Autor Thema: Unruhige Krankenhäuser?  (Gelesen 289981 mal)

Pinnswin

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #300 am: 07:42:53 Mi. 04.Juli 2012 »
http://www.heilpraxisnet.de/naturheilpraxis/laender-geben-immer-weniger-fuer-kliniken-aus-901387.php

Länder geben immer weniger für Kliniken aus
Zitat
02.07.2012

Die Bundesländer geben immer weniger Geld für ihre Kliniken aus. Die
gesetzlichen Krankenkassen haben nunmehr den Eindruck, dass sie die
fehlenden Investitionen zulasten der Versicherten ausgleichen müssen.
Denn die Krankenhäuser verlangen zunehmend mehr Geld von den Kassen.
Gegen diese Entwicklung setzt sich nun der Spitzenverband der
gesetzlichen Krankenkassen zur Wehr. Sie fordern mehr Geld von den
Ländern für die Klinikinvestitionen.

Zwischen 2001 und 2011 haben die Länder rund 20 Prozent weniger für
Kliniken ausgegeben, als zuvor. Das ergeht aus den Daten der Arbeitsgemeinschaften
der Obersten Landesgesundheitsbehörden. Vor allem für Sanierungen oder
dem Kauf von medizinischen Großgeräten sind die Zahlungen von ehemals
3,4 Milliarden Euro auf 2,7 Milliarden Euro geschrumpft. Im selben
Zeitraum sind jedoch die Ausgaben der Krankenkassen für Kliniken um
33 Prozent auf 60,8 Milliarden Euro gestiegen. Damit erreichten die
Krankenhauskosten der Kassen ein Rekordniveau.

Bundesländer kommen ihren Zahlungsverpflichtungen immer weniger nach ...
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

counselor

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #301 am: 08:06:28 Mi. 04.Juli 2012 »
"Damit darf Fresenius/Helios nicht durchkommen!"

Hamburg (Korrespondenz), 02.07.12: Über 3.500 Menschen haben am 30. Juni an den Gewerkschaften Verdi und NGG organisierten Demonstration teilgenommen. Sie richtete sich gegen die Entlassungen von 1.000 Kolleginnen und Kollegen der zur Damp-Gruppe gehörenden ZSG (Zentrale Service-Gesellschaft), die zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen von Damp (Fresenius/Helios) für ihre gewerkschaftlichen Forderungen im Streik stehen. Mit den brutalen Entlassungen hat dieser Tarifkampf politischen Charakter bekommen, geht es doch darum, den Angriff auf das gewerkschaftliche Streikrecht zurück zu schlagen ...

Quelle: RF News
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Rudolf Rocker

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #302 am: 11:23:58 Mi. 04.Juli 2012 »
Vielleicht sollte da mal eine Delegation der spanischen Bergarbeiter vorbeikommen? ::)

xyu

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #303 am: 18:10:29 Mi. 04.Juli 2012 »
aus dem "ver.di-Mitgliedernetz":

Zitat
ver.di-Pressemitteilung vom 4.7.2012:
ver.di und NGG haben mit dem Gesundheitskonzern Fresenius Helios in der Nacht zu Mittwoch eine Tarifeinigung für die rund 5.600 Beschäftigten der norddeutschen Klinikgruppe Damp erreicht. Helios bietet per Tarifvertrag allen Beschäftigten der Zentralen Service-Gesellschaft (ZSG) die Weiterbeschäftigung bis zu 18 Monaten zu bisherigen Konditionen an. Die rund 1.000 Kündigungen sind damit vom Tisch.

Außerdem behalten Service-Beschäftigte ihre bisherigen Entgelte auch bei einem Wechsel in neue Servicegesellschaften. Für diejenigen, die dort keinen Arbeitsplatz finden, wird eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft eingerichtet. Betriebsbedingte Kündigungen sind in dieser Zeit ausgeschlossen. „Dieses Ergebnis ist vor allem der Entschlossenheit der Beschäftigten und der Unterstützung von Öffentlichkeit, Patienten und Politik zu verdanken“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke am Mittwochmorgen in Berlin.

Für die Beschäftigten der Akutkliniken und Rehaeinrichtungen gibt es eine Reihe von Verbesserungen. Für die Rehakliniken wurde rückwirkend zum 1. Mai 2012 eine Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent vereinbart, zusätzlich 1,4 Prozent ab 1. Januar 2013. Dies gilt auch für das Therapiezentrum Stralsund, das in den Tarifvertrag einbezogen wird. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akutkliniken erhalten Tariferhöhungen analog zu den Regelungen für den öffentlichen Dienst: zunächst 3,5 Prozent mehr rückwirkend zum 1. Mai 2012 und zwei weitere Erhöhungen von jeweils 1,4 Prozent zum 1. Januar und zum
1. August 2013. Beschäftigte der Kliniken, deren Entgelte oberhalb des Tarifniveaus des öffentlichen Dienstes liegen, profitieren jeweils zur Hälfte von den Erhöhungen. Für die Akutkliniken wurde zudem eine finanzielle Aufwertung der Fachpflege (Intensiv, OP, Anästhesie) vereinbart.

Auch beim Weihnachtsgeld gibt es teils spürbare Verbesserungen. In den Akutkliniken beträgt es für die Entgeltgruppen 1 bis 8: 80 Prozent, für die Entgeltgruppen 9 bis 12: 70 Prozent, für die Entgeltgruppen 13 bis 15: 50 Prozent. In den Rehaeinrichtungen beträgt das Weihnachtsgeld künftig 80 Prozent eines Monatsgehalts inklusive Zuschläge. Dies ist für einen Großteil der Beschäftigten eine deutliche Erhöhung, teilweise sogar eine Verdoppelung. Außerdem gaben die Arbeitgeber den Gewerkschaften für die beiden neuen Helios-Servicegesellschaften in Norddeutschland eine Verhandlungszusage zur tariflichen Absicherung von Arbeits- und Entlohnungsbedingungen aller Service-Beschäftigten.

„Nach einer außergewöhnlich harten Auseinandersetzung haben wir mit der Tarifeinigung in der Damp-Gruppe die Grundlage für weiterhin gute Gesundheitsversorgung und zuverlässige Serviceleistungen zu existenzsichernden und fairen Entgelten gelegt“, betonte Paschke. „Es ist gut, dass Fresenius Helios mit diesem Abschluss die qualitativ hochwertige Leistung der Beschäftigten anerkennt.“ Die Verhandlungskommission empfiehlt der Tarifkommission die Annahme des Ergebnisses, im Anschluss stimmen die Gewerkschaftsmitglieder bei Damp in einer zweiten Urabstimmung über die Einigung ab. Die Streiks werden ab dem morgigen Donnerstag eingestellt.


hier noch eine aktuelle information zum seit mehr als einem Jahr andauernden Tarifkonflikt bei den Wicker-Kliniken in Hessen:

Zitat
Private Kliniken
Kliniken des Wicker-Konzerns
Viel erreicht und noch viel zu tun

Lohnerhöhung: erreicht, Tarifvertrag: in Bearbeitung

https://gesundheit-soziales-hessen.verdi.de/aktuelles-aus-dem-fb-03/archiv-2012-01-halbjahr/pm-2012-06-25


Rudolf Rocker

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #304 am: 18:16:05 Mi. 04.Juli 2012 »
Diese "Erhöhung" deckt doch nicht mal die Reallohnverluste, oder?

admin

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #305 am: 13:32:16 Mi. 25.Juli 2012 »
Zitat
Erste Folgen im Tarifstreit an Sylter Klinik


Streikende Mitarbeiter der Sylter Nordseeklinik

 Etwa 70 der 420 Klinik-Beschäftigten haben sich an einer Protestaktion beteiligt. Im Tarifstreit an der Nordseeklinik in Westerland auf Sylt zieht der Betreiber Asklepios erste Konsequenzen: Alle Geburten sollen aufs Festland verlegt werden. Lediglich Notfälle könnten noch in der Geburtshilfe versorgt werden. Asklepios macht den Streik der Mitarbeiter dafür verantwortlich. Zuvor hatte das Unternehmen angedroht, die Reha-Klinik in Westerland zu schließen. Ob es dazu kommt, will Asklepios in Kürze entscheiden. Die Gewerkschaft ver.di hält das für eine leere Drohung, um Druck aufzubauen. Sie hatte für Dienstag zu einer Kundgebung aufgerufen. Am Vormittag versammelten sich etwa 70 der 420 Mitarbeiter vor dem Krankenhaus, um gegen Asklepios zu protestieren.

Ärzte-Kritik an Asklepios

Aus Sicht der Sylter Gynäkologen sind nicht die streikenden Mitarbeiter schuld an der Situation, sondern die Geschäftsführung der Klinik. Die Mediziner berichteten der NDR 1 Welle Nord, dass schon Wochen vor dem Streik die Geburtsstation geschlossen wurde. Die Mütter und Neugeborenen wurden seitdem in der Chirurgie des Inselkrankenhauses behandelt. Für die Ärzte ist es unzumutbar, dass Schwangere nun mit dem Hubschrauber nach Niebüll oder Flensburg geflogen werden müssen.

Drohende Schließung


Nach Angaben von Asklepios nehmen derzeit drei Prüfer der Deutschen Rentenversicherung (DRV) die Reha-Klinik genau unter die Lupe. Sie befragen Patienten, wie sie medizinisch versorgt werden, ob das Essen schmeckt und wie oft die Zimmer gereinigt werden. Asklepios befürchtet, dass die Prüfer Mängel feststellen, weil derzeit viele Behandlungen ausfallen und nicht mehr so gründlich geputzt wird. Der Klinik-Betreiber macht dafür den Streik verantwortlich und geht davon aus, dass die DRV keine Patienten mehr nach Sylt schicken wird. Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt sagte der NDR 1 Welle Nord: "Der Reha-Klinik droht aufgrund des Streiks der kurzfristige Entzug der Belegung durch die DRV und damit das Ende. Möglicherweise müssen wir schon am Mittwoch die Schließung bekanntgeben."

Ver.di: "Klinik ist gesund"


Die Gewerkschaft hält das für eine leere Drohung. Ursula Rummel vom ver.di-Bezirk Westküste sprach von einem unglaublichen Vorgang, die Klinik sei "gesund". "Die Stimmung liegt zwischen Empörung und Fassungslosigkeit angesichts dieser Kaltschnäuzigkeit." Lieber werde eine gesunde Klinik geschlossen als Tarifverhandlungen geführt. Die Situation sei mit der jüngsten Auseinandersetzung an den Damp-Kliniken vergleichbar, bei denen Mitarbeitern zunächst gekündigt worden war. "Wir warten nun darauf, wie Asklepios reagiert." Die Deutsche Rentenversicherung will sich im laufenden Verfahren nicht äußern.

Streikbrecher vom Festland


Asklepios versucht nun, sogenannte Streikbrecher aus Kliniken vom Festland auf die Insel zu holen. Ein entsprechender Rundbrief an die Mitarbeiter liegt der NDR 1 Welle Nord und dem Schleswig-Holstein Magazin vor. Beschäftigten, die während des Streiks auf Sylt aushelfen, wird eine Prämie von 200 Euro pro Tag sowie freie Kost und Logis auf Sylt und die Anreise auf die Insel angeboten. "Wir versuchen natürlich, Unterstützung von Kollegen anderer Asklepios Kliniken zu bekommen. Die Zahl dieser Helfer beläuft sich auf etwa fünf Prozent der Klinik-Belegschaft, also rund zwei Dutzend", sagt Asklepios-Sprecher Schmidt. Die Mitarbeiter vor Ort sprechen von etwa 35 Streikbrechern.

Kein Ergebnis im Tarifstreit in Sicht


Ver.di fordert eine Lohnerhöhung von 14,5 Prozent und den Abschluss eines Tarifvertrags. Asklepios-Sprecher Schmidt erklärte, das medizinische Personal habe bereits eine Lohnerhöhung erhalten: "Seit Juni zahlt die Klinik von sich aus dem Personal, das direkt in den medizinischen Behandlungsprozess eingebunden ist, 3,5 Prozent mehr Gehalt." Das nicht-medizinische Personal aus dem Service-Bereich habe keine derartige Lohnerhöhung bekommen, weil es bereits jetzt zwischen 13 und 30 Prozent über den Vergleichslöhnen auf der Insel liege. Das Reinigungspersonal verdiene pro Stunde zwischen 10 und 12 Euro, vereinzelt sogar bis zu 15 Euro.
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/asklepios123.html

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #306 am: 12:32:09 Mo. 30.Juli 2012 »
Zitat
Schwerin und Leezen
Servicepersonal von Helios-Kliniken im Warnstreik

In den Helios Kliniken Schwerin und der Helios Reha-Klinik Leezen treten heute die Service-Mitarbeiter in einen ganztägigen Warnstreik.




Schwerin. Die Service-Mitarbeiter der Helios Kliniken Schwerin und der Helios Reha-Klinik Leezen treten heute in einen ganztägigen Warnstreik. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, will sie für die rund 650 Mitarbeiter der Servicegesellschaft Helios Service Nord GmbH (HSN) einen Haustarifvertrag durchsetzen. Helios lehne die Aufnahme von Tarifgesprächen ab, teilte Verdi-Fachbereichssekretärin Diana Markiwitz mit. Die Beschäftigten fordern mit dem Warnstreik den Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zu kommen.

Die Beschäftigten der Service GmbH arbeiten laut Gewerkschaft unter anderem in der Küche, der Reinigung, dem Service auf Station, im Hol- und Bringedienst und im Lager. Ihre Einkommen sind weit von einem existenzsichernden Lohn entfernt. So erhalten sie in der Helios Klinik Schwerin einen Einstiegs-Stundenlohn von 6,39 Euro, später 6,90 oder 7,63 Euro.

Schwerin ist mit 500 Mitarbeitern der weitaus größte Standort der Servicegesellschaft. Neben Leezen bei Schwerin gibt es mehrere kleine Standorte in Schleswig-Holstein und Hamburg.
http://www.abendblatt.de/region/article2354398/Servicepersonal-von-Helios-Kliniken-im-Warnstreik.html

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #307 am: 20:48:33 Mi. 01.August 2012 »
Zitat
Auslagerungen
Ulmer RKU-Klinik droht Streik

Wegen befürchteter Auslagerungen und Jobstreichungen an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) wollen Betriebsrat, Gewerkschaft und Mitarbeiter am 1. August über weitere Proteste beraten.


Nach Ver.di-Angaben sind alle 77 Beschäftigten der Service-Bereiche wie Speisesaal und Haustechnik betroffen. Das wär mehr als jeder Zehnte der 750 RKU-Mitarbeiter. Befürchtet wird zudem der Einsatz von Leiharbeitern.

Auf Basis einer Wirtschaftlichkeitsprüfung beider Gesellschafter - dem Universitätsklinikum und dem privaten Klinikkonzern Sana – sprach die RKU-Leitung bisher von notwendigen Veränderungen. In einer Mitteilung heißt es: "Professionalität der Servicequalität und Kostenvergleiche geben Anlass zum Handeln."

Die Prüfung habe ergeben, "dass die Serviceleistungen durch externe Fachdienstleister effizienter und auch deutlich günstiger erbracht werden können", erklärte Geschäftsführer Uwe Gretscher ohne Details zu nennen. Die Einrichtung stehe in starkem Wettbewerb zu anderen Anbietern.

Seit Wochen protestieren viele der RKU-Mitarbeiter in ihren Mittagspausen wegen erwarteter Kündigungen, ein Streik sei nicht mehr auszuschließen. Am Mittwoch kommt die Belegschaft in einer außerordentlichen Versammlung des Betriebsrates zusammen.
http://www.welt.de/regionales/stuttgart/article108429150/Ulmer-RKU-Klinik-droht-Streik.html

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #308 am: 20:33:22 Do. 16.August 2012 »
Zitat
Schwerin und Leezen
Servicepersonal von Helios-Kliniken streikt erneut

Die Servicegesellschaft der Helios-Kliniken legt in Schwerin und Leezen für zwei Tage die Arbeit nieder. Dritter Warnstreik innerhalb von zwei Wochen.




Ein zweitägiger Warnstreik hat am Mittwoch bei der Helios-Servicegesellschaft der Kliniken Schwerin und Leezen begonnen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi beteiligen sich 110 der gut 500 Mitarbeiter. Bereits am Dienstag habe eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik begonnen, sagte Verdi-Sprecherin Diana Markiwitz. Das Ergebnis soll am Freitag vorliegen. Sollten 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder in der Belegschaft für Streik stimmen, könne es schon kommende Woche zur unbefristeten Arbeitsniederlegung kommen.

Anlass für die Aktion ist Verdi zufolge, dass der Klinikkonzern Tarifverhandlungen für die Aufsplittung der Servicegesellschaft in fünf einzelne Gesellschaften abgelehnt hat. Die Aufsplittung ist für Anfang September vorgesehen. Die Mitarbeiter der Servicegesellschaft arbeiten in Küche, Reinigung, Lager sowie Hol- und Bringedienst. Der Einstiegslohn liegt Verdi zufolge aktuell bei 6,39 Euro.

Der Warnstreik ist bereits der dritte innerhalb von zweieinhalb Wochen. Am Dienstag vergangener Woche hatten sich rund 200 Servicemitarbeiter am Warnstreik beteiligt.
http://www.abendblatt.de/region/article2370787/Servicepersonal-von-Helios-Kliniken-streikt-erneut.html

xyu

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #309 am: 20:51:33 Di. 21.August 2012 »
Zitat
22.08.2012 / Inland /
»Der Ton wird rauher«
Viele private Klinikbetreiber setzen auf Konfrontation mit ihren Belegschaften, um Lohnerhöhungen zu vermeiden. Streiks und Repression bei Helios und Asklepios
Von Daniel Behruzi

Die Arbeitskonflikte bei privaten Klinikbetreibern häufen sich. Bei der Helios Service Nord GmbH (HSN) begann am Dienstag ein unbefristeter Streik. Damit wollen die Gewerkschaften ver.di und IG BAU den Helios-Konzern zwingen, Tarifverhandlungen für seine norddeutsche Servicetochter aufzunehmen. Bislang sind die Einkommen und Arbeitsbedingungen bei HSN tariflich nicht geregelt. Gleiches gilt für die zum Asklepios-Konzern gehörende Nordseeklinik Sylt. In beiden Fällen beklagt ver.di ein extrem konfrontatives und teilweise illegales Vorgehen der Geschäftsleitungen.

An der Sylter Nordseeklinik war Dienstag bereits der 21. Streiktag. Seit dem 4. Juli legen die Beschäftigten verschiedener Bereiche immer wieder tageweise die Arbeit nieder, um das Unternehmen zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zu zwingen. Aktuell liegen die Löhne und Gehälter auf der Insel nach Gewerkschaftsangaben rund 14,5 Prozent unter dem Niveau des Flächentarifs für den öffentlichen Dienst. An den Arbeitsniederlegungen haben sich laut ver.di insgesamt rund 130 Beschäftigte beteiligt – über ein Drittel des nichtärztlichen Personals. Die Asklepios-Manager stellen dennoch auf stur. »Der Arbeitgeber versucht, den Streik auszusitzen«, berichtete ver.di-Sekretärin Ursula Rummel am Dienstag gegenüber junge Welt. Ganz untätig ist die Asklepios-Spitze allerdings nicht. Im Gegenteil läßt sie nichts unversucht, den Streik zu brechen. So erhielten die streikenden Mitarbeiter der Bäderabteilung zu Wochenbeginn ein Schreiben, in dem das Unternehmen erklärte, ihre Arbeitskraft werde bis Ende August nicht mehr zu benötigt. Soll heißen: Die Betroffenen werden ausgesperrt.

»Damit hat das Vorgehen gegen den Streik eine neue Qualität erreicht«, meinte Rummel. Schon vorher hatte der Konzern gezielt zum Streikbruch mobilisiert. Bundesweit wurden Mitarbeiter in Asklepios-Standorten mit freier Kost und Logis sowie Prämien nach Sylt gelockt, um ihre streikenden Kollegen zu ersetzen. Allein in der Bäderabteilung sind laut ver.di zwölf Streikbrecher im Einsatz, die neben kostenloser Verpflegung, Unterkunft und Fahrtkosten eine Prämie von 200 Euro pro Arbeitstag erhielten. Insgesamt arbeiten laut ver.di etwa 25 bis 30 betriebsfremde Personen in der Nordseeklinik.

»Die Einschüchterungsversuche schlagen fehl«, ist Rummel überzeugt. »Jede dieser Aktionen motiviert die Streikenden noch mehr.« Die Gewerkschafterin kündigte die Prüfung juristischer Schritte gegen die nun ausgesprochenen Aussperrungen an. Ellen Paschke, im ver.di-Bundesvorstand für Gesundheitsberufe zuständig, reagierte empört auf den jüngsten Eskalationsschritt der Asklepios-Spitze. »Die fortgesetzten Rechtsverstöße lassen die Zweifel wachsen, ob der Asklepios-Konzern geeignet ist, überhaupt Kliniken und Reha-Einrichtungen zu betreiben«, erklärte sie am Montag in Berlin.

Eine ähnliche Härte zeigt der Asklepios-Konkurrent Helios bei seinem ebenfalls in Norddeutschland tätigen Tochterunternehmen HSN. Unmittelbar nach einem ersten Warnstreik teilte das Management der Belegschaft Anfang August mit, die HSN kurzfristig in fünf separate Gesellschaften aufzuspalten. Nach Überzeugung der Betriebsräte soll der Arbeitskampf auf diese Weise unterlaufen werden.

Als Reaktion rufen ver.di und IG BAU die HSN-Mitarbeiter in Schwerin und Leezen seit Dienstag zu unbefristeten Arbeitsniederlegungen auf. Zum Auftakt haben sich daran nach Gewerkschaftsangaben rund 110 Beschäftigte beteiligt. »Der Streik hat in allen Bereichen Auswirkungen«, zeigte sich ver.di-Sekretärin Diana Markiwitz auf jW-Nachfrage überzeugt. Küchenbeschäftigte, Mitarbeiter des Hol- und Bringedienstes, Putzfrauen und Stationsassistenten – aus allen Abteilungen haben sich ihr zufolge Kollegen dem Ausstand angeschlossen, um die Geschäftsleitung an den Verhandlungstisch zu zwingen. Ziel der Gewerkschaft ist es u.a., einen Entgelttarifvertrag mit einem Einstiegslohn von mindestens zehn Euro pro Stunde durchzusetzen. Zur Zeit liegen die untersten Stundenlöhne bei 6,39 bzw. 6,90 Euro.

Bis Ende des Monats sollen die Arbeitsniederlegungen weitergehen. Was dann passiert, ist unklar. Denn bereits zum 1. September sollen die insgesamt rund 650 Beschäftigten auf fünf formal eigenständige Unternehmen aufgeteilt werden. »Wir werden nach intensiver Rücksprache mit den Kolleginnen und Kollegen entscheiden, wie wir weiter vorgehen«, kündigte Markiwitz an. Rein rechtlich könnte die Gewerkschaft den Streik nach Auflösung der HSN nicht einfach fortsetzen. Zunächst müßte ver.di die fünf Firmen deshalb wohl jeweils zur Aufnahme von Tarifverhandlungen auffordern. Jetzt sollen aber erst einmal die letzten beiden Augustwochen genutzt werden, um den Druck zu erhöhen. »Die Streikenden sagen einhellig: Wir haben nichts mehr zu verlieren«, so Markiwitz.

Jan Jurczyk, Sprecher des ver.di-Bundesvorstands, beobachtet die Entwicklungen in den Privatkliniken mit Sorge. Offenbar orientierten sich die Manager verschiedener Häuser bei ihrem kompromißlosen Vorgehen aneinander. »Der Ton und die Umgangsformen sind bei einigen privaten Klinikbetreibern deutlich rauer geworden«, erklärte er im jW-Gespräch. »Immer häufiger brechen die Geschäftsleitungen Konflikte mit ihren Beschäftigten vom Zaun, zu Lasten der Arbeits- und Einkommensbedingungen.« Die Betroffenen und ver.di würden dem weiterhin entschlossen entgegentreten.

http://www.jungewelt.de/2012/08-22/039.php

bemerkenswert, was sich Asklepios die Streikbrechertätigkeit kosten lässt.

dagobert

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #310 am: 23:54:21 Di. 04.September 2012 »
bemerkenswert, was sich Asklepios die Streikbrechertätigkeit kosten lässt.

Wenn es gelingt die Belegschaften zu spalten, dann lohnt sich das langfristig.  kotz
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #311 am: 19:04:48 So. 16.September 2012 »
Interview zum Jahrestag des Streiks

Steven Neubach arbeitet im Krankentransport am Standort Mitte bei der Charité Facility Management GmbH (CFM), Tochterfirma der Charité. Am 12. September 2011 trat er gemeinsam mit vielen seiner Kolleginnen und Kollegen in den Streik – die darauffolgenden Verhandlungen dauern bis heute an. Wir haben ein Interview mit ihm über die aktuelle Situation und die Lehren des Streiks geführt. Ein Interview von Stefan Schneider mit Steven Neubach auf Indymedia vom 12.09.2012: http://de.indymedia.org/2012/09/334794.shtml

xyu

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #312 am: 22:43:14 Do. 20.September 2012 »
Zitat
Das „Schwarzbuch CFM-Streik“ – eine kritische Bilanz von 13 Wochen Streik in einem prekarisierten Betrieb
online lesbar unter http://www.klassegegenklasse.org/broschure-streik-gegen-prekarisierung/

Zitat
Mehr Personal soll her
Charité Berlin: Ver.di fordert Tarifvertrag über Mindestbesetzung in der Krankenpflege. Regelung hätte Pilotcharakter für Bundesrepublik
ganzer artikel unter https://linksunten.indymedia.org/de/node/67392

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #313 am: 18:46:10 Mi. 24.Oktober 2012 »
Südafrika

Zitat
Kamwi stemmt sich gegen Streik
Krankenpfleger fühlen sich von Regierung und von Gewerkschaften verlassen

Das Gesundheitspersonal der Staatskrankenhäuser von Windhoek lässt sich nicht länger beschwichtigen und vertrösten und droht mit Streik. Vertreter werden vorerst direkt an Premierminister Nahas Angula herantreten, der für den Staatsdienst zuständig ist.


Windhoek – „Seid Ihr böse auf mich?“ wollte Gesundheitsminister Dr. Richard Kamwi gestern im brechend vollen Saal der Krankenpfleger von Katutura wissen. „Ja!“ brüllte die gesamte Belegschaft ihn an...
http://www.az.com.na/politik/kamwi-stemmt-sich-gegen-streik.157668.php

xyu

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #314 am: 16:20:23 Di. 06.November 2012 »
Milano/Italien: 10.000 demonstrieren gegen Entlassungen im Krankenhaus San Raffaele: http://www.usi-ait.org/index.php/component/content/article/55-ospedale-san-raffaele-milano/439-continua-la-lotta-al-san-raffaele