Autor Thema: ALDI  (Gelesen 27691 mal)

ManOfConstantSorrow

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ALDI
« am: 03:16:10 Di. 30.März 2004 »
Zitat
Original von spiegel-online 39.3.04

      
MILCHPREIS-PROTEST
1000 Bauern belagern Aldi-Zentrale

Wütender Protest gegen die Discounter: Landwirte werfen Aldi, Lidl und ihren Wettbewerbern vor, Milch zu ruinösen Ramschpreisen zu verkaufen. Am Montag demonstrierten sie vor der Zentrale von Aldi Nord.


Essen - Bereits vor einer Woche hatten rund 400 nordrhein-westfälische Bauern vor der Zentrale des Handelsriesen Metro in Düsseldorf demonstriert. Zur Aldi-Zentrale kamen jetzt gut 1000 Landwirte.

"Wir sind heute hier, um dem drittreichsten Mann der Welt zu sagen, dass Geiz nicht geil ist", sagte der Vorsitzende des Westfälischen Landwirtschaftsverbandes, Franz-Josef Möllers, und spielte damit auf Aldi-Mitgründer Theodor Albrecht an.

Die Discounter, so der Vorwurf, drückten mit ihrem "Preisdumping" die Landwirte an die Wand. Im Schnitt werden 27 Cent pro Liter Milch an die Bauern gezahlt - so wenig wie seit 1977 nicht mehr. Die Produktion kostet dagegen rund 32 Cent pro Liter. "Die Höfe werden ruiniert", klagte ein Milchbauer. Die Demonstration stand unter dem Motto "Lebensmittel sind mehr wert! - Faire Verhandlungen und faire Milchpreise". Sie ist Teil einer bundesweiten Kampagne des Deutschen Bauernverbandes.

Aldi signalisiert Willen zum Kompromiss

Jüngere Teilnehmer der Kundgebung warfen Wasserbeutel über den Zaun auf das Gelände des Discounters. Andere Teilnehmer benutzten Trillerpfeifen, um ihre Wut auszudrücken. Mittendrin stand Milchkuh Reni. Unter ihren Hufen floss literweise ausgegossene Milch in den Rinnstein, die Bauern symbolisch verschüttet hatten.
"So kann es nicht weiter gehen. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Milchbauern im Kreis Borken liegt bei 21.000 Euro. Nötig zum Überleben wären 45.000 Euro", rechnete Hubert Seggewiss vor, ein Milchbauen aus Borken. Er ärgert sich nicht nur über Aldi & Co, sondern auch über die Politik: "Wir haben die höchsten Umweltansprüche, die höchsten Energiekosten und die beste Qualität. Nur bezahlen will das niemand." So lebten viele die Landwirte auf Kredit und von dem, was sonst noch abfällt - wie der Mastviehzucht.

Die Aldi-Konzernspitze signalisierte eine Bereitschaft zum Einlenken. Noch während der Demonstration wurde eine Delegation der Landwirtschaftsverbände zu Gesprächen in die Aldi-Zentrale gebeten. Der Discounter zeigte sich bereit, die Preise anzuheben. Allerdings nur, wenn die Endpreise der Konkurrenz dabei nicht überboten würden.

Karl Nacke von der Landwirtschaftskammer Rheinland freute sich über diesen Erfolg. "Wie viel Cent pro Liter für den Bauern schließlich bei den Verhandlungen raus kommen, müssen wir noch abwarten. Aber es ist zumindest ein erster Schritt." Falls Aldi doch nicht einlenkt, sollen die Proteste weiter gehen. "Wenn es nicht klappt, werden die Bauern noch radikaler", warnte ein Landwirt.

(weiteres hierzu im Agrar-Thread:  http://www.chefduzen.de/viewtopic.php?p=3116&sid=a2c8c3afebab3fcdfff7acb7e46a47a1#3116 )

Ziel sollte es sein, daß gegen die konzentrierte Wirtschaftsmacht nicht vereinzelt gekämpft wird. Von den Profitinteressen und dem Wirtschaftlichen Druck (z.B.) des ALDI-Konzerns sind verschiedene Gruppen: Neben die Produzenten Landwirtschaftlicher Produkte gibt es die industriellen Hersteller, die unter ausbeuterischen Bedingungen und unter Mißachtung von Sicherheitsbestimmungen produzieren und nicht zuletzt hat auch das ALDI-Personal unter schlechter Bezahlung und entwürdingenden Arbeitsbedingungen zu leiden.

Gemeinsame Aktionen der Betroffenen würden selbst einen Wirtschaftsgiganten das Fürchten lehren.
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ManOfConstantSorrow

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ALDI
« Antwort #1 am: 18:27:53 So. 04.April 2004 »
Zitat
Original von spiegel-online

ANTI-ALDI-PROTEST

"Brot wird heute in Tunesien hergestellt"

Erst die Milchbauern, nun die Bäcker: Immer mehr Branchen protestieren dagegen, dass Aldi und Lidl sie unter ruinösen Preisdruck setzen. Die Discounter seien nur so billig, weil sie im Ausland produzierten.


Berlin - "Das Bäckerhandwerk steht unter einem irrsinnigen Wettbewerbsdruck", sagte Eberhard Groebel, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks der "Bild am Sonntag". Im vergangenen Jahr hätten die Bäckereien einen Umsatzrückgang von neun Prozent verzeichnet. Zwischen 600 und 800 Bäcker hätten aufgeben müssen.

Groebel machte regelrechte Dumpingpreise einiger Discounter verantwortlich sowie Selbstbedienungsbäckereien und Aufbackstationen in den Supermärkten. Die Konkurrenz könne die Preise so stark drücken, weil sie in Billiglohnländern produziere, sagte der Obermeister der Bäckerinnung Köln, Josef Pelzer. "Brot wird heute in Rumänien, Tunesien oder Bulgarien hergestellt."

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, warf den Handelsketten unterdessen vor, den Milchpreis "um bis zu zehn Prozent drücken" zu wollen. "Der Lebensmittelhandel muss mit seinem Preisdumping aufhören", sagte Sonnleitner dem "Focus" laut Vorabbericht aus der Montagsausgabe. Er forderte erneut die Europäische Union (EU) auf, mit einer schnellen Senkung der europäischen Milchquote gegenzusteuern.

Hier organisieren sich nun kleine Betriebe gegen die Riesen.
Doch wann organisiert sich das zu miesen Bedingungen arbeitende ALDI(Lidl etc.)-Personal?
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ManOfConstantSorrow

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ALDI
« Antwort #2 am: 18:31:24 Fr. 09.April 2004 »
Oha, beim Personal bewegt sich auch was:
Zitat
Original von rf-news.de

08.04.04

Betriebsratswahl bei Aldi in München
Aldi-Süd hat in München rund 500 Beschäftigte, davon 90 Prozent Frauen. Sie arbeiten in 21 Filialen. In etwa der Hälfte soll demnächst ein Betriebsrat gewählt werden. Nach Angaben von Verdi wäre es der erste Betriebsrat in den 1.500 deutschen Niederlassungen von Aldi-Süd überhaupt. Bei Aldi-Nord gibt es Betriebsräte nur in etwa zwei Dutzend Filialen und Lagern.
 
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ManOfConstantSorrow

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ALDI
« Antwort #3 am: 17:48:38 So. 18.April 2004 »
Zitat
Original von rf-news.de

18.04.04
Australien: Aldi schikaniert Gewerkschafter

In Australien hat die Supermarkt-Kette Aldi gedroht, die Bezahlung der Beschäftigten zu stoppen und sie auszusperren, wenn sie sich weigern, neue individuelle Arbeitsverträge zu unterschreiben. Im Aldi-Verteilerzentrum von Sidney werden Arbeiter schikaniert, die sich gewerkschaftlich organisieren.

Nach Angaben der australischen Zeitung "Sidney Morning Herald" vom 17.4. berichtete der australische Parlamentsabgeordnete Paul Gibson, dass dort Vertreter von Aldi mit jedem Beschäftigten Einzelgespräche geführt haben, sie wurden gefragt, was sie über die Gewerkschaft wissen und wieweit sie dort engagiert sind. Entsprechend wurden sie auch über ihre Kollegen ausgefragt.
Gibson zitierte aus einem Brief vom 8. März, der unter anderem von Aldi-Manager Stefan Kopp unterzeichnet ist: "Wenn ein Angestellter sich entschließt, keinen neuen AWA (Australischer Arbeitsvertrag) zu unterzeichnen, nachdem der vorherige ausgelaufen ist, könnte Aldi beschließen, den Beschäftigten auszusperren und keinen Lohn mehr zu zahlen, bis ein neuer Vertrag unterschrieben ist."

Behinderung der Gewerkschaftsarbeit auch in Deutschland

Aldi Nord/Süd hatte 2003 einen Jahresumsatz von 25 Milliarden Euro - die Beschäftigten, meistens Frauen, stehen unter enormem Arbeitsdruck bei niedrigen Stundenlöhnen und langen Arbeitszeiten.
Die Gewerkschaft ver.di kritisiert auch in Deutschland die großen Handelsmonopole Schlecker, Lidl und Aldi wegen Behinderung gewerkschaftlicher Rechte. Franziska Wiethold, Vorstandsmitglied in ver.di für den Handel: "Die Beschäftigten bei Aldi Süd arbeiten ohne Betriebsräte". Tarifliche Arbeitszeitregelungen und Freizeitansprüche würden von Aldi regelmäßig missachtet.
Die gewerkschaftliche Organisierung ist ein wichtiger Schritt für die Beschäftigten, ihre Rechte zu erkämpfen. Für freie politische und gewerkschaftliche Betätigung im Betrieb - auch bei Aldi!

Mehr Informationen unter:

www.smh.com.au/articles/2004/04/17/1082140112750.html
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ToTo

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ALDI
« Antwort #4 am: 18:35:29 So. 18.April 2004 »
Zitat
Aldi boykottiert «Süddeutsche Zeitung»

Der Discounter Aldi-Süd schaltet in der «Süddeutschen Zeitung» keine Anzeigen mehr. Zuvor hatte das Blatt kritisch über die Handelskette berichtet.


Mehr: Netzeitung.de
Gruß ToTo

ManOfConstantSorrow

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ALDI
« Antwort #5 am: 06:23:16 Sa. 08.Mai 2004 »
Zitat
Original von Junge Welt

06.05.2004  

Nick Brauns, München
 
Miese Tricks
 
Kein Betriebsrat bei Aldi Süd. Unternehmen soll Wahl hintertrieben und Zeitung abgestraft haben
 

Auf Platz drei der Liste der reichsten Männer der Welt setzte das US-Wirtschaftsmagazin Forbes zu Jahresbeginn den 84jährigen deutschen Unternehmer Karl Albrecht und seinen Bruder Theo. Beide sind Eigentümer des Lebensmitteldiscounters Aldi, dessen Unternehmenswert auf 25 Milliarden Euro geschätzt wird. Während Theo Herrscher über den Norden der BRD ist, bestimmt Karl über Aldi Süd, obwohl sich beide vor einigen Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben.

Aldi ist ein Konzern mit gewaltiger Marktmacht. Nur Betriebsräte sind Mangelware in den rund 3 500 deutschen Filialen. Während im nördlichen Teil des Familienimperiums immerhin etwa zwei Dutzend Betriebsräte existieren, versucht das Management in den rund 1 500 süddeutschen Filialen, dies weiterhin mit allen Mitteln zu verhindern.

Arbeitshetze gehört nach Gewerkschaftsangaben bei Aldi zum Alltag. Nicht zuletzt wegen der Arbeitsbedingungen hatten drei Angestellte einer Aldi-Filiale in München-Großhadern Anfang April die Initiative für die Bildung eines Betriebsrats ergriffen. Das Management reagierte Presseberichten zufolge mit massiven Behinderungen. Eine Mitarbeiterin sei am Arbeitsplatz bespitzelt worden, um herauszufinden, wer hinter der Betriebsratskampagne steckt. Ein Filialleiter soll mit der Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld gedroht haben. So berichtete die Süddeutsche Zeitung (SZ), daß bei einer Filialversammlung Anfang April ein Regionalgeschäftsführer sich weigerte, den Raum zu verlassen.

Um individuelle Einschüchterungen zu erschweren, beschloß ver.di, mehrere in einem Bezirk zusammengeschlossene Aldi-Filialen zur gemeinsamen Vorbereitung der Betriebsratswahl zu rufen. Der SZ zufolge schien die Idee eines Betriebsrates auf Zustimmung zu treffen. Schließlich folgten Ende April gleich 50
von 54 Wahlberechtigten dem Aufruf zur Betriebsversammlung in einem Münchner Hotel. Doch dann sei es einer Kollegin herausgerutscht: »Wir sind hier, um die Betriebsratswahl aufzuhalten.« Bis auf die drei Initiatorinnen stimmten alle anwesenden Mitarbeiter gegen die Gründung eines Wahlvorstandes zur Vorbereitung der Betriebsratswahl.

Jasna Schmidt, die zu den Initiatorinnen der Betriebsratskampagne gehört, werde nun vom Filialleiter nur noch allein in die Mittagspause entlassen, um sie von ihren Kolleginnen zu isolieren. »Wenn wir nicht rechtzeitig Öffentlichkeit organisiert hätten, wären die Initiatorinnen der Betriebsratswahl längst rausgeflogen«, meinte Dagmar Rüdenburg von ver.di München in der SZ.

Diese Öffentlichkeit könnte das Blatt, das im Lokalteil über die Schikanen der Unternehmensführung berichtete, jetzt teuer zu stehen kommen. Offenbar aufgrund der kritischen Berichterstattung hat Aldi eine zweimal wöchentlich erscheinende ganzseitige Werbung in der Zeitung stoppen lassen. Mit einer Verleumdungsklage hatte man bei der SZ durchaus gerechnet. Doch Aldi konterte offenbar mit ökonomischem Druck. Bislang jedenfalls berichtet die SZ weiter über die Vorgänge beim Discounter.

Jetzt geht der Kampf um den Aldi-Betriebsrat in die nächste Runde. Ver.di-Anwalt Rüdiger Helm hat unter Berufung auf das Betriebsverfassungsgesetz beim Arbeitsgericht beantragt, einen Wahlvorstand aus den drei Initiatorinnen der Kampagne sowie Gewerkschaftssekretärin Rüdenburg gerichtlich einzusetzen. In geheimer Wahl könnte die Aldi-Beschäftigten demnächst zeigen, wie sie wirklich zum Betriebsrat stehen.
 
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ManOfConstantSorrow

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ALDI
« Antwort #6 am: 11:14:04 Mi. 26.Mai 2004 »
25.05.04 - Aldi erpresst Beschäftigte und Zeitungen
Aldi-Süd versucht mit allen Mittel die Wahl von Betriebsräten in seinen Filialen zu verhindern. In einer Mitteilung heißt es: "Wenn sie einen Betriebsrat wählen, werden Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen." Als die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtete, stornierte Aldi einen Anzeigenauftrag über 1,5 Mio. Euro bei der Zeitung. Dass andere Tageszeitungen nicht über die Vorfälle bei den Aldi-Betriebsratswahlen berichten, belegt für die Gewerkschaft ver.di dass solche Erpressungsversuche mit Anzeigen kein Einzelfall seien.
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ALDI
« Antwort #7 am: 11:20:20 Mo. 21.November 2005 »
spiegel-online 21. November 2005

ALDI

70 Überstunden im Monat

Auf Aldi in Salzgitter kommt offenbar ein Bußgeld von mehreren Tausend Euro wegen drastischer Überschreitung von Arbeitszeiten zu. Die Praktiken sind von der Gewerbeaufsicht gestoppt worden.


 Hamburg - Jürgen Reif, Leiter des zuständigen Gewerbeaufsichtsamts in Braunschweig bestätigte gegenüber dem SPIEGEL "beharrliche Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz", wobei er Aldi nicht ausdrücklich nannte. Vor allem im Zentrallager der Lebensmittelkette in Salzgitter-Bad war es bei Mitarbeitern zu Mehrarbeit von bis zu 70 Stunden im Monat gekommen.

Auch die Lkw-Fahrer sollen von dem Überstundendruck betroffen sein. Die lange gängige Praxis stoppte offensichtlich nicht der Betriebsrat, sondern Anwälte und das Gewerbeaufsichtsamt, die im Spätsommer von den Verstößen erfuhren.

Es kam zu einigen hektischen Neueinstellungen im Zentrallager, das über 70 Filialen zwischen Braunschweig, Wernigerode und Hildesheim beliefert. Geschäftsführer Uwe Iders sagte, es gebe "keine Probleme" mit Überstunden. Wenn doch welche aufgetreten seien, so Iders weiter, hingen die mit der Erweiterung des Lagers zusammen. Die neue Fläche wird allerdings noch gar nicht bewirtschaftet.
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ManOfConstantSorrow

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ALDI
« Antwort #8 am: 10:50:38 Mo. 23.Juni 2008 »
Aldi-Nord und die Gewerkschaften
Moral zum Discount-Tarif

Auch die Supermarktkette Aldi Nord gerät in den Sog der Affären um verdeckte Einflussnahmen auf Arbeitnehmer-Organisationen. Der Discounter wollte sich ein handzahmes Gegengewicht zur Gewerkschaft Verdi schaffen. Das Unternehmen sägt damit an einem Kernelement des deutschen Sozialmodells.


Zuerst Siemens, dann der Briefzusteller Pin, nun Aldi. Ein Unternehmen nach dem anderen fliegt auf, das über dunkle Kanäle heimlich daran gearbeitet hat, ein über Jahrzehnte hinweg bewährtes Kernelement der deutschen Sozialpartnerschaft rigoros plattzumachen: nämlich die freie Wahrung von Arbeitnehmerinteressen in Unternehmen.

Viel Geld hat man ausgegeben, um sich in letzter Konsequenz eine Arbeitnehmerorganisation zu kaufen, sich zumindest aber ihre Vertreter gefügig zu machen. Im Idealfall wollte man in den Betriebsräten willfährige Lakaien haben, die absegnen, was die Manager sonst nicht so ohne weiteres hätten durchsetzen können. Nicht dem Wohl der Mitarbeiter und des Unternehmens sollte dies dienen, sondern ausschließlich dem Profit der Eigentümer. Es ging schlichtweg um Macht.

Es ist entsetzlich, dass es Pseudogewerkschaften gibt, die sich prostituieren. Soweit es um die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) geht, zeigen die Vorgänge bei Aldi-Nord endgültig, dass die Gruppe nur dem Namen nach unabhängig war. Tatsächlich hing sie am finanziellen Tropf von Siemens und Aldi und womöglich auch noch anderen. Kämen die Fälle weiterer verdeckter Sponsoren ans Tageslicht - niemand würde sich wundern.

Doch nicht nur Arbeitnehmervertreter, auch Arbeitgeber brauchen Moral. Sie scheint in manchen Firmen zumindest zeitweise verkommen zu sein. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher hat sich von den Machenschaften früherer Manager des Konzerns in Zusammenhang mit der AUB distanziert. Ein ähnliches Wort des Bedauerns stünde auch den milliardenschweren Aldi-Nord-Eigentümern gut zu Gesicht.

(SZ vom 7.4.2008/lala)
http://www.sueddeutsche.de/,tt5l1/wirtschaft/artikel/932/167450/
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Sepp79

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ALDI
« Antwort #9 am: 00:20:47 So. 29.Juni 2008 »
Was dort teilweise bei einigen Discountern abgeht ist natürlich scheisse, aber was ich nicht verstehe ist warum die meisten darüber meckern um am nächsten Tag sich dort den Wagen voll zu machen und selber von der Senkung der Kosten durch Druck aufs Personal zu profitieren!!!

Ich verdiene selber verdammt wenig aber ich gehe trotzdem nur selten zu den Discountern, diese ganzen Grundnahrungsmittel bekomme ich beim Edeka und Rewe fast zum selben Preis, wenig Geld ist für mich da kein Argument, sry.

Diese ganzen Billigketten auch in anderen Bereichen z.B. Kik wo ne Angestellte in Vollzeit 5-6€ h verdient gibt es doch nur weil der Deutsche auf nen billigen Preis anspringt. Die akzeptablen Arbeitsplätze gehen dann zusehends verloren und es wird geklagt das zu wenig Geld da ist, weitere Billig Läden machen auf..Das ganze ist ein Teufelskreis.

Den Deutschen interessiert es nur fadenscheinig ob Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten werden, denn mit seinem Kauf bei einem Ausbeuter gibt er stillschweigend sein Einverständnis. Die Boykottierung eines Geschäfts ist das einzige Druckmittel das man als Verbraucher hat.

Gerade die Discounter sind bei Neuerungen doch sehr innovativ, jeder mag sich selber überlegen warum kleinere Discounter wie Norma die ganz scharf darauf sind Aldi Lidl usw das Wasser reichen zu können beispielsweise mit nem Butterpreis werben der 2 Cent unter dem von Aldi liegt, ansstatt jedes Produkt zwei Cent teurer zu verkaufen und Kunden dadurch zu gewinnen das es in jeder Filiale einen Betriebsrat und einen zusätzliche Stelle gibt damit die Arbeiter nicht nach 20 Jahren maloche bildlich gesprochen am Stock gehen müssen.

Wir leben nun mal in einer marktwirtschaft, und die Unternehmen geben den Kunden was sie wollen. Der deutsche Kunde will nen billigen Preis und den bekommt er auch. Mit allen Konsequenzen. Wir beuten uns gegenseitig aus, die Unternehmen machen ihren Profit sowieso, egal ob die Angestellten viel oder wenig verdienen. Oder glaubt jemand allen ernstes die Unternehmen in der Schweiz (und anderswo) wo ordentlich gezahlt wird würden einen geringeren Profit erzielen als die Deutschen mit ihren billig Kräften...???

Ihr könnt mich nun lynchen wenn ihr wollt, aber so ist nunmal meine Meinung, tut mir leid. Wer will das sich etwas ändert muss es in Kauf nehmen für weniger Konsum das selbe zu zahlen.

Irrlichtprojektor

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ALDI
« Antwort #10 am: 00:44:04 So. 29.Juni 2008 »
hallo Sepp,
dafür lyncht dich Niemand. ;)

Wir müssen die Zusammenhänge richtig ergründen. Du schreibst selbst :

Zitat
von der Senkung der Kosten durch Druck aufs Personal zu profitieren!!!

weiter

Zitat
Wir beuten uns gegenseitig aus, die Unternehmen machen ihren Profit sowieso, egal ob die Angestellten viel oder wenig verdienen.

Die Ursache für billige Nahrungsmittel gründet sich nicht nur in billigen Löhnen der Discountangestellten, sondern vielmehr im billigen Einkauf der Produkte. Natürlich kann man den Laden Boykottieren aber ohne Solidarität wird man über das eigene reine Gewissen nichts erreichen. Und viele Menschen sind schlichtweg darauf angewiesen auf jeden, wirklich auf jeden Cent zu schauen. Oftmals reicht das Geld so schon nicht um über den Monat zu kommen. Die Zahlen der Tafel belegen dies recht deutlich das immer mehr Menschen gezwungen sind, sich mit minderwertigen Lebensmitteln versorgen zu müssen. Geld ist für viele zu Recht ein sehr gewichtiges Argument, leider!

Das Anspruchsdenken senken um Veränderung bewirken zu können halte ich für fatal. Wir würden letztendlich genau das Gegenteil erreichen. Also nicht Verzicht kann die Lösung sein, sondern Organisation und allg. Bewusstsein zur Lage durch Bildung und Aufklärung. Um anschließend daraus Handlung zu ermöglichen.

gruß irrlicht

Sepp79

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ALDI
« Antwort #11 am: 02:28:55 So. 29.Juni 2008 »
Hallo Irrlichtprojektor

Zitat
Die Ursache für billige Nahrungsmittel gründet sich nicht nur in billigen Löhnen der Discountangestellten, sondern vielmehr im billigen Einkauf der Produkte.

Ja da hast du recht, das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Wertschöpfungskette, schon klar das es da nicht reicht nur den Discounter Angestellten mehr zu geben. Aber das wäre ja der erste und kleinste Schritt, und schon dabei würde es scheitern. Ich wollte nur die grundsätzliche Gesellschaftliche Haltung in diesem Land verdeutlichen.

Zitat
Und viele Menschen sind schlichtweg darauf angewiesen auf jeden, wirklich auf jeden Cent zu schauen. Oftmals reicht das Geld so schon nicht um über den Monat zu kommen. Die Zahlen der Tafel belegen dies recht deutlich das immer mehr Menschen gezwungen sind, sich mit minderwertigen Lebensmitteln versorgen zu müssen

Ich weiß, aber es ist ja nun nicht so das nur die Hartz4 Familien bei denen das Geld meist wirklich verdammt knapp ist beim Discounter einkaufen.
Jeder dritte Euro geht mittlerweile bei einem Discounter über die Theke, und nahezu die gesamte Mittelschicht verkehrt dort, ohne das es für sie Überlebenswichtig wäre.

Ich nenne mal ein Beispiel: Ein Bekannter von mir ist Lehrer an einem Gymnasium und verdient ca 2200 Euro NETTO! Seine Frau ist ebenfalls Lehrerin am Gymnasium. Zusammen kommen sie mit Ehe Freibeträgen usw (die ja eigentlich richtige Familien fördern sollten anstatt Doppelverdiener die in Wirklichkeit zusammen weniger Lebenshaltungskosten haben als zwei Singles) auf irgendwas in Richtung VIERTAUSENDACHTHUNDERT € Netto jeden Monat Den Großteil ihrer Einkäufe erledigen sie beim Discounter, ihre Möbel kommen ausnahmslos von Ikea aus China, ihr Auto ist ein gebrauchter Kia und auf dem Dach ihres geerbten Hauses haben sie mit nem fast zinslosen Kredit (dessen "verschenkte" Zinsen man auch kreditunwürdigen aber ideenreichen Existenzgründern hätte geben können) ne Solaranlage aufgestellt die armen Menschen wie vielen in diesem Forum den Strom unnötig verteuert weil sich die Technologie noch nicht rechnet, und fühlen sich dadurch als Weltverbesserer.Faslls in fünfzig Jahren die fossilen Energieträger ausgehen müsste eh ne neue Anlage aufs Dach, also bringts jetzt noch nichts, aber egal... Jeden Monat Bunkern die beiden über 3000  Euro auf ihrem Konto, was sie an Mieteinnahmen und Stromerlösen haben weiß ich nicht, aber was ich weiß ist das sie auch Ausbeuter sind, nur im kleineren Stil...

Viele Leute sind so wie diese beiden, die meisten nicht so extrem, das ist klar, aber sie tendieren in die selbe Richtung. Dabei ist es fast egal ob sie ihr Geld sparen oder komplett ausgeben, denn was zählt ist nur der maximale Profit. Wenn sie alles Geld sparen gibt es viel mehr Arbeitslose, und wenn sie alles ausgeben gibt es ganz viel tolle Arbeit für 7 Euro die Stunde, weil sie immer das billigste Angebot wählen würden und sich die Firmen daher auf Kosten des Personals gegenseitig unterbieten...

Zitat
Das Anspruchsdenken senken um Veränderung bewirken zu können halte ich für fatal.

Vielleicht habe ich mich da etwas misslich ausgedrückt, das Anspruchsdenken sollte man nicht senken, ich finde man sollte es nur ändern in eine andere Richtung. Weg vom maximalen Eigennutz, und hin zu mehr Gemeinnutz. Die Skandinavischen Länder machen es uns vor, die Arbeitslosenquote ist niedrig, und das Lohnniveau für alle akzeptabel. Würde man dort nicht für alles doppelt soviel Zahlen während man "nur" 70-80% mehr verdient, wäre das nicht möglich.

Klar ist auch  (insofern muss ich meine Äusserungen korrigieren) das die Impulse hierfür nicht von den Schwächsten kommen können, sondern das sie von der Mittel und Oberschicht ausgehen müssen. Die Geringverdiener und ehemals Arbeitslosen müssten dann nachtziehen sobald sie ihre neue Stelle und/oder mehr Gehalt haben. Bis wir irgendwann aber mal soweit sind, muss noch viel geschehen. Bis dahin wird das Streben nach Eigennutz wohl noch weiter zunehmen.

Irrlichtprojektor

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ALDI
« Antwort #12 am: 03:23:15 So. 29.Juni 2008 »
Du nennst es Eigennutz, ich gebrauche dafür immer das Wort Selbstbezogenheit. Für mich klingt es treffender wir meinen aber sicherlich das gleiche.
Wege gibt es sicherlich einige wie man dem begegnen könnte. Ich fürchte wir kämpfen da auch auf weiter Ebene gegen Windmühlen. Die mediale Macht der Volksverblödung, die gesellschaftliche Ausrichtung nach dem göttlichem Geld usw. sind derart stark und tief verankert, das wir dem bislang nicht wirklich effektiv etwas entgegen setzen können. Zumindest nicht so wie wir es bislang versucht haben. Also das alte Muster von Klassenkampf über Gewerkschaft-Generalstreik ......... Ich schätze das wird nicht funktionieren. Die Arbeiterklasse ist dafür viel zu sehr gegeneinander ausgespielt und verfügt über kaum noch Klassenbewusstsein. Auf dem Gebiet haben sich unsere Mächtigen recht gut eingerichtet und können jederzeit mit ihrer allmächtigen Macht in aller Form zuschlagen, falls doch regional mal was "anbrennen" sollte.
Wir müssten etwas aufgreifen was alle irgendwie dennoch verbindet, wo ein erkennbarer Faden durch die gesamte Arbeiterschaft zu spüren ist. Ich meine, das wir diesen Faden in der allg. Politikverdrossenheit finden könnten. Ihrem eigenem Produkt, das selbst hergestellte Fabrikat aus Lügen, Hoffnung und präventiver Paranoia. Die letzten Wahlen, genauer die Wahlbeteiligung in Sachsen haben mich da recht zuversichtlich gemacht. Gerade mal 20%-30% der Wahlberechtigten sind an die Urne gegangen. Würde sich eine ähnlich geringe Wahlbeteiligung zu den Bundestagswahlen abzeichnen, ist es mehr an der Zeit den Nichtwählern eine "Stimme" zu geben. Die Debatten der Etablierten kann ich mir schon recht gut vorstellen, ich kann mir aber auch sehr gut vorstellen dagegen zu argumentieren nicht wählen zu gehen. Unter Umständen könnte sich daraus sogar eine Staatskrise entwickeln, habe ich mal irgendwo gelesen. Das will ich natürlich gar nicht ^^ Für unsere Ausbeuterfraktion kann ich es ja mal übersetzen: Ich finde es näHmlich total Scheiße das immer über die Nichtwähler hergezogen wird und man mit solchen Phrasen daher kommt "Wer nicht wählen war, kann auch jetzt die Klappe halten." Das ist nicht nur Falsch, sondern auch total daneben. Denn wenn man sich mit dem Wahlakt und Demokratie auseinandersetzt, bleibt einem gar nichts anderes übrig nicht wählen zu gehen wenn das Angebot Scheiße ist. Die Nichtwähler wollen eine Alternative welche wir (damit meine ich jetzt nicht DICH Kapitalist) ihnen geben sollten. Da würde ne Menge an Arbeit und Diskussion auf uns zu kommen und wir müssten jetzt damit beginnen die Fraktion der Nichtwähler zu erreichen. Wie heißt es so schön, der demokratische Konsens bildet sich aus der Mehrheit.....na dann man los. ;)

gruß irrlicht

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ALDI
« Antwort #13 am: 03:46:15 So. 29.Juni 2008 »
Wir hatten hier schon recht hitzige Debatten im Zusammenhang mit Wahlen. In der Fraktion der Nichtwähler sehe ich keine größere Bedrohung auf das Ergebnis der Linken bei einer möglichen Bundestagswahl. Denn die einbehaltenen Stimmen dürften sich im gesamt aus den dann ehemals Etablierten ergeben. Stimmen, die eh schon von denen nach Links oder allg. in kleinere Parteien wandern. Bislang hatte der Nichtwähler immer so ein Schmuddelimage aufgesetzt bekommen. Logisch, denn er bestätigte durch sein eigentlich verbrieftes Recht nicht die bestehenden Machtverhältnisse. Unsere Aufgabe könnte darin bestehen dem Nichtwähler ein Gesicht zu geben womit er sich identifizieren kann. Damit können wir über die künstlich erzeugten Grenzen der Ausgespielten recht einheitlich agieren unabhängig vom sozialen Stand.

gruß irrlicht

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ALDI
« Antwort #14 am: 05:49:15 So. 29.Juni 2008 »
Ich führe den Gedanken mal weiter....

mögliche Aufhänger:

-Workfare ! !
-Überwachung/Zensur
-Energie- Spritpreise
-Lebensmittelverteuerung
-EU-Reform oder Vertrag von Lissabon

Warum verspreche ich mir so viel davon?
Es dürfte leichter sein in diesem Fall Bequemlichkeit zu unterstützen, da sie durch das verbriefte Recht nicht den Urnengang vollführen zu müssen, der Einzelne in der Anonymität unangreifbar bleibt und dennoch Macht durch diesen "Ungehorsam" angreift. Eben dadurch das er seine Stimme behält und nicht einen gewählten Vertreter sein kleines Stück Macht, die Befugnis zukünftig seine Interessen zu vertreten, ihm überträgt. Eine Wahlbeteiligung von weniger als 30% würde den Gewinner gehörig unter Druck setzen durch gegnerische politische Akteure. Letztendlich haben wir dabei nichts zu verlieren und könnten eigentlich als Gewinner der Fraktion Nichtwähler hervorgehen und darüber hinaus evtl. Mitstreiter gewinnen wenn dieses ad absurdum den einen oder anderen "erwachen" lässt.

gruß irrlicht