Autor Thema: Hartz IV macht krank  (Gelesen 3404 mal)

marvin_gate-way

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Hartz IV macht krank
« am: 13:50:13 Sa. 06.Februar 2010 »
Habe ich beim press monitoring gefunden. Meines Erachtens durchaus lesenswert.
http://www.fnp.de/fnp/region/lokales/rmn01.c.7237395.de/rmn01.c.7247274.de.htm
Zitat
Was Hartz IV mit einem Menschen alles machen kann, welche Klischees nicht stimmen und woran das Jobcenter-System krankt – darüber sprach Politik-Redakteur Olaf Kern mit dem Arbeitspsychologen Dr. Thomas Rigotti von der Universität Leipzig.

Herr Rigotti, sagen Sie es uns: Was ist dran an dem Klischee, dass Hartz-IV-Empfänger nur faul vor dem Fernseher sitzen? 

RIGOTTI: Das Bild vom «faulen Sozialschmarotzer» wird vor allem durch bestimmte Medien verbreitet, weil sich solche Geschichten besser verkaufen lassen. Es trifft keinesfalls auf die Mehrheit zu. Fakt ist: Erwerbslosigkeit geht mit einem höheren Risiko einher, an psychischen Störungen zu erkranken, vor allem an Depressionen. Die Anzahl depressiver Menschen unter den Erwerbslosen ist doppelt so hoch wie bei Erwerbstätigen. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass die Erwerbslosigkeit eher Auslöser etwa von Depressionen ist, als dass psychisch labilere Personen erwerbslos werden. Die Symptome von Depressivität, wie Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, morgens nicht aus dem Bett kommen oder eine Selbstwertminderung, werden dann von außen häufig als Faulheit interpretiert.

Wenn es dennoch stimmen sollte, dass viele Hartz-IV-Empfänger sich vor Maßnahmen drücken und sich lieber mit ihrer derzeitigen Lebenssituation arrangieren, müsste dass ja heißen, dass vielen ein Leben als Bezieher von staatlichen Leistungen gar nichts ausmacht. Ist das so?

RIGOTTI: Das ist auf gar keinen Fall so. Man kann sagen, dass mit zunehmender Erwerbslosigkeit auch eine Resignation einsetzt. Vor allen Dingen, wenn viel investiert wurde, um eine neue Stelle zu bekommen, und es dann mit einem neuen Job nicht funktioniert hat. Generell kann man aber nicht sagen, dass die Mehrheit der Arbeitslosengeldempfänger ihre Situation einer Erwerbstätigkeit vorzieht.

Welche Auswirkungen kann es noch auf die Psyche eines Menschen haben, Hartz-IV-Empfänger zu sein? 

RIGOTTI: Abgesehen davon, dass natürlich zunächst finanzielle Ressourcen wegfallen, das heißt, dass man sich in seiner Lebensführung einschränken muss, kann es in der Familie oder in der Partnerschaft zu einem Rollentausch kommen. Plötzlich hat man etwa nicht mehr die Rolle des Hauptverdieners inne. Natürlich fallen auch ganz viele der positiven Faktoren von Arbeit weg: etwa die psychosoziale Einbindung. Aber auch Erfolge und positive Rückmeldungen. Daneben durch den Arbeitsalltag eine Struktur zu haben und in soziale Systeme eingebunden zu sein – das sind alles Dinge, die oft vergessen werden, wenn über Arbeit gesprochen wird. Arbeit wird als nötige Last empfunden, aber Arbeit bringt, neben dem Gehalt, auch viel psychosozialen Rückhalt mit sich.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hat kürzlich gesagt, der Begriff Hartz IV sei zu negativ besetzt; sie will ihn deswegen verbannen.

RIGOTTI: Hinter Umstrukturierungen, etwa der Bundesagentur für Arbeit und der Arbeitsgemeinschaften in «Jobcenter» steckt zunächst einmal ein guter Gedanke, der auch aus psychologischer Sicht zu befürworten ist: Dass man nämlich den Arbeitslosen als Kunden und die Berufsberater als Dienstleister begreift. Aber das Image der deutschen Amtsstube hat sich allein durch die Umbenennung von Arbeitsamt in «Jobcenter» noch nicht gewandelt. Das liegt nicht nur daran, dass es zunächst mal nur eine Namensänderung ist, sondern auch an strukturellen Defiziten, beispielsweise in der Professionalität der Berater der Bundesagentur, die noch verbesserungsfähig ist.

Wie meinen Sie das?

RIGOTTI: Ein Problem ist, dass die Arbeitsberater für eine ganz große Palette vonBerufsausbildungen zuständig sind. Das heißt, sie sind nicht spezialisiert. Es gibt in vielen Berufsfeldern sehr spezifische Karrieren und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Ein Arbeitsberater kann sich nicht in allen Berufen und Ausbildungswegen auf einmal auskennen. Es wäre günstiger, wirkliche Spezialisten zu finden. Und gerade bei den Langzeitarbeitslosen müssen die Berater auch psychosoziale Beratung leisten. Der Job als Berater bei der Arbeitsagentur ist an keine speziellen Qualifikationen gebunden. Man fängt an und wird «on the job» trainiert.

Das klingt danach, dass das System der Arbeitsagenturen mit Maßnahmen, um in den ersten Arbeitsmarkt zurückkehren zu können,
dem individuellen Befinden der Menschen überhaupt nicht gerecht wird. Ist das nicht ein Punkt, der zu oft ausgeblendet wird? Man spricht immer nur vom Geld. Das Bundesverfassungsgericht wird etwa kommende Woche darüber entscheiden, ob man von den derzeitigen Hartz-IV-Regelsätzen leben kann.

RIGOTTI: Ich denke, dass es gar nicht so sehr darum geht, wie viel Euro man zum Leben braucht. Die Wertschätzung für die Menschen, die Hartz IV erhalten, lässt sich nicht in Euro ausdrücken. Ganz wichtig ist – vor dem Hintergrund, dass Erwerbslosigkeit der Auslöser für psychische Krankheiten sein kann – , dass man Angebote schafft, um betroffene Menschen zu stabilisieren. Oder dass Erfolge vermittelt werden. Das kann man nicht, indem man den Druck auf Hartz-IV-Empfänger erhöht, bestimmte Tätigkeiten anzunehmen oder möglichst viele Bewerbungen zu schreiben. Viel wichtiger und nachgewiesen bedeutender für den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben ist eine realistische Einschätzung über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und vor allem die Qualität der Bewerbungen. Es bringt nichts, dass man zehn Bewerbungen in der Woche schreibt, sondern eine richtig gute. Außerdem wäre eine bessere Unterstützung beim Bewerbungsverhalten wichtig. Menschen, die depressiv sind, können sich nicht positiv darstellen, weil sie sich selbst nicht positiv wahrnehmen. Und: Nicht jede Arbeit ist aus arbeitspsychologischer Sicht besser als die Erwerbslosigkeit. Also sogenannte «bad jobs». Es gibt durchaus Arbeiten, die machen noch mehr krank, als keine Arbeit zu haben.

Welche zum Beispiel? 

RIGOTTI: Beispielsweise an- und ungelernte Arbeiten oder Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen, bei denen im Prinzip die Arbeitskraft nur ausgebeutet wird – vor allem auf dem Niedriglohnsektor.

Helfen Forderungen nach Verschärfungen für Hartz-IV-Empfänger, wie die vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) nach einem Arbeitszwang für alle?

RIGOTTI: Das ist absolut kontraproduktiv. Das mag politisch kurzfristig die Arbeitslosenzahlen nach unten drücken. Was dabei aber an Geld gespart wird, multipliziert sich später in den Ausgaben, die man im Gesundheitssystem hat, wenn immer noch weiterer Druck auf Hartz-IV-Empfänger ausgeübt wird. Anstatt Druck auszuüben und Angebote annehmen zu müssen, die zum Teil nichts mit menschenwürdiger Arbeit zu tun haben, wäre es wichtiger, Anreize zu schaffen, tatsächlich zu arbeiten. Da kann man politisch sicher auch noch einiges nachbessern, was den Zuverdienst betrifft. Es muss sich auch lohnen, zu arbeiten. 

Kennen Sie Beispiele von Menschen, die trotz Vorurteile gegenüber Hartz-IV-Empfängern positiv mit ihrer Erwerbslosigkeit umgehen können. Was machen diese Leute anders?

RIGOTTI: Es gibt Erwerbslose – übrigens kein geringer Prozentsatz –, die sich mit ehrenamtlicher Arbeit engagieren, in Vereinen oder in sozialen Organisationen. Diese erleben eine Sinnhaftigkeit, eine Struktur in ihrer Tätigkeit und haben das Gefühl, dass sie gebraucht werden. Das heißt nicht, dass man einen Zwang zur ehrenamtlichen Arbeit einführen sollte. Aber Freiwilligkeit ist ein ganz wichtiger Faktor für Arbeitslose, nämlich insofern, dass man immer noch Autonomie und Kontrolle über das eigene Leben hat.
Das letzte Fahrzeug, das Du benutzt, ist immer ein Kombi!

MalineRitter

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #1 am: 14:49:04 Sa. 06.Februar 2010 »
Hallo Marvin_gate-way!

Danke fürs Reinstellen! Der Artikel ist ausgesprochen aufschlussreich - bin absolut deiner Meinung - lesenswert!!

Es gibt durchaus Arbeiten, die machen noch mehr krank, als keine Arbeit zu haben. Welche zum Beispiel? Anzeige RIGOTTI: Beispielsweise an- und ungelernte Arbeiten oder Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen, bei denen im Prinzip die Arbeitskraft nur ausgebeutet wird – vor allem auf dem Niedriglohnsektor. Es muss sich auch lohnen, zu arbeiten.

Es gibt Erwerbslose – übrigens kein geringer Prozentsatz –, die sich mit ehrenamtlicher Arbeit engagieren, in Vereinen oder in sozialen Organisationen. Diese erleben eine Sinnhaftigkeit, eine Struktur in ihrer Tätigkeit und haben das Gefühl, dass sie gebraucht werden. Das heißt nicht, dass man einen Zwang zur ehrenamtlichen Arbeit einführen sollte.

Aber Freiwilligkeit ist ein ganz wichtiger Faktor für Arbeitslose, nämlich insofern, dass man immer noch Autonomie und Kontrolle über das eigene Leben hat.

Dem ist nichts hinzu zufügen. LG Maline
"Ziviler Ungehorsam wird zur heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat." Mahatma Gandhi

Carpe Noctem

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #2 am: 15:26:13 Sa. 06.Februar 2010 »
Hi!

Der Artikel ist ausgesprochen gut, weil er endlich dem Wert des Menschen an sich Rechnung trägt! Allerdings ist mir ein Passus aufgefallen, der typisch für Psychologen und sozialpsychiatrisch ausgerichtete Fachleute ist:

Zitat
Ich denke, dass es gar nicht so sehr darum geht, wie viel Euro man zum Leben braucht. Die Wertschätzung für die Menschen, die Hartz IV erhalten, lässt sich nicht in Euro ausdrücken. Ganz wichtig ist – vor dem Hintergrund, dass Erwerbslosigkeit der Auslöser für psychische Krankheiten sein kann – , dass man Angebote schafft, um betroffene Menschen zu stabilisieren.

Das ist eine zu starke Verkürzung des Menschen auf die immaterielle Ebene. Man muss unbedingt beides sehen, nämlich die wirtschaftliche und die psychosoziale Situation. Wertschätzung kommt sehr wohl in der Höhe der Leistungen, als auch in der Art der Gewährung zum Ausdruck. Es muss also ein höherer Regelsatz sein plus eine wertschätzende Leistungsgewährung, d.h. Freiwilligkeit der Wahrnehmung von Beratungsterminen seitens der Leistungsbezieher bei gleichzeitig hoher Professionalität der Berater und(!) einem breiten Spektrum an individuell anbietbaren Massnahmen von ausgezeichneter Qualität. Allerdings löst auch das nicht unser Hauptproblem, nämlich die Verteilung von Vermögen und Produktivität.

[/Utopia] 8)

Grüsse - CN
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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #3 am: 16:17:55 Sa. 06.Februar 2010 »
Den Artikel finde ich auch sehr lesenswert.

Zitat von: Carpe Noctem
Das ist eine zu starke Verkürzung des Menschen auf die immaterielle Ebene. Man muss unbedingt beides sehen, nämlich die wirtschaftliche und die psychosoziale Situation.

Das stimmt schon, nur das Psychologische wurde eigentlich bisher nie wirklich thematisiert.

Carpe Noctem

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #4 am: 18:17:22 Sa. 06.Februar 2010 »
Das stimmt schon, nur das Psychologische wurde eigentlich bisher nie wirklich thematisiert.

Ja! Mir persönlich ist es bloss ein wenig spooky, wenn monokausale Begründungen jeder Fachrichtung nebeneinander stehen, ohne sinnvoll verbunden zu werden.

Kleines Fallbeispiel:

Nicht-EU-Bürger ohne Leistungsbezug, ofW, chronifizierte Psychose. Ich war zuständig für die wirtschaftlichen Probleme, Kollegin für die sozialpsychiatrische Seite. Ich sehe, dass der Mann dringend Geld benötigt und dose erst mal die Ausländerbehörde ein, anschliessend mit Nachdruck die ARGE. Kollegin sieht die Erkrankung im Vordergrund, regt Betreuung an, weil Monsieur weder krankheitseinsichtig noch behandlungswillig ist. In der Zwischenzeit streiten wir uns, ob ich schnell noch die StA eindosen soll wegen zu hoher Tagessätze (§ 265a StGB), oder der Betreuer die Unterlagen bekommt, ohne Rücksicht auf Fristigkeiten. Letztlich setzte ich mich durch und schrieb fristwahrend an die StA. Sie war nicht gerade enchantee!

An dem Beispiel wird deutlich, weshalb ich Einseitigkeit gegenüber sehr skeptisch bin.

Grüsse - CN
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Thomas_Kallay

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #5 am: 18:45:02 Sa. 06.Februar 2010 »
@Marvin_gateway:

Könntest Du bitte den Text etwas nachbearbeiten, so z.B. die Fragen von den Antworten durch ne Leerzeile trennen? Das würde das Lesen sehr vereinfachen.

Besten Dank und Grüsse,
Thomas

marvin_gate-way

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #6 am: 19:06:53 Sa. 06.Februar 2010 »
@Thomas_Kallay:

Danke für den Hinweis, ist mir persönlich nicht so aufgefallen, gelobe beim nächsten Mal Besserung ;D

Greez back,

Marvin Gate-Way
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Nine

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #7 am: 22:04:28 Sa. 06.Februar 2010 »
Ich finde diesen Beitrag sehr aufschlussreich, besonders mal die seelische Seite mal zu erwähnen!

Mich trifft diese Sache besonders, da mich dieses Leben hier sehr belastet (Hartz 4, schlechte Arbeitgeber, Mobbing...) das habe ich alles schon mitgemacht!
Mittlerweile bin ich so weit sobald ich wirklich einen Job bekomme und ein wenig stress habe, schon psyschich zusammenbreche, oder nicht mehr essen kann, da ich es sowieso nicht mehr bei mir behalten kann!
Hab auch extreme schlafprobleme, egal wie viel ich schlafe ich kann mich im Schlaf nicht erholen, .... es kommt eben einiges zusammen.

Jetzt hat das Amt am eigenen Leib gesehen das ich nicht mehr kann ( hatte mich bei denen selber für nen 1-Euro-Job gemeldet um zu beweisen das ich was tuen will) die haben da festgestellt das ich gar nicht mehr kann, war auch im Krankenhaus!

Naja jetzt wander ich von Arzt zu Arzt und keiner weiß weiter, jetzt muss ich zum Gesundheitsamt, mal sehen was die sagen!
Eine Theraphie werde ich auch starten, suche noch nach der passenden Theraphi, vorher muss ich aber leider umziehen da ich Schimmel in der Wohnung hab!

Deshalb finde ich es gut das mal hier erwähnt wird, das es auch die Seele kaputt macht, Hartz 4 ist menschenunwürdiges Leben!

LG
Nine

klaus72

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #8 am: 06:57:51 So. 07.Februar 2010 »
Hartz IV macht nicht nur krank, sondern treibt zum Selbstmord.

Nicht nur Hartz IV macht krank, sondern die fehlende Solidarität der Gesellschaft.


Gehtsnoch

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #9 am: 12:07:37 So. 07.Februar 2010 »
Um das zu wissen, brauche ich keine Psychologen. Erstaunlich ist jedoch immer wieder die grenzenlose Dummheit der deutschen Buerger, wenn die nicht in der Lage sind das ganze Hartz4 Spektrum zu sehen (also der gesamte Arbeitsmarkt, ZA usw.).
Einzelne Parolen koennen die sich noch merken...dann war es aber auch schon.
Wenn ich mich mit einem Menschen unterhalte, so verstehen diese gar nichts....stattdessen Einwaende wie bei Versicherungsvertretern...."Ich  kenne einen Fall, wo es anders war."

BlaBlaBla....ja, Leute stellt euch vor...es haben im 3 Reich auch ein paar Juden und "minderwertige Menschen" <<< Achtung nicht meine Meinung; ueberlebt...trotzdem, die Nazis waren, sind und bleiben scheisse. Als ob man ein kleines Beispiel (wo die Glaubwuerdigkeit eh zweifelhaft ist) fuer alle als Referenz nehmen kann.
Ueberhaupt...sind diese AGENDA 2010 Volksverraeter nicht irgendwie auch Nazis??? Das Gedankengut stimmt teils ueberein.
Zeitarbeit ist scheisse!

Suicide

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #10 am: 19:59:08 Mo. 08.Februar 2010 »
Hartz IV macht nicht nur krank, sondern treibt zum Selbstmord.

Nicht nur Hartz IV macht krank, sondern die fehlende Solidarität der Gesellschaft.



Kann ich nur unterschreiben.

Ich selbst bin auch psychsich krank [emotional instabile Persönlichkeitsstörung] und der Druck und die Hetze verschlimmert das nur.
Ich war auch letztes Jahr im Oktober soweit, dass ich einen Selbstmordversucht hatte, weil ich einfach nicht weiter wusste  :-[

Ich habe 3 Therapien durch, die ich aber nie abgeschlossen habe [auch Teil der Krankheit ---> "Fluchtverhalten"].
Ich habe in JEDER Therapieeinrichtung gemerkt, dass sie nur darauf hinarbeiten dich wieder "jobklar" zu machen ... so schnell wie mögloch. Dass einen H4 und das ganze System krank macht wird nicht durchgelassen und argumentiert mit "ist halt so".

Man ist krank und hat das Gefühl komplett allein gelassen zu werden, weil selbst an den Stellen, die einen [offiziell] helfen sollen, man nur eine "Ware" ist was gefälligst wieder zu funktionieren hat.

Ich kann nicht mehr ... ich habe es so satt!!! Nicht jeder ist so stark sich gegen all das zu wehren!
Schnauze voll!!

Carpe Noctem

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #11 am: 20:53:03 Mo. 08.Februar 2010 »
Hallo Suicide!

Wenn ich solche Beiträge lese wie deinen, frage ich mich, wie viele sang- und klanglos verschwundenen User hier womöglich schon Suizid begangen haben :-(

Dass man im System eine Ware ist, das stimmt teilweise wirklich. Die Rentenversicherung als Kostenträger wirkt darauf hin, dass man "fit für den Arbeitsmarkt" gemacht werden soll. Der Arbeitsmarkt schreit aber nicht nach Menschen mit Beeinträchtigungen und Lücken in der Erwerbsbiografie. Ich habe gerade das Konzept einer Einrichtung gelesen, wohin ich jemanden vermittelt habe. Da steht auch viel von beruflicher Integration, aber dass die Einrichtung die Verschärfungen am Arbeitsmarkt nur bedingt auffangen kann - haha. Was letztlich aus Menschen werden soll, die eine Behinderung, eine psychische Erkrankung, Suchtprobleme, Vorstrafen, Schulden oder anders begründete Abweichungen von der kapitalistischen Norm mitbringen, das kann einem irgendwie keiner beantworten. Das Menschenbild hängt viel zu sehr am Nutzwert.

Pardon wenn ich gerade deine Niedergestimmtheit noch verstärke. Bin mit Herzrasen und Schweissausbrüchen über das besagte Konzept geflogen, um die Besuchsregelungen zu finden. Die sind ziemlich streng. Ob ich vor den Augen der Fachleute bestehe, weiss ich noch nicht. Ich muss Bittebitte bei Fachleuten sagen, wenn ich meine grosse Liebe sehen will. Das geht seit Herbst 2008 so. Ich halte das nicht mehr aus. Das ist grauenhaft, immer ausgeliefert zu sein und dieser Abwertung ausgesetzt zu werden. Gesellschaftliche Statusgrenzen sind kaum durchlässig, man bekommt in der Regel nur vor die Fresse wenn man sich darüber hinwegsetzt. Daher meine dunkelfinsterschwarze Laune und dem entsprechende Einlassung da oben. Ich sehe den Menschen nicht als Ware, und dafür darf ich jetzt leiden wie ein Hund. Liebe und Funktionieren sind Gegensätze, sagte mal ein weiser Mann zu mir. Er hat recht. Ich finde, wir sollten leben und lieben, egal wie hoch der Preis ist. Mich hat es die Existenz gekostet, aber scheiss auf das bekackte System, wir sind keine Waren sondern fühlende Wesen!

Schniefigen & kämpferischen Gruss - CN
Art. 1 GG: "Die Menschenwürde steht unter Finanzierungsvorbehalt"

Suicide

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #12 am: 21:13:37 Mo. 08.Februar 2010 »
Hey CN!

Oh man  :(

Es ist einfach nur noch traurig und ich weiß nicht wohin das noch führen soll.
Früher hat man Menschen umgebracht, heute lässt man sie verhungern [Sanktionen] ... wo ist da bitte der Unterschied??
Ich kann es einfach nicht fassen, dass Menschen so behandelt werden dürfen.

Viele verweigern sich ja auch einfach, weil sie nicht mehr die Kranft haben sich einem hetzerischen Betrieb auszusetzen, oder für einen Hungerlohn zu schuften wie im Bergwerk, oder oder oder.

An erster Stelle steht der Mensch! Dann kommt der Rest. Geld kann man nicht essen, man kann sich nicht damit zudecken, man kann es nicht umarmen oder küssen. Es ist Papier und manche gehen dafür über Leichen.

Ich hoffe ja etwas auf Morgen ... das vielleicht auch die Sanktionsgeschichte in Frage gestellt wird ... der Druck muss aufhören!
Schnauze voll!!

marvin_gate-way

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #13 am: 21:31:30 Mo. 08.Februar 2010 »
@suicide:
Zitat
Geld kann man nicht essen, man kann sich nicht damit zudecken, man kann es nicht umarmen oder küssen. Es ist Papier und manche gehen dafür über Leichen.

bitte nicht falsch verstehen:
Geld kann man essen, nur besonders nahrhaft ist es nicht, zumindest nicht für den Menschen. Und soviel, wie du essen müsstest, um satt zu werden, hast du als H4-er nicht.
Mit Geld kann man sich zudecken, vorausgesetzt, man hat genug davon. Eine wärmende Wirkung wird man wohl aber erst bei mehreren Lagen aus Papier haben. Für H4-er ebenfalls unmöglich.
Umarmen und küssen kann man Geld ebenfalls, es wird sich auch nicht wehren! Erwarte aber bitte keinerlei entsprechende Gegenreaktion!
Nur deinem letzten Satz stimme ich zu, korrigiere aber, für mich alleine zumindest, manche in viele.
Mal was anderes, geht mich zwar nix an, aber wenn du es hier selbst ansprichst, nehme ich mir einfach das Recht heraus, darauf zu antworten:
Wenn du mal wieder nicht weiterweißt, melde dich doch einfach mal hier, irgendwer ist immer da, der dir in irgendeiner Art und Weise weiterhelfen kann. Einfach sein Leben wegzuwerfen, das ist genau das, worauf die Herrschaften in Wirtschaft und Regierung in Bezug auf die Masse der H4-er spekulieren.
Gönne diesen Typen diesen Triumph doch nicht!
Das letzte Fahrzeug, das Du benutzt, ist immer ein Kombi!

Carpe Noctem

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Re:Hartz IV macht krank
« Antwort #14 am: 21:34:12 Mo. 08.Februar 2010 »
Es ist einfach nur noch traurig und ich weiß nicht wohin das noch führen soll.

Das wüsste ich zu meinem "Fall" auch gerne... Ist spooky, wenn man immer nur den nächsten Schritt sieht und nicht den ganzen Weg erkennen kann :-(

Zitat
Früher hat man Menschen umgebracht, heute lässt man sie verhungern [Sanktionen] ... wo ist da bitte der Unterschied??

Zynisch ausgedrückt, ist die Sanktion von 100% (gerne genommen bei U25) nur Mordversuch. Überlebt man den, fragt die ARGE hinterher ob man über "verborgene Reserven" verfüge. So geschehen bei der ARGE Köln. Die machen dir dann quasi zum Vorwurf, dass du nicht verreckt bist.

Zitat
Ich kann es einfach nicht fassen, dass Menschen so behandelt werden dürfen.

Ich auch nicht. Morgen muss ich mich bei der ARGE als PAP U25 vorstellen, und das in meiner derzeitigen Verfassung. Toll. Für einen "brillanten" Sabotageakt reichen die Reserven gerade noch. Hab die Schnauze sowas von gestrichen davon voll, dass im Namen des Systems sogenannte "fachliche" und "professionelle" Verwertung stattfindet. Für nichts anderes haben diese [insert-word-here] in ihrem Dünnpfiffgehirn Platz. Wers anders macht, ist ein Vollidiot. "Gestatten - Vollidiot. Und wie ist Ihr werter Name?"

Zitat
An erster Stelle steht der Mensch! Dann kommt der Rest. Geld kann man nicht essen, man kann sich nicht damit zudecken, man kann es nicht umarmen oder küssen. Es ist Papier und manche gehen dafür über Leichen.

Geld ist ein Gebrauchsgegenstand, mehr nicht. Es entbehrt jeder Erotik, Wärme und Schönheit. Die Katzen vor meinem Fenster draussen im Garten sind schöner als 10000 Euro. Und meine grosse Liebe ist noch schöner. Ich bin heute reif für die Klapse, aber immer noch ansehnlicher als der Inhalt meiner Geldbörse.

Grüsse - CN
Art. 1 GG: "Die Menschenwürde steht unter Finanzierungsvorbehalt"