Autor Thema: Billiglöhne im Schlachthof  (Gelesen 45192 mal)

Nikita

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #60 am: 12:58:29 Do. 19.September 2019 »
Zum Maulkorb-System hinter den Tönnies-Anwälten:

Auszüge des Artikels unter https://www.nachdenkseiten.de/?p=54860

"Ein Artikel von Elmar Wigand

Agenda-Cutting: Die Rolle der Berliner Kanzlei Schertz Bergmann als Union-Busting-Dienstleister.

Der Rechtsanwalt Christian Schertz ist der Leitwolf eines Maulkorb-Oligopols. Seine Berliner Kanzlei Schertz Bergmann, Kurfürstendamm 53, ist eine
Adresse, die unter deutschen Journalisten bekannt und gefürchtet ist. Auch brave Gewerkschafter kriegen das Zittern, wenn sie den Namen Schertz Bergmann hören. Nun gehen Schertz Bergmann auch im Auftrag des Fleischproduzenten Tönnies gegen die Aktion gegen Arbeitsunrecht vor. Elmar Wigand von der Aktion gegen Arbeitsunrecht gibt einen Überblick über das relativ neue Phänomen des Agenda-Cuttings.

Schertz Bergmann hat durch eine einstweilige Verfügung der Pressekammer Berlin jetzt schon dafür gesorgt, dass der Aktionstag #FREITAG13 gegen Tönnies keine Eintagsfliege bleiben wird.

Die Öffentlichkeit kennt den Honorarprofessor Dr. Christian Schertz als Promi-Anwalt für Günter Jauch, Alice Schwarzer, Herbert Grönemeyer, Christiano Ronaldo oder auch den Flughafen Berlin Brandenburg. Schertz und seine Leute sind an sich nicht wählerisch, wer genug Geld hat, kann sie mieten. Manchmal schützen sie – völlig zu Recht – auch die Privatsphäre von Prominenten vor Paparazzi und Boulevardpresse, manchmal vertreten sie unsympathische Figuren wie Karl-Theodor zu Guttenberg, manchmal auch widerwärtige Typen wie Thilo Sarrazin.

Wer Jan Böhmermanns Show Neo Magazin Royale verfolgt, kennt vielleicht die Figur des Schertz-Anwalt Dr. Witz, die Christian Schertz persifliert.[1] Weniger bekannt ist die Rolle von Christian Schertz und seiner Kanzlei Schertz Bergmann als Union Buster.

Agenda-Cutting: Themen von der Tagesordnung streichen


Die Verhinderung von Berichterstattung, das Unterdrücken von Themen gehört seit jeher zum Geschäft des Union Busting. Union Busting ist die planmäßige Bekämpfung von Gewerkschaften, Betriebsräten und selbstbewussten Arbeiter*innen mit Hilfe professioneller Dienstleister. Während spezialisierte Union-Busting-Arbeitsrechtler Betriebsräte und Gewerkschafter mit Kündigungen und Abmahnungen zermürben, die oft böswillig konstruiert und fingiert sind, agiert Schertz Bergmann auf ähnliche Weise im Medienrecht.

Eine besondere Waffe ist im Medienrecht das Mittel der einstweiligen Verfügung. So werden Aussagen bis zu einer gerichtlichen Klärung untersagt. Diese gerichtliche Klärung mag irgendwann erfolgen, sie erfolgt in jedem Fall, nachdem ein Aktionstag wie etwa der Schwarze Freitag, der 13. gegen Tönnies längst beendet ist.

Zum Beispiel Maredo

Schertz Bergmann war am wohl spektakulärsten Union-Busting-Manöver der letzten Jahrzehnte beteiligt: die systematische, überfallartige Zerschlagung eines aktiven Betriebsrats und einer NGG-Hochburg bei Maredo in der Frankfurter Freßgass im November 2011.[2]

Am 12. Dezember 2011 sendete RTL in der Prime-Time-Sendung „explosiv“ einen Beitrag, der die Vorkommnisse in der Freßgass auf einer Länge von 5:31 Min. darstellte und aufarbeitete. Die Kanzlei Schertz Bergmann erwirkte daraufhin im Januar 2012 vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen den Beitrag (Az 28 O 1124/11). In einer weiteren Sache (28 O 1/12) ist die Klage vor Bestimmung eines Termins zurückgenommen worden. RTL konnte eine Gegendarstellung vermeiden. Die Sachverhalte, um die es ging, waren teils Nebensächlichkeiten. Eine Maredo-Beschäftigte hatte sich im Interview beispielsweise um 40 Cent vertan, als sie ihren Stundenlohn bezifferte. Mit diesem Erfolg von Schertz Bergmann gegenüber RTL in der Tasche schüchterte Maredo andere Medien wie ZDF WISO, das Handelsblatt, den Osnabrücker Bürgerfunk ein, um Berichterstattung zu verhindern. Und zwar erfolgreich.[3]

Gezielter Druck auf die weiche Stelle im Apparat: die Justiziare

Die Auswirkung dieser Einstweiligen-Verfügungs- und Abmahn-Methode auf Gewerkschaftsapparate, Sender und Zeitungen ist nicht zu unterschätzen. Die Apparate pfeifen ihre Leute oft allzu bereitwillig zurück, wenn Figuren wie Christian Schertz ins Spiel kommen. Die Methode spricht besonders die hausinternen Justiziare an – was kein Zufall ist, denn Christian Schertz begann seine Karriere selbst einst in der Rechtsabteilung des Sender RIAS.

Dass Christian Schertz von dort aus ziemlich weit aufgestiegen ist, dürfte auch daran liegen, dass sein berühmter Vater beste Kontakte in das juristische Milieu hatte. Georg Schertz war Vizepräsident des Amtsgerichts Berlin und wurde 1987 Berliner Polizeipräsident.[4]

Das Maulkorb-Oligopol: Schertz, Prinz, Gauweiler + Höcker

Schertz Bergmann ist der unbestrittene Marktführer im recht überschaubaren Segment des Agenda-Cutting. Also der Verhinderung und Einschüchterung kritischer Berichterstattung. Hier agieren bundesweit im Wesentlichen nur vier Kanzleien, deren Leitwolf bislang Christian Schertz war."

"Schertz-Kanzlei für Tönnies aktiv

Als die Aktion gegen Arbeitsunrecht sich mit Tönnies anlegte, war uns klar, dass wir Post von Schertz Bergmann bekommen würden.

Der Hamburger Jourfixe der Gewerkschaftslinken hatte am 9. Januar 2019 eine gut besuchte Veranstaltung zu Wohn- und Arbeitsbedingungen von Wanderarbeitern am Schlachthof Kellinghusen sowie im Raum Rheda-Wiedenbrück abgehalten. Am 18. Januar erhielt die Initiative einen 27-seitigen Brief von Schertz Bergmann. Sie sollten bestimmte Behauptungen unterlassen und für die Mühen der Medienkanzlei gleich auch noch über 1.800,- Euro bezahlen."

"Schalke-Boss Clemens Tönnies als Campaigner für #FREITAG13

Am 1. August gaben wir bekannt, dass der Tönnies-Konzern – größter Schweinefleisch-Vermarkter Europas – die Online-Abstimmung zum Schwarzen Freitag, den 13. September 2019 mit großem Abstand gewonnen hatte. Konzernboss Clemens Tönnies befeuerte unsere Kampagne sogleich nach Kräften, als er ebenfalls am 1. August 2019 seine berühmte Rede vor der Kreishandwerkerschaft Paderborn hielt.

Tönnies schlug vor, statt den Klimawandel mit höheren Steuern zu bremsen – die etwa Tönnies‘ ökologisch verheerende Produktionsweise bestrafen müssten -, solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Tönnies Begründung dafür: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“[9]

Wie gesagt: Alle die Tönnies kritisieren, bekommen es mit Schertz Bergmann zu tun. Wir waren darauf gefasst. Es lag wohl an dem medialen Wirbel, den Clemens Tönnies verursacht hatte, dass wir erst am 2. September Post von Schertz Bergmann erhielten. Wir hatten uns schon gewundert.

Strategische Zone: Arbeit und Arbeitsbedingungen in der Produktion


Und was drückte Tönnies und Schertz Bergmann so auf der Seele?


Wir sollen seine Methoden der Ausbeutung nicht mit der freien Meinungsäußerung “Lohnraub” belegen. Tönnies will das Prinzip “Pontius Pilatus” durchsetzen. Tönnies wäscht seine Hände in Unschuld. Er sei nicht verantwortlich für das Treiben seiner Sub-Unternehmer und Zulieferer. Schließlich hätten diese alle Compliance-Vorgaben unterzeichnet und eidesstattliche Versicherungen abgegeben, dass sie sich auch brav an deutsche Gesetze halten würden. Das ist ja prima! Alles andere wäre aber auch ziemlich merkwürdig…
Wir sollen nicht darüber schreiben, wie, warum und wann Werkvertragsarbeiter gefeuert werden. Bei Tönnies wird man schnell gefeuert. Tatsächlich saugt der Tönnies-Konzern Wanderarbeiter aus Bulgarien, Rumänien, Polen an und spuckt sie wie ausgelutschte Pflaumenkerne wieder aus. Wir werden verstärkt Zeugenaussagen sammeln.
Und wir sollen nichts über die Expansion und Arbeitsplatzvernichtung durch den Tönnies-Konzern schreiben. Obwohl Tönnies im Stile einer Heuschrecke in Deutschland und Europa expandiert, Schlachthöfe aufkauft und seine Produktion ganz offensichtlich planmäßig zentralisiert: in die Schlachthöfe Rheda-Wiedenbrück im Westen und Weißenfels, Sachsen-Anhalt im Osten.
Was wird juristisch angegriffen und was nicht?

Rassismus durch den Oberboss, grauenhafte Wohnverhältnisse für Wanderarbeiter in Ostwestfalen und Sachsen-Anhalt, Umweltverschmutzung und Tierleid? Entweder sind diese Dinge zu gut dokumentiert oder aber sie stellen kein größeres Problem für Tönnies dar. Aber wenn es um Arbeit und Ausbeutung geht, reagiert der Konzern. Hier liegt offenbar eine strategische Zone, die es abzuschirmen gilt: Lohn und Profit, Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzung in der Produktion."

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #61 am: 10:57:24 So. 29.September 2019 »
Zitat
Ausbau des Auslandsgeschäfts:
Tönnies schlachtet künftig auch in China

Der Fleischkonzern investiert mit einem Partner 500 Millionen Euro in einen Schlacht- und Zerlegebetrieb. Der Standort ist zunächst auf die Schlachtung von 2 Millionen Schweinen im Jahr ausgelegt. Später soll die Kapazität noch steigen.

https://www.faz.net/2.1690/toennies-schlachtet-kuenftig-auch-in-china-16406020.html

Fritz Linow

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #62 am: 11:28:14 Sa. 05.Oktober 2019 »
Zitat
4.10.19
Nach dem Listerien-Skandal kommen weitere Missstände bei Wilke Wurstwaren aus Twistetal ans Tageslicht: Ehemalige Mitarbeiter schildern menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. (...)
https://www.wlz-online.de/panorama/wilke-wurstwaren-twistetal-arbeitsbedingungen-waren-menschenunwuerdig-zr-13070487.html

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #63 am: 13:21:38 Do. 14.Mai 2020 »
Zitat
Infizierte Leiharbeiter: Lockerung in Gefahr?

Emmerich/Goch/Kranenburg/Kleve. Offiziell sind in Emmerich vier Leiharbeiter erkrankt. Doch die Dunkelziffer auf den Schlachthöfen dürfte viel höher sein. Besonders weil die Menschen, die im Kreis Kleve leben, auf den Schlachthöfen in Holland arbeiten. Und da wird nicht getestet.


3600 Menschen aus Osteuropa leben in Emmerich. Viele von ihnen, besonders die Männer, sind Leiharbeiter. Und sie arbeiten sehr oft in Schlachthöfen in den Niederlanden. Genaue Zahlen gibt es im Emmericher Rathaus nicht. Ebenso wenig wie in Kleve, Kranenburg oder Goch, wo ebenfalls viele Leiharbeiter leben, die in den Niederlanden arbeiten.

Befürchtung.
Insider vermuten: Vermutlich arbeiten über 5000 Menschen im Kreis in der Fleischindustrie. Wenn nur zehn Prozent von ihnen (in Coesfeld waren es in einem Betrieb 50 Prozent), infiziert sind, sind die Corona-Lockerungen im Kreis Kleve in Gefahr.
https://rp-online.de/nrw/staedte/emmerich/corona-lockerungen-in-emmerich-und-kleve-in-gefahr-infizierte-leiharbeiter_aid-50625147

Fritz Linow

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #64 am: 20:58:25 Fr. 15.Mai 2020 »
Tönnies Schlachthof, April 2020. Tausende Arbeiter - null Infektionsschutz. arbeitsunrecht TV:


Das könnte auch die derzeitige Situation in den Schlachthöfen erklären.

Nikita

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #65 am: 14:35:36 Sa. 16.Mai 2020 »
Nach den rassistischen Entgleisungen von Clemens Tönnies stehen jetzt also der Vorwurf mehrere Straftaten im Raum. Die Staatsanwaltschaft, Zollamt und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ducken sich weg. Mietwucher, illegale Arbeitnehmerbeschäftigungen, Verstöße gegen die Corona-Auflagen stehen im Raum.
Arbeitsunrecht.de schreibt dazu:

"Schein-Werkverträge: Organisierte Täuschung der Behörden durch illegale Arbeitnehmerüberlassung?
Alles spricht nach unseren Recherchen dafür, dass es sich in der Realität gar nicht um Werkverträge handelt sondern der Sache nach um Arbeitnehmerüberlassungsverträge (also verdeckte Leiharbeit bzw. Schein-Werkverträge). Das hätte weitreichende Auswirkungen, da nach unserer Kenntnis keiner der Werkunternehmer die Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung hat. Wir hätten es hier also mit einem kriminellen System zu tun, das sowohl die Arbeiter schädigt als auch — über Hinterziehung von Sozialabgaben und Steuern — das Gemeinwesen."

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #66 am: 15:15:05 Sa. 16.Mai 2020 »

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #67 am: 12:24:06 Mo. 18.Mai 2020 »
In den Medien macht sich gerade eine hochgradig unangenehme Argumentation breit:
Das Fleisch in Deutschland sei einfach zu billig.

  • Wenn es "zu billig" ist, wie ist es denn möglich, daß Clemens Tönnies vom Verkauf 2 Milliarden Euro auf die hohe Kante legen konnte?
  • Hier wird der Schuldige wieder bei den Konsumenten gesucht. Nach dieser Argumentation ist nicht Tönnies der Verbrecher, sondern der Hartz IV Empfänger, der sich einen möglichst günstigen Aufschnitt bei Aldi kauft.

Onkel Tom

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #68 am: 15:10:31 Mo. 18.Mai 2020 »
Da hast Du völlig recht..

In den Supermarktregalen macht es sich bemerkbar, das Fleischprodukte teurer werden.
Die einfache Fabriksalami kostete bei Netto vor Corona 99 Cent und nun 1,49 Euro.

Das die Mitarbeiter auf den Schlachthöfen davon Null mehr davon haben, ist klar..
Es sind die Schreibtischganoven, die sich dran bereichern.. Alte Zeiten kommen wieder,
wo es nur den "Sonntagsbraten" gibt.. Zumindest für die armen dieses Landes..
Es ist doch einfach zum Haare ziehen, wie das mit dem Kapitalismus funktioniert  :(

Die Bedrängnis, auf subversive Unternehmungen zu greifen, wird immer höher, da über
Gesetze und Co. kaum noch was verbessert werden könnte. Ausnahmen bestätigen die
Regel..
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #69 am: 15:45:42 Di. 19.Mai 2020 »
Die Situation ist ja nicht wirklich neu. Das Aubeutersystem arbeitet seit Jahren mit genau diesen Methoden.
Plötzlich nehmen es die Medien wahr.

Zitat
Das Schweinesystem: Der abgeschirmte Mikrokosmos der Fleischindustrie

Die Branche hat einen abgeschirmten Mikrokosmos geschaffen, in der Mensch und Tier auf der Strecke bleiben. Gelingt es nun, daran etwas zu ändern?


Von etwas nichts wissen oder nichts wissen wollen, das ist auch das Problem mit den Deutschen und ihrer Fleischindustrie. Doch die Corona-Krise zwingt plötzlich zum Hinschauen. Die Zustände in der Fleischwirtschaft haben handfeste Konsequenzen – und zwar war nicht nur für die Arbeitsmigranten an den Zerlegtischen, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Immer deutlicher stellt sich nun die Systemfrage. Welche Berechtigung hat eigentlich eine Fleischwirtschaft, die das Tierwohl mit Füßen tritt? Die wenig Rücksicht auf den Schutz ihrer Mitarbeiter nimmt? Die Landwirten keine angemessen Preise bezahlt? Und die vielerorts mit ihren Güllemassen auch noch das Grundwasser verseucht?
https://www.fr.de/politik/schweinesystem-13767786.html (gekürzt)

Politiker zeigen sich betroffen. Wollen die Auswüchse eindämmen. Jaja. Dann gibt es da nächste Thema und alles ist vergessen.

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #70 am: 14:09:03 Mi. 20.Mai 2020 »
Zitat
In der Kabinettsvorlage heißt es:

"Ab dem 1.1.21 soll das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch in Betrieben der Fleischwirtschaft [...] nur noch von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein. Damit wären Werkvertragsgestaltungen und Arbeitnehmerüberlassungen nicht mehr möglich. [...] Für Betriebe des Fleischerhandwerks ist eine gesonderte Betrachtung möglich. [...]"
https://www.tagesschau.de/inland/kabinett-fleischindustrie-arbeitsbedingungen-103.html

Wir werden sehen, was für Umgehungsmechanismen sich Tönnies & Co einfallen lassen werden. Aber für heute ist das ein Riesenerfolg! Ab 1/21 dürfen in Großbetrieben nur noch eigene Mitarbeiter*innen arbeiten.

Onkel Tom

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #71 am: 17:05:01 Mi. 20.Mai 2020 »
Na, das ist doch mal eine gute Nachricht, werden den Arbeitsminister zum nächsten Jahreswechsel jedoch
immer daran erinnern müssen, was er nun versprochen hat.. Und es wird Zeit Rassisten ihr Ausleben des
Rassismus durch extreme Ausbeutung von Gastarbeiter_innen endlich zu stoppen. Kein Mitarbeiter darf
anhand seiner Herkunft auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden.. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit..
Besser jetzt als nie..
Lass Dich nicht verhartzen !

Nikita

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #72 am: 22:03:57 Mi. 20.Mai 2020 »
Ein ungewöhnlich deutlicher Kommentar im Spiegel dazu:

Zitat
Arbeitsbedingungen in Fleischfabriken
Ausbeutung als Geschäftsmodell
Nils Klawitter
Ein Kommentar von Nils Klawitter
Die Regierung will Werkverträge in der Fleischindustrie verbieten - gut so. Die Gegenargumente der Fleischdiscounter sind lächerlich. Sie wollen nur ihr Ausbeuterparadies in Deutschland erhalten.
20.05.2020, 17.34 Uhr

So weinerlich hat man die deutsche Fleischindustrie selten erlebt. Nach dem geplanten Verbot von Werkverträgen, jault die Branche auf, das sei diskriminierend. In anderen Sektoren seien solche Konstruktionen schließlich auch üblich, man erwäge Klagen gegen das Vorhaben der Bundesregierung.

So weinerlich hat man die deutsche Fleischindustrie selten erlebt. Nach dem geplanten Verbot von Werkverträgen, jault die Branche auf, das sei diskriminierend. In anderen Sektoren seien solche Konstruktionen schließlich auch üblich, man erwäge Klagen gegen das Vorhaben der Bundesregierung ...
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ausbeutung-als-geschaeftsmodell-a-84fd2e3e-b117-49a7-86f3-103358bd30aa

Kuddel

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #73 am: 20:09:12 Mi. 03.Juni 2020 »
Clemens Tönnies erklärt, wie man als Ausbeuter Milliardär wird:

Zitat
Erfolgstipps

Für Clemens Tönnies ist ein gesunder Sinn für Realität ein Garant für den Erfolg. Er baut keine Luftschlösser und lebt in Wolkenkuckucksheim, sondern kalkuliert und berechnet, um erfolgreich zu sein. Für ihn ist es ganz wichtig mit beiden Beinen im Leben zu stehen und die Welt, die ihn umgibt, aktiv wahrzunehmen. Er ist bodenständig und sich seiner Heimat und seiner Herkunft wohlbewusst. Ein respektvoller Umgang mit jedem Menschen gehört für ihn zu den wichtigsten Werten, nach denen er lebt und handelt.
https://vermoegen.org/clemens-toennies-vermoegen/

Troll

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Re: Billiglöhne im Schlachthof
« Antwort #74 am: Heute um 19:54:04 »
Zitat
Werkverträge in der Fleischindustrie abschaffen? Das vordergründige Skandal-Management der Bundesregierung – Lügen inbegriffen.

Bundesarbeitsminister Heil will in der Fleischindustrie „aufräumen“: Da soll es keine Werkverträge mehr geben und sogar auch keine Leiharbeit mehr! Das klingt radikal. Die plötzlich bekannt gewordenen hohen Corona-Infektionsraten bei den osteuropäischen Fleischzerlegern waren zum „Skandal“ geworden. Da musste reagiert werden.[1] Aber diese Bundesregierung und andere brauchen für das Ziel noch ganz anderen Druck. Der geht auch von Gewerkschaften nicht aus, die jetzt freudig zustimmen. Von Werner Rügemer.

Das Bundeskabinett hat am 20. Mai 2020 die „Eckpunkte Arbeitsschutzprogramm für die Fleischwirtschaft“ beschlossen. Danach soll „ab dem 1. Januar 2021 das Schlachten und Zerlegen von Fleisch in Betrieben der Fleischwirtschaft nur noch von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein. Damit wären Werkvertragsgestaltungen und Arbeitnehmerüberlassungen nicht mehr möglich.“

Gute Absicht. Aber glaubwürdig? Seit vielen Jahren sind die Arbeits-Unrechts-Verhältnisse in den Fleischkonzernen am Standort Deutschland bekannt: bei Tönnies, Vion, Danish Crown, Westfleisch, Müller Fleisch, Böseler Goldschmaus usw.
...
...

Podcast:
Quelle: NDS
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti