließen den Raum, weil sie sich von den Anwürfen eines Teilnehmers beleidigt fühlten.

Betriebsrat und auch Journalistengewerkschaften treibt die Sorge um, dass die Auslagerung nur der Beginn eines breiter angelegten Outsourcings nach dem Vorbild der Rhein-Zeitung ist. Schon macht die Runde, dass die Außenredaktionen der Frankfurter Rundschau ebenfalls in unabhängige Gesellschaften umgewandelt werden sollen. Eine Bestätigung aus der Geschäftsführung gibt es dafür nicht, aber auch kein Dementi. "Wir fürchten, dass der Verlag zerlegt werden soll", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbandes in Hessen, Achim Wolff. In der vergangenen Woche streikten Mitarbeiter in Druckerei und Redaktion. Die Zeitung musste mit reduziertem Umfang erscheinen.

"Es gibt bei uns kein Programm für ein planmäßiges Outsourcing", sagt Chefredakteur Vorkötter. Gerüchte, wonach die Sportredaktion ausgelagert werden soll, bezeichnet er als "völligen Quatsch". Aber es sei einfach so, "dass sich die Frankfurter Rundschau den Druck-Tarifvertrag nicht mehr im ganzen Unternehmen leisten kann", räumt Vorkötter ein. Die Positionen scheinen unvereinbar zu sein: Während es den einen, dem Betriebsrat, Gewerkschaften und Mitarbeitern um die Einheit des Frankfurter Druck- und Verlagshauses und um den Erhalt der Tarifbindung geht, geht es den anderen, den Eigentümern und der Verlagsführung, ums Geschäft.

Und das läuft für die Frankfurter Rundschau seit vielen Jahren schlecht. Die Zeitung hat Schulden angehäuft, 2004 hat sie die Übernahme durch die SPD-Medienholding DDVG vor der drohenden Insolvenz gerettet. Nicht erst seitdem werden Arbeitsplätze en gros abgebaut. Von 2001 bis heute ist die Belegschaft um 1 000 auf etwas über 600 Mitarbeiter gesunken. Von 220 Redakteursstellen sind etwa 70 weggefallen.

Auch die Auflage geht seit Langem zurück. Seit 2001 sank die Zahl der verkauften Exemplare von fast 190 000 auf 153 000 Stück. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde, gewissermaßen als letzter Rettungsversuch, die Zeitung geschrumpft. Sie erscheint seither im Tabloid-Format. Den Auflagenrückgang hat die Umstellung bestenfalls verlangsamen können, nimmt man dafür allein den Abo- und Einzelverkauf als Maßstab her. Uwe Vorkötter spricht von einer Stabilisierung.

Zu allem Überfluss meldete sich am vergangenen Sonntag auch noch der PR-Berater Moritz Hunzinger in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu Wort. Launig erwähnte er in einem Interview, man könne die Frankfurter Rundschau kaufen. Die FR dementierte umgehend. Geschäftsführer Kroke drohte Hunzinger gar mit rechtlichen Schritten. Auch in den oberen Etagen der FR scheinen sie ziemlich nervös zu sein.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0619/media/0007/index.html

ManOfConstantSorrow

ZitatInformations- und Diskussionsveranstaltung mit ArbeiterInnen und gewerkschaftlichen Vertrauensleuten bei der FR am Mittwoch 2. Juli

Mit der Übernahme der Frankfurter-Rundschau durch den Neven-Dumont-Konzern ist ein rauher Wind eingezogen. Bereits in den letzten Jahren wurde die Belegschaft von 1600 auf 600 Arbeitsplätze reduziert. Ab Juli werden die Bereiche Rechnungswesen und Controlling nach Köln verlagert. Die FR soll in GmbHs aufgegliedert werden, die nicht mehr dem Tarifvertrag für die Druckindustrie unterliegen. Vor wenigen Wochen kam es zum Warnstreik, der von den Beschäftigten im Druckzentrum in Neu-Isenburg befolgt, jedoch durch Streikbrecherarbeit in Köln und Hannover unterlaufen wurde. Offensichtlich tut man sich bei ver.di schwer damit, eine standortübergreifende Solidarität mit einer kämpfenden Belegschaft zu organisieren. Zugleich zeigt sich an der Entwicklung der FR, was ihre Inhalte wie auch das Layout betrifft, dass man über die Arbeitsverhältnisse nicht unabhängig von der Qualität des Produkts und umgekehrt diskutieren kann. Insofern erfordern die Umstrukturierungen bei der FR nicht nur Solidarität mit der Belegschaft, sondern haben auch eine fatale medienpolitische Bedeutung. Neben den Machtverhältnissen in der Medienindustrie müssen dabei auch die sich verändernden Produktionsabläufe thematisiert werden. Wir wollen mit ArbeiterInnen der Frankfurter Rundschau über die Perspektiven ihres Kampfes und die Möglichkeiten der Solidarität über die Grenzen institutionalisierter Mitbestimmung hinaus diskutieren. Auch die Umstrukturierung der Medienlandschaft und der Produktionsbedingungen von Printmedien werden dabei eine Rolle spielen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen Veranstalter: express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftspolitik; Freie ArbeiterInnen Union (FAU-IAA), Ortsgruppe Frankfurt; Industrial Workers of the World (IWW), Ortsgruppe Frankfurt

am Mittwoch 2. Juli um 20 Uhr im Türkischen Volkshaus, Werrastr. 29, Frankfurt-Bockenheim
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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