Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau

Begonnen von Carsten König, 09:22:16 Mi. 10.Mai 2006

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Carsten König

Genau dieser Dreiklang an Grausamkeiten zeichnet heutige Unternehmen aus:

ZitatDie Steuerberater von DaimlerChrysler sind ihr Geld offenkundig wert: Einem Zeitungsbericht zufolge wird der Industrieriese in diesem Jahr trotz eines Milliarden-Ergebnisses keine Gewerbesteuer zahlen. Für die Region Stuttgart eine Belastung - zugleich baut Daimler Stellen ab.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,415387,00.html

Und das wahrscheinlich unter dem wahnhaften Applaus von Politik und Aktionären...

Troll

ZitatMercedes fehlen Mitarbeiter

1000 Ferienkräfte benötigt

Stuttgart (kö) - Bei Mercedes kommt es nach dem Personalabbau zu ersten Engpässen. Für die überarbeitete E-Klasse werden vorübergehend 1000 Mitarbeiter benötigt.
Grund dafür ist die hohe Nachfrage, die sich nach der Auffrischung des Modells ergeben hat. Weil zugleich die Urlaubszeit naht, setzt Mercedes nun auf Ferienkräfte und Kurzzeitbeschäftigte mit befristeten Verträgen. Allerdings soll das Personal nach bisherigen Plänen nur bis Ende Oktober verstärkt werden. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm erklärte, der Engpass zeige, dass derzeit von ,,Personalüberhängen in der Produktion derzeit keine Rede" sein könne. Daimler-Personalvorstand Günther Fleig sagte gegenüber unserer Zeitung dagegen, an der grundsätzlichen Notwendigkeit des Personalabbaus habe sich nichts geändert. Die vorübergehenden Einstellungen hingen mit der Ferienzeit zusammen. Denn nach wie vor müsse Mercedes seine Effizienz erheblich steigern.
Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm übte deutliche Kritik an den Abbauplänen von Konzernchef Dieter Zetsche. Es sei zu befürchten, dass sich der Konzern ins eigene Fleisch schneide. Bei den anstehenden Verhandlungen werde man darauf drängen, die Folgen für die Betroffenen möglichst gering zuhalten.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten 13. Mai 2006
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Troll

ZitatArbeitslose sollen E-Klasse montieren

Sindelfingen (ise) - Die Arbeitsagentur in Stuttgart sucht für DaimlerChrysler 620 Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger, die mit befristeten Verträgen bei der Montage der neuen E-Klasse im Werk Sindelfingen aushelfen. Insgesamt soll es rund 1000 bis Oktober befristete Jobs geben. Seit Herbst 2005 will der Konzern in Sindelfingen über 3000 reguläre Stellen abbauen.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten 18. Mai 2006

Da kann ich nur sagen "Verantwortung übernehmen" und Zetsche bis Oktober, für gleichen Lohn, ans Band stellen bevor er entlassen wird.
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Troll


ZitatDaimlerChrysler zahlt weiter keine Steuern

Stuttgart (rpo). DaimlerChrysler zahlt offenbar 2006 trotz Milliardengewinns keine Steuern an die Kommunen. Ungeachtet des Steuergeheimnisses gebe es entsprechende Signale aus Stuttgart, Sindelfingen und Esslingen, so ein Medienbericht am Mittwoch. Dabei erwartet das Unternehmen für 2006 einen Gewinn von über sechs Milliarden Euro.

Damit entgingen den Kommunen erneut Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe, berichteten die "Stuttgarter Nachrichten". DaimlerChrysler hatte schon im vergangenen Jahr in Deutschland keine Steuern gezahlt. Dabei nutzt DaimlerChrysler die steuerlichen und bilanziellen Spielräume eines internationalen Konzerns, Einnahmen und Ausgaben in verschiedenen Ländern zu haben. Zu dem Bericht wollte sich Konzernsprecher Thomas Fröhlich nicht äußern.

Der US-deutsche Autobauer erwartet für das laufende Jahr zwar einen Betriebsgewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen von mehr als sechs Milliarden Euro. Dennoch belastet der laufende Personalabbau bei Mercedes und in der Verwaltung sowie die teuere Sanierung der Kleinwagenmarke Smart das Ergebnis erheblich. Seit Ende vergangenen Jahres versucht DaimlerChrysler, vor allem ältere Mitarbeiter durch hohe Abfindungsangebote und Vorruhestandsregelungen zum Ausstieg zu bewegen. RP Online

Da fällt mir spontan ein: Schmarotzer, Parasiten, asoziale Abzocker
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Dieter Hildebrandt
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old dad

ZitatDa fällt mir spontan ein: Schmarotzer, Parasiten, asoziale Abzocker

ich möchte mich nicht gleich unbeliebt machen,  den ich stimme dir grundsätzlich zu.

nun sehen wir es doch mal wie es ist:

arbeitslose habe keine lobby
sie organisieren sich nicht

es gibt zig seiten im net, aber es scheint nicht möglich eine halbwegs gemeinsame interessenvertretung zu bilden.
es gibt keine möglichkeit die cdu/spd zu ändern.
es ist aber möglich eine politische kraft zu bilden. leider muß ich ein negativ beispiel bringen:

die grünen.

wer hat vor 20 jahren gedacht, das diese leute mal in die regierung kommen? absurd was so passiert ist. aber das ökologieverständniss hat seit dem stark zugenommen.

wir reden (jedenfalls damals) von einer kleinen gruppe radikalen. vergleichen wir das mit dem jetzt: ca. 4,5 mio arbeitslose.... das sind alles wählerstimmen. die nicht bei irgendwelchen parteien laden müßten oder noch schlimmer überhaupt nicht wählen....
eine interessenvertretung mit 4,5 mio wählerstimmen das kann berge versetzen.
bedenkt man noch die niedriglohnsektoren, mir fällt leider nur einer ein: friseurhandwerk,
gibt es bstimmt noch 1-2 millonen zusätzliches potential.

solange es keine gemeinsame front gibt, wird der arbeitslose immer mehr ins abseits gedrängt. die ein euro jobs usw, sind doch nur eine
beschäftigungstherapie. sie soll die leute davon abhalten über ihre situation klar zu werden. schließlich hätten wir schon längst französische verhältnisse, wenn alle kapieren würden das es auch sie treffen kann.
der deutsche (hauptmann von köpenick) ist halt durch erziehung und gesellschaft, der typische befehlsempfänger. leider legt er dies nicht mal bei einem lebensünwürden 300 € im monat, ab.

um auf den punkt zu kommen, eine initiative ist die einzige möglichkeit.

politisch und auch als kundenpotiental.

es müßte ein buch/liste veröffentlicht werden, dort sollten alle unternehmen die in deutschland geld verdienen aber keine steuern zahlen, namentlich genannt sein. dann könnte man mit einer petition, z.b.  mit 200.000 unterschriften an die public relations abteilung von xy (medienwirksam) überreicht werden. man könnte auch einen satirischen "standortpreis" überreichen.

so lange das nicht passiert, kann sich der einzelne darüber aufregen.aber es wird nichts passieren.
nur durch bewußt machen in der öffentlichkeit (+ es negativ bewerten) damit kannst du  unternehmen auf mit solchen praktiken zum umdenken bringen.
so lange sie ungeschorren bzw hofiert werden, von medien und politik wird es schlimmer werden, nicht besser.

dabei wundert es mich schon seit einiger zeit, das sich unternehmen dieser größe nicht "generell" von der steuer befreien lassen. schließlich zahlen sie viele gehälter und der staat hat durch die arbeitnehmer die erträge. aber eine öffentliche erpressung, wäre warscheinlich schlecht fürs image.

der letzte gedanke hierzu:

würden du oder ich es als verantwortliche anders machen? bei derzeitiger lage?

die unternehmen vergessen einfach, das auch leute geld haben müssen um produkte zu kaufen. lohnniveau ständig senken, arbeitsplätze abbauen, bedeut auch weniger kunden/konsum. als unternehmer hat man auch eine sozialpolitische verantwortung, die aber schon lange nicht mehr zählt. selbst bei den mittelständlern, ist dies schon vergangheit....  sie haben von den größen gelernt....
wir führen sie ein:
zwangsarbeit

hartz IV:
wer nicht für einen euro arbeitet,
wird um seine existenz gebracht.

Troll

Zitates müßte ein buch/liste veröffentlicht werden, dort sollten alle unternehmen die in deutschland geld verdienen aber keine steuern zahlen, namentlich genannt sein. dann könnte man mit einer petition, z.b. mit 200.000 unterschriften an die public relations abteilung von xy (medienwirksam) überreicht werden. man könnte auch einen satirischen "standortpreis" überreichen.
Wünschenswert wäre so etwas.
Ist zwar nicht 100% konform mit Deiner Vorstellung aber nah dran.
http://www.wirtschaftskontrolle.de/seiten/aktuelles.php

Ansonsten ganz klar, produkte dieser Firmen meiden, bei DC fällt das mit HIV nicht sonderlich schwer  :D

Das Problem liegt im Solidarisieren verschiedenster Gruppen, meist Glauben sie auch nur so verschieden zu sein, der Politik gelingt es aber permanent einen Keil zwischen diese Gruppen zu treiben. Erschreckend viele Beispiele findest Du hier im Forum.


Zitatich möchte mich nicht gleich unbeliebt machen
Hey, ich bin ein Troll, im unbeliebt machen kenne ich mich etwas aus und Deine Antwort taugt nicht dazu  ;) :D
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Dieter Hildebrandt
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old dad

ZitatOriginal von KT-95
Ich möchte keine gemeinsame Front. Mich stört die generell-einseitige Denkrichtung. Alternativvorschläge kommen nur am Rande vor. Manche passen so gar nicht ins Schema. Nach aussen hin - ja - innerlich brodelt es. - Ich würde mir generell was ganz anderes vorstellen.

mein lieber kt-95,
in einem demokratischen staat, wirst du aber keine andere möglichkeit haben was zu verändern. es gibt zwar radikale, siehe frankreich, aber das wird sich hier nicht durch setzen. d.h. eine politische und vielleicht sogar eine moralische kraft müßte sich formieren. gerade unterdrückte haben sich immer im laufe der geschichte formiert, bestehende missstände zu ändern.

solltest du mit der jetzigen situation zufrieden sein, verstehe ich deine weigerung.

ich möchte sogar mein ursprüngliches posting erweitern. großunternehmen die produktiv arbeiten (also im plus bereich), sollte strafzölle auf ihre waren bekommen. da dies im handel sehr schwer umzusetzen ist, würde ich diese strafzölle/strafsteuern direkt vom unternehmen verlangen. dies gilt natürlich nur für unternehmen, die keine sonstigen steuern abführen.
wir führen sie ein:
zwangsarbeit

hartz IV:
wer nicht für einen euro arbeitet,
wird um seine existenz gebracht.

Troll

ZitatIch möchte keine gemeinsame Front. Mich stört die generell-einseitige Denkrichtung. Alternativvorschläge kommen nur am Rande vor. Manche passen so gar nicht ins Schema. Nach aussen hin - ja - innerlich brodelt es. - Ich würde mir generell was ganz anderes vorstellen.

Ohne gemeinsame Front, solidarisierung, hätte nie ein erfolgreicher Arbeitskampf stattgefunden bzw. stattfinden können.
 ?( Aha, nicht so sondern, anders halt.
Deine Denkweise scheint tatsächlich nicht einseitig zu sein, sie lässt zumindest im genannten Teil unendlich Raum für alles.
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ManOfConstantSorrow

Protest gegen Fremdvergabe bei DaimlerChrysler in Bremen

Rund 3000 Kolleginnen und Kollegen haben am Freitag, den 14.7.06, für knapp zwei Stunden die Arbeit nieder gelegt, um aus Protest gegen Fremdvergabe, gegen die Androhung von Änderungskündigungen und gegen den Personalabbau durch das Werk zu marschieren, sowie eine Kundgebung abzuhalten. Unmittelbarer Anlass war die Fremdvergabe des Motorenlagers am heutigen Tag an die Firma Rhenus, die wiederum über Leiharbeitsfirmen Billiglöhner zu 7 bis 8 Euro anheuert.
Die Kollegen des Motorenlagers sind die Ersten von mehreren Hundert, die nun fremd vergeben werden sollen, nachdem sie sich in einer Abstimmung gegen die Übernahme des Dienstleistungstarifvertrags ausgesprochen hatten.
Besonders skandalös ist die Tatsache, dass der von der Werkleitung behauptete Personalüberhang in Bremen damit noch um einige Hundert vergrößert wird.
Nach Ansicht vieler Kolleginnen und Kollegen war die Aktion zwar sehr gut gelungen, aber leider auch etwas spät. Bereits seit einem Jahr hat es großen Druck auf die IG Metall und die Vertrauenskörperleitung gegeben, endlich in Aktion zu treten. Der Druck hat heute erste Früchte getragen und deshalb muss er weiter gehen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Troll

ZitatMercedes steigert Daimler-Chrysler-Gewinn

27. Juli 2006
Der weltweit fünftgrößte Autohersteller Daimler-Chrysler hat im zweiten Quartal trotz eines Gewinneinbruchs bei der amerikanischen Tochter Chrysler einen unerwartet kräftigen Zuwachs beim Betriebsgewinn erzielt. Vor allem die vor Jahresfrist noch einem Verlust knapp entkommene Mercedes-Pkw-Gruppe beflügelte mit kräftigen Absatzzuwächsen den Gewinn.

Das deutsch-amerikanische Unternehmen teilte am Donnerstag bei der Vorlage seines Berichts über die Monate April bis Juni in Stuttgart mit, der operative Gewinn sei auf 1,857 Milliarden von 1,671 Milliarden Euro vor Jahresfrist gestiegen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Betriebsgewinn auf Vorjahresniveau gerechnet. Beim Umsatz blieb der Konzern mit 38,6 Milliarden Euro weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres und deutlich unter den durchschnittlichen Erlöserwartungen der Analysten von 40,2 Milliarden Euro. StN
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Lichtkämpfer

Ganau das ist eine der Geldquellen, mit der man die Sozilaen Standarts weltweit verbessern kann. :]
Als Erwerbsloser kannst du in diesem Staat nur ein Dissident sein.

Troll

ZitatOriginal von Lichtkämpfer
Ganau das ist eine der Geldquellen, mit der man die Sozilaen Standarts weltweit verbessern kann. :]

Könnte!
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Troll

ZitatHungerlohn am Fließband
Lohndumping bei Daimler

An den Fließbändern des Autobauers Daimler werden Menschen beschäftigt, die so wenig verdienen, dass sie davon nicht leben können. Ein Reporter des SWR ließ sich über eine Leiharbeitsfirma anstellen und arbeitete undercover mit der Stammbelegschaft der Stuttgarter. Sein Verdienst allerdings war mehr als mau.

Der SWR-Mitarbeiter wurde von der Leiharbeitsfirma an eine Logistikfirma verliehen. Dort wurde er aber nicht für Transportarbeiten eingesetzt, sondern direkt am Fließband des Mercedes-Benz-Werkes in Untertürkheim. Bei seiner Arbeit verdiente er einen Stundenlohn von 8,19 Euro. Das macht monatlich etwa 1.220 Euro brutto, also ungefähr 990 Euro netto.

Nach Angaben von Daimler-Betriebsräten liegt die niedrigste Tarif-Lohnstufe für die Daimler-Stammbelegschaft mit etwa 3.400 Euro knapp dreimal so hoch. Der Verdienst des SWR-Reporters als Billiglöhner war so gering, dass er als Familienvater mit vier Kindern Anspruch auf Hartz-IV-Aufstockung in Höhe von 1.550 Euro monatlich hatte.
....

Quelle: SWR

Vorzeigeunternehmen, gerne auch politisches Aushängeschild.
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stragulamoph

Ich weiß, daß es viele Vorbehalte gegen die Gewerkschaften gibt, aber letztendlich sind sie die einzige Lobby, die wir haben. Bevor man also einen völlig neuen Verein gründet, tretet doch einfach in die Gewerkschaft ein. Es stimmt nicht, daß die Gew. sich nur um die Mitglieder kümmert und nru um die die Arbeit haben. Inzwischen haben sie es echt kapiert.

Troll

Zitat von: stragulamoph am 15:22:31 Fr. 23.August 2013
.... Inzwischen haben sie es echt kapiert.

Ok, woran merke ich das? Am Schulterschluss mit der ganzen Agendamischpoke? Weil selbst die CDU Gewerkschaften als wertvolles Instrument sieht?

Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Rudolf Rocker

Also ich bin ja immernoch der Meinung, das es besser ist in der Gewerkschaft zu sein, als unorganisiert durchs (Arbeits-) leben zu laufen.
Ebenso finde ich es wichtig, das die Kolleg_innen bei aller berechtigten Kritik nicht aus der Gewerkschaft austreten, sondern diese Kritik in die Gewerkschaften hineintragen.

Ich kann aber auch diejenigen verstehen, die den Gewerkschaften, hauptsächlich den DGB- Gewerkschaften, den Rücken kehren, weil sie das vertrauen verloren haben.
Wer will ihnen das nach der, von den Gewerkschaften mitgetragenen, Agenda 2010 verdenken.
Ebenso in der mmn. absolut untragbaren Haltung, die Gewerkschaften gegenüber Leiharbeitern einnehmen!

Troll

Das ist für mich nicht die Frage, wie du in einem anderen Thread richtig bemerkt hast gibt es genug Mitglieder die das Herz am rechten Fleck haben und helfen wo es nur geht. Aber ich lass mir nicht pauschal vormachen bei den großen Gewerkschaften hätte sich in der Agendaunterstützung grundlegend etwas geändert, ich glaube es gibt auch noch aufrechte Sozialdemokraten, daß ändert leider nichts grundlegendes.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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Rudolf Rocker

Zitat von: Troll am 18:05:17 Fr. 23.August 2013
Das ist für mich nicht die Frage, wie du in einem anderen Thread richtig bemerkt hast gibt es genug Mitglieder die das Herz am rechten Fleck haben und helfen wo es nur geht. Aber ich lass mir nicht pauschal vormachen bei den großen Gewerkschaften hätte sich in der Agendaunterstützung grundlegend etwas geändert, ich glaube es gibt auch noch aufrechte Sozialdemokraten, daß ändert leider nichts grundlegendes.

Jupp, da bin ich absolut bei Dir!

stragulamoph

Ich bin nicht der Meinung, daß die Gewerkschaften (ausser dem UNchristlichen scheinGewerkschaftspack) die Drecks-Agenda unterstützen. Ich kann jedenfalls von meienr IGM sagen, daß sie das nicht tut und zumindest die letzten 5 Jahre ständig dafür eingetreten ist diesen Müll wegzutreten.

Ich werde auf jeden Fall 7. September 2013 zum "Aktionstag der Gewerkschaften" gehen und ich male mir auch ein Schild mit Sachen, die abgeschafft gehören!
;D

dagobert

Zitat von: stragulamoph am 20:21:39 Di. 27.August 2013
Ich bin nicht der Meinung, daß die Gewerkschaften (ausser dem UNchristlichen scheinGewerkschaftspack) die Drecks-Agenda unterstützen. Ich kann jedenfalls von meienr IGM sagen, daß sie das nicht tut und zumindest die letzten 5 Jahre ständig dafür eingetreten ist diesen Müll wegzutreten.
Dann hätte die IGM auch von 2003 bis 2010 die Leiharbeitstarifverträge nie unterschreiben dürfen. Hat sie aber, immer wieder. Und wird sie im Herbst abermals tun.
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)

Rudolf Rocker

Man muss da auch noch mal deutlich zwischen den (gekauften?) Funktionären und der Basis unterscheiden!
Grade die Basisgewerkschafter vor Ort sind es, die sich für die Kolleg_innen den Arsch aufreißen.

Rappelkistenrebell

Bremer Daimler-Belegschaft lässt nicht locker

Bremen (Korrespondenz), 13.12.14: Am 11. Dezember kam es im Bremer Mercedes-Werk erneut in zwei Schichten zu Arbeitsniederlegungen und Kundgebungen gegen geplante Fremdvergaben von Arbeitsplätzen in Logistik und Rohbau, sowie gegen die Entlassung von 40 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter (siehe auch Korrespondenz vom 11.12.14). Morgens versammelten sich über 2000 Kolleginnen und Kollegen für bis zu zwei Stunden. Der IG-Metall-Vertrauenskörperleiter kündigte weitere Proteste für das nächste Jahr an, wenn die Pläne nicht zurückgenommen werden. Damit brachte er die Meinung der Kollegen auf den Punkt.

Jeweils unmittelbar vor den Arbeitsniederlegungen hielten die Vorgesetzten die Bänder an, warnten die Kollegen vor Teilnahme und bedrohten sie mit Abmahnungen. Besonders die Nachtschicht beeindruckte dies überhaupt nicht. Sie ließen es sich nicht nehmen, mit einem Marsch durchs Werk und besonders durch die größte Produktionshalle auch aus dem letzten Winkel die kampfbereiten Kollegen abzuholen. So kam es zu einer beeindruckenden Kundgebung von nahezu 1.000 Kolleginnen und Kollegen auf der Hauptkreuzung des Werkes. Kein LKW kam mehr durch.

Besonders das kaltschnäuzige Durchpeitschen der Pläne, wie sie es aus der Ansprache des Vertrauenskörperleiters und anderer Redner erfuhren empörte die Kollegen. Sie fuhren dann ins Wochenende und die Bänder standen insgesamt ca. sechs Stunden. Eine Aktion, der die anderen Schichten am nächsten Tag Anerkennung zollten. Auch wird unter allen Kolleginnen und Kollegen diskutiert, mögliche Abmahnungen zurückzuweisen, mit denen ihnen das Recht, zu kämpfen streitig gemacht werden soll.


Quelle

http://www.rf-news.de/2014/kw50/bremer-daimler-belegschaft-laesst-nicht-locker
Gegen System und Kapital!


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Rappelkistenrebell

Daimler Düsseldorf: Kämpferische Redebeiträge auf Betriebsversammlungen zum "Verhandlungsergebnis"



Bild von einer der letzten Aktionen bei Daimler in Düsseldorf (rf-foto)

20.12.14 - Bereits am 11. Dezember wurde zwischen Betriebsrat und Werksleitung bei Daimler Düsseldorf ein sogenanntes "Eckpunktepapier" unterzeichnet. Ausgangspunkt war, dass Daimler zur Ausweitung seiner Marktanteile in Übersee die Transporter-Produktion neu organisiert und dazu ein neues Werk in den USA plant. Zusammen mit der Beendigung der Auftragsproduktion für VW stellt das in Düsseldorf eine ganze Produktionsschicht und damit rund 1.800 Arbeitsplätze auf die Abschussliste. Die Belegschaft hat diese Auseinandersetzung offensiv angenommen, eine stürmische Betriebsversammlung und einen 24-stündigen Streik organisiert. In der Belegschaft findet eine intensive Diskussion statt: wer kann den Kampf um jeden Arbeitsplatz führen, wie muss er geführt werden, welche Rolle spielt die IG Metall und muss sie spielen ... Über den Fortgang bei Daimler berichtet ein Korrespondent:

"Die Betriebsrats- und IG-Metall-Spitze hat ihre Taktik umgestellt und auf lähmende und zermürbende 'Verhandlungen' orientiert. Gleichzeitig mussten sie dem Kampfwillen der Belegschaft immer wieder Raum schaffen, so dass in dieser Zeit mindestens 15 Arbeitsniederlegungen stattfanden, von ein paar Handvoll bis hin zu über 1.200 Kolleginnen und Kollegen. Sie wurden oft als 'Betriebsratsinformationen' bezeichnet, waren zum Teil aber von Kollegen und Vertrauensleuten selbst organisiert. Von führenden Betriebsräten wurde immer versucht, sie als 'Unterstützung für unsere Verhandlungen' zu vereinnahmen.

Am Montag, den 15. Dezember, wurde die Belegschaft über die Vereinbarung informiert. Es zeigt die große Defensive von Daimler-Vorstand und Werksleitung, aber auch der Betriebsratsspitze, dass das Ergebnis auf drei, nach Schichten getrennten Betriebsversammlungen und ohne vorige Vertrauensleute-Sitzung vorgetragen wurde. Ganz bewusst wurden die einzelnen Ergebnisse und Klauseln vom stellvertretenden Betriebsrats-Vorsitzenden Helmut Bauer dermaßen schnell 'durchgepeitscht', dass kaum ein Kollege sie wirklich gründlich aufnehmen und verarbeiten konnte.

Das Ergebnis und die gesamte Vorgehensweise drückt das Dilemma des Daimler-Vorstands aus: Einerseits will er die Belegschaft massiv angreifen, die Ausbeutung und Flexibilisierung verschärfen und massiv Arbeitsplätze vernichten zur Erreichung seines Ziels, die Nummer eins der weltweiten Autobauer zu werden. Andererseits braucht er die Belegschaft, die 2015, 2016 und 2017 insgesamt 147 Sonderschichten (Samstage) arbeiten soll.

Entsprechend enthält die Vereinbarung auch reale Zugeständnisse an die Belegschaft (kein weiteres Outsourcing in Produktion und Logistik bis 2020, leichte Erhöhung der Ausbildungsplätze), aber vor allem 'Zusicherungen', die angeblich die 'Zukunftsfähigkeit des Werks' sichern sollen. So dass Düsseldorf bis 2020 weiterhin einen Teil der Fahrzeuge für den amerikanischen Markt baue. Außerdem, dass das Düsseldorfer Werk die restlichen Märkte (Europa, Asien, Afrika, Australien) auch nach 2020 komplett bedient.

Offiziell beziffern Vorstand und Betriebsrat die geplante Arbeitsplatzvernichtung 'unter heutig bekannten Prämissen' auf 665 Stellen der Stammbelegschaft. Mit einem Abfindungsprogramm sollen schon ab 2015 hunderte 'Freiwillige' gefunden werden, welche dann direkt durch Leiharbeiter ersetzt werden. Der Vertrag enthält die merkwürdige Klausel, dass sich Werkleitung und Betriebsrat in drei Jahren zu weiteren Verhandlungen treffen, 'mit dem Ziel, diese Zahl nicht zu überschreiten'.

Zurecht nannte ein Kollege die Zusage des Verzichts auf 'betriebsbedingte Kündigungen bis 2020' eine 'Beruhigungsspille'. Denn mit der Klausel, dass die Vereinbarung nur bei einer 'stabilen wirtschaftlichen Situation' und den eintreffenden 'Marktprognosen' gilt, ist die Vereinbarung für die Belegschaft so sicher wie eine Sandburg nahe am Wasser.

Insgesamt hat in den letzten Monaten ein massiver Vertrauensverlust als Ausdruck eines gewachsenen Klassenbewusstseins eingesetzt. Dieser Vertrauensverlust bezieht sich auf den Vorstand, die Vertreter der Werkleitung, aber auch insgesamt auf das ganze System der Klassenzusammenarbeit. Viele Kolleginnen und Kollegen sehen Parallelen zu Opel Bochum. Die Vereinbarung wird sehr kritisch aufgenommen. Die wenigsten glauben daran, dass dadurch irgendetwas 'sicher' ist. Auf allen drei Betriebsversammlungen sprachen kämpferische Kollegen, die das Ergebnis als faulen Kompromiss ablehnten und kritisierten.

Auf der Spätschicht-Versammlung sagte ein Kollege: 'Die Kräfte, die bereit waren, mit Kollegen an anderen Standorten gemeinsam um die Arbeitsplätze zu kämpfen, waren noch zu wenige. Aber es sind mehr geworden. Und es werden noch mehr. Weil ich denen hier (zeigt auf die Werkleitung) überhaupt nicht traue.' Die Auseinandersetzung geht auf jeden Fall weiter.

"Quelle

http://www.rf-news.de/2014/kw51/daimler-duesseldorf-kaempferische-redebeitraege-auf-betriebsversammlungen-zu-verhandlungsergebnis

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Daimler Bremen: Hunderte Abmahnungen gegen Streikende

09.01.15 - Dazu schreibt ein Korrespondent aus Bremen an die "Rote Fahne":

"Vor Weihnachten hatte es bei Daimler in Bremen mehrere Streiks gegen Fremdvergabe, Leiharbeit und massive Ausdehnung der Samstagsarbeit gegeben. Eine Nachtschicht fiel nahezu komplett aus (siehe "rf-news"-Bericht dazu). Hunderte Kolleginnen und Kollegen bekamen nun eine Abmahnung mit Androhung von Entlassung und Schadensersatzansprüchen nach haue geschickt. Dahinter steckt die Absicht, gleich ihre ganzen Familien einzuschüchtern. ... Gegen die Abmahnungen muss sich jetzt die Solidarität formieren. Die Automonopole versuchen offensichtlich, nach dem Startschuss mit der Werkschließung von Opel Bochum eine andere Gangart einzuschlagen. Es ist an den Belegschaften, darauf eine eindeutige Antwort zu geben." (Mehr dazu in der neuen "Roten Fahne" - sie kann hier bestellt werden)

In einer Korrespondenz aus Stuttgart heißt es: "Mit der Massenabmahnung sollen nun die Bremer, aber auch andere Belegschaften eingeschüchtert werden, um möglichst den Gedanken des selbständigen, konzernweiten Kampfes gegen die Unternehmensstrategie 'Daimler2020' zu ersticken. Insbesondere macht dem Vorstand Sorge, dass dieser 'wilde Streik' trotz der Ablehnung des Betriebsratsvorsitzenden Michael Peters zustande kam, der auf Verhandlungen setzt. ... Souveränität sieht anders aus! Diese Schwäche des Vorstandes muss genutzt werden, indem auch die Kolleginnen und Kollegen in den anderen Werken die Forderung und den Kampf für die Zurücknahme aller Abmahnungen durch Daimler zu ihrer Sache machen."

Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw02/daimler-bremen-hunderte-abmahnungen-gegen-streikende
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Betriebsvereinbarung setzt Daimler-Belegschaft unter Terrorverdacht

21.01.15 - Im Dezember letzten Jahres schloss der Daimler-Konzern eine neue Betriebsvereinbarung ab, nach der die Geschäftsleitung alle drei Monate die Personendaten jedes seiner 280.000 Mitarbeiter mit ,,Anti-Terrorlisten" der EU und der USA abgleicht. Die "Rote Fahne" 2/2015 berichtete. Inzwischen sind weitere Details bekannt. Angesichts wachsender Kritik aus der Belegschaft wäscht die Daimler-Führung scheinheilig ihre Hände in Unschuld. Ihr amtierenden Rechtsvorstand und vormalige Verfassungsrichterin, Christine Hohmann-Dennhardt, teilt mit: man erfülle "zwingende" gesetzliche Vorgaben der EU sowie der USA.

Tatsächlich haben die US- und EU-Adminstration als führende Kräfte einer konterrevolutionären internationalen "Antiterrorismus-Koalition" nach dem 11. September 2001 umfassende Gesetze und Verordnungen erlassen, die von Anfang an darauf abzielten, den revolutionären Kampf um nationale und soziale Befreiung zu attackieren und deren Kern der Antikommunismus ist. Willkürlich werden alle Kämpfe gegen die bestehende kapitalistische Ordnung und für soziale und nationale Befreiung als Terrorismus diffamiert.

Auf der sogenannten Anti-Terror-Liste finden sich revolutionäre Organisationen wie die Kommunistische Partei der Philippinen (CPP) und die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Sie ist es, die mit ihren mutigen und selbstlosen Kämpfern und Kämpferinnen ein Vorbild im Kampf gegen den faschistischen IS und für nationale und soziale Befreiung im Vertrauen auf die eigene Kraft in Rojava/Kobanê geworden ist. Damit werden auch alle Kolleginnen und Kollegen, die dafür kämpfen, die Solidarität organisieren, Spenden sammeln und so weiter systematisch erfasst, beobachtet und gegebenenfalls unterdrückt.

Beschämend und spalterisch ist das Verhalten der rechten Betriebsratsspitze. So sieht der  Vorsitzende des Konzernbetriebsrats bei Daimler, Jörg Spies in dem Programm ausgerechnet "einen Leuchtturm zum Schutze der Beschäftigten".

Die US-, EU-Administration und die Chefetagen der führenden Monopole fürchten ihren mächtigsten Gegner: das internationale Industrieproletariat, die führende Kraft der internationalen Revolution. Die Praxis von Daimler ist daher kein Einzelfall. Auch Ford hat eine solche Vereinbarung und der ,,Datenschutzbeauftragte" von Baden-Württemberg, Jörg Klingbeil, plaudert: "Man muss lobend erwähnen, dass Daimler diese Betriebsvereinbarung geschlossen hat, (...) es gibt auch Unternehmen die machen das ohne."

In den Daimler-Belegschaften wächst die Kritik an dieser Bespitzelung und Pauschalverdächtigung. Sie ordnet sich ein in eine nach den Anschlägen in Paris neu aufgeflammte Panikmache der Herrschenden. Damit wollen sie den Abbau bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten forcieren. Sowohl diese Betriebsvereinbarung als auch die stillschweigende Bespitzelung wie bei Ford müssen umgehend beendet werden. Eine wichtige Diskussion auch für alle gewerkschaftlichen Gremien der entsprechenden Konzerne.

Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw04/betriebsvereinbarung-setzt-daimler-belegschaft-unter-terrorverdacht

Gegen System und Kapital!


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Interne E-Mail: Daimler-Konzern rechtfertigt weltweite Bespitzelung seiner Belegschaften

25.01.15:  Der SPIEGEL berichtete Anfang Januar, dass der Daimler-Konzern künftig alle drei Monate seine rund 280.000 Mitarbeiter "durchleuchte". Hierzu war am 12. November 2014 eine Konzernbetriebsvereinbarung abgeschlossen worden. Auch die "Rote Fahne" und "rf-news" berichteten über diesen ungeheuerlichen Vorgang (21.01.15 - "Betriebsvereinbarung setzt Daimler-Belegschaft unter Terrorverdacht")

Wachsende interne und öffentliche Kritik setzen die Daimler-Konzernspitze unter Druck. Vorstand, Konzernbetriebsrat und Konzernsprecherausschuss verschickten eine interne E-Mail an "alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland", in der sie ihr Vorgehen rechtfertigen. Eine E-Mail-Mitteilung an alle Kolleginnen und Kollegen ist im Daimler-Konzern ein nicht gerade häufig genutztes Kommunikationsmittel, sondern eine echte Rarität. In der "Klarstellung" wird der SPIEGEL-Bericht als "Falschmeldung" bezeichnet und über rechtliche Schritte gegen das Magazin nachgedacht.

Was jedoch wortreich dargelegt wird, ist nichts anderes als die Bestätigung des SPIEGEL-Berichts. Daimler beruft sich auf angebliche gesetzliche Vorgaben, wonach der Konzern verpflichtet sei, regelmäßig einen "Abgleich von Beschäftigten- und Bewerberdaten" mit Sanktionslisten der EU und der USA durchzuführen. Die reaktionären Sanktionslisten gibt es tatsächlich, auf ihnen stehen fortschrittliche und revolutionäre Organisationen in aller Welt, gegen die der sogenannte "Anti-Terror-Krieg" geführt wird. Was es jedoch mitnichten gibt, sind gesetzliche Vorschriften, die Daten der Daimler-Arbeiter und -Angestellten weltweit mit diesen Listen zu vergleichen. Dem Daimler-Konzern geht es ganz einfach um eine umfassende Bespitzelung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um gegen linke und kritische Kräfte vorzugehen.

Empört weist die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) in der "Stuttgarter Zeitung" die Behauptung zurück, Daimler sei zum 'Durchleuchten' seiner Belegschaften verpflichtet: "Am Schlimmsten ist, dass diese Firmen ihre Beschäftigten unter den Generalverdacht der Terrorfinanzierung stellen. Das ist empörend! Natürlich verletzt das Screening ohne Anlass Grundrechte der Beschäftigten. Und das ohne Not, weil die Unternehmen dazu nicht gesetzlich verpflichtet sind, sondern ihre wirtschaftlichen Chancen in den USA verbessern wollen."

Die Betriebsvereinbarung, so die "Klarstellungs"-E-Mail, diene dem Zweck, die "Persönlichkeitsrechte unserer Beschäftigten zu wahren." Zur Beweisführung soll herhalten, dass Daimler den Datenabgleich nicht durch Dritte vornehmen lasse: "Wir führen ihn selbst intern durch und minimieren damit das Risiko falscher öffentlicher Verdächtigung, etwa aufgrund einer Verwechslung". Ein wahrhaft überzeugendes Argument!

"Es stimmt einfach nicht, dass Daimler den Datenschutz einhält und da hilft auch die Kontrolle durch den Betriebsrat nicht" sagt ein Daimler-Arbeiter aus Mettingen zu "rf-news". "Bei uns wurden in der Vergangenheit auch schon Krankendaten weitergegeben oder Facebook Einträge durch Daimler überwacht. Ob die NSU-Mörder oder jetzt die  abscheulichen Attentäter von Paris - die waren den Geheimdiensten immer bekannt, aber die Morde wurden nicht verhindert. So eine Überwachung von uns Kollegen schützt uns nicht, sondern soll den Druck auf uns weiter erhöhen. Wir Kollegen kennen uns und klären es, wenn es was zu klären gibt. Das ist der beste Schutz."

Daimler führt als Argument für den "Datenabgleich" ins Feld, er wolle gegen Neofaschisten und islamistisch begründeten Faschismus vorgehen. Davon kann keine Rede sein. Von der Geschäftsleitung gänzlich unbehelligt konnte zum Beispiel das "Zentrum Automobil e.V.", in dem Neonazis einen führenden Einfluss haben, bei der Betriebsratswahl und bei der Wahl zur Schwerbehindertenvertretung in Untertürkheim Bewerber ins Rennen schicken, während kämpferischen Kräften mit allen Mitteln Prügel in den Weg gelegt werden. Auch die Initiative für ein Amtsenthebungsverfahren gegen einen Betriebsrat im Daimler-Werk Rastatt, der offenbar faschistoide Äußerungen bezüglich der Anschläge gegen "Charlie Hebdo" gepostet hat, ging nicht von der Geschäftsleitung aus, sondern vom Betriebsratsgremium und der IG-Metall-Verwaltungsstelle.

In seiner Rede auf dem Daimler-Neujahrsempfang in Berlin macht Daimler-Chef Dieter Zetsche deutlich, welche politischen Standpunkte er gar nicht leiden kann: "Ob es um Fracking geht, den Bahnausbau oder Gentechnik: Während andere diese Chancen beherzt ergreifen, suchen wir in Deutschland nach dem berühmten Haar in der Suppe. Das ist auch bei meinem dritten Thema der Fall: dem Freihandelsabkommen mit den USA – kurz TTIP. ... Studien zufolge könnte das Bruttoinlandsprodukt der EU durch TTIP um rund 120 Milliarden Euro steigen. Schon deshalb können wir es uns nicht leisten, uns selbst Sand ins Getriebe zu streuen."

Gehört viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass Kolleginnen und Kollegen, die sich am aktiven Widerstand gegen Fracking, Stuttgart 21 oder TTIP beteiligen, ganz schnell auf Zetsches "Anti-Terror-Listen" landen?

"Das ist eine riesige Schweinerei, dass der Betriebsrat solch einer Vereinbarung zustimmt", so ein Daimler-Kollege aus Sindelfingen. "Aus  Angst vor der Reaktion der Kollegen geschah das dann so klammheimlich. Und wenn der Betriebsrat Spies behauptet, das sei ein 'Leuchtturm des Schutzes' der Kollegen, dann stellt das die Sache auf den Kopf, das ganze richtet sich vielmehr gegen die Belegschaft. Es gibt ja auch schon sogenannte 'business practice office', wo jeder Kollege anonym anrufen und Kollegen anschwärzen kann. Von den Kollegen wird dies als 'Stasi'methode abgelehnt. Auf Betriebsversammlungen wurde dies schon mehrfach angeprangert."

Die Betriebsvereinbarung zur Bespitzelung im Daimler-Konzern muss vom Tisch - so die Stimmung in den Daimler-Belegschaften.


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw04/interne-e-mail-daimler-konzern-rechtfertigt-weltweite-bespitzleung-seiner-mitarbeiter-und-mitarbeiterinnen

Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

dagobert

Zitat von: Rappelkistenrebell am 19:26:17 So. 25.Januar 2015
Von der Geschäftsleitung gänzlich unbehelligt konnte zum Beispiel das "Zentrum Automobil e.V.", in dem Neonazis einen führenden Einfluss haben, bei der Betriebsratswahl und bei der Wahl zur Schwerbehindertenvertretung in Untertürkheim Bewerber ins Rennen schicken, während kämpferischen Kräften mit allen Mitteln Prügel in den Weg gelegt werden.
[...]
Gehört viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass Kolleginnen und Kollegen, die sich am aktiven Widerstand gegen Fracking, Stuttgart 21 oder TTIP beteiligen, ganz schnell auf Zetsches "Anti-Terror-Listen" landen?
Wieso wundert mich das alles nicht?

Ach so, deswegen:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mercedes-benz-argentina-kollaborationsvorwurf-unter-einem-schlechten-stern-1.1099487
http://labournet.de/branchen/auto/dc/ar/anzeige.html

Ist schon eine saubere Firma.
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)

Rappelkistenrebell

Kritik an Daimlers "Personalüberwachung" wächst


Stuttgart (Korrespondenz), 28.01.15: Am 23. Januar meldete sich Ex-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" zu Wort. Sie kritisierte, "dass der Daimler-Konzern regelmäßig die Personaldaten der Mitarbeiter mit Terrorlisten der EU ... abgleicht". Damit würden die "Beschäftigten unter den Generalverdacht" gestellt. Sie zerpflückte auch die Rechtfertigung von Daimler und der Gesamt-Betriebsrats-Spitze, die vor kurzem in einer "Klarstellungs"-E-Mail an die Belegschaft geschickt wurde (siehe "rf-news"-Bericht vom 25.1.15). Unternehmen seien "dazu nicht gesetzlich verpflichtet".

Auch wenn die Ex-Ministerin das Ziel der "Terrorismus"-Fahndung nicht prinzipiell kritisiert und den BMW-Konzern - der bisher auf eine solche Rasterüberprüfung verzichtet - als Alternative propagiert, zeigt ihre Kritik doch, welche Wellen das Vorgehen von Daimler schlägt. Gegen die dabei enthüllte Massenbespitzelung und Einschränkung bürgerlich-demokratischer Rechte ist breiter Protest notwendig. Das erfordert die Auseinandersetzung mit einer teilweise noch vorhandenen Unterschätzung in der Daimler-Belegschaft.

So haben beim Verkauf des "Rebell"-Magazins vor der Lehrwerkstatt in Brühl (Stuttgart) viele Azubis zunächst keinen Anstoß an der Pauschalüberwachung genommen. In den Gesprächen konnten einige zum Nachdenken gebracht werden, was es mit dem Vorwand der angeblichen Bekämpfung des islamistisch-faschistischen Terrors auf sich hat, wo doch in den NSU-Prozessen die staatliche Unterstützung und Förderung von faschistischem Naziterror aufgedeckt wurde.


Quelle

http://www.rf-news.de/2015/kw05/kritik-an-daimlers-rasterfahndung-waechst
Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

Rappelkistenrebell

Automobilkonzern Daimler erreicht Skandal-Urteil gegen Flugblattverteiler


Wegen Flugblattverteilens vor Daimler hat das Amtsgericht Tiergarten (im Bild) eine Verwarnung wegen Hausfriedensbruchs mit zweijähriger Bewährungsfrist ausgesprochen. (foto: A. Savin/CC BY-SA 3.0)

16.12.15 - Zu einem skandalösen Urteil von Klassenjustiz hat der Solidaritätskreis zu Daimler-Strafverfahren aus Berlin die folgende Presseerklärung herausgegeben:

,,Wegen Flugblattverteilens bei Daimler wurde Barbara R. am 7. Dezember 2015 wegen Hausfriedensbruch verwarnt. Das Amtsgericht Tiergarten legte zudem eine zweijährige Bewährungsfrist fest.

Im Oktober 2014 wurden auf einem öffentlich zugänglichen Parkplatz des Automobilkonzerns in Berlin Marienfelde Flugblätter einer Aktionseinheit verteilt, in denen zum weltweiten Antifracking-Tag und einem europaweiten Aktionstag gegen TTIP und CETA aufgerufen wurde. Die Geschäftsleitung von Daimler rief die Polizei. Die Berliner Amtsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe von 450 Euro pro Verteiler.

Ein in Neukölln gegründeter Solidaritätskreis verteidigt die beiden Flugblattverteiler und wehrt sich gegen 'eine Kriminalisierung des Flugblattverteilens an Industriearbeiter'.

Zunächst bot die Richterin die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße von 200 Euro an. Der Strafbefehl lautete auf 15 Tagessätze a 30 Euro. Die Staatsanwältin betonte: 'Damit haben sie keine Vorstrafe.' Das lehnten die Verteilerin und ihr Rechtsanwalt ab, da der Parkplatz jederzeit öffentlich zugänglich ist. ..."

Die komplette Pressemitteilung kann hier gelesen werden!


Quelle

https://www.rf-news.de/2015/kw51/automobilkonzern-daimler-erreicht-skandal-urteil-gegen-flugblattverteiler
Gegen System und Kapital!


www.jungewelt.de

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