Autor Thema: Zwangsschlichtung durch norwegische Regierung  (Gelesen 489 mal)

Kuddel

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Zwangsschlichtung durch norwegische Regierung
« am: 21:23:34 Mo. 16.Juli 2012 »
Zitat
Norwegens Regierung erzwingt Ölförderung

Nach mehr als zwei Wochen Streik der Ölarbeiter hat Norwegens Regierung eine Zwangsschlichtung angeordnet. Damit ist die Förderung des Rohstoffs in dem Land gesichert - Investoren reagieren erleichtert.


In letzter Minute hat Norwegens Regierung eine Blockade der Öl- und Gasförderung verhindert. Arbeitsministerin Hanne Bjurstroem ordnete in der Nacht auf Dienstag unmittelbar vor Inkrafttreten einer Aussperrung eine Zwangsschlichtung des Arbeitskampfes in der Öl- und Gasbranche an. Damit wurde auch ein vor über zwei Wochen begonnener Streik abgewendet. "Ich musste diese Entscheidung treffen, um die Interessen Norwegens zu schützen", begründete Bjurstroem den staatlichen Eingriff in die Tarifstreitigkeiten. Norwegens Wirtschaft ist stark von der Öl- und Gasindustrie abhängig.

Hintergrund ist ein Arbeitskampf der Mitarbeiter von Offshore-Plattformen. Die Mitglieder der Gewerkschaften Industri Energi, der Organisation der Energiemitarbeiter (SAFE) und der Norwegian Organisation of Managers and Executives (Lederne) streiken seit dem 24. Juni, weil sie eine Lohnerhöhung und ein Frühverrentungssystem für die gut 7000 Beschäftigten durchsetzen wollen. Das lehnt die Arbeitgeberseite strikt ab.

Eine Verschärfung des Arbeitskampfes drohte die norwegische Ölbranche vollends lahmzulegen. Norwegen ist der größte westeuropäische und der achtgrößte Ölförderer der Welt, der Großteil des Rohstoffs ist für den Export nach Europa bestimmt. 2011 produzierte Norwegen insgesamt laut "BP Statistical Review of World Energy" pro Tag rund zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl, 2,3 Prozent der Gesamtförderung der Welt. Die Menge entspricht fast dem gesamten deutschen Tagesverbrauch. Bislang waren von dem Streik nur gut 13 Prozent der norwegischen Öl- und knapp vier Prozent der Gasproduktion betroffen.

Die Gefahr eines Förderstopps hatte den Ölpreis kräftig in die Höhe getrieben. Entsprechend gaben die Notierungen nach dem Einschreiten der Regierung am Dienstagmorgen nach. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich deutlich um zwei Prozent auf 98,34 Dollar je Barrel. Ein Fass US-Leichtöl kostete mit 84,82 Dollar 1,4 Prozent weniger. Ein weiterer Grund für den Preisrutsch waren neue Daten aus China, wonach Exporte und vor allem Importe dort im Juni deutlich geringer zulegten als erwartet. Das schürt Sorgen um die chinesische Konjunktur.
Weitere aktuelle Daten der chinesischen Zollbehörde zeigen, dass die Volksrepublik im Juni deutlich weniger Öl importierte als zuvor: Das Land führte netto 5,28 Millionen Barrel pro Tag ein. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember 2011, als die Nettoimporte bei 5,1 Millionen Barrel gelegen hatten. Im Mai hatte China noch die Rekordsumme von 5,98 Millionen Fass am Tag eingeführt, wie Erhebungen des Datendienstleisters Bloomberg zeigen. Das Land ist nach den USA der zweitgrößte Ölverbraucher der Welt.
http://www.ftd.de/politik/europa/:streik-ende-norwegens-regierung-erzwingt-oelfoerderung/70061215.html