Autor Thema: Es knallt nicht!  (Gelesen 8078 mal)

BGS

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #30 am: 21:18:06 Sa. 25.Juli 2020 »
In den letzten 20 Jahren haben sich soziale Bedingungen und Sicherheiten um mehr als 100 Jahre zurückentwickelt.

Überall?

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #31 am: 08:50:28 So. 26.Juli 2020 »
Nein.

Kuddel

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #32 am: 10:27:38 Sa. 18.Dezember 2021 »
Ich bin nicht allein mit dem Gefühl, daß es nicht ewig so weitergehen kann.

Es hat etwas Bedrückendes und Bedrohliches, wie ein System, das auf Dauer nicht funktionieren kann, weiterläuft und weiter und weiter. Und es spielen alle mit und tragen diesen Schwachsinn mit.

Man braucht kein Marxist zu sein, von den Krisenzyklen und all dem Mist gehört zu haben. Es reicht nur ein Fünkchen gesunder Menschenverstand, um zu wissen, daß ein System, das auf permanentes Wachstum baut, an seine natürlichen Grenzen stößt.

Auch diejenigen, die es nicht zugeben, spüren oder ahnen, daß dieses System nicht nur zutiefst ungerecht ist, sondern auch zerstörerisch. Über kurz oder lang zerstört es sich selbst und sei es, durch die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen.

Die einen hoffen darauf, das "es" passiert und das System einfach zusammenbricht. Andere hoffen darauf, dieses System zu stürzen. Zu letzteren gehöre ich. Und die Schwurbler.

Was die Querdenkerbewegung so attraktiv macht, hat nichts mit Corona zu tun. Es ist eine Bewegung, die sich gegen Politik und die herrschenden Werte wendet und ein "weiter so!" beenden will. Die Bewegung ist so faszinierend durch die Radikalopposition, den praktischen Widerstand und das unausgesprochene Versprechen, die herrschenden Verhältnisse zu stürzen und in eine neue Zeit zu führen.

Das ist das radikalste Versprechen, daß es seit Ende der 60er Jahre gibt, als man das kapitalistische System stürzen wollte. Was den Querdenkerstrategen vorschwebt, ist ein rechter Staatsstreich. Die begeistert Mitlaufenden wollen nichts davon wissen und lassen sich einlullen von der Schwurbelpropaganda mit linker und demokratischer Oberfläche. Es klingt doch gut, "Demokratischer Widerstand", "Ziviler Ungehorsam", "Verteidigung der Grundrechte" und "gegen den autoritären Staat". Das ganze noch übergossen mit "Freiheit", "Liebe", "Herzchen" und esoterischer Soße.

Dahinter befindet sich eine faschistische Fratze. Egal! Der kurze Rausch, an einer umstürzlerischen Bewegung teilnehmen zu können, ist einfach zu geil. 

Ich habe alle möglichen ekligen Assoziationen, sehe die Soldaten, die begeistert für Kaiser und Vaterland an die Front zogen, um sich wegmetzeln zu lassen oder die Massen, die mit glänzenden Augen "Sieg Heil" brüllten.

Tiefrot

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #33 am: 14:25:42 Sa. 18.Dezember 2021 »
Zitat
die Massen, die mit glänzenden Augen "Sieg Heil" brüllten.
Diese Bilder geistern mir schon seit der immer noch laufenden "Finanzkrise" durch den Kopf.
Deutschmichel ist seit Einführung des Internets ziemlich stumpf geworden.
Das wird auf der einen Seite schwierig, wieder tausende auf die Plätze zu bekommen,
auf der anderen Seite werden die meisten aus Unwissenheit und Desinteresse
im stillen Kämmerlein sitzen bleiben und der Dinge harren, die da kommen mögen.

Oder der ganzen Scheiße noch nach Kräften Vorschub leisten um danach staunend
vor den Trümmern zu stehen. Mir wird bei dem Gedanken ganz anders...  :-\
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Kuddel

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #34 am: 12:12:27 Mo. 28.Februar 2022 »
Nur mal ganz kurz.
Dieser Strang ist wohl entstanden, wegen des Frusts, weil alles so weiterläuft, wie es läuft.
Es war auch eine Auseinandersetzung darüber, ob es ok ist zu hoffen, daß "es" knallt oder ob man lieber aktiv für Veränderungen kämpfen sollte.

Letztendlich war es aber auch ein Mangel an Phantasie und man konnte sich einfach nicht vorstellen, daß alles mal anders wird. Daß es nicht mehr so weiterläuft. Daß die Verhältnisse sich ganz radikal ändern können. Ganz schnell.

Die Pandemie war ein erster Hinweis darauf, daß es die Garantie für einen ewig weiterfunktionierenden Kapitalismus nicht gibt. Und plötzlich ist aus heiterem Himmel wieder ein Krieg in Europa Realität geworden.

Unter dieser scheinbar immerwährenden Ruhe und Normalität gährt und brodelt es. Die USA haben nur noch Reste eines Gesundheitssystems, zigtausende sind obdachlos geworden, die Regierung ist stets am Rande der Unfähigkeit das staatliche Personal noch zu bezahlen.
Der Chinesischen Regierung fehlt es an Geld für die Rentenkassen angesichts des demografischen Wandels. Der Russischen Regierung fliegt die eigene Wirtschaftssituation um die Ohren. Die Antikriegsproteste dürften sich auf soziale Proteste ausweiten. Auch die türkische Wirtschaft ist kurz vor einem Zusammenbruch und Streiks und Sozialproteste gehören zum türkischen Alltag.

Die herrschende Normalität ist vorbei. Es bröckelt überall.
Die herrschende Klasse wird ihre Macht nicht freiwillig aufgeben. Krieg ist für sie eine Option.

Kuddel

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #35 am: 11:38:00 Di. 05.April 2022 »
Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, weiß, daß eine System, das auf permanentem Wachstum basiert, auf Dauer nicht funktionieren kann. Das ständige Umverteilen von unten nach oben kann nicht ewig weitergehen. Der Kapitalismus zerstört nicht nur das Ökosystem, er lebt zu weiten Teilen auf Pump und erzeugt immer neue Blasen. Die Coronahilfen, die aus dem Hut gezaubert wurden, waren unvorstellbar hoch und man fragte sich, wie man das Geld wieder reinholen will. Bevor man sich weitere Gedanken darüber machen konnte, waren 100 weitere Milliarden zur Kriegsfinanzierung da.

Es sieht so aus, als hätte man gar kein Interesse daran, diese Probleme mit den konventionellen Wirtschaftskonzepten zu lösen. Man will vielleicht dieses Regelwerk, das schon längst an seine Grenzen gestoßen ist, außer Kraft setzen. Ein Ausnahmezustand bietet sich an.

Wir müssen begreifen, dass der Kapitalismus sich in einer Sackgasse befindet. Er kann das Inflationsproblem nicht lösen (die Erhöhung der Leitzinsen, die vielfach gefordert wird, wurde die Wirtschaft in eine tiefe, lang anhaltende Depression stürzen, die auch von Inflation begleitet wäre) und er muss massiv Kapital vernichten. Eine Möglichkeit dazu ist, einen größeren Krieg zu führen.

Rudi Rocker schrieb bereits vor 8 Jahren:
Zitat
Ich kann es aber nicht mehr hören daß man darauf wartet, daß "es" knallt.

Jupp, so ist es!
Wenn es "knallt" und wir kein Konzept für eine Veränderung der Verhältnisse anbieten können, dann ist es zu spät!
Konnte und kann man in der Ukraine sehr gut sehen.

Es fehlte (auch mir) an Phantasie, was passieren würde, wenn es einfach nicht mehr so weitergeht. Das Ende der Fahnenstange des Kapitalismus hätte (jedenfalls in meiner Vorstellung) viel früher kommen müssen, doch es passierten unvorhersehbare Dinge. Der Fall der Mauer, der Zerfall der Sowjetunion, gab dem Kapitalismus neue Perspektiven, bzw. weitere Zeit. Das System konnte sich weiter nach Osten ausbreiten ohne Zutun der Wehrmacht. Die Wirtschaft, die zuvor in staatlicher Hand war, wurde geplündert. DDR Betriebe wurden für eine D-Mark verkauft, gut funktionierende "Konkurrenz" wurde abgewickelt. In der Ex-Sowjetunion herrschte Wildwest. Bei den Plünderungen der Staatswirtschaft herrschte Mord und Totschlag. Dort legten die Oligarchen die Basis für ihren Reichtum. Der Vormarsch nach Osten endete, als  er auf Pazifischen Ozean stieß. Nun ist auch China eine kapitalistische Großmacht und an seine kapitalistischen Grenzen gestoßen. Nun rollt die globale kapitalistische Krise in umgekehrter Richtung über den Globus wie ein Tsunami.

In einer solchen Situation erwarte ich eigentlich Massenproteste und Unruhen. Hier blieb es ruhig, während die Unruhen rund um den Globus stattfanden, die Arabellion, Chile, Hongkong, Haiti, Sudan, die Flamme der Rebellion loderte.

Einige sagen immer, in Deutschland könnte es nie passieren, doch das halte ich für Unsinn. Das hat mit fehlenden Phantasie der Linken zu tun. Die Herrschende Klasse befaßt sich schon länger mit dieser Möglichkeit, bewaffnet sich bis an die Zähne und kackt sich ein. Ein Ausnahmezustand, ein Krieg, ein äußerer Feind, das wäre ein möglicher Ausweg. Ein Aushebeln demokratischer Rechte, Massenenteignungen durch eine Inflation.

Geplante Obsoleszenz galt bisher für Produkte, die man kaufen und kurze Zeit später wegschmeißen sollte. Nun zerkloppt man ganze Städte und Gesellschaften. Dann kann man wieder aufbauen, Wirtschaftswachstum, Wirtschaftswunder, blablabla.

Soweit meine unausgegorenen Gedanken zum Thema.

BGS

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Re: Es knallt nicht!
« Antwort #36 am: 12:14:16 Di. 05.April 2022 »
Auch mir persönlich ist schon lange klar, dass der Wahn dieses Glaubens an ein "ewiges Wachstum" niemals zielführend war, und  dass -wie schon geschehen- die Zerstörung ganzer Länder und Gesellschaften durch Krieg sich wiederholen wird um die Umverteilung auf die Spitze zu treiben.

Und die gesamte Menschheit hat durch selbstverursachte Probleme wie Erderwärmung, Artensterben. Landgrabbing, Zerstörung des Planeten bzw. dessen Ökosysteme, Corona u.s.w. mit jedem Tag düsterere Aussichten, was ihr Ueberleben betrifft. Da hilft auch ein Ausnahmezustand nicht, im Gegenteil. Solcher würde für uns Ausgebeutete nur weitere Verschlechterungen in irrem Tempo mit sich führen.

Es ist auch kein Trost, dass auch der Kapitalismus auf einem komplett ruinierten Planeten vorbei sein wird.

MfG

BGS

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