Autor Thema: [Agrar] Sicheln statt hämmern!  (Gelesen 15938 mal)

ManOfConstantSorrow

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[Agrar] Sicheln statt hämmern!
« am: 13:50:24 Di. 13.Januar 2004 »
Ich bin überracht, daß es bei diesem Thema bisher noch keine Beiträge gegeben hat.

Es ist weder unwichtig noch uninteressant. Als kommunistisches Symbol gilt doch Hammer und Sichel für: Arbeiter und Bauern.
Wir haben natürlich andere Zeiten heute, aber die Arbeit auf dem Land ist auch sehr stark von politischen und wirtschaftlischen Entscheidungen unterworfen.

Meines Wissens ist von links nur die MLPD (als Mini-Organisation) um Bauern bemüht, wärend sich Nazis dort sehr stark engagieren. Vor einigen Jahren wurde in Kiel der Dokumentarfilm "Stumpfe Sense - Scharfer Stahl" (oder so ähnlich) produziert über die Selbstorganisation verarmter Schleswig-Holsteinischer Bauern in den frühen 30er Jahren. Sie wehrten sich mit Demos, Blockaden und sogar Bombenanschlägen. (Der Fallada-Roman Bauen, Bonzen, Bomben beschreibt auch diese Bewegung.)Dann gelang es den Nazis die quasi anarchistische Bewegung zu vereinnahmen und stellten sich einfach an deren Spitze und schrieben deren Forderungen auf ihre Fahnen. Als die Nazis dann die Kontrolle über die Bewegung hatten, mußten die Bauern feststellen, daß keine einzige der Forderungen erfüllt wurden. Dieser Film wurde in der Region auf diversen Treffen der Landjugend-Organisation gezeigt, ein wirklich aufgeweckter Haufen.

Es wäre auch interessant sich einmal Knebelvertäge für Bauern anzuschauen, die aus der Öko-Ecke von Antrosophischen Lebensmittelherstellern kommen.

Und neben der Landarbeit ist natürlich auch die Gartenarbeit nicht ohne...
Ein Teil meiner Bekannten, die in den 80er Jahren politisch aktiv waren haben heute ihre eigenen kleinen Gärtnereibetriebe. So schön an der Frischen Luft und mit der Natur arbeiten. Nur haben die heute fast alle eine kaputte Gesundheit. Die Finger in Sägen und Hächselmaschinen gekriegt. Und weil das Gärtnern nicht genug Geld bringt kümmert man sich gleich mit ums Pflastern und schwupps-schon ist der Rücken kaputt.

Und zu guterletzt ist Gartenarbeit die Lieblingsmaßnahme der Sozialämter, wenn man Menschen mit Zwangsarbeit strafen will....
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ManOfConstantSorrow

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[Agrar] Sicheln statt hämmern!
« Antwort #1 am: 02:47:02 Di. 30.März 2004 »
In diesen Zeiten werden unter wachsenden wirtschaftlichen Druck werden nicht nur die Menschen in den Betrieben unruhig, es steht auch den Erwerbslosen das Wasser bis zum Hals und den Rentnern. Interessant sind aber auch die wachsenden Bauernproteste:      

Zitat
Original von agentur-baums.de  08.07.2003

Agrarreform: Wenn der Müll teurer ist als das Getreide
Bauernpräsident ruft Regierung zum Bündnis gegen den Handel auf.


Freiburg - Der Krawall kam pünktlich aufs Stichwort. Wie die deutschen Bauern die EU-Agrarreformbeschlüsse denn fänden, fragte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner die 4000 Teilnehmer des Deutschen Bauerntages 2003 in der Freiburger Messe. Wie verabredet brach es daraufhin los: Eine süddeutsche Bauerntruppe trieb Milchkühe zur Bühne und vor die Kameras, Kuhglocken wurde geschwungen und Milchkannen geschlagen. „Steh auf, wenn du ein Bauer bist“, sang der halbe Saal mit.

Sonnleitner identifizierte das neue Feindbild genauer: „Wir wenden uns gegen einen perversen Markt, in dem Lidl, Aldi und Co. alles sind - und die Bauern nichts! Wohin sind wir gekommen, wenn Wasser teurer als Milch, Hundefutter teurer als Fleisch und Müll teurer als Getreide ist.“


Zitat
Original von Taz 5.2.2004

Bauern machen schlechte Geschäfte

"Die wirtschaftliche Lage war witterungs- und marktbedingt sehr schwierig", so die Ministerin. Das heißt so viel wie: Schuld waren Wetter und der vor allem von Discountern wie Aldi oder Lidl ausgelöste Preiskampf.


Zitat
Original von Rote Fahne 09.03.04

Hunderte Bauern blockieren Aldi-Lager in Bayern

Gestern blockierten mehrere Hundert Bauern 12 Lager von Aldi zwischen vier und sechs Uhr morgens und verhinderten so die rechtzeitige Auslieferung.


Zitat
Original von politikforum.de 9.3.04

 Konzerne beuten Bauern aus!

Vor 3 Jahren betrug der Preis, den die Bauern für 1 Liter Milch bekamen noch 33 Cent, jetzt sind es nur noch 28!
Die Erzeugungskosten liegen bei 25 Cent!
Somit ist also der Gewinn innerhalb von 3 Jahren von 8 auf 3 Cent gesunken, ein Rückgang um 62,5%!!
Aldi, Lidl und Co. wollen offenbar, dass die Bauern wie früher die Leibeigenen fürs nackte Überleben schuften!!

Schluss damit!!
knallharte Aktionen jetzt!!
Nehmt euch ein Beispiel an den französischen Bauern und macht ordentlich Randale - sowas wirkt.


Zitat
Original von bauernverband.de 22.3.04

Milchbauern demonstrieren vor Metro-Zentrale in Düsseldorf
Vor der Metro Group in Düsseldorf demonstrierten heute im Rahmen der bundesweiten Aktionen gegen niedrige Milchpreise und Preisdumping im Lebensmitteleinzelhandel 400 Landwirte aus Nordrhein-Westfalen, um auf die Gefahr immer weiter sinkender Erzeugerpreise für Milch aufmerksam zu machen. Das teilte der Deutsche Bauernverband (DBV) mit. Die Metro Group ist der drittgrößte Handelskonzern in Europa und der fünftgrößte der Welt. Mit Milch erzielt die Metro einen Umsatz von über 14 Millionen Euro pro Jahr. Mit den Vertriebslinien „Real“ und „Extra“ macht die Metro Group im gesamten Nahrungsmittelbereich einen Umsatz von über 14 Milliarden Euro pro Jahr.



Zitat
Original von Ostfriesen-Zeitung 25.3.04

 Milch ist so billig wie lange nicht discounter Große Ketten haben teilweise Marktanteile von mehr als 50 Prozent
 In den vergangenen zehn Jahren hat bereits jeder zweite Milchbauer in Deutschland aufgegeben. Gegen die „Rabattschlachten“ im Lebensmittelhandel haben Erzeuger bundesweit Protestaktionen angekündigt, da sie ihren Ruin befürchten. Die Handelsketten versuchten derweil in ihren Verhandlungen um Lieferverträge die zum Juli von der EU verordnete Senkung der Preise um sechs bis sieben Prozent vorweg zu nehmen.

 
Zitat
Original von bayerischerbauernverband.de 25.3.04

München (bbv) – Die Milchpreismisere zwingt die Milchbetriebe zu weiteren Aktionen. Unter dem Motto „Milchprotest – Jetzt reicht’s!“ rufen die Milcherzeugergemeinschaften in Bayern die Milchbetriebe auf, ab kommendem Montag drei Tage lang keine Milch an die Molkereien zu liefern

Zitat
Original von bbv-net.de 29.3.04

  Wasserbeutel und Trillerpfeifen
Bauern gegen Aldi: "Geiz ist nicht geil"


Essen (rpo). Milchbauern machen gegen Aldi mobil: Rund 700 Landwirte aus ganz Nordrhein-Westfalen demonstrieren am Montag vor der Firmenzentrale von Aldi in Essen gegen zu niedrige Milchpreise. Und sie drohen: Wenn kein Umdenken stattfinden wird, "werden die Bauern noch radikaler".


Zitat
Original von de.news.yahoo.com 29.3.04

Milchbauern fordern vor Aldi-Zentrale faire Preise
Essen (AP) Vor der Zentrale des Discounters Aldi-Nord in Essen haben am Montag rund 1.000 Bauern gegen niedrige Milchpreise und die Preispolitik des Handels protestiert. Die Bauern werfen dem Handel vor, in den derzeitigen Verhandlungen mit den Molkereien erneut den Preis zu drücken. Bereits eine Woche zuvor hatten rund 400 nordrhein-westfälische Bauern vor der Zentrale des Handelsriesen Metro in Düsseldorf demonstriert.


Zitat
Original von Taz 30.3.04

 Aldi melkt die Milchbauern
"Die Sklaverei muss ein Ende haben"


Gegen die Milchpreis-Politik der großen Lebensmittel-Discounter demonstrierten gestern 700 nordrhein-westfälische und niedersächsische Bauern in Essen. Mit Trillerpfeifen und Kuhglocken gerüstet, blockierten die Landwirte die Ausfahrt der Aldi-Nord-Zentrale in Essen-Kray und ließen aus Protest Milch auf die Straße laufen.

Der Protest der Bauern gegen das Preis-Dumping begann vor vierzehn Tagen: Ein Landwirt aus Olpen kippte vor lauter Wut seine Milch vors Haus der Molkerei Campina, die nur 23 Cent pro Liter bieten wollte. Vor acht Tagen protestieren dann 400 Bauern vor der Metro-Zentrale in Düsseldorf.
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #2 am: 01:48:03 Di. 27.April 2004 »
24.04.04 - Milchbauern protestierten in Hamburg
1.000 Milchbauern aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben gestern vor der Edeka-Zentrale in Hamburg für höhere Erzeugerpreise für Milch protestiert. In den letzten Wochen gab es schon Proteste vor Lidl, Aldi, Metro und anderen Discountern.
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #3 am: 20:22:22 Fr. 07.Mai 2004 »
05.05.04 - Landarbeiter-Streik in Texas für Arbeitssicherheit

Die saisonweise beschäftigten Vertragsarbeiter verlangen Arbeitssicherheit und eine gründliche Unterweisung im Umgang mit den giftigen Chemikalien, die sie im Auftrag von Sterling Chemicals auf die Felder sprühen. "Dies ist ein Streik ums nackte Überleben", so David Boswell von der Gewerkschaft Texas City Metal Trades Council. Der letzte Streik der texanischen Landarbeiter vor zwei Jahren ging über 16 Wochen.
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #4 am: 15:46:32 So. 30.Mai 2004 »
Spargelernte zu Hungerlöhnen

Spargelernte ist Saisonarbeit. In der Region Starkenburg in Südhessen werden dazu 12.000 Erntehelfer eingesetzt, zu 95 Prozent Frauen. Die meisten kommen aus Osteuropa. Gezahlt wird der gesetzliche Mindestlohn von 5,38 Euro die Stunde. Neun Euro am Tag werden für Kost und Logis abgezogen. Die Arbeitszeit geht von sechs Uhr morgens bis um acht Uhr abends.
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #5 am: 16:49:32 Fr. 06.Mai 2005 »
04.05.05 - Polizei löst Demo von Milchbauern auf

Gestern versammelten sich zahlreiche Milchbauern vor dem Campina-Milchwerk in Elsterwerda/Brandenburg und blockierten das Werkstor. Sie protestierten damit gegen die zu niedrigen Erzeugerpreise für die Milch, die von den Handelskonzernen gedrückt werden. Die Polizei ging mit Gewalt gegen die Bauern vor, um die Demonstration aufzulösen.
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Wilddieb Stuelpner

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[Agrar] Sicheln statt hämmern!
« Antwort #6 am: 21:53:58 Fr. 06.Mai 2005 »
Frankfurter Rundschau: Milch am Finanzamt vorbei gehandelt

Hessische Bauern sollen mit Hilfe von Molkerei Strafsteuer umgangen haben / Verfahrensflut am Kasseler Gericht

Am Fiskus vorbeigeschummelte Milch beschäftigt die Kasseler Gerichte. Dutzende Bauern aus Nordhessen und Thüringen sollen in den 90er Jahren Scheingeschäfte abgeschlossen haben, um Steuern zu sparen. Vermittler der illegalen Verträge war offenbar eine Molkerei in Bad Wildungen.

VON GABRIELE SÜMER

Kassel · 3. Mai · Wer mehr Milch produziert als ihm das EU-Gesetz gestattet, muss eine Strafsteuer zahlen, genannt Superabgabe. Nordhessische Landwirte stehen in Verdacht, ihre überschüssige Milch über thüringische Kollegen abgerechnet zu haben, die noch Kapazitäten frei hatten. Die ostdeutschen Bauern wurden mit seinerzeit zwei bis zehn Pfennig pro Liter am Verkaufserlös beteiligt. Den Beschuldigten droht eine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung, außerdem muss der tatsächliche Lieferant die Superabgabe nachzahlen. Wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben handelt es um verschiedene Modelle der innerdeutschen Umgehungsgeschäfte, die auch als Kannentausch bezeichnet werden. Meist "verpachtete" der Westbauer einen Teil seiner Kühe vorübergehend nach Osten. Die Tiere würden im thüringischen Stall untergebracht, dort versorgt und gemolken, hieß es auf dem Papier. Das wäre juristisch zulässig gewesen, sagt Wolfgang Koch vom Hessischen Bauernverband. Tatsächlich aber blieb bei der Produktion alles beim Alten, nur dass die Milch fortan über den Kodierblock des Ostbauern lief.

Ermittlungen gegen 200 Bauern

Rund fünf Millionen Mark seien durch den illegalen Kuhhandel am Finanzamt vorbeigeflossen, sagte ein Sprecher der Kasseler Staatsanwaltschaft. In allen Fällen spielt die Kurhessische Molkereizentrale in Bad Wildungen eine zentrale Rolle. Deren Mitarbeiter sollen sogar gezielt Bauern aus Hessen und Thüringen zu Informationsveranstaltungen eingeladen haben, um für die Scheingeschäfte zu werben. Wie verschiedene Betroffene zu Protokoll gaben, seien die besagten Pachtverträge bei den Veranstaltungen sowie später als rechtmäßig dargestellt worden. Auch der Vertragsabschluss sei über die Molkerei gelaufen, die Geschäftspartner aus West und Ost hätten sich in der Regel nie kennengelernt, sagten die Landwirte.

Insgesamt wurde gegen fast 200 Milchbauern ermittelt. Das Amtsgericht hat bereits Geld-, aber auch Bewährungsstrafen verhängt und muss noch rund 80 Verfahren abarbeiten. Zwei Mitarbeiter der Bad Wildunger Molkerei werden sich demnächst vor dem Kasseler Landgericht verantworten müssen. Selbst die Staatsanwaltschaft sieht es als erwiesen an, "dass der Kannentausch durch die Molkerei initiiert wurde", sagte ein Anklagevertreter vor Gericht.

Daran besteht auch für Wolfgang Wilmsen vom Zollkriminalamt in Köln kein Zweifel. Seine Behörde hatte Ende 1998 aufgrund von Hinweisen eine Betriebsprüfung bei dem Unternehmen durchgeführt. Dabei flog der Abrechnungsschwindel auf.

Kleinere Manipulationen bei der Milchquote gibt es Wilmsen zufolge immer wieder. "Aber dass eine Molkerei in dieser Form beteiligt war, ist für uns ein absoluter Sonderfall." Die Molkerei gehört seit dem Jahr 1999 zu einem Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Das sieht sich für die Vorfälle nicht verantwortlich, da sie vor der Verschmelzung stattgefunden hätten, teilte eine Sprecherin mit. Die beiden beschuldigten Mitarbeiter sind nach ihren Angaben noch immer im Dienst. Die Landwirte hatten der Molkerei-Genossenschaft, deren Mitglieder sie waren, offenbar blind vertraut. Diese sei schließlich so etwas wie ein Steuerberater gewesen, sagte einer der Bauern. Ein Beteiligter aus dem Landkreis Gotha schilderte, wie er anfangs sogar wirklich mit dem Eintreffen der nordhessischen Kühe gerechnet habe. "Wir hatten Platz ohne Ende, genügend Futter, und es gab schon Pläne für kleinere Umbauten."

Gegen ihn und zwei weitere Angeklagte soll am heutigen Mittwoch das Urteil fallen.

Frankfurter Allgemeine: HINTERGRUND Streitobjekt Milchquote

"Milchgarantiemengenverordnung" trat 1984 auf Basis eines EU-Gesetzes in Kraft. Sie sollte die Überproduktion von Milch eindämmen. Allen Betrieben wurden "Referenzmengen" zugeteilt, die ihre Produktionsobergrenze festlegten. Seitdem können Landwirte ihre Milchquote nur erhöhen, wenn andere ihnen Kontingente abtreten. Der Handel muss in Hessen über die Verkaufsstelle in Friedrichsdorf laufen. Wer innerhalb eines Milchwirtschaftsjahres (1. April bis 31. März) mehr als die Referenzmenge produziert, muss auf den Überschuss eine Strafabgabe, also Steuern zahlen. Sie liegt über dem Milchpreis.

Westdeutsche Bauern stießen in den 90er Jahren leicht an die Höchstgrenze. Ostdeutsche hatten Probleme, ihre Referenzmengen zu erreichen: Sie hatten nach der Wende üppige Kontingente zugesprochen bekommen, weil die Ex-Kolchosen meist groß waren. Nach damaliger Rechtslage hätten Bauern, die ihre Quote überschritten, dies mit Lieferanten ihrer Molkerei verrechnen können. Das war nicht erlaubt zwischen Erzeugern verschiedener Bundesländern.

Ein bereits verurteilter hessischer Landwirte ist in Revision gegangen. Er stellt die Anwendung der EU-Richtlinie in Frage. Vor dem Oberlandgericht Frankfurt ist er gescheitert. Möglicherweise muss das Bundesverfassungsgericht nun prüfen, ob die Richtlinie mit dem Grundgesetz vereinbar ist. In einem Punkt hat es Mitte März einen Teilfreispruch gegeben. Ein Landwirt aus dem Werra-Meißner-Kreis hatte vorübergehend seinen ganzen Betrieb nach Osten "verpachtet", sich dann aber selbst um die Kühe gekümmert. Abgerechnet wurde über den Thüringer. Der angeklagte Bauer konnte dem Amtsgericht glaubhaft machen, dass er diese Art des Pachtvertrages für legal gehalten hatte.

süm

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Da komm ich nicht mehr mit. Wieso haben die ehemaligen DDR-LPGs (T) solche Probleme, auf ihre Milchquote zu kommen?

T steht für Tierproduktion. Es gab daneben noch das P für Pflanzenproduktion. Mit dem Wendezwang wurden die LPGs aufgelöst und durch Wiedereinrichter auf das Nachkriegsniveau der unökonomischen Kleinbauerngüter zerschlagen. Einige LPGs blieben allerdings vernünftig und bei der Rechtsform einer bundesdeutsch gewendeten Genossenschaft. Aus LPG wurde zumeist Agrargenossenschaft und das alles zu gleichen Produktionskapazitäten.

Zu DDR-Zeiten kamen immer mit schöner Regelmäßigkeit Westaufkäufer von Schlachtbetrieben, um für Billigpreise Schlachtrinder, -schweine, -gänse, -hühner usw. aufzukaufen. Die LPGs kamen nicht mal nach den Bestellforderungen der Westkundschaft gerecht zu werden. So schnell konnte man gar nicht mästen, was der Westen forderte. Die Natur hat eben ihr eigenes Entwicklungstempo.

Nach der Wende haben diese Aufkäufer die Preise allerdings noch mehr gedrückt, so daß man draufzahlte. also hat man die Tierzucht runtergefahren. Bei der Milchwirtschaft war's ähnlich. Das wären drei Erklärungen für den Niedergang ostdeutscher Tierproduktion:

- Rückkehr zur mittelalterlichen Hofwirtschaft der Kleinbauern
- Preisdrückerei durch Aufkäufer
- Milch- und Zuchtquoten durch bekloppte EU-Bürokraten

Hinzu kommt noch die BSE-Krise und die EU-Osterweiterung.

Aber die ganze bundesdeutsche und europäische Landwirtschaftspolitik und der ruinöse Handel mit landwirtschaftlichen Produkten ist zusammen mit ihrer aufgeblähten EU-Wasserkopfbürokratie bescheuert. Die Landwirte werden gezwungen ihre Produkte unter dem Herstellungspreis abzusetzen, man subventioniert auf der anderen Seite zusätzlich Monokulturen - Raps und Mais und läßt keine Kapazitätsauslastungen der Landwirtschaft zu, um vermeintlich die Preise zu halten.

Und es gibt andererseits Entwicklungsländer und Junge Nationalstaaten, die von den Industriestaaten nicht in der Lage versetzt werden, ihre eigene Bevölkerung ausreichend zu versorgen. So wirken noch alte Kolonialbeziehungen nach. Und daran hat unserer CDU-Saubermann Bundespräsident Horst Köhler als vormaliger Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds auch eine dicke Aktie dran, diese Länder in politischer und ökonomischer Abhängigkeit zu belassen und deren Naturressourcen zum Nutzen der Industriestaaten. auszubeuten.

Wo es vor einigen Tagen um die Pabstwahl ging, hatte man auch einen gläubigen Publzisten in 3sat befragt, was denn unter den Bedingungen des Imperialismus (falsch immer wieder als Globaisierng umschrieben) die dringensten Aufgaben wären für die Weltbevölkerung. Und er antwortete darauf:

  • Verhinderung, daß die USA ihren Machtwillen anderen Völkern mit politischen, ökonomischen, diplomatischen und militärischen Mitteln aufzwingt. Sie dürfen keine Vorrangstellung in der Welt als Weltgendarm einnehmen, die sie sich seit ihrer mehr als 200jährigen Landesgeschichte immer wieder anmaßen. Sie sind ein Land unter vielen und müssen sich in die Völkergemeinschaft als gleichberechtigtes Mitglied einordnen und keine dominierende Position erhalten.

Die machtgierige Bush-Clique schwingt allerdings ihren Knüppel über alle Länder gleichsam, auch über die Köpfe ihrer eigenen "Verbündeten". So wurde es ganz deutlich in den letzten zwei WDR-Dokumentationen "story" ( Why we fight - Die guten Kriege der USA , Irak - Der Dauerkrieg ). Auch die Bundesrepublik deutschland wird immer wieder als Verbündeter von der US-Administration aufgeforderten deren Kriegsabenteuer zu unterstützen und mit zu finanzieren. Das muß aufhören. Wir haben unsere eigenen Probleme und können nicht für die US-Wirtschaft uns an deren Kriege beteiligen. In einer der beiden Beiträge wurde einer der bedeutenden US-Politiker nach dem Sinn der von den USA inszenierten Kriege gefragt. Und da kam die Antwort: Die Sowjetunion als Gegenkraft im zweiseitigen, ausgleichenden Kräfteverhältnis ist weggefallen. Nun können wir die Gunst der Stunde nutzen und unserer eigenes US-Weltimperium schaffen, wo alle Völker nach unserer Pfeife zu tanzen haben. Sie haben uns zu dienen. Wir wiederholen das römische Imperium unter dem Banner der Stars and Stripes.

  • Die letzten Naturkatastrophen und die Spendenfreudigkeit der Bevölkerungen verschiedener Länder haben gezeigt, daß wir uns auf andere Art und Weise planmäßig, vorausschauend und vorbeugend gemeinsam schützen müssen. Statt sinnlosen Entwicklungs- und Forschungsaufwand in militärische Aufrüstungsprojekte, Geheimlabore und Depots von A-, B- und C-Waffen zu stecken, sollten alle Länder entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit in einen internationalen Katastrophenfonds regelmäßig einzahlen, damit eine schnelle, friedliche Eingreiftruppe mit guter personeller, technischer und logistischer Ausstattung jederzeit und zu jedem Ort auf der Welt eingesetzt werden kann. Die Aufsicht hat die UNO zu tragen. Eine Einmischung und Diktat der USA ist zu verhindern.

An die Adresse der USA richtend: Statt immer auf Reiche des Bösen mit ausgestreckten Arm und Zeigefinger zu weisen, stände es ihr besser zu Gesicht, wenn sie ihre A-, B- und C-Waffenvorräte wieder vernichtet, Geheimlabore entgültig schließt, Waffenforschung und -entwicklung einstellt.

Gleichfalls sollte dieser aggressive Staat endlich schonender mit den Bodenschätzen und Natur- und Energieresourcen umgehen. Zur Zeit verbrauchen 5% der Weltbevölkerung, gemeint ist vornehmlich die USA, ein Viertel aller Bodenschätze, Rohstoffe und Naturgüter zum eigenen Verbrauch, obwohl es allen Völkern gleichermaßen gehört. Die USA hat die uneinsichtigste Wirtschaft und Politik zu Fragen des Umweltschutzes.

  • Statt landwirtschaftliche Produktion aus Stabilitätsgründen eines hohen Preises in den Industriestaaten zu beschränken, sollte bewußt Überschüsse produziert werden, um in den Jungen Nationalstaaten und Entwickungsländern die Versorgung mit Nahrungsmitteln, mit einer guten medizinischen Betreuung und einer funkionierenden Infrastruktur zu sichern. Industriestaaten haben nicht das Recht ihren Wohlstand auf Kosten dieser Länder zu mehren.
Die Vernichtung landwirtschaftlicher Produkte, um den Preis, Steuern und Zölle hochzuhalten gab es selbst in den Neuenglandstaaten, der ursprüngliche Kern der späteren USA noch vor dem Unabhängigkeitskrieg. Stichwort: Bostoner Tea Party

Diesen Ausführungen kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Es gibt wichtigere Probleme für 6,4 Mrd. Weltbevölkerung zu lösen als die Machtansprüche einer raffgierigen US-Wirtschaft und US-Administration. Daran sollten sich auch deutsche Politiker und Wirtschaftsbosse richten.

"Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss verschmutzt und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann." (Häuptling Seattle, Cree-Indianer, 1851)

ManOfConstantSorrow

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« Antwort #7 am: 23:43:04 Mi. 15.März 2006 »
Die größten Profiteure der EU-Agrarsubventionen sind die Nahrungsmittelkonzerne. In Deutschland kassierten im Jahr 2001 verschiedene Unternehmen Millionenbeträge allein für Exportsubventionen: Bonn Fleisch Ex- und Import 12,8 Mio. Euro, Nordmilch 11,7 Mio. Euro, Südfleisch 5,3 Mio. Euro usw. In Deutschland weigert sich die Bundesregierung bisher, die Verteilung der 6 Mrd. Euro Agrarsubventionen im Jahr offen zu legen. Aus Großbritannien ist dagegen bekannt, dass der Zuckerkonzern Tate & Lyle im Jahr 2003/04 168 Mio Euro einstrich, Nestlé in Großbritannien 18 Mio. Euro. Die Daten für verschiedene EU-Länder stehen im Internet unter http://farmsubsidy.org/
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #8 am: 14:33:01 So. 11.Februar 2007 »
Die Milchbauern haben bei ihrer Forderung nach höheren Milchpreisen ein Ultimatum gesetzt. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Milchviehhalter, Schaber, forderte Politik und Milchindustrie auf, bis Oktober zu reagieren. Wenn nichts geschehe, werde über einen Streik abgestimmt. Die Lieferungen würden eingestellt und die Verbraucher stünden vor leeren Regalen. Die Milchbauern fordern 40 Cent pro Liter Milch. Den bisherigen Durchschnittspreis von rund 27 Cent nannte Schaber ruinös.
 
11. Februar 2007
Quelle: MDR INFO
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #9 am: 21:21:11 Di. 14.August 2007 »
Heute gingen 15.000 Milchbauern aus ganz Deutschland in München für höhere Erzeugerpreise auf die Straße. "40 Cent pro Liter müssen her, sonst liefern wir die Milch nicht mehr", hieß es auf vielen Transparenten. Die Bauern kritisieren, dass von den jüngsten Milchpreiserhöhungen für die Verbraucher bei ihnen nichts angekommen ist. Nur der Lebensmittelhandel und die Molkereien steckten sich das Geld in die Tasche.
14.08.07
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #10 am: 11:06:24 So. 11.November 2007 »
NRW hat als erstes Bundesland detaillierte Angaben über die größten Empfänger von EU-Agrarsubventionen vorgelegt. Zu den Spitzenempfängern von Direktzahlungen 2006 in NRW gehören der Energiekonzern RWE (471.644 Euro) und diverse Großagrarier aus dem Adel, darunter der Graf von Westfalen mit 516.518 Euro. Insgesamt erhielten in NRW 14 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe zusammen mehr als die Hälfte aller Direktzahlungen.
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Kuddel

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2.000 Bauern protestieren in Niederbayern
« Antwort #11 am: 16:22:32 So. 15.November 2009 »
Mit rußgeschwärzten Gesichtern, Fackeln, Kuhglocken und Transparenten haben mehr als 2.000 niederbayerische Bauern am Freitagabend in Ruhstorf an der Rott gegen die Agrarpolitik und den Deutschen Bauernverband protestiert. Der Protest wurde in Form des "Haberfeldtreibens" durchgeführt, mit dem früher die Landbevölkerung gegen die Obrigkeit aufbegehrte. Die Bauern demonstrierten für gentechnikfreie Lebensmittel und gegen zu niedrige Erzeugerpreise. Dazu aufgerufen hatte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und die Interessengemeinschaft für gesunde Tiere.

http://www.rf-news.de/2009/kw46/14.11.09-2.000-bauern-beim-haferfeldtreiben-in-niederbayern



Kuddel

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Madrid: Zehntausende Bauern legen Innenstadt lahm
« Antwort #12 am: 16:34:22 Mo. 23.November 2009 »
Zehntausende Bauern haben am Samstag in der spanischen Hauptstadt Madrid gegen den massiven Preisverfall ihrer Produkte protestiert. Nach Angaben der Bauernverbände sanken zwischen 2003 und 2008 die Einkommen der Bauern real um mehr als ein Viertel, während die Kosten um ein Drittel anstiegen. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich mehr als 100.000 Bauern an dem Protest. Bereits am Freitag hatte es in vielen Landesteilen Straßenblockaden gegeben.

http://www.rf-news.de/2009/kw48/23.11.09-madrid-zehntausende-bauern-legen-innenstadt-lahm

ManOfConstantSorrow

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Re: [Agrar] Sicheln statt hämmern!
« Antwort #13 am: 15:26:53 Di. 26.Mai 2020 »
Zitat
Lebensmittelproduktion – Ausbeutung mit Systemrelevanz

Ein Ende der Ausbeutung auf Spargelfeldern und in Fleischfabriken setzt die Überwindung des institutionalisierten Rassismus ebenso voraus wie die Einschränkung der Marktmacht der Supermarktkonzerne. Das Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in Schlachthöfen ist dazu nur der erste Schritt.
https://diefreiheitsliebe.de/politik/lebensmittelproduktion-ausbeutung-mit-systemrelevanz/
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Kuddel

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Re: [Agrar] Sicheln statt hämmern!
« Antwort #14 am: 09:54:28 Di. 11.August 2020 »
Zitat
Bauern sollten nicht für Spekulanten ackern müssen

Investoren greifen zunehmend nach Agrarland, wie jetzt Aldi in Thüringen. Sie verdienen damit viel Geld, doch der bäuerlichen Landwirtschaft schadet das immens. Die Politik sollte endlich eingreifen.
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aldi-spekulation-landwirtschaft-kommentar-1.4991235

"Die Politik sollte..."

"Die Politik" ist der verlängerte Arm der Spekulanten.
Widerstand kann es deshalb nur von den Landwirten und der Bevölkerung geben, nicht von "der Politik".